Lesertext: Portugal – Vier Sterne und All Inklusive

 Bild_39

Nach einigen durchzechten Nächten in Portugals Hauptstadt begann unser Trip im Hoheitsgebiet des portugiesischen Prinzen: Ericeira. Auf dem einzigen Campingplatz errichteten wir für die ersten beiden Nächte unser Lager, bestehend aus einem Ford Nugget und genügend Camping Gear, um eine Mondlandung auszustatten. Direkt am ersten Morgen nach unserer Anreise joggte ich, nicht zuletzt um mein Partyo Alto Gewissen zu erleichtern, in meinem 4/3’er E-Bomb zum nahe gelegenen Ribeira de Ilhas.

Der Forecast versprach eine Session, wie man sie sich nach zwei ungesurften Monaten wünscht: vier Fuß, kaum Wind und eine zweistellige Periode. Doch bereits als ich den ersten Hügel passierte, zweifelte ich an meinen Interpretationsfähigkeiten, denn alles was ich vorfand, war eine hüfthohe Welle am Shorebreak. Gleich drauf schaute ich auf meine Uhr und bemerkte, dass ich noch immer indonesischen Tidenhub, anstelle des portugiesischen eingestellt hatte. Deprimiert und verschwitzt machte ich mich also auf den Weg zurück und versuchte im morgendlichen Berufsverkehr einen Autofahrer davon zu überzeugen, dass mein Neopren höchstens von Innen nass sei und er mich doch getrost bis zum Campingplatz mitnehmen könne.

Bild_08

Sechs Stunden später war Lowtide und das südlich gelegene Sao Juliao the place to be. Nach zwei weiteren Nächten fuhren wir über die portugiesische Golden Gate Bridge und fanden uns eine Stunde später in Lagoa de Albufeira wieder. Eine Region, die ich während meiner letzten Portugalaufenthalte immer ausgelassen hatte, bekam nun erstmalig ihre surfspezifische Chance. Jedoch ist zu erwähnen, dass es auch ihre letzte war, denn außer einer riesigen Lagune inklusive Flussmündung bietet die Region oberhalb von Setubal kaum Scoring Potential. In der Hoffnung einen schönen Stellplatz zu finden, machten wir uns noch am Abend weiter gen Süden. In Porto Covo hatte ich auf unsere Karte den Vermerk „easy Camping“ ausgewiesen. Und das war es auch! Ein Stellplatz jagte den nächsten und das in unmittelbarer Küstennähe direkt neben einem verschlafenen Fischerdörfchen, in dem der Tourismus langsam aber sicher seinen Einzug zu finden schien.

Besonders gute Riffe und andere Breaks hatte ich in dieser Ecke jedoch nicht vermutet. Erst Praia de Malhao war dick und rot in unsere Karte eingezeichnet. Ein völlig überfüllter Parkplatz an einem der wohl schönsten Strände Alentejos. Wir warteten bis sich der Parkplatz lehrte und mieteten uns für die nächsten Tage direkt an einer Klippenkante ein, die unmittelbar zum Meer führte. Nach drei Tagen war der Pfad bereits einen guten halben Meter ausgetreten, weil ich bei vier Sessions pro Tag, auf und ab, wirklich gute Forstarbeit leistete.

Irgendwann zieht es uns weiter. An neue Orte, die oftmals gar nicht besser sind, aber einfach unbekannt. Besonders durch den für diese Jahreszeit aufziehenden Küstennebel war vor allem meine halbspanische Begleitung heiß auf den südlicheren Teil des Südens. Angekommen in Odeceixe fanden wir einen Stellplatz, der durch einen strandabgrenzenden Fluss abgelegen und idyllisch zum Verweilen einlud. Bei Lowtide konnten wir ihn einfach und kniehoch überqueren. Meine Freundin legte sich in die Sonne und ich machte mich auf in ein Line Up, das durch lauter Nebel völlig uneinsichtig war.

