Antarktis: Ein Besuch in der britischen Station Port Lockroy

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Im antarktischen Sommer – von November bis März – sind die Gewässer rund um den kältesten Kontinent soweit eisfrei, dass Expeditionsschiffe bis Antarktischen Halbinsel und zum südlichen Polarkreis vordringen können. Die Natur ist überwältigend: gigantische Tafeleisberge, unzählige Gletscher, wild gezackte Berge, Pinguinkolonien, Robben und Wale lassen jeden ehrfürchtig staunen. Nur wenige Menschen lieben hier im Sommer auf kleinen Stationen wie dem britischen Port Lockroy.

Vorsichtig tastet sich die „MS Fram“ auf der Suche nach einem sicheren Ankerplatz in die Bucht von Port Lockroy, so wie es früher auch die Wal- und Robbenfangschiffe gemacht haben. Die kleinen Eisberge, die überall auf dem Wasser treiben, fordern von Kapitän Rune Andreassen auf der Brücke höchste Konzentration, die Passagiere genießen derweil das antarktische Postkartenmotiv an der Reling. Mehrere Gletscher rahmen die Bucht ein, ihr gleißendes Weiß steht im Kontrast zu den hoch aufragenden, gezackten Bergen der Wieneckeinsel.

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Mitten in der Bucht liegt unser Ziel, die Goudierinsel, nur so groß wie eine Handvoll Fußballfelder. Die Franzosen haben die blank geschliffenen Felsen 1904 entdeckt, die Norweger danach als Walfangstation genutzt, bevor die Briten hier im Zweiten Weltkrieg eine Marinestation einrichteten, die sie 1962 wieder aufgaben und die daraufhin verfiel. Erst 1996 haben sich die Briten an Port Lockroy erinnert und die Station wieder instand gesetzt. Heute betreibt der United Kingdom Antarctic Heritage Trust auf dem winzigen Stück Land ein Museum, eine Post und einen Souvenirladen.

Antarktis, Antarktische Halbinsel, Port Lockroy, Eselspinguine„Mindestens fünf Meter Abstand zu den Pinguinen“, ermahnt uns wie immer beim Verlassen der Polarcircle-Boote Expeditionsleiterin Anja Erdmann. Doch bei diesem Landgang kann sie mit uns nicht so streng sein, denn auf der Insel brüten rund 800 Eselspinguin-Paare dicht an dicht. Sie besitzen die Insel und teilen sie freundlicherweise mit den vier ständigen Bewohnern und den Scharen neugieriger Touristen. Sie laufen geschäftig hin und her, suchen Steinchen für ihre Nester, klauen dem Nachbarn seine Steinchen, wenn er sie mal aus den Augen lässt, zanken und zetern – und ignorieren die großen Zweibeiner mit den Fotoapparaten vollkommen. Spätestens jetzt verstehen wir Anjas Warnung: „Wenn Sie Ihre Freunde nicht langweilen wollen, zeigen Sie ihnen zu Hause nicht mehr als fünf Pinguin-Fotos“. Das wird schwer, denn die Frackträger sind einfach zu putzig.

Die Station leitet eine Deutsche, Ylva Grams, Biochemikerin, gebürtige Marburgerin, Antarktis, Antarktische Halbinsel, Port Lockroydie, wenn sie nicht gerade in der Antarktis ist, in den Niederlanden lebt. „Als ich mit der Bark „Europa“ hier war, habe ich erfahren, dass die Leitung der Station frei wird. Daraufhin habe ich mich beworben und wurde genommen“. Jetzt ist sie schon das zweite Jahr von November bis März in Port Lockroy. Zusammen mit drei Britinnen unterhält sie die meistbesuchte Antarktis-Station. Knapp 14 000 Touristen kommen pro Jahr, Tendenz steigend, aber viel mehr geht nicht, denn maximal drei Schiffe dürfen pro Tag Passagiere anlanden und nur 60 von ihnen dürfen gleichzeitig an Land.

Die drängen sich dann in dem kleinen Museum, das die Station so zeigt, wie sie früher aussah. Von der Wand lächelt die jugendliche Queen würdevoll in schwarz-weiss, daneben ein Gemälde der blonden Diana Dors, einer englischen Schauspielerin aus den 50er Jahren, die auf Marilyn Monroe macht. In den Regalen stehen noch rostige Konserven mit „Hunter’s Royal Pork Sausages“ und „Christmas Pudding“. Ebenso beengt ist der Souvenirladen, in dem natürlich Pinguine die Hauptrolle spielen, selbst auf jedem Kugelschreiber ist das Pinguinlogo. Heiß begehrt ist auch der Stempel der südlichsten Poststelle der Welt – es dauert zwar eine ganze Weile, aber die Postkarten kommen wirklich an, Ehrensache für die britische Post. Laden und Post sind überlebenswichtig, denn sie finanzieren die Arbeit des Antarctic Heritage Trust, der historische Stätten wie diese renoviert und für die Nachwelt erhält.

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„Trotz 12-Stunden-Tagen haben wir eigentlich keine Zeit für Forschung. Nur eine kleine Pinguin-Studie führen wir seit einigen Jahren durch“, erklärt Ylva bedauernd. Die Studie zeigt Überraschendes. Im hinteren Teil der Insel dürfen die Pinguine ungestört brüten, Menschen haben keinen Zutritt. Doch die Tiere bevorzugen den Teil der Insel, über den jeden Tag Menschen laufen. Heißt das, dass Pinguine Menschen mögen? Nicht unbedingt, aber Menschen vertreiben Raubmöwen und die sind ständig hinter Pinguineiern her.

Eine Stunde unter Pinguinen ist viel zu kurz, doch fünf Monate inmitten einer streng riechenden Kolonie? „Pinguine nerven nie“, versichert Ylva Grams sofort. Und doch genießt sie es, zum Duschen, zum Dinner und um Mails zu schreiben, mit auf die „MS Fram“ zu kommen, denn diesen Luxus gibt es auf der Goudierinsel nicht – nur Gletscherwasser. „Wir haben nicht einmal ein Boot, um die Gegend zu erkunden, das wäre viel zu gefährlich.“

Christian Nowak

Ostasien: Die AIDAdiva – Eine Kleinstadt auf See

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Gut 30 Grad ist es am Abend. Die Lichter der Skyline glitzern im Meer. Ein lauer Wind weht in der Tropennacht und leise vibriert der Schiffsdiesel. Die AIDAdiva verlässt den Hafen und nimmt Kurs aufs offene Meer.

Auf Deck 11 steht Kapitän Sven www.aida.de Laudan mit den vier goldenen Streifen. Er hat noch Dienst. Mit nur zwei Joysticks und den Blick auf die Monitore navigiert er die schwimmende Kleinstadt durch das nächtliche Meer. Er zeigt auf die Öltanker, deren Lichter wie verschüchternde Glühwürmchen leuchten. „Da vorbeizukommen ohne etwas zu beschädigen ist immer wieder eine Herausforderung. Der Hafen ist zu eng und zu befahren“, erzählt er.

IMG_1014Über 2000 Passagiere hat das Kreuzfahrtschiff „AIDA diva“ in seinem Bauch verschluckt hat. Das schwimmende Hotel ist 252 Meter lang, 32,2 Meter breit, mit eigenem Wasser- und Stromwerk, Shops, Galerien, Biertanks und sogar einem Casino. Am Frühstückstisch sitzen Ruth und Hannelore, die sich an vergangene Zeiten erinnern, als es noch Tischordnungen gab, die Passagiere sich fürs Dinner fein machten. Der Ober mit den weißen Handschuhen noch Eclairs zum Tee reichte. Der Cluburlaub auf See mit der AIDA bricht mit einigen Traditionen. Den Bug ihrer bisher neun Schiffe ziert ein roter Kussmund. Man lockt  jüngere Paare und Familien.  42 Jahre ist das Durchschnittsalter an Bord. Es gibt kein Captain´s Dinner, kein Schlips und Smoking. Dafür Saunawelt, Badespaß, Decksliege oder Joggingpfad, alles ist inklusive. Ebenso die Büfetts. Wer es gediegener haben möchte, wählt eins der a la carte Restaurants. Natürlich gegen Aufpreis.

