Kanada: Einsamkeit und Elvis Presley – der Klondike Highway

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Der Klondike Highway zwischen Skagway in Alaska und der Goldgräberstadt Dawson in Kanada führt auf 700 Kilometer durch extrem dünn besiedeltes Gebiet. Zum Glück gibt es die Braeburn Lodge und Satellitenradio.

Die Verkehrspolizei in Whitehorse hat schlechte Nachrichten an diesem Wintermorgen. Der Highway, der nach Südwesten führt, ist wegen eines Lawinenabgangs gesperrt. Es kann Stunden dauern, bis die Schneemassen geräumt sind. Mit erneuter Sperrung wegen andauernder Lawinengefahr sei zudem zu rechnen. Skagway, Hafenstadt an der Fjordküste des Alaska Panhandles, jenes Landzipfels, der sich wie ein Pfannenstiel an Amerikas Nordwestküste in den Pazifik schiebt, wird es also vorerst nichts. Neuralgischer Punkt für Winterreisende auf dieser Strecke ist immer wieder der 873 Meter hohe White Pass. Er liegt in den Coast Mountains, jenen Bergketten, die sich an der Grenze zwischen Alaska und der kanadischen Provinz British Columbia ausbreiten. Schon Ende des 19. Jahrhunderts machte der White Pass von sich reden. Für Zehntausende von Glücksrittern aus aller Welt, die in Skagway an Land gingen, war er eines der beiden Einfallstore in den kanadischen Norden, wo man an der Mündung des Klondike ein Goldfeld entdeckt hatte, das eine nie dagewesene Ernte versprach.
Die Kunde von dem sensationellen Fund hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet und löste eine der bemerkenswerten Massenbewegungen aller Zeiten aus. Mehr als Hunderttausend Männer, Amerikaner, Europäer und Australier, sollen sich seinerzeit auf den Weg gemacht haben, um im fast menschenleeren Nordwesten Kanadas ihr Glück zu machen, arme Schlucker zumeist, die nicht einmal genügend Geld für eine ordentliche Ausrüstung hatten.

K1024_c130002_042rrMitten im eisigen Winter des Jahres 1897 erreichte der Ansturm seinen Höhepunkt. Zehntausende, die an der Küste Alaskas landeten, wollten nicht aufs Frühjahr warten, nicht auf die Eisschmelze, nach der auch der Yukon River wieder schiffbar gewesen wäre. Mit selbstgezimmerten Versorgungsschlitten hievten die Männer den Proviant für Wochen über den White Pass und über hunderte Kilometern durch die Weiten des Yukon-Gebiets. Bei Temperaturen von minus 40 Grad Celsius und arktischen Winden eine beinahe unmenschliche Strapaze. Viele erreichten das Ziel nicht, weil unterwegs die Kräfte versagten, und von denen, die es schafften, kamen Tausende zu spät. Die Claims am Klondike waren schon vergeben, abgesteckt und aufgeteilt. Auf manchen Grundstücken plagten sich arme Teufel ohne nennenswerte Ausbeute ab. Nur wenigen Glückspilze, mit denen es Schicksal oder Zufall besser meinten – gingen die richtig dicken Nuggets ins Sieb.

K1024_c130002_041rrEntlang der einsteigen Goldgräberroute verbindet der Klondike Highway – auch Yukon Highway 2 genannt – die Hafenstadt Skagway und Dawson City, das schmucke Städtchen, das die Goldsucher vor gut 100 Jahren am Klondike aus dem Boden stampften. Heute leben etwas mehr als 1000 Menschen in Dawson. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts waren es 40mal so viele. Doch die goldenen Zeiten waren kurz. Als man ab 1902 immer weniger Edelmetall im Klondike fand, kehrten die meisten Bewohner der Stadt mit den schmucken Holzhäusern den Rücken. Ein Museum hält dort die Erinnerung an die Helden jener Tage wach. Und der Saloon des Downtown Hotels, wo Gäste an einem hochprozentig eingelegten Zeh lutschen können, der einst einem der Goldgräber abgefroren ist.

