Indonesien: Auf dem Segelschiff durchs Land der Drachen

Heinke, Indonesien-Ombak Putih

Ob es an der „inneren Uhr“, den abenteuerlichen Träumen oder einfach nur am Rasseln der Ankerkette lag – an diesem Morgen sind einige Passagiere der Ombak Putih schon vor Sonnenaufgang wach. Um die Ankunft  im „Land der Drachen“ nicht zu verpassen, haben sie die Nacht unter freiem Himmel auf dem Deck des Segelkreuzfahrtschiffes verbracht.
Nach Exkursionen auf den Inseln Lombok, Sumbawa, Moyo und Satonda sowie unzähligen Schwimm- und Schnorchel-Stopps liegt der hübsche Zweimaster mit den tiefblauen Segeln vor der Küste von Komodo – für Bärbel aus Bonn und die Norwegerin Mona neben den Ausflügen in die schillernde Unterwasserwelt ein Höhepunkt dieser zehntägigen Seereise durch Indonesien.

Heinke, indonesien-fischeDass die Insel Bali wie auf fast jeder Route der Ombak Putih nur als Start- oder Zielpunkt erscheint, ist Absicht. Schiffseigner Dick Bergsma, der die Fahrt begleitet, liebt die Vielfalt des Landes. Und er zeigt sie gerne seinen Gästen. „Seit ich 1976 zum ersten Mal als Backpacker hierher kam, kann ich nicht verstehen, dass es 17 500 indonesische Inseln gibt, aber fast jeder immer nur von Bali spricht“, erzählt der sympathische 67-Jährige. „Bis heute ist es das bekannteste Stück Indonesiens, wohl aber auch das mit den meisten Touristen – ohne Frage wunderschön, doch eben nur einer von den vielen traumhaften Plätzen hier.“

Und da man das tropische Inselreich zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean am besten auf dem Wasserweg erkundet, tat sich Dick eines Tages mit Freunden zusammen. Sie kauften ihr erstes Schiff und luden Gleichgesinnte zum Insel-Hopping ein. Bei aller Sorge um Technik und Sicherheit sowie professionelle Abläufe in jeder Hinsicht sieht Dick als wichtigste Zutat für sein erfolgreiches Reiserezept „eine gute Atmosphäre“. Damit diese stimmt, verzichtet er schon mal auf einen Gast, der eher auf einen Luxusliner gehört als auf ein Segelschiff. „Auch wenn die Ombak Putih Viersterne-Komfort bietet, geht es bei uns doch recht leger zu“, sagt der erfahrene Seereisende.

Heinke, Indonesien-Ombak PutihMit den 24 Passagieren ist der Schoner komplett belegt. Zwölf bequeme Kabinen mit Bad, WC und Klimaanlage stehen ihnen zur Verfügung. Für eine angenehme Reise sowie ein spannendes Programm sorgt die 17-köpfige Crew, allen voran Frans Huneker. Offiziell ist der Niederländer Kreuzfahrtdirektor, eigentlich aber die gute Seele des Schiffes. In seiner Heimat arbeitet der fröhliche Mann in den 50ern halbjährig als Englischlehrer. In Indonesien, wo er ebenfalls seit vielen Jahren zu Hause ist, verbringt der Weltenpendler die meiste Zeit auf der „Weißen Welle“ – Indonesisch: „Ombak Putih“. Wie Frans berichtet, wurde der fast komplett aus Teak-, Bangkirai- und Eisenholz bestehende Zweimaster 1996/97 in Südsulawesi im Stil der traditionellen ‚Pinisi’ gebaut. „Diese Schiffsform, nach dem Volk seiner Erfinder auch ‚Bugi-Schoner’ genannt, wird seit Jahrhunderten für Fischfang und Handelstransporte genutzt“, weiß der seefahrende Holländer. Noch etwas schlaftrunken, aber voller Abenteuerlust, hocken die beiden Kreuzfahrerinnen Mona und Bärbel auf ihren Liegen, schmecken – mitten im europäischen Winter – frische Sommerluft und schauen fasziniert auf die zerklüftete Silhouette von Komodo.

Heinke, Indonesien-Ombak PutihWie Scherenschnitte aus dem Schattentheater bauen sich die schwarzen, zackigen Felsen auf. Gleich einem Höllenschlund scheinen sie aus ihrer Mitte das Sonnenfeuer auszuspeien. Erst färbt sein Licht den Himmel lila und orange, die Berge blau, dann golden… Im Handumdrehen ist es hell und  wenig später auch schon heiß. „Frühstück!“, ruft Frans. Und: „Langt gut zu – heute braucht ihr viel Energie!“ Überflüssige Worte. Wie bei jeder Mahlzeit leert sich das Buffet im Nu wie von allein. Seeluft macht hungrig, und außerdem können Schiffskoch Irham und seine Smutjes verdammt gut kochen.

Auf einem Eiland vor unserer Zeit

Das Boot legt an. Willkommen in Loh Liang auf Komodo! Die eben in der Dämmerung noch so bedrohlich wirkende Insel, Heimat der nach ihr benannten Warane oder „Drachen“, entpuppt sich bei Tageslicht und aus der Nähe als recht freundliches und vor allem sonniges Plätzchen. Dennoch: Die Gewissheit, dass hier menschenfressende Urzeitechsen frei herumspazieren, verleiht der idyllischen Szenerie eine gewisse düstere Note.

Heinke, Komodo-Waran

„Normalerweise greifen sie Menschen nicht an, meiden den Kontakt zu ihnen und reißen manchmal sogar aus“, erklärt Arif, der einheimische Führer. Normalerweise. Mit einem Stock bewaffnet, ermahnt er seine Gäste, stets hinter ihm zu bleiben.Und da, wie platt auf den trocknen Boden gedrückt, liegen in einer Lichtung zwei erwachsene, knapp zwei Meter lange Komodowarane – absolut bewegungslos. Doch nein, einer hebt den Kopf, öffnet sein breites Maul und züngelt. Offenbar macht er sich nichts aus Menschenfleisch und legt sich wieder hin.
„Der letzte Unfall ist zwei Jahre her. Ein Junge aus dem Dorf wurde gebissen und starb ein paar Wochen später an dem Gift und den Bakterien“, berichtet Arif. Von einem Touristen aus der Schweiz, der vor Jahren bei einer Inseltour verloren ging, wurden später nur ein Schuh und seine Kamera gefunden.