IMG_0801Börsen Stammtisch auf hoher See? Nein, wie eh und je ruft es über den Lautsprecher: Bingo Time. Meist laufen dann doch betagte Herrschaften über flauschige Teppiche dem versprochenen Spaß entgegen. Bezahlt wird mit Bordkarte. Ganz gleich, ob Spielscheine, oder in der Kunstgalerie, Fotoladen oder Bar, einfach die Kabinenkarte vorzeigen, unterschreiben und alles wird abgebucht. Ein Bier kostet 3.50 Euro, ein Glas Champagner 7 Euro. Über sein Soll kann sich der Passagier später auf dem Flachbildschirm seiner Kabine informieren. Am Ende der Reise steckt dann die komplette Rechnung im Briefumschlag. Darauf wirft so mancher der Gäste einen ernüchterten Blick.

IMG_0975Der Schiffskapitän lässt keinen Zweifel daran, wie sehr ihn das Konzept dieses Kreuzfahrtschiffes verbindet. Es ist das Gefühl der Freiheit. Man verschafft sich einen Überblick über ferne Länder und andere Kulturen gewissermaßen im Vorbeifahren. Es gibt kaum Wartezeiten beim Auschecken zu den Landgängen. Die 600 Mann starke Mannschaft hat die Logistik fest im Griff. Morgens können die Gäste gelassen auf die Pier eines fremden Ortes blicken. Bei Ausflügen warten zwischen den hoch aufragenden Wolkenkratzern Pagoden, Tempel, Moscheen und Kahnfahrten. Einige Gäste verzichtet auf solche Trips. Sie gönnen sich das Bordleben. Genau wie die Crew, die schon über Jahre auf See viel gesehen hat.

IMG_1321In Vietnam, dem letzten Landausgang der Reise kreuzen Mopeds hupend den Weg. Der Blick in die exotischen Länder lässt die Reisenden erkennen, dass sie in der fernen Fremde gelandet sind. Es bleibt wenig Zeit für das trubelige Großstadtleben. Schon am frühen Nachmittag fahren die Busse zurück zum Kai, wo kurz darauf das Schiffssignal dröhnt und der Dampfer pünktlich wieder ablegt. In den kühlen Kabinen liegt das gedruckte Programm für den kommenden Tag auf See. Gymnastik mit Musik auf dem Sportsdeck, Kunstauktion und Verkauf des fertig gestellten Reisefilms im Theatrium. Nicht, dass man es eilig hätte. Auf Heimatkurs drosselt der Kapitän mehrmals die Schiffsdiesel, damit der zweiwöchige Törn nicht zu früh zu Ende geht. Bald taucht Bangkok auf, diesmal an Steuerbord. Dort warten schon die neuen Passagiere auf ihren Traumtrip durch die ostasiatische Welt.

Heidrun Lange

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Grönland: Rock ’n’ Roll in der Diskobucht

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Neun Monate ist kein Durchkommen rund um Grönland. Aber dann kann man an Bord eines Expeditionsschiffes das Wunder des arktischen Sommers hautnah erleben.

Zart taucht die Mitternachtssonne die stille, arktische Landschaft aus Fels, Eis und Meer in magisches Licht – goldfarben wie schmelzendes Edelmetall. Morgens, Schlag acht Uhr kracht, bebt und vibriert es. Voller Schwung schlägt der Bug der ‚MS Disko II hart auf die Wellen, unsanft werden die Passagiere geweckt. „Zur Abwechselung tanzen wir jetzt Rock ’n’ Roll, doch bei der Einfahrt in die Diskobucht ist das Wasser wieder sanft und süß“, tönt heiter und beschwingt die Stimme des Kapitäns über das Mikrofon.

1.Kamiken.jpgDabei haben sich die Gäste in den vergangenen Tagen wahrlich nicht gelangweilt. Sie haben den längsten Fjord der Welt, den Kangerlussuaqfjord, durchfahren, in Sisimiut erstmals arktisches Festland betreten. In Ukkusissat, 500 Kilometer nördlich des Polarkreises, tanzten sie mit Grönlands Ureinwohnern, den Inuits. An der Gletscherfront des Eqip Sermia schauten sie begeistert den Eiskolossen zu, wie sie mit donnerndem Getöse ins Meer kalbten. Doch der sechste Tag an Bord soll den Höhepunkt bringen.

Einfahrt in den Eisfjord

Sehnsuchtsziel ist der sagenhafte Kangia Ilulissat Eisfjord an der Westküste. Aber noch tänzelt die Disko II, Eisklasse 1A, vorbei an Schären nach Süden. Aus den Orten hört man ab und an das Heulen der Hunde. Plötzlich verändert sich etwas. Je mehr das Schiff in die spiegelglatte Diskobucht vordringt, umso größer und häufiger werden die Eisberge. Im Licht der Morgensonne strahlen sie blau, türkis und weiß wie Diamanten. Bizarre Skulpturen, manche höher als 100 Meter. Wie Fregatten unter vollen Segeln treiben sie dicht an der Reling vorbei hinaus in den arktischen Eisgarten. Kameras werden vors Auge gehalten, klamme Finger fummeln am Auslöser. Es zoomt und blitzt, schließlich will man die Zauberwelt im Bild festhalten.

4.Hundeschlitten.jpgUnd es kommt noch besser, als diese vier Worte ertönen: „Whales on the left!“ Kapitän Jesper stoppt die Maschinen, hundert Meter weiter bricht die Wasseroberfläche ungestüm auf. „Er bläst, er bläst“, ruft er den ersten Wal persönlich aus. Der Wassernebel des meterhohen Atemstrahls glitzert in der Sonne wie Blattgold. Ein zweiter und dritter Blas folgen, dann tauchen gewaltige, grauschwarze Rücken auf. Finnwale! Abwechselnd wedeln sie mit ihren imposanten Flossen, um dann blitzschnell und elegant in der Tiefe zu verschwinden. „Was für ein Anblick“, murmelt eine Dame aus Bremen und wippt verzückt auf ihren Zehen.

Walfleisch und Stockfisch

Blau ist der Himmel, grün, rot oder gelb leuchten in Ilulissat die Giebelhäuser aus dänischer Kolonialzeit. Im Sommer, wenn die Tage kein Ende nehmen, nimmt hier das Leben der 5000 Einwohner seinen gewohnten Lauf: Grönlandfrauen präparieren auf Gestellen Walfleisch und Stockfisch für den Winter. Kajaks werden ausgebessert und neu mit Robbenhaut bespannt, Schlittenhunde sonnen sich auf porösem Basaltgestein. Wie bei uns die Autos, parken hier neben den Häusern Holz- und Motorschlitten. Davor sitzen die Männer und rauchen Pfeife.

7.Trachtenpaar.jpgHeute, am Nationalfeiertag, grüßen Jung und Alt freundlich die Besucher. Die Grönländerinnen tragen ihre zauberhafte, spitzen- und perlenverzierte Tracht und Kamiken, beinlange, mit Eisbärenfell gefütterte Stiefel. Ganze Familien sind in traditionelle Seehund-Kleidung gehüllt. „An die 1000 Euro kostet eine Frauentracht, alles Handarbeit“, verrät Bürgermeister Antan während er mit Fahnenträgern zur Zionskirche zieht. Einsam thront sie auf einem Felsplateau direkt am Meer. Der Innenraum ist in den Farben Weiß, Türkis und Gelb gehalten – Symbole für Schnee, Eisberge und Sonne. Leise, wie die Landschaft, dringen Kirchenlieder nach draußen bis zu den Kajakfahrern, die im Eiswasser Eskimorollen vorführen. Jugendliche springen übermütig in die alten Frauenboote, die Umiaqs, in denen früher Nomadenmütter mit ihren Kindern von Siedlung zu Siedlung fuhren.

Einladung zum Kaffeemik

„Die Sommerzeit müsse man ausnutzen. Die Menschen sind fröhlich und ausgelassen und das Land bekommt Farbe – weiße, gelbe, pinkfarbene Blüten bedecken den Boden wie kostbare Teppiche“, freut sich das Inuitpaar Ajako und Nivi. Vergnügt schauen sie den Tanzpaaren vor dem Knud Rasmussen-Museum zu.

6.Eisbären-Design.jpg„Ein ehrenvolles Andenken an unseren großen Polar- und Grönlandforscher (1879-1933). Er liebte uns und das Land und machte unsere Insel draußen bekannt“, sagt Ajako und lädt spontan zum „Kaffeemik“ ein. Dabei erzählt er aus seinem bewegten Jägerleben: 74 Eisbären habe er erlegt, Wale und Ringelrobben – sie waren ideale Jagdbeute für alle Bedürfnisse des Lebens. „Heute haben sie keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Die jungen Leute lernen lieber in der Schule und wollen Jobs im Tourismus oder in der IT-Branche.“

Die Wiege der Eisberge

Endlich! Der Flug im Helikopter über den Kangia-Eisfjord. Es ist der Höhepunkt, lässt alles ringsum vergessen. Einer der Mythen Grönlands liegt in seiner ganzen Erhabenheit und kalten Schönheit unter uns – 11 Kilometer breit und über 40 lang. Seit 2004 ist die Wiege der Eisberge UNESCO-Weltnaturerbe. Die Jahrtausende alten Schneemassen werden von der 50 Kilometer entfernten Abbruchkante des Sermeq Kujalleq-Gletschers mit Urgewalt ständig hierher geschoben, um dann ihren Weg hinaus aufs Meer anzutreten. Die Größten davon, nahezu 1000 Meter dick, schaffen es bis zur amerikanischen Küste. Einer dieser „Nomaden“ erwischte die „Titanic“ vor gut 100 Jahren.