Bild_23

Draußen angekommen hatte ich jedoch ein paar rechte Schönheiten, die bei Midtide an die fünf Turns zuließen (Kelly Slater = 15). Auf dem Rückweg entschieden wir uns für ein Paar Bier in eine der am Hang gelegenen Bars einzukehren und den Abend zu genießen, bevor wir den Fluss erneut überqueren sollten, um zu unserem Bus zu gelangen. Als wir uns zu späterer Stunde der Wasserkante näherten, erkannten wir jedoch, dass aus Kniehoch mittlerweile Halstief geworden war und wir daraufhin ausgenüchtert am anderen Ufer ankamen. Bereits am nächsten Morgen übermannte uns der Drang weiter zu ziehen und wir überquerten die Grenze zur Algarve.

Erste Stops: Praia de Amoreira und Monte Clerigo. Einer besuchter als der Andere und demnach kein Ort für zwei junge, einsamkeitsverliebte Menschen. Nach einer Nacht auf Monte Clerigo passierten wir die malerische Bucht von Arrifana und erkannten, dass man mit einem ganzen Monat auf dem Zeitkonto eigentlich fast jeden Stein in der Algarve umdrehen kann. Also nahmen wir die Erste rechts nach dem Ortsendeschild: Carrapateira.

Der Praia do Amado ist wohl eines der verschlissenen Juwelen Portugals. Etwas geschützter gegen Nordwind scheint er fast allen Swell anzuziehen, der sich irgendwo zwischen Island und der Biskaya anstaut. Wir fanden etwas weiter nördlich eine abgelegene Klippe, die eine Garantie gegen nächtliche Polizeikontrollen zu sein schien. Nach vier Tagen Crowdsurf suchten wir in der Region um Villa do Bispo die Einsamkeit und fanden diese personifiziert im Praia de Ponta Ruiva. Bis auf spanische Wohnwagen Kolonnen hatte man im Gegensatz zu Carrapateira endlich wieder Niveau im Wasser und einen rechten Beachie bzw. einen linken Point zur Auswahl.

Bild_19An jenem Abend sollte der erste nennenswerte Swell des Spätsommers eintrudeln. Infolgedessen brachte ich meine Bretter zu einem Shaper in Sagres und ließ diese kosmetisch grunderneuern. Am Abend fanden wir jedoch lediglich eine angefangene Flasche Rotwein und einen völlig überforderten portugiesischen Beachbreak vor uns. Ich fragte mich, wie sechs Fuß Swell und 14 Sekunden so unfassbar hässlich aussehen können und entschied im Dunkeln den südlichen Bruder des Pontas ausfindig zu machen. Abseits der Hauptstraßen befährt man somit Wege, die so tiefe Schlaglöcher haben, dass wir fast mit Sitzgeschwindigkeit fahren mussten, um den Unterbau unseres Gefährts am Leben zu lassen.

Beflügelt durch zwei Gläser Rioja und hungrig nach Abenteuern erreichten wir nach fast einer Stunde Fahrt den nur fünf Kilometer südlich gelegenen Praia de Telheiro. Es kostet Unmengen an Sprit, die verborgenen Schätze der Südwestküste Portugals ausfindig zu machen. Dennoch würde es die wohl besten Erfahrungen kosten, wenn man das nicht täte. Umdrehen steht erst gar nicht zur Debatte, also fährt man weiter. In Gewohnter Manier setzten wir das Nudelwasser mal wieder um die Mitternachtszeit auf und kochten uns ein aufwendiges Sternemenü. Bis auf einen Tag, an dem Tonel unverhofft mit Crouch – Barrels rief, verbrachten wir fast einem Woche am letzten Strand vor Cabo de Sáo Vicente. Wellentechnisch hätte dieser Spot ein wahrer Crowd – Magnet sein müssen, jedoch konnten wir den schlechten Straßen und dem massiven Strandabstieg danken, die diesen Spot fast unheimlich leer machten.