Heinke, Komodo Waran

Menschen stehen offenbar nur selten auf der Speisekarte der Komodowarane. Allerdings soll es schon vorgekommen sein, dass Leichen ausgegraben und verzehrt wurden. Bei den großen Exemplaren gibt es meistens Wild – wie Büffel, Hirsch und Wildschwein, ebenso Hühnchen, Ziege oder Kalb, gerne auch mal Aas. Die kleinen, die noch in den Bäumen leben, fressen Eidechsen, Vögel und Insekten. Insgesamt begegnen den Wanderern an diesem Tag sechs Komodowarane. Wie flink sie sein können, bekommt die leichtsinnige Mona zu spüren, als sie einem zu nahe kommt. Zum Glück ist die junge Touristin schneller.

Fallende Sterne und fliegende Hunde

Zurück an Bord geht es weiter Richtung Osten. Als die Sonne sich dem Horizont zuneigt, ruft Dick: „Kommt schnell an Deck!“ Riesige Scharen von Flughunden ziehen wie Vogelschwärme über das Schiff hinweg auf dem Weg zu ihren Schlafplätzen. Die  Kreuzfahrer sind schon da, wo sie heute wieder übernachten – auf dem Sonnendeck. Trotz Müdigkeit kommen sie lange nicht zur Ruhe. Dafür ist der klare Sternenhimmel viel zu schön. Fünf zu drei für Bärbel stand es beim Sternschnuppenzählen, bevor dann endlich alle schlafen.
Mehr Drachen sowie Affen, Mähnenhirsche und wilde Wasserbüffel sieht man bei einer langen Wanderung auf Rinca, der wohl schönsten Insel im Komodo-Nationalpark. Ihre höchste Erhebung, der 667 Meter hohe Berg Doro Ora, bietet eine fantastische Sicht auf die südliche Bucht und auf West-Flores. Dort, im Bergdorf Melo nahe Labuan Bajo,  wird die Besatzung der Ombak  Putih am nächsten Tag mit einem Gästeritual empfangen – mit selbstgebranntem Palmenschnaps, Betelnüssen und „Caci“, einem Kampftanz mit Masken, Schellen, Schild und Peitsche.

Heinke Indonesien Flores

Musik und Tanz zum Abschied gibt es auch am letzten Abend dieser Reise, bei einem Strand-Grillfest im Fackelschein – mit der kompletten Schiffscrew als singendes Orchester. An solche Tage wie auf der Ombak Putih will man sich gern gewöhnen…

Casten Heinke Indonesien-Flores

Text und Fotos: Carsten Heinke

 

Service-Informationen Indonesien

 Anreise-Tipp: Die vielfach ausgezeichnete Fluggesellschaft Singapore Airlines verbindet Deutschland und Indonesien. Ab Frankfurt haben Reisende zweimal täglich die Möglichkeit ab Frankfurt und einmal täglich ab München, nonstop nach Singapur zu fliegen. Von dort aus bietet Singapore Airlines zusammen mit Silk Air, der Tochtergesellschaft, insgesamt 169 Flüge zu vierzehn indonesischen Zielen an. Bali, die berühmte Insel der Götter mit ihrem Zielflughafen Denpasar wird von Singapur aus in der Hauptreisezeit viermal täglich angeflogen, Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens, neunmal täglich. SilkAir, die Tochtergesellschaft von Singapore Airlines, steuert von Singapur aus zwölf Ziele in Indonesien an: Bandung, Balikpapan, Makassar, Manado, Medan, Palembang, Pekanbaru, Semerang, Solo City, Surabaya, Yogyakarta sowie dreimal wöchentlich Balis Schwesterinsel Lombok. Die Flotte von Singapore Airlines besteht derzeit aus 101 Flugzeugen modernsten Typs, mit einem Durchschnittsalter von sechs Jahren und vier Monaten. Bereits 48 Stunden vor Abflug können sich gebuchte Passagiere online einchecken und einen Sitzplatz buchen. Auf jedem Flug von und nach Deutschland befinden sich Deutsch sprechende Flugbegleiter an Bord.  Flug mit Singapore Airlines ab/bis Frankfurt nach Lombok ab 980 Euro. Die Airline fliegt dreimal täglich ab/bis Deutschland nach Singapur. Tochtergesellschaft SilkAir fliegt fünfmal wöchentlich die Strecke Singapur – Lombok. Weitere Informationen unter www.singaporeair.com
Einreise: mit noch mindestens sechs Monate gültigem Reisepass. Ein Visum für bis zu 30 Tage (Gebühr 25 USD) wird direkt bei der Einreise erteilt.
Kreuzfahrt-Tipp: Mit SeaTrek Sailing Adventures auf dem Viersterne-Zweimaster-Segelschiff Ombak Putih – zum Beispiel 7 Tage ab Bali bis Flores je Person in der Doppelkabine mit Vollpension ab 1.950 USD. Highlight des Veranstalters in diesem Jahr ist eine zwölftägige „Segel-Kreuzfahrt auf der maritimen Seidenstraße“ mit dem Schoner Katharina von Singapur nach Java mit wissenschaftlicher Experten-Begleitung ab 5.495 USD. Weitere Informationen unter Telefon +62 (0) 361 270 604 oder unter www.seatrekbali.com
Hotel-Tipps: Novotel Coralia Lombok (4 Sterne) – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.435 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 35 Euro, www.novotellombok.com
Puri Mas Boutique Resort & SPA (4 Sterne plus)  – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.560 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 58 Euro, www.purimas-lombok.com
Ayodya Resort Bali (5 Sterne) – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.244 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 40 Euro, www.ayodyaresortbali.com
Alle genannten Hotels sind buchbar zum Beispiel bei Thomas Cook Reisen, Telefon 06171/ 6500, www.thomascook.de
Für gehobene Ansprüche: das Luxus-Zeltresort Amanwana (Moyo Island) mit eigener Yacht, zum Beispiel bis 30.4. kostet das Ocean Tent 950, das Jungle Tent 850 US-Dollar pro Nacht (für jeweils eine oder zwei Personen) zzgl. 125 US-Dollar pro Person und Tag für alle Mahlzeiten, nichtalkoholische Getränke, Wäschereiservice, Kurzwanderungen und nichtmotorisierte Wassertsportaktivitäten. Telefon (kostenfrei aus Deutschland) 0800/ 181 3421 oder (kostenfrei aus der Schweiz) 00 800/ 2255 2626, www.amanresorts.com Restaurant-Tipp: Die international erfahrenen Köche des “Square Restaurant & Lounge”, eines der besten Lokale auf der Insel Lombok, bieten ihren Gästen sowohl indonesische Speisen als auch Gerichte der westlichen Küchen von exzellenter Qualität – zum Beispiel „Gegrillte Garnelen & Mahi Mahi“ mit sautiertem Gemüse und Knoblauch-Zitronenbutter-Sauce für 6,70 Euro oder australisches Striploin-Steak mit gemischtem Grillgemüse, Anchovisbutter und Pommes Frites für 9 Euro. Senggigi Square Blok B-10, Jl. Raya Senggigi, Lombok, Telefon +62 370/ 6644 888, 693 688, www.squarelombok.com
Wellness-Tipp: Das Puri Mas Boutique Resorts & Spa auf Lombok bietet Pevonia Botanica Treatments wie entgiftende, reinigende und belebende rituelle Körpermassagen mit Algen Body Scrub (120 Minuten mit Fußbad und Body Moisturizer) für 50 Euro. www.purimas-lombok.com
Auf der Ombak Putih geben Matrosen traditionelle Massagen für 10 Euro. Im Ayodya Resort auf Bali kostet eine Mandara Massage 77 USD, eine 80-minütige balinesische Massage 65 USD.
Geld: Die nationale Währung ist die Rupiah. In Hotels und vielen Geschäften und Restaurants in größeren Touristenzentren werden Kreditkarten und oft auch US-Dollar akzeptiert. Geldwechselstuben tauschen die meisten Währungen, aber nicht immer Traveller Checks.
Gesundheit: Das Auswärtige Amt empfiehlt die Standardimpfungen wie gegen Tetanus, Diphterie, Polio und Hepatitis A. Ausreichend Sonnen- und Mückenschutz mitnehmen!