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„Der Gletscher bricht pro Tag soviel Eis ab, wie New York in einem Jahr verbraucht“, erklärt der Pilot und dreht gekonnt eine Extraschleife für die Fotografen: Auf riesigen Eisschollen tummeln sich Robben in aquamarinblauen Seen, die sich durch die wärmenden Sonnenstrahlen gebildet haben.

Der Blick auf die zerklüfteten Eisfelder des Fjords ist überwältigend und ähnelt an diesem Tag dem Paradies, das sich mancher Naturliebhaber von seiner Reise in arktische Gewässer erträumt hat. Hier begreift man auch das berühmte Zitat von Rasmussen: „Gebt mir Winter, gebt mir Hunde, dann könnt ihr den Rest behalten“.

Katharina Büttel

Service: Norwegian Cruise Line engagiert sich für den Schutz der Meere

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Norwegian Cruise Line ist eine international operierende Kreuzfahrtreederei mit Hauptsitz in Miami, Florida und zwei Niederlassungen für die europäischen Märkte in London und Wiesbaden. Seit nunmehr 47 Jahren hat sich Norwegian Cruise Line als Innovationsführer in der Kreuzfahrtindustrie etabliert. Die Reederei führte im Jahr 2000 Freestyle Cruising ein – eine zukunftsweisende Innovation auf dem Kreuzfahrtmarkt, die Passagieren ein Maximum an Individualität, Freiheit und Flexibilität an Bord ermöglicht. Unter dem Motto „Cruise like a Norwegian“ verbringen die Gäste einen entspannten Urlaub an Bord der derzeit dreizehn explizit auf Freestyle Cruising ausgerichteten Kreuzfahrt-Resorts der Reederei, die zu den modernsten Schiffen auf den Weltmeeren gehören.

Im August 2013 wurde Norwegian Cruise Line zum sechsten Mal in Folge mit dem begehrten World Travel Award als „Europe’s Leading Cruise Line“ ausgezeichnet und erhielt im September zudem die Ehrung als „Caribbean’s Leading Cruise Line“ sowie den Deutschen Kreuzfahrtpreis 2014 in der Kategorie „Bestes Unterhaltungsprogramm“. Außerdem freute sich die Reederei im November 2013 das zweite Jahr in Folge über den World Travel Award als „World’s Leading Large Ship Cruise Line“.

Im April 2013 wurde die Norwegian Breakaway an Norwegian Cruise Line übergeben. Das Freestyle Cruising Resort kreuzt seit Mai 2013 als bis dato größtes Schiff ganzjährig vom Kreuzfahrtterminal in Manhattan und bietet im Sommer Kreuzfahrten in Richtung Bermuda und im Winter in Richtung Florida und Bahamas sowie die südliche Karibik. Den Schiffsrumpf der Norwegian Breakaway schmückt ein Werk des in Berlin geborenen Pop-Art Künstlers Peter Max.

Das Schwesterschiff der Norwegian Breakaway, die Norwegian Getaway, ist seit Februar 2014 als größtes, ganzjährig ab Miami kreuzendes Schiff auf 7-Nächte-Kreuzfahrten in die östliche Karibik unterwegs. Darüber hinaus hat Norwegian Cruise Line die Meyer Werft mit dem Bau von zwei größeren „Breakaway Plus“-Schiffen beauftragt: Die Norwegian Escape soll im Herbst 2015 ausgeliefert werden und die Norwegian Bliss stößt im Frühjahr 2017 zur Flotte.

Durch die Förderung umweltbewussten leistet die Reederei einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Durch das Eco-Smart Cruising Programm konnten große Mengen Papier, Glas, Altmetall und Kunststoff recycelt werden. Außerdem hat man begonnen, auf den Schiffen der Breakaway-Klasse Abgasreinigungsanlagen zu installieren und lässt auf jedem Schiff einen ausgebildeten Umweltoffizier mitreisen.

 

Ukraine: Schwarzmeer und der Strom der Kosaken

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Für Entdeckungsreisen in die Ukraine empfiehlt sich eine Flusskreuzfahrt auf dem Dnjepr: von Odessa über die Krim bis Kiew, ohne Kofferpacken und Hotelwechsel.

Die Einstimmung auf das Außergewöhnliche beginnt in Odessa, der wichtigsten Hafenstadt der Ukraine. Am Fuße der legendären Freitreppe aus Eisensteins Film „Panzerkreuzer Potjomkin“ von 1925 liegt die „Lomonosov“ im silbrigglänzenden Wasser des Schwarzen Meeres. In zwölf Tagen fährt das Flussschiff über Stauseen, durch spektakuläre Kanäle und Schleusen zu prachtvollen Städten und mondänen Kurorten, vorbei an endlosen Uferwäldern durch ländliche Provinz. Welch eine Erlebnisfülle liegt dazwischen.

2.MS Lomonosov.jpgAm liebsten möchte man sofort die 192 Stufen hinauflaufen zum Primorski Boulevard, der Prunkmeile Odessas, wo von einem Granitsockel herab der ehemalige Statthalter Richelieu grüßt. Erst aber werden die Kabinen bezogen.

“Odessa war eine Stadt der Wissenschaften und Kultur, ein Eldorado für Schriftsteller“, erzählt Reiseleiterin Svetlana am nächsten Morgen mit Witz und Esprit in gutem Deutsch. „Puschkin, Gogol, Gorki arbeiteten hier; Leo Tolstoi schrieb sein Epos „Krieg und Frieden“, David Oistrach musizierte am Konservatorium. Heute fühlen sich Musiker, Sänger und Dirigenten von Weltrang geehrt, hier arbeiten zu dürfen“. Stolz führt sie durch die von hohen Akazien gesäumte Puschkinstraße in die mit opulenten Skulpturen geschmückte, historische Einkaufspassage „Passash“. Kurz darauf stehen wir vor der wunderschön restaurierten Oper. Sie verführt geradezu zu einem Besuch am Abend – kein Problem, Karten sind schnell besorgt.

Sveta drängt – es gibt so viel zu zeigen. Den großen Markt zum Beispiel. 1.Katharina-Platz.jpgDer wuchert und frisst sich durch ein weitläufiges Stadtviertel hinter dem prunkvollen Jugendstilbahnhof. „Markt ist für Einheimische Schlaraffenland. Der junge Geldadel findet und bekommt hier alles. In den eleganten Boutiquen jedoch – das Durchschnittseinkommen der Ukrainer liegt bei 600 Euro! – kaufen westliche Touristen und Neureiche aus Moskau“, sagt sie und warnt: „Kaviar kauft man nicht von Straßenhändlern. Was kann passieren: aufmachen, gucken, was ist drin – Schuhcreme!“

In den Parks tanzen und singen Einheimische voller Lebensfreude. Kastanien- und Lindenalleen, belebte Plätze, klassizistische Fassaden in Cremegelb, Zartgrün und Altrosa verleihen der Stadt etwas Leichtes, Flirrendes, Mediterranes. Selbst als der Himmel einbricht über Odessa, schwindet der Zauber nicht. Sveta will weiter: Die Kathedrale aus weißem Marmor ist ein Muss und die Wohnhäuser aus der Chruschtschow-Ära ohne Fahrstühle. „Seht, deswegen sehe ich nicht so schlecht aus…“. Sie lacht und schlängelt ihre Gruppe an Hochzeitspaaren, Straßenbahnen und erstaunlich vielen Stretchlimousinen vorbei zum Standbild der Zarin Katharina II. Sie gründete die Stadt und mit dem Bau eines neuen Hafens 1792 brachte sie den Handel mit den Mittelmeerländern in Schwung.

