Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 2: Drake-Passage)

Irgendetwas stimmt hier nicht! Entweder ich bin auf dem falschen Schiff oder der Kapitän hat sich mit dem Kurs vertan. Warum? Weil das einfach nicht die Drake-Passage sein kann.

Gestern Abend war noch alles o.k. Einschiffen auf der „Fram“, Begrüßung durch den Kapitän, Sicherheitseinweisung, eben das normale Kreuzfahrtprogramm am ersten Tag.

Schon zu Hause habe ich alles gelesen, was es über die Drake-Passage zwischen Feuerland und der Antarktischen Halbinsel gibt. Egal, zu welcher Jahreszeit man unterwegs ist, der pure Horror solle sie sein, zumindest für Landratten, die nicht ganz seefest sind – zu denen ich mich leider zähle. Endgültig geglaubt habe ich die Schauergeschichten nach einem Video im Internet, in dem ein ausgewachsenes Kreuzfahrtschiff mit haushohen Wellen kämpfte. Daraufhin habe ich mir drei verschiedene Mittel gegen Seekrankheit griffbereit im Reisegepäck.

Beim Ablegen in Ushuaia weht nur eine leichte Brise und der Beagle-Kanal ist glatt wie ein norwegischer Fjord. Am späten Abend gleitet das Schiff durch die enge, geschützte Wasserstraße, die Ufer mit dem spärlichen Grün und den kahlen Bergen erinnern an Nordnorwegen.

Am nächsten Morgen, der Beagle-Kanal liegt schon lange hinter uns, wiegt sich das Schiff in einer nur leichten Dünung. Die Sonne scheint von einem blauen Himmel, soweit das Auge reicht, nur Wasser, keine Spur mehr von Land. Das also ist die gefürchtete Drake-Passage! Die Tabletten gegen Seekrankheit sind noch immer unbenutzt im Gepäck, stattdessen ist Sonnenbaden an Deck angesagt. Kapitän und Expeditionsleitung behaupten unisono, so eine ruhige Überfahrt hätten sie die ganze Saison über noch nicht gehabt – und so soll es bleiben!

Versprochen wurden uns Seevögel, die dem Schiff folgen würden, aber bis auf einen Albatros in weiter Ferne ist den ganzen Tag über kein Vogel zu sehen. Die brauchen Wind, viel Wind, um kraftsparend segeln zu können. Das ist heute nicht ihr Tag, sie schaukeln irgendwo auf den nicht vorhandenen Wellen und warten auf kräftigen Wind.

So ein Tag heißt im Kreuzfahrtprogramm normalerweise „Erholung auf See“. Bei unserer Expeditionskreuzfahrt stehen jede Menge Vorträge auf dem Programm. Wie man bessere Fotos macht, was man über Wale wissen muss oder warum man die Antarktis nur mit sauberen Schuhen betreten soll. Zu den sauberen Schuhen später mehr.

Morgen sollen wir die ersten Pinguine live zu sehen bekommen, deshalb gehört der Vortrag „Antworten auf die meistgestellten Pinguin-Fragen“ quasi zum Pflichtprogramm. Jetzt wissen wir unter anderem, dass einige der Frackträger mehr als 500 m tief tauchen können und nicht nur in der Antarktis, sondern auch am Äquator leben.

Der Beagle-Kanal ist nur 2-5 km breit, aber 250 km lang. Auf argentinischer Seite liegt Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, auf der chilenischen Seite die kleine Siedlung Puerto Williams. Den Namen erhielt die schmale Wasserstraße von Charles Darwins Schiff „Beagle“, mit dem er 1833 diese Gegend erkundet hat. Die Berge im Hinterland wurden später ihm zu Ehren „Cordillera Darwin“ genannt.

Das Ziel der nächsten Tage, die antarktische Halbinsel. Sie ist knapp 1000 km von Feuerland entfernt.

Hier geht es zum 2. Teil

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 3: Half Moon Island)

Das Ende der Drake-Passage kündigt sich durch Seevögel an, die das Schiff begleiten. In der Ferne tauchen die ersten kleinen Eisberge und Landfetzen auf und wenn man lange genug Ausschau hält, verraten sich einige Wale durch ihren Blas.

Heute, endlich, nach rund 15 000 km Anreise, steht der erste Landgang in der Antarktis auf dem Programm. Half Moon Island ist das Ziel. Doch davor gibt es umfangreiche Einweisungen, was wir tun dürfen und was wir auf jeden Fall lassen sollen.

Für die nassen Anlandungen sind Gummistiefel, wasserdichte Jacke und Hose sowie eine Schwimmweste Pflicht. Damit keine Pflanzensamen eingeschleppt werden, müssen Rucksäcke, Kleidung und Schuhe gründlich gereinigt werden. Alles ist generalstabsmäßig geplant, als erstes geht das Expeditionsteam an Land, schaut, ob eine Landung problemlos möglich ist, deponiert eine umfangreiche Sicherheitsausrüstung, damit wir, falls eine planmäßige Rückkehr zum Schiff nicht möglich ist, wir auch bei einem Wettersturz ein paar Stunden überleben. Wege werden markiert, auf denen wir uns bewegen dürfen. Die ganze Prozedur ist extrem aufwändig, vor allem, da jeder nur rund eine Stunde an Land bleiben darf. Bei 200 Passagieren dauert ein kompletter Landgang rund vier bis fünf Stunden. Denn es dürfen immer nur 100 Passagiere gleichzeitig an Land sein, um die Tiere möglichst wenig zu stören. Da sich das Wetter in der Antarktis innerhalb weniger Minuten dramatisch verschlechtern kann, hat Sicherheit oberste Priorität.

