Großbritannien: Harry Potter – Magisches von Hogwarts und Hedwig

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Warner Bros. Studios bei London – In den Hallen wird die Welt von „Harry Potter“ für die Fans lebendig.

Einmal eintauchen in die magische Welt von Harry Potter, Ron und Hermine: In den Warner Bros. Studios in Leavesden, 30 Kilometer nördlich von London, geht das in Sekunden. Und dann steht der Besucher mittendrin in der Winkelgasse, kostet Butterbier und geht ehrfürchtig durch die große Halle von Hogwarts, in der Direktor Dumbledore gerade zu einer Rede ansetzen will.

„Wow“, entfährt es nicht nur den jungen Besuchern beim Anblick der großen Halle. In zwei langen Reihen sind die Bänke und Tische angeordnet, gedeckt für die Zauberschüler von Hogwarts. Eingeteilt nach den vier Häusern Hufflepuff, Ravenclaw, Slytherin und Griffindor könnten eigentlich Daniel Radcliffe als Harry Potter, Emma Watson als Hermine und Rupert Grint als Ron sofort Platz nehmen. Licht an, Kamera an und Action. Das sagt dann aber doch keiner.

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Viele liebevolle Details

Zehn Jahre lang wurde in den Hallen eines ehemaligen Fluggeländes gedreht. Acht Filme entstanden nach den fantastischen Büchern von J. K. Rowling über einen ganz besonderen Zauberlehrling. Für viele Darsteller und Mitarbeiter wuchs die Crew zu einer großen Familie zusammen. Diese Begeisterung für die Arbeit ist auch beim Rundgang in den Studios zu spüren.

Wer im Zeitalter von Computer animierten Filmen gedacht hat, bei den acht Streifen um den Zauberlehrling kommt vieles aus der Retorte, sieht sich in den Studios positiv überrascht. Allein schon das Büro von Direktor Dumbledore fasziniert mit einer Vielzahl von liebevoll gestalteten Details. Im kleinen Schränkchen drehen sich 900 Phiolen, in den Regalen reihen sich magische Utensilien und jede Menge Bücher aneinander. Das teuerste Requisit der ganzen Produktion sei allerdings Dumbledores Teleskop, verrät die Führerin. Was dafür ausgegeben wurde, will sie nicht Preis geben. Doch wenn man geschliffene Linsen einbauen würde, sei es voll funktionsfähig.

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Ein Blick hinter die Kulissen

Nicht minder liebevoll eingerichtet sind die Hütte des Halbriesen Hagrid, bewacht von Hund Fluffy, oder auch Wohnzimmer und Küche der Weasleys, in der das Messer ganz von allein Gemüse schneidet. Im Klassenzimmer zur Herstellung der Zaubertränke verleihen die unzähligen Glasgefäße an der Wand, die goldenen Schriftzeichen an der Decke oder auch der magische Kessel, in dem die Zaubertränke entstehen, der Szenerie Authentizität.

Vor drei Jahren öffneten die Studios die Pforten für die Potter-Fans auf der ganzen Welt. Seitdem strömen täglich bis zu 5000 Begeisterte und bestaunen die Filmsets. „Die Potter-Fans wollen wissen, wie die Filme entstanden“, sagt Rachel Parsons, Kommunikationsmanagerin der Studios. Und das können die Besucher in Hülle und Fülle erleben. Die Maske mit Harrys Narbe gibt es gleich mehrfach, die Spinne Aragog erscheint bei Tageslicht nicht mehr ganz so gruselig und Hauself Dobby mit den spärlichen Härchen an Kinn und Ohren ist einfach zum Knuddeln.

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Wutschen und Wedeln

Ein Zauberstab gefällig oder Harrys berühmter Besen „Nimbus 2000“? Mehrere Tausend Zauberstäbe wurden für das Set benötigt, allein für Harry Potter gab es 18 Stück. Und während es für den ersten Film noch einfache „Stöcke“ waren, wurden sie später für den entsprechenden Besitzer modifiziert. So ziert den Zauberstab von Lord Voldemort ein Totenkopf, den von Dumbledore dagegen magische Runen. Wie der Flugbesen Nimbus in Handarbeit geschnitzt wird, erfahren die Besucher gleich nebenan. Davor testen aber die meisten das Gerät erst mal in der „Green Box“. Mithilfe eines grünen Raumes wird die Computersimulation möglich. Schnell den Umhang der Schüler übergeworfen und schon kann es losgehen zum Flug durch London, über die Themse und schließlich über Hogwarts. Ein Foto dieses persönlichen Hogwarts-Besuchs kann man anschließend gleich erwerben. Und wem das noch nicht reicht, der lernt beim „Wutschen und Wedeln“ den richtigen Umgang mit dem Zauberstab.

Zu Hogwarts gehört Butterbier. Aber diese magische Erfrischung, die mehr nach Karamell als nach herben Bier schmeckt und nur mit passender „Schaumkrone“ serviert wird, ist sehr gewöhnungsbedürftig. Trotzdem testen es die meisten und wandeln mit vollen Bechern über die schwankende Brücke, die Hogwarts mit Hagrids Hütte verbindet.

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Harrys Eule Hedwig

Gleich nebenan steht das Haus der Dorsleys, wo Harry aufgewachsen ist. Allerdings ohne Eulen. „Die sind gar nicht so schlau wie man landläufig denkt. Raben lernen erheblich schneller“, erzählt Tiertrainer Guillaume Grange. Er hat zusammen mit seinem Kollegen insgesamt neun Eulen für die Filme ausgebildet. Für die Szene am Beginn des ersten Films, als zig Eulen die Privet Street bevölkerten, wurden die Eulen immer wieder an andere Stellen umgesetzt und so die große Menge an Vögeln erzeugt. Wton, wie Harrys Eule Hedwig mit „bürgerlichem Namen“ heißt, sei übrigens ein Männchen.

Man muss nicht unbedingt glühender Verehrer des jungen Magiers sein, um sich von der Entstehung der Filme gefangen nehmen zu lassen. Beim Schlendern durch die einzelnen Sets fängt sich der Blick unweigerlich in den vielen Kleinigkeiten. Es gibt viel zu entdecken – auch in der Winkelgasse. Ob Gringotts, Ollivanders Zauberstab-Geschäft oder der Laden für den Quidditch-Bedarf mit einem der fünf goldenen Schnatze: Stundenlang kann man verweilen. Einen ganzen Tag hat übrigens schon mal ein Besucher die Ausstellung genossen. Denn neben den Sets gibt es auch viel Technisches zu bestaunen, etwa die Konstruktionszeichnungen der Gebäude oder ein riesiges Hogwarts-Modell.

Wer die Studios besuchen will, muss sich übrigens vorher anmelden und im Vorverkauf Tickets sichern. Der passende Harry-Potter-Bus fährt im Londoner Zentrum zu den Studios.

Diana Seufert

 

Frankreich: Aussicht auf Besançon

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Oberhalb von Besançon, der Hauptstadt der französischen Region Franche-Comté, gibt es ein Franziskanerkloster, in dem heute vier Mönche leben. Bruder Boris ist der Pilger, Bruder Jacques der Sänger, Bruder Max der offizielle Exorzist der Diözese. Und Bruder Vincent spült gerne Geschirr. Das hat einen guten Grund: aus der Küche des Klosters ist die Aussicht auf die Stadt einfach phantastisch!

Aber auch neben dem Kloster, von der Kapelle „Chapelle des Buis“, in 460 Meter Höhe, bietet sich für jedermann ein großartiger Blick auf die stolze Stadt, die schon seit alten Zeiten als Festung ausbebaut ist. Cäsar hatte die strategische Lage an einer riesigen Schleife des Flusses Doubs erkannt. Diese Schleife wird südlich von einem gewaltigen Felsvorsprung abgeschlossen und ließ sich so leicht verteidigen. Aus der Zeit der Römer stammt noch die „Porte Noire“, ein Triumphbogen, der nicht, wie der Name vermuten lässt, schwarz ist. Ganz in der Nähe wurde 1802 der berühmte Schriftsteller Victor Hugo geboren. Ein Museum erinnert dort an seine Kämpfe und sein Lebenswerk.

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1674 wurde die Stadt vom Sonnenkönig Ludwig XIV erobert und Frankreich angegliedert. Aus dieser Zeit stammt auch die Zitadelle, die sich direkt unter uns über elf Hektar erstreckt. Festungsbaumeister Vauban hat sie von 1668 bis 1711 angelegt. Seit 2008 gehört die Festung, die sich 118 Meter über der Stadt erhebt, zum Weltkulturerbe der UNESCO. Um die riesige Anlage bestens zu nutzen, wurden darin gleich mehrere Museen und sogar ein Zoo eingerichtet. Daher ist es nicht erstaunlich, in nur wenigen hundert Metern vom Stadtzentrum, Löwengebrüll zu hören. Die Zitadelle ist ein beliebtes Ausflugsziel und gehört mit zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der ganzen Region.

