Kanada: Ottawa – die grüne Hauptstadt unterm Ahornblatt

© Rasso Knoller

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Mit ihren vielen Parks und dem Ottawa River ist die kanadische Hauptstadt die perfekte Spielwiese für Outdoorfans. Museen der internationalen Spitzenklasse locken Kunstliebhaber an.

Es wird überall gejoggt und geradelt in der Stadt. Dem ersten Eindruck nach ist Ottawa nicht nur die kanadische Hauptstadt, sondern auch die Welthauptstadt des Sports.
Am Mittwochvormittag strecken und recken zwei- bis dreihundert Menschen auf ihren Matten liegend auf der Wiese vor dem Parlament ihre Arme und Beine dem kanadischen Himmel entgegen, schwingen sich zur Kerze auf und gehen in den Hund. Dann ist die Zeit für öffentliches Yoga.

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Gäste der Stadt breiten vor dem Parlament nur selten ihre Yogamatte aus. Sie holen sich ihre Fitness beim Aufstieg zum 92 Meter hohen Turm des Parlaments, dem Peace Tower. Er war nach dem Ersten Weltkrieg in Gedenken an die dort gefallenen 65.000 kanadischen Soldaten errichtet worden. Wer will, kann im Anschluss an die Turmbesteigung an einer kostenlosen Führung durch die Räume des Parlaments teilnehmen. Kanadische Geschichte zum Anfassen sozusagen. Besonders stolz ist man in Ottawa auf die Parlamentsbibliothek, die in den 1860er Jahren im neogotischen Stil erbaut wurde.

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Sportfans haben in und um Ottawa unzählige Möglichkeiten. Die Natur hat hier ihren Kampf gegen die Zivilisation noch lange nicht aufgegeben – große Parks ziehen sich durchs Stadtzentrum und über den Ottawa River kann man bis nach Montreal und Toronto paddeln. Zu Zeiten der ersten Siedler war der Fluss die wichtigste Verkehrsader im Osten Kanadas. Heute ist der Ottawa River Spielwiese für Wassersportler aller Art. Im Winter ist Eishockey die unangefochtene Nummer Eins unter allen Sportarten. Wer nicht selbst die Kufen schnüren will, sollte zumindest ein Spiel der Ottawa Senators besuchen. Wenn die Profis gegen ihre Gegner aus der NHL spielen, ist das 18.000 Zuschauer fassende Canadian Tire Centre meist ausverkauft. Schade nur, dass die Puckjäger aus Ottawa bisher noch kein einziges Mal den Stanley Cup, die gemeinsame Meisterschaft der kanadischen und amerikanischen Eishockeyteams, gewinnen konnten.

Hauptstadt der kurzen Wege
Ottawa zählt knapp 900.000 Einwohner. Trotzdem kann man fast jede Sehenswürdigkeit fußläufig erreichen. Das Canadian Museum of History, das, wie der Name nahelegt, einen Streifzug durch die Geschichte Kanadas anbietet, ist die meistbesuchte Ausstellung des Landes. Besonders aufwendig gestaltet ist die Abteilung, die sich mit dem Leben der Ureinwohner beschäftigt. Beliebtes Fotomotiv sind die riesigen Totempfähle, die, wie der Guide bei seiner Führung durch das Museum betont, nie „zum Martern“ verwendet, sondern zu Ehren eines bedeutenden Häuptlings oder Kriegers errichtet wurden. Ein bisschen waren sie auch zum Angeben da – denn einen Totempfahl weihte man mit einem riesigen, mehrtägigen Fest ein, zu dem man alle Stämme der Gegend einlud. Wer den schönsten Pfahl hatte und das aufwändigste fest feiern ließ, genoss ein besonderes Ansehen.

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Noch mehr über das Leben der kanadischen Indianer erfährt man im Freilichtmuseum „Aboriginal Experiences“ am Rande der Innenstadt. Stephanie Sarazin vom Stamm der Pikwakanagan führt in einem purpurnen Stammeskleid und mit reich geschmückter traditioneller Perlenkette durch das Freilichtmuseum. In launigen Worten und immer lachend erzählt die junge Frau von der Geschichte der Indianer. Wenn sie von der Situation der Ureinwohner im heutigen Kanada erzählt, scheint sich ihre Stimme plötzlich vor Aufregung zu überschlagen. Dann sagt sie auch Sätze wie: „Ja, wir werden hier immer noch benachteiligt, aber damit muss ich lernen zu leben.“ Sie atmet tief durch und erzählt, wie die Regierung die Indianer denselben Jagdbeschränkungen unterwirft wie Hobbyjäger und somit vielen Stämmen die Lebensgrundlage entzieht.
Fast symbolisch ist es da, dass man vom Museum der Ureinwohner den besten Blick der Stadt auf das Parlament hat.

Restaurants in Byward Market

© Rasso Knoller

Ein Schloss am Rande des Zentrums
In der National Gallery werden die Werke der Großen der kanadischen Kunst ausgestellt – Namen wie Tom Thomson, Emily Carr und Alex Colville sind in Europa vermutlich nur wenigen Kunstkennern bekannt. Aber wer nach hierzulande berühmten Namen wie van Gogh, Cézanne oder Picasso sucht, wird ebenfalls fündig. Um die Sammlung mit europäischer Kunst dürfte so manches Museum auf dem alten Kontinent die Kanadier beneiden.
Allein schon das Museumsgebäude ist ein Hingucker. Erbaut von dem kanadisch-israelischen Architekten Moshe Safdie, der sich vor allem durch die Sanierung der Altstadt von Jerusalem international einen Namen gemacht hat, besticht das aus Glas und Granit erbaute Bauwerk durch seine klaren Linien.
Unmittelbar ans Zentrum schließt sich Byward Market an. Kleine Läden, Cafés und Restaurants prägen das Bild dieses Stadtteiles, der besonders bei Touristen beliebt ist. Wer Spitzenküche sucht und sein Steak mit einem hervorragenden kanadischen Rotwein hinunterspülen will, schaut im Play in der York Street vorbei. Die freundliche und kompetente Bedienung gehört in dem Restaurant zwar zum Konzept, doch liegt „Dauer-gute-Laune“ Kanadiern ohnehin im Blut. Muffigen Service gibt es nirgends.
Wie breit in Byward Market das Spektrum des gastronomischen Angebots ist, zeigt sich nur eine paar Schritte weiter die Straße hinunter. In „The Dominion Tavern“ legt man auf feine Tischsitten nur wenig Wert, Bier ist das meist bestellte Getränk und statt „Elchsteak medium rare“ isst man hier fettige Hamburger.

