Schweiz: Auf Bärenpirsch in den Alpen

Im Schweizerischen Nationalpark sind wieder Luchse, Bartgeier und Braunbären heimisch – darunter Verwandte des berühmt-berüchtigten „Problem-Bären“ Bruno.

EmJay war unartig. Dieser Kerl hat keine Manieren! Vor allem, wenn ihm der Duft seiner Leibspeise in die Nase steigt: frischer Honig. Dann können auch verschlossene Fenster und Türen den Jungbären nicht zurückhalten. „Da möchte ich nicht dabei gewesen sein“, sagt der erzürnte Imker beim Anblick seines zerstörten Bienenhauses: die Scheiben zerbrochen, Holzbohlen zerfetzt, Türen aus den Angeln gerissen. Rund um den Schweizerischen Nationalpark im Engadin ist dieser Anblick keine Seltenheit mehr: Seit einigen Jahren ziehen wieder Braunbären durch den östlichsten Winkel des Landes. Sie stammen aus dem italienischen Trentino, wo die letzten Alpenbären überlebt haben – verstärkt durch ausgesetzte Tiere aus Slowenien, die den Bestand sichern sollen. Inzwischen wächst die Population und Jungtiere wandern ab, um sich ein eigenes Revier zu suchen.

Brotzeit mit Murmeltieren

„Dabei kommen bei manchen Urängste hoch“, sagt Nationalparkchef Prof. Dr. Heinrich Haller. „Die Leute fragen, warum wir jetzt wieder Bären brauchen, die wir doch eigentlich ausgerottet hatten.“ Im Jahr 1904 hatten Jäger den letzten Bären der Schweiz erlegt. Auch dieses Jahr erwarten die Ranger im Schweizerischen Nationalpark wieder pelzigen Besuch. Der 1914 gegründete, einzige Nationalpark der Schweiz ist ideal zur Tierbeobachtung: Rothirsche, Gämsen, Steinböcke, Adler und Murmeltiere lassen sich in der Hochgebirgsregion ungestört erleben. Mehrere Bartgeier-Paare brüten wieder rund um den Park. Seit einigen Jahren werden auch Luchse gesichtet, und im vorletzten Winter hinterließen Wölfe zum ersten Mal ihre Spuren. Sitz des Parks ist Zernez, auf den ersten Blick ein typisches Alpendorf, mit Bauernhöfen und weidenden Kühen, geraniengeschmückten Hotels und einer kleinen Kirche mit Spitzturm. Inmitten des Idylls fällt ein Fremdkörper ins Auge: zwei ineinander verschmolzene Würfel aus Beton, mit breiten, symmetrischen Fenstern und einem flachen Dach: das neue Besucherzentrum. Hier kann man sich einer geführten Wanderung anschließen oder ein Tagesprogramm maßschneidern lassen: Zum Frühstück einen Blick auf weidende Gämsen, zur Brotzeit eine Alm mit Murmeltieren, und später einen Bären.

Mutprobe Ameisenhaufen

„Gämsen und Murmeltiere sind kein Problem“, sagt Exkursionsleiter Peter Roth zu Beginn der Tour auf einem alten Saumpfad zur Alp Grimmels. „Einen Bären kann ich Ihnen aber nicht versprechen.“ Eigentlich könnte der ehemalige Parkranger seinen Ruhestand genießen. Stattdessen stapft Roth immer noch hin und wieder mit schmauchender Pfeife an der Seite von Besuchern durchs Gelände. Wo Städter zunächst nur Bäume und Berge sehen, entdeckt der Experte unzählige Spuren von Mensch und Tier: Er fokussiert sein Fernglas auf Schmelzöfen aus dem Mittelalter und Geschützstellungen des letzten Krieges, erklärt die wechselseitige Abhängigkeit zwischen dem Tannenhäher und den Zirbeln und pirscht vorsichtig an die scheuen Gämsen heran. Nach einer Weile können seine Zuhörer die Losung der Waldbewohner unterscheiden: Hell und rund? Ein Schneehase! Groß und dunkel? Ein Rothirsch! Klein und bröckelig? Eine Gams! Erst als es darum geht, die Hand in einen wuselnden Ameisenhaufen zu legen, um dann an der Ameisensäure zu schnuppern, geben einige auf.

Bruno und seine Familie

Roth war auch Zeuge, als 2005 der erste Braunbär auftauchte – mit Hunderten von Fans im Gefolge, die zum Public-Bären-Viewing anrückten. Sie tauften das Tier Lumpaz, Lausbub. Für die Wissenschafter war der Bär nur „JJ2“, englisch JayJay ausgesprochen. Die Initialen stehen für die Namen der Elterntiere Joze und Jurka. Doch Lumpaz verschwand noch im gleichen Jahr spurlos, vermutlich ein Opfer von Wilderern. Im folgenden Jahr nahm auch sein Bruder JayJay 1 ein unrühmliches Ende: Er ging als Problembär Bruno in die Geschichte ein – 2006 wurde er in Bayern erlegt. „Jurka hat Schuld“ hieß es danach: Die Bärenmutter war auf Nahrungssuche immer wieder in Ortschaften eingedrungen und hatte dieses Verhalten auch ihrem Nachwuchs beigebracht.