Unterhalb der Zitadelle erhebt sich die Kathedrale Sankt Johannes mit ihren, für die Franche-Comté typischen, glasierten Dachziegeln auf dem Kirchturm. Im Vergleich zu anderen Kathedralen mag Sankt Johannes eher bescheiden anmuten, birgt aber dennoch zahlreiche Schätze in ihrem Inneren. So etwa das berühmte Gemälde „Die Jungfrau mit den Heiligen“, das Frau Bartolomeo 1512 in Rom geschaffen hat. Zudem ist die astronomische Uhr ein wahres mechanisches Wunderwerk. Sie wurde von 1857 bis 1860 von Auguste Lucien Vérité erbaut und zählt mehr als 30.000 Einzelteile. Sie zeigt neben der Uhrzeit den Tag, die Jahreszeit, die Uhrzeit an 16 Orten des Globus, die Gezeiten in acht Häfen, den Sonnenaufgang und -untergang.

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Überhaupt ist Besançon als Hauptstadt der französischen Uhrmacherindustrie bekannt. Das war ein bisschen in Vergessenheit geraten, wird aber jetzt wieder mit neuen Betriebsansiedelungen deutlich. Die Uhrmacherei mit vielen Kleinteilen hat auch dazu geführt, dass Besançon heute auf Mikrotechnik spezialisiert ist. Über diese Aktivitäten erfährt der Besucher Einiges im „Musée du Temps“, dem „Museum der Zeit“. Es ist im Stadtpalast von Nicolas Granvelle, Kanzler des Kaisers Karl V. im 16. Jahrhundert, eingerichtet.

Beim Blick auf die Altstadt fällt die blau-gelbe Farbe der Häuser auf. Der Stein wurde im nahen Wald von Chailluz abgebaut, der zum Stadtgebiet gehört. Der komplette Bereich im Inneren der Doubs-Schleife ist denkmalgeschützt. Damit hat Besançon das zweitgrößte denkmalgeschützte Stadtviertel Frankreichs. Ein weiteres Viertel am gegenüberliegenden Flussufer gehört ebenso zum geschützten Bereich: Battant. Es ist sehr volkstümlich und war früher ein Winzerdorf. Heute finden sich dort eher nordafrikanische Spezialitätenhändler. Über den „Pont de Battant“ geht es zur „Großen Straße“ und zur Innenstadt. Die Brücke ist erst vor kurzem im Rahmen des Strassenbahnbaus erneuert und verbreitert worden. Zahllose Verliebte haben hier bereits mit einem an das Brückengitter befestigten Schloss ewige Treue geschworen.

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Sicherlich sind viele dieser Liebenden, wie 20.000 andere, als Studenten in der Universität der Franche-Comté eingeschrieben. Bei so vielen jungen Menschen ist die 120.000 Einwohner zählende Stadt natürlich sehr lebendig und aktiv. Auf der „Place de la Révolution“ findet ein quirliger Wochenmarkt statt, befindet sich das Museum der schönen Künste, ein Kino und eine täglich geöffnete Markthalle. In der nahen „rue Bersot“ reihen sich Bars an Restaurants. Etwas weiter rechts ist die „Cité des Arts“ das Zentrum der Künste, eine beeindruckende architektonische Leistung des 21. Jahrhunderts. Der japanische Architekt Kengo Kuma ist besonders auf das moderne Dach stolz, das mit seinen Photovoltaikmodulen, Glas und Aluminium von unserem Standort gut zu erkennen ist.

Aber der Blick von der „Chapelle des Buis“ schweift noch weiter über die neueren Stadtviertel von Besançon und bis zur Autobahn A36. Die alte Festungsstadt mit modernem Lebensstil ist damit ein lohnender Zwischenstopp auf dem Weg nach Südfrankreich.

Jörg Hartwig

 

Frankreich: Das weltgrößte nächtliches Schauspiel in der Vendée

Copyright_Puy_du_Fou_Mousquetaire

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Das weltgrößte nächtliche Schauspiel, „Cinéscénie“ setzt auch in diesem Jahr seinen Erfolgskurs fort. Die ergreifende Vorstellung gehört zum Angebot des Attraktionsparks „Puy du Fou“ in der Vendée, nahe der französischen Atlantikküste. 1,74 Millionen Besucher hatte der Park im letzten Jahr. 2014 gibt es zahlreiche spektakuläre Neuheiten und eine Erweiterung um 10.000 m². Eine vollständig deutschsprachige Internetseite informiert über Programme, Attraktionen und praktische Fragen.

Bei der Ankunft im mehr als 50 Hektar großen „Puy du Fou“ vergisst man das 21. Jahrhundert und begibt sich auf Zeitreise. Zwei nächtliche Schauspiele, fünf Highlight-Veranstaltungen, dutzende Attraktionen, vier Kunsthandwerkerdörfer, ein „Reich für Kinder“, 1.400 Tiere und vier thematische Hotels mit 1.524 Betten erwarten die Besucher.

Der Höhepunkt der Vorstellungen ist das nächtliche Schauspiel „Cinéscénie“. 14.000 Zuschauer erleben das symbolische Schicksal der Familie Maupilier vom Mittelalter bis zum 2. Weltkrieg. 1.200 Statisten beleben die mit 23 Hektar größte Bühne der Welt. 3.400 freiwillige Helfer, 120 Reiter und 400 Empfangspersonen kommen bei jeder Aufführung zum Einsatz. 24.000 Kostüme, 1.000 Feuerwerkskörper, 150 Wasserspeier und mehr als 3.000 Projektoren sorgen für großartige Stimmung und Spezialeffekte.

Aber auch die Highlight-Veranstaltungen am Tage bieten Unterhaltung voller Superlative, die besonders Familien anspricht. Die halbstündigen Vorstellungen, sind aktionsgeladen und ziehen 3.000 bis 6.000 Zuschauer an. Jedes Spektakel hat seine speziell gestaltete Bühne. „Das Zeichen des Triumpfes“ findet in einer römischen Arena statt. Wagenrennen, Gladiatorenkämpfe, Angriffe von Raubtieren, „Die Wikinger“ greifen mit einem 20 Meter langen Drachenboot ein Dorf an, um es zu plündern. „Das Geheimnis der Lanze“ ist ein mittelalterliches Reiterspektakel. „Richelieus Musketiere“ mischt Flamencoaufführungen, Degenkämpfe und Reiterkunststücke. Zum Höhepunkt des „Balls der Geistervögel“ sind mehr als 200 Greifvögel gleichzeitig in der Luft über den Zuschauern.

2014 wurde der Attraktionspark um 10.000 m² erweitert. Eine neue Renaissancewelt umfasst vier Neuheiten. Ein neues Hotel „Le Camp du Drap d’or“, ein neues Restaurant „Les deux couronnes“ und eine neue Attraktion: das Schloss des « Puy du Fou » mit der Vorführung „Die Renaissance des Schlosses“. An diesem Ort sprechen die Gemälde, die Spiegel beobachten die Besucher und die Geister tanzen.

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Für einen mehrtägigen Besuch bietet „Puy du Fou“ Übernachtungsmöglichkeiten in vier thematischen Hotels an. Auch hier ist die Zeitreise perfekt: eine römische Villa, mittelalterliche oder Renaissance-Unterkünfte oder aber das 18. Jahrhundert stehen zur Auswahl mit allem Komfort für die Hotelgäste.

Die Vendée ist ein französisches Departement an der Atlantikküste, das nach dem gleichnamigen Fluss benannt wurde. Das Gebiet ist mit 6.720 km² ist mehr als doppelt so groß wie das Saarland und hat ungefähr 642.000 Einwohner. Die Hauptstadt des Departements ist La Roche sur Yon mit 53.000 Einwohnern. Die Vendée gehört zu den Departements mit den meisten Sonnenstunden in Frankreich. Die Küstenlinie beträgt 250 Kilometer, davon 140 Kilometer Sandstrände. Zwei Inseln, Yeu und Noirmoutier, 18 Seebäder und 8 Yachthäfen. Mehr als 500 Feste und Veranstaltungen werden jährlich organisiert. Segelregatta um den Globus: Vendée-Globe. Mehr als 300 touristische Attraktionen und Aktivitäten. Der Attraktionspark „le Puy du Fou“ wird jährlich von 1,74 Millionen Gästen besucht. Die touristische Hauptsaison der Vendée erstreckt sich von April bis September (90% der 36 Millionen Übernachtungen). Von Frankfurt sind es beispielsweise 1.000 Kilometer bis in die Vendée. Autobahnen, Bahnverbindungen nach La Roche sur Yon/Les Sables d’Olonne und Flugverbindungen nach Nantes oder La Rochelle machen das Gebiet gut erreichbar.

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Portugal: Zum Seele-Baumeln nach Madeira

Madeira – Das warme grüne Eiland im Atlantik verwöhnt seine Gäste mit Sonne, mildem Klima und vielseitiger Natur. Die meisten kommen zum Wandern.

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Antonio hat gesagt, wenn die Picos morgens wolkenfrei sind, können wir fahren. Dann nämlich bleibt es oft bis zum Nachmittag im Hochland und im Norden sonnig. Er muss es wissen. Schließlich lebt der Reiseführer seit 34 Jahren auf Madeira.
Wir sind zum ersten Mal hier, wollen im zentralen Bergland der Atlantikinsel wandern, Natur erleben und die Seele baumeln lassen.
Die Sonne scheint. In vollen Zügen genießen wir das Licht, die Wärme, das Blau  von Ozean und Himmel. Vom Frühstückstisch auf der Hotelterrasse ist es nur ein Katzensprung ins Herz der Inselhauptstadt. Ach, komm, der Wanderweg ist morgen auch noch da – jetzt schauen wir uns erst mal Funchal an!
Vom Kreuzfahrthafen, der Uferpromenade und dem Cais, wo die Yacht der Beatles liegt, schlendern wir – vorbei an alten Kirchen, Klöstern und Palästen –  durch kleine Parks und über Plätze mit Lokalen und Cafés.