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Sogar ein Schloss haben die Kanadier zu bieten. Allerdings war das Chateau Laurier niemals eine echte Adelsbehausung gewesen, sondern von Anfang an ein Nobelhotel – eröffnet 1912. Auch im Chateau hat man zum Thema Kunst einiges zu bieten; eine Dauerausstellung mit Fotos des weltberühmten Portraitfotografen Yousuf Karsh, der 18 Jahre lang in dem Hotel gewohnt hatte.

Text und Fotos: Rasso Knoller

 

Großbritannien/Wales: Cardiff – Kultur statt Kohle

© Crown copyright (2015) Visit Wales

© Crown copyright (2015) Visit Wales

Im „Wales Millennium Centre“ wird in diesem Sommer der Body Guard gegeben – der Film, einst mit Kevin Costner und Whitney Houston ein Welthit, kommt in Cardiff als Musicalversion auf die Bühne. Das 2009 eröffnete Kulturzentrum der walisischen Hauptstadt ist gleichsam ein Symbol für den Aufschwung, ein Zeichen für Umbau und Veränderung. Schön ist die Stadt geworden, die einst nur als größter Kohlehafen weltweit und als Industriestadt bekannt war. 1965 legte der letzte Kohlefrachter ab, danach setzte der Niedergang ein, die Docks verfielen, Trostlosigkeit zog ein. Kurz vor der Jahrtausendwende setzte man dann zum Befreiungsschlag an. Die Gegend rund um den ehemaligen Hafen wurde Schritt für Schritt saniert und entwickelte sich seitdem zum In-Viertel mit Einkaufspassagen, Wohnungen, Büros und unzähligen Restaurants und Kneipen.

© Crown copyright (2015) Visit Wales

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Einkaufen steht in Cardiff ohnehin hoch im Kurs – selbst bezeichnet man sich stolz als „Hauptstadt des Shopping“. In der Royal Arcade, der ältesten Einkaufspassage der Stadt, drängelten sich schon 1865 die ersten Kunden. Inzwischen hat sich das Angebot natürlich deutlich erweitert, große Shoppingcenter wie die Queens Arcade oder das neu eröffnete St David’s Dewi Sant sind das Richtige für den großen Einkaufshunger. Aber es gibt auch es kleine Boutiquen und Läden, in denen man mit dem Verkäufer oder der Verkäuferin noch ins Gespräch kommen kann. Mary Burton ist Besitzerin eines solchen Geschäfts in der Innenstadt. Sie verkauft Souvenirs an Touristen und deswegen ist ihr Umsatz auch ein Gradmesser für den Aufschwung der Stadt. „Jahr für Jahr wird es besser“, schwärmt sie, besonders die T-Shirts mit dem walisischen Drachen verkaufen sich gut“. Und sie freut sich schon auf den kommenden Herbst. Dann ist das 75.000 Zuschauer fassende, 1999 erbaute Millennium Stadium Austragungsort für einige Spiele des Rugby World Cups. Rugby ist in Wales die Sportart Nummer Eins und entsprechend gefragt werden dann T-Shirts mit dem walisischen Drachen, Schals und Fahnen sein. Die roten Trikots, mit denen auch die Spieler der walisischen Rugbynationalmannschaft aufs Feld gehen, hat Mary Burton schon jetzt im Angebot.

© Crown copyright (2015) Visit Wales

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Auch T-Shirts und Tassen mit der Hauptsehenswürdigkeit Cardiffs verkauft die schicke Endfünfzigerin. Die alte Burg, Cardiff Castle, sieht auf Stoff, Keramik oder Porzellan zwar ziemlich kitschig aus, einen Besuch lohnt sie aber auf jeden Fall. Schon die Römer hatten hier ein Kastell und die Normannen eine Burg, die meisten Besucher kommen aber nicht wegen der langen Historie, sondern wegen des Prunks. Und für den hat ein walisischer Kohlebaron Ende des 19. Jahrhunderts gesorgt, als er die Burg zu einem Märchenschloss umbauen ließ und dem Architekten den Auftrag gab, die Räume in den buntesten Farben erstrahlen zu lassen.

Rasso Knoller

 

Indien: Ladakh – weiter Schulweg im Land der Götter

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Abstieg nach Lingshed © Rasso Knoller

Mein Atem geht schwer, der Schweiß rinnt mir am Körper hinunter. Langsam setze ich einen Schritt vor den anderen. Kehre um Kehre schleppe ich mich den Berg hinauf. Die Höhe macht mir zu schaffen. Ein junger Mann überholt mich, mit „Tschulleh“ freundlich grüßend. Kurz hinter ihm eine Frau mit einem Kleinkind an der Hand. Auch die beiden schmettern mir ein „Tschulleh“ entgegen und marschieren dann zügig an mir vorbei. Bis ich endlich zu Atem gekommen bin und zur Antwort ansetzen kann, sind sie schon hinter der nächsten Kehre verschwunden.
Ich bin im Hochland von Ladakh unterwegs, wandere über mehrere 4000 Meter hohe Pässe hinweg nach Lingshed, einem kleinen abgelegen Dorf in mitten majestätischer Berge. Ladakh liegt in Nordindien und zählt zu den höchsten bewohnten Gebieten der Erde.
An meiner Seite wandert Christian Hlade. Er ist Geschäftsführer des österreichischen Reiseveranstalters „Weltweitwandern“, eine Art Botschafter für Ladakh und so etwas wie der gute Geist von Lingshed.