Dann endlich ankert die „Fram“ in der halbmondförmigen Bucht, nur wenige hundert Meter vom Strand entfernt. Die Insel erinnert an eine Caldera, ist aber nicht durch einen Vulkanausbruch entstanden. Schon vom Schiff aus sind die bizarren Felstürme der Insel, das benachbarte Livingston Island mit seinen Gletschern, die roten Häuser der argentinischen Sommerstation Teniente Camara und die Pinguinkolonien sowie einige Robben auf dem Kiesstrand zu sehen.

Schon die ersten Schritte an Land sind einfach umwerfend. Mitten auf dem Strand stehen Dutzende von Zügelpinguinen, hin und wieder springen einige aus dem Wasser und watscheln über den Kiesstrand mitten zwischen den faul herumliegenden Pelzrobben hindurch. Von den Menschen, die zu Dutzenden in ihr Revier eindringen, nehmen weder Pinguine noch Robben Notiz. Bis auf wenige Meter können wir uns den Pinguinen nähern, sie lassen sich von uns überhaupt nicht stören, stehen entweder in Scharen auf den Felsen oder pendeln auf Pinguinstraßen zwischen Kolonie und Meer.

Wir erkunden die Insel auf dem uns erlaubten Pfad, treffen immer wieder auf neue Pinguinansammlungen, sehen spielerisch miteinander kämpfende Pelzrobben aus nächster Nähe und das alles vor der vergletscherten Kulisse der Nachbarinsel Livingston Island.

Beeindruckender könnte der erste Landgang in der Antarktis nicht sein, umgeben von einer grandiosen Landschaft sind wir Pinguinen und Robben näher als im Zoo gekommen.

Auch das morgige Programm verspricht einiges: Geplant ist der Besuch der argentinischen Station Esperanza und die Passage durch den Antarctic Sound, der auch „Straße der Eisberge“ genannt wird.

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 4: Esperanza)

Heute ist Pinguin-Wetter. Einige Grad unter Null, Windstärke acht, Schneetreiben, kaum Sicht – für uns mindestens gefühlte -15° C. Die Pinguine stört das alles wenig. Sie stehen stoisch im Schneesturm oder watscheln zum Wasser und gehen schwimmen, für sie fühlt sich das heute wahrscheinlich wie laues Sommerwetter an.

Heute früh tastete sich die „Fram“ langsam durch den Antarctic Sound, der die Antarktische Halbinsel von den vorgelagerten Inseln trennt. Rechts und links vom Schiff tauchen immer wieder Eisberge, allerdings noch in beruhigender Entfernung, auf. Darunter auch einige größere Tafeleisberge. Dieses Jahr gibt es laut Expeditionsteam selbst im Spätsommer noch sehr viel Eis, das sich unberechenbar in dem Sund festsetzt und die Durchfahrt schwierig machen kann. Versprochen hat man uns jedenfalls spektakuläre Eisberge hautnah.

Doch davor gibt es den ersten Landgang an der argentinischen Station „Esperanza“. Schon aus der Ferne ist sie an den gut zwei Dutzend roter Gebäude auszumachen. Rund 50 Menschen – darunter auch einige Kinder, die hier sogar zur Schule gehen – leben das ganze Jahr über auf der Station. Davon sind mehr als die Hälfte Militärangehörige. Ein wenig wird auf der Station auch geforscht, aber der eigentliche Zweck ist wohl eher politisch, denn Argentinien möchte mit dieser kleinen „Stadt“, die es schon seit 1952 gibt, seine Gebietsansprüche untermauern. Jedes Land, das sich um ein Stück Antarktis bemüht, hat seine eigenen Argumente, warum gerade seine Ansprüche legitim sind. So rühmen sich die Argentinier damit, dass in der Station schon 1972 das erste Kind in der Antarktis geboren wurde.

Wir haben heute jedenfalls erstmals den Fuß auf das antarktische Festland gesetzt, Half Moon Island gestern war ja „nur“ eine Insel.

Gut ein Jahr bleiben die Menschen in „Esperanza“, bevor sie wieder nach Hause dürfen. Um ihnen den Aufenthalt am Ende der Welt zu versüßen, bekommen sie deutlich mehr Lohn als anderswo. In jedem Fall freuen sie sich über den Besuch und laden uns zu einer Besichtigungstour ein.

