Großbritannien: London Camden Market

London, Camden Market

Märkte der Möglichkeiten

Auf Londons bekanntesten Markt im Künstlerviertel Camden drängen sich Einheimische und Touristen an den Ständen vorbei. Das Angebot ist breit und reicht vom Porzellanteller mit dem Konterfei der Queen bis zur Tower Bridge in Plastik – Made in China. Neben geschmacklosen Souvenirs wird aber vor allem Individuelles und Kreatives verkauft: Maßgeschneiderte Kleider in extravaganten Schnitten und Farben, Hüte mit verwegenem Design und Hosen mit Schlag. Oder Tische und Stühle aus Holz oder Metall – auf jeden Fall aber selbst gemacht. Antiquitäten, Uniformen aus alten Armeebeständen oder dem Theaterfundus, Schuhe aus der Zeit des Rokoko und das neuste Liegefahrrad aus einer Werkstatt aus Südengland. Auf dem Camden Market gibt es nichts, was es nicht gibt.

Renner sind aber gegenwärtig T-Shirts mit den Motiven des Graffiti Künstlers Banksy, der mit viel Ironie die Londoner Szene beobachtet. In seinen Bildern werfen die Streetfighter beispielsweise nicht mit Steinen sondern Blumen. Banksy Graffiti

Bluse in Rot und Orange

Ein kleiner Vietnamese hält an einem Kleiderstand ein Tuch hoch – eine improvisierte Umkleidekabine – hinter dem ein spanische Touristin eine Bluse in gewagter Farbkombination anprobiert. Rot und Orange zusammen steht nicht jedem. Doch die junge Frau aus Valencia kann sie aber tragen. 40 Pfund wechseln den Besitzer. 50 Euro für ein Einzelteil, da kann man nicht meckern.

Mark, der Händler am Nebenstand, ist gleichzeitig auch der Designer der Kleider, die er verkauft. Und er näht sie auch selbst zusammen. Ausgangsmaterial für die eng auf den Körper geschnittenen Teile sind Männerhosen, die er zerschnippelt und wieder neu zusammensetzt. Mit seinen auffälligen Kreationen wolle er einen Gegenpol zum Einheitslook setzen, sagt Mike. „Das Geschäft läuft gut. Von der Wirtschaftskrise spüre ich nichts”, sagt er. Auch bei der Spanierin scheint das Geld noch locker zu sitzen. Als ich sie etwas später zufällig wiedersehe, trägt sie schon drei Taschen in der Hand.

Biltong von der Insel

Eng und hektisch geht es in Camden zu – auf dem Maltby Street Market im Stadtteil Bermondsey hat man dagegen viel Platz. Hierher kommen die Gourmets der britischen Hauptstadt, um sich mit den besten Rohwaren zu versorgen. Schnäppchen sucht man aber vergebens – Qualität hat hier ihren Preis.

Die Händler reisen aus dem ganzen Land an. Nick Greef beispielsweise kommt von der, vor der Südküste gelegenen,  Isle of  Wight, um sein Biltong zu verkaufen. Biltong, luftgetrocknetes Fleisch, kennt man sonst nur aus Südafrika. Greef  produziert seines aus dem Fleisch freilaufender Rinder von seiner kleinen Insel.

Einige Meter weiter, bei Tozino, verkauft man spanischen Schinken, hauchzart und unter dem Motto “slices of heaven”. Maltby Market

Gleich nebenan bietet dann ein norwegischer Einwanderer “organic smoked salmon” an – 5 Pfund für 100 Gramm, macht mehr als 75 Euro fürs Kilo. Doch der Preis schreckt hier niemanden. Im Gegenteil: Der Stand ist lange vor Marktschluss leergekauft.

In Neal’s Yard Dairy stehen Kunden für Käse an. Dutzende Sorten stehen zur Auswahl. Besonders beliebt ist der würzige „Stichelton cheese“  aus der Käsehauptstadt des Landes.

In der St. John Bakery, die mit dem gleichnamigen Sternelokal sowohl den Namen, als auch den Besitzer teilt, wird das beste Brot der Stadt verkauft. Selbst strenge deutsche Tester sind nach dem Biss in die knusprige Kruste begeistert. Vielleicht sogar noch besser sind die Süßspeisen. Die Londoner Version der “Berliner Pfannkuchen” ist üppig mit Sahne gefüllt und deckt spielend den Tageskalorienbedarf eines erwachsenen Mannes. Mit dem Süßteil in der Hand geht es um die Ecke zum Monmouth Coffee. Der Kaffeeröster ist eine Londoner Institution. Nur um im Monmouth einen Cappuccino oder Latte zu trinken, reist so mancher Londoner aus dem anderen Ende der Stadt an. Wer nicht nur auf die rustikalen Bänke vor dem Laden seinen Kaffee schlürfen will, kann die edlen Bohnen auch hier kaufen und zu Hause den Kaffeeduft durch die Wohnung ziehen lassen.

Den Marktbummel alkoholisch beendet man schließlich bei “The Kernel”. Das Pale Ale der Mikrobrauerei mit einem ordentlichen Alkoholgehalt von 5,7 Prozent ist der Favorit der meisten Marktbesucher.

The Kernel

Und wo wohnt man wenn man in London unterwegs ist?

Der Ferienhausbroker Housetrip (https://www.housetrip.com/) vermittelt Wohnungen in besten Lagen zum günstigen Preis. So wird der Londonaufenthalt erschwinglich und es bleibt genügend Geld fürs Shopping.

Rasso Knoller

Info:

Maltby Street Market,www.maltbystreet.com

Monmouth Coffee, www.monmouthcoffee.co.uk

Nick&Sarah Greff, www.isleofwightbiltong.co.uk

Tozino, www.tozino.com

St. John Bakery, www.stjohnbakerycompany.com

Neals Yard Dairy,www.nealsyarddairy.co.uk

The Kernel, http://thekernelbrewery.com

 

Von London gleich weiter nach Cardiff?

Großbritannien/Wales: Cardiff – Kultur statt Kohle

 

Großbritannien: Harry Potter – Magisches von Hogwarts und Hedwig

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Warner Bros. Studios bei London – In den Hallen wird die Welt von „Harry Potter“ für die Fans lebendig.

Einmal eintauchen in die magische Welt von Harry Potter, Ron und Hermine: In den Warner Bros. Studios in Leavesden, 30 Kilometer nördlich von London, geht das in Sekunden. Und dann steht der Besucher mittendrin in der Winkelgasse, kostet Butterbier und geht ehrfürchtig durch die große Halle von Hogwarts, in der Direktor Dumbledore gerade zu einer Rede ansetzen will.

„Wow“, entfährt es nicht nur den jungen Besuchern beim Anblick der großen Halle. In zwei langen Reihen sind die Bänke und Tische angeordnet, gedeckt für die Zauberschüler von Hogwarts. Eingeteilt nach den vier Häusern Hufflepuff, Ravenclaw, Slytherin und Griffindor könnten eigentlich Daniel Radcliffe als Harry Potter, Emma Watson als Hermine und Rupert Grint als Ron sofort Platz nehmen. Licht an, Kamera an und Action. Das sagt dann aber doch keiner.

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Viele liebevolle Details

Zehn Jahre lang wurde in den Hallen eines ehemaligen Fluggeländes gedreht. Acht Filme entstanden nach den fantastischen Büchern von J. K. Rowling über einen ganz besonderen Zauberlehrling. Für viele Darsteller und Mitarbeiter wuchs die Crew zu einer großen Familie zusammen. Diese Begeisterung für die Arbeit ist auch beim Rundgang in den Studios zu spüren.

Wer im Zeitalter von Computer animierten Filmen gedacht hat, bei den acht Streifen um den Zauberlehrling kommt vieles aus der Retorte, sieht sich in den Studios positiv überrascht. Allein schon das Büro von Direktor Dumbledore fasziniert mit einer Vielzahl von liebevoll gestalteten Details. Im kleinen Schränkchen drehen sich 900 Phiolen, in den Regalen reihen sich magische Utensilien und jede Menge Bücher aneinander. Das teuerste Requisit der ganzen Produktion sei allerdings Dumbledores Teleskop, verrät die Führerin. Was dafür ausgegeben wurde, will sie nicht Preis geben. Doch wenn man geschliffene Linsen einbauen würde, sei es voll funktionsfähig.

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Ein Blick hinter die Kulissen

Nicht minder liebevoll eingerichtet sind die Hütte des Halbriesen Hagrid, bewacht von Hund Fluffy, oder auch Wohnzimmer und Küche der Weasleys, in der das Messer ganz von allein Gemüse schneidet. Im Klassenzimmer zur Herstellung der Zaubertränke verleihen die unzähligen Glasgefäße an der Wand, die goldenen Schriftzeichen an der Decke oder auch der magische Kessel, in dem die Zaubertränke entstehen, der Szenerie Authentizität.