Eine Schule am Ende der Welt

© Rasso Knoller

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Es klingt ein bisschen wie im Märchen. Ein junger Mann aus Österreich macht sich auf den Weg in die Welt. Nach langer Reise kommt er in ein armes Dorf und wird dort mit großer Gastfreundschaft aufgenommen. Das beeindruckt ihn so sehr, dass er beschließt, den Menschen zu helfen. Und weil er Architekt ist, will er für die Kinder in dem Dorf eine Schule errichten. Geld hat er zwar keines, aber dafür umso mehr Begeisterung und Überzeugungskraft. Und so gelingt es ihm schließlich, viele Leute in seiner Heimat für sein Projekt zugewinnen.
Die Geschichte ist aber kein Märchen und hat einen realen Hauptdarsteller. Christian Hlade, der einstige Architekt, ist inzwischen Reiseunternehmer und führt seine Gäste dorthin, wo er vor mehr als 15 Jahren die Schule baute – in die kleine Ortschaft Lingshed. Selbst heute muss man noch mehr als vier Stunden über steile Pässe wandern, bevor man vom Ende der Straße aus das Dorf erreicht. Zumindest ich bin so lange unterwegs. Die Einheimischen legen die Strecke in weniger als der Hälfte der Zeit zurück. Als Hlade das erste Mal hierher kam, war er fünf Tage lang zu Fuß unterwegs. Und auch als man die Schule baute, musste das gesamte Baumaterial über Pässe und durch Täler herangeschleppt werden.

© Rasso Knoller

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Jetzt wird eine Straße nach Lingshed gebaut. Eigentlich sollte sie schon seit Jahren fertig sein, weil der Bauunternehmer aber mit dem indischen Staat über die Bezahlung streitet, ruhen die Arbeiten nun seit geraumer Zeit. Noch endet die Straße deswegen einige Kilometer vor dem Ort. Irgendwann aber wird sie nach Lingshed führen. Schon jetzt bedeutet sie eine enorme Erleichterung für die Menschen.
Fast scheint es so, als bedauere Christian Hlade die Veränderung ein wenig. Er gibt offen zu, dass er als Veranstalter von Wanderreisen mit Einbußen rechne, wenn die Autos durch die Berge rasen und der Zanskar Treck, die bisher beliebteste Himalayaüberquerung, an der auch Lingshed liegt, seinen Ruf verliert. Denn parallel zur Straße wandert keiner gerne. Doch auch der Österreicher sieht die Vorteile für die Menschen – die Zivilisation und damit auch Ärzte, Krankenhäuser und Einkaufsmöglichkeiten rückt näher. Wie überall stellt sich aber die Frage nach Nutzen und Gefahren, die die Moderne mit sich bringt. Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft – Eigenschaften, die für die Ladakhis so typisch sind und die das Überleben in dieser unwirtlichen Region erst möglich gemacht haben – werden sie erhalten bleiben, wenn plötzlich Touristen in Massen durch das Dorf spazieren?

Mönchsspeisung im Kloster Lingshed

Mönchsspeisung im Kloster Lingshed © Rasso Knoller

Wer heute nach Lingshed reist, kann Hlades Befürchtung nur zum Teil verstehen. Denn der bisher ausgebaute Teil der Straße ähnelt immer noch sehr einem Wanderweg. Befahrbar ist er nur mit starken Nerven und einem vierradbetriebenen Fahrzeug. Touristenbusse, die das Kloster von Lingshed als Fotostopp anfahren, kann man sich momentan noch schwer vorstellen.
Dorfspaziergang als Tagesausflug
Als wir in Lingshed ankommen, wird Hlade schon von den Honoratioren und den Kindern erwartet. Die stehen am Dorfeingang Spalier für den Mann, der durch den Schulbau das Leben vieler Menschen im Dorf verändert hat.

Christian Hlade vor der Schule in Lingshed © Rasso Knoller

Christian Hlade vor der Schule in Lingshed © Rasso Knoller

Die Beliebtheit des groß gewachsenen Österreichers färbt auch etwas auf seine Begleitung ab. Auch ich werde von allen Kindern des Dorfes begrüßt und bekomme einen Katak umgehängt, einen Schal, den man in Ladakh besonders willkommenen Gästen zur Begrüßung schenkt. Seit einigen Jahren werden die Kinder in einem größeren Schulgebäude unterrichtet – indirekt hat aber Hlade auch zu dessen Bau beigetragen. Er erzählt, dass „seine Schule“ damals die indische Regierung herausgefordert habe. Die wollte sich nicht von einem irgendeinem Österreicher übertrumpfen lassen – und was jahrelang nicht möglich war, in Lingshed eine große Schule zu bauen nämlich, wurde nun innerhalb kürzester Zeit realisiert. Auch Stanzin Thinless, der junge Guide, der uns her geführt hat, drückte hier die Schulbank. Er ist ein Beispiel dafür, was Bildung bewirken kann. Der junge Mann verdient mittlerweile gutes Geld im Tourismus und kann damit seine Familie unterstützen.
Inzwischen bringt Hlade regelmäßig Reisegruppen nach Ladakh – und oft genug auch nach Lingshed. Damit sorgt er dafür, dass sich die Menschen Geld verdienen können – als Guides, Träger, Köche oder indem sie ihre Pferde und Maultiere für den Lastentransport vermieten.