Es gibt eine kleine Schule, die Kinder sind jetzt allerdings schon in den Sommerferien, eine Kapelle, ein Kasino sowie ein kleines Antarktis-Museum, in dem Ausrüstungsgegenstände früherer Expeditionen und einige Fossilien zu sehen sind. Außerdem gibt es einen Radiosender, eine Krankenstation und eine Halle zum Fußball spielen – sie ist das größte Gebäude der Siedlung. Mitten in der Station sind die Reste einer Hütte aus aufgeschichteten Steinen zu sehen, sie diente vor 100 Jahren drei Mitgliedern der schwedischen Nordenskjöld-Expedition als Notquartier, in dem sie einen ganzen antarktischen Winter überstanden.

Auf der Suche nach den Pinguinen, die im Schneesturm zwischen den Felsen mit ihrem schwarz-weißem Outfit so gut getarnt sind, dass man aufpassen muss, nicht auf sie zu treten.

Auf der Suche nach den Pinguinen

Pinguin in der Mauser

 

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 5: Antarctic Sound)

„Fragt uns nicht, wann der nächste Landgang ist, fragt uns nicht, wie lange ihr an Land bleiben könnt, erwartet auch nicht, dass wir euch einen genauen Wetterbericht geben können. Wir können euch nicht mal garantieren, ob der nächste Landausflug überhaupt stattfinden kann. Dies ist eine Expeditionskreuzfahrt!“

Diese Sätze mussten wir uns in den ersten Tagen vom Expeditionsteam mindestens ein halbes Dutzend Mal anhören. Geglaubt hat sie kaum jemand, zu schön war das Wetter, zu ruhig das Meer. Heute hat die Antarktis zum ersten Mal gezeigt, dass sie auch anders kann. Schon beim Vormittagslandgang hat es geschneit und der Wind war ziemlich frisch. Am Nachmittag sollten wir in Brown Bluff, einer vulkanischen Klippe, anlegen, doch der Wind war mittlerweile so stark, dass die kleinen Boote nicht mehr anlanden konnten.

Als Entschädigung gab es eine Panoramatour durch den Antarctic Sound bis zur Grenze des Wedell Meeres. Eisberge soweit das Auge reicht. Große, kleine, weiße, blaue und als Krönung Tafeleisberge, haushoch und mehrere hundert Meter lang. Jeder sieht anders aus und die „Fram“ gleitet an allem so langsam vorbei, dass jede Einzelheit zu erkennen ist. Trotz des eisigen Windes und mittlerweile Windstärke zehn gibt es nur einen Platz: an Deck mit der Kamera in den eiskalten Fingern.

Morgen fahren wir durch Neptun’s Blasebalg. Wer wissen möchte, was das ist, kann es morgen hier nachlesen. Oder einen Tipp im Kommentar abgeben.

Parade der Eisberge im Antarctic Sound

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 6: Deception Island)

Hier kommt die Auflösung der Frage von gestern: Was ist Neptuns Blasebalg? Über Nacht hat die „Fram“ Kurs auf Deception Island genommen, eine Vulkaninsel mit rund 13 km Durchmesser und einer mit Wasser gefüllten Caldera. Um 7 Uhr wurden wir geweckt, damit wir dem Kapitän dabei zuschauen können, wie er durch die nur rund 200 m breite Öffnung in die Caldera manövriert. Dieser schmale Durchlass ist der einzige Weg in den Vulkankrater und wird Neptuns Blasebalg genannt. Deception Island ist ein aktiver Vulkan, der allein im 20. Jahrhundert mehrere Male ausgebrochen ist und dabei neue Vulkankegel gebildet und viel Asche gespuckt hat.

Heute ist ein bedeckter Tag mit leichtem Schneefall, was Schnee und Vulkanasche zu einer Symphonie in Schwarz-Weiss mit zahlreichen geometrischen Mustern werden lässt. Der erste Landgang ist an der Telefon Bay im Norden des Kraters. Hier laufen wir ein wenig am Strand entlang, beobachten zwei faule Pelzrobben, die von uns keine Notiz nehmen und erklimmen dann über lose Vulkanasche ein kleines Plateau, von dem sich eine grandiose Aussicht über die Insel bietet. Über einen Grat geht es weiter bergauf durch eine vollkommen monochrome Landschaft, in der nur wir mit unseren hellblauen Jacken und roten Schwimmwesten die einzigen Farbkleckse bilden.

Drei Stunden später bietet sich ein völlig anderes Bild: Die Sonne scheint, der Himmel ist Blau und die Farben sind in die Vulkanlandschaft zurückgekehrt. Auf dem Programm steht Am Nachmittag ist eine Landung in Walers Bay, einer alten, verfallenen Walfangstation im Krater geplant. In der Bucht gibt es noch einige verfallene Gebäude und eine Handvoll großer rostiger Tanks, in denen früher das Walöl bis zum Abtransport aufbewahrt wurde, zu sehen. Auf dem Strand liegen noch einige Boote, deren Holz von Wind und Wetter im Laufe der Jahrzehnte weiß und morsch geworden ist.

Am Strand laufen einige Eselspinguine herum und wenn man nicht aufpasst, tritt man auf eine Pelzrobbe, die sich auf dem schwarzen Sand sonnt und aufwärmt. Ganz nah kommt man auch an die großen, braunen Raubmöwen Skua heran, die ebenfalls keine Scheu zeigen und gar nicht daran denken, wegzufliegen.