Indonesien: Zu Gast bei den letzten Seenomaden

Die Seenomaden von Bajau

Tief dringen die Strahlen der Äquatorsonne in das spiegelglatte, marineblaue Wasser der Tomini-Bucht ein. Einem silbrigen Blitz gleich saust ein Springender Fisch vor dem Boot in Panik aus dem Wasser, segelt scheinbar endlos lange über die Wasseroberfläche, um in sicherer Entfernung schließlich wieder ins Meer zu tauchen. Gemütlich tuckert der alte Bootsdiesel, aus einem Radio plärrt schnulziger Makkasarpop. Am Horizont ist die Silhouette der Togian-Inseln zu erkennen.

Unser Skipper Obé erzählt von seiner Kindheit auf den Inseln. Er ist ein junger, muskulöser Bursche mit einem gewinnenden Lachen. Er weist hinüber zur winzigen Insel Una-Una, die von einem aktiven Vulkan beherrscht wird. Gut kann er sich noch an den letzten Ausbruch erinnern, wie die herabfließende Lava in der Nacht bis zu seinem Dorf auf Batu Daka herüber leuchtete. Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es auf den Inseln keinerlei Touristen, erst seit die indonesische Regierung die Inselgruppe zum touristischen Brennpunkt erklärte verändert sich seine Welt langsam. Obé fährt täglich zwischen den Togians und dem Küstenort Ampana auf Sulawesi hin und her, transportiert Menschen, Tiere, Fracht und natürlich immer mal wieder Touristen. Er hat uns versprochen, auf seinen Inseln könnten wir die Bajau oder Orang Laut genannten Seenomaden treffen.

Die Bezeichnung Bajau wird für eine ganze Gruppe seefahrender Nomaden verwendet, die im gesamten Südchinesischen Meer anzutreffen sind. Vom Riau-Archipel bei Singapur bis zu den Molukken, von den Philippinen bis zu den Kleinen Sundainseln erstreckt sich ihr nasser Kosmos. Vermutlich begannen die Bajau ihr Wanderleben im Zusammenhang mit dem Handel von „Trepang“, einer Seeschnecke, die von den Chinesen als Delikatesse geschätzt wird. Mehr als fünf Jahrhunderte, so vermuten Forscher, ist das nun schon her. Die Mehrheit der indonesischen Bajau lebt heute auf den Inseln und entlang der Küsten von Sulawesi. Nur noch wenige sind echte Seenomaden. Stattdessen siedeln sie in auf Stelzen ins Meer gebauten Dörfern und kehren regelmäßig zu ihren Fischgründen auf dem Meer zurück.

Die gebirgigen Inseln der Togians sind meistens bis an die Strände dicht mit tropischem Regenwald bedeckt. Riesige, rostbraune Flughunde kreisen über dem Wald, ein Seeadler schreit durchdringend. Hin und wieder passieren wir kleinere Dörfer, bis wir schließlich in Wakai, dem größten Ort der Togians eintreffen. Nur eine unbefestigte Straße durchzieht den Ort um dann irgendwo in den Bergen dahinter im Nichts zu enden. Die nach den heftigen tropischen Regenschauern meist schlammige Piste wird im Wesentlichen von Fußgängern und Radfahrern benutzt – Autos gibt es hier kaum. Der wichtigste Transportweg ist der zu Wasser.

Am nächsten Morgen holt uns Obé kurz nach Tagesanbruch ab. Es ist ein grauer, unwirtlicher Tag. Weit draußen vor den Stränden Batu Dakas stehen die Hütten einer Bajau-Familie im Meer. Obé verspricht nicht viel: Mit etwas Glück sind die Bewohner gerade zuhause, doch garantieren könne er das nicht, denn als Nomaden könnten sie genauso gut in einer anderen entlegenen Ecke des Togian-Archipels ein Korallenriff bezogen haben. Es dauert eine gute Stunde bis am Horizont einige skizzenhafte Strukturen sichtbar werden. Nicht mehr als eine Ansammlung schwarzer Striche ziert den Horizont. Mit jeder Minute, die wir näher kommen, fügen sich die Striche zu einem erstaunlichen Bild zusammen. Auf einem Riff schwebt ein kleines Dorf über dem Wasser. Etwa zwei Meter lange Stelzen tragen die mit den Blättern der Nipa-Palme gedeckten Hütten. Auf einer der kleinen Plattformen vor den Hütten spielt ein kleiner Junge, der bei unserem Anblick sofort ins Innere verschwindet. Einige kleine Boote schaukeln sanft über dem Riff. An der Riffkante fischt in seinem Boot hockend ein alter Mann. Obé bittet ihn um Erlaubnis, sein Dorf besuchen zu dürfen. Sah das Meer während der Fahrt hierher wie dicke blauschwarze Tinte aus, färbt sich die See über dem Riff in freundlichem hellen türkis. Das Boot gleitet über weiße, rote und violette Korallen, Papageifische tummeln sich in ihrem Element. In einer der Hütten aufgeregtes Getuschel und Geklapper. Offensichtlich wird für uns noch schnell aufgeräumt.