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Alle Wege führen nach Rom, in Odessa führen alle Platanen zum Hafen. Im Abendlicht schiebt sich die „Lomonosov“ sanft und leise vom Kai ins Schwarze Meer. Während die Hafenlichter immer kleiner werden, genießen die Passagiere ihr erstes Dinner an Bord. Köstliches aus aller Welt kreiert Chefkoch Matthias aus Weimar, Lena aus Kiew zaubert ukrainische Spezialitäten wie „Chicken Kiew“ oder roten und grünen Borschtsch.

Das 1979 in der DDR gebaute und ganz neu umgebaute Schiff bietet den Gästen durchweg Komfort und Ambiente auf 5-Sterne-Niveau. Deluxe- und Standardkabinen liegen außen, sind bis zu 19 Quadratmeter groß und haben Fenster zum Öffnen.

20.Schwarzmeer-Chor.jpgErster Landgang ist in Sewastopol, der „Heldenstadt“ auf der Krim. Am Denkmal für Gefallene des Zweiten Weltkriegs marschieren Schüler und Schülerinnen im Stechschritt. Die Deutschen legten die Stadt in Schutt und Asche, Stalin ließ sie nach Kriegsende großzügig wieder aufbauen. In durchaus vorzeigbarem russischen Klassizismus, mit weißen Säulen und viel Grün dazwischen. Bis 1992 war Sewastopol eine „verbotene“ Stadt, die nur mit Genehmigung zu betreten war. Unter dem von Kanälen durchzogenen Berg in der Balaklava-Bucht wurden in Docks U-Boote hochgeheim gewartet und in riesigen Felshallen atomare Sprengköpfe montiert. Heute liegen dort lediglich Kriegsschiffe der einst stolzen Schwarzmeerflotte.

Jalta – Spielplatz der reichen „Neuen Ukrainer“ – lebt in mediterranem 26a.Kosakenreiter.jpgKlima und Blütenpracht. Villen und Adelspaläste ziehen sich an den Hängen hin, die palmenbestandene Promenade bietet viel Kitsch, aber auch prestigeträchtige Boutiquen und palastartige Sanatorien für verdiente Arbeiter. Im Weißen Palast von Livadija, dem einstigen Sommerpalast der Zaren, ordneten am berühmten ‚Runden Tisch‘ Stalin, Churchill und Roosevelt die Nachkriegswelt neu. Heute drängen sich Scharen von Touristen durch die Prachtsäle und Parkanlagen.

Die fast echten Kosaken auf der sagenumwobenen Insel Choritsa am Unterlauf des Dnjepr bemühen sich, vor Touristen mit waghalsigen Reitkünsten, Lanzen und scharfen Klingen, ihrem Mythos von Freiheit, Abenteuer und Abstinenz von Frauen gerecht zu werden. Als sie Ende des 17. Jahrhunderts hier ihr Kosakenlager gründeten, waren Frauen in ihren Dörfern verboten; selbst Zarin Katharina durfte die Insel nicht betreten. Man vergnügte sich lieber mit Bier und der ukrainischen Volksmedizin Wodka.

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Ein Tag an Bord der „Lomonosov“: Gemächlich fließt der Dnjepr, die Sonne brennt, der Wind kühlt. Im Liegestuhl auf dem Sonnendeck meditieren mit Krimsekt im Glas und netten Menschen um einen herum. Herrlich. Das Schiff bietet den Luxus und die Bequemlichkeit eines ganz Großen, ist aber klein, fein und familiär. Ein Extra-Toast auf die Service-Crew aus der Ukraine: sie lässt keinen Wunsch unerfüllt.

Das Schiff gleitet durch ein stilles Land, das mit Natur nur so protzen kann. Der Fluss, an manchen Stellen bis zu 40 Kilometer breit, teilt die Ukraine in zwei Hälften: das rechtsufrige Steppenland gehörte bis ins 18. Jahrhundert zu Polen-Litauen, auf der anderen Seite genossen die Kosaken ein Jahrhundert lang Autonomie innerhalb Russlands.

Die Hauptstadt Kiew grüßt die Schiffsgäste von weitem aus dichtem Grün mit der Silberstatue „Mutter Heimat“. Die goldenen Kuppeln der Sophienkathedrale, „Hagia Sophia“ genannt, überstrahlen die prachtvolle Stadt. In Erinnerung bleibt sie als pulsierende, großzügig angelegte, überaus grüne Metropole, die der Dnjepr in Nord-Süd-Fließrichtung teilt.

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Auf der linken Uferseite schrauben sich die Neubauten von „Klein-Manhattan“ in den Himmel, rechtsufrig pulsiert die Altstadt Podil mit Künstlercafés, Literatenkneipen und hippen Lädchen. In der Oberstadt ist man als Besucher überwältigt von den goldglänzenden Kirchen- und Klosterkomplexen in Pastelltönen, den reich dekorierten Häusern im klassizistischen Gewand mit schmiedeeisernen Portalen und Arkaden. Auf dem 16 Kilometer langen Prospekt des Sieges, der von Häusern im Zuckerbäckerstil gesäumt ist, glaubt man sich auf den Champs Elysées. Sind es jene langbeinigen, hüftrollenden Wesen auf Highheels, die so selbstbewusst über das Pflaster stöckeln?

Text und Fotos Katharina Büttel

 

Karibik: Zwischen Korallen, Reggae und Natur

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Mit der Norwegian Epic in die Karibik

Es riecht nach Salz. Weniger nach Fisch oder Meer, einfach nur nach Salz. Der Himmel ist blau mit nur einigen kleinen Wölkchen behangen und liegt wie ein subtropisches Tuch über mir. Das Wasser unter mir zeigt gar keine Farbe. Es schäumt. Sonntag um 16 Uhr legt der Ozeanriese Norwegian Epic von der Pier in Miami ab. Die meisten Leute, die uns zuwinken, tun dies von den anderen Megaschiffen aus, die ebenfalls in diesem Moment in See stechen. Unser Signalhorn blökt noch um einiges lauter, als das der anderen. Die Skyline von Miami, die Hochhäuser und die Brücke, zoomen sich langsam weg und lösen sich in Nichts auf.

Kapitän Trygve Vorren hat das Schiff gegen die offene See gedreht. Wir, groß und weiß nehmen die Fahrt in die westliche Karibik auf. In den Mayastätten Chacchoben, Costa Mexiko und Honduras werden wir an Land gehen. Dort wo die weißen und pudrigen Strände Lagunen säumen und Legenden und Ruinen die Landschaft mit einem Geheimnis aufladen.

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Norwegian Epic heißt das Schiff. Seit seiner Taufe ist es in amerikanischen Gewässern unterwegs. Das Herzstück des Schiffes ist das Pool Deck 15. An der Bar sieht man amerikanische Mittelschichtsurlauber, die sich vor dem hellen Himmel gegenseitig fotografieren. Ein Deck höher steht Linda mit ihrem Mann Gerry. Sie ist Immobilienmaklerin aus Michigan. Ihr Mann arbeitet bei der Bank. Beide halten einen Cocktailbecher in der Hand. „Die sieben Tage hier, das ist unser Jahresurlaub. Wir arbeiten hart. Wir brauchen Entspannung.“

Zum Entspannen gehe ich dann doch lieber in meine Kabine. Ich blicke vom Balkon aufs Meer. Das hat etwas ungemein Beruhigendes. Es scheint als lächele die ganze Welt einen an. Nach einer Stunde mache ich mich auf den Weg in die Lounge, zu anderen Alleinreisenden. Robert sitzt an der Bar und nippt an seinem Cocktail. Er hat ein kleines Studio gebucht, geräumig und stilvoll eingerichtet, mit Fenster zum Gang. „Ist vom Flur nicht einsehbar“, sagt Robert. Ohne Fenster und Balkon, das wäre für mich die Hölle. Ich möchte das Meer sehen und riechen.

Wir beide werden in sieben Tagen gemeinsam mit fast 4000 Passagieren 1607 Seemeilen zurücklegen. Wir werden sieben Tage auf einem 329 Meter langen und 40 Meter breiten Gefährt gefangen sein. Sieben Tage das Gleiche: Den gleichen Sonnenaufgang, den gleichen Sonnenuntergang, Frühstück vom Buffet, Sport im Fitnessstudio mit Blick auf das Meer, Mittag vom Buffet. Wir werden die gleiche Hitze ertragen und die gleiche Aufzugsmusik im Fahrstuhl hören.

Abends sehe ich Robert wieder. Robert tanzt im Zweiviertel-Takt zur Disco-Musik. Ich sehe nur noch blasslila Hosenanzüge, luftige bunte Sommerkleider und weiße Freizeitschuhe. Und ich sehe Michael Jackson. Das Double singt Lieder aus den 80ger Jahren. Viele, der Gäste kommen aus einem Amerika, das die Welt nicht so gut kennt: Indiana, Tennessee, Wyoming.