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Bis in die 1950er Jahre war der 713 Kilometer lange Highway2 nicht viel mehr als eine unbefestigte Schotterpiste. Erst in den 1980er Jahren wurden sämtliche Teilstücke samt der modernen Stahlbrücken, die alte Ponton-Provisorien ersetzten, fertiggestellt. Doch von November bis März bildet auch heute noch eine feste Schneedecke den Fahrbahnbelag. Tückisch können die „soft shoulders“ sein, Pulverschneebänke am Fahrbahnrand. Wer auf der schmalen Highway-Piste zu weit nach rechts driftet, bleibt in diesen Schneebänken stecken. Auch ein Allradantrieb kann das nicht verhindern. Hilfe naht mit jedem Auto, das vorbeikommt – wenn denn eins kommt. Im Yukon, in dem es mehr Elche als Menschen gibt, der mit einem Einwohner auf 14 Quadratkilometer zu den dünnstbesiedelten Regionen der Welt gehört, können im Winter Stunden vergehen, bis jemand auf dem Highway des Weges kommt. Einen Hilferuf können Fahrer nur per Satellitentelefon absetzen. Gewöhnliche Handys haben außerhalb von Whiterhorse, der 25.000-Einwohnerstadt, in der rund zwei Drittel aller Yukon-Bewohner leben, kein Netz.

K1024_c130002_009rrVia Satellit werden auch die Trucker, die auf dem Highway pendeln, mit Musik versorgt. Etwa von Elvis Radio, einem Sender, der rund um die Uhr ausschließlich Presley-Songs dudelt. An der Kilometermarke 464,5 – gemessen ab Skagway – liegt Pelly Crossing, ein 300-Seelennest mit Erste-Hilfe-Versorgung, Postamt und der einzigen Tankstelle zwischen Whitehorse und Dawson City. Zu dieser gehört Supermarkt von beachtlicher Größe, der auch Camper mit dem Nötigsten versorgt. Das beste Frühstück am Highway bietet die Braeburn-Lodge an der Kilometermarke 280. Betreiber Steve ist für seine schmackhaften Zimtschnecken und Burger in XXL-Format bekannt. Im Sommer, wenn Wohnmobil-Touristen durch die Gegend touren, wird es schon mal turbulent in der urigen Lodge. Im Winter dagegen ist oft stundenlang gar nichts los. Eine Ausnahme machen da nur die Tage des Yukon Quest. Das „härteste Hundeschlittenrennen der Welt“ lockt Tausende Fans in die Gegend. Und viele davon wärmen sich in der vom Bollerofen beheizten Braeburnlodge bei Kaffee und Bohnensuppe auf. An anderen Wintertagen aber machen nur ein paar Trucker Halt an der Lodge. Mehr als ein Dutzend pro Tag sind es selten. Damit habe er aber schon deutlich mehr Winterkundschaft als noch vor einigen Jahren, sagt Steve. Die meisten LKW-Fahrer steuern die Silberminen des Yukon an. Dort, sagt der Wirt, herrscht derzeit mal wieder Hochkonjunktur.

Text: Susanne Kilimann

Fotos: Destination Canada

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USA: Mit dem Motorrad durch Alaska

Polarkreis in Alaska

Ich fahre nun schon seit Tagen durch Nordamerika und habe immer noch keinen Bären vor die Augen bekommen. Ständig zeigen mir Mitreisende Bilder von Bären, die sie gerade aufgenommen haben. Ich werde richtig neidisch! Wann wird es endlich bei mir soweit sein? Ich fahre gemütlich an Seen mit glasklarem Wasser vorbei. Gewaltige Wasserfälle plätschern die Berge herunter. Eine landschaftlich reizvol­lere Abkürzung beschert mir kleine Seen mit Binsen am Ufer, frisches grünes Gras, dichter Baumbestand am Wegesrand. Ein Teil der Strecke führt über einen geschotterten Holzabfuhrweg. Kein Auto kommt mir entgegen. Die Straße ist einsam, aber erstaunlich gut in Schuss. Bei Ki­lometer 22 passiert es: ein Bär kommt langsam aus meterhohem Gras gestiefelt. Ich bin völlig überrascht. Obwohl ich die ganze Zeit sehn­süchtig auf diese Begegnung gewartet habe, weiß ich nicht so recht, was ich tun soll. Ich habe Angst und hupe. Sogleich verschwindet das scheue Tier im Unterholz. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig über meine panische Reaktion, denn ich hätte es gern noch länger beobachtet.