Im Innern der schwankenden Hütte empfängt uns zunächst schüchtern die Familie von Dachlan. Seine Frau Ona befestigt gerade Angelhaken an einer Schnur, eines der Kinder spielt unbeachtet mit einem riesigen Messer herum, versucht einem toten Fisch den Kopf abzuschneiden. Das „feste Boot“, wie die Bajau ihre Pfahlhütten im Meer nennen, macht einen wackeligen, luftigen Eindruck. Dicke Zwischenräume in den Wänden geben den Blick auf die benachbarten Hütten frei, selbst durch den Boden ist unter uns das Riff zu sehen. Hinter einer geflochtenen Matte aus Nipa-Blättern ist die Kochstelle zu sehen, an der Rückwand hängen allerlei Kochutensilien.

Ich wundere mich, wieso nur kleine Kinder anwesend sind. „Heute müssen alle Bajau an Land gemeldet sein“, erklärt mir Dachlan, daher besteht für die Kinder auch Schulpflicht. So verlassen sie für Jahre das Meer und leben an Land. Erst nach ihrer Hochzeit kehren sie zurück und bauen sich eigene Hütten irgendwo draußen auf dem Meer.

Ein tropisches Unwetter zieht auf, wir ziehen es vor, aufs sichere Land zurückzukehren, Dachlan und seine Familie bleiben dagegen hier, hoffen auf den Schutz des Riffs. Für die Bajau ist das Meer der sicherste Platz auf der Erde.

Bernd Leideritz

Indonesien: Auf Augenhöhe mit den Riesenechsen von Komodo

So hatte ich mir die Ankunft im Reich der Riesenechsen nicht vorgestellt. Statt auf der Suche nach den letzten Überlebenden einer längst vergangenen Epoche durch das Inselinnere zu streifen, sitze ich einem finster dreinschauenden uniformiertem Ranger gegenüber. Mit Argusaugen verfolgt er im Dämmerlicht der Empfangshütte wie ich mich in sein gewichtiges Gästebuch eintrage. Keine der zahlreichen Spalten darf leer bleiben. Ihm ist nicht das kleinste Lächeln zu entlocken, viel zu bedeutsam sind die Daten die hier so akribisch gesammelt werden. Man weis ja nie, vielleicht ist es ja gerade die Familie dieses „Orang Touris“, die nach einem der bedauernswerten Zwischenfälle mit einem „Ora“ benachrichtigt werden muss.

Ein Relikt aus grauer Vorzeit
Die Insel Komodo ist nur eine von tausenden Inseln des indonesischen Archipels, doch immer mehr Touristen verirren sich in diese abgelegene Region. Sie kommen weniger um die gebirgige, mit Savannen, Lontapalmen, bisweilen auch mit Dschungel bedeckte Landschaft kennen zu lernen. Weder die grandiose Unterwasserwelt, noch die Wildpferde der Nachbarinsel Rinca üben eine so ungeheure Anziehungskraft aus, wie der „Ora“, der Komodo Drache. Alle suchen den Kick diesem letzten noch lebenden Drachen, diesem Relikt aus alten Fabeln und Geschichten zu begegnen. Zugegeben, genaugenommen ist die riesige Echse kein Drache, kein Dinosaurier, sie kann nicht Feuer speien, ja nicht einmal fliegen.

Doch handelt es sich immerhin um die größte bekannte Echsenart. Die Entdeckung von Varanus komodoensis, so die wissenschaftliche Bezeichnung, war eine der zoologischen Überraschungen des 20. Jahrhunderts. Die westliche Welt ahnte nicht, dass entgegen der landläufigen Meinung, alle großen Echsen seien bereits seit tausenden Jahren ausgestorben, in einem fernen Winkel der Welt noch einige tausend Urtiere überlebt hatten.

Erst im Jahre 1910 berichteten indonesische Perlenfischer dem holländischen Kolonialbeamten van Steyn van Hensbroek von gigantisch großen „Landkrokodilen“. Sie fabulierten von sechs, ja sieben Meter langen Ungeheuern, die sich auf der Insel Komodo und ihren Nachbarinseln herumtrieben. Das in den folgenden Jahren von wagemutigen Abenteurern gefangene, größte Exemplar maß allerdings nur enttäuschende 3,10 Meter.

Nach dem strengen Ankunftsritual machen wir uns auf den Weg ins Innere der Insel. Vor und hinter unserer kleinen, schwatzenden Gruppe läuft jeweils ein mit einem abgegriffenen, gegabelten Stock bewaffneter Ranger. Seit in den siebziger Jahren der Schweizer Baron Rudolf von Reding-Biberegg vermutlich Opfer eines Komodo-Warans wurde, dürfen Ausländer die Insel nicht mehr alleine erkunden.

Es ist Trockenzeit, die Insel ist völlig ausgedörrt, das Laub knistert unter unseren Füßen. In einem staubtrockenen Flußbett durchqueren wir ein kleines Wäldchen. Plötzlich erschallt hinter mir ein unterdrückter Schrei, es raschelt. Wo ist er, der Ora? Doch Fehlanzeige, heute ist es nicht mehr so selbstverständlich die Komodos zu Gesicht zu bekommen wie noch vor einigen Jahren. Denn früher wurden den Echsen tief im Busch vor den Augen der Touristen Ziegen zum Fraß vorgeworfen. Doch heute verzichtet man auf dieses makabre Schauspiel.

Kraftpaket mit Mundgeruch
Nach Verlassen des Waldes führt der Weg durch eine goldgelbe Graslandschaft. Niemand scheint den weißen Kakadu zu bemerken, der über uns hinweg fliegt. Zu groß ist die Spannung, als im hüfthohen Gras ein großer Kopf auftaucht. Locker wie ein Kettenhemd hängt seine grobe schuppige Haut um seinen Hals. Eine tiefe Fleischwunde ziert seine linke Wange – vermutlich das Resultat eines Paarungskampfes. Gemächlich schwingt die archaische Echse ihren Kopf hin und her. Züngelnd nimmt sie Witterung auf – Warane riechen wie alle Echsen mit Hilfe ihrer Zunge – und beschließt wir sind weder Futter noch Gefahr. Breitbeinig, leicht federnd kommt das Kraftpaket mit der schwingenden Entschlossenheit eines Schlägers auf uns zu. Doch der Waran zieht unbeeindruckt an uns vorbei und macht es sich auf einem schattigen Felsen gemütlich.