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Ein paar Europäer findet man auch. Sogar aus Deutschland, aus Hamburg. Andreas und Kerstin haben diese sieben Tage Urlaub gebucht, um die Freiheit zu genießen, an Land zu gehen und durch fremde Länder zu stöbern. In der Handtasche befindet sich nur das Nötigste für unterwegs. Sie wollen Maya Städte besuchen. Sie informierten sich in Reisebüchern über Yucatán, wo die Maya vor eineinhalbtausend Jahren die Paläste und Tempel ihrer Stadtstaaten in den dampfenden Regenwald bauten, oder an Buchten wie in Tulum Terrassenfelder und schwimmende Gärten anlegten, ihre Welt mit sprechenden Bildern aus den rund 800 Glyphen ihrer Schriftsprache schmückten und den Mondmonat auf 23 Sekunden genau berechneten. Eine Hochkultur, deren rasanter Untergang bis heute rätselhaft ist.

Alle Schiffe halten in Costa Maya in Mexiko. Eine halbe Stunde Busfahrt und dann ist man mitten im Dschungel zwischen Maya-Pyramiden und Tempeln in Chacchoben. Wer hofft, jetzt mit den Geheimnissen der Maya allein zu sein, der wird enttäuscht. Obwohl noch nicht vom Massentourismus überlaufen, etliche sonnenverbrannte Touristen sind bereits da und klettern zwischen den Ruinen, die zum Teil noch vom Regenwald überwuchert sind. In San Miguel, der Hauptstadt der Insel Cozumel, befinden sich im Regionalmuseum Ausgrabungsstücke der Maya-Kultur. Auch wer sich zuvor in die Welt der Maya vertieft hat, wird während dieser Stippvisite die Rätsel der geheimnisvollen Hochkultur nicht verstehen. Aber immerhin, Maya Kultur für Anfänger.

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Robert entscheidet sich für den Naturpark und besucht die verschmusten Delfine. Samantha ist ein achtjähriges Delfinweibchen. Zusammen mit einem Dutzend ihrer Artgenossen lebt sie in der Lagune Colombia im Naturpark Faro Celarain. Die Touristen, die sie besuchen, stehen bis zum Bauch im glasklaren Wasser der Karibik und dürfen unter Leitung eines Trainers die handzahmen Tiere streicheln.

Die Einheimischen offerieren den Epic-Leuten am Kai, sich mit einem grünen Leguan fotografieren zu lassen. Ein schöner Tagesabschluss, findet ein Pärchen. In den folgenden Seetagen an Bord lerne ich, was „Rollen“ und „Stampfen“ bei schwerer See bedeutet. Ich habe festgestellt, dass das Meer nicht immer ein und dasselbe Meer ist. Das Wasser verändert sich. Mal ist es trübe, lichtlos und wirkt bedrohlich. Mal leuchtet der See hell aquamarin, mal tiefblau oder fast violett.

Nach zwei Seetagen hat man genug vom prallgefüllten Veranstaltungskalender mit all seinen Spiel-und Spaßaktivitäten, Bordfesten, Discos und Bühnenshows. Die verbreiten zwar eine Menge Partylaune, kitzeln das Adrenalin und machen müde Knochen munter. Ich möchte wieder festen Boden unter den Füssen spüren und freue mich schon auf den Morgen im Hafen, auf Honduras mit dichten Regenwäldern und unberührten Riffs.

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Während aus dem Nabel des Schiffs der Anker an seiner Kette in die Tiefe rattert, strömen die ersten Gäste nach draußen. Die Epic-Leute suchen sich zu zweit, zu viert oder in kleinen Gruppen ihren Weg über die Gangway in die Hafenstadt.

Die See vor der Insel Honduras ist hellblau, so dass man den weißen Meeresgrund sehen kann. Glasklares Wasser sagen die Leute dazu. Noch immer ist die Karibik fast geruchlos. Der Strand ist pudrig, fast weiß. In einiger Entfernung beginnen violette, wolkenartige Korallenformationen. Hinter den Korallen wird das Wasser in kartographisch – präzisen Stufen immer dunkler. Statt Piratenschiffe kreuzen Glasbodenboote vor den Korallenbänken vor Honduras. Schwerfällig teilen sie das Wasser, denn sie sind entsetzlich überladen mit Kreuzfahrern, die sich diese Exkursion nicht entgehen lassen wollten.

Im lagunenflachen Wasser erlernt eine Gruppe das Schnorcheln. Gut 50 Leute treiben reglos auf den Wellen. Das Ganze wirkt wie das Resultat einer Schiffskatastrophe.

Am späten Nachmittag gehen wir wieder auf das heimatlich anmutende Schiff zurück. Hier trifft man auf Bekannte, die vorgestern noch Unbekannte waren. Ich begrüsse den Kabinensteward, dessen asiatisches Gesicht mir vertraut geworden ist. Der Geruch der Kabine, das frisch aufgeschlagene Bett ist eine kleine Welt für sich geworden.

Heidrun Lange

FIAT schwimmt auf Kreuzfahrtschiff zu

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Der Empfang war einer echten Diva würdig: Eine Flotte schwimmender FIAT 500 geleitete die MSC Divina nach ihrer 18-tägigen Atlantiküberquerung am 19. November 2013 mit einer spektakulären Show in den Hafen von Miami. Von hier aus werden nun ganzjährig Kreuzfahrten durch die Karibik angeboten. Schon vom Abfahrtshafen Venedig an war als Reminiszenz an die Heimat des Kreuzfahrtunternehmens ein metallic-roter Cinquecento mit an Bord.

Französisch-Polynesien: Die Aranui 3 steuert Bora Bora an

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Bora Bora – alleine der Name dieses Atolls in Französisch-Polynesien weckt Sehnsucht nach der Südsee. Die Aranui 3, eine Kombination aus Fracht- und Kreuzfahrtschiff,  legt 2014 auch zweimal in Bora- Bora an. Kurz vor Ostern und an Weihnachten, geht das normalerweise im Linienverkehr zwischen Tahiti und den Marquesa- Inseln verkehrende Schiff in der Lagune von Bora-Bora vor Anker. Die Kreuzfahrtgäste werden einen ganzen Tag lang Zeit haben, die Südseeidylle der berühmten polynesischen Trauminsel kennenzulernen.

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Aranui Cruises bietet auf der Aranui 3 ein ganz besonderes Kreuzfahrterlebnis zu den Marquesa-Inseln in Französisch-Polynesien.

Bora BoraDas Schiff versorgt die Inselgruppe der Marquesas mit allen Gütern, die zum Leben auf diesen abgelegenen Südseeinseln notwendig sind. Ausgangspunkt der Reise ist Papeete, die Hauptstadt von Tahiti.

British Virgin Islands: Weiße Segel unter der Karibiksonne

Mit dem „Star Clipper“ durch die schillernden Wasser der British Virgin Islands

Von der Hängematte vor „Foxy’s Bar“ schweift der Blick über Bucht und Meer. Leise rollen die Wellen heran, überspülen den elfenbeinpudrigen Strand, Palmenwedel wiegen sich träge im Wind. Eine Frau streift barfuss über den Saum der weitgefächerten Brandung. Ihre Fußabdrücke füllen sich mit Wasser, Augenblicke später hat das Meer alle Spuren verwischt. Warm der Wind, warm die Wellen, warm der Sand: Süßes Nichtstun unter Palmen, Rum Punch unter Zunge und Gaumen, so frisch, so kühl, so fruchtig. Angehaltener Traum. Don’t move – das hört man oft in der karibischen See.

Foto: Katharina Büttel

Ortsbestimmung: Fliederfarbene Häuschen mit weißen Dächern und rosa Türen im Grün der White Bay. Kennen Sie nicht? Auf dem winzigen Eiland Jost van Dyke. Kennen Sie nicht? Auf den Britischen Jungferninseln, (BVI). Kannte ich bis dato auch nicht. Kleine Antillen, Inseln über dem Wind östlich von Puerto Rico, wo das Karibische Meer und der Atlantik zusammenschwappen. Die Einwohner, so an die 18000, schwarzer Hautfarbe zumeist und Nachfahren afrikanischer Sklaven. Neben der britischen Kronkolonie gibt es noch die benachbarten US Virgin Islands. Ganz anderes Feeling meinen alle, die mal dort waren. Viel mehr Leute, vielmehr Rummel, amerikanisch eben.