Unser Plan bot uns noch ein Paar weitere Tage an, die wir an einem der Strände um Villa de Bispo verbringen wollten. Mittlerweile kannten wir sie alle und fühlten keinen so recht. Nicht einmal Secrets wie Vale de Figuera schienen lukrativ und so entschieden wir uns kompromissbereit für den nächsten Nachbarn: Praia de Cordoama. Als die letzte Wahl betitelte ich somit den Strand, der mir die wohl besten Wellen des gesamten Trips bescherte. Türkises Wasser, das dich mit einem Vorhang von der Außenwelt abzuschneiden scheint, ist die wohl größte Errungenschaft der Natur. Vor allem, wenn du kurz darauf hinausschießt und genügend Wall für vier oder fünf knackige Turns hast, bevor du endorphindurchströmt die Fäuste ballst.

Meine Damen und Herren wir befinden uns nicht auf Sumbawa, sondern direkt vor unserer Haustür; und das Ende August. Von Malaho bis Telheiro ist der Süden Portugals der europäische Garten Eden. Riffe, Beachies, Points und maskuline Slabs bieten ein Repertoire für fast jede Form von Kondition. Staub, unbefestigte Straßen und polizeirestistente Stellplätze mit Meerblick sind dabei nur Rahmenprogram. Vor allem im September neigen sich die Touristenzahlen dem erträglichen und ablandiger Wind ist auch nach einer zu langen Partynacht keine Prämisse für frühes Aufstehen. 2007 war ich das letzte Mal in der Algarve. Damals ein Trip mit einigen Freunden. Unorganisiert, chaotisch und völlig über den Zaun gebrochen. 2013 habe ich daraus gelernt. Mit dem Star unter den fahrenden Campingschlössern machten wir uns auf den Weg. Organisiert, ausgestattet und dennoch genug Raum für Spontanität. Es gab Nähzeug und eine Karte, eine analoge Kamera mit Auslösefehler und eine Packung Pflaster. Das Wetter war gut, das Essen auch.

Konstantin Arnold

 

Lesertext: Spanien – Una Pregunta!

lager digital

Es ist Kalt; ich habe die ganze Nacht gefroren. Trotz zwei heizenden Körpern und einer Vielzahl an Decken, schafft es die Kälte, sich einen Weg zu bahnen und die Wände unseres Iglozelts in Wasser zu tränken. Doch ich muss raus. Ich habe mir geschworen jeden Morgen surfen zu gehen. Draußen regnet es. Heute Nacht musste ich irgendein Tier verjagen. Meinen Freunden würde ich im Nachhinein am liebsten erzählen, dass es ein wilder Bär gewesen ist. Doch ich denke es war ein streunender Hund mit ordentlichem Kohldampf. Ich bleibe liegen.

Später beschließen wir unser Zeltlager abzubauen, um dem nordspanischen Regen zu entkommen. Ganzjährig sammeln sich die Wolken in den mächtigen Gebirgszügen der Picos de Europa. Ab Juni wechseln sie sich mit 34 Grad Sonne ab, was den Nährboden der milchgrünen Landschaft bildet.

Wir geben Gas. Starten das Pur-Album zum 94. Mal und sind optimistisch. Da ich mich gestern in kopfhohen Wellen vor der Küste von Valdes austoben konnte, versuche ich heute eine Ecke anzusteuern, die der Surferfahrung meiner halbspanischen Begleitung entgegenkommt. Sie macht sich äußerst gut auf dem neuen 7’2er aus den Hossegor-Soorts. Aber das habe ich nicht anders erwartet. Im normalen Leben vollführt sie Spagate, Drehungen und Handstände auf galoppierenden Pferden.

islares analog

Ich spekuliere auf einen abgelegenen Secret – Spot in der Nähe von Ferrol. Er ist im Stormrider als äußerst konsistent bei großen Swells ausgeschrieben. Wir geben Gas und kommen nach guten 3 Stunden an der Westküste Galiziens an. Jetzt nur noch die richtige Strandstraße nehmen. Doch das erweist sich als äußerst schwierig. Erst als wir einen Opa in der Blüte seiner Jahre antreffen, der keine Ahnung von Localism hat, bekommen wir eine Wegbeschreibung, die uns direkt an den Playa de Campelo führt. Eine sehr versteckte Bucht, belagert von Kleinwagen mit galizischen Kennzeichen. Die Wellen sind größer als erwartet. Doch Alexandra paddelt mit mir raus. Zuerst in Richtung einer kleineren Rechten, die bei Lowtide bis zum Strand bricht. Ein leichter Take Off und langsame Sections lassen sie ordentlich Spaß haben.