Guide Stanzin Thinless © Rasso Knoller

Guide Stanzin Thinless, © Rasso Knoller

Lingshed ist ein kleines Dorf, in dem ein paar hundert Menschen leben. 60, vielleicht 70 Häuser liegen verstreut in dem Hochtal. Wer einen „Dorfspaziergang“ unternimmt, ist locker einen halben Tag unterwegs und legt dabei auf und ab sicher tausend Höhenmeter zurück. Die grün leuchtenden Felder bilden einen deutlichen Kontrast zu den kargen Bergen, steile Hänge rahmen das Dorf ein. Erhaben mag man die Landschaft nennen – Wölfe durchstreifen die Gegend, auch wenn einem Bergschrate oder Yetis auf den Bergpfaden entgegenkämen, würde das niemanden wundern.
Keine Eile für die Wiedergeburt
Lingshed liegt in einem Hochtal und bietet spektakuläre Fotomotive. Jeder Tourist kehrt von hier mit beeindruckenden Bildern nach Hause zurück. Zum Leben haben sich die Menschen von Lingshed aber eine der unwirtlichsten Gegenden unseres Planeten ausgesucht. Im Winter sinkt das Thermometer auf minus 30 Grad, im Sommer steigt es auf den gleichen Wert der Plusskala. Das schwere Leben und das Klima haben tiefe Furchen in die Gesichter der Menschen gezogen.

Auf dem Weg zur Schule. © Rasso Knoller

Auf dem Weg zur Schule. © Rasso Knoller

Und anders als man es aus den im Himalaya spielenden Bergsteigerfilmen kennt, türmen sich hier auch keine meterhohen Schneemassen auf. Lingshed liegt auf der Nordseite des Himalayahauptkamms und bis dahin schaffen es die Wolken meist nicht. Schnee oder Regen fällt fast ausschließlich auf der Südseite der Berge. Und deswegen haben die Menschen ein riesiges Problem: Wassermangel. Früher speisten die Gletscher im Frühjahr und Sommer Flüsse und Bäche. Inzwischen sind sie – Stichwort Klimawandel – fast abgeschmolzen, die meisten Wasserläufe zu Rinnsalen verkommen. Die Felder können oft nicht mehr ausreichend bewässert werden und so fällt die Ernte von Jahr zu Jahr spärlicher aus. Selbst die Gerste, das Hauptnahrungsmittel in den Hochlagen des Himalayas, wird knapp. Fleisch von Yaks, Ziegen oder Schafen gibt es ohnehin nur an hohen Feiertagen.
Dann tritt der nepalesische Schlachter des Ortes in Aktion. Er ist vor Jahren als Bauarbeiter ins Dorf gekommen und geblieben. Wenn auch die Menschen in Ladakh arm sind, so gibt es doch noch Ärmere. In der Regel heuert man Nepalis als Bauarbeiter an. Dass einer von ihnen dann als Metzger blieb, hat einen ganz praktischen Grund. Buddhisten, und das sind die Bewohner Lingsheds allesamt, dürfen zwar Fleisch essen, selbst schlachten dürfen sie aber nicht. Da war es durchaus willkommen, dass für hinduistische Nepalis dieses Tabu nicht gilt.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Der Weg von Lingshed zurück in die Hauptstadt Leh ist auch heute noch eine Zweitagesreise. Eilig hat es hier in den Tälern zwischen den Himalayagipfeln ohnehin niemand. Die Straßen sind holprig, die Berge steil und meist nur zu Fuß zu bezwingen. Die Langsamkeit aber gibt einem die Möglichkeit, viel genauer hinzusehen. Die grandiose Landschaft rast nicht vor dem Autofenster dahin, man muss sie Schritt für Schritt erobern. In den Klöstern bleibt Zeit, den Gebeten der Mönche zu lauschen oder mit ihnen in die Meditation zu versinken. Ladakh ist ein Land, das seine Bewohner und Besucher zur Langsamkeit erzieht. Hier zählen nicht Minuten und Stunden, hier geht es um Größeres – um die sich beständig wiederholende Reise aus Leben, Tod und Wiedergeburt.

Text+Fotos: Rasso Knoller

Picus Lesereisen: Inseln des Nordens

Cover Inseln des NordensDas sind Inselträume: Gletscher, die Eisberge ins Meer schicken, Berge, die aus dem Inland-Eis ragen, Pferde mit Mähnen, die im Wind wehen, die Farben des Nordlichts und des Packeises. Jedenfalls dann, wenn die Inseln im hohen Norden liegen und Spitzbergen oder Lofoten, Island, Färöer oder Grönland heißen. Auf den arktischen Inseln erfüllten sich Barbara Schaefer und Rasso Knoller ihre eigenen Träume und befragten die Einheimischen, wie sie leben und wovon sie träumen.
Barbara Schaefer begab sich auf die Spuren starker Frauen in hohen Breiten. So fuhr sie etwa in Grönland mit Hundeschlitten hinaus und ließ sich von Schamanen von früher erzählen. In Spitzbergen hörte sie sich Eisbären-Geschichten an, in Island schleppte sie einen Heißluftballon in einen erloschenen Krater, töltete durch Dauerregen und ließ sich Sagen erzählen.
Rasso Knoller bewunderte zusammen mit einem Maler auf den Lofoten die Farben des Nordlichts, war mit Walfängern unterwegs, besuchte den legendären Torwart der Färöer, der 1990 seinem Land den Sieg gegen Österreich sicherte, und geriet ins Schwärmen, als die beliebteste Sängerin der Inseln ihm ihre schönsten Lieder vorsang.