Etwas respektlos denke ich, so richtig bedrohlich wirkt er eigentlich nicht. Doch dann stelle ich mir vor dieses mit 2,5 Metern Länge gar nicht so große Exemplar läge auf meinem heimischen Sofa. Abgesehen von der Tatsache, das seine messerscharfen, fingerlangen Krallen der wertvollen Garnitur in Kürze den Garaus machen würden, gibt mir mein scharfer Verstand zu bedenken, es handelt sich hier um ein recht unkultiviertes Raubtier mit schlechten Eßmanieren. Es lauert seinen Opfern heimtückisch aus dem Hinterhalt auf und kann bei einem Angriff bis zu 20 km/h schnell sprinten. Allein eine Bißverletzung endet meist tödlich!

Sein Maul ist Brutstätte für einen unappetitlich stinkenden, hoch infektiösen Bakterien-Cocktail. Hat die Echse ihr Opfer, meist Hirsche oder Schweine, gleich richtig erwischt, reißt sie es zu Boden und verschlingt es mit Haut und Haaren. Einzig der Darminhalt scheint ihnen unappetitlich, sie schütteln ihn vor dem großen Fressen heraus. Junge Komodo-Warane nutzen diese Abneigung und schützen sich vor ihren kannibalischen Artgenossen in dem sie auf Bäume klettern und sich in Fäkalien wälzen! Unser Komodo bleibt aber ruhig und ignoriert routiniert die knipsende Touristenschar.

Bernd Leideritz

Indonesien: Der Inselstaat bietet eine unglaubliche Vielfalt alter Traditionen

„Alles, was wir tun, tun wir mit dem Herzen!“ Bewusst unterstreicht das Versprechen der indonesischen Ministerin für Tourismus und Kreativwirtschaft Dr. Mari Elka Pangestu die sprichwörtliche Gastfreundlichkeit und Herzenswärme des multi-ethnischen südostasiatischen Partnerlands der diesjährigen ITB Berlin. Wie ein roter Faden begleiten die für die größte Reisemesse der Welt aufgelegten Kampagnen „Wonderful Indonesia“ und „The World’s Heart of Wonders“ den Auftritt des Reiselandes.

Indonesien plant eine regelrechte Charmeoffensive, mit der es sich bei Fachbesuchern und Reisepublikum breit und als ökologisch nachhaltige Zukunfts-Destination aufstellen will. Dr. Pangestu hat vor, ein mögliches Vorurteil auszuräumen: „Indonesien ist mehr als ein Teil von Bali.“ An allen fünf Messetagen präsentieren 200 mitgereiste Künstler zwölf verschiedene Folkloreshows rund um die Messehalle 26A, wo das Partnerland beheimatet ist. Aber auch harte Fakten hat die erwartungsvolle indonesische Delegation im Reisegepäck: das Land arbeitet engagiert daran, die touristische Infrastruktur zu verbessern. Wie wichtig Indonesien die Partnerschaft zur ITB Berlin nimmt, dokumentiert die Teilnahme seines Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono an der Eröffnungszeremonie.

 

Was für ein Land! Über 17.500 Inseln und 13 Ozeane bilden den Staat Indonesien, es ist der größte Archipel der Welt. 6.044 dieser Inseln sind bewohnt. Die gesamte Küstenlänge beträgt gut 54.700 Kilometer, nach Kanada ist es die längste auf der Welt. Ein Strandspaziergang würde mehr als eine Weltumrundung bedeuten. Zwölf Prozent aller Korallenriffe der Erde finden Taucher und Schnorchler in indonesischen Gewässern. Knapp 240 Millionen Menschen leben im Inselstaat, über die Hälfte davon auf Java. In der Rangliste der bevölkerungsreichsten Staaten der Welt steht Indonesien auf Platz vier. Und es ist das größte muslimische Land. Die unglaubliche Vielfalt jahrhundertealter Traditionen und Kulturen belegen folgende Zahlen: In Indonesien leben über 300 verschiedene Ethnien, die zahlreiche Religionen pflegen und über 700 Sprachen und Dialekte sprechen. Die landschaftliche Vielfalt hält 90 Ökosysteme, unberührte Dschungel, endlose Sandstrände, artenreiche Tauchreviere, beeindruckende Vulkanlandschaften und pulsierende Metropolen bereit.

Kein Wunder, dass der Tourismus, der Urlaubern aus aller Welt diese Wunderwelt erschließt, zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes geworden ist. 9,2 Millionen Menschen arbeiten in diesem Wirtschaftszweig, das sind 6,9 Prozent aller Arbeitskräfte. Die Dynamik belegt diese Zahl: Mit über 730 Millionen US-Dollar verdreifachten ausländische Investoren im vergangenen Jahr ihren monetären Einsatz in Hotel- und Gastronomieprojekte im Vergleich zu 2011. Inländische Investitionen verdoppelten sich.

Alles andere als ein Nischenziel

Im Asien-Portfolio deutscher Reiseveranstalter ist Indonesien weit mehr als ein Nischenziel. Bei TUI gehört die asiatische Inselwelt ganzjährig zu den Top Ten der Fernreise-Destinationen. Im Reisesommer klettert das Ziel sogar auf Platz fünf der Hitliste. Ähnlich liegt der Fall bei Thomas Cook. Für Dertour und manchen Mitbewerber ist Indonesien nach Thailand sogar zweitwichtigste Destination im Asien/China-Katalog. EastAsia Tours widmet dem Indonesien-Angebot 48 Seiten seines 320 Seiten starken Katalogs; nach Indochina und Thailand ist Indonesien drittwichtigstes asiatisches Zielgebiet. Das gilt auch für Explorer Fernreisen. 18 Prozent vom Gesamtangebot nimmt die Destination bei Airtours ein – mit steigender Tendenz. Denn die Nachfrage wächst und wächst.