Die Alp Grimmels

Nach einer Stunde ist die Alp Grimmels erreicht. Schrill pfeifen die Murmeltiere zur Warnung und tauchen in ihre Höhlen ab. Die Wandergruppe lässt den Blick über das Postkarten-Panorama schweifen. „Die Entwicklung der Natur ohne menschliche Einflüsse nehmen wir hier besonders ernst“, sagt Roth. Für den Besucher bedeutet dies: keine Zelte, keine Hunde, keinen Lärm, kein Verlassen der Wege. Durch die strengen Regeln gibt es noch Täler, die seit Jahrzehnten von keinem Menschen betreten wurden. Nach dem Picknick folgt der Abstieg. Der letzte Winter sei besonders hart gewesen, erklärt Roth angesichts der verbliebenen Schneefelder am Wegesrand. Die aufmerksamen Blicke der Wanderer nach Bärenspuren bleiben heute jedoch vergeblich. „Das Engadin hat sich inzwischen gegen durchziehende Bären gewappnet“, sagt der Wanderführer: mit bärensicheren Mülleimern, besonders wehrhaften Hütehunden und Elektrozäunen für Bienenhäuser.

© Oliver Gerhard

Infos:

Anreise: Swiss Air fliegt von zahlreichen deutschen Städten nach Zürich (www.swiss.com). Weiter mit der Bahn nach Landquart. Von dort mit Rhätischer Bahn und Postauto bis nach Zernez. Die meisten Ausgangspunkte der Wanderungen sind mit dem Postbus erreichbar.

Hotels/Restaurants: Hotel Parc Naziunal, historischer Gasthof mitten im Nationalpark, Restaurant mit Wildgerichten und Bündner Küche, am Ofenpass, Zernez, Tel. 0041-81-856 12 26, www.ilfuorn.ch.

Hotel Bär & Post, familiäres Traditionshaus im Zentrum von Zernez, Restaurant mit internationaler und regionaler Küche, Tel. 0041-81-851 55 00, www.baer-post.ch.

Hotel Crusch Alba, frisch renovierte Zimmer in einem Haus aus dem 15. Jahrhundert, Restaurant mit Bündner Spezialitäten in historischen Räumen, Sta. Maria im Münstertal, Tel. 0041-81-858 51 06, www.hotel-cruschalba.ch.

Auskunft: Schweiz Tourismus, Rossmarkt 23, 60311 Frankfurt, Tel. 00800-100 200 30 (kostenlos), www.myswitzerland.com.

USA: In den rauchenden Bergen

Pechschwarze Nacht! Doch dann flammt zwischen Tannen plötzlich ein Licht auf. Kurz darauf ein zweites, ein drittes, ein viertes. Schließlich ein Leuchten und Flackern, als loderten in der Ferne Lagerfeuer. Zuerst nur unkoordiniert, dann als rhythmisches Blinken, das sich wellenartig durch die Nacht bewegt. Bald sind die Zuschauer im Wald der Smoky Mountains umzingelt von schwärmenden Glühwürmchen, einige funkeln grüngelb, andere bläulich, manche surren den Menschen frech um die Köpfe. Der ganze Wald scheint in Bewegung zu sein.

Jedes Jahr während zwei Wochen im Juni schwärmen die seltenen Leuchtkäfer zur Partnersuche aus. In Gruppen von mehreren Dutzend blinken sie gleichzeitig sechsmal hintereinander, dann folgt eine Pause von mehreren Sekunden. Das Phänomen der synchron blinkenden Glühwürmchen wurde vor gut 25 Jahren entdeckt, als ein Anwohner Wissenschaftler hierher führte. Seitdem wollen immer mehr Parkbesucher die Tiere beobachten.

Mit einem ortskundigen Führer lassen sich die „Fireflys“ in einem einsamen Waldabschnitt erleben, doch die meisten fahren im Shuttlebus zu offiziellen Beobachtungsstellen. Der Gästeansturm ist ein alltägliches Bild im Great Smoky Mountains National Park an der Grenze zwischen North Carolina und Tennessee. Seit seiner Einrichtung 1934 entwickelte er sich mit über neun Millionen Gästen jährlich zum meistbesuchten Nationalpark der USA, denn hier kann man neben den faszinierenden Glühwürmchen noch wilde Natur und noch wildere Bären entdecken.

Einsamkeit oder Massenbetrieb

Der Reisende hat die Wahl, zum Beispiel beim Erklimmen des Clingmans Dome, des höchsten Gipfels im Park: Reiht er sich in das Heer der Familien und Reisegruppen, die im rhythmischen „flip-flop“ ihrer Badeschuhe die 200 Meter vom Parkplatz zum Aussichtsturm spazieren. Oder wandert er unter Strapazen über den legendären Appalachian Trail herauf, der über 3500 Kilometer durch 14 Bundesstaaten verläuft.