Pressestimmen

 

»In kurzen Reportagen fangen die Autoren den Reiz des Nordens ein. Eindringlich schildern sie die Schönheit der Landschaften und laden dazu ein, diese Inseln selbst einmal zu besuchen; vielleicht vergisst ja der eine oder andere auch, nach Hause zu fahren.« –Augsburger Allgemeine, 9. Februar 2010»Die Frage danach, was Menschen – insbesondere Frauen – eigentlich hinauszieht ins eisige, lebensfeindliche Weiß der Arktis, beantwortet die bekannte Reisejournalistin Barbara Schaefer zu Beginn des Buches auf fulminante, amüsante und anschauliche Weise mittels eigener Erlebnisse auf Grönland und durch Bezüge zu anderen ›Eisfrauen‹. Nicht nur als Leserin fängt man sofort Feuer und legt das Buch nicht mehr aus der Hand, bis man es verschlungen hat.« –Panorama, 1. Dezember 2009

 

»Die kurzen Geschichten ziehen den Leser in ihren Bann. Und auch nachdem man das Buch geschlossen hat, lassen einen die Eindrücke, die im Norden erlebt werden wollen, nicht mehr los. Sie warten geduldig, wie die stillen blau-weiß glitzernden Kathedralen des Meeres… « –Nordis, 2. November 2009

 

»Dafür weckt das Buch umso mehr die Reiselust, man entwickelt ein Gefühl dafür, was die Reize dieser rauen Gegend wirklich ausmacht.« –ReiseJournal, 15. August 2009

 

 

 

 

 

 

Deutschland/Bernkastel: 76 Oechsle, 160 Weine und 365 Kilometer Wanderweg

Bernkastel vom Kueser Ufer aus © Rasso Knoller

Bernkastel vom Kueser Ufer aus © Rasso Knoller

Martin Kerpen ist zufrieden. „Das wird ein richtig guter Qualitätswein“, sagt der 56-jährige Winzer aus Bernkastel-Wehlen an der Mosel. 76 Oechsle hat er gerade mit dem Refraktometer gemessen. In Oechsle gibt man das Mostgewicht des Traubenmostes an und die 76 auf der Skala ist ein durchaus ordentlicher Wert. Zu erwarten war das nicht unbedingt, denn die Essigfliege hatte den Trauben zugesetzt und auf vielen Anbauflächen Ertrag und Qualität gemindert. Nicht so bei Kerpen.

Winzer Martin Kerpen prüft den Oechslegrad © Rasso Knoller

Winzer Martin Kerpen prüft den Oechslegrad © Rasso Knoller

„2014 wird trotz alledem ein ganz ordentlicher Jahrgang“, ist der Winzer überzeugt. Freilich hat man oben am Berg bei der Lese viel zu tun und muss die fauligen Reben per Hand wegschneiden. Handlese ist in den Lagen der Mosel aber ohnehin die Regel. Erntemaschinen, die bei den Reben nicht zwischen gut und schlecht unterscheiden können, sind hier überfordert. Viel zu steil sind die Hänge für sie.

Weinlese mit Hund © Rasso Knoller

Weinlese mit Hund © Rasso Knoller

Die vielen kleinen Winzer aktivieren deswegen zur Lese Freunde und Bekannte, die größeren, wie Kerpen, heuern zusätzlich Arbeiter aus Rumänien an. „In den Steillagen ist die Arbeit sogar leichter“, verrät einer von ihnen. Denn so müsse man sich nicht ständig zu den Reben hinunterbücken.

Blick auf die Mosel, © Rasso Knoller

Blick auf die Mosel, © Rasso Knoller

Weg mit Aussicht
Für die Touristen haben die steilen Hänge einen ganz anderen Vorteil. Wer auf dem Moselsteig durch die Weinberge wandert, der genießt fast dauernd einen Panoramablick hinab auf den Fluss. 365 Kilometer ist der Weg lang. Wer gut zu Fuß ist, schafft ihn an 24 Tagen. Doch wer hier unterwegs ist, muss kein Marathonmann sein, denn selbstverständlich kann man auch jede Tagesetappe für sich bewältigen. Eine besonders schöne Tour führt von Bernkastel-Kues nach Traben-Trarbach. Wobei es vom Wanderer etwas Überwindung verlangt, damit er überhaupt losmarschiert. Bernkastel ist nämlich einer der schönsten Orte an der Mosel, die Altstadt mit ihren vielen Weinlokalen und den windschiefen Häusern scheint direkt einer Puppenstubenwelt entnommen.

Stadtführer Jürgen Kettern © R. Knoller

Stadtführer Jürgen Kettern © R. Knoller

Nach vorne geneigt sind die Hausfassaden aber nicht etwa, weil Architekt und Baumeister zu tief ins Glas geschaut haben, sondern weil sie so dem Steuerrecht der früheren Tage trotzten. Der Fiskus berechnete damals die Abgabe nämlich nach der Grundfläche, wer sein Häuschen also mit Überhang baute, konnte so den ein oder anderen steuerfreien Quadratmeter schinden. Das erzählt Stadtführer Jürgen Kettern, der die Gäste in alter Tracht durch die Stadt begleitet.
Gesund durch Wein
Er weiß auch vom Doctor Wein zu berichten, der seinen Namen daher hat, weil der ortsansässige Kurfürst im 14. Jahrhundert durch seinen Genuss von einer schweren Krankheit geheilt wurde. Nachdem der Adelige bereits jede andere Medizin ausprobiert und alle Ärzte der Region konsultiert hatte, kam ein Winzer aus Bernkastel zu ihm und bot ihm seinen Wein als Medizin an. Den Doctorberg gibt es noch heute, er ist die bevorzugte Lage für die Bernkastler Weine und erhebt sich gleich hinter dem letzten Haus am Ortsrand. Ob die Reben, die hier geerntet werden, immer noch heilende Wirkung haben, muss man schon selbst rausfinden. Der beste Wein der Region jedenfalls kommt von hier. Und der teuerste auch. Laut Stadtführer Kettern werden die letzten sechs Flaschen der 1921er Riesling Trockenbeerenauslese heute fast 15000 Euro gehandelt.
Drüben, auf der anderen Moselseite im Ortsteil Kues, geht es auch um Wein. Theoretisch und praktisch. Im Weinmuseum erfährt der Besucher so ziemlich alles, was er über Anbau und Ausbau des Moselweins wissen muss, und in der angeschlossenen Vinothek, in den historischen Kellerräumen des St. Nikolaus Hospitals, kann man seine theoretischen Kenntnisse auf die Probe stellen.160 Weine fast aller Winzer der Region stehen hier zu Verkostung bereit.