K1024_Madeira-WeinkellerEin Blick in Blandy’s Wine Lodge reicht nicht aus. Madeira-Wein muss man probieren. Hinter einer schmalen Gasse mit vielen bunt bemalten Haustüren liegt Mercado dos Lavradores, die Markthalle

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Hier gibt es Blumen aller Farben, vertraute und auch sonderbare Früchte  wie den tannenzapfen-ähnlichen Philodendron (Achtung: am besten vor dem Kosten nach dem Preis fragen!) und Meerestiere wie den Schwarzen Degenfisch. Mit seinen riesigen Augen und einem Maul voller spitzer Zähne ist der lange Barschverwandte alles andere als hübsch – doch dafür äußerst schmackhaft. Später werden wir uns davon selber überzeugen –  im „O Jango“, einem urig-gemütlichen Restaurant am Hafen in der Altstadt. K1024_Madeira-JardimTropical2Die Düfte von Orangen, Akazien und Jasmin locken uns in Funchals Gärten. Mit der Seilbahn schweben wir nach Monte, wo in einer kleinen Kirche Kaiser Karl von Österreich begraben liegt. Daneben grünt und blüht der Jardim Tropical, ursprünglich Park des Luxushotels Monte Palace. Die von dem madeirischen Geschäftsmann und Kunstsammler José Berardo erworbene und gestaltete Anlage ist seit 1991 öffentlich zugänglich. Zu ihren botanischen Kostbarkeiten gehören Azaleen und Orchideen aus dem Himalaya, Palmen aus Südafrika und eine seltene Palmfarn-Sammlung aus aller Welt.

Frische Blüten gibt’s das ganze Jahr. „Fast überall auf der Insel blüht jederzeit etwas, genauso wie  auch immer – zumindest stellenweise – Urlaubswetter herrscht“, sagt Antonio stolz. Dank günstiger Klimabedingungen sinkt das Thermometer auf Madeira selbst im Dezember und Januar im Schnitt nie unter 19 Grad Celsius. Die zwei Kilometer zurück ins unterhalb gelegene Funchal fahren oder besser gesagt: rutschen wir in einem  recht ungewöhnlichen Verkehrsmittel, dem Korbschlitten. Das bis zu drei Personen fassende Vehikel wurde im 19. Jahrhundert zum Touristentransport erfunden.

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 Am nächsten Morgen: wieder Sonne. Nun aber ab in die Berge! Antonio fährt uns mit dem Jeep nach Ribeiro Frio („Kalter Fluss“), wo es die leckersten Forellen gibt. Sie werden hier gezüchtet. Der 860 Meter hoch gelegene Ort nahe Santo da Serra ist ein beliebter Start für Wanderungen, zunehmend auch für Mountainbiking und „Trail Running“ – der letzte Schrei bei schmerz-resistenten Läufern mit gut trainierten Muskeln und Gelenken.

Der Weg zum Aussichtspunkt Balcões ist auch von Ungeübten leicht zu schaffen. Dafür hat man ihn auch selten nur für sich allein. Die Kulissen sind jedoch grandios: immergrüner subtropischer Lorbeerwald, Madeiras höchste Gipfel und Levadas – künstliche Kanäle, teils schon vor 600 Jahren zur Bewässerung des trockenen Südens angelegt. Heute bedeckt das weitverzweigte System der flachen, begehbaren Wasserwege, das auch Brücken und Tunnel umfasst, beinahe das ganze grüne Eiland.
Trotz Wasserreichtums ist Madeira nicht unbedingt das Ziel für einen Badeurlaub. Oder doch? Der populärste Strand  heißt Campo de Baixo und liegt nicht auf der Hauptinsel des Archipels, sondern auf Porto Santo, rund 40 Kilometer von Funchal entfernt. Für einen Tag lang bringt uns das Schnellboot hin. Die müden Wanderfüße jubeln. Neun Kilometer  weicher Sand – das ist ein Beach zum Träumen…
Am Abend sind alle wieder fit. Das trifft sich gut, denn Partynächte in Funchal können lang sein. Unsere beginnt im Café do Teatro, geht weiter im FX, dann im „O Mohe“… Im „Vespas“ geht’s bis zum Sonnenaufgang. Doch den erleben wir   lieber auf dem Hotelbalkon – mit Blick auf Himmel, Berge, Stadt und Ozean. Es wird wieder Wanderwetter!

Text und Fotos: Carsten Heinke

Informationen:

Das Blumenfest von Funchal am 3. und 4. Mai ist nach dem Karneval das wichtigste Ereignis auf Madeira. Höhepunkt ist ein farbenprächtiger Umzug mit Tänzern in fantasievollen Kostümen und blütengeschmückten Wagen. Es gibt Parties, Shows und  klassische Konzerte. Am gleichen Wochenende wird in Santana, das für seine traditionellen Strohdachhäuser berühmt ist, das Zitronenfest gefeiert. An allen vier Juni-Samstagen findet in Madeiras Hauptstadt das Atlantik-Festival mit  viel Musik  statt. Begleitet wird es von einem internationalen Feuerwerkwettbewerb.

Am 14. und 15. Juni präsentiert die Stadt Câmara de Lobos ein fruchtig-frohes Kirschfest mit Umzug. Vom 3. bis 5. Juli lädt Funchal zum Jazz Festival sowie Santana vom 18. bis 20. Juli zu einem  Folklore-Tanzfestival ein.

Inselexkursionen: www.mountainexpedition.pt
Madeirawein: www.blandyswinelodge.com
Restaurant-Tipp: www.ojango.net

 

Frankreich: Inselhopping vor der bretonischen Küste

Wenn die „Vindilis“ oder eine ihrer Schwesterfähren auf den Hafen der Belle-Île-en-Mer zusteuert, muss sie erst einmal ordentlich die Fahrt drosseln. Gebremst und in einer Linkskurve geht es durch die nicht allzu breite Einfahrt, vorbei an Dutzenden Segelbooten. Am Quai warten bereits Laster, Kleinbusse und Taxis – auf Waren oder auf die Tagestouristen, die von Quiberon aus auf die „Schöne Insel“ kommen. Doch kaum sind Container und Kisten vom Schiff geladen und die Inselbesucher in einem der Busse verstaut, verfällt die Inselhauptstadt Le Palais wieder in ihr eigenes deutlich entschleunigtes Tempo.

057Das kleine Ortszentrum ist mit den Restaurants am Hafen, der Kirche mit ihrem spitz zulaufenden Glockenturm und dem Marktplatz überschaubar. Durch eine schmale Straße geht es zum Binnenhafen, wo vor alten pastelfarbenen Häusern mit bunten Fensterläden Boote dümpeln – für viele Besucher eines der beliebtesten Fotomotive. Die meisten zieht es von hier weiter zur Zitadelle, die wuchtig über der Inselhauptstadt thront. Vor dem Eingang wartet Serge Albagnac, kurze graue Haare, Brille, Schirmmütze. Früher war er Bürgermeister von Le Palais und kennt sich wie kein Zweiter mit der Geschichte der Belle Île aus. Die sei bereits im Mittelalter von Mönchen besiedelt worden, erzählt er, und ging dann im 17. Jahrhundert an den Finanzminister Ludwigs XIV. Allerdings fiel der Minister bald in Ungnade und das Stückchen Land an die französische Krone. Der Sonnenkönig wies seinen Militärarchitekten Vauban an, die Zitadelle auf dem Hügel über Hafen und Inselhauptstadt auszubauen, denn die Belle Île sollte geschützt werden – vor den sich häufenden Piratenüberfällen. Schade nur, dass Vaubans Pläne aus Geldmangel nicht ganz umgesetzt werden konnten und die Insel schließlich ausgerechnet von den Engländern eingenommen wurde!

Für heutige Verhältnisse ist der Bau – auch wenn nicht ganz vollendet – beeindruckend genug .Nicht alle Bereiche sind zugänglich, schließlich ist in Teilen der Zitadelle ein schickes Hotel eingezogen. Trotzdem, es gibt genug zu entdecken – den Pulverturm mit seiner besonderen Akustik, das alte Arsenal mit den massiven Deckenbalken, die ehemaligen Gefängniszellen, in denen noch Graffitti der Gefangenen zu sehen sind.

087Von Le Palais aus geht es weiter in den Nordwesten der Insel – steile Klippen, karge Vegetation, an der Pointe des Poulains weht fast immer ein frischer Wind. Ausgerechnet in dieses Fleckchen verliebte sich die Schauspielerin Sarah Bernhardt, als sie 1894 auf die Belle Île kam. Und kaufte kurzerhand das halb verfallene Fort an der Inselspitze, ließ es nach und nach instand setzen. Der Theaterstar der Belle Époque reiste aber nie allein, hatte stets Familie, Freunde, Personal um sich – weitere „Villen“ mussten gebaut werden, um die Entourage unterzubringen. Heute ist die Anlage ein Espace muséographique – mit den originalgetreu eingerichteten Wohnräumen Bernhardts, mit alten Fotos und Tondokumenten. So wird der Besucher in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts zurückversetzt. Und kann sich in etwa vorstellen, wie es gewesen sein muss, als die schicken Pariser auf die in bescheidenen Verhältnissen lebenden Inselbewohner trafen- und ganz langsam der Tourismus auf der „Schönen Insel“ Einzug hielt.