Beim Ausblick sieht man Grün in allen denkbaren Nuancen: grasgrün, moosgrün, lindgrün, tannengrün, olivgrün. Der Regenwald der Smoky Mountains gehört zu den vielfältigsten des Landes – Wissenschaftler zählten hier mehr Baumarten als in ganz Europa zusammen. Die Gletscher der Eiszeit waren nie bis hierher gelangt, sodass unzählige Tier- und Pflanzenarten die Berge als Rückzugsgebiet nutzten.

Als die ersten Forscher in diese Wildnis eindrangen, gerieten sie in Ekstase angesichts der Fülle bislang unbekannter Arten. Sie verschifften Tausende Ableger von Azaleen, Rhododendren und Magnolien in die englische Heimat, wo sie heute in kaum einem Garten fehlen. Überall in den Smoky Mountains findet man Grotten und Wasserfälle, reißende Flüsse, blühende Wiesen und verwunschene Täler.

Auch Spuren menschlicher Besiedelung gibt es noch, zum Beispiel im Tal von Cades Cove – dem meistbesuchten Ort im meistbesuchten Park des Landes. Trotz der Blechkarawane, die sich täglich über die 17 Kilometer lange Rundstrecke schiebt, erhält man hier einen Eindruck von einem Appalachendorf des 19. Jahrhunderts: Kleine Bauernhöfe mit Scheune, Räucherhaus, Schweinestall und Maisspeicher gruppieren sich um weiß gestrichene Kirchen.

Zurück zur Natur

Mehrere Wassermühlen dienten zum Mahlen von Mais und Sägen von Holz. Überliefert ist ein reges Gemeindeleben, geprägt von harter Arbeit. Die Familien, die hier wohnten, zahlten den Preis für den Erhalt der Berglandschaft – bei der Gründung des Parks vor 75 Jahren mussten sie gehen. Vielleicht eine verspätete Strafe für die Taten ihrer Vorfahren, die einst die hier lebenden Cherokee-Indianer von ihrem Land vertrieben hatten.

Einige Siedler zogen gegen die Enteignung durch alle gerichtlichen Instanzen, andere nahmen das Angebot der Regierung an, noch bis zu ihrem Lebensende zu bleiben. Der größte Teil des Gebietes wurde jedoch Holzfirmen abgekauft. Gerade noch rechtzeitig: Bis zu drei Viertel der Bäume waren 1934 abgeholzt, das Land durchzogenvon Bahnlinien und bedeckt von Sägemühlen und Holzfäller-Camps. Wild lebende Tiere wie die Braunbären waren damals ausgerottet.

„Bären treffe ich auf fast jeder Wanderung“, kann Liz Domingue heute dagegen berichten. Die junge Wanderführerin läuft mit Besuchern zur einzigen bewirtschafteten Berghütte des Parks auf den rund 2000 Meter hohen Mount Leconte. Schon nach einer halben Stunde hat die Gruppe den Pfad für sich alleine: „Die Wanderfreude des durchschnittlichen Parkbesuchers endet allerspätestens nach einer Meile“, sagt Liz.

Der Weg führt durch ein kleines Flusstal, dessen Boden von einem violetten Teppich bedeckt ist: abgefallene Blüten von bis zu vier Meter hohen Rhododendren. Liz stöbert wabbelige Pilzungetüme, kleine Orchideen und mannshohe Farne auf. Immer wieder huschen Eichhörnchen vorbei, und einmal leuchtet es orangefarben von einem schwarzen Stein: ein prächtiger Rotwangen-Waldsalamander.

Berge Blau wie Rauch

Doch das harmonische Bild wird auch durch Flächen mit Baumskeletten unterbrochen, Resultat periodischer Schädlingsattacken: In den 1920er-Jahren vernichtete der asiatische Kastanienrindenkrebs alle Amerikanischen Kastanien, in den 1960ern saugte eine Pflanzenlaus den Frasertannen den Saft aus. Und vor acht Jahren wurde eine weitere Laus entdeckt, die inzwischen alle Hemlocktannen befallen hat.

Kurz vor dem Gipfel ziehen Nebelschwaden über den Weg. Schon die Cherokee-Indianer nannten die Berge „Blau wie Rauch“: Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit hängt im Sommer meist eine bläuliche Dunstglocke über den Wäldern. Bald darauf kommen wacklige Holzhütten in Sicht – die Mount Leconte Lodge. Ein rustikales Camp ohne Strom und Duschen, aber dafür mit deftigem Bergsteigeressen am prasselnden Kaminfeuer.

„Hier oben lernt man wahre innere Ruhe“, sagt Allyson Virden, die hier für eine Saison beschäftigt ist – fast neun Monate fern der Zivilisation. Einmal im Jahr bringt ein Helikopter Konserven, Kerosin und Baumaterial; frische Wäsche