Vor drei Jahren öffneten die Studios die Pforten für die Potter-Fans auf der ganzen Welt. Seitdem strömen täglich bis zu 5000 Begeisterte und bestaunen die Filmsets. „Die Potter-Fans wollen wissen, wie die Filme entstanden“, sagt Rachel Parsons, Kommunikationsmanagerin der Studios. Und das können die Besucher in Hülle und Fülle erleben. Die Maske mit Harrys Narbe gibt es gleich mehrfach, die Spinne Aragog erscheint bei Tageslicht nicht mehr ganz so gruselig und Hauself Dobby mit den spärlichen Härchen an Kinn und Ohren ist einfach zum Knuddeln.

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Wutschen und Wedeln

Ein Zauberstab gefällig oder Harrys berühmter Besen „Nimbus 2000“? Mehrere Tausend Zauberstäbe wurden für das Set benötigt, allein für Harry Potter gab es 18 Stück. Und während es für den ersten Film noch einfache „Stöcke“ waren, wurden sie später für den entsprechenden Besitzer modifiziert. So ziert den Zauberstab von Lord Voldemort ein Totenkopf, den von Dumbledore dagegen magische Runen. Wie der Flugbesen Nimbus in Handarbeit geschnitzt wird, erfahren die Besucher gleich nebenan. Davor testen aber die meisten das Gerät erst mal in der „Green Box“. Mithilfe eines grünen Raumes wird die Computersimulation möglich. Schnell den Umhang der Schüler übergeworfen und schon kann es losgehen zum Flug durch London, über die Themse und schließlich über Hogwarts. Ein Foto dieses persönlichen Hogwarts-Besuchs kann man anschließend gleich erwerben. Und wem das noch nicht reicht, der lernt beim „Wutschen und Wedeln“ den richtigen Umgang mit dem Zauberstab.

Zu Hogwarts gehört Butterbier. Aber diese magische Erfrischung, die mehr nach Karamell als nach herben Bier schmeckt und nur mit passender „Schaumkrone“ serviert wird, ist sehr gewöhnungsbedürftig. Trotzdem testen es die meisten und wandeln mit vollen Bechern über die schwankende Brücke, die Hogwarts mit Hagrids Hütte verbindet.

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Harrys Eule Hedwig

Gleich nebenan steht das Haus der Dorsleys, wo Harry aufgewachsen ist. Allerdings ohne Eulen. „Die sind gar nicht so schlau wie man landläufig denkt. Raben lernen erheblich schneller“, erzählt Tiertrainer Guillaume Grange. Er hat zusammen mit seinem Kollegen insgesamt neun Eulen für die Filme ausgebildet. Für die Szene am Beginn des ersten Films, als zig Eulen die Privet Street bevölkerten, wurden die Eulen immer wieder an andere Stellen umgesetzt und so die große Menge an Vögeln erzeugt. Wton, wie Harrys Eule Hedwig mit „bürgerlichem Namen“ heißt, sei übrigens ein Männchen.

Man muss nicht unbedingt glühender Verehrer des jungen Magiers sein, um sich von der Entstehung der Filme gefangen nehmen zu lassen. Beim Schlendern durch die einzelnen Sets fängt sich der Blick unweigerlich in den vielen Kleinigkeiten. Es gibt viel zu entdecken – auch in der Winkelgasse. Ob Gringotts, Ollivanders Zauberstab-Geschäft oder der Laden für den Quidditch-Bedarf mit einem der fünf goldenen Schnatze: Stundenlang kann man verweilen. Einen ganzen Tag hat übrigens schon mal ein Besucher die Ausstellung genossen. Denn neben den Sets gibt es auch viel Technisches zu bestaunen, etwa die Konstruktionszeichnungen der Gebäude oder ein riesiges Hogwarts-Modell.

Wer die Studios besuchen will, muss sich übrigens vorher anmelden und im Vorverkauf Tickets sichern. Der passende Harry-Potter-Bus fährt im Londoner Zentrum zu den Studios.

Diana Seufert

 

Großbritannien: Whisky – Das Nationalgetränk der Schotten

Auchentoshan Distillery

Der Herbst ist eine wunderbare Zeit, um Glasgow und das Land der über 100 Whisky-Brennereien zu bereisen. Denn Glasgow ist der ideale Ausgangspunkt für eine Reise rund um das „Wasser des Lebens“, wie die Schotten ihren Whisky gerne nennen. Kurz hinter den Stadtgrenzen befinden sich zwei der ältesten Brennereien Schottlands, in Glasgow selbst bieten Whisky-Bars und -Stores die besten Scotch-Whiskys des Landes an und neben zahlreichen Verkostungs-Veranstaltungen gibt es in der schottischen Metropole noch vieles mehr zu entdecken.

Beispielsweise, dass Whisky nicht nur ein Getränk für harte Männer, sondern durchaus auch für genießerische Frauen ist. Kein Wunder, denn wenn einem ein Hauch von Marzipan, etwas Honig und eine leichte Prise Vanillearomen um die Nase weht, es im Glas goldgelb schimmert und auf der Zunge eine weiche, warme Süße liegt, bevor der Whisky langsam die Kehle hinunter rinnt, dann erlebet man geschlechterunabhängig, was genau Whiskygenuss pur eigentlich bedeutet.

Bottle and glass close-upBis heute rätseln die Wissenschaftler, ob Irland oder Schottland das Ursprungsland des Whiskys ist. Fakt ist jedoch, dass das Wort Whisky erstmalig 1736 erwähnt wurde. Knappe 100 Jahre später gründete George Connell im Jahre 1833 die Destillerie Glengoyne, die heute mehr denn je Besucher aus der ganzen Welt anzieht. Besonders aufregend: In der idyllisch an einem Wasserfall gelegenen Destillerie können Besucher bei der „Bottle your own“ Tour ihren eigenen Single Malt Whisky abfüllen und sich anschließend mit stolzer Brust und einer Urkunde „Whisky Master Blender Extraordinaire“ nennen. Glengoyne ist übrigens eine der ganz wenigen Destillerien, die sich immer noch in unabhängigem schottischen Familienbesitz befindet (www.glengoyne.com).

Alternativ zur Glengoyne Brennerei bietet sich auch ein Besuch der Auchentoshan Destillerie an, die sogar noch älter ist und als letzte verbleibende Destillerie in den Lowlands gilt. Durch eine heutzutage nur noch sehr selten durchgeführte Dreifachbrennung entsteht dort ein besonders leichter und sanfter Whisky – und damit der perfekte Gegenpart zum meist eher rauen und rauchigen Scotch (www.auchentoshan.com).

Zurück in Glasgow fällt die Entscheidung wohin es gehen soll nicht schwer. Erster Anlaufpunkt ist in der Regel die „Pot Still Bar“ (www.thepotstill.co.uk) in der Argyle Street, die zu den besten Whisky Bars der Stadt zählt und mittlerweile mehr als 370 Whisky Sorten führt. Whiskyspezialisten finden hier auf jeden Fall einen kompetenten Ansprechpartner und garantiert mehr als eine hervorragende Empfehlung. Übrigens ist die Pot Still Bar auch der Gründungsort des ersten „Ladies Only Whisky Clubs“, der erst vor wenigen Tagen seinen ersten Geburtstag feierte und schon weit über die Grenzen Glasgows bekannt ist.

Dass Frauen und Whisky ein gutes Team sind, zeigt auch die Verkostung der Glasgow Malt Whisky Company (www.glasgowmaltwhiskycompany.com): Whisky, it’s a women’s world! Eine Verkostung nur für Frauen, die neben herausragenden Whiskys auch sechs Frauen vorstellt, die ihre Lebensaufgabe in der Herstellung der besten Whiskys gefunden haben.

Nur ein paar Häuser von der Pot Still Bar entfernt befindet sich die liebevoll designte Bar „The Ben Nevis“ (www.thebennevis.co.uk). Nach dem höchsten Berg der Schotten benannt, findet man hier eine Hommage an Schottland und seine Geschichte. Steinwände, dunkles Holz und ein knisternder Kamin laden zum perfekten Whisky Genuss ein.

„It’s a bar, it’s a restaurant, it’s a club, it’s a venue, it’s a.church“. Mit wenigen Worten ist die Location „Oran Mor“ (www.oran-mor.co.uk) im Westend erklärt. Dort kann man prima essen und nach dem Dinner dann in die hauseigene Whisky Bar weiterziehen, in der sich allabendlich Whiskyfreunde treffen und die ein oder andere der immerhin 250 Sorten verkosten.

Whisky Tasting Good Spirit and Co.