Künstler oder reiche Müßiggänger auf der Suche nach dem „Exotischen“ – das waren auch die ersten Touristen, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts nach Ouessant kamen. Die schroffe Insel liegt vor dem Fischerort Le Conquet rund 20 Kilometer vom Festland entfernt – und ist somit der westlichste Punkt Frankreichs. Die Region ist in der Schifffahrt berühmt-berüchtigt, das schnell umschlagende Wetter, Untiefen und tückische Klippen haben in den vergangenen Jahrhunderten viele Schiffe sinken lassen. Kein Wunder also, dass es auf der Insel mehrere Leuchttürme gibt, einige davon können auch heute noch besichtigt werden. Ondine Marin, die selbst aus einer Seemannsfamilie auf Ouessant stammt, sorgt dafür, dass Neugierigen der Phare Stiff aufgeschlossen wird.

Er ist einer der ältesten Leuchttürme Frankreichs und wurde zu Vaubans Zeiten auch als Teil eines Befestigungsgürtels um Frankreich angelegt – der Leuchtturmwärter musste nach englischen Schiffen Ausschau halten und im Notfall den Hafen von Brest vor den anrückenden Feinden warnen.

049104 Stufen geht es eine Wendeltreppe hinauf – ein Aufstieg, der sich lohnt. Denn aus gut 30 Metern Höhe kann man die gesamte Insel überblicken. Mit ihrer Heidekrautlandschaft, den kleinen Weiden mit Schafen, der zerklüfteten Küstenlinie. Und mit den grau gedeckten Dächern der kleinen Inselhauptstadt Lampaul. Eine große Kirche mit Friedhof, auf dem auch zahlreiche Opfer von Schiffsunglücken beerdigt sind, ein paar Lädchen und Creperien – zu besichtigen gibt es hier nicht viel. Dennoch, selbst der Tagesbesucher spürt die besondere Atmosphäre des Örtchens, in dem ein bisschen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Schmale Straßen läuft man entlang, zwischen Feldern und Weiden hindurch, an kleinen Windmühlen oder verwitterten alten Häusern vorbei. Und kommt schließlich zum kleinen Museum von Niou, das 1969 als Frankreichs erstes „Ecomusée“ gegründet wurde. Ein schiefergedecktes Bauernhaus aus wuchtigen Feldsteinen, mit blauen Fensterrahmen. Innen dann der Kontrast zwischen weißgekalkten Wänden und farbenfrohen Holzmöbeln. Blau gestrichene Anrichten und Wandregale mit bunten Keramiktellern, dazu blank geschrubbte Esstische und lange Bänke – gut kann man sich vorstellen, wie die Inselbewohner vor über 100 Jahren lebten – und wie sie versuchten, aus den schwierigen Lebensbedingungen der abgelegenen Insel das Beste zu machen.

Ein wenig, sagt Ondine, gelte das auch noch heute. Klar, es gibt regelmäßige Fähr- und sogar Flugverbindungen und abgehängt sei man auf Ouessant schon lange nicht mehr. Dennoch, gerade im Herbst könne es gut sein, dass es für Schiff und Flugzeug zu stürmisch werde und dann sei es auf der Insel ein bisschen wie früher. Gut also, dass es seit einigen Jahren eine ganze Reihe von Festivals und Kulturveranstaltungen gibt – von Film über Literatur bis hin zu Musik. Ondine findet das gut. Nicht nur für den Tourismus auf der Insel sondern auch, weil sie so als Bewohnerin von Ouessant viele interessante Menschen aus aller Welt kennenlernt.

Sabine Loeprick

Frankreich: Aube en Champagne

Foto - Aube en Champagne Tourisme - Kathedrale Troyes

Champagner und mehr

Geschätzte Einhundert Mal bin ich auf der A 26 durch die „Aube en Champagne“ gerauscht, ohne dabei von der Autobahn abzufahren. Das wird sich heute ändern. Ich nehme die „Sortie 22“ und steuere auf Troyes zu, mit dem guten Vorsatz an einem Tag gleich mehrere Sehenswürdigkeiten des französischen Departements der Südchampagne zu entdecken.

Troyes, die Hauptstadt, ist eine wahre Schönheit aus dem Mittelalter. Die Innenstadt hat den Umriss eines Champagnerkorkens und ein Spaziergang im historischen Stadtkern mit seinen vielen eindrucksvollen Fachwerkhäusern entführt zu einer Reise in die Vergangenheit. Augenblicklich werde ich in die Zeit der Champagnermärkte versetzt, die inmitten von Kramläden und herrschaftlichen Stadthäusern, den Ruhm der Stadt begründeten.

Troyes war einst von Kirchen, Klöstern, Abteien und anderen religiösen Bauten wie übersät. Heute enthalten die neun unter Denkmalschutz stehenden Kirchen und die Kathedrale viele Meisterwerke der Bildhauerei und Glasmalerei.

So wie die Stadt bieten auch die Museen von Troyes dem Liebhaber eine Mischung aus Tradition und Moderne: Museum für moderne Kunst, Geschichtsmuseen, die alte Apotheke im Hôtel-Dieu-Le-Comte…

Aber Troyes ist nicht nur eine historische Schönheit, sondern auch eine dynamische Stadt mit einer sehr starken Textiltradition. Viele große Marken haben ihre Karriere in Troyes begonnen wie zum Beispiel Lacoste. Heute sind hier die bekanntesten Textilmarken und -unternehmen vertreten. Schnell entwickelte sich Troyes zur Hauptstadt der Fabrikläden. Die Besucher strömen herbei, um Schnäppchen zu machen und Qualitätsmarken 30 bis sogar 50 % preiswerter als in einer Boutique zu erstehen.

Beim Mittagessen in einer „Brasserie“ muss ich unbedingt herausfinden, was sich hinter „AAAAA“ verbirgt. Ich bestelle also eine Andouillette aus Troyes, eine ganz besondere französische Spezialität, eine Wurst die kräftig gewürzt ist, wobei der Innereiengeschmack stärker hervortritt. Die „Association Amicale des Amateurs d’Andouillettes Authentique“ wacht über erstklassige Qualität.

Foto - Aube en Champagne Tourisme - Hobby Rahn Galerie Leica

Der Naturpark Forêt d’Orient

So gestärkt kann die Erkundungstour durch das Departement weitergehen. Östlich von Troyes erstreckt sich der beeindruckende regionale Naturpark Forêt d’Orient über 80.000 Hektar und 57 Gemeinden. In diesem waldreichen Gebiet gibt es drei riesige Stauseen und unzählige Teiche. Jetzt bedauere ich, dass ich nicht mit dem Fahrrad unterwegs bin, denn ein hervorragend ausgebauter Radweg führt in das Gebiet der großen Seen.

Der größte, der Lac d’Orient hat eine Fläche von 2.500 Hektar gefolgt vom Lac du Temple mit 1.800 Hektar und dem Lac Amance mit 490 Hektar. Ich stoße bei Géraudot auf den Lac d’Orient mit seiner riesigen Wasserfläche und überlege, ob ich noch einen Abstecher zu einer von 15 Fachwerkkirchen machen soll. Nachdem sie lange vernachlässigt waren, sind diese Holzkirchen heute restauriert und erstrahlen fast wie neu. Besonders die Kirchen von Longsols (15. und 16. Jh.) und Lentilles (16. Jh.) lohnen. Oder ein Schlenker nach Brienne-le-Château, das als Ausbildungsort Napoleons, der hier von 1779 bis 1784 als Internatszögling an der damaligen königlichen Militärschule studierte, bekannt geworden ist ?

In diesem Jahr denken Geschichtsinteressierte ganz besonders an den französischen Kaiser und an den Frankreichfeldzug vor genau 200 Jahren. Hier wurden mehrere Schlachten gegen die 6. Koalition geschlagen und ein reiches Programm erinnert jetzt an diese Ereignisse.  Ich entscheide mich jedoch dem Champagnergebiet um Bar-sur-Aube einen näheren Besuch abzustatten.

Der König der Weine

Vorbei am Erlebnispark Nigloland erreiche ich die am Rande von Champagne und Burgund gelegene Côte des Bar, die die Hauptregion der Aube ist, in der man den König der Weine erzeugt. Neben den Weinbergen von Montgueux oberhalb von Troyes und von Villenauxe im Nordwesten des Departements konzentrieren sich die Gemeinden mit der Herkunftsbezeichnung „Champagne“ bei der Côte des Bar zwischen Bar sur Seine und Bar sur Aube.