Foto: Katharina Büttel

Sint Maarten, eine Insel, zwei Länder. Der Norden gehört zu Frankreich, der Süden zu Holland. Im Yachthafen vom Hauptort Philipsburg wartet die weiße Viermast-Bark „Star Clipper“, 115 Meter lang, 15 Meter breit. Für Kapitän Loretto Mancino und seine Crew heißt es am Abend: Sail away, Leinen los! Es erklingt der Soundtrack aus dem Kolumbus-Film „1492: Conquest of Paradise“. Welch ein Spektakel! In wenigen Minuten takelt sich der Großsegler fast selbsttätig auf, dank starker Hydraulik. Keiner muss mehr in die Wanten steigen und auf die Rahen klettern. Wind frischt auf, Wellen klingen. Winden knarzen, Seile quietschen, Segeltuch flattert, grummelt und bollert wie ein aufziehendes Gewitter. Hinreißend romantisch!

Die British Virgin Islands, aus Vulkanen geboren, sind ein Traum zum Segeln: Stetige Passatwinde und türkisfarbenes Wasser. Wilde Felsenberge und sattgrüne Macchia von weißen Stränden umschlungen. Unberührte Natur, Kulturschätze kaum.

Am nächsten Mittag: Ankern vor Anguilla in der Road Bay. Schon wieder ein anderes Land, jetzt die Engländer. Wie ein Aal schlängelt und räkelt sich die flache, schmale Insel im Meer, 25 Kilometer lang, fünf breit. Mit eleganten Resorts und ausgezeichnetem Golfplatz. Der klapprige Inselbus bringt uns zu dem allerschönsten Traumstrand der gesamten Karibik: An der Shoal Bay kräuseln sich smaragdfarben die Wellen auf strahlendweißem Korallensand, Strand und Meer soweit das Auge reicht. Wenige Touristen nur, keine Casinos, nette Beachbars, bunte Fische und am Strand spielt eine Reggae-Band – was will man mehr.

Auf dem Weg nach Virgin Gorda, der „Dicken Jungfrau“, passieren wir den engen Francis Drake Channel und sehen bald einen wirklich schnuckeligen Hafen, Marina Bay. Kaum mehr als ein pastellbunter Würfelhäuserhaufen mit einer Puppenstubentankstelle für Eis und Benzin. Und dem Bitter End Yacht Club, feinste Segleradresse im Inselreich, und der Sunset Bar, wo zum Tagesausklang so richtig die Post abgeht. Hier werden die BVI’s sehr amerikanisch.

Wir genießen lieber das beschauliche Bordleben. Die Gäste auf dem Star Clipper sind Foto: Katharina Bütteleine interessante Melange aus Amerikanern, Briten, Franzosen, Deutschen, Italienern und Russen. Jeden Abend treffen sich alle im kleinen, feinen Restaurant zum exquisiten Dinner. Danach gesellt man sich zum Pianospieler oder trifft sich auf einen Drink an der Tropical Bar auf dem Hauptdeck, alles schick in Teak und Messing. Es ist eine Nacht, in der man nicht schlafen gehen will. Satt leuchten die Sterne am Himmel, an Land funkeln die Lichter die Hänge hinauf.

Weiter geht die Fahrt frühmorgens unter vollem Tuch – das sind 3365 Quadratmeter voll Wind! Und wie er segelt, der Windjammer, gebläht, selbst bei mäßiger Brise! Jederzeit – Prinzip der Reederei – können die Passagiere den Seeleuten bei ihrer Segelkunst zuschauen, selbst auch mit Hand anlegen. Ziel ist Norman Island im scheinbar undurchdringlichen Gewirr der vielen Jungferninselchen. Das bot einst Seeräubern ideale Verstecke. Hier muss wohl R. L. Stevenson den Schauplatz seiner berühmten „Schatzinsel“ gefunden und sie wohl auch dort geschrieben haben.

Foto: Katharina Büttel

Von Norman Island ist es zur Hauptinsel Tortula nicht weit. Man ankert auf Reede. Tenderboote bringen die Gäste an den Zuckerstrand. Längst hat das Sportteam im Schatten einer Palme Kajaks, Wasserski und das Bananenboot ausgebreitet. Von hier führen alle Wege nach Road Town. Es ist kein altes, eher ein konstruiertes Dorf im bunten Karibikstil, wo Banken und Firmen aus aller Welt Briefkästen angenagelt haben – in die niemals Steuerbescheide eingeworfen werden! Im kleinen Hafen wiegen sich die Yachten, deren Eigner zur Happy Hour die In-Kneipe „Pusser’s“ bevölkern, Einheimische sieht man kaum. Wer bummeln will, schlendert durch die Main Street. Bei „Sunny Caribee“ gibt es einheimische Gewürze, im „Pusser’s Company Store & Pub“ den besten Rum.

„Pina Colada oder Rum Punch?“, fragt die Schaffnerin an Bord der Scenic Railway auf der Insel St. Kitts. Wir sitzen auf dem offenen Oberdeck der farbig angestrichenen Eisenbahn und genießen eine der schönsten Bahnstrecken der Welt. Bei leiser Musik und Insel-Historie fährt sie rund um’s Eiland. Es geht durch Zuckerrohrfelder, vorbei an Windmühlen, die Küste entlang, hinauf in den Regenwald, den Vulkan Mount Liamuiga im Blick und die Schwesterinsel Nevis. Weiter über Stahlbrücken, die sich über tiefe Canyons spannen, hinab in die kleinen Örtchen, etwa St. Paul’s, und nach gut drei Stunden wieder zurück in den Hauptort Basseterre. Auf dem Inselduo geht es noch gelassener zu, als in der Karibik eh schon üblich. Mit Affenzahn geht hier gar nichts. Aber Affen gibt es auf St. Kitts mehr als genug. Mittags ist Affenhitze und Affenzeit! So kann es passieren, dass eine Grüne Meerkatze oder ihr ganzer Trupp anrückt, auf die Waggons springt und saufen will – gern auch mal Rum Punch.

Das Meer ist friedlich, der weiße Segler lichtet die Anker und gleitet lautlos ins Abendrot hinein. Die Antilleninsel St. Barthélemy ist Frankreichs glamouröser Außenposten, das karibische St. Tropez. Angenehmes, Teures, angenehm Teures kommen hier zusammen: Die oberen Zehntausend geben sich ein Stelldichein, Royals und halb Hollywood machen hier Ferien. Im Hafen von Gustavia liegen die Millionärsyachten dicht an dicht; in den Restaurants stehen die Köche aus Paris hinter dem Ofen. Showtime und Starreigen ist fast immer. Sehen und gesehen werden, das ist hier wichtig! Beim Sundowner im In-Treff „Carré d’Or“ oder im „Le Select“, dem ältesten Lokal der Insel. Oder natürlich beim Shopping in den unzähligen Nobelboutiquen, wo Kreditkarten schmelzen wie Butter unter der Sonne. Aber auf St. Barth sei man diskret, sehr diskret und verkrümele sich eher an die 22 Traumstrände, versteckt und verschwiegen, bitte sehr! In St. Jean ist „Nikki Beach Bar“ die prominente und originelle Adresse für das St. Barth-Feeling und den Kult-Cocktail „Hibiscus“ – gemixt aus Rum, Baileys, Kokos und Grapefruit: Karibik in Flüssigform.

Text und Fotos Katharina Büttel

 

Grönland:Kreuzfahrt ins Land der Eisberge

Eisberge Grönland

Auf dem Weg nach Grönland muss auch der moderne Kreuzfahrer einigen Herausforderungen widerstehen, sei es einem übervollen Buffet auf dem Schiff oder einem Orkan im rauen Nordmeer. Am Ende aber warten Grönlands Eisberge, die Kathedralen des Meeres, auf die Schiffsurlauber.

Frau Uhrmacher steht als erste am Buffet. Die grauhaarige Dame in den Sechzigern hat ihren Teller gut gefüllt. Kein Wunder: Der Küchenchef auf der MS Ocean Nova kommt aus Österreich, und er macht dem ausgezeichneten Ruf seiner Landesküche alle Ehre.

Nach eineinhalb Tagen bei Windstärke 12 sind die Mägen geleert und die Passagiere ausgehungert. Doch seit das Schiff an der westgrönländischen Küste entlangfährt scheint die Sonne. Keiner der 74 Passagiere denkt mehr an den zurückliegenden Tag, als sich das 73 Meter lange Schiff durch die Dänemark Straße quälte. Als es ächzend gegen die Wellen ankämpfte, die hoch über dem Deck zusammenschlugen.