Im November sollten sich Fans des schottischen Whisky’s das „Glasgow Whisky Festival“ in den Kalender eintragen. In der Veranstaltungslocation „The Arches“ bieten über 40 Aussteller die besten Whiskys Schottlands aber auch der ganzen Welt an. Darüber hinaus kann man dort auch zahlreiche Dinge rund um das Thema Whisky erwerben, beispielsweise Bücher, Kunst, Essen und vieles mehr. Weitere Informationen zum Festival sind unter www.glasgowswhiskyfestival.com zu finden.

Auch immer mal wieder einen Besuch wert, ist die Homepage der Tennent`s Training Academy. Neben zahlreichen Kochkursen werden hier auch Bier-, Wein-, Cocktail- und natürlich Whiskyschulungen angeboten. Für zwei Stunden bekommen Whisky Enthusiasten aber auch Neulinge einen tiefen Einblick in die Welt der schottischen Whiskys (www.tennentstrainingacademy.co.uk).

Wer es wirklich ernst meint mit dem Whisky, sollte niemals die Stadt verlassen ohne im „The Good Spirit Co“ (www.thegoodspiritsco.com) in der Bath Street gewesen zu sein. Regale, soweit das Auge reicht und mit allem was das Herz eines Whiskyliebhabers begehrt. Mit diesem Laden haben sich drei Whiskyfreunde den ersten großen Traum verwirklicht. Der zweite ist eine eigene kleine Brennerei. Doch bis es soweit ist, bieten Mark, Matthew und Shane neben kreativen Whisky-Verkostungen auch den hauseigenen Whisky „Cask23“ an, der im Laden in einem Fass reift und den man abgefüllt in einer 20cl Flasche erwerben kann. Ein wohl perfektes Mitbringsel, das es in keinem Duty Free Shop zu kaufen gibt.

Deutschland: 200 Wege über das Meer

VFF Fährfolder 2014

Auf über 200 Seerouten bringen die europäischen Fährgesellschaften Urlauber und Geschäftsreisende bequem, sicher und entspannt an ihr Ziel. Für die schnelle Reiseplanung hat der Verband der Fährschifffahrt und Fährtouristik e. V. die praktische Broschüre „Fähren, Routen, Reedereien“ für 2014 neu aufgelegt. Das Streckennetz von 26 Reedereien ist darin übersichtlich auf Routenkarten dargestellt: über Nord- und Irische See, Ostsee, durch das Mittelmeer und jetzt neu: über das Schwarze Meer.

Deutschland wird auf 17 Fährrouten mit Skandinavien, Russland und dem Baltikum verbunden, die Passagen starten unter anderem in Kiel, Travemünde und Rostock. Insgesamt 95 Strecken im Norden listet die Broschüre auf, dazu gehören auch die Nordsee-Verbindungen ab Dänemark, Holland, Belgien und Frankreich mit Kurs auf die Britischen Inseln, nach Norwegen sowie bis nach Island. Für das westliche und östliche Mittelmeer gibt die Broschüre einen Überblick über 90 internationale und nationale Fährpassagen. Neu aufgenommen wurden Fährverbindungen im Schwarzen Meer, zum Beispiel ab Odessa über Sotschi, die Stadt der Winterolympiade 2014, bis ins georgische Batumi.

Viele Wege führen zum Fährticket: Die Übersicht der Reedereien wird ergänzt um Buchungstelefonnummern, E-Mail-, Internet- und Facebook-Adressen der Fährreedereien. Smartphone-Nutzer werden über QR-Codes direkt auf die Seiten der Fährgesellschaften gelotst oder auf die Homepage des VFF: Hier sind unter dem Navigationspunkt „Buchung“ gleich mehrere reedereiübergreifende Buchungsportale zu finden.

VFF Fährfolder 2014_Die Routen im Norden

VFF Fährfolder 2014_Die Routen im Süden

Islay – Hochprozentige Seelentröster im Schottenrock

K1600_Islay, Bild 1Na klar! Wer nach Islay (sprich Eila) kommt, der will trinken. Sich mit sinnlichem Vergnügen dem hochprozentigen Freund hingeben, der hier, in der Abgeschiedenheit einer vom Atlantik umspülten Hebrideninsel, jeden Tag neu geboren wird. Und zwar Fassweise! Whisky. Single Malt. Das Beste vom Besten. Ardbeg, Lagavulin, Bunnahabhain, Laphroaig, Bruichladdich, Caol Ila, Kilchoman, voller Ehrfurcht nennt der Whiskykenner die hochprozentigen Namen, die aus dem Keltischen stammen, und dem Ausländer akustisch alles andere als flüssig über die Lippen gehen. Als Getränk tun sie das allemal. Wie es dem Ritual entspricht, schwenkt der Malz-Freund andächtig die bernsteinfarbene Flüssigkeit, die sich da leicht ölig im Glase rekelt und atmet mit Kennermiene ihr rauchiges, torfiges Bukett ein. Es macht Islay-Whisky erst zu Islay-Whisky. Tropfen für Tropfen lässt er sich ihn auf der Zunge zergehen und stöhnt voller Wohlgefallen: Was für ein charaktervoller Abgang!

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Islay gehört zur Inselkette der Inneren Hebriden. Die eher flache Whiskyschatzinsel, die zu einem guten Drittel von Torfmoor bedeckt ist, misst zirka 40 km in der Länge und 32 km in der Breite. Genug Raum für 3 700 Einwohner, acht Destillerien, sechs Städtchen, 15 000 Rinder, 20 000 Schafe, 30 000 überwinternde Wildgänse und eine uralte, bis heute lebendige Geschichte. Wie ein Leuchtturm ragt aus ihr das 14./15. Jahrhundert hervor. Die hehre Zeit des Inselkönigreichs – „The Lordship oft the Isles“! Der MacDonald-Clan regierte von Islay aus die Äußeren und Inneren Hebriden, Teile Nordirlands und der Highlands. Was von jener Zeit geblieben, kann man in Finlaggan Castle besichtigen. K1600_Bild 10, die Reste von Finlaggan Castle (1)

Die einst so ruhmreiche Burg ist verfallen, und von der Kapelle, in der König MacDonald den Segen Gottes erhielt, stehen nur noch die Grundmauern. Trotzdem lohnt ein Besuch. Allein der herrlichen Lage der Burgruine wegen, die auf einer kleinen Insel inmitten eines malerischen Süßwassersees liegt.

Mit gut 800 Einwohnern ist Bowmore die „Hauptstadt“ von Islay. Auf einer steilen Anhöhe, die Hauptstraße führt direkt darauf zu, steht die Church of Kilarrow und blickt auf das Städtlein herab. Die weiße Kirche, 1767 erbaut, ist ohne Ecken und Kanten. Mit anderen Worten, sie ist vollkommen rund. Der Teufel, der ja bekanntlich den Schnaps erfand, wollte Gott mit Islay-Malt zum Trinken verführen. Als erstes bestach er die Engel. Gestattete ihnen einen Anteil aus den Whiskyfässern, den sogenannten „angel’s share“, der im Laufe der Jahre per Verdunstung aus den Holzfässern entweicht. Dann wollte sich der Herr der Finsternis Gott „gefügig“ machen. Doch der Schöpfer von Himmel und Erden widerstand. Um jede weitere Versuchung zu unterbinden, bauten die frommen Leute von Bowmore ihm die runde Kirche, in der Satan bis heute nicht eine Ecke findet, hinter der er sich verstecken kann.

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Über der Insellandschaft liegt etwas Schwermütiges. Rot und riesig ist die Heide. Sorgsam aufgeschichtet trennen Steinwälle das Land. Schafe grasen entlang der Torfabstiche. Islay hat viele schöne Gesichter. Steilküsten wechseln mit Moorland, Acker- und satte Wiesenflächen bieten seltenen Vogelarten Lebensraum. In der Laggan Bay wartet ein fast menschenleerer, traumhaft schöner Sandstrand (11 km lang) darauf, von Touristen entdeckt zu werden. Der sonnige Herbst 2009 täuscht allerdings ein wenig darüber hinweg, wie unfreundlich sich der Atlantik zuweilen aufführen kann. Gern schickt er der Insel gewaltige Stürme und wahre Regenfluten. Kein Wunder, dass das Wetter ein ewiges Thema der Inselbewohner ist. Ebenso wie der Whisky, den man braucht, um das Wetter zu ertragen.