Nachdem alle wieder an Bord sind, nimmt der Kapitän in der Abendsonne wieder Kurs auf Neptuns Blasebalg und tastet sich langsam in Richtung offenes Meer. Was für ein Tag!

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 7: Neko Harbour)

Es ist schon erstaunlich, auf einem Schiff in der Antarktis überhaupt eine Internetverbindung zu haben, doch diese Verbindung ist weder schnell noch stabil. Das Hochladen von Blog-Inhalten unter diesen Umständen erinnert an früheste Modemzeiten, als die Daten nur tröpfchenweise flossen und an das Verschicken von Bildern gar nicht zu denken war. Gestern wollten die Daten aber nicht einmal mehr im Schneckentempo das Schiff in Richtung Internet verlassen. Da wir durch einen engen Kanal fuhren, der obendrein noch von hohen Bergen umgeben war, gab es praktisch keinen Empfang. Deshalb kommt der Blog heute etwas später.

Wie und wann soll ich bloß die ganzen Pinguin- und Eisbergfotos sichten. Allein heute sind wieder Dutzende dazugekommen. Zusammen mit den Hunderten der letzten Tage füllen sie mittlerweile alle Speicherkarten. Wahrscheinlich kann niemand, der nicht hier war, verstehen, wie vielfältig Eis sein kann. Und die drolligen kleinen Vögel begeistern mich immer wieder auf Neue.

Heute sind wir in Neko Harbour an Land gegangen. Wer bei dem Wort „Harbour“ an einen Hafen denkt, liegt völlig falsch, denn es ist nichts weiter als ein kleiner Strand, an dem die Polar Circle Boote landen können, das große Schiff liegt wie immer einige Hundert Meter weiter draußen in der Bucht vor Anker. Schon die Anfahrt nach Neko Harbour ist spektakulär, Gletscher reiht sich an Gletscher, auf dem Wasser schwimmen Eisberge in allen Größen. Das Meer ist still wie ein See, der Himmel Blau, die Sicht schier unendlich.

Am Strand liegt faul eine Wedell-Robbe und lässt sich von uns überhaupt nicht stören. Die Pinguine auch nicht. Sie spazieren gerne ein Stück am Strand entlang, bevor sie ins Wasser springen. Nach erfolgreichem Beutezug kommen sie wieder zurück, um ihren Nachwuchs zu füttern. Die Brutkolonien liegt ein gutes Stück weiter oben am Hang. Die drolligen Vögel sind diesen Weg schon so oft rauf und runter gegangen, dass tief in den Schnee eingelassene Pinguinautobahnen entstanden sind. Mit kleinen Trippelschritten erklimmen sie den Berg, die Stummelflügel nehmen sie zum Balancieren. Auf Eisplatten rutschen sie trotz ausgefahrener Krallen schon mal aus, halten aber immer die Balance.

Oben angekommen wartet der Nachwuchs und fordert resolut sein Futter. Stundenlang könnte ich dem Treiben in der Kolonie zuschauen – allen anderen geht es ähnlich. Auch der Blick von oben über die mit Eis bedeckte Bucht und die Gletscher am Ufer ist einmalig. Wenn es ganz still ist, hört man das Eis des Gletschers Knarzen und Grummeln, ein untrügliches Zeichen dafür, dass er sich langsam in Richtung Tal bewegt.

Eines von den vieleln, vielen Eisbergfotos.

Ein perfekter Tag, denn die Antarktis zeigt sich heute von ihrer schönsten und friedlichsten Seite.

 

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 8: Port Lockroy)

Auch Pinguine würden gerne fliegen – oder war das gerade eine Bruchlandung?

Der heutige Tag war die Krönung der gesamten Tour, doch dazu später mehr. Heute gab es soviel zu sehen, das ich nicht dazu gekommen bin, den Rest des gestrigen Tages aufzuarbeiten, denn nach der Landung in Neko Harbour stand noch der Besuch von Port Lockroy auf dem Programm. Auf dem Weg dahin passierte die „Fram“ die Paradiesbucht. Normalerweise denkt man dabei an türkisblaues, herrlich warmes Meer und einen feinen, weißen Sandstrand mit Palmen. Hier, in der Antarktis ist es eine von mächtigen Gletschern umgebene Bucht, in der die ersten Walfänger Schutz vor Stürmen aus allen Windrichtungen fanden und sie deshalb Paradiesbucht nannten. Einen Strand sucht man hier vergebens – und das Wasser ist auch ziemlich kalt.

Royal Pork Sausages, geringfügig überlagert – Guten Appetit!