Stur geht es weiter durch die Fichtenwälder Nordamerikas. Volle Konzentration auf die Straße, denn Tiere könnten die Straße kreuzen. Beim meterhohen Gras am Straßenrand bleibt dann nicht mehr viel Zeit zum Reagieren. Bei Kilometer 41 kreuzt erneut ein Bär die Stra­ße. Obwohl ich diesmal stehen bleibe und ihn ruhig beobachte, ist er schnell wieder verschwunden. Ich erreiche wieder die Teerstraße. Nur noch 140 Kilometer bis nach Hyder, Alaska. Hyder ist der südöstlichste Punkt von Alaska. Gerade einmal 65 Einwohner, dafür aber immerhin drei Bars! Ein kleines Wildwest-Örtchen! Darauf sind die Einwohner stolz. Nur wirklich Hartgesottene wohnen hier.

Meine Warnlampe leuchtet auf. Der Sprit geht zur Neige – na ja, nach 20 Kilometern kommt die nächste Tankstelle. Als ich die Mediazin Junction erreiche, überkommt mich ein trostloses Gefühl. Eine verlassene Tankstelle, Autowracks, zerbrochene Fensterscheiben, Müll, aber kein Benzin! Was tun? Hyder ist noch 60 Kilometer entfernt. Ich muss es probieren, denn eine andere Chance habe ich nicht. Gemäch­lich mit 3000 u/min und Tempo 90 lass ich es bergab laufen. Ich feu­ere uns gegenseitig an, mein Motorrad und ich schaffen es. Wir sind eben ein gutes Team. Wir rollen an einem riesigen Gletscher vorbei, der Fotostopp muss auf den Rückweg verschoben werden. Jetzt nur nicht trocken fahren! Ein dritter Bär sitzt direkt am Straßenrand und frisst gemächlich Gras in sich hinein. Vielleicht wäre ich da die noch fehlende Kostergänzung?

Das Schild zwei Kilometer bis Hyder erscheint. Ich reiße die Arme in die Höhe und schreie vor Freude in den Helm. Ein Gang mit leerem Kanister zur Tankstelle, wie in der Aral-Werbung, bleibt mir er­spart. Dann geht der Motor aus. Ich lasse die Maschine im Leerlauf wei­terrollen. Starte erneut und… Sie schafft es und springt noch einmal an. Mit vereinten Kräften schaffen wir es an die Tankstelle. 80 Kilometer habe ich aus der Reserve gekitzelt. Ich bin mächtig stolz auf uns!

Heute Abend geht es auf einen richtigen Campingplatz, zu viele Bären in der Gegend, um wild zu campen. Ich treffe auf Jean. Er hat sein Geld in Hollywood verdient. Jetzt radelt er mit dem Fahrrad durch Nordamerika. Ihm ist der Campingplatz zu „eng“. Morgen will er in die Wildnis losziehen und unter „Bären“ campen. Für mich wäre das nichts, aber jedem das Seine.

Ich gehe unterdessen in eine der drei Bars am Ort. Ein dunkler Raum mit langem Tresen. Dort sitzen die Einheimischen und trinken ihr Bier. Bis auf eine Frau, die trinkt Cola. Jane ist seit 25 Jahren für die hiesige Wetterstation zuständig. Sie erzählt mir freimütig von ihrem Brustkrebs und dass sie gerade eine Chemotherapie macht. Ihrer Laune scheint das keinen Abbruch zu tun. Sie ist bestens drauf und reißt einen Witz nach dem anderen. Ich finde es bewundernswert, wie positiv sie mit der Krankheit umgeht.

Ach so, ich war ja hier um „Hyderized“ zu werden. Was ist „Hyderized“? Es wird ein Schnapsgläschen voll gemacht, um die Flasche ist eine braune Papiertüte gehüllt. Damit ich auch wirklich nicht erken­ne, was eingeschenkt wird. Jetzt heißt es trinken ohne abzusetzen. Ich gieße das Feuerwasser herunter. 73 Prozent Alkohol! Die Kehle brennt. Danach bekomme ich ein kleines Zertifikat und darf meine eigene One Dollar Note mit Unterschrift an die Wand der Bar heften. Willkommen im „Club“!

Buchcover Echt mutig Der Text ist ein Auszug aus dem Buch Echt mutig  -Vom Banker zum Abenteurer – von Joachim von Loeben. Erschienen im Selbstverlag 19,90 Euro.