Weinprobe in der Vinothek © Rasso Knoller

Weinprobe in der Vinothek © Rasso Knoller

Weinseligkeit breitet sich bei den Gästen der Vinothek nicht nur wegen der Alkoholprozente aus, sondern auch wegen der hervorragenden Qualität des gebotenen. Gern stimmt man nach einigen Kostproben Jörg Lautwein zu, dem Geschäftsführer der Wein- und Ferienregion Bernkastel-Kues, der feststellt, „dass sich seit den 1990er Jahren der Weinanbau an der Mosel grundlegend geändert hat und man seitdem weniger auf Quantität denn auf Qualität setzt“. Wer aber noch auf dem Moselsteig weiter will, muss Selbstdisziplin beweisen, für den einmaligen Eintrittspreis von 15 Euro kann man in der Vinothek nämlich – zumindest theoretisch – alle Weine aus Deutschlands ältester Weinregion probieren.

Text und Fotos Rasso Knoller

Thailand: Koh Samui – Captain Miguel und seine Crew

Rasso Knoller Ankern vor Koh Mae Koh

© Rasso Knoller

 

Der Ang Thong Meeresnationalpark im Süden Thailands ist das perfekte Segelrevier. Profis erfreuen sich an optimalen Bedingungen, und wer nicht segeln kann, mietet sich zum Boot einfach den Skipper mit dazu.

Miguel steuert das Boot hinein in die Bucht von Ao Thong Nai Pan Yai auf der Insel Koh Pangan. Die Sonne ist eben untergegangen und das Schwarz der Nacht legt sich wie ein Seidentuch über den Süden Thailands. Die Sterne funkeln am klaren Himmel, der Mond spiegelt sich im wellenlosen Meer und vom Ufer her locken Strandfackeln Yachttouristen wie uns an. Ein Restaurant reiht sich dort ans andere, der Duft von Massaman Curry weht herüber auf unser Boot. Dass man auch in der Hochsaison immer einen Platz in einem der Lokale findet, liegt daran, dass die Schmetterlingsbucht, wie der lange Name ins Deutsche übersetzt heißt, vom Land her nur schwer zu erreichen ist. Die rumplige Piste, die dorthin führt, ist für Ausflugsbusse tabu.

Segeln im Ang Thong Nationalpark:  Katamaran

© Rasso Knoller

Miguel setzt uns mit dem Beiboot über, der laue Abendwind streichelt die Haut und als wir ins Wasser springen, um das Dinghi an Land zu schieben, umschmeichelt warmes Wasser unsere Beine. Vor der Yai Bar ziehen wir unser Boot auf den Strand. Lampions, Lichterketten und Fackeln zaubern eine Stimmung, als sei das Restaurant einem Märchenbuch entstiegen und man erwartet fast, dass Elfen und Feen an den Tisch schweben, um die Bestellung aufzunehmen. Ganz entspricht die junge Kellnerin zwar nicht dem Märchenklischee, doch auch von ihr serviert, schmeckt das Chang, das Bier mit dem Elefanten auf der Dose, ganz ausgezeichnet. Nach dem wir den ersten Durst gestillt haben, ziehen wir weiter ins nächste Restaurant. Es wurde eben erst neu eröffnet und gehört einem österreichischen Aussteiger. Der ist im Stress und hat keine Lust auf ein Gespräch. Zu viel zu tun.

Aussicht auf grüne Perlen und Haifischflossen

Skipper Miguel

© Rasso Knoller

Miguel ist da cooler. Er hat den europäischen Stress auf dem alten Kontinent zurückgelassen und sich schon ganz an die entspannte thailändische Lebensweise angepasst. Der 31- jährige Portugiese mit Vollbart ist eigentlich Architekt. Jetzt aber steuert er Segelboote durch den Golf von Thailand, ist mit den Gästen eines Yachtvermieters zu Touren durch die Inselwelt des Ang Thong Nationalparks unterwegs. 42 Inseln zählen zu dem Schutzgebiet, und ein jede von ihnen weist gleich ein paar Sandstrände auf – paradiesische Zustände für Wasserratten also.
Ausgangspunkt der Reisen ist Koh Samui, eine Insel, von der Thailandneulinge schwärmen. Die alten Hasen aber beklagen, dass dort inzwischen der Massentourismus angekommen sei und erinnern sich wehmütig an Zeiten, als man noch allein vor seinem Bungalow saß und den ganzen Strand für sich hatte.
Die einen mögen die Veränderung, die anderen bedauern sie – wer mit dem Boot unterwegs ist, dem kann die Diskussion egal sein. Denn sobald die Yacht den Hafen verlassen hat, ist man mit sich und dem Meer allein, und man geht dort vor Anker, wo es einem passt.

Austieg zum höchsten Berg auf Koh Wua Talap

© Rasso Knoller

Nur zweimal auf unserer Reise durch die thailändische Inselwelt, als wir Koh Wua Talap und Koh Mae Koh anlaufen, müssen wir unsere selbstgewählte Einsamkeit aufgeben und die Schönheit der Natur mit anderen teilen. Beide Inseln locken mit atemberaubenden Aussichtspunkten und sind deswegen Ziel vieler Tagesausflügler aus Koh Samui.
Auf Koh Wua Talap – der Insel der schlafenden Kuh – steigt man, skeptisch beäugt von Brillenlanguren, hinauf zum höchsten Berg der Insel. Brillenlanguren sind gut einen halben Meter große Affen mit bräunlich-schwarzem Fell und einem langen Ringelschwanz. Ihren Namen hat man ihnen wegen der weißen Haut verpasst, die ihre Augen einfasst und sie aussehen lässt, als bräuchten sie eine Sehhilfe.
Der Marsch den Berg hinauf ist ziemlich schweißtreibend und führt die letzten Meter über steile Felsen. Über die schwierigsten Stellen helfen Seile hinweg, trotzdem ist der Weg nichts für die Badelatschenfraktion.