Zu seinem wichtigsten Expedientenseminar des Jahres, dem FarEastLifeSeminar, lädt Meier’s Weltreisen dieses Jahr 200 Expedienten im April nach Bali ein und erhofft sich davon einen weiteren, kräftigen Gästeschub. Zweistellige Zuwachsraten verzeichnete  die TUI im Vorjahr. Der Münchner Studienreisen-Veranstalter Studiosus freute sich über ein Teilnehmerplus von 23 Prozent. Mit 15 Prozent – auf hohem Niveau – rechnet in diesem Jahr EastAsia Tours. Das gleiche satte Plus erwartet Indonesien-Spezialist Geoplan. Bei Airtours erhofft man sich sogar eine Zunahme von 30 Prozent. Das sind Traumquoten.

Insgesamt reisten letztes Jahr 156.000 Deutsche nach Indonesien, das entspricht einem Zuwachs von deutlich über zehn Prozent. 2011 wurden 141.000 deutsche Touristen gezählt. Für dieses Jahr rechnet das Tourismusministerium mit 165.000 Gästen aus Deutschland. Die Tourismusministerin setzte auf ihrer ersten Pressekonferenz im Vorfeld der ITB Berlin die Latte höher, sie peilt „mindestens 180.000“ an. Im Vergleich zu Thailand ist das noch wenig. Das Nachbarland registrierte im Vorjahr über 680.000 deutsche Gäste. Der Word Travel Monitor (WTM), der 60 der wichtigsten Quellmärkte und somit knapp 90 Prozent des weltweiten Reisevolumens abdeckt, weist für Indonesien im Reisejahr 2011 insgesamt 4,5 Millionen Übernachtungsreisen auf. Zur Relation: In das weltweite Reiseziel Nummer eins Spanien reisten gut 51 Millionen Besucher. China, die Nummer eins in Asien, besuchten rund 25 Millionen Gäste. Für das Jahr 2012 meldet hingegen das Ministerium für Tourismus und Kreativwirtschaft über acht Millionen Ankünfte.

Ein Viertel Geschäftsreisen

Laut WTM sind drei Viertel der Indonesien-Reisen Urlaubs- und ein Viertel Geschäftsreisen. Die Tourismusministerin spricht von 30 Prozent Geschäftsreisen. Sie will das staatliche Investitionsvolumen in diesem Segment, das für sie Garant für Qualitätstourismus ist, um ein Viertel aufstocken. Bunt zusammengewürfelt präsentiert sich der Kundenstamm der indonesischen Inselwelt. Hauptquellmarkt ist laut WTM Australien mit knapp 700.000 Reisenden. Zweieinhalb Millionen Indonesien-Besucher kommen aus Asien, hiervon je 500.000 aus China und Malaysia und je 400.000 aus Japan und Singapur. Europa als Gesamtmarkt folgt im Gästeaufkommen gleich hinterher.

Die meisten Reisen aus dem alten Kontinent unternehmen die sonnenhungrigen Niederländer, nämlich 170.000 im Jahr 2011. Deutschland steht nach Frankreich an dritter Stelle der europäischen Quellmärkte. Die steten Zuwächse der wichtigsten Quellmärkte spornen die Ministerin an. Seit Oktober 2011 bekleidet sie das Amt im neugegründeten Ministerium für Tourismus und Kreativwirtschaft. Ihre Mission: die touristische Infrastruktur ihres großen Landes strategisch und umfassend weiterzuentwickeln. Dabei setzt die vorher sieben Jahre lang als Handelsministerin erfolgreiche Politikerin auf Qualität und ökologische Nachhaltigkeit.

Value for Money

Die Akzeptanz bei den Gästen sieht gut aus. Mit Stolz verweist Dr. Pangestu darauf, dass Indonesiens touristische Angebote „value for money“ sind, das Verhältnis von Leistung und Preis beschert dem Land im internationalen Vergleich ein sehr gutes Ranking. Ein Billigland ist das Inselreich nicht. Im Schnitt geben Reisende aus aller Welt 1.658 Euro für ihre durchschnittlich 7,7 Tage dauernde Indonesienreise aus. Den qualitäts- und umweltbewussten Deutschen macht die Tourismusministerin ein großes Kompliment: „Für uns sind sie von großer Qualität.“  Denn die Statistik verrät: „Sie bleiben doppelt so lange wie der Durchschnitt und geben dreimal so viel aus“.

Mit ihren ausgeklügelten Arrangements tragen deutsche Veranstalter und Spezialisten zum anhaltenden Boom bei. Einige Beispiele: Premium-Veranstalter Windrose – dessen erstes Reiseziel im Gründungsjahr vor genau 40 Jahren Indonesien war – hat die Destination samt Jubiläumsreise von damals neu in die Kataloge „Deluxe 2013“ und „Individuell 2013“ aufgenommen. TUI rückt den Erlebnischarakter stärker in den Fokus – z.B. bei der neu kreierten privat geführten Rundreise „Im Herzen Javas“ zu den berühmten Tempelanlagen von Borobudur und Prambanan mit traditionell hinduistischer Ramayana Vorführung. In die Rundreise „Bali hautnah“ wurde eine Fahrradtour durch Reisterrassen und typisch balinesische Dörfer eingebaut. ITS und Jahn Reisen haben das Rundreisen-Programm auf der bei Touristen gefragten Insel Bali ausgebaut, z.B. um die Trips „Impressionen Bali“, „Java Classic“, „Inside Bali“ und „Naturerlebnisse Bali“. Jede der Rundreisen kann auch als Privat-Rundreise gebucht werden.

Studienreisen halten mit

Die Anbieter von Studienreisen halten mit. Der Südostasien-Katalog 2013 von Gebeco Länder erleben enthält vier neue Erlebnisreisen und eine neu konzipierte Wander- und Rad-Erlebnisreise. Erstmals im Marco Polo-Portfolio ist eine Mini-Gruppen-Reise, die Bali und die Inseln Komodo und Flores verbindet. Studiosus schickt drei Studienreisen ins Rennen, bei denen immer auch Begegnungen mit Einheimischen vorgesehen sind. „Indonesien – die umfassende Reise“ richtet sich an Erstbesucher, die auf der 20-tägigen Rundreise die vier Inseln Sumatra, Java, Bali und Sulawesi mit ausführlichem Besichtigungsprogramm kennenlernen. Die 15-tägige zweite Studienreise konzentriert sich auf die Höhepunkte der beiden Inseln Java und Bali, und in der dritten „Südostasien“-Studienreise kombiniert der Spezialist Indonesien mit Malaysia und Brunei.