Als die Tide steigt, paddeln wir weiter nach rechts wo eine Linke mit gewaltigen Close – Out – Sections herausfordernd einlädt. Plötzlich zeigt sich am Horizont das wohl größte Set des Tages und ich bemerke, wie mein Mädchen geradewegs Richtung Peak paddelt. Zwar hat sie das mit der Vorfahrt noch nicht so ganz verinnerlicht; aber sie ist ein ziemlich hübsches Mädchen, sogar im Neo und kann sich somit einiges rausnehmen. Ich rufe ihr zu, dass sie paddeln soll, paddeln, paddeln, paddeln. Sie sitzt Tief. Fast zu Tief, aber sie schafft es aufzustehen und zumindest der Weißwasserwalze zu entkommen. Ich wusste von vornherein, dass es ein Clouse-Out wird. Aber eben diese Erfahrung ist wichtig. Und wenn du sie 100-mal durchlebt hast, kannst du dich in Zukunft drauf verlassen, dass du weißt, wo und wie du zu sitzen hast.

plentzia analog

Es ist heiß; ich fange an zu schwitzen. Sobald die Sonne aufgeht entwickelt sich unser Iglozelt zu einer 90 Grad Sauna. Für mich alle Zeit aufzustehen, weil ich den Wecker schon wieder nicht gehört habe. Glücklich über eine weitere ungestörte Nacht mitten in der Wildnis, streife ich mir meinen taukalten Neoprenanzug über und lasse meine Freundin allein zurück. Wenn ich wiederkomme, werde ich voller Befriedigung strahlen. Und das ganz ohne sie. Ich laufe einen halben Kilometer bis ich das Meer erkennen kann. Meine Schritte werden schneller. Gestern war es ziemlich verblasen und trotzdem entschied ich mich eine weitere Nacht am Playa de Louro zu bleiben.

Bei schlechten Bedingungen verstauen wir unser Schlaflager in dem kleinen Seat Ibiza und geben Gas. In der Regel. Doch gestern Abend haben wir zu viel Weißwein getrunken, wie jeden Abend gut gegessen und die beängstigende Stille der Landschaft genossen. Als sich meine Packung Fortuna dem Ende neigte, beschlossen wir, trotz strömenden Regens und zwei Flaschen Siaglo, das nächste Dorf aufzusuchen.

alessandra analog

Es war mittlerweile 0:30 Uhr. Selbst am helllichten Tag ist es nicht so einfach, mitten in Galizien, einen Automaten zu finden. Doch wir hatten Glück und trafen zwei einheimische Jugendliche, die mir ohne Bedenken drei Zigaretten in die Hand drückten. Meines Erachtens waren sie nicht übermäßig freundlich, sondern bemitleideten meine Barfüße, die seit 4500 km keine Schuhe mehr gesehen haben. Ganz ehrlich: Gibt es etwas Schöneres an einem Surftrip, als Barfuss und in Boardshort durch Südeuropa zu düsen? Wohl kaum. Trotzdem wird es neopflichtig, desto weiter man die spanische Nordküste gen Westen fährt. Das Wasser wird Kälter und die Line – Up’s leerer. So leer, dass ich an diesem besagten Morgen für eine Sekunde denke, umzudrehen.