Gipfelblick in KohWua Talap

© Rasso Knoller

Es ist aber nicht der anstrengende Aufstieg, der einen oben angekommen den Atem stocken lässt. Der Blick von der Aussichtsplattform ist schlichtweg gigantisch. Überdimensionale grüne Haifischflossen, sonderbare einarmige Giganten und stachelige Igel scheinen ist drunten aus dem Wasser zu erheben. Wer auch immer die Inseln des Ang Thong Nationalparks geschaffen hat, er hat es an einem besonders kreativen Tag getan.
Zum Aussichtspunkt auf der benachbarten Insel Koh Mae Koh führen praktischerweise Treppen hinauf. Oben angekommen weiß man gar nicht, wohin man zuerst blicken soll – hinaus aufs Meer und die Inselwelt des Nationalparks oder hinab auf einem kleinen Inlandsee, der wie eine blaue Perle vom Grün des Dschungels eingerahmt wird. Angeblich hat er die Macher von „The Beach“ zu ihrem Drehbuch inspiriert. Gedreht wurde der Film dann auf Koh Phi Phi, einer anderen Insel vor der Küste Südthailands.

Ausblick von Koh Mae Koh

© Rasso Knoller

Miguel sagt wie es geht

In Koh Tao liegt die Schönheit vor allem unter Wasser. Die Insel bzw. das Meer davor gilt als Tauchparadies. Gelb, blau, rot – die Fische scheinen allesamt durch den Farbtopf geschwommen zu sein, bevor sie den Weg ins thailändische Wasser gefunden haben. Und dort tummeln sich viele von ihnen in geringer Tiefe – um sie zu sehen, muss man nicht tauchen zu können. Schnorchel und Taucherbrille genügen. Ebenso wenig braucht man einen Segelschein, um in Thailand eine Yacht zu chartern. Wer keine Segelerfahrung hat, mietet sich den Skipper einfach mit dazu. Leute wie Miguel sorgen dann dafür, dass auch Landratten Spaß haben. Der bärtige Portugiese ist bei uns der Chef an Bord. Er hat seine ungelernte Crew gut im Griff, schickt sie zum Anker lichten, Segel setzen oder überlässt einem Rookie auch schon mal das Ruder.

© Rasso Knoller,  Segeln im Ang Thong Nationalpark: Yacht

© Rasso Knoller

Alles aber nur, wenn seine Gäste das auch wollen. Denn Miguel kann das Boot auch alleine segeln und dann können sich die Passagiere ganz auf die Szenerie oder die kalten Biere konzentrieren. Das aber passiert nur selten, erzählt Miguel. Die meisten Gäste wollen mithelfen und denen gibt er dann, wie uns, immer gut gelaunt, seine Anweisungen. Obwohl ich auch nach Tagen immer noch überlegen muss, wo nun genau Luv und Lee liegen und mir Begriffe wie Großsegel, Vorsegel oder Spinnaker noch lange nicht flüssig über die Lippen kommen, fühle ich mich nach einer Woche an Bord doch ein wenig wie Captain Cook, oder na ja, wenigsten wie einer seiner Matrosen.

Text und Fotos: Rasso Knoller

Rasso Knoller: Finnland – Ein Länderportrait. Lesung auf der Buchmesse

Der typische Finne sitzt am See, gerade aus der Sauna gekommen, greift er als Erstes zum Handy. Vermutlich ruft er aber nur seinen Anrufbeantworter an. Denn er spricht nicht gern. Das kennt man ja schon aus den Filmen von Aki Kaurismäki. Und in denen trinken die Männer auch gern. Am liebsten Bier oder Wodka. Und viel. Dagegen macht der Nachwuchs in den PISA-Statistiken seit geraumer Zeit Furore. Lesen, Schreiben, Rechnen: Überall ist das finnische Kind ganz vorn mit dabei. Und Skispringen kann es auch, denn das lernt es ebenfalls in der Schule. Alles Klischees? Der Journalist Rasso Knoller hat die besten Voraussetzungen, diese Frage zu beantworten. Er hat mehrere Jahre in Finnland gelebt und gearbeitet. Aber viel wichtiger: Er hat unzählige Saunagänge zusammen mit Finnen hinter sich. Bei knapp hundert Grad wird auch der schweigsamste Finne gesprächig. Und erzählt dann, wie es wirklich zugeht in seinem Land.

Weitere Infos: Rasso Knoller, Finnland. Ein Länderportrait, Ch.Links Verlag, 16,90 Euro


Schweden: Die Top 10 Sehenswürdigkeiten von Stockholm

1 Stadshuset

Hier werden die Nobelpreise verliehen. Die mit Mosaiken reich geschmückten Innenräume sind sehenswert. Noch schöner ist aber der Blick vom 106 Meter hohen Turm.

2 Riddarholmskyrkan

An dem charakteristischen Turm mit seiner Gusseisenspitze erkennt man sie schon von Weitem. Drinnen haben 17 schwedische Monarchen ihre letzte Ruhestätte gefunden.

3 Königliches Schloss

Für den Besuch des Schlosses mit seinen vielen unterschiedlichen Museen, sollte man mehrere Stunden einplanen. Ein beliebtes Fotomotiv ist jeden Mittag die Wachablösung durch die Soldaten des königlichen Regiments.

4 Stortorget

Einer der schönsten Plätze Europas: alte Häuser, kleine Cafés und viel gute Stimmung. An der Nordseite des Platzes liegt in dem ehemaligen Gebäude der Börse das Nobelmuseum.