Sechs von zehn Deutschen besuchen Bali

Apropos Flores: Die kleine Sunda-Insel östlich von Bali mit ihrem Kulturmix auf kleinstem Raum wird von den für Indonesien zuständigen Produktmanagern gern als ihr „privates Lieblingsziel“ weitergegeben. Sie ist noch nicht so überlaufen wie andere Inseln, und mittlerweile steht eine akzeptable Auswahl kleiner, feiner Unterkünfte zur Verfügung – Grund genug für Geoplan, eine fünftägige Kreuzfahrt ab und bis Flores sowie eine sechstägige Rundreise auf der Insel ins Programm zu heben.

Der Schwerpunkt deutscher Veranstalter liegt nach wie vor auf Bali. Knapp 60 Prozent aller deutschen Indonesien-Reisenden fliegen auf die Insel, die aus Kundensicht quasi als Synonym für Indonesien steht. Die von Vulkanen geprägte Landschaft und die Spiritualität machen Bali so anziehend, lautet das einhellige Credo. In den letzten Jahren sind so viele neue Hotelprojekte entstanden, dass die Reiseveranstalter unisono nach einer Verbesserung der Infrastruktur rufen: neue Straßen und Müllverbrennungs- und Recycling-Anlagen werden gebraucht. Nicht zuletzt, weil auf Bali die Preise für Benzin und Alkohol enorm gestiegen sind, was sich auch auf die Hotelpreise auswirkt, würde mancher Veranstalter gerne auf weniger bekannte Inseln ausweichen.

Doch das ist nicht einfach: Denn diverse innerindonesische Airlines stehen auf der Black List der EU und dürfen von deutschen Veranstaltern nicht angeboten werden. Daher ist ihr Hauptwunsch an Indonesiens Regierung eindeutig: Eine Verbesserung der Flugsituation im Land würde eine weitere touristische Erschließung beflügeln. Erste gute Nachrichten kann die Ministerin präsentieren. Mit dem bis zum Sommer des Jahres geplanten Ausbau der Flughäfen auf Bali und der Nachbarinsel Lombok soll die Anbindung internationaler Direktflüge verbessert werden. Neue Flugverbindungen von Garuda Indonesia ab Jakarta, Singapore oder Kuala Lumpur gibt es bereits. Nach Aussage des Ministeriums hat der National-Carrier 24 neue Fluggeräte gekauft, die ab November dieses Jahres Verbindungen zu mehreren europäischen und asiatischen Städten aufnehmen werden.

Bali bekommt Verstärkung

Die Wünsche der Veranstalter scheinen bei der Ministerin auf fruchtbaren Boden zu fallen. Nach Erstellung eines Nationalen Tourismus-Entwicklungsplanes vollzieht Dr. Pangestu die bereits angestoßene und künftige Entwicklung des Reiselandes in geordneten, streng definierten Bahnen. Auf intensiven Reisen durch ihr Land hat sie insgesamt 88 reizvolle, aber bislang noch eher weniger besuchte Regionen ausgemacht. Für sie hat ihr Ministerium ein umfassendes Entwicklungskonzept erarbeitet. In den nächsten drei Jahren, bis 2016, konzentriert sich die Tourismusförderung auf 16 Ziele. Neben den Regionen Menjangan, Nusa Dua und Kintermani, die Bali neue Anreize verleihen, sind das Zentraljava mit dem buddhistischen Tempel Borobudur (UNESCO-Weltkulturerbe) und Ostjava, die Altstadt von Jakarta, Nordsumatra mit dem Toba See, die Inseln Flores und Komodo mit den gleichnamigen Riesenechsen, Toraja, Tanjung Puting sowie die Tauchdestinationen Wakatobi, Derawan und Raja Ampat. Alternativen für Wiederholer, die 45 Prozent ausmachen, liegen der Ministerin am Herzen. „Es soll unseren Gästen gehen wie mir“, lächelt sie, „auf jeder Reise können sie ein neues Lieblingsziel für sich entdecken.“

Kein Wachstum um jeden Preis

Die Regierung werde sich dafür einsetzen, dass diese Ziele künftig per Flugzeug und Schiff besser erreichbar sein werden, verspricht die Ministerin. Die Angebotserweiterung an Hotels und Restaurants ist bereits in vollem Gange. Das geschieht mit staatlichen Mitteln und mit Hilfe ausländischer Investoren, die Indonesien zunehmend als lukrativ einschätzen. Auch das Kreuzfahrt-Geschäft will die Businessfrau in Schwung bringen. Bis 2014 sollen zehn Häfen modernisiert und in die Lage versetzt werden, große Luxusliner aufzunehmen. Die Zahl von derzeit 118.000 anlandenden Passagieren soll bis zum Jahr 2016 auf 500.000 gesteigert werden.

Die Ministerin forciert kein Wachstum um jeden Preis. Alle Maßnahmen müssen ökologisch nachhaltig sein, denn das Land hat sich in einem nationalen Aktionsplan zum Klimawandel verpflichtet, die CO²-Emissionen zu reduzieren. „Unsere Gäste legen großen Wert auf eine intakte Natur und ein hochwertiges Ferienerlebnis“, sagt Dr. Pangestu. Wie wahr: Nach Aussage deutscher Veranstalter klagen Gäste immer häufiger über mangelndes Umweltbewusstsein der Gastgeber und fordern neue Müllverbrennungs- und Recycling-Anlagen.

Sieben Erfahrungswelten für individuelle Aufenthalte

Klare Vorstellungen hat die Tourismusministerin über Neigungen und Vorlieben der Besucher ihres Landes und aus welchem Grund sie nach Indonesien reisen. Im ihnen ein Höchstmaß an Gestaltung ihres individuellen Urlaubserlebnisses zu ermöglichen, clustert die Tourismusförderung die Hauptmotive ihrer Gäste in sieben thematischen Erfahrungswelten. Die special interests heißen Kultur und Erbe, Natur und Ökotourismus, Freizeitsport – hier verweist die Ministerin beispielsweise auf die über 60 Golfplätze des Landes -, Schiffsreisen, Küche und Einkaufen, Gesundheit – Wohlbefinden und Spa sowie Meetings, Tagungen und Kongresse (MICE). Entsprechend ihrer Erfahrung und der Statistik kombinieren Deutsche meist zwei oder drei in einem Aufenthalt. Ihre Hauptinteressen stehen stellvertretend auch für andere Europäer: Strand, Kultur und Natur, Wellness und Wohlbefinden, Abenteuer und Sport.