Port Lockroy, das sind drei Häuser auf einer winzigen Insel, die natürlich auch wieder von mächtigen Gletschern umgeben ist. In den 1940er Jahren haben die Engländer sich aus strategischen Gründen hier eingerichtet, da es einer der wenigen Ankerplätze in der Umgebung war. Später verfielen die Häuser, bis sie 1996 durch den Antarctic Heritage Trust restauriert wurden. Heute ist die Station den ganzen Sommer über eine der meistfrequentierten Besuchspunkte der Antarktis. Im Museum kann man sehen, wie die Station in den 1950er Jahren ausgesehen hat. Selbst einige Konservendosen stehen noch in den Regalen. Und noch ein Superlativ: Port Lockroy ist das größte – weil einzige – Souvenirgeschäft in der Antarktis. Die Souvenirs sind zwar teuer, dienen aber einem guten Zweck, nämlich dem Erhalt historischer Hütten. Sehr beliebt sind Postkarten mit Sonderbriefmarken und Antarktisstempel, die man in den roten Briefkasten einwerfen kann und die dann – hoffentlich – innerhalb von sechs Wochen zu Hause ankommen. Ich habe mir jedenfalls selbst eine Postkarte geschrieben.

Port Lockroy – Souvenirladen und Briefkasten am Ende der Welt!

Port Lockroy – Souvenirladen und Briefkasten am Ende der Welt!

Auch heute ist der Blog ohne Pinguine nicht vollständig. Obwohl die Insel winzig ist, müssen die vier Frauen der Station sie im Sommer noch mit einigen Hundert Pinguinen teilen. Sie stehen und liegen wirklich überall, selbst auf den Wegen und vor den Häusern. Deshalb gilt für uns hier auch nicht die Fünf-Meter-Abstand-Halten-Regel. „Stört die Tiere möglichst wenig, tretet nicht auf sie und – Pinguine haben immer Vorfahrt“, gibt man uns mit auf den Weg.

Gefiederte Freunde vor der Tür – leider riechen sie etwas streng!

 

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 9: Danco Island)

Ein gefürchteter Räuber – der Seeleopard

Mittlerweile ist die „Fram“ schon wieder auf dem Rückweg und hat den Windschutz der Antarktischen Halbinsel verlassen. Mal schauen, was die Drake-Passage auf dem Rückweg für Überraschungen bereithält. Noch steht aber der Bericht vom gestrigen Tag aus.

Einer meiner Lieblingseisberge

Wieder hat man uns einige Höhepunkte versprochen. Das erste Highlight ist das Wetter: spiegelglattes Wasser, blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Nein, ich übertreibe nicht; ja, das hatten wir auch schon gestern; nein, normal ist das nicht. Soviel Glück haben nur wenige!

Spiegelglattes Meer – in antarktischen Gewässern eine Seltenheit

Pünktlich zum Frühstück sind wir an der Einfahrt zum Lemaire Channel, einer gut zehn Kilometer langen und nur rund eineinhalb Kilometer breiten Wasserstraße zwischen Antarktischer Halbinsel und Booth Island. Hängegletscher und Felswände spiegeln sich im Wasser und je weiter wir in den Kanal vordringen, desto mehr Eis schwimmt auf dem Wasser.

Auf der Suche nach Robben und Seeleoparden

Am Vormittag steht statt einem Landgang eine Rundfahrt mit den Polar Circle Booten auf dem Programm. So dicht über der mit Eisbrocken und Eisbergen bedeckten Wasseroberfläche bietet sich eine völlig neue Perspektive. Die robusten Boote schlängeln sich durch die wenigen eisfreien Passagen, hin und wieder schaben Eisstücke an der Bordwand und wir blicken staunend aus nächster Nähe zu den Eisbergen auf. Dann entdecken wir einen Seeleopard, der sich auf einer Eisscholle sonnt. Er blickt kurz auf, zeigt seine beeindruckenden Zähne, beschließt dann aber schnell, dass wir keine Gefahr darstellen.

65° 04′ Süd – weiter geht es dieses Mal nicht

Im Lemaire Channel haben wir unsere südlichste Position erreicht, ab jetzt geht es wieder in Richtung Norden – nach Hause. Was jetzt folgt, ist eine Panoramakreuzfahrt zurück durch den Lemaire Channel und dann über die Paradise Bay nach Danco Island.

Danco Island ist winzig und von einer Kolonie von Eselspinguinen bewohnt. Für uns ist es wieder ein wunderschöner Anblick, wie die Pinguine auf mehreren Felsplateaus teils erstaunlich hoch über dem Meer ihre Jungen aufziehen. Doch Manuel, unser Ornithologe an Bord, erkennt sofort, dass die Jungtiere in der Kolonie in keinem guten Zustand sind. Viel zu klein für den Spätsommer seien sie, sagt er. Durch den langen Winter mit viel Eis konnten die Pinguine erst spät mit dem Brutgeschäft beginnen, außerdem haben sie sich sehr weit oberhalb des Meeres angesiedelt. Dies bedeutet, dass die kleinen Kerle nach jedem Fischzug mühsam den Berg hinauf watscheln müssen, was viel Zeit und Kraft kostet. Bei einem normalen Winteranfang haben nur wenige Jungtiere eine Chance.

Am späten Nachmittag setzen wir unsere Fahrt in Richtung Norden fort. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit werden von der Brücke Wale gesichtet. Die „Fram“ stoppt und wir beobachten knapp eine halbe Stunde lang, wie mindestens vier Buckelwale vor dem Bug schwimmen. Wir sind so nah, dass wir ihren Blas hören können. Hin und wieder tauchen sie ab und zeigen uns ihre Fluke. Ein perfekter Abschluss eines grandiosen Tages.