5 Nationalmuseum

Die größte Kunstsammlung Schwedens umfasst neben den bedeutendsten Werken aller wichtigen schwedischen Künstler auch eine bemerkenswerte Sammlung französischer Maler.

6 Insel Skeppsholmen

Die kleine Insel erreicht man über eine Brücke. Auf ihr liegen gleich drei Museen: das Ostasiatische, das Architektur- und das Moderne Museum. Am beeindruckendsten ist das Moderne Museum in dem u.a. wichtige Gemälde von Picasso, Dalí und Matisse ausgestellt sind.

7 Freilichtmuseum Skansen

Bereits 1891 eröffnet, wurden hier Gebäude aus allen Teilen des Landes zusammengetragen. Im Tierpark sind die großen Säugetiere des Nordens zu sehen. Ein ideales Ausflugsziel für Familien.

8 Vasa-Museum

So als sei es erst gestern gesunken, kann man hier das größte Kriegsschiff aus der Flotte Gustav Adolfs bestaunen, das 1628 bei seiner Jungfernfahrt im Hafen unterging.

9 Schloss Drottningholm

Wegen seines barocken Gartens zählt das etwas außerhalb gelegene Schloss zum UNESCO-Weltkulturerbe. Absolut sehenswert ist auch das kleine Schlosstheater, bei dem wie in alten Zeiten die Bühnenmaschinerie noch manuell bedient wird.

10 Millesgården

Das Heim und Atelier des Bildhauers Carl Milles (1875–1955) ist heute ein Museum. Im großen Garten seines Hauses, der hoch über einem Meeresarm liegt, stehen viele seiner Statuen.

Rasso Knoller: Nordeuropa – Porträt einer Region

785 Nordeuropa USDänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und das weit draußen im Atlantik gelegene Island werden auch unter dem Begriff »Nordeuropa« zusammengefasst: Fünf Länder, die auf eine lange gemeinsame aber nicht immer harmonische politische Vergangenheit zurückblicken können. Ein gut ausgebautes Sozialsystem, lange Zeit vordere Plätze im PISA-Vergleich der Schulen und erfolgreiche Frauen in Politik und Wirtschaft – auf der Habenseite haben die Nordlichter vieles gemeinsam. Aber genauso groß wie die Gemeinsamkeiten sind auch die Unterschiede. Neidisch blicken die klammen Isländer auf den norwegischen Ölreichtum, kopfschüttelnd kommentieren die Schweden die dänische Alkoholpolitik, irritiert reagieren die Finnen auf die dänische Wortgewalt. Und die Rivalität zwischen Norwegen und Finnland auf der einen und Schweden auf der anderen Seite ist ohnehin legendär. Erstmals stellt Rasso Knoller  die nordischen Fünf gemeinsam vor.

Irland: Polyglott on tour

Polyglott on tourDer benutzerfreundliche Polyglott-Reiseführer von Rasso Knoller und Christian Nowak  mit innovativem Tourenkonzept bringt den Leser zu den schönsten Reisezielen Irlands. Entdecken Sie mit Polyglott on tour Dublin, Belfast und die Cliffs of Moher. Der Reiseführer enthält zusätzlich 24 Touren, z. B. rund um Athlone. Neben einem ausführlichem Infoteil verraten die Autoren in dem Buch auch ihre Lieblingsziele auf der “grünen Insel.“

Picus Lesereisen: Trolle, Schnee und Saunakult

Picus Lesereisen Trolle, Schnee und SaunakultWenn bereits zwei Menschen am selben Seeufer Einheimische von Überbevölkerung sprechen lassen, wenn in der gesunden Sauna Würstchen am heißen Stein vor sich hin brutzeln und das eine oder andere kühle Bier dazu getrunken wird, und wenn erwachsene Männer mit Hingabe debattieren können, wo genau nun der Weihnachtsmann herkommt, dann ist es unübersehbar: Die Skandinavier haben ihre eigenen Sitten. Dieser Sonderband stellt eine Auswahl von Texten aus den erfolgreichen Bänden der Reihe Picus Lesereisen zu den Lebensgewohnheiten, Traditionen und Naturschönheiten Dänemarks, Finnlands, Norwegens und Schwedens dar. Sie entführen nicht nur in einsame Hütten oder zu Abenteuern unter freiem Himmel, sondern auch mitten hinein in den Trubel von mitternächtlichen Shoppingtouren und zu einem mittelalterlichen Wikingermarkt. Dabei lernt man die wundersamen Besonderheiten der Finnen kennen, erfährt, warum in Schweden alle »duktig« sind, staunt über die Fortschrittlichkeit der norwegischen Königsfamilie und ergründet das Geheimnis, warum das dänische Hotdog einfach am besten schmeckt. Mit Beiträgen von: Rasso Knoller, Nina Freydag, Franz Lerchenmüller, Barbara Schaefer und Helge Sobik.

Lesereise: Kulinarium Skandinavien

1038Kulinarische Wagnisse und ausgefallene Spezialitäten wie »lutefisk« oder »surströmming« stehen mitunter auf dem Speiseplan der skandinavischen Küche, aber auch Köstlichkeiten wie »smørrebrød« oder Meeresfrüchte aller Art. Die Autorinnen und Autoren des Sammelbands begeben sich auf Entdeckungsreise und erzählen nicht nur von den Erfolgen der schwedischen Kochnationalmannschaft und von dem dänischen Klassiker »Dyrlægens Natmad«, sondern auch von skandinavischen Alkoholbräuchen und der allgegenwärtigen Tasse Kaffee. Begeben Sie sich auf eine abenteuerliche, vielfältige Reise durch das kulinarische Skandinavien! Mit Beiträgen von Anne Helene Bubenzer, Barbara Denscher, Nina Freydag, Gabriele Haefs, Rasso Knoller, Franz Lerchenmüller, Barbara Schaefer und Helge Sobik.