Einige Erfahrungswelten werden auf dem Messestand Indonesiens in Halle 26A während der ITB Berlin symbolisch vertreten sein. Für Gesundheit, Wohlbefinden und Spa verschenkt das Sari Ayu Spa Entspannung mit traditionellen Anwendungen, bei denen auch aromatische Gewürze zum Einsatz kommen. Die Massagen gibt es an allen Messetagen gratis für Fachbesucher. Einen Vorgeschmack auf Indonesiens vielseitige Küche verbreitet der exotische „Culinary Heaven“ von Vindex Tengker. Der Chefkoch des 5-Sterne Hotels Dharmawangsa in Jakarta verantwortet die kulinarische Verpflegung.

Die Ministerin, die sich im letzten Jahr schon einen ersten persönlichen Eindruck  von der weltgrößten Reisemesse verschafft hat, verspricht: „Indonesische Arabica Coffees aus Toraja, Aceh und Lampung erwecken an langen Messetagen erschöpfte Lebensgeister.“  Für das kulturelle Flair werden Tänzer das Messegeschehen beleben. Die mitgereiste große Zahl der Künstler gewährt Einblicke in die unterschiedlichen Kulturen der ethnischen Gruppen mit ihren eigenen Sprachen und Dialekten. Dargeboten werden u.a. ein ritueller Tanz aus Makassar (Pakarena), die Dajak Tänze von Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel Borneo, der feurige Kecak Tanz von Bali. Und ein weiteres Stück Kulturgeschichte bringen die Indonesier mit nach Berlin. Mittelpunkt ihres doppelstöckigen Messestands aus Holz und Glas ist ein in jahrhundertealter Handwerkskunst gefertigtes Zweimast-Segelschiff aus Holz, der sogenannte Pinisi-Schoner. Der Transportsegler wird heute auch zu Entdecker-Kreuzfahrten und umgebaut als Tauchschiff im Tourismus eingesetzt.

Einen Trumpf hält Ministerin Dr. Mari Elka Pangestu in der Hand im harten Wettbewerb um die Gunst der Reisebranche und des Reisepublikums auf der ITB Berlin: Möge es ihren Landsleuten gelingen, den Funken Gastfreundlichkeit und Herzenswärme überspringen zu lassen, der Indonesien so unverwechselbar macht. Ihre Botschaft ist klar: „Die wahre Schönheit Indonesiens kommt aus den Herzen der Menschen.“

Sabine Neumann & Horst Schwartz

Indonesien: Bali – Die Menschen vom schwarzen Strand

Auf halbem Weg zwischen Denpasar und dem Fährhafen Padangbai liegt das unscheinbare Fischerdorf Kusamba. Kaum einer der Touristenbusse hält hier. Doch nur wenige Kilometer hinter diesem Dorf stehen die Busse dicht an dicht. Straßenhändler umringen die Ankömmlinge und bieten ihre Waren an. Festlich gekleidete Balinesen kommen und gehen, der Klang eines Gamelan Orchesters schwingt in der Luft. Die meisten Balibesucher kommen in diese Ecke der Insel, um die Goa Lawah, die Fledermaushöhle, zu besuchen. Im Eingangsbereich der Höhle tummeln sich tausende, lärmende Langzungen-Flughunde. Dicht an dicht hängen die Fledermäuse an der Decke. Schreine säumen den Eingang der Höhle, von der die Legende sagt, dass in ihr die Weltschlange Naga Basuki gelebt habe. Täglich finden farbenprächtige Zeremonien im Tempel vor der Höhle und am nahen Strand statt.

Einige Gehminuten entfernt hat der Trubel schlagartig ein Ende. Bunt bemalte Auslegerboote liegen auf dem schwarzen, vulkanischen Strand. Ihr Bug ist in einen langen, schnabeltragenden Kopf verlängert. Aufgemalte Augen sollen helfen, während der nächtlichen Fahrten über das Meer jederzeit den Weg zurück zu finden. Zwischen den Booten stehen die windschiefen Hütten der Salzproduzenten.

Mit dem Rücken zum Meer stehend wartet Nyoman Sujana geduldig ab, bis die nächste große Welle weiß schäumend auf den Strand läuft. Links und rechts seiner Hüften hängen aus den Blättern des Phinang-Baumes gefertigte Behälter, die er geschickt in das zurückfließende Wasser taucht. Im Bruchteil einer Sekunde haben sich die archaischen Gefäße gefüllt und Nyoman schleppt das kostbare Nass den schwarzen Strand hinauf. Nyoman lebt vom Salz. Wie auch andere Familien am Strand von Kusamba praktiziert er noch heute, in Zeiten von Handy und PC, eine alte balinesische Methode der Salzgewinnung.

Es ist sechs Uhr am Morgen, die Sonne hat sich soeben glühendrot aus dem Meer erhoben, weit draußen tummeln sich auf dem glitzernden Wasser hunderte Auslegerboote. Oben auf dem Strand, unerreichbar für die Wellen, haben Nyoman und seine Familie ein quadratisches Areal gesäubert. Mit schlenkernden Bewegungen verteilt er das Wasser auf dem plan geharkten schwarzen Sand. Systematisch tränkt er den Sand mit dem Meerwasser. Immer wieder muss er hinunter um die Körbe aufzufüllen. Nachdem er diese morgendliche Arbeit erledigt hat, lächelt er zufrieden und meint: „Nun übernimmt die Sonne die Arbeit.“ Mata hari, das Auge des Tages, so die malerische Bezeichnung der Sonne im Indonesischen, wird das Wasser verdunsten lassen, so dass nur die Salzkristalle im Sand verbleiben. Der Strand von Kusamba ist besonders gut für die Salzgewinnung geeignet, erklärt Nyoman. Sein schwarzer Sand ist äußerst feinkörnig und kann so das Wasser hervorragend halten.

In einer mit Stroh gedeckten Hütte schaufelt Nyoman am Mittag den unter der sengenden Hitze getrockneten Sand in einen Bambusfilter und spült ihn anschließend solange mit Meerwasser, bis eine hoch konzentrierte Salzlösung entsteht. Im dritten und letzten Arbeitsgang übernimmt nochmals die Sonne die Arbeit. In halbierten, ausgehöhlten Stämmen der Kokospalmen verdunstet das Wasser der Salzlösung. Zurück bleibt schneeweißes Meersalz, Salz das Nyoman auf dem Wochenmarkt von Klungkung verkaufen wird.

Bernd Leideritz