Sind Sie schon ein Pinguinexperte? Dann wissen Sie bestimmt zu welcher Pinguinart diese Füße gehören. Ich freue mich über Antworten und vor allem wie Sie es herausbekommen haben.

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 10: Drake-Passage)

Vor dem Ablegen in Ushuaia hat man uns gesagt, „Drake is a shake or a lake“. Auf der Hinfahrt war die Drake-Passage fast so still wie ein See, auf der Rückfahrt schaukelte das Schiff eine Zeitlang schon etwas kräftiger. Die Monsterwellen blieben uns aber erspart. Wegen des guten Wetters hat sich der Kapitän entschlossen, einen etwas weiter westlichen Kurs zu nehmen und einen kleinen Abstecher zu den Diego-Ramírez-Inseln und zum Kap Hoorn zu machen. Die Diego-Ramírez-Inseln liegen rund 100 Kilometer südlich von Feuerland und sind der letzte Ausläufer des Andengebirges, der die Wasseroberfläche durchstößt. Auf den Inseln wächst hohes Bültgras, auf kahlen Flächen brüten Felsenpinguine. Die vorgelagerten Klippen sind der bevorzugte Brutplatz von AlbatrossKap Hoorn, ohne Sturm und Monsterwellen, dafür mit ein paar Regenwolken

Das legendäre Kap Hoorn gilt allgemein als die Südspitze Südamerikas, was gleich doppelt unlogisch ist. Einerseits ist es nicht der südlichste Punkt, das sind die Diego-Ramírez-Inseln, zudem ist das Kap nicht Teil des Festlandes oder der Insel Feuerland. Kap Hoorn ist eine kleine Insel – sechs Kilometer lang und zwei Kilometer breit – die eigentlich Isla Hornos heißt. Legendär und gefürchtet war das Kap Hoorn zu Zeiten der großen Frachtsegler im 19. Jahrhundert. Sie konnten wegen schlechter Manövrierfähigkeit nicht durch die weiter nördlich gelegene Magellanstraße, sie mussten außen herum segeln. Damals war es eine der gefährlichsten Seepassagen weltweit und unzählige Schiffe zerschellten an der felsigen Küste. Einer dieser Frachtsegler, die „Passat“, liegt heute als Museumsschiff im Hafen von Travemünde vor Anker.

Morgen früh legt die „Fram“ in Ushuaia an und dann geht es über Buenos Aires und Frankfurt zurück nach Berlin.

 

Australien: Ein Countrysong für die Prinzessin

Das fruchtbare Delta des Murray River, dem längsten Fluss Australiens, lässt sich am besten per Schiff erkunden.

Klammheimlich hat sich die Prinzessin nachts neben uns gelegt. Erst am Morgen bemerken wir sie. Und weil es noch in aller Frühe ist und bis auf einen einsamen Angler alle Welt noch schläft, haben wir ausgiebig Zeit, sie in ihrer edlen und majestätischen Schönheit zu betrachten. Ihre Würde zu bewundern, mit der sie tief im Wasser liegt. Nur ein Pelikan, der auf den riesigen Schaufelrädern sitzt, zeigt wenig Respekt – und verursacht immer dann ein leises Klack Klack, wenn er mit seinem Schnabel gegen das alte Eisen pickt.

Ein Sonnenaufgang am Murray River, Australiens längstem Fluss, ist an sich schon ein Erlebnis. Mit den ersten warmen Strahlen, die den steilen Sandsteinfelsen am Ufer der Schlucht und die fast im Wasser stehenden Trauerweiden berühren, erwacht auch eine ganz eigene Welt fernab jedes Stresses und Straßenlärms. Wer in diesem Augenblick des Tages dazu noch auf die Murray Princess stößt, einen alten Schaufelraddampfer, glaubt sich zudem in eine andere Zeit versetzt. Fast erwartet man, dass Huckleberry Finn jeden Augenblick die Reling betreten könnte – wäre da nicht das hypermoderne, von Glasfenstern umrahmte und mit mehreren Antennen bestückte Hausboot, das just in diesem Moment leise an der Prinzessin vorbeizieht.

Der Murray, ein launischer Fluss

Eine Cruise auf dem 2.670 Kilometer langen und kurvenreichen Murray River ist für viele Besucher Südaustraliens ein Höhepunkt der Reise – und ähnlich begehrt wie eine Fahrt auf dem Nil, dem Mississippi oder Amazonas. Zwar sind die meisten Orte am Ufer des weder besonders breiten noch reißend schnellen Stroms auch mit dem Auto zu erreichen. Doch nur über den Wasserweg – sei es auf einem Kreuzschiff oder einem privat gemieteten Hausboot – erschließt sich dem Besucher wirklich die grandiose Natur dieses vogelreichen und mit vielen Zuflüssen versehenen Wassersystems, das – gemeinsam mit dem angrenzenden Darling River – rund 15 Prozent des gesamten australischen Kontinents ausmacht. Der Murray River entspringt in den Snowy Mountains und mündet östlich von Adelaide ins Meer. Und er berührt auf seinem Weg drei Bundesstaaten: New South Wales, Victoria und South Australia. Von der Größe her würde die Bundesrepublik dreimal in dieses Gebiet passen.