K1600_Islay, Bild 7Whisky ist der größte Arbeitgeber von Islay. Er gibt den Torfstechern, den Bauern, die die Gerste produzieren, den Lastkraftwagenfahrern, den Fremdenverkehrsführern, den Arbeitern in den Brennereien Lohn und Brot. Übrigens sehen die Destillerien alle gleich aus. Schon von weitem erkennt man die weißgetünchten Gebäude mit den 2 Pagodentürmen in chinesischem Stil. Und doch brennt jede „Whiskybude“ ihr eigenes, unverwechselbares Lebenswasser. Hunderte Aromastoffe hat man in den Islay-Whiskys gefunden. Der Ardbeg ist ein „erdiger Whisky mit einem Anflug süßer Melancholie“ (Werbepoesie), der Bruichladdich blass in der Farbe und eher zart, der Bunnahabhain von malziger Süße. Kein Mensch weiß, wie ein so einfaches Gemisch aus Gerste, Wasser und Hefe (plus reiner Islay-Luft und schottischem Torf) so unterschiedliche Geschmacksrichtungen hervorbringen kann. Eines aber haben alle gemeinsam: Sie sind gesund. In einem alten, sehr weisen Buch steht zu lesen, dass Whisky die Verdauung unterstützt, gegen Gallensteine, Nierengrieß, Schielen, Darmkollern und Lispeln hilft, schlaffe Muskeln und zittrige Hände verhindert, das Herz erfrischt und die Seele leicht macht. Na denn: Auf nach Islay!

Text und Photos Bernd Siegmund

Großbritannien: Ein Rundgang durch London

 © Jaspal Bahra - FOTOLIA

Unser Stadtrundgang durch das Herz der Metropole beginnt am Piccadilly Circus, dem Mittelpunkt der Hauptstadt und einst die Nabe des Empires. Im Zentrum des immer verkehrsumtosten Platzes sitzen die Besucher der Kapitale gerne auf den Stufen des berühmten Eros-Brunnens.

1893 ließ Alfred Gilbert dieses Denkmal zu Ehren des Philanthropen Anthony Ashley Cooper, des siebten Earl of Shaftesbury, erbauen. Der Adlige hatte mit eigenen Geldern das Massenelend im 19. Jahrhundert bekämpft, Suppenküchen und Schulen errichten lassen. Und so ist der geflügelte Engel mit Pfeil und Bogen auf der Spitze des Brunnens nicht die Darstellung des Gottes der Liebe, sondern eine Allegorie auf den toten Earl of Shaftesbury (shaft = Pfeil, bury = begraben).

In Gedanken an den Kämpfer gegen die Armut folgen wir der Coventry Street wenige Schritte Richtung Norden und biegen dann nach rechts in die Straße Haymarket ein. Zwei berühmte Londoner Theater liegen sich hier gegenüber, auf der einen Seite das Theatre Royal , eröffnet 1720, auf der anderen das Her Majesty’s.

© Enker/laif, Köln

Am Ende von Haymarket geht es nach links weiter, der Blick schweift nun über den weiten Trafalgar Square, auf dem die 56 Meter hohe Nelson-Säule dem suchenden Auge schließlich Halt bietet. Im Jahr 1805 hatte Admiral Nelson der vereinigten spanischen und französischen Flotte vor dem Kap Trafalgar eine schwere Niederlage beigebracht und dem britischen Empire damit für ein Jahrhundert die Überlegenheit auf den Weltmeeren gesichert. Lord Nelson kam bei der Schlacht ums Leben, sein Leichnam wurde in einem Fass Rum in die Heimat überführt.

Zu Ehren des gefallenen Seehelden gestalteten zwischen 1830 und 1850 die beiden Architekten John Nash und Charles Barry den weitläufigen Platz. 1842 hob man die Statue des maritimen Strategen auf die hohe Säule, in deren Sockel vier Reliefs die Schlachten des Admirals dokumentieren. Die vier mächtigen Bronzelöwen, die Lord Nelson bewachen, schuf 1867 der Hofmaler Sir Edwin Landseer, und die großen plätschernden Brunnen schließlich gestaltete 1939 der Architekt Edwin Lutyens. Traditionell begrüßen alljährlich in der Silvesternacht die Londoner auf dem Trafalgar Square das neue Jahr.

Sehr verstörend wirkte auf den Betrachter beim ersten Blick die im September 2005 auf einem Sockel platzierte Skulptur »Alison Lapper Pregnant« des englischen Künstlers Marc Quinn. Dargestellt ist eine 3,55 Meter hohe, aus weißem Carrara-Marmor gearbeitete sitzende, nackte, schwangere Frau ohne Arme und mit missgebildeten Beinen. Dies ist die Malerin Alison Lapper, die 1965 behindert zur Welt kam, dargestellt, wie sie 1999/2000 mit ihrem Sohn Parys schwanger war. Das Kunstwerk spaltete die britische Öffentlichkeit, aber letztendlich muss man konstatieren, dass die Darstellung von Sexualität und Mutterschaft eines schwerbehinderten Körpers neben den heroisierenden männlichen Helden des Platzes ihren angemessenen Ort gefunden hatte.

© iStockphoto - Dan Kite

Der Sockel, der mehr als eineinhalb Jahrhunderte unbenutzt war, ist seit einer Entscheidung von 1998 regelmäßig Ausstellungsort von Arbeiten junger nationaler und internationaler Künstler. 2012 wird die Arbeit »Powerless Structure Fig. 101« des Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset auf dem Sockel zu sehen sein. Es handelt sich dabei um nichts anderes als einen kleinen Jungen, der auf einem Schaukelpferd reitet. 2013 darf dann die Düsseldorferin Katharina Fritsch einen riesigen blauen Hahn präsentieren.

Im Norden wird der Platz von der National Gallery begrenzt, einer der größten Gemäldesammlungen der Welt, und im Nordosten ragt St. Martin-in-the-Fields auf, 1726 von James Gibb erbaut. Für die Obdachlosen der Stadt gibt der Social Service hier seit vielen Jahren warme Speisen aus, und in der Krypta der Kirche ist für fußmüde Besucher ein großes Café untergebracht.

Von seiner hohen Säule aus blickt Lord Nelson Richtung Süden, die Straße Whitehall hinunter, an der sich auf beiden Seiten die Ministerien entlangreihen. Linker Hand findet man Banqueting House, 1619 von dem Architekten Inigo Jones im palladianischen Stil entworfen; die prachtvollen Deckengemälde schuf kein geringerer als Peter Paul Rubens. Gegenüber halten in stoischer Ruhe die königlichen Horse Guards Wacht, immer umlagert von unermüdlich fotografierenden Touristen.

Wenige Meter weiter kann man einen Blick in die Down­ing Street werfen. Hier residiert in Nr. 10, seit dem Amtsantritt von Robert Walpole 1721, traditionell der Premierminister, daneben hat im Haus Nr. 11 der Schatzkanzler seine offizielle Dienstwohnung. Das schmiedeeiserne Gitter, das den Zutritt zum Sträßchen versperrt, datiert aus jüngerer Zeit und geht auf die Initiative der »Eisernen« Lady Maggie Thatcher zurück.

Seasons

Whitehall öffnet sich zum Parliament Square, und kein Besucher bleibt unbeeindruckt von der langen neogotischen Fassade der Houses of Parliament oder Palace of Westminster. Wahrzeichen von London ist der hohe Glockenturm mit der mächtigen Uhr, im Volksmund Big Ben genannt. Die Namensgebung geht auf die große Glocke im Innern zurück. Zu jeder vollen Stunde ertönt ein Klangbild aus Händels Messias, das auch den Nachrichtensendungen der BBC vorangestellt wird. Der Besucher, der abends nach Einbruch der Dunkelheit an dem Turm hochblickt, sollte auf eine Lampe oberhalb der Uhr achten, brennt sie, dann tagt noch das Unterhaus. Im Herbst 1834 zerstörte ein Feuer die alten Parlamentsgebäude; den darauf folgenden Architektenwettbewerb konnte Charles Barry mit seinem damals gerade in Mode gekommenen neogotischen Entwurf für sich entscheiden. 20 Jahre dauerten die Arbeiten, die 1840 begannen.

Gegenüber den Houses of Parliament steht die bei der britischen Oberschicht für Hochzeitsfeierlichkeiten beliebte Kirche St. Margaret’s , dahinter erstreckt sich die Westminster Abbey , das bedeutendste Gotteshaus der Metropole. Die 156 Meter lange, 61 Meter breite und in ihren Gewölben über 30 Meter hohe Abteikirche entstand ab 1050 und wurde in den folgenden Jahrhunderten im Stil der Early English-Gotik fertiggestellt. An Weihnachten 1066 fanden die Krönungsfeierlichkeiten für Wilhelm den Eroberer an diesem geweihten Ort statt, und fortan bestiegen fast alle nachfolgenden Monarchen bis hin zu Elisabeth II. hier den Krönungsstuhl. Bis 1760 fanden die verstorbenen Herrscher auch in Westminster Abbey ihre letzte Ruhestätte.

Mit insgesamt über 300 Grabdenkmälern und mehr als 4000 Gedenktafeln ist die Kirche eines der interessantesten historischen Bauwerke der Stadt. Im südlichen Querschiff findet der Besucher Poet’s Corner, den Poetenwinkel, wo Inschriften an die großen Schriftsteller und Dichter der englischen Literatur erinnern. Erst 1995 fand hier auch Oscar Wilde Erwähnung; mehr als neun Jahrzehnte hatten die kirchlichen Autoritäten ihm die Ehrung aufgrund seiner Homosexualität versagt. Virginia Woolf wird bis heute nicht genannt, da sie durch Selbstmord aus dem Leben schied.