Foto - Aube en Champagne Tourisme - Spezialitäten

Eine markierte Strecke von 220 km, schlängelt sich gemütlich durch Höhenzüge und Täler, Winzerdörfer und Champagne-Häuser. Entlang dem sprudelnden Reiseweg öffnen 29 Weinkeller dem Publikum ihre Pforten. Hier haben die Champagnerhäuser noch eine menschliche Dimension. Ich halte zu einer autofahrergerechten Minimalverkostung an. Der nette Franzose versieht wie die meisten Winzer  die Traubenernte, die Weinbereitung und den Verkauf selbst. Höchstpersönlich empfängt er in seinem Weinkeller und weiht in die Geheimnisse seines berühmten Gebräus ein. „Santé“, ein königlicher Augenblick!  Und dann noch der Gedanke, dass manche dieser Keller aus dem 12. Jahrhundert stammen!

Es ist nicht leicht, sich von diesem angenehmen Ort zu trennen, aber es warten noch weitere Sehenswürdigkeiten auf meiner Route. Etwa acht Kilometer südöstlich wurde Glas schon seit dem Jahr 1300 bearbeitet. 1678 gründete ein venezianischer Glasmacher in Bayel die „Cristalleries“ und unter Ludwig XIV. wurden sie zur königlichen Kristallmanufaktur der Champagne. Bis heute weiß die Fabrik ihren Glasmachermeistern die vielfältigsten und ausgefeiltesten Techniken zu übermitteln. Eine Besichtigung lässt mich über ihre Fertigkeiten staunen: Glasblasen, Schneiden und Gravieren von Hand sowie Anfertigen von gebräuchlichen und dekorativen Gegenständen aller Art.

Ein Meisterwerk der Klosterarchitektur

Ganz in der Nähe auch die Zisterzienserabtei von Clairvaux. Sie ist ein Meisterwerk der Klosterarchitektur und wurde im 12. Jahrhundert von Bernhard von Clairvaux gegründet und in der Revolution unter Napoleon Bonaparte zu einer Strafanstalt umgebaut. Obwohl ein Teil der Örtlichkeiten immer noch als Gefängnis dient, kann man bei einer Besichtigung des Kellers, einer Schlafsaaletage, der Prälatur und des wundervollen Gebäudes der Laienbrüder einige Juwelen der Zisterzienserarchitektur bewundern.

Bei der Auffahrt 23 auf die Autobahn A 5 endet meine Besichtigungstour. Für heute ! Schließlich gibt es in der „Aube en Champagne“ noch so viele Überraschungen. Das Champagnerdörfchen Les Riceys, die Kirche Saint-Jean-Baptiste in Chaource mit bewundernswerter Grablegung von 1515, das Renaissance-Schloss La Motte Tilly in der Nähe von Nogent-sur-Seine, der botanische Garten in Marnay-sur-Seine, Renoirs Atelier in Essoyes, warten auf einen Besuch. Und wer weiß, vielleicht komme ich auch einmal mit dem Rad.

Jörg Hartwig

Foto - Aube en Champagne Tourisme - Kirche

Foto - Aube en Champagne Tourisme -Velovoie

Foto - OT Brienne-le-Château - Napoleon

Frankreich: Die Vendée an der Atlantikküste

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Die Vendée gehört zu den französischen Departements mit den meisten Sonnenstunden, hat jährlich rund 36 Millionen Übernachtungen von Touristen, besitzt 250 Kilometer Küstenlinie, organisiert mehr als 500 große Veranstaltungen im Jahr und lockt mit mehr als 300 Touristenattraktionen. Dennoch ist das Gebiet in Deutschland noch ein Geheimtipp.

Die Vendée ist ein sehr geschichtsträchtiges Gebiet. Ein großes Freizeit- und Besichtigungsangebot und viele namhafte Veranstaltungen machen es das ganze Jahr über zu einem lohnenden Reiseziel. Entweder man genießt Ferien an der 250 Kilometer langen Küste, man sucht im Herzen der Heckenlandschaft der Vendée nach Spuren der Geschichte oder taucht in das üppige Grün der Sümpfe „Marais Poitevin“ ein.

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Die Küste der Vendée ist in Sonne und Licht getaucht

Die Vendée, besitzt 250 Kilometer Küstenlinie. 140 Kilometer davon sind lange feine Sandstrände. Zahlreiche Seebäder empfangen Gäste und bieten vielfältige Aktivitäten an um alle Besucher zufrieden zu stellen. Nicht nur Verliebten ist ein Aufenthalt auf den Inseln der Vendée, Noirmoutier oder Yeu, zu empfehlen. Familienurlaub im Ferienhaus, Camping, Feriendörfer, Hotels. Für viele Wünsche gibt es ein Angebot.

Warum nicht an den feinen Sandstränden eine riesige Sandburg bauen, baden oder einfach das angenehme Mikro-Klima genießen? Viele Sportarten sind möglich: Segeln, Surfen, Drachensurfen, Tauchen, Kajak fahren. In der Vendée gibt es ein Radwegenetz von mehr als 1.000 Kilometer Länge aber auch Wanderungen, Reitsport, Golf und Fischen sind sehr beliebt. In zwei Zentren für Thalassotherapie erfährt man die Wohltaten des Ozeans.

Die Vendée Globe ist eine Non-Stop-Regatta für Einhandsegler, die einmal um den Globus führt und deswegen als die härteste Einhandregatta der Welt gilt. Die letzte Regatta startete am 10. November 2012 in Sables d’Olonne und die Nächste wird ab November 2016 ausgetragen.

Die Küste und das Meer bringen schmackhafte Spezialitäten hervor wie feines Salz aus Noirmoutier, die Sardine von Saint Gilles Croix de Vie, die Seezunge, die Muscheln von l’Aiguillon sur Mer und die frischen Atlantikaustern der Vendée.

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Die grüne Vendée der Heckenlandschaft, der Ebene und der Sümpfe

Mit Wäldern, kleinen Tälern, Hügeln, Ebenen und Sümpfen ist das Hinterland der Vendée ein wahres Mosaik.

Die Heckenlandschaft bietet zahlreiche kleine Wege, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Pferd zu erkunden sind. Hier ist auch die Geschichte sehr gegenwärtig. Schlösser, Abteien und Kirchen stammen aus der Zeit des Vendée-Krieges. Die grüne Vendée ist auch ein Land der Sagen und Legenden. Blaubart, Gargantua und die Fee Melusine haben ihre Spuren hinterlassen. Wenn man durch die Landschaft streift, kommt man rasch ins Träumen. Man denkt an die Zeit, als sich Prinzen und Feen begegneten und mit einer einzigen Bewegung des Zauberstabes Bergfriede, Mauern, Herrenhäuser und großartige Kirchen erbauten.

Liebhaber von Natur und Stille finden in den Sümpfen Marais Poitevin, dem grünen Venedig ein wahres Paradies. Ein unglaubliches Labyrinth von Kanälen wird von Eschen gesäumt und lässt den Besucher in ein zauberhaftes Gebiet eindringen, wo Bäume und Wasser ein harmonisches Zusammenspiel eingehen.

Neben der landschaftlichen Fülle besitzt die Vendée auch ein reiches Kulturerbe und mehr als 300 touristische Attraktionen und Aktivitäten. Der Attraktionspark Le Puy du Fou wird jährlich von 1,74 Millionen Gästen besucht.

Irland: Burgen in Hülle und Fülle

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Burgen in Irland – schaurig und schön!

Burgen in Irland gibt es fast wie Sand am Meer. Aber warum? Auch in anderen europäischen Ländern finden sich viele Festungen aus dem Mittelalter. Aber gerade mit Irland verbinden Menschen häufig automatisch den Begriff Burgen. Das mag vielleicht an dem Image der grünen Insel und entsprechenden Touristik-Werbekampagnen liegen, die – wie auch in Großbritannien – Reisefreunde mit der mystischen Seite des Landes locken möchten. Und das zu Recht, denn so kann man den manchmal recht widrigen Wetterverhältnissen doch etwas Positives abgewinnen! Burgen in Irland wirken bei Nebel, Regen und grauem Wetter noch imposanter und schaurig-schöner.

Burgen Hülle und Fülle

Die Anzahl der Schlösser und Burgen in Irland ist tatsächlich auffällig hoch. Es gibt um die 30.000 Festungen, einige von Ihnen existieren nur noch als Ruinen, die aber trotzdem nicht vergessen und oft sogar vielbesuchte Touristenattraktionen sind wie das Blarney Castle. Die Iren lieben ihre teils gut erhaltenen, teils nur noch in Bruchstücken vorhanden Anlagen ebenso wie die ausländischen Besucher.

Eine Begründung für die große Zahl könnte darin liegen, dass die irischen Fürsten und Adligen im Mittelalter viel und heftig mit sich selbst, den Normannen und gelegentlich auch mit den britischen Nachbarn stritten. Es ging dabei meist um die territoriale Eigenständigkeit der Fürstentümer. Dafür kämpften die Burgherren mit allen Mitteln und konnten sich so recht gut behaupten. Ihre trutzigen Wehranlagen haben mit Sicherheit einen großen Anteil an ihren Erfolgen gehabt.

Bei den Angriffen wurden zwar viele Burgen in Irland stark beschädigt, aber dank dem Traditionsbewußtsein der Iren und dem Willen zur Bewahrung ihrer Kulturgüter wurden viele wieder in Stand gesetzt und restauriert.

Burgen in Irland sind relativ gleichmäßig über die gesamte Republik verstreut. Man findet sie im Osten um Dublin und in Zentral-Irland genauso wie im Westen Irlands und in Nordirland.

Alte sehenswerte Gemäuer

Es gibt so viele Burgen in Irland, dass man seine Reise allein mit dem Besuch dieser vielen Schlösser, Klöster und Burgen füllen kann, ohne dass einem dabei langweilig wird.

Zu den Wahrzeichen Irlands zählt zum Beispiel das Rock of Cashel im südlichen Zentral-Irland nordöstlich von Tipperary. Ein auffälliges Merkmal dieser Burganlage ist sein idealtypischer Rundturm. Seine exponierte Lage auf einem Hügel – 65 m über den Dächern der Stadt Cashel – hat ihm zu seiner Berühmtheit verholfen. Rock of Cashel gehört zu den Burgen in Irland, die noch ein Innenleben haben. Es handelt sich hier also nicht um eine leere Ruine, bei der nur noch die Hülle stehen geblieben ist.

Intakte Burgen in Irland

Dublin Castle
Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Burg, die mitten in Dublin auf einer Anhöhe zu finden ist, wurde im 18. und 19. Jahrhundert von Grund auf neu gestaltet und besteht jetzt im Kern aus zwei Höfen mit den um sie errichteten Gebäuden. Sie diente zur Zeit der britischen Vormachtstellung als Regierungssitz. Heutzutage ist sie nur noch alle sieben Jahre im Mittelpunkt des politischen Geschehens, und zwar dann, wenn der neue Staatspräsident in sein Amt eingeführt wird. Zu besichtigen sind aber nur einzelne Abschnitte des Schlosses.

Dublin-Castle

Kilkenny Castle

Von der ebenfalls im 13. Jahrhundert erbauten Burg im Südosten Irlands sind nur noch die drei Rundtürme erhalten, die übrigen Gebäude stammen aus den nachfolgenden Jahrhunderten. Sehenswert ist die große viktorianische Halle, die man sich unbedingt ansehen sollte.

Cahir Castle

Das nur 25 km südlich des Rock of Cashel gelegene Cahir Castle aus dem 13. und 15. Jahrhundert hat eine imposante Erscheinung. Die mit runden und eckigen Türmen verstärkte Außenmauer umgibt einen dreistöckigen Bergfried, dessen Innenausstattung jedoch weniger sehenswert ist: Die Einrichtung aus dem 17. Jahrhundert ist recht einfach und grob.

Ross Castle

Das Ross Castle wurde im 15. Jahrhundert auf der Landzunge im Lough Lean erbaut und gehört zu der Stadt Killarney im Südwesten Irlands. Die Innenausstattung des Turms entspricht der seiner Erbauerzeit. Man bekommt hier ein Einblick in das Leben eines Clanchefs: Damit der Boden nicht so kalt war, wurden die Schlafräume mit Erde bedeckt, als Toilettenpapier dienten den Herrschaften Moos und Blätter.

Bunratty Castle

Das zu Irlands Vorzeige-Schlössern zählende Bunratty Castle liegt nordwestlich von Limerick unweit des Shannon und stammt aus dem 15. Jahrhundert, sein Bergfried ist quadratisch und die große Halle sowie die Wohnräume ließ der kulturliebende Graf, der das Schloss 1954 erbte, mit Möbeln aus der Erbauerzeit ausstatten und gab die Räumlichkeiten zur Besichtigung frei. Besonders sehenswert ist auch das angrenzende Freilichtmuseum, das die Häuser von Bauern und Fischern aus dem Mittelalter originalgetreu präsentiert.

Beispiele historischer Klöster in Irland

Kylemore Abbey

Die wunderschöne Klosteranlage Kylemore Abbey mit einem ebenso schönen viktorianischen Garten liegt im Connemara Nationalpark im Westen Irlands und wurde erst im 19. Jahrhundert erbaut. Benediktinerinnen führten hier lange Zeit eine Mädchenschule, heute kann sie besichtigt werden.

Kloster Clonmacnoise

Eine weitere Berühmtheit Irlands ist die mehr als 1400 Jahre alte Klosteranlage Clonmacnoise die nicht nur im geographischen  Zentrum Irlands liegt, sondern hunderte Jahre das irische Zentrum der Gelehrten war. Fast schon legendär sind die drei Hochkreuze, von denen das Cross of Scriptures das bekannteste ist.

Irische Ruinen

Blarney Castle

Der vor den Toren Corks an Irlands Südküste gelegene dreistöckige Festungs- und Wohnturm stammt aus dem 15. Jahrhundert und diente 300 Jahre als Bardenschule. Heutzutage ist sie eine Touristenattraktion aufgrund des Blarney Stones, den man küssen muss, um immer eine passende Ausrede parat zu haben!

Schloss Blarney bei Cork

Dunluce Castle

Eine der größten Ruinen von Burgen in Irland ist die des Dunluce Castle in Nordirland. Seine besondere Lage auf einem zerklüfteten Felsen an Antrims Küste bescherte ihm zu bewohnten Zeiten nicht immer Glück: Im 17. Jahrhundert versank ein Teil der Küche mitsamt den Bediensteten im Meer. Das könnte auch der Grund dafür gewesen sein, dass Dunluce Castle seitdem leer steht. In diesem Jahrhundert begann man alleridngs mit Stabilisierungsmaßnahmen um dieses Kulturgut nicht gänzlich ans Meer zu verlieren.

 

Frankreich: Südseefeeling in der Bretagne

 Blick auf Benodet  Foto: Christel Seiffert

Nach schroffen Klippen und wilder Brandung im Norden zeigt die Küste der Bretagne im Südwesten ihr sanftes Gesicht – mit langen Sandstränden, idyllischen Buchten und karibischem Flair

 „Mit seinem Klima, seinen Feigenbäumen und seinem klaren Himmel erinnert es an Cote d´Azur“, schwärmte der Dichter Guillaume Apollinaire 1917 über das Seebad Bénodet. Auch Maler wie Paul Gauguin und Eugene Boudin, Schriftsteller wie Emile Zola und Marcel Proust fühlten sich vom mediterranen Charme der Küste des Lichts angezogen. Weit mehr als Hundert Jahre ist es her, dass aus dem Fischerdorf ein moderner Badeort wurde, der sich dank seiner überschaubaren Größe eine persönliche Note bewahrt hat. Keine Bettenburgen sondern kleine Hotels und charmante Ferienhäuser, ein Kasino, ein Zentrum für Thalassotherapie mit beheiztem Meereswasserschwimmbad, das Meeresmuseum und ein großer Yachthafen locken Gäste aus aller Welt an.

Den schönsten Blick auf Bénodet hat man von der Cornouaille-Brücke, die 610 Meter lang den Odet überspannt, der hier in den Atlantik mündet. Das Panorama ist atemberaubend: eingebettet in das Grün der Wälder erstrahlen kleine Häuser in schneeigem Weiß unter einem pastellfarbenen Himmel. Die Sonne zaubert glitzernde Lichter auf das in tiefem Blau schimmernde Meer, auf dem hunderte Segelboote wie weiße Tupfer schweben. Kein Maler könnte dieses Bild schöner komponieren. An vier Stränden sind dem Badevergnügen keine Grenzen gesetzt. Beliebt bei Familien ist der breite Sandstrand Le Trez, von Felsen gesäumt der von Saint Gilles, Le Letty liegt an einer natürlichen Lagune und der kleine Strand am Leuchtturm Le Cog, der im Abendlicht goldfarben schimmert.

Foto: Christel Seiffert

Ein schöner Meeresboulevard führt hinunter bis zum Fährhafen, vorbei an der prächtigen weißen Villa im marokkanischen Stil, die einst für den Pascha von Marrakesch erbaut wurde. Rings um den Hafen bieten zahlreiche Restaurants neben Gaumen- und Augenschmaus auch Meerblick. Beliebt als Mittagstisch ist Crépes, das Nationalgericht der Bretonen. In der Créperie Ker Bonne Aventure, der sogenannten Piratenkneipe, kann man wählen unter 31 verschiedenen herzhaften Crépes, die ausschließlich aus Buchweizen hergestellt werden. Auch bei den süßen Crépes aus Weizenmehl mit Füllungen aus Maronencreme oder Erdbeer- und anderen Konfitüren ist das Angebot riesig. Ein kulinarisches Highlight ist die „Plat de Fruits de Mer“ – mit sechs Sorten Muschen und Schalentieren, die auf einem Bett aus Eis und Algen serviert werden.

Foto: Christel Seiffert

Apropos Crépes: unverzichtbar ist ein Abstecher zur „Biscuiterie Francois Garrec“. Dort kann hinter Glas beobachtet werden, wie Crépes und bretonisches Gebäck in Handarbeit hergestellt werden. Kosten sollte man unbedingt den berühmten Butterkuchen „Kongin Amanu“, der köstlich schmeckt aber leider sehr kalorienreich ist. Und wer ein typisch bretonisches Souvenir sucht, wie z.B. den Bol – eine Kaffeeschale mit dem eigenen Vornamen – hat hier die Qual der Wahl. Es heißt, jeder Bretone habe seinen eigenen Bol, und der ist oftmals schon das erste Geschenk nach der Geburt eines neuen Familienmitglieds.  

Reizvoll ist auch die Umgebung von Bénodet. Eine Fahrt auf dem Odet – die Bretonen preisen ihn als den schönsten Fluss Frankreichs – gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen. Majestätisch schlängelt sich der Fluss durch bewaldete Ufer, vorbei an kleinen Herrensitzen oder Schlössern versteckt im Grün, an alten Mühlen und stillen Buchten. Zwei Stunden dauert die Schiffsreise bis Quimpere, der alten Hauptstadt der Cornauaille. Schon von Weitem sind die grazilen Türme der Kathedrale St. Corentin zu sehen.

Kathedrale von Quimpere  Foto: Christel Seiffert Beim Bummel durch die restaurierte Altstadt wird der Blick immer wieder von den Fachwerkhäusern aus dem 14.-18. Jahrhundert gefangen. Die schönsten und ältesten Erkerhäuser säumen die Rue Kreon, die zur gotischen St. Corentin führt, eine der größten und prächtigsten Kathedralen der Bretagne. Mittelalterliche Atmosphäre bietet auch das Städtchen Concarneau, eine knappe Autostunde östlich von Bénodet. Wie eine schwimmende Festung liegt die berühmte Altstadt in dem großen Fischereihafen. Hinter den Wällen der 350 Meter langen und hundert Meter breiten La Ville Close tobt tagsüber touristischer Trubel. Durch die engen Gassen mit ihren zahlreichen Geschäften, Souvenirläden, Restaurants und Créperien drängen sich die Besucher. Beim Gang auf der Stadtmauer geht der Blick weit über den Hafen. Besonders im August wimmelt es in Concarneau von Touristen aus nah und fern, denn das Féte des Filet Bleus, das Fest der blauen Netze, ist eines der ältesten und schönsten Volksfeste der Bretagne. Höhepunkt dieses großen Sommerspektakels mit vielen Veranstaltungen ist die Parade der Trachtengruppen, bei der die Frauen stolz ihre herrlichen bretonischen Spitzen und weißen Spitzenhäubchen tragen.

Glénan-Inseln Foto: Christel SeiffertKaribisches Flair verspricht ein Ausflug zu den Glénan-Inseln. 18 Kilometer vor dem Festland erstreckt sich der Archipel aus zahlreichen kleinen und fünf größeren Inseln. Von April bis September ist St. Nicolas – die größte und einzige mit einem Hafen – das Ziel vieler Tagesausflügler. Etwa eine Stunde dauert die Überfahrt, bei der die Besucher per Bordfunk viele Informationen über die unter Naturschutz stehende Inseln erhalten. Auch von Kommissar Dupin ist dann die Rede, denn seit er auf den Glénan-Inseln „ermittelt“, wollen immer mehr begeisterte Leser aus Deutschland seinen Spuren folgen. „Bretonische Verhältnisse“ und „Bretonische Brandung“ sind nicht nur zwei raffinierte Krimis von Jean-Luc Bannalec, sondern gleichzeitig eine Liebeserklärung des Autors an die Schönheit dieser Inselwelt. Nur die Hauptinsel St. Nicolas ist bewohnt, doch es gibt kein Hotel, keinen Campingplatz, nur ein Restaurant – eben Natur pur. Ein Bohlenweg führt durch Dünen rund um das Eiland und mitten hinein in viel weißen Sandstrand und kristallklares Wasser, das im Sonnenschein smaragdgrün erstrahlt. Weit geht der Blick über die Lagune zu den anderen Atollen, an denen bunte Fischerboote und Segeljachten Anker geworfen haben. Spätestens dann stellt es sich ein –  das Südseefeeling in der Bretagne.

Text und Fotos: Christel Seiffert

Großbritannien: Whisky – Das Nationalgetränk der Schotten

Auchentoshan Distillery

Der Herbst ist eine wunderbare Zeit, um Glasgow und das Land der über 100 Whisky-Brennereien zu bereisen. Denn Glasgow ist der ideale Ausgangspunkt für eine Reise rund um das „Wasser des Lebens“, wie die Schotten ihren Whisky gerne nennen. Kurz hinter den Stadtgrenzen befinden sich zwei der ältesten Brennereien Schottlands, in Glasgow selbst bieten Whisky-Bars und -Stores die besten Scotch-Whiskys des Landes an und neben zahlreichen Verkostungs-Veranstaltungen gibt es in der schottischen Metropole noch vieles mehr zu entdecken.

Beispielsweise, dass Whisky nicht nur ein Getränk für harte Männer, sondern durchaus auch für genießerische Frauen ist. Kein Wunder, denn wenn einem ein Hauch von Marzipan, etwas Honig und eine leichte Prise Vanillearomen um die Nase weht, es im Glas goldgelb schimmert und auf der Zunge eine weiche, warme Süße liegt, bevor der Whisky langsam die Kehle hinunter rinnt, dann erlebet man geschlechterunabhängig, was genau Whiskygenuss pur eigentlich bedeutet.

Bottle and glass close-upBis heute rätseln die Wissenschaftler, ob Irland oder Schottland das Ursprungsland des Whiskys ist. Fakt ist jedoch, dass das Wort Whisky erstmalig 1736 erwähnt wurde. Knappe 100 Jahre später gründete George Connell im Jahre 1833 die Destillerie Glengoyne, die heute mehr denn je Besucher aus der ganzen Welt anzieht. Besonders aufregend: In der idyllisch an einem Wasserfall gelegenen Destillerie können Besucher bei der „Bottle your own“ Tour ihren eigenen Single Malt Whisky abfüllen und sich anschließend mit stolzer Brust und einer Urkunde „Whisky Master Blender Extraordinaire“ nennen. Glengoyne ist übrigens eine der ganz wenigen Destillerien, die sich immer noch in unabhängigem schottischen Familienbesitz befindet (www.glengoyne.com).

Alternativ zur Glengoyne Brennerei bietet sich auch ein Besuch der Auchentoshan Destillerie an, die sogar noch älter ist und als letzte verbleibende Destillerie in den Lowlands gilt. Durch eine heutzutage nur noch sehr selten durchgeführte Dreifachbrennung entsteht dort ein besonders leichter und sanfter Whisky – und damit der perfekte Gegenpart zum meist eher rauen und rauchigen Scotch (www.auchentoshan.com).

Zurück in Glasgow fällt die Entscheidung wohin es gehen soll nicht schwer. Erster Anlaufpunkt ist in der Regel die „Pot Still Bar“ (www.thepotstill.co.uk) in der Argyle Street, die zu den besten Whisky Bars der Stadt zählt und mittlerweile mehr als 370 Whisky Sorten führt. Whiskyspezialisten finden hier auf jeden Fall einen kompetenten Ansprechpartner und garantiert mehr als eine hervorragende Empfehlung. Übrigens ist die Pot Still Bar auch der Gründungsort des ersten „Ladies Only Whisky Clubs“, der erst vor wenigen Tagen seinen ersten Geburtstag feierte und schon weit über die Grenzen Glasgows bekannt ist.

Dass Frauen und Whisky ein gutes Team sind, zeigt auch die Verkostung der Glasgow Malt Whisky Company (www.glasgowmaltwhiskycompany.com): Whisky, it’s a women’s world! Eine Verkostung nur für Frauen, die neben herausragenden Whiskys auch sechs Frauen vorstellt, die ihre Lebensaufgabe in der Herstellung der besten Whiskys gefunden haben.

Nur ein paar Häuser von der Pot Still Bar entfernt befindet sich die liebevoll designte Bar „The Ben Nevis“ (www.thebennevis.co.uk). Nach dem höchsten Berg der Schotten benannt, findet man hier eine Hommage an Schottland und seine Geschichte. Steinwände, dunkles Holz und ein knisternder Kamin laden zum perfekten Whisky Genuss ein.

„It’s a bar, it’s a restaurant, it’s a club, it’s a venue, it’s a.church“. Mit wenigen Worten ist die Location „Oran Mor“ (www.oran-mor.co.uk) im Westend erklärt. Dort kann man prima essen und nach dem Dinner dann in die hauseigene Whisky Bar weiterziehen, in der sich allabendlich Whiskyfreunde treffen und die ein oder andere der immerhin 250 Sorten verkosten.

Whisky Tasting Good Spirit and Co.

Im November sollten sich Fans des schottischen Whisky’s das „Glasgow Whisky Festival“ in den Kalender eintragen. In der Veranstaltungslocation „The Arches“ bieten über 40 Aussteller die besten Whiskys Schottlands aber auch der ganzen Welt an. Darüber hinaus kann man dort auch zahlreiche Dinge rund um das Thema Whisky erwerben, beispielsweise Bücher, Kunst, Essen und vieles mehr. Weitere Informationen zum Festival sind unter www.glasgowswhiskyfestival.com zu finden.

Auch immer mal wieder einen Besuch wert, ist die Homepage der Tennent`s Training Academy. Neben zahlreichen Kochkursen werden hier auch Bier-, Wein-, Cocktail- und natürlich Whiskyschulungen angeboten. Für zwei Stunden bekommen Whisky Enthusiasten aber auch Neulinge einen tiefen Einblick in die Welt der schottischen Whiskys (www.tennentstrainingacademy.co.uk).

Wer es wirklich ernst meint mit dem Whisky, sollte niemals die Stadt verlassen ohne im „The Good Spirit Co“ (www.thegoodspiritsco.com) in der Bath Street gewesen zu sein. Regale, soweit das Auge reicht und mit allem was das Herz eines Whiskyliebhabers begehrt. Mit diesem Laden haben sich drei Whiskyfreunde den ersten großen Traum verwirklicht. Der zweite ist eine eigene kleine Brennerei. Doch bis es soweit ist, bieten Mark, Matthew und Shane neben kreativen Whisky-Verkostungen auch den hauseigenen Whisky „Cask23“ an, der im Laden in einem Fass reift und den man abgefüllt in einer 20cl Flasche erwerben kann. Ein wohl perfektes Mitbringsel, das es in keinem Duty Free Shop zu kaufen gibt.

Frankreich: Unbekannte architektonische Visionen

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Fast andächtig nähere ich mich der Königlichen Saline von Arc-et-Senans in der französischen Region Franche-Comté nahe der Schweizer Grenze. Das Ensemble, das heute zum Weltkulturerbe zählt, beeindruckt durch rationale Linienführung und erhabene Größe. Durch einen monumentalen Portalbau, mit einem von massiven Säulen getragenen Architrav mit glattem Schaft und dorischen Kapitellen, die von der griechischen Antike inspiriert sind, gelange ich in das Innere der Anlage.

Hier wurden Visionen Realität. Die Königliche Saline von Arc-et-Senans wurde im 18. Jahrhundert vom berühmten Architekten Claude Nicolas Ledoux unter Ludwig XV. gebaut. Schon im Mittelalter wurde im zwanzig Kilometer entfernten Salins, Salz aus salzhaltigen Quellen gewonnen. Da jedoch viel Brennstoff zum Verdampfen des Wassers nötig war, entschloss man sich das Wasser auf Reisen zu schicken, und eine neue Saline in der Nähe immenser Holzvorkommen zu bauen: Elf Gebäude in einem perfekten Halbkreis. Mit Siedewerken, Haus des Direktors und Verwaltungs- und Salzsteuergebäuden.

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Ich halte mich links und werde sofort von einer spannenden Ausstellung im Böttcherhaus angezogen: Modelle des Architekten Claude Nicolas Ledoux, die zu seinen Lebzeiten verwirklicht wurden: Herrenhäuser, Theater, das letztendlich bewilligte Projekt der Saline. Im zweiten Flügel, die von Ledoux erträumten Projekte, wie sie in seiner 1804 erschienenen Abhandlung der Architektur dargestellt werden, nachdem er der Guillotine, nicht aber dem Gefängnis von 1793 bis 1795 entkommen war. Die Modelle zeigen traumhafte oder utopische Projekte, die Idee einer »idealen Stadt«. Diese sprudelnde Vorstellungskraft ist die eines Mannes, der nicht mehr den Druck der zu realisierenden Bauten oder der zu erfüllenden Aufträge hat, und der der Nachwelt alle Facetten seines schöpferischen Geistes vermachen will.

Ein paar Schritte weiter symbolisiert ein Okulusfenster im monumentalen Haus des Direktors, die Allwissenheit und Macht der Obrigkeit. Wohnungen des Direktors und des Finanzverwalters; im Erdgeschoss Versammlungsräume, Verwaltung, Gerichts- und Bankwesen. Die Hausangestellten wohnten in der obersten Etage. Die wuchtige Treppe, die die Form eines Schiffes annimmt und die Mitte des Gebäudes einnimmt, führte zu einer Kapelle wo sonntags die Messe vor der gesamten Belegschaft gefeiert wurde. Der Gottesdienst spiegelte das soziale Organisationssystem der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts wieder. Heute informiert hier eine fesselnde Ausstellung über die Gewinnung, Bedeutung und den Gebrauch von Salz. Jetzt erst wird mir klar, was Salz mit Käse zu tun hat. Jetzt erst wird mir der enorme Wert des Salzes bewusst. Erst jetzt verstehe ich, warum es eine Salzsteuer gab und warum die ganze Anlage von einer hohen Mauer umgeben ist.

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Die beiden ehemaligen Siedewerke haben mit 1.890 und 1.100 m², beeindruckende Dimensionen. Heutzutage finden hier Wechselausstellungen, Aufführungen oder aber Seminare und Tagungen statt.

Auch die ehemaligen Gemüsegärten der Salzarbeiter innerhalb der Anlage sind sehenswert: Gartenfestivals lassen die Besucher durch Blumen- und Pflanzenwelten schreiten, die von 300 Gärtnern aus Burgund und der Franche-Comté angelegt werden.

Nun ins nahe gelegene Restaurant. Wer jetzt eine »gesalzene Rechnung« für ausgezeichnete französische Küche erwartet, der war noch nicht in der Franche-Comté.

Jörg Hartwig

Service: Urlaub von der Allergie

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Tipps zu den schönsten Ferienzielen für Allergiker

Die Sonne scheint, ein leichtes Lüftchen weht – doch nicht jeder kann sich über das aktuell so schöne Wetter freuen. Denn für viele Menschen geht es mit juckenden Augen, einer laufenden Nase und Niesattacken einher. Im Frühjahr und Sommer herrscht Pollenalarm. Laut Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes leiden 16 Prozent der Deutschen unter Heuschnupfen. Und manche Menschen haben über das ganze Jahr hindurch mit Allergenen wie zum Beispiel Hausstaubmilben zu kämpfen. „Allergien bestimmen den Alltag vieler Menschen“, so Christina Bathmann, Sprecherin von Travelzoo® Deutschland. „Unsere Reiseangebots-Experten haben dies zum Anlass genommen, eine Liste mit den schönsten Reisezielen für Pollen- und Hausstaub-Allergiker zusammenzustellen. So bringt der Urlaub die verdiente Erholung und wird nicht von der Allergie überschattet.“

Die Ostfriesischen Inseln

Die Ostfriesischen Inseln sind das ideale Reiseziel für Pollenallergiker. Denn die jodhaltige Meeresluft wirkt auf gestresste Atemwege wie eine Dauerinhalation. Außerdem weht der Wind hier überwiegend vom Meer aus landeinwärts und Pollen haben kaum eine Chance. Viele der ansässigen Kur-Kliniken haben sich auf die Bedürfnisse von Heuschnupfen-, Asthma- und Neurodermitis-Kranken eingestellt. Außerdem können Urlauber bei ausgedehnten Strandspaziergängen entspannen. Auch Sylt und die anderen Nordfriesischen Inseln sind sehr gut als Ferienregion für Allergiker geeignet.

Die Kanarischen Inseln

Wer allergisch auf Birkenpollen reagiert, kann in den belasteten Monaten auf die Kanarischen Inseln ausweichen. Denn hier stehen nicht nur Sonne, Strand und Meer auf dem Programm: Auf den Kanarischen Inseln sind Birkenpollen wie im südlichen Mittelmeerraum kaum nachweisbar. Das Gleiche gilt für viele weitere Pollen, die typisch für deutsche Gefilde sind. Darüber hinaus sind die vor der afrikanischen Küste liegenden Inseln so vielseitig, dass sie sowohl für Familien-, Aktiv- als auch für Party-Urlauber eine Menge zu bieten haben. Wer mag, bucht eine Kreuzfahrt in der Region. Schiffsreisende laufen viele verschiedene Häfen an, bekommen einiges zu sehen und sind gleichzeitig von frischer Meeresluft umgeben.

Hochgurgl und Obergurgl in Tirol

Der kleine Ferienort Hochgurgl ist auf 2.150 Meter Höhe inmitten der Ötztaler Alpen gelegen und bietet somit die perfekte Höhenluft für Allergiker. Vor allem wer auf Hausstaubmilben reagiert, ist hier richtig. Denn diese kommen ab 1.500 Höhenmetern praktisch gar nicht mehr vor – gleiches gilt für Schimmelpilzsporen. Dazu kommt eine vergleichsweise geringe Pollenbelastung. So können allergiegeplagte Urlauber entspannt durchatmen und die traumhaft schöne Berglandschaft bei einem entspannten Wanderurlaub genießen. Wer mehr Trubel sucht, wird im benachbarten Obergurgl auf 1.930 Meter Höhe fündig.

Die Atlantikküste

Sonnenhungrige Pollenallergiker können auch die spanische, französische oder portugiesische Atlantikküste ansteuern, wie zum Beispiel die Algarve. Denn hier trifft der Wind vom Meer aus aufs Land, sodass sie auf deutlich bessere Bedingungen als im Inland stoßen. Außerdem hilft das Meerwasser bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Und bei langen Strandspaziergängen können auch Schnupfnasen wieder tief durchatmen. Wer auf Hausstaubmilben reagiert, steuert aber lieber die Nordsee oder das Hochgebirge an.

Bad Hindelang im Allgäu
Bad Hindelang wurde bereits zwei Mal als „allergikerfreundliche Gemeinde“ zertifiziert. Der Ort hat sich komplett auf die Bedürfnisse betroffener Menschen eingestellt – mehr als hundert Unternehmen beteiligen sich mit Angeboten an einem ensprechenden Modellprojekt. Außerdem ist das Heilklima des Allgäuer Kurortes perfekt für Allergiegeplagte geeignet – dank der Höhenlage der Ortsteile Oberjoch und Unterjoch ist die Luft frei von Hausstaubmilben und arm an Pollen- sowie Schimmelpilzsporen.