Erik der Rote und Edvard Grieg

Fast drei Wochen ist die MS Ocean Nova auf den Spuren von Erik dem Roten von Kopenhagen in Richtung Grönland unterwegs. Das jedenfalls verspricht der Katalog des Veranstalters Lernidee Reisen. Doch so ganz stimmt das nicht. Denn tatsächlich war Erik nie in Kopenhagen. Er lebte ungefähr um das Jahr 950 in Norwegen. Von dort musste seine Familie nach Island fliehen, weil sein Vater in seiner Heimat einen Mord begangen hatte. Der Jähzorn lag offenbar in der Familie, denn auch Erik erschlug einen Mann und wurde nach Grönland verbannt. Eisberg vor grönl. Südküste

Obwohl die MS Ocean Nova zu Beginn der Reise weit abseits der historischen Route fährt, werden sich die Passagiere gern an die ersten Tage an Bord zurückerinnern – vor allem an das ruhige Meer. Die Sonne strahlt, als die MS Ocean Nova in Bergen – der angeblich regenreichsten Stadt Europas – vor Anker geht.

Die Hansestadt Bergen, bekannt wegen des Kaufmannviertels Bryggen,  ist eine Stadt der Musik. Einmal im Jahr findet ein großes Musikfestival statt und von hier stammte auch Edvard Grieg, Norwegens bekanntester Komponist. Auch deswegen führt der Landgang nach Troldhaugen, dorthin wo der Meister von 1885 bis zu seinem Tod im Jahre 1907 wohnte und arbeitete.

Die Reisenden haben noch die Griegs Peer-Gynt Suite im Ohr, als das  Schiff hinaus ins Nordmeer aufbricht. Die Färöer sind sein Ziel. Als die MS Ocean Nova im Hafen von Thorshavn einläuft, begrüßen die Inseln die Passagiere mit Sonnenschein, nur um von da an im schnellen Wechsel Regen, Schneeregen und  Hagel zu bieten – alles, was das Wetter in seinem Spektrum vorsieht, ein Jahr im Schnelldurchlauf. Wolkenfetzen ziehen um die steilen Berge, die Sonne kämpft gegen sie an, behält für kurze Zeit die Oberhand und taucht die Hänge in mildes Licht.

Später in Island ist der Aufenthalt nur kurz – aber doch lange genug für eine Bustour zu drei Sehenswürdigkeiten die stellvertretend für das stehen, was Island bekannt gemacht hat: Thingvellir, Geysir und Gullfoss – also die Wiege der Demokratie, Geysire und mächtige Wasserfälle. Auch den inzwischen weltberühmten Eyjafjallajökull sehen wir, allerdings nur in der Ferne und in friedlicher Ruhe.Island, Gullfoss

Ins Zauberland der Eisberge

Und dann geht es hinüber nach Grönland durch die berüchtigte Dänemarkstraße. Sturm und schlechtes Wetter sind in der Meerenge zwischen Island und Grönland normal. Aber einen Orkan hat selbst Kapitän Niels Kallesen hier noch nie erlebt. Und der alte Haudegen, der sein Schiff mit kurzärmligem Oberhemd und in Lederpantoffeln kommandiert, hat schon einige Abenteuer durchgestanden. Seine Reederei hat ihn für ein paar Wochen aus dem Ruhestand zurückholt.

Die MS Ocean Nova hat aber schon kniffligere Situationen gemeistert. Im Februar 2009 wurde über sie in der Tagesschau berichtet –  sie war in der  Antarktis in der Nähe eines Gletschers auf Grund gelaufen. Die Gäste an Borde blieben zwar unverletzt, doch der Urlaub war für sie zu Ende. Sie mussten auf ein anderes Schiff evakuiert werden. MS Ocean Nova

Der Kapitän hatte es den Passagieren versprochen und der Wettergott hat Wort gehalten. „Sobald wir das Kap Farvel umrundet haben, scheint die  Sonne“, hatte Kallesen angekündigt. Und tatsächlich: Nur wenige Seemeilen nachdem das Schiff den südlichsten Punkt Grönlands umrundet hat, legt sich der Orkan.

Und dann tauchen ganz weit „backbord voraus“ – die ersten Eisberge auf.  Zwei schwimmende Kathedralen, die je nach Sonneneinstrahlung ihre Farbe verändern. Blau, weiß, grün und dann wieder blau. Unwirklich sehen sie aus, wie Gäste aus einer anderen Welt.

Gegrillter Lachs vor Gletscherzunge

Auf der Fahrt nach Norden steigen wir immer wieder in die Zodiacs. Die Beiboote bringen uns zu Ausflügen an Land. Etwa zur alten Kryolith Mine von Ivitut. Sie ist seit 1987 verweist und erinnert als Geisterstadt an bessere Zeiten. Wenn aber ein Kreuzfahrtschiff anlegt, fährt jemand aus dem fünf Kilometer entfernten Ort Kangilinnguit über den Berg und öffnet für die Passagiere das Museum. Man ist stolz  auf die Vergangenheit. Der Ort wirkt so, als hätte man ihn erst vor kurzem fluchtartig verlassen. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Mine liegen noch die Lohnabrechnungen auf dem Tisch. In einem der Häuser steht eine Bierflasche auf dem Tisch, so als wäre derjenige der sie geleert hat, nur eben mal kurz vor die Tür gegangen.

Kurz vor Ende der Reise legt das Schiff in der Hauptstadt Nuuk an. Schön ist die 15.000 Einwohner Hauptstadt Grönlands wahrlich nicht. Moderne Zweckbauten bestimmen das Bild. Nur am alten Hafen stehen noch ein paar der alten roten und gelben Holzhäuser, die so typisch sind für die Dörfer und Städte in Grönland. Dort liegt auch das Nationalmuseum. Absolut sehenswert sind dort die Eismumien von Qilakitsoq. Unter einem Steinhügel wurden in der westgrönländischen Gemeinde acht unglaublich gut erhaltene und mit Robbenfellen bekleidete Mumien gefunden. Ihr Todesdatum schätzt man ungefähr auf das Jahr 1475. Bei der Mumie eines vier Monate alten Babys, schaut jeder Besucher instinktiv zweimal hin. Das mumifizierte Kind sieht so aus als würde es nur schlafen. Als müsste es gleich aufwachen und nach seiner Mutter schreien. Vermutlich aber wurde das Baby lebend neben seiner toten Mutter begraben. Das war damals durchaus üblich. Ohne Eltern hatte ein Kleinkind keine Überlebenschance. Und in einer Natur, die kaum genug für das eigene Überleben hergab, wurden elternlose Kinder nur selten von Fremden adoptiert. Nuuk Nationalmuseum, Eismumie

Wer sich nach dem Museumsbesuch noch ein paar Wünsche erfüllen lassen will, wirft in den riesigen roten Briefkasten unten am Hafen einen Brief an den Weihnachtsmann ein. Einer meiner Wünsche geht gleich bei der Ausfahrt aus dem Nuukfjord in Erfüllung. Zwei Wale begleiten minutenlang unser Schiff, bevor sie sich dann mit einem wuchtigen Schlag der Schwanzflosse in die Tiefe verabschieden.

Noch beeindruckender ist der Evighedsfjord in den die MS Ocean Nova als nächstes einfährt. Direkt aus dem Meer ragen einige der höchsten Berge Grönlands, teilweise über 2000 Meter hoch, in den strahlend blauen Himmel. Am Ende des Fjords kalbt ein Gletscher ins Meer. Dort lässt der Kapitän auf Deck das Abschiedsessen auftragen. Gegrillten Lachs, zubereitet von dem jungen, österreichischen Koch. Trotz des Sonnenscheins zieht es kühl herüber vom Eis des Gletschers. Doch davon lässt ich Kapitän Kallesen nicht abschrecken. Wie immer trägt er seine offenen Lederslipper und das kurzärmlige Hemd. Frau Uhrmacher hat sich das Teller vollgepackt und balanciert zurück zu ihrem Stuhl. Sie setzt sich, stellt sich das Teller auf den Schoß und schneidet sich ein großes Stück von dem gegrillten Lachs ab.

Rasso Knoller

Eisberg vor der grönländischen Südküste

 

Indien: Backwaters in Kerala

Eine Fahrt mit dem Hausboot durch die Backwaters, einem faszinierendes Labyrinth aus Kanälen, Flüssen und Seen,  gehört zu den Highlights einer Keralareise.