Wer dann noch das Glück hat, von David Farron, Kaptain des Schiffes Murray Expedition, über den Fluss geschippert zu werden, erfährt die spannende Geschichte dieser Region. Farron lebt seit 25 Jahren auf dem Murray River, und hier, sagt er, „gleicht kein Tag dem anderen.“ Damit meint Farron nicht nur das Licht, das das Delta je nach Tages- und Jahreszeit in die unterschiedlichsten Farbschattierungen taucht. Er meint auch nicht nur die Natur, die sich während einer Reise auf dem Fluss täglich wandelt – von satten Weiden und dichten Eukalyptuswäldern über steile Klippen bis hin zu ausgetrockneten Böden abzweigender Flüsschen samt abgestorbener Baumstümpfe. Nein, wenn Farron davon spricht, dass hier, am Murray Delta, sich alles in stetem Wandel befindet, so meint er den Fluss selbst: Seinen launischen Wasserpegel, der fast täglich schwankt. Und das Extrem, in das der Murray River etwa alle fünf Jahre fällt, wenn er, wie während des verheerenden Hochwassers von 1956, entweder Häuser, Weiden und Straßen überflutet – oder nahezu austrocknet. In solchen Monaten der Dürre dringen Meerwasser samt Delphine bis in das Städtchen Morgan vor, 320 Kilometer vom Ozean entfernt – um dann in der Regenzeit wieder zurückgespült zu werden. Der Regen verhindert, dass die Böden nicht versalzen.

Früher Regen, heute (zu viel) Sonne

Lange Zeit waren diese natürlichen Wetterzyklen ein Segen für die Natur des Deltas. Doch seit ein paar Jahren überwiegen die Phasen der Trockenheit. Die zunehmende Dürre und die exzessive Bewässerung der Felder stören die natürliche Balance und Wasserversorgung der Region empfindlich. Doch noch wächst auf den fruchtbaren Böden der Wetlands Getreide, gedeihen Trauben, Orangen, Äpfel oder Zwiebeln und finden Kühe ausreichend Gras. Wie fruchtbar das Land hier im Delta ist, haben auch die Siedler – darunter viele deutsche Auswanderer und Ex-Häftlinge – sowie die Händler erkannt, die Mitte des 19. Jahrhunderts begannen, die Ufer des Murray River zu bevölkern und den Fluss als Handelsweg zu nutzen: Dank der Schifffahrt konnten sich Farmer nun immer tiefer im Delta niederlassen. Sie konnten ihre Möbel, Vieh, Bretter für den Hausbau, Landwirtschaftsgeräte oder Lebensmittel in die neuen Siedlungen bringen, mit dem Wasser des Stroms ihre Felder bewässern – und auf dem Murray River außerhalb der Trockenzeit und des Niedrigwassers ihre Erzeugnisse wie Fleisch, Wolle, Obst oder Getreide zu den Märkten und Häfen in Murray Bridge oder Adelaide transportieren. „Der Murray hat Australien aus der Abhängigkeit von England befreit“, ist Kaptain Farron überzeugt.

Doch der Fluss hat auch eine neue Abhängigkeit geschaffen, und zwar vom Tourismus. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurden im ganzen Süden des Kontinents Schienen verlegt. Züge übernahmen nun die Getreide- oder Viehfracht. Der neue Konkurrent der Schiffe schaffte dies  nicht nur günstiger und schneller, sondern vor allem auch zwölf Monate im Jahr. Der Verkehr von Handelsschiffen auf dem Murray River brach zusammen – und im Gegenzug nahm der von Cruisern und Hausbooten zu. Heute ist der Murray River eine wunderschöne Ferienlandschaft – und der Besucher hat die Wahl, entweder einsam im Kanu oder in Gesellschaft auf einem der hochmodernen Cruiser oder Nostalgiedampfer wie die Murray Princess über den Fluss zu schippern. Er kann wahlweise in der Sonne dösen, am Ufer campen oder sich in einem der teils sehr exklusiven Holiday-Resorts oder auch einfachen Feriendomizile oder Stelzenbauten in den schnuckeligen, aber auch etwas langweiligen Städtchen entlang des Rivers einmieten – um von dort aus Wasserski zu fahren, sich auf´s Rad zu setzen, zu Wasserfällen zu wandern oder den Golfschläger zu schwingen.

Wir ziehen dem eine Kreuzfahrt auf der Murray Expedition vor. Drei Tage und zwei Nächte werden wir auf dem Schiff in recht engen Kabinen mit Fenster schlafen, in einer behaglichen Lounge essen, auf einer breiten Reling faulenzen oder von hier mit dem Fernglas Komerane oder Wombats beobachten. Oder mit Kaptain Farron – er hat sein weißes Kapitänsdress hierfür gegen ein khaki-grünes Ranger-Outfit und seinen Kahn gegen ein kleines Motorboot ausgetauscht – einen Ausflug zu den mächtigen Sandsteinkliffen unternehmen. Imposant ragen sie vor uns auf, und das Wissen, dass sie vor vielen Millionen Jahren alle einmal unter dem Wasser des Ozeans lagen, macht das Ganze noch eindringlicher. Den Abdruck von Muscheln und Krebsen und anderen Fossilien finden sich im Sandstein überall.