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Über die Straße Storey’s Gate, vorbei am Queen Elizabeth Confer­ence Centre, erreichen wir die Straße Horse Guards, die am St. James’s Park entlangführt. Hier, im Rücken der Treasury Offices, des britischen Finanzministeriums, befinden sich im Keller des Schatzamtes die Cabinet War Rooms . Während des Zweiten Weltkriegs tagte in den bombensicheren Räumen das Kabinett, und Premierminister Winston Churchill hatte hier bis zum 8. Mai 1945 seine Befehlszentrale. Die Einrichtung sowie die vielen Lagepläne an den Wänden datieren aus den letzten Kriegstagen.

Seit Ende 2004 ist den Cabinet War Rooms ein Museum angeschlossen, das Leben und Werk von Sir Winston Churchill würdigt. Der große Kriegspremier war ab 1933 der entscheidende Gegner Hitlers, doch wurde er in seiner eigenen Partei deswegen isoliert. Erst als die Appeasement- (Beschwichtigungs-) Politik seines Vorgängers gescheitert war, wurde Churchill zum Premierminister ernannt. Seiner Unbeugsamkeit und Härte ist es zu verdanken, dass der Zweite Weltkrieg mit der Niederlage der Nazis endete.

Jenseits des St. James’s Park läuft The Mall schnurgerade auf den Buckingham-Palast zu. Vor der königlichen Residenz erinnert ein 27 Meter hohes und 1910 eingeweihtes Denkmal an Queen Victoria. Die Londoner verulken das schneeweiße Victoria Memorial als Wedding Cake, als Hochzeitstorte, und auch Buckingham Palace wird respektlos Buck House genannt. Ist Elisabeth II. vor Ort, so weht traditionsgemäß die königliche Wappenflagge auf dem Dach. Alljährlich im August und September öffnet Queen Elisabeth ausgewählte Räumlichkeiten ihres Palasts für die Öffentlichkeit; der Besucher kann dann die State Apartments, den Thronsaal und den königlichen Speisesaal besichtigen.

Im Sommer findet täglich um 11.30 Uhr das Changing of the Guard, die Wachablösung, statt. Vor dem Buckingham Palace versammeln sich dann bei schönem Wetter mehrere tausend Besucher und folgen dem jahrhundertealten Spektakel.

The Original Tour London

Durch eine weitere grüne Lunge der Stadt – Green Park  – gelangen wir auf die Straße Piccadilly  und folgen der von Geschäften aller Art gesäumten Flaniermeile bis zum Piccadilly Circus. Rechter Hand (Nr. 181) befindet sich einer der traditionsreichsten Delikatessläden der Metropole, Fortnum & Mason . Seit über 200 Jahren bedienen livrierte Angestellte mit unaufdringlicher Eleganz die Kundschaft. Nicht minder bedeutend ist wenige Schritte weiter die Buchhandlung Hatchard’s (Nr. 187), die älteste der Stadt.

Vom Piccadilly Circus aus kann man Soho erkunden, heute Zentrum der Londoner Musikindustrie und Medienbranche sowie das Pub- und Restaurant-Viertel der Metropole. Vor allem in der Frith und Greek Street reiht sich ein Lokal an das nächste, alle Küchen der Welt sind vertreten. Im Haus Nummer 28 der Dean Street, über dem hervorragenden italienischen Lokal »Quo Vadis«, lebte 1850–56 Karl Marx mit seiner Familie.

Der große Leicester Square liegt weiter südlich, nur wenige Minuten Fußweg entfernt, und ist das Zentrum des West End und des Londoner »Theaterlandes«. An einem Kiosk kann der bühnenbegeisterte Besucher Theaterkarten für den gleichen Tag zum halben Preis erstehen. Nur noch einen Katzensprung ist es über die Straße Long Acre zu Covent Garden. In den ehemaligen Jugendstilhallen des berühmten Marktes sind heute Geschäf­te, Boutiquen, Pubs und Res­taurants untergebracht, Straßenmusiker sorgen für die rechte Geräuschkulisse, und Gaukler, Feuerschlucker und Akrobaten halten das Publikum in Atem, sorgen für herzhafte Lacher und rauschenden Applaus. Covent Garden ist ein urbanes Freizeitareal allererster Güte.

Hans-Günter Semsek

 

 

 

 

Wales: Keltisch Kochen

Wales Pen y FanBrecon Beacons National ParkScenery

„Das ist ja sooo gruselig“, empört legt Angela Gray beide Handflächen auf die Lippen. „Ich meine, wir haben es hier mit einer ganzen Generation zu tun, die nicht kochen kann“. In typisch britischer Melodie, dieser Mischung aus inszenierter Entrüstung und trocken-humorigen Pointen, berichtet die TV-Köchin aus ihrem Berufsalltag. Und von Erwachsenen, die dem vorgelegten Gemüse keine Namen mehr geben können – geschweige denn wissen, was sie mit dem Grünzeug in der Küche überhaupt anfangen sollen. Mangold oder Spinat, Zucchini oder Gurke? Keine Ahnung.

Feinköstlers Horror-Land?

Das vereinigte Königreich und Speisen auf hohem Niveau – zwei Dinge, die sich in den Köpfen vieler Gourmets, gelinde gesagt: gegenseitig ausschließen. Denn: Fettige Fish & Chips, pappige Mayonnaise-Sandwiches oder plumpe Bread & Butter-Puddings haben den Ruf, nicht nur sehr kalorienhaltig, sondern auch schlecht gewürzt, ja, frei von Geschmack zu sein. Ebenso gilt Feinköstlern das Servieren von Ketchup aus Plastikflaschen oder matschigem Erbsenmuß zu quasi jedem Gericht schier als barbarisch. Doch wie schrieb schon der britische Schriftsteller Oscar Wilde: „Reisen veredelt wunderbar den Geist und räumt mit all unseren Vorurteilen auf.“ Oder anders gesagt: Trotz aller üblen Nachrede ernähren sich die Deutschen schließlich auch nicht nur von Eisbein und Sauerkraut – weshalb auch die Küche des Königreichs eine genauere Betrachtung verdient. Also reiste ich in Grays Heimat: Wales.

WalesDenn: Schon aus historischer Tradition sind die Waliser ein dem britischem Ideal trotzendes Völkchen. Und auch kulinarisch wollen sie nicht länger mit den Engländern in ein und den selben Gebackene-Bohnen-Topf geworfen werden. Ausgetragen wird dieser Kampf der Geschmäcker jedoch mit friedlichen Waffen: Köpfchen, Geschmack und den ursprünglichsten Ressourcen der walisischen Natur.

Das Gemüse-Schloss

Saftige grüne Wiesen umgeben Fonmon Castle, ein mittelalterliches Kastell, das im Süden Wales, genauer im Vale of Glamorgan, vor sich hin träumt. Versteckt hinter grauen Schlossmauern erspürte die kulinarische Entdeckerin Gray hier wundervolle Rabatten und Beete, Sträucher und Bäume, Gewächshäuser und Kletterwände. Alle samt nahezu explodierend vor Obst und Gemüse: Rote und goldene Himbeeren, leuchtend orangefarbene Kürbisse, prachtvolle Blumenkohl- und Romanesko Köpfe, grüner Salat, lange Zucchini, würzige Kräuter, pralle Auberginen und vergessene Kartoffelsorten. „Der September ist der schönste Monat im Jahr“, schwärmt die kräftige Blondine, während sie mit uns im Garten Gemüse erntet, „dann sind die meisten Früchte reif“. Seid einigen Jahren schon bringt die zweifache Mutter ihren Landsmännern in Kochbüchern und einer eigenen Show beim Radio- und Fernsehsender BBC die Raffinessen der walisischen Küche bei. Und: Sie ist die Leiterin zahlreicher Themen-Kochkurse an ursprünglichen Orten wie diesem. In der Schlossküche verrät sie Tricks und Kniffe rund ums Gemüse und leistet vor allem eines: jede Menge Aufklärungsarbeit. Was so zu Stande kommt, ist eine saisonale und regionale Küche mit dem gewissen modernen Piff – Eine Idee, die nicht unbedingt neu ist. Denn: Europaweit findet die gehobene, ursprüngliche Küche immer mehr Anhänger. Ob Sternekoch Harald Rüssel in Deutschland oder „Best Restaurants in the World“ Chef René Redzepi in Copenhagen – immer mehr Köche besinnen sich auf die Traditionskost der eigenen Heimat.

Auch innerhalb des kleinen Kelten-Landes soll es noch weitere Wiederentdecker der walischen Ursprungsküche geben. Klar, dass ich sie kennen lernen will.