Käpt´n Babu hat den Schirm aufgespannt. Obwohl der Tag noch jung ist, strahlt die Sonne unerbittlich von einem wolkenlosen Himmel. Babu sitzt am Bug und steuert sein Schiff mit fester Hand über das ruhige Wasser. „Aqua Land“ – Wasserland steht in weißen Buchstaben am Bug der rattangedeckten Reisbarke. Ein ungewöhlicher Name für ein Hausboot, finden wir. Jedoch treffend für die Backwaters, jene einzigartige Landschaft, die sich 75 Kilometer lang zwischen den Küstenstädten Kochi und Kollam erstreckt, bestätigt unsere Reiseleiterin Anuja.

An Bord ist es still. Größer könnte der Kontrast zum lärmenden, quirligen Kerala nicht sein, das wir noch vor wenigen Stunden erlebten. Entspannt sitzen wir auf dem Vordeck und lassen die wunderbare Landschaft an uns vorüberziehen. Am Ufer recken sich dicht gedrängt Palmen in die Höhe oder neigen sich auf schlankem Stamm ins Wasser. Im grüngelben Dickicht versteckt gleiten kleine Häuser und Kirchen vorbei. Junge Frauen in leuchtend bunten Saris stehen am Ufer bis in die Hüften im Wasser und schlagen ihre Wäsche auf den Stein. Sie lächeln und winken, wir winken zurück. Fischer in winzigen Einbaukanus werfen ihre Netze aus.

Das Thermometer zeigt inzwischen 38 Grad, die Luftfeuchtigkeit beträgt 77 Prozent – aber der leichte Fahrtwind sorgt für angenehme Kühle. Und Bootsmann Vinod serviert frische Kokosmilch. Mit Koch Vijo sorgt er für das leibliche Wohl und die Bequemlichkeit von uns vier Damen an Bord. Ja, die ein- oder mehrtätige Fahrt mit dem Hausboot ist komfortabel, denn die umgebauten Reisboote sind schwimmende Hotels – die drei Zimmer sind mit Ventilator, Aircondition, Fernseher und Bad mit Dusche und Toilette ausgestattet. Punkt 13 Uhr werden wir zum Dinner gebeten, es gibt Reis, gegrillten Fisch und verschiedene Sorten Gemüse. Zum Kaffee am Nachmittag munden uns die gebackenen Bananen.

Währenddessen geht die Reise durch die jadegrüne Welt weiter. Wir fühlen uns wie auf einem Logenplatz. Die Füße liegen ausgestreckt auf der Reling. Ein Gefühl inneren Friedens, eine wohltuende Gelassenheit macht sich breit. Schauen, plaudern und sich immer wieder an Neuem erfreuen. Wie ein endloses Empfangskomitee stehen Palmen an beiden Ufern des Kanals.

„Kerala bedeutet Land der Kokospalmen“, erläutert Anuja. Hier gebe es so viele Kokospalmen wie Sterne am Himmel. Und die Einheimischen preisen ihren Nutzen, denn kein Baum sei so vielseitig verwendbar wie die Palme: sie liefert Stroh für die Dächer, Öl zum Braten, Saft zum trinken und Kokosfleisch und –milch für die keralische Küche, weiß unsere Begleiterin. Die 35-jährige, die fließend Deutsch spricht, hat in Oberhausen studiert, war mit einem Deutschen verheiratet und lebt jetzt mit ihren beiden Kindern im unweit gelegenen Fort Kochi. Aus der Ferne dringen plötzlich Trommelklänge und Gesang herüber. Minuten später sehen wir die Ursache: ein buntfröhliches Bild, blumengeschmückte Menschen, die  sich um einen Altar drängen. In riesigen Kesseln dampft Reis. Es sei ein Tempelfest der Hindus, bei dem vier Tage lang mit Musik, Essen und abendlichem Feuerwerk gefeiert wird, verrät Anuja.

Gemächlich tuckert das Schiff durch einen Teppich aus schwimmenden Wasserhyazinthen, auf denen weiße Reiher nach Futter suchen. An manchen Stellen ist der Kanal so schmal, dass sich die langen Palmwedel von beiden Uferseiten zu berühren scheinen. Als die Dämmerung anbricht, hält Kapt’n Babu nach einem Ankerplatz Ausschau, denn nachts wird nicht gefahren. Ruhe, Zeit die Seele baumeln zu lassen und zu beobachten, wie die Sonne letzte goldene Lichter auf die Wasserfläche zaubert, bevor das Abendbrot aufgetragen wird. Koch Vijo hat Lamm, mehrere Gemüsesorten und natürlich Reis vorbereitet. Die Schwüle des Tages ist vorbei und in den Zimmern sorgt nachts die Klimaanlage für angenehme Temperaturen.

Seit dem Sonnenaufgang ist die Schiffscrew schon auf den Beinen. Für uns steht das Frühstück bereit und Käpt´n Babu steuert sein Kettuvallam, so nennen die Einheimischen die palmstrohgedeckte Reisbarke, in einen anderen Kanalarm. Reisfelder schimmern im Morgenlicht und in den Dörfern ist längst das Leben erwacht. Wir sehen Frauen beim morgendlichen Bad im Fluss, Schulkinder sind fröhlich lachend auf dem Weg oder werden mit dem Wassertaxi zur Schule gebracht, im Einbaum wird dem Nachbarn ein Besuch abgestattet.

An manchen der kleinen Häuser sehen wir eine rote Fahne mit Hammer und Sichel. „Kerala ist seit 1957 eine Bastion des Kommunismus in Indien“, erklärt Anuja. Der Bundesstaat sei bekannt für seinen relativen Wohlstand und den hohen Bildungsgrad, mehr als 90 Prozent der Bevölkerung kann lesen und schreiben. Auch Lebenserwartung und Pro-Kopf-Einkommen liegen hier weit über dem normalen Durchschnitt. Kurzer Halt am Bootssteg einer geräumigen Villa. Der Hausherr bittet uns auf einen Tee herein, führt uns durch das Haus und den großen grünen Garten. Es ist eines der Backwaters Farmhouses, in denen Touristen einige Tage mit Familienanschluss verbringen und sich von ihren Gastgebern verwöhnen lassen können. Ein verlockendes Angebot. Doch für uns schlägt nun die Stunde des Abschieds aus diesem Garten Eden. Und von Kerala, das nur ein schmaler Streifen zwischen dem Arabischen Meer und hohen Bergen, jedoch einer der schönsten Bundesstaaten des indischen Subkontinents ist.

Christel Seiffert

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 1: Ushuaia)

Fin del mundo, das Ende der Welt. So wirbt Ushuaia auf Dutzenden von Plakaten für sich. Durchaus zu Recht, denn es ist die südlichste Stadt der Welt. Nur noch 3926 km sind es von hier bis zum Südpol, aber 14105 zurück nach Berlin. Heute regnet oder stürmt es mal nicht und so zeigt sich die Stadt mit ihren bunten Häusern durchaus malerisch zwischen Beagle-Kanal und Andenkette. Im Hafen liegen die Kreuzfahrtschiffe, darunter auch unsere „Fram“ von den Hurtigruten, um Passagiere für einen Antarktistrip an Bord zu nehmen oder sie am Ende der Reise wieder an Land zu bringen. Rund 300 Schiffe starten von hier jedes Jahr in Richtung Süden. Entstanden ist Ushuaia aus einer Strafkolonie, denn freiwillig wollte niemand am Ende der Welt wohnen. Erst als 1978 die Zoll- und Steuerfreiheit eingeführt wurde, explodierte die Stadt förmlich und wuchs auf rund 70000 Einwohner.

Sieht so das Ende der Welt aus? Eigentlich nicht, das könnte auch ein Ort in Island oder Grönland sein. Sehenswürdigkeiten besitzt Ushiaia nicht, aber die bunt zusammen gewürfelten Häuser sind ganz nett anzuschauen. Auch ich schlendere, wie jeder, die Hauptstraße San Martin hinauf und hinunter, schaue in mindestens ein Dutzend Souvenir- und Outdoorläden, trinke einen Kaffee und gehe dann nach einer Stunde zur „Fram“. Bereit, in die Antarktis aufzubrechen.

Selbst einen Irish Pub gibt es am Ende der Welt, wirklich typisch sieht er allerdings nicht aus.

Pinguine an jeder Ecke: Nach Größen sortiert in den Schaufenstern der Souvenirläden, auf Plakaten, die Ausflüge in die Antarktis anpreisen und selbst als überlebensgroße Exemplare, die als Werbefiguren durch den Ort watscheln. Hoffentlich gibt es die bald in Natura.

Noch sind es genau 3926 km bis zum Südpol. Heute Abend legt die „Fram“ ab und bringt uns in den nächsten zwei Tagen noch einmal rund 1000 km näher an den Pol. Durch die wegen ihrer Stürme legendäre Drake-Passage!