Das Meer ist unerwartet ruhig. In geordneten Abständen rollen die Sets in Richtung Brandung. Ich schätze es sind 5 ft. Es ist glassy und 10 Uhr morgens. Kein Mensch im Wasser! Für drei Stunden surfe ich mir die Nippel wund und gebe Gas als das Wasser steigt und der Shorebreak gen Norden splittet. Apropos Norden: Wie es wohl gerade in der französischen Biskaya zugeht?

Konstantin Arnold

 

Lesertext: Unterwegs in Malawi

Seit über vier Jahren sind wir, von „Heimaturlauben“ unterbrochen, mit eigenem Fahrzeug im südlichen Afrika unterwegs und bauen das kleine Land im Herbst 2009 in eine größere Rundreise ein.

Ziemlich weit im Norden Malawis fahren wir, von Sambia kommend, nach passieren eines verschlafenen Grenzübergangs stetig bergan. Wir atmen tief durch! Nach der brütenden Hitze von 42° in Sambia ist die frische, kühle  Bergluft eine Erholung. Wir fahren durch ausgedehnte Nutzwälder, dazwischen liegen kahle, abgeholzte Hänge. Es gibt einige Sägewerke, aber viele Stämme werden noch in Handarbeit zu Brettern verarbeitet und an der Straße für den Abtransport gestapelt. Aus Holzabfällen und Plastikplanen bauen sich die Saisonarbeiter einfache Behausungen, die eher an Hundehütten erinnern.

In der Provinzhauptstadt Mzuzu tauschen wir Geld und füllen unsere Vorräte auf. Die Lebensmittelauswahl in den engen, dunklen, ungepflegten „Supermärkten“ ist sehr begrenzt und teuer.

In Serpentinen geht es bergab, bis vor uns das leuchtende Dunkelblau des Malawisees auftaucht. Wir passieren riesige Bananenplantagen, und zerschnittene, leuchtend weiße Cassava-Knollen liegen ausgebreitet zum Trocknen in der Sonne. Später werden die Stückchen zerstampft und das Mehl zu einem Brei gekocht, der für den Hauptteil der Bevölkerung das Grundnahrungsmittel darstellt.

Am Rand der  anschließenden Kautschukwälder bieten Kinder aus Gummifäden selbstgemachte Bälle an. In Chinteche finden wir einen traumhaft schönen Campingplatz am See. Wir parken unter einem riesigen, alten Mangobaum. Barfuss laufe ich durch den feinen, weißen Sand, das warme Wasser umspült meine Knöchel und schwemmt gelben Kies an, der wie Gold am Ufer leuchtet. Nach zwei Tagen kommt Sturm auf. Nachts knallen die unreifen Mangos wie Kanonenkugeln aufs Dach des Fahrzeugs. Die Wellen werden immer höher, und wir haben die einmalige Gelegenheit, in Süßwasserbrandung zu baden. Unser Fahrzeug bringen wir schnell in Sicherheit bevor das Dachfenster zu Bruch geht.

Altkleider aus Europa

Eine asphaltierte Straße führt parallel zum westlichen Seeufer nach Süden und bietet in vielen Orten Hotels, Lodges und Campingmöglichkeiten. Die Landschaft wird flacher und eintöniger, der Baumbestand ist weitgehend abgeholzt. Baumwollplantagen und Zuckerrohrfelder säumen die Straße. Die Verkaufstische biegen sich unter dem Gewicht von Tomaten, Zwiebeln und Süßkartoffeln. Man sieht auch sehr viele Kleiderstände am Straßenrand. Zum Teil handelt es sich um Billigware aus Indien und China, aber auch Altkleider von den Sammlungen in Europa türmen sich zu bunten Haufen. Wir fragen uns, wer das alles kaufen soll?

Bei Senga Bay gibt es eine kleine Fischfarm, wo in zahlreichen Wasserbecken die im See gefangenen Buntbarsche nach Farben und Größe sortiert werden. Von hier geht es dann zu Tierhandlungen in aller Welt, denn die farbenfrohen Süßwasserfische sind bei Aquarianern sehr beliebt. Am Südende des Sees sind Küste und  Fischbestände durch die Einrichtung eines Nationalparks geschützt. Hier können wir mit den leuchtend blauen und gelben Fischlein schnorcheln. Auch genießen wir es sehr, das Leben im nahen Fischerdorf zu beobachten.