Terence Hill, der Käse-Fabrikant

Außerhalb des städtischen Trubels der Wales-Hauptstadt „Cardiff“ leben, zwischen hobbitartigen Hügeln, die „Valleyboys“. So zumindest lautet der böse Spitzname, den die großschnäuzigen Hauptstädter den männlichen Talbewohnern gegeben haben. In den „Valleys“, so witzeln die Cardiffer, habe Jahrhunderte lang Inzucht geherrscht – weil keine Familie je aus der eigenen Senke herausgekommen sei.

Gemein, doch wie gesagt: Kein Vorurteil ist unanfechtbar. Fest steht nämlich, dass diese Täler rund um Cardiff weltbekannte Persönlichkeiten hervorgebracht haben. Zum Beispiel: Bonnie Tyler, Catherine Zeta-Jones, Terence Hill. Terence Hill? Richtig gehört. Blaenafon heißt das kleine Städtchen, in dem er im familieneigenen Fabrikladen Cheddar verkauft, den für diese Region typischen Käse. Natürlich ist dieser Hill nicht der berühmte Bruder Bud Spencers, sondern ein Zwanzigjähriger, dessen Mutter offenbar nicht nur einen Faible für extravagante Namen besitzt, sondern bereits für den zweitbesten Käse Englands prämiert wurde. Der Preisträger ist gleichzeitig die Spezialität der „The Blaenafon Cheddar company“: Der Blaenafon Pwll Mawr, ein durch den milden Geschmack des typisch walisischen Pendereyn Whiskeys und einem Hauch Ingwer verfeinerter Weichkäse. Die vierzig Quadratmeter Einraum-Fabrik beliefert Restaurants und Feinkostläden in ganz England – und es sollen auch in Europa immer mehr werden.Käseproduzenten in Wales

Doctor Doolittle und der Welsh Wine

Ein bisschen wie Riesenschnauzer sehen sie aus, die Welsh Blacks. Nur dass es eben Rinder sind, keine Hunde. Kühe im schwarzen Wuschelmantel gewissermaßen. „Wir züchten reinrassig und streng biologisch“, sagt Ian Symonds, den wir als nächstes besuchen und auf dessen hügeligen Wiesen diese Fellberge behäbig grasen. Das Geschäft mit der kuscheligen Spezialität lohnt sich: 25 bis 35 Euro pro Kilo kann Symonds für sein Fleisch verlangen. Und das sollte er auch, bei dem unrentablen Geschäftszweig, den er außerdem betreibt: Weinbau. Denn dieses Vorhaben – wer würde das in dieser Region vermuten – rentiert sich bisher so überhaupt nicht. Auf 130 Morgan Land baut er hier die Reben für seine Cuvée an: Orion, Phoenix, Reichensteiner und Kernling – eine gewagte internationale Mischung. „Es ist nicht mehr als ein verrückter Spaß“, lacht Symonds, der in der britischen Presse schon als „Doctor Doolittle“ beschrieben wurde, sich selbst aber lieber als eine jüngere Clint Eastwood Version sieht. Trotzdem: Für viele andere würde sein verrückter Spaß zum nervlichen Drahtseilakt werden. Nicht nur das unbeständige Inselklima, sondern auch hungrige Vogelschwärme vermasseln ihm regelmäßig die Ernte. Der ehemalige Unternehmer im Ruhestand jedoch, ganz Doolittle und Naturfreund, bringt es nicht übers Herz, Schreckschussanlagen oder Ähnliches zum Einsatz zu bringen. Und so produziert er im Jahr höchstens 4000 Flaschen Weißwein. Allein achthundert davon hält er für den Eigengebrauch zurück. Der übriggebliebene Wein jedoch ist bei den Restaurants heiß begehrt: Echter „Welsh Wine“ ist eine Rarität. Und mit seinem ungewöhnlich saurem Geschmack nach jungem Apfel Cider sicher auch eine Kuriosität.

Good to be an English, gorgeous to be a Welsh

„Good to be an English, gorgeous to be a Welsh“, lautet ein Schriftzug auf den roten T-Shirts im Souvenier Shop – und steht stellvertretend für den Nationalcharakter der Waliser. Eine Reise nach Wales veredelt nicht nur den Geist, sondern führt vor allem zu einer Erkenntnis: Kaum ein Volk wie das walisische ist so stolz auf seine Traditionen und Eigenheiten. Auch auf seine kulinarischen. Industrie-Pappbrot und Schwabbelkäse? Nicht im Land der Schafe. Na ja, zumindest nicht überall.

Ob man die leckere Lauch-Spinat-Käse-Sahne-Sauce auch in einer fettreduzierten Variante zubereiten könne, fragt eine besorgte Gastköchin im Gray-Kochkurs. „Fettarm?“, Grays Gesicht verzerrt sich wieder zu dieser Mischung aus Empörung und Mitleid. „Aber Schätzchen“, sagt sie mütterlich, „ohne Fett kann man doch gar nicht kochen!“. An Klischees ist eben doch manchmal auch etwas Wahres dran.

Christina Hollstein

Großbritannien: Die Top 10 Sehenswürdigkeiten von London

1 National Gallery

Eine der größten Gemäldesammlungen der Welt mit Werken vom 15. bis zum frühen 20. Jahrhundert.

2 Houses of Parliament und Big Ben

In dem neogotischen Gebäude tagt seit 1860 das britische Parlament; der Glockenturm, in dem die große Glocke schlägt, ist Londons Wahrzeichen Nummer eins.

3 Westminster Abbey

Hier wurden schon 1066 Wilhelm der Eroberer und fast alle nachfolgenden Monarchen gekrönt.

4 Buckingham Palace

Seit 1837 Residenz der britischen Monarchen; im Sommer findet täglich 11.30 Uhr das Schauspiel der Wachablösung statt.

5 St. Paul’s Cathedral

Sir Christopher Wrens Meisterwerk und Londons schönstes und prächtigstes Gottenhaus.

6 Tate Galleries (Modern und Britain)

Beide Häuser gehören zu den bedeutendsten Kunstmuseen der Welt.

7 Tower Bridge

Eines von Londons Wahrzeichen, von den verglasten Verbindungsstegen hat man einen phantastischen Ausblick.

8 Tower of London

Über viele Jahrhunderte Herrschersitz, Bollwerk, Gefängnis und Hinrichtungsstätte.

9 British Museum

Zu Besuch bei den Kelten in Großbritannien, den Hellenen in Griechenland, den Pharaonen in Ägypten, den Maya und Inka in Mexiko und Peru und den Insulanern der Südsee.

10 Hyde Park

Die größte innerstädtische Grünfläche der Metropole und seit 1637 für die Öffentlichkeit zugänglich.

 

Großbritannien: London – Auch nach Olympia ein Hit

Ein Spaziergang durch  die faszinierende Metropole

Unser Stadtrundgang durch das Herz der Metropole beginnt am Piccadilly Circus , dem Mittelpunkt der Hauptstadt und einst die Nabe des Empires. Im Zentrum des immer verkehrsumtosten Platzes sitzen die Besucher der Kapitale gerne auf den Stufen des berühmten Eros-Brunnens. 1893 ließ Alfred Gilbert dieses Denkmal zu Ehren des Philanthropen Anthony Ashley Cooper, des siebten Earl of Shaftesbury, erbauen. Der Adlige hatte mit eigenen Geldern das Massenelend im 19. Jahrhundert bekämpft, Suppenküchen und Schulen errichten lassen. Und so ist der geflügelte Engel mit Pfeil und Bogen auf der Spitze des Brunnens nicht die Darstellung des Gottes der Liebe, sondern eine Allegorie auf den toten Earl of Shaftesbury.

In Gedanken an den Kämpfer gegen die Armut folgen wir der Coventry Street wenige Schritte Richtung Norden und biegen dann nach rechts in die Straße Haymarket ein. Zwei berühmte Londoner Theater liegen sich hier gegenüber, auf der einen Seite das Theatre Royal , eröffnet 1720, auf der anderen das Her Majesty’s. Am Ende von Haymarket geht es nach links weiter, der Blick schweift nun über den weiten Trafalgar Square , auf dem die 56 Meter hohe Nelson-Säule dem suchenden Auge schließlich Halt bietet. Im Jahr 1805 hatte Admiral Nelson der vereinigten spanischen und französischen Flotte vor dem Kap Trafalgar eine schwere Niederlage beigebracht und dem britischen Empire damit für ein Jahrhundert die Überlegenheit auf den Weltmeeren gesichert. Lord Nelson kam bei der Schlacht ums Leben, sein Leichnam wurde in einem Fass Rum in die Heimat überführt.