Alaska: Die Faszination des leuchtenden Nachthimmels

 In der Nähe des Polarkreises sind die Chancen Nordlichter zu sehen, besonders groß. Also auf nach Norwegen, Finnland, Schweden, Island oder Alaska. Bei klarem Himmel bietet sich dann mit ziemlicher Sicherheit ein beeindruckendes Schauspiel am Nachthimmel . Lassen Sie sich von unseren Nordlichtfotos zu einer Reise in den hohen Norden inspirieren.

Christian Nowak

Dramatische Bilder vom flammenden Nachthimmel auf den Lofoten. Eine Slideshow von Ola Skjeseth und www.svinoya.no.

 

 

 

Alaska: Die große Himmels-Show

Polarlichter beobachten in Anchorage

Es gibt viele Gründe, Anchorage und Umgebung im Winter zu besuchen. Einer davon sind die Polarlichter – ein Naturschauspiel, das Zuschauer in magische Verzückung geraten lässt. Zu sehen sind tanzende Schleier in allen Farben, von grün über gelb, orange bis violett. Der Betrachter meint, in den Lichtern wundersame Figuren, Tiere oder Fabelwesen zu erkennen.

Die beste Zeit, das Naturschauspiel Polarlichter in Alaska, dem größten und nördlichsten Bundesstaat der USA, genießen zu können, ist zwischen September und März – besonders im Hochwinter. Ideale Voraussetzung zur Beobachtung von Polarlichtern – in Alaska heißen sie „Northern Lights“ oder Auroras – ist eine kalte, wolkenlose Nacht und ein Standort möglichst außerhalb der Stadt, damit die künstliche Beleuchtung nicht mit den Polarlichtern konkurriert. Auch der Vollmond kann die Leuchtkraft schmälern. Prinzipiell gibt es Polarlichter das ganze Jahr über. Doch wegen der ständigen Helligkeit in den Sommermonaten sind sie nicht wahrnehmbar.

Von Anchorage aus werden zahlreiche Touren zur Polarlichter-Beobachtung angeboten. Das Eagle River Nature Center außerhalb von Anchorage ist einer der begehrten Plätze zur Beobachtung der „Northern Lights“. Im Winter und Frühjahr werden jeden ersten und dritten Freitag des Monats Sternenkunde-Kurse abgehalten (www.ernc.org). In einer Polarlicht-aktiven Zone liegen etwa die Matanuska Lodge und die Sheep Mountain Lodge. Beide Hütten haben Gästezimmer mit Küche und Holzsauna. Besucher machen sich nachts mit Langlaufski oder Snowmobils auf den Weg in die Einsamkeit, wo das Aurora-Erlebnis besonders intensiv ist. Ab 139 $-Dollar kostet etwa das Zimmer in der Matanuska-Lodge. (www.matanuskalodge.com) und www.sheepmountain.com). Viele Hotels bieten einen Weckservice an, wenn die Polarlichter am Himmel auftauchen. Die Alaska Railroad bietet unterschiedlichste Touren zum Polarkreis an. Die ein- bis mehrtägigen Touren mit dem Zug (z. B. Winter Escape oder Aurora Package) zur Polarlicht-Beobachtung lassen sich mit Hundeschlitten-Exkursionen, Langlauf, Flightseeing oder mit heißen Quellen kombinieren (www.alaskarailroad.com).

Infos

Anreise: Zum Beispiel in den Wintermonaten mit Lufthansa von Frankfurt via Seattle nach Anchorage. Oder mit British Airways und Alaska Air via London und Seattle nach Anchorage.

Weitere Infos für Angebote und Hotels:

Anchorage Convention & Visitors Bureau
524 W. Fourth Ave
Anchorage, AK 99501-2212
www.anchorage.net

Alaska: Aurora borealis

Nordlichter über Alaska

Diese über den Himmel wabernden Nordlichter wurden in Alaska in der Nähe von Galena aufgenommen. Der Fotograf Chris McLennan hat in kurzem Abstand 50 Einzelaufnahmen gemacht, deshalb hat man den Eindruck, dass es sich um einen Film handelt. Im Vordergrund sieht man sein beleuchtetes Zelt und seine Schlittenhunde. Wollen Sie mehr über Chris McLennan erfahren, schauen Sie sich seine Webseite an: www.cmphoto.co.nz.