Deutschland: Kunst der Vorzeit – Felsbilder aus der Sammlung Frobenius

15_Handsilhouetten, Fische und Mond   Handsilhouetten, Fische und Mond   Indonesien, West-Papua, Tabulinetin 500-1.500 n.Chr.  Aquarell von Albert Hahn, 1937 65x95 cm © Frobenius-Institut Frankfurt am Main

15_Handsilhouetten, Fische und Mond, Handsilhouetten, Fische und Mond, Indonesien, West-Papua, Tabulinetin, 500-1.500 n.Chr., Aquarell von Albert Hahn, 1937, 65×95 cm, © Frobenius-Institut Frankfurt am Main

In einer der Einleitungssequenzen von Ridley Scotts Science-Fiction-Film Prometheus entdecken Höhlenforscher eine prähistorische Wandmalerei, auf der eine anthropomorphe Gestalt zu sehen ist, die auf eine ferne Gestirnskonstellation hinweist. Wie sich im Verlauf der Handlung herausstellen wird, bezeichnet sie den Ort im Kosmos, von dem in ferner Vorzeit die „Konstrukteure“ aufgebrochen waren, um das Menschengeschlecht zu schaffen. Die Grundidee von Scotts ursprungsmythischem Zukunftsspektakel aus dem Jahr 2012 ist indes nur eine Wiederauflage der Spekulationen, die der Schweizer Autor Erich von Däniken bereits 1968 in seinem Buch Erinnerungen an die Zukunft angestellt hatte. Für ihn stellen die geheimnisvollen Wandjina-Figuren auf den Felsbildern der Kimberley-Region in Nordwest-Australien extraterrestrische Wesen dar: raumhelmbewehrte Astronauten, die vor Jahrtausenden die Erde besuchten und von ihren Bewohnern als Götter verehrt wurden. Die antikisierenden Gesichtszüge der prometheischen Aliens in Scotts Film könnte man wiederum als ein spätes Echo auf die Theorien von Leo Frobenius deuten, der bei seinen Expeditionen in das Innere Afrikas mythische Orte der antiken Überlieferung wiederentdeckt zu haben glaubte. Die in ihrer Nähe gefundenen Felsbilder betrachtete er als Belege für die Existenz uralter und über die ganze Mittelmeerwelt verbreitete Kulturkreise, aus denen auch die Kultur der griechischen Antike einst hervorgegangen war.

13_Stehender weiblicher Wisent Nordspanien, Cantabrien, Altamira 16.000-14.000 v.Chr.  Stehender weiblicher Wisent Aquarell von Elisabeth Charlotte Pauli, 1936 69x100 cm © Frobenius-Institut Frankfurt am Main

13_Stehender weiblicher Wisent, Nordspanien, Cantabrien, Altamira, 16.000-14.000 v.Chr., Stehender weiblicher Wisent, Aquarell von Elisabeth Charlotte Pauli, 1936, 69×100 cm, © Frobenius-Institut Frankfurt am Main

Seit ihrer Entdeckung im 19. Jahrhundert haben Höhlenmalereien und Felsbilder die Phantasie angeregt. Auch seriöse Wissenschaftler ergingen sich in vielfältigen Gedankenspielereien, nachdem die zunächst bezweifelte Echtheit der Funde im spanischen Altamira und in Südfrankreich erst einmal anerkannt war. Die einen zogen Parallelen zu den Ritualen zeitgenössischer indigener Gruppen und vermuteten, dass die Höhlen für Initiationszeremonien und die Malereien für die Unterrichtung der Initianden dienten. Andere sahen in den Tierdarstellungen primitiven Jagdzauber am Werk: die mimetische Magie des frühen Menschen. Religionswissenschaftler wie Mircea Eliade glaubten in ihnen dagegen Spuren einer ursprünglichweltweit verbreiteten ekstatischen Schamanentechnik zu entdecken: Ausdruck eines numinosen Grundgefühls, der Urreligion der Menschheit.