Die Cruise, ein Lebenstraum

Erstaunlich jung sind hingegen die meisten Gäste unserer Cruise: Wir sind verwundert, dass von den rund 30 Schiffspassagieren mindestens ein Drittel unter 40 ist. Dass wir eine ungewöhnlich junge Gruppe sind, bekräftigt auch Kapitain Farron. Selbst Eileen aus Sydney, mit 74 die älteste an Bord, versteht jede Menge Spaß, was das gängige Durchschittsalter auf den meisten Kreuzschiffen betrifft. Breit grinsend erzählt sie am Abendessentisch: „Vor vierzig Jahren hab ich immer über die alten Leutchen gegrinst, die so einen Trip unternehmen – und jetzt sitz ich selbst hier!“

Eileen ist dennoch eine der lebhaftesten Gäste an Bord – vielleicht, weil sie sich mit dieser Cruise „einen Lebenstraum“ erfüllt hat, wie sie sagt. Und so singt sie am Abend, beim romantischen Lagerfeuer am Ufer, mit einer unerwartet guten Stimme besonders laut, besonders glücklich australische Countrysongs. Diese haben die sieben Crewmitglieder kurz vor Mitternacht, nach einem leckeren Barbeque mit Steaks, Folien-Kartoffeln und Salaten, angestimmt. Danach wird es ruhiger in der kleinen Gruppe, die sich in dieser klaren, lauen Nacht unter Millionen von funkelnden Sternen zusammengefunden hat. Ein paar der Gäste sprechen leise miteinander. Doch die meisten halten es wie Kaptain Farron, der sich in einem der Regiestühle niedergelassen hat und mit geschlossen Augen dem Knistern des glutroten Holzes und dem Zirpen der Grillen lauscht – und den leisen Geräuschen, die der Wind vom Fluss zu ihm trägt. Als wolle der Kapitän keinesfalls die Ankunft der Prinzessin verpassen.

Martina Hahn

 

Weihnachts-Kreuzfahrt im Südchinesischen Meer

Asien-Kreuzfahrt, Begrüßung Da Nang Vietnam

Schiffsreisen boomen. Ein besonderes Erlebnis ist  eine Kreuzfahrt zu Weihnachten und über den Jahreswechsel.  Mit etwa einhundert deutschsprachigen Passagieren war ich auf der COSTA CLASSICA im Südchinesischen Meer unterwegs.

Gemeinsam mit Touristen aus 53 (!) Nationen startete in Hongkong die Kreuzfahrt der Superlative. Sieben Länder und acht Häfen standen auf dem 15tägigen Programm der über 7000 km langen Seereise zu Höhepunkten Asiens.

Kreuzfahrt-Direktorin Monja Salvati: „Diese Weihnachts- und Silvester-Kreuzfahrt ist auch für uns eine besondere Herausforderung. Das gilt nicht nur für vier festliche Gala-Dinner und die über 50 Landausflüge, sondern auch für die allabendlichen Shows im Colosseo-Theater des Schiffs.

Für alle war diese Weihnachts-Kreuzfahrt im Südchinesischen Meer etwas Besonderes. Einmal auf dem schwimmenden Hotel eingecheckt, gab’s jeden Tag viel Neues und Interessantes zu erleben. Weihnachtliche Deko samt geschmückter Riesentanne in der Lobby erinnerten bei tropischen Temperaturen auf hoher See an die Feiertage. Von erholsamen Seetagen an Bord unterbrochen, konnten so 1300 Passagiere ihre Reise von Hongkong über Manila, Kota Kinabalu (Malaysia), Bandar Seri Begawan (Sultanat Brunei), Singapur, Ho-Chi-Minh-Stadt, Da Nang, Sanya nach Hongkong in vollen Zügen genießen, auf den Sonnendecks im tropischen Südchinesischen Meer Sonne satt tanken. Weihnachten in Singapur – die Stadtrundfahrt durch die Mega-Metropole und ein Bummel durch den einzigartigen Botanischen Garten versetzten uns in eine ganz besondere Stimmung weit von der Heimat entfernt.

Unvergesslich der Heiligabend bei 33 Grad (im Schatten) im Sultanat Brunei und die Silvesternacht zwischen Da Nang (Vietnam) und Sanya (China). Nachdem wir das neue Jahr zwischen der imposanten Lobby mit der Riesentanne, Weihnachtssternen und der aus Eis geformten 2010 sowie dem Theater zünftig gefeiert hatten, klingelte bereits sieben Stunden später (Zeitumstellung) wieder der Wecker. Per Deutsche-Welle-TV konnten wir den von Schneefall begleiteten Jahressstart in Berlin live miterleben, bevor es nach einem Glas Sekt zum touristischen Buddhismus-Centrum auf der tropisch warmen chinesischen Insel Hainan ging. Ein unvergesslicher Neujahrstag zwischen imposanten Buddhas, Tempel und Pagoden.

Hans-Peter Gaul