An unserem Weg nach Süden liegt die MUA Mission, gegründet von den „Weißen Vätern“ aus dem französischen Teil Kanadas. Malawi hat das dichteste Missionsnetz aller afrikanischen Länder. Wir bewundern die hübschen Wandbilder an den Außenwänden des Museums, die plastisch die Geschichte des Landes darstellen. Kaum 100 Meter weiter entdecken wir als Teil des lokalen Marktes einen „Medizinmann“, der auf dem Boden seine Zauberobjekte, Tinkturen und traditionelle Medizin ausbreitet.

Im Liwonde N.P. möchten wir mit der Kamera Jagd auf die einheimische Tierwelt machen. Als erstes überfallen uns die Tsetsefliegen und stechen sofort zu. Das ist kein Vergnügen, denn die Stiche entwickeln sich zu dicken Beulen und jucken tierisch eine ganze Woche lang. So bleibt uns nichts anderes übrig, als bei 42 Grad mit geschlossenen Fenstern zu fahren und die Klimaanlage einzuschalten. Der Park beeindruckt durch malerische Flusslandschaften, riesige Wasserbockherden, badende Elefanten, interessante Vögel und freche Paviane, die uns am letzten Tag noch einen Streich spielen. Während wir eine Bootstour auf dem See machen, reißen sie die Wäscheleine samt Wäsche von den Bäumen, zerfetzen die Klammertüte und verteilen den Inhalt in der Landschaft. Etwas genervt entfliehen wir der Hitze ins kühle Bergland.

Große Auswahl an Obst und Gemüse 

In Zomba, 900 Meter hoch, ist die Luft schon deutlich angenehmer. Das wussten auch die Engländer, die als Kolonialherren hier ihre erste Hauptstadt der Provinz Nyassaland errichteten. Läden und Märkte überraschen uns mit vielfältigem Obst-, Gemüse- und Wurstangebot. Ein schmales Sträßchen führt hinauf aufs Plateau in 1500 Meter Höhe, wo neben einer Forellenfarm eine Waldlichtung zum Picknick oder Campieren einlädt. Von hier gibt es idyllische Wanderwege zu Wasserfällen, Waldseen und Aussichtspunkten, und im Oktober locken uns reife Beeren an den Sträuchern zum häufigen Naschen. Hier gefällt es uns so gut, dass wir die Stille und die idyllische Umgebung vier Tage lang genießen.

Nachdem wir in Blantyre, der größten Stadt im Süden, die Visa für Mosambik erhalten und den gutsortierten Supermarkt „geplündert“ haben, geht es durch riesige Teeplantagen zu den Mulanje Bergen, dem höchsten Bergmassiv des südlichen Zentralafrika. Es ist ein beliebtes Wandergebiet, geführte, mehrtägige Touren mit Hüttenübernachtung sind möglich. Wir begnügen uns mit einer Halbtagestour zu einem wirklich spektakulären Wasserfall, der sich in ein eiskaltes Badebecken ergießt, in dem uns glatt die Luft wegbleibt. Gerne nehmen wir das Angebot eines jungen Einheimischen an, uns als Führer zu begleiten, denn alleine sollte man in den unwegsamen Bergen und auf kaum markierten Wegen lieber nicht unterwegs sein.

Bei unserer Abreise am nächsten Morgen hüllen sich die Berge in Wolken und die Sonne ist verschwunden, so als wollte sie uns den Abschied leichter machen. Für uns sind es nun nur noch wenige Kilometer bis zur mosambikanischen Grenze, wo wir unsere Reise in ein weiteres interessantes Land fortsetzen.

Renate Henkel

Die Erlebnisse der Familie Henkel sind auch in Buchform erhältlich.

Reifenspuren im Sand, Verlag Pro Business, 15,80 Euro