05_Elefantenkontur, riesiges rotes Tier, Böcke und Menschen  Elefantenkontur, riesiges rotes Tier, Böcke und Menschen Simbabwe, Marandellas Distrikt, Inoro-Höhle 8.000-2.000 v.Chr. Aquarell von Joachim Lutz, 1929 151x616 cm © Frobenius-Institut Frankfurt am Main

05_Elefantenkontur, riesiges rotes Tier, Böcke und Menschen, Elefantenkontur, riesiges rotes Tier, Böcke und Menschen, Simbabwe, Marandellas Distrikt, Inoro-Höhle, 8.000-2.000 v.Chr.
Aquarell von Joachim Lutz, 1929, 151×616 cm, © Frobenius-Institut Frankfurt am Main

Auch Philosophen nahmen sich des Themas an. Hans Jonas galten die prähistorischen Felsbilder als Beleg für seine Theorie vom homo pictor. Das Erzeugen von Bildern gehört für ihn zu den Wesensmerkmalen des Menschseins. Erst mit dem Herstellen symbolischer Zeichen habe der Menschdas Reich des Animalischen verlassen und seine Identität als Gattungswesen gewonnen. In den letzten Jahren haben sich auch Neurobiologen mit der Frage beschäftigt, welchem höheren Zweck die prähistorische Malerei gattungsgeschichtlich eigentlich gedient haben mag, und sie mit einem Verweis auf den evolutionären Vorteil beantwortet, den das zur künstlerischen Betätigung drängende ästhetische Empfinden dem Menschen angeblich verschafft. Man braucht also gar nicht auf die zahlreichen kunsthistorischen Theorien einzugehen, um zu sehen, in welchem Ausmaß die Felsbilder und Höhlenmalereien des vorzeitlichen Menschen zum Gegenstand spekulativer Erörterungen geworden sind. Der von dem Dahlemer Religionsphilosophen Klaus Heinrich geprägte Begriff der Faszinationsgeschichte – wo wäre er besser am Platze als hier?

11_Gruppe menschlicher Figuren Ägypten, Gilf Kebir, Wadi Sora 4.400–3.500 v.Chr.  Gruppe menschlicher Figuren Aquarell von Elisabeth Charlotte Pauli, 1933 35x41 cm © Frobenius-Institut Frankfurt am Main

11_Gruppe menschlicher Figuren, Ägypten, Gilf Kebir, Wadi Sora, 4.400–3.500 v.Chr., Gruppe menschlicher Figuren, Aquarell von Elisabeth Charlotte Pauli, 1933, 35×41 cm, © Frobenius-Institut Frankfurt am Main

Die moderne ur- und frühgeschichtliche Forschung legt sich bei der Interpretation paläo- und neolithischer Kunstwerke indes größte Zurückhaltung auf. Vor allem gegenüber den früher so beliebten Parallelisierungen zwischen den Lebens- und Denkformen archaischer und rezenter indigener Kulturen zeigt sie sich inzwischen sehr reserviert. Ähnliches gilt für die Annahme einiger Neuropsychologen, der zufolge sich die Ähnlichkeit der Felsbilder in aller Welt dem Umstand verdanken soll, dass sie auf Halluzinationen zurückgehen, die durch drogeninduzierte Altered States of Consciousness ausgelöst worden seien. Man kann zwar heute das Alter einzelner Fundstätten entschieden zuverlässiger als früher datieren, dochvon ihrem sozialen und kulturellen Umfeld weiß man nach wie vor so gut wie nichts. Welche Motive haben die frühen Maler bewogen? Welche Bedeutungen haben sie einzelnen Figuren beigelegt? Wie wurden sie von ihren Mitmenschen rezipiert? Hatten die bildlichen Darstellungen sakralen Charakter? War der homo pictor zugleich ein homo cultus? Auf diese und viele andere Fragen vermag die moderne Felsbildforschung keine definitiven Antworten zu geben. Jede Überlegung mag richtig, jede kann genauso gut falsch sein. Dass die Felszeichnungen australischer Ureinwohner schamanischen Entrückungsritualen dienten, lässt sich ebenso behaupten wie die These, dass sie Wesen aus extraterrestrischen Welten darstellen. Für die erste Behauptung spricht allein ihre größere Wahrscheinlichkeit. Empirisch belegen kann man sie nicht.

Von Karl-Heinz Kohl
Direktor des Frobenius-Institutes Frankfurt am Main

 

 

 

Niederlande: Ein Pottwal finanziert seine eigene Ausstellung

Schädel Pottwal_Copyright Ecomare

 

Ein Pottwal, der im Dezember 2012 unweit der niederländischen Wattenmeerinsel Texel tot auf einer Sandbank strandete, hat das benötigte Geld für seine Ausstellung buchstäblich selber mitgebracht.  Bei der Untersuchung des Kadavers fanden die Forscher nämlich rund  Kilo Amber – ein wertvoller Stoff, der bei der Produktion teurer Parfums eingesetzt wird. Amber wird im Darm mancher Pottwale produziert und dies zumeist nur in sehr kleinen Mengen. Aufgrund seines hohen Werts wird es auch ‚schwimmendes Gold‘ genannt.

Wal-Saal

Mit Hilfe des Erlöses, der beim Verkauf der ungewöhnlich großen Menge Amber erzielt werden konnte, wurde im Texeler Naturkundemuseum Ecomare nun ein beeindruckender Wal-Saal eröffnet, in dem der berühmte Pottwal sowie andere auf Texel gestrandete Wale ausgestellt sind. Der völlig in Blau gehaltene Raum hält für kleine und große Besucher ein interaktives Walerlebnis bereit, das landesweit seinesgleichen sucht. Damit hat das Ecomare, das bereits weit über die Inselgrenzen hinaus als herausragendes naturkundliches Bildungszentrum bekannt ist, eine weitere Attraktion hinzugewonnen.

Hautnahes Erlebnis

In der neuen, spannenden Ausstellung läuft man im wahrsten Sinne des Wortes durch die Skelette der Wale hindurch, während man akustisch von ihren Rufen umgeben ist. Besonders beeindruckend ist der rund 15 Meter lange Pottwal-Schädel. Ausgestattet mit 52 Zähnen im Unterkiefer vermittelt er auf einzigartige Weise ein Bild von der enormen Größe dieses friedlichen Meeresbewohners. In einer kleinen Vitrine hält der einer Unterwasserwelt nachempfundene Saal zudem eine besondere Sehenswürdigkeit bereit: ein Stück des originalen Pottwal-Ambers. Neben den Knochen von insgesamt sechs gestrandeten Walen und Delphinen gibt es im neuen Wal-Saal auch noch einiges Wissenswertes rund um die Meeressäuger zu sehen und entdecken. So zeigt die Evolutionswand über die ganze Breite des Raumes den Stammbaum der verschiedenen Wal-Arten – hier sind alle Wale der Welt dargestellt. Des Weiteren sind hier lebensechte Modelle von Ur-Walen zu sehen – wie z.B. dem Ambulocteus, ein prähistorischer Wal mit Beinen.

 

 

 

Deutschland: Floating Houses in Kröslin

Auf schwimmenden Häusern den etwas anderen Urlaub verbringen

Die Floating-Houses befinden sich im Krösliner See an der Marina Kröslin in Vorpommern und können als komfortable Ferienhäuser gemietet werden. Vom Rande des Yachthafens blickt man über die reizvolle Bodden-Landschaft des Peenestroms, auf den Greifswalder Bodden und über die Inseln Usedom und Rügen. Und auch bis zur Ostsee ist es nicht weit. Der nächste Sandstrand im benachbarten Fischerort Freest ist nur ca. 2 km entfernt. Man kann in der Saison aber auch direkt vom Krösliner Hafen aus mit einer kleinen Fähre zur Insel Usedom übersetzen – dort warten dann über 40 km feiner Ostseestrand sowie die Seebäder mit ihren Seebrücken.

Mit einem Urlaub auf den schwimmenden Häusern schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie verbinden das besondere Urlaubsgefühl auf dem Wasser mit den Annehmlichkeiten eines komfortablen Ferienhauses. Fest verankert liegen die zweistöckigen Ferienhäuser am Rande des Krösliner Yachthafens. Von hier aus genießen Gäste einen Blick auf die vielen Boote, das angrenzende Naturschutzgebiet und können von der oberen Etage zur Insel Rügen und Usedom blicken. In der Comfort-Variante des Ferienhaustyps finden bis zu vier Personen Platz.

Im oberen Deck befinden sich wahlweise ein Schlafzimmer mit Doppelbett und eine offene Galerie oder zwei Schlafzimmer. Zudem verfügen die Floating-Houses über ein großzügiges Badezimmer im oberen Deck. Weitere schwimmende Ferienhäuser gibt es in Barth, vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gelegen, und in Krummin auf der Insel Usedom. Wer doch mal ablegen möchte in Kröslin, mietet sich ein Boot und fährt auf Erkundungstour im Greifswalder Bodden oder unternimmt eine Radtour etwa von Kröslin in den beschaulichen Fischerort Freest.

 

Hongkong: Mehr als Tee und Wasser – die Teezeremonie

„Eine chinesische Teetasse mag klein aussehen, sie enthält jedoch viel mehr als nur Tee und Wasser“. Diese und viele weitere Weisheiten lernen Hong Kong Besucher im Lock Cha Tea Shop, während sie in die Geheimnisse der traditionellen Teezeremonie eingeweiht werden. Der Kurs „Chinese Tea Appreciation Class“ ist fester Bestandteil des „KulturellenKaleidoskop Programmes“, mit dem das Hong Kong Tourism Board Touristen größtenteils kostenlose Einblicke hinter die Kulissen der asiatischen Metropole bietet.

„Es gibt drei Regeln, die bei der Zubereitung von Tee unbedingt eingehalten werden müssen“, erklärt der Kursleiter, während er die filigranen Teetassen vor sich aufreiht. Tee, so sagt er, sei das Lebenselixier der Hong Kong Chinesen und allein die Zubereitung eine Kunst für sich. Wenn man ihm zusieht, wie konzentriert er bei der Sache ist, gibt man ihm unweigerlich recht und hat dabei das Gefühl, sogleich an der Essenz jahrhundertealter chinesischer Kultur zu nippen.

„Wichtig ist vor allem die richtige Menge an Teeblättern. Es hängt natürlich auch vom persönlichen Geschmack ab, aber wir verwenden etwa fünf Gramm für normalen und acht Gramm für stärkeren Tee“, so Tang weiter. „Ebenso wichtig ist die richtige Temperatur. Nicht alle Teesorten werden mit kochendem Wasser übergossen. Grüner Tee darf maximal mit 40 bis 70 Grad heißem Wasser zubereitet werden. Die dritte Regel ist das richtige Timing. Greenish Oolong Tee darf nur kurz ziehen, andere Teesorten sind da flexibler zu handhaben. Zieht ein Tee jedoch zulange, wird er schnell bitter“.

Während des Unterrichts lernen Besucher sechs unterschiedliche Teetypen kennen, die sich vor allem durch ihre Fermentierung unterscheiden. Dazu gehören grüner, weißer, gelber, grünlicher, chinesischer schwarzer sowie roter Tee. Abgerundet wird der Kurs durch einen Besuch im angrenzenden Flagstaff House, dem Museum of Tea Ware, in dem seltenes und teilweise antikes Teegeschirr ausgestellt wird.

 

 
 

Mit 6237 Fotos in fünf Minuten um die Welt

Kien Lam war 343 Tage unterwegs, hat 17 Länder besucht und 6237 Fotos gemacht. Schauen Sie sich die Höhepunkte seiner Reise  in knapp fünf Minuten an.

Deutschland: Tastmodelle im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Hessisches Landesmuseum Darmstadt ©Steffen Harms2014

Hessisches Landesmuseum Darmstadt ©Steffen Harms

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt ist auch für blinde und seheingeschränkte Besucher ein Museum mit allen Sinnen. Mit Hilfe von tastbaren Reliefs, die in den Rundgang integriert sind, ist das Museum auch für sie erfahrbar. Als eines der ersten Museen in Deutschland ermöglicht das Hessische Landesmuseum Darmstadt (HLMD) dieser Zielgruppe den barrierefreien Besuch einer Dauerausstellung und unterstützt damit eine selbständige Auseinandersetzung mit den Kunstwerken. Die Tastbilder stellen für blinde und seheingeschränkte Besucher ein besonderes und individuelles Kunsterlebnis dar, da sie zur haptischen Erfahrung einladen. Mit Hilfe von modernster Technik werden zweidimensionale Bildinformationen aus Gemälden in die Dreidimensionalität übersetzt. Von ausgewählten Kunstwerken, darunter Anselm Feuerbachs „Iphigenie“ und Max Pechsteins „Bildnis in Rot“ entstanden zunächst handgefertigte Reliefs, die später auf ein geeignetes Material übertragen wurden.

Bildnis in Rot

Bildnis in Rot

Für jede Übersetzung eines Kunstwerks in ein Tastmodell wurde eine individuelle Lösung gefunden, je nach Form und Inhalt des Originals. Der auf die Tastmodelle abgestimmte multimediale Audio-Guide liefert hierzu unterstützende Bildbeschreibungen. Das HLMD hat in enger Kooperation mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt Darmstadt und der Berufsfachschule Holz-Elfenbein in Michelstadt sechs Tastmodelle entwickelt. Blinde und seheingeschränkte Testpersonen waren intensiv daran beteiligt.

 

Bildhinweis: Bildnis in Rot in der Interpretation der Berufsfachschule für das Holz und Elfenbein verarbeitende Handwerk

Schweiz: Die stärksten Männer kommen aus Engelberg

Die stärksten Seilzieher kommen aus Engelberg -Titis  Bildnachweis: Engelberg-Titlis

Die stärksten Seilzieher kommen aus Engelberg -Titis Bildnachweis: Engelberg-Titlis

Die stärksten Seilzieher der Welt kommen aus Engelberg in der Zentralschweiz. Auch in Deutschland wird Tauziehen, das von 1900 bis 1920 sogar olympische Disziplin war, in verschiedenen Gewichtsklassen betrieben. Doch in der Liste der seit 1975 ausgetragenen Weltmeisterschaften liegt die Schweiz klar vorne – im Land selbst haben die Burschen vom Engelberger Seilziehclub schon 35 Schweizermeistertitel geholt. Derzeit trainieren sie für die kommende Saison, die Ende April beginnt. Das öffentliche Heimturnier findet vom 17. bis 19. Juli 2015 im Sporting Park Engelberg statt. Als erster Seilziehclub der Schweiz kann die Mannschaft auf eine lange Tradition zurückblicken, dabei begann alles mit einer gemeinen List …

Das Seil am Weidepflock

Herbst 1970. Die Engelberger messen sich auf heimischem Grund mit den Seilziehern aus Beckenried vom Vierwaldstättersee. Davor hatten die Burschen vom Klosterdorf dort beim Feuerwehrball haushoch verloren und wollen nun die Revanche unbedingt gewinnen. Je acht Mann auf beiden Seiten stemmen sich fest in die Erde und versuchen, das 32 Meter lange Seil über die Mittellinie zu ziehen. Vier Meter müssen sie insgesamt schaffen, doch die Markierung rückt kaum einen Zentimeter näher. Schon ewig scheint der Kampf zu dauern, die Kräfte schwinden. Als es allmählich dunkel wird, greifen die Engelberger zu einer List: Der erschöpfte Ankermann, der sich als Letzter des Teams das Seil normalerweise um den Körper legt, entdeckt hinter sich einen Weidepflock – und schlingt das Seilende darum. „Niemand hat’s bemerkt“, erinnert sich Hans Bünter, „die Beckenrieder zogen und zogen, konnten aber nichts mehr ausrichten.“ Am Tag danach gründet er mit seinem Team den SZC Engelberg, den ersten Seilziehclub der Schweiz.
Bünter, inzwischen über 70 Jahre alt und viele Jahre Geschäftsführer der Brunni-Bahnen Engelberg, war damals Skilehrer. Als Trainer der Mannschaft beschäftigte er sich aber zunehmend mit dem Seilziehen und 1974 trug das eigene Dorf sogar die Europameisterschaft aus. Schnell breiteten sich landesweit weitere Seilziehclubs aus, Bünter wurde Bundestrainer und sollte dies rund 20 Jahre lang bleiben. Seinem Team, das im Winter bei den Bergbahnen und im Sommer als Bauern arbeitete, stand damit plötzlich die weite Welt offen: Europa- und Weltmeisterschaften, Einladungen nach Israel, Südafrika oder in die Türkei. Das ist bis heute so.

Europameisterschaft in Belfast
Die diesjährigen Europameisterschaften 2015 finden Anfang September in Belfast statt. Doch dafür müssen sich auch die erfolgsverwöhnten Engelberger erst qualifizieren – entsprechend hart ist das Training: Bereits seit Dezember stählen die kräftigen, hochgewachsenen Burschen des SZC Engelberg ihre Muskeln. Beim Zirkeltraining in der Turnhalle vor den Toren des Benediktinerklosters stemmen sie Gewichte oder reihen zahllose Klimmzüge aneinander. Beim abschließenden Hockeyspiel geht’s recht derb zu, so dass Verletzungen schon mal vorkommen können.
Am Seil trainieren sie derzeit auf der Sandbahn in einer Halle: mit Baumharz an den Händen, stahlbesetzten Stiefeln und einem Bauchgurt. Denn beim Startkommando „Pull“ muss die Wirbelsäule einer enormen Belastung standhalten, wie bei einem Gewichtheber. Wenn Ende April die Meisterschaftsturniere beginnen, zählen aber nicht nur Kraft, Ausdauer und mentale Stärke sondern auch der Blick auf die Waage: In diesem Jahr tritt das Team in der Kategorie 640 Kilo, der sogenannten Königsklasse, an. Liegt das Mannschaftsgewicht nur ein Kilo darüber, werden alle acht Athleten disqualifiziert. Da hilft nur noch schnelles „Abschwitzen“ bis zum Nachwiegen.

„Gwunnä hemmr!“
Club-Mitgründer Hans Bünter feuert beim öffentlichen Heimspiel vom 17. bis 19. Juli 2015 im Sporting Park Engelberg auf jeden Fall „sein“ Team mit den grün-weißen Trikots und den kurzen schwarzen Hosen an. Einziger Haken: Es wird bei Tageslicht gezogen – keine Chance also für den Trick mit dem Weidepflock. Mit den Beckenriedern haben sich die Engelberger übrigens noch einmal gemessen – und gewonnen, diesmal ganz ohne List. Und dann erklang wieder ihr inzwischen gewohntes: „Gwunnä hemmr!“

Niederlande: Texel, die Insel auf der der Krieg am längsten dauerte

Das Luftfahrt- und Kriegsmuseum in Texel.  © VVV Texel

Das Luftfahrt- und Kriegsmuseum in Texel. © VVV Texel

 

Nirgendwo in Europa dauerte der 2. Weltkrieg so lange wie auf Texel: Erst am 20. Mai 1945, rund zwei Wochen nach der offiziellen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, endeten die Kampfhandlungen auf der größten westfriesischen Insel. Mit der Besetzung der Niederlande wurden auch auf Texel mehrere Einheiten deutscher Soldaten stationiert. Während ein großer Teil der Männer von der Insel nach Assen deportiert wurde, blieb die restliche Bevölkerung von Texel jedoch weitgehend von Kriegsentbehrungen verschont. Im Februar 1945 wurde dann das 822. Georgische Infanteriebataillon – das im Wesentlichen aus Kriegsgefangenen bestand – auf Texel stationiert. In diesem Bataillon kam es in der Nacht vom 5. auf den 6. April 1945 zu einem Aufstand der Georgier, bei dem fast alle der 400 auf der Insel stationierten deutschen Soldaten im Schlaf getötet wurden. Die Folge war der so genannte Russenkrieg, in dem die vom Festland zu Hilfe eilenden deutschen Truppen die Aufständischen bekämpften. Viele georgischen Soldaten und mehr als einhundert Inselbewohner kamen dabei ums Leben.
Am 20.Mai finden nun überall auf Textel Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung statt. Ein Korso mit historischen Armeefahrzeugen fährt dabei durch alle Inseldörfer. Am Flughafen von Texel erinnert das Luftfahrts- und Kriegsmuseum u.a. mit einer Ausstellung an den Russenkrieg.

Niederlande: Die Neue Wildnis kommt in deutsche Kinos

Sonnenuntergang in Flevoland_Quelle EMS Films

Sonnenuntergang in Flevoland_Quelle EMS Films

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Donnerstag den 9. April startet der niederländische Dokumentarfilm Die Neue Wildnis in den deutschen Kinos. Mit fast zwei Jahren Produktionszeit ist das Werk die aufwendigste niederländische Dokumentation aller Zeiten. Aus den 380 Stunden Filmmaterial, das zahlreiche Kamerateams produziert haben, ist ein etwa 97 Minuten langes Meisterwerk über die Schönheit der niederländischen Natur in der Provinz Flevoland entstanden.

Die neue Wildnis in Flevoland

Kämpfende Hirsche_Quelle EMS Films

Kämpfende Hirsche_Quelle EMS Films

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles steht im Zeichen der Natur in Europas größtem Naturgebiet, den Oostvaardersplassen in der jüngsten niederländischen Provinz Flevoland. Zwar wurde die Provinz von Menschenhand geschaffen, indem Land trockengelegt und dem Meer abgerungen wurde, aber sie ist doch eine der unberührtesten Naturlandschaften Europas. Bei der Trockenlegung der zwölften Provinz der Niederlande gab es zuerst Pläne, die Oostvaardersplassen zu einem Industriegebiet zu machen. Da der Boden aber zu nass war, entschied man sich dafür, der Natur ihren Lauf zu lassen. Somit gilt Flevoland als das Resultat des größten Einpolderungsprojektes aller Zeiten.
Überall in dieser niederländischen Provinz wandert man auf ehemaligem Meeresgrund und das trockenen Fußes, obwohl das Land im Schnitt fünf Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Ein halbes Jahrhundert nach der Einpolderung sind auf diesem einstigen Meeresboden prächtige Naturgebiete entstanden. Flora und Fauna schufen sich ihre eigenen Lebensräume, wodurch heute ein Sumpfgebiet mit Mooren, Weideland und einer vielseitigen Tierwelt, darunter Wildpferde und hunderte Vogelarten entstand. Besucher können in dieser einzigartigen Region beispielsweise die holländischen „Big Five“, die „Fünf Großen“ der neuen Wildnis in den Oostvaarderplassen entdecken, die Stille im ruhigen Herzen des Horsterwolds erfahren oder sich im Waterloopbos bei einer Wanderung durch die dortige Testanlage der Deltawerke für die Häfen von Vlissingen und Lagos überraschen lassen. Die Natur der Oostvaardersplassen lieferte die Kulisse für den preisgekrönten Naturfilm Die Neue Wildnis. Der Film zeigt prächtige Bewegtbilder dieses einzigartigen Stücks Wildnis und lädt Besucher dazu ein, die unerwartete Natur in diesem „neuen Land“ zu entdecken.

Rennende Wildpferde_Quelle EMS Films

Rennende Wildpferde_Quelle EMS Films

Portugal: Ab sofort gehört der „Cante Alentejano“ zum Weltkulturerbe der UNESCO

Cante Alentejano

Cante Alentejano

Es geht um die Arbeit auf den Feldern, um Liebe, um Einsamkeit, um Traurigkeit. Zugleich aber geht es auch um das gemeinsame Singen. Denn in den meisten Dörfern des Alentejo gibt es bis heute einen der Männerchöre, die den traditionellen Cante pflegen – polyphon und ohne Instrumentalbegleitung vorgetragen.
Am 27. November 2014 nahm die UNESCO, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, den Cante Alentejano in ihre Liste des Immateriellen Weltkulturerbes auf.
Der Cante Alentejano, ein mehrstimmiger Chorgesang, der von Amateuren und fast immer in Tracht vorgetragen wird, unterscheidet sich von anderen Chorgesängen vor allem durch sein langsames Tempo und seinen charakteristischen harmonisch-monotonen Takt. Durch die Kraft seiner Melodien und die ausdrucksstarke Poetik seiner Verse spiegelt er auf ganz besondere Art und Weise die Seele des Alentejo und seiner Menschen wider.
Das wahrscheinlich berühmteste Cante-Lied ist Zeca Afonsos „Grândola, Vila Morena“, das 1974 zur Hymne der portugiesischen Nelkenrevolution wurde.
Die Aufnahme des Cante in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste (seit drei Jahren gehört übrigens auch der portugiesische Fado dazu) löste in Portugal große Begeisterung aus.
Vítor Silva, der Präsident der Tourismusbehörde des Alentejo, meint dazu: „Diese Auszeichnung des Cante stellt nicht nur die internationale Anerkennung der einzigartigen Kultur des Alentejo dar, sondern auch eine Ehrung seiner Menschen.“

 

Dänemark: Leuchtturm in den Dünen

Rubjerg Knude, Visit Denmark

„Warum baut man einen Leuchtturm mitten in die Sanddünen? Die Antwort auf diese Frage bekommen Urlauber in Nordjütland aus dem Munde eines „echten Vendelbos“. So nennen sich die Einheimischen im hohen Norden Dänemarks. Naturführer wie Jakob Kofoed machen mit Interessierten unter anderem Touren entlang der Küste und auf die Wanderdüne Rubjerg Knude. Sie ist noch etwa 100 Meter hoch und wandert mit hoher Geschwindigkeit weiter. Vor wenigen Jahren verschüttete sie auch den Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr unter sich. Heute ist er wieder freigelegt und bietet Material für viele Geschichten.

Niederlande: Van Nelle Fabriek in Rotterdam wird Weltkulturerbe

VanNelle Fabrik Rotterdam_Quelle Rotterdam PartnersDas Komitee des UNESCO-Weltkulturerbes zeichnete im Juni die „Van Nelle Fabriek“ mit dem Status „Weltkulturerbe“ aus. Dies ist eine weltweite Anerkennung des einzigartigen und universellen Wertes der ehemalige Kaffee-, Tee und Tabakfabrik, die zwischen 1925 und 1931 erbaut wurde.

Das Industriegelände der Van Nelle Fabrik – ein Ensemble von miteinander verbundenen Gebäuden – ist eines der Highlights der industriellen Architektur aus dem 20. Jahrhundert. Bereits kurze Zeit nach dem es entworfen und erbaut wurde, beschrieben prominente Architekten die Fabrik als „den schönsten Anblick der modernen Zeit“ (Le Corbusier, 1932) und „ein Gedicht aus Stahl und Glas“ (Robertsen und Yerbury, 1930). Der amtierende Rotterdamer Bürgermeister Ahmed Aboutaleb erklärte, dass „die Van Nelle Fabrik definitiv eines der historischen Symbole ist. Ein Bauwerk einzigartig in seiner Form und Material und aus der sozialen Perspektive seiner Zeit weit voraus.“

VanNelleausderLuft_Quelle Rotterdam Partners

Der Bauherr, Kees van der Leeuw, sowie die Architekten Johannes Brinkmann und Leendert van der Vlugt hatten sich als Ziel gesetzt, die „ideale Fabrik“ zu entwerfen: funktional, gut aussehend und offen. Natürliches Licht wurde verwendet, um ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen, ein Beweis für die Sorge um das körperliche und geistige Wohlbefinden der Mitarbeiter – zu dieser Zeit kein selbstverständliches Merkmal der Industrie.

Die erfolgreiche Sanierung der Fabrik wurde zwischen 1999 und 2006 vorgenommen, unter der Leitung des Bauherrs Volker Wessels. Wessel de Jonge fungierte als koordinierender Architekt. Die UNSECO würdigte die Tatsache, dass die sorgfältige Restaurierung die ursprüngliche Form des Komplexes erhalten hat. Besucher und neue Unternehmen können so nachvollziehen, welchen Reiz die Van Nelle Fabriek ausmacht.

VanNelle Fabrik Innenansicht Quelle Rotterdam Partners

Für die Niederlande ist es nicht die erste Auszeichnung als Weltkulturerbe. Neben den Amsterdamer Grachten, den Mühlen von Kinderdijk, dem Beemster Polder, dem Schokland, dem Wattenmeer, dem Rietveld-Schröder-Haus, dem D.F. Wouda Dampfschöpfwerk und der Stellung von Amsterdam, darf sich nun auch die Van Nelle Fabriek Weltkulturerbe nennen.