Zu Ehren des gefallenen Seehelden gestalteten zwischen 1830 und 1850 die beiden Architekten John Nash und Charles Barry den weitläufigen Platz. 1842 hob man die Statue des maritimen Strategen auf die hohe Säule, in deren Sockel vier Reliefs die Schlachten des Admirals dokumentieren. Die vier mächtigen Bronzelöwen, die Lord Nelson bewachen, schuf 1867 der Hofmaler Sir Edwin Landseer, und die großen plätschernden Brunnen schließlich gestaltete 1939 der Architekt Edwin Lutyens. Traditionell begrüßen alljährlich in der Silvesternacht die Londoner auf dem Trafalgar Square das neue Jahr.

Sehr verstörend wirkte auf den Betrachter beim ersten Blick die im September 2005 auf einem Sockel platzierte Skulptur »Alison Lapper Pregnant« des englischen Künstlers Marc Quinn. Dargestellt ist eine 3,55 Meter hohe, aus weißem Carrara-Marmor gearbeitete sitzende, nackte, schwangere Frau ohne Arme und mit missgebildeten Beinen. Dies ist die Malerin Alison Lapper, die 1965 behindert zur Welt kam, dargestellt, wie sie 1999/2000 mit ihrem Sohn Parys schwanger war. Das Kunstwerk spaltete die britische Öffentlichkeit, aber letztendlich muss man konstatieren, dass die Darstellung von Sexualität und Mutterschaft eines schwerbehinderten Körpers neben den heroisierenden männlichen Helden des Platzes ihren angemessenen Ort gefunden hatte.

Der Sockel, der mehr als eineinhalb Jahrhunderte unbenutzt war, ist seit einer Entscheidung von 1998 regelmäßig Ausstellungsort von Arbeiten junger nationaler und internationaler Künstler. 2012 wird die Arbeit »Powerless Structure Fig. 101« des Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset auf dem Sockel zu sehen sein. Es handelt sich dabei um nichts anderes als einen kleinen Jungen, der auf einem Schaukelpferd reitet. 2013 darf dann die Düsseldorferin Katharina Fritsch einen riesigen blauen Hahn präsentieren. Im Norden wird der Platz von der National Gallery  begrenzt, einer der größten Gemäldesammlungen der Welt, und im Nordosten ragt St. Martin-in-the-Fields  auf, 1726 von James Gibb erbaut. Für die Obdachlosen der Stadt gibt der Social Service hier seit vielen Jahren warme Speisen aus, und in der Krypta der Kirche ist für fußmüde Besucher ein großes Café untergebracht.

Von seiner hohen Säule aus blickt Lord Nelson Richtung Süden, die Straße Whitehall  hinunter, an der sich auf beiden Seiten die Ministerien entlangreihen. Linker Hand findet man Banqueting House, 1619 von dem Architekten Inigo Jones im palladianischen Stil entworfen; die prachtvollen Deckengemälde schuf kein geringerer als Peter Paul Rubens. Gegenüber halten in stoischer Ruhe die königlichen Horse Guards Wacht, immer umlagert von unermüdlich fotografierenden Touristen. Wenige Meter weiter kann man einen Blick in die Down­ing Street  werfen. Hier residiert in Nr. 10, seit dem Amtsantritt von Robert Walpole 1721, traditionell der Premierminister, daneben hat im Haus Nr. 11 der Schatzkanzler seine offizielle Dienstwohnung. Das schmiedeeiserne Gitter, das den Zutritt zum Sträßchen versperrt, datiert aus jüngerer Zeit und geht auf die Initiative der »Eisernen« Lady Maggie Thatcher zurück.

Whitehall öffnet sich zum Parliament Square, und kein Besucher bleibt unbeeindruckt von der langen neogotischen Fassade der Houses of Parliament  oder Palace of Westminster. Wahrzeichen von London ist der hohe Glockenturm mit der mächtigen Uhr, im Volksmund Big Ben genannt. Die Namensgebung geht auf die große Glocke im Innern zurück. Zu jeder vollen Stunde ertönt ein Klangbild aus Händels Messias, das auch den Nachrichtensendungen der BBC vorangestellt wird. Der Besucher, der abends nach Einbruch der Dunkelheit an dem Turm hochblickt, sollte auf eine Lampe oberhalb der Uhr achten, brennt sie, dann tagt noch das Unterhaus. Im Herbst 1834 zerstörte ein Feuer die alten Parlamentsgebäude; den darauf folgenden Architektenwettbewerb konnte Charles Barry mit seinem damals gerade in Mode gekommenen neogotischen Entwurf für sich entscheiden. 20 Jahre dauerten die Arbeiten, die 1840 begannen.

Gegenüber den Houses of Parliament steht die bei der britischen Oberschicht für Hochzeitsfeierlichkeiten beliebte Kirche St. Margaret’s , dahinter erstreckt sich die Westminster Abbey , das bedeutendste Gotteshaus der Metropole. Die 156 Meter lange, 61 Meter breite und in ihren Gewölben über 30 Meter hohe Abteikirche entstand ab 1050 und wurde in den folgenden Jahrhunderten im Stil der Early English-Gotik fertiggestellt. An Weihnachten 1066 fanden die Krönungsfeierlichkeiten für Wilhelm den Eroberer an diesem geweihten Ort statt, und fortan bestiegen fast alle nachfolgenden Monarchen bis hin zu Elisabeth II. hier den Krönungsstuhl. Bis 1760 fanden die verstorbenen Herrscher auch in Westminster Abbey ihre letzte Ruhestätte.

Mit insgesamt über 300 Grabdenkmälern und mehr als 4000 Gedenktafeln ist die Kirche eines der interessantesten historischen Bauwerke der Stadt. Im südlichen Querschiff findet der Besucher Poet’s Corner, den Poetenwinkel, wo Inschriften an die großen Schriftsteller und Dichter der englischen Literatur erinnern. Erst 1995 fand hier auch Oscar Wilde Erwähnung; mehr als neun Jahrzehnte hatten die kirchlichen Autoritäten ihm die Ehrung aufgrund seiner Homosexualität versagt. Virginia Woolf wird bis heute nicht genannt, da sie durch Selbstmord aus dem Leben schied. Über die Straße Storey’s Gate, vorbei am Queen Elizabeth Confer­ence Centre, erreichen wir die Straße Horse Guards, die am St. James’s Park entlangführt. Hier, im Rücken der Treasury Offices, des britischen Finanzministeriums, befinden sich im Keller des Schatzamtes die Cabinet War Rooms . Während des Zweiten Weltkriegs tagte in den bombensicheren Räumen das Kabinett, und Premierminister Winston Churchill hatte hier bis zum 8. Mai 1945 seine Befehlszentrale. Die Einrichtung sowie die vielen Lagepläne an den Wänden datieren aus den letzten Kriegstagen.

Seit Ende 2004 ist den Cabinet War Rooms ein Museum angeschlossen, das Leben und Werk von Sir Winston Churchill würdigt. Der große Kriegspremier war ab 1933 der entscheidende Gegner Hitlers, doch wurde er in seiner eigenen Partei deswegen isoliert. Erst als die Appeasement- (Beschwichtigungs-) Politik seines Vorgängers gescheitert war, wurde Churchill zum Premierminister ernannt. Seiner Unbeugsamkeit und Härte ist es zu verdanken, dass der Zweite Weltkrieg mit der Niederlage der Nazis endete. Jenseits des St. James’s Park läuft The Mall  schnurgerade auf den Buckingham-Palast  zu. Vor der königlichen Residenz erinnert ein 27 Meter hohes und 1910 eingeweihtes Denkmal an Queen Victoria. Die Londoner verulken das schneeweiße Victoria Memorial  als Wedding Cake, als Hochzeitstorte, und auch Buckingham Palace wird respektlos Buck House genannt. Ist Elisabeth II. vor Ort, so weht traditionsgemäß die königliche Wappenflagge auf dem Dach. Alljährlich im August und September öffnet Queen Elisabeth ausgewählte Räumlichkeiten ihres Palasts für die Öffentlichkeit; der Besucher kann dann die State Apartments, den Thronsaal und den königlichen Speisesaal besichtigen.

Im Sommer findet täglich um 11.30 Uhr das Changing of the Guard, die Wachablösung, statt. Vor dem Buckingham Palace versammeln sich dann bei schönem Wetter mehrere tausend Besucher und folgen dem jahrhundertealten Spektakel. Durch eine weitere grüne Lunge der Stadt – Green Park  – gelangen wir auf die Straße Piccadilly  und folgen der von Geschäften aller Art gesäumten Flaniermeile bis zum Piccadilly Circus. Rechter Hand (Nr. 181) befindet sich einer der traditionsreichsten Delikatessläden der Metropole, Fortnum & Mason . Seit über 200 Jahren bedienen livrierte Angestellte mit unaufdringlicher Eleganz die Kundschaft. Nicht minder bedeutend ist wenige Schritte weiter die Buchhandlung Hatchard’s (Nr. 187), die älteste der Stadt.

Vom Piccadilly Circus aus kann man Soho erkunden, heute Zentrum der Londoner Musikindustrie und Medienbranche sowie das Pub- und Restaurant-Viertel der Metropole. Vor allem in der Frith und Greek Street reiht sich ein Lokal an das nächste, alle Küchen der Welt sind vertreten. Im Haus Nummer 28 der Dean Street, über dem hervorragenden italienischen Lokal »Quo Vadis«, lebte 1850–56 Karl Marx mit seiner Familie. Der große Leicester Square liegt weiter südlich, nur wenige Minuten Fußweg entfernt, und ist das Zentrum des West End und des Londoner »Theaterlandes«. An einem Kiosk kann der bühnenbegeisterte Besucher Theaterkarten für den gleichen Tag zum halben Preis erstehen. Nur noch einen Katzensprung ist es über die Straße Long Acre zu Covent Garden. In den ehemaligen Jugendstilhallen des berühmten Marktes sind heute Geschäf­te, Boutiquen, Pubs und Res­taurants untergebracht, Straßenmusiker sorgen für die rechte Geräuschkulisse, und Gaukler, Feuerschlucker und Akrobaten halten das Publikum in Atem, sorgen für herzhafte Lacher und rauschenden Applaus. Covent Garden ist ein urbanes Freizeitareal allererster Güte.

Infos:

Go Vista
City Guide
London
Hans-Günter Semsek
Vista Point Verlag
ISBN 978-3-86871-596-5
€ 3,99
www.vistapoint.de

 

Sprachreisen für Schüler

Three Cities, Malta
Malta: Beliebt bei Sprachreisenden.

Sprache lernen in den Ferien

Wenn die Sonne auf dem Asphalt brennt und die Luft zu flimmern beginnt, sind bald Sommerferien. Die Schulhefte verschwinden für einige Wochen im Schrank. Endlich. Auch die 16-jährige Alessa Denz aus Bremen freute sich vergangenen Sommer – obwohl für sie das Lernen in dieser Zeit erst richtig anfing. Nicht etwa, weil sie schlechte Noten hatte und ihre Wissenslücken mit Nachhilfe ausbessern musste. Im Gegenteil. „Ich hatte Englisch als Leitsungskurs belegt und wollte die Sprache endlich mal richtig anwenden“, erinnert sie sich. „Und zwar nicht nur in der Schule.“

Alessas Eltern buchten über den Bremer Reiseveranstalter Offährte eine zweiwöchige Sprachreise nach Südengland, in die Kleinstadt Chichester. „Jeden Morgen von zehn Uhr bis halb eins hatten wir Unterricht, nachmittags war frei“, sagt Alessa. Frontalunterricht wie in der Schule gab es dort nicht, es ging alles spielerischer zu. Mit ihr lebten viele andere Schüler aus Italien, Frankreich und Deutschland im Internat. Ob Kostümpartys, sportliche Wettkämpfe oder Tagesausflüge nach London – langweilig wurden ihr die Nachmittage nicht.

Lernen und dabei Spaß haben, so lautet die Formel von Sprachreiseveranstaltern wie Offährte, Kolumbus oder Carpe Diem. Über 90 Prozent der Schülerreisen führen in englischsprachiges Gebiet. Das muss nicht immer Großbritannien sein: Auch auf Mittelmeerinseln wie Malta oder Zypern wird Englisch unterrichtet. Da der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind, plant Offährte in den kommenden Osterferien eine Themensprachreise. Auf den Spuren von Sherlock Holmes sollen Schüler zwischen 14 und 17 Jahren einen – natürlich vorgetäuschten – Mord in der britischen Stadt Exmouth aufklären. Zwei Wochen lang suchen sie Tatwaffen und andere Spuren. Die Sprache lernen sie nebenbei. Ausflüge gibt es passend zum Thema, sie führen nach Torquay, dem Geburtsort von Agatha Christie, und ins mysteriöse Dartmoor. Der Altersunterschied zwischen den Schülern sei kein Problem, meint Heiner Giese, Offährte-Geschäftsführer und Vorsitzender vom Fachverband Deutscher Sprachreiseveranstalter (FDSV). „Wer etwa zwei Jahre Englischunterricht hatte, kommt gut zurecht.“

Zwei Wochen sind zu kurz
Doch das Pensum zu schaffen genügt manchen Schülern nicht. Während leistungsstarke Lerner wie Alessa auf Sprachreisen ihre Englischkenntnisse erweitern können, sind lernschwache Jugendliche dort nicht immer gut aufgehoben. „Wer sich im Land bewegt, lernt vor allem das Sprechen“, sagt Sandra Mämecke von der Stiftung Warentest, die verschiedene Sprachreisen unter die Lupe genommen hat. Um die Schulnoten der Teilnehmer spürbar zu verbessern, seien die zweiwöchige Kurse zu knapp ausgelegt. Zudem schwanke bei manchen Kursen das Niveau des Unterrichts, wenn Teilnehmer mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen gemeinsam lernen. „Da macht es mehr Sinn, das Geld für regelmäßigen Nachhilfeunterricht auszugeben“, so die Expertin.

Dass Sprachreisen und Schulnoten nicht unbedingt zusammenhängen, meint auch der Vorsitzende vom Deutschen Philologenverband (DPHV), Heinz-Peter Meidinger. „Wenn jemand seit meheren Jahren Lücken in Grammatik und Rechtschreibung hat, kann man die nicht durch einen Urlaub wieder ausgleichen“, sagt er. Als Schulleiter vom Robert-Koch-Gymnasium im bayrischen Deggendorf habe er jedoch öfters erlebt, dass lernschwache Schüler durch einen Kurs im Ausland die richtige Motivation gefunden hätten, um für den Fremdsprachenunterricht in der Schule zu lernen. „Die waren auf einmal selbstbewußter und meldeten sich häufiger“, sagt Meidinger. Die Schüler merkten, dass sie ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben.

Um möglichst viel aus den Wochen im Ausland herauszuholen empfiehlt Sandra Mämecke die Unterkunft in Gastfamilien. Dort könne man recht einfach in Kontakt mit Einheimischen kommen. „Sinnvoll ist das jedoch nur, wenn man der einzige deutsche Gast in der Familie ist“, sagt die Expertin. Manche Veranstalter versprechen zwar, ihre Schüler gemischt unterzubringen – aber nicht immer werde dieses Versprechen gehalten. „Das sollte man vor der Buchung noch einmal ansprechen.“ Von einem Wohnheim rät Mämecke ab. Dort seien Muttersprachler nach wenigen Tagen unter sich.

Qualität hat ihren Preis

Heiner Giese vom FDSV dagegen sieht eher Nachteile bei Privatunterkünften. „Es gibt oftmals Missverständnisse zwischen Schüler und Gastfamilie“, sagt er. „Manche Teilnehmer trauen sich nicht, am Frühstückstisch in einer fremden Sprache zu sprechen.“ Das sei kontraproduktiv. Zudem sei die Unterkunft in einem Wohnheim komfortabel. Die Jugendlichen wohnen in Einzelzimmern, teilen sich WC und Dusche. Bei Offährte erhalten sie gegen einen Aufpreis von 100 Euro ein eigenes Badezimmer. So kommt man bei einer Sprachreise nach Chichester, wie sie Alessa Denz gemacht hat, auf Kosten zwischen 1200 und 1600 Euro – je nach Anreise und Unterkunft.

Kein Pappenstiel für die zahlenden Eltern. Doch Alessa hat es so gut gefallen, dass sie dieses Jahr wieder eine Sprachreise nach England machen will. „Unter den Mitschülern habe ich Freunde gefunden“, sagt sie. Die kommen zwar nicht aus Großbritannien, sondern aus Italien und Frankreich – aber Englisch sprechen können sie inzwischen alle ganz gut.

Philipp Eins

Darauf sollten Sie achten
BEIM REISEVERANSTALTER
Wenn ein Reiseveranstalter seinen Sitz in Deutschland hat, unterliegt er deutschem Reiserecht. Das habe den Vorteil, dass er bei Beschwerden zur Rechenschaft gezogen werden kann, erläutert die Stiftung Warentest. Nach Bürgerlichem Gesetzbuch ist der außerdem verpflichtet, eine Insolvenzversicherung abzuschließen. Das unterscheidet sie von reinen Reisevermittlern.
BEI DEN LEHRERN
Vor der Buchung sollte man sich beim Veranstalter nach den Qualifikationen der Lehrer erkundigen, empfielt Testerin Sandra Mämecke. Er sollte über eine sprachwissenschaftliche Ausbildung oder eine akäquate Weiterbildung verfügen. „Jede seriöse Schule gibt dazu offen Auskunft“, so die Expertin.
BEI VERTRAGSSCHLUSS
Eine Sprachreise sollten Sie erst buchen, wenn Ihnen alle Informationen vorliegen. Dazu zählen mindestens eine detaillierte Preis- und Leistungsbeschreibung des Sprachurlaubs, aber auch die Geschäftsbedingungen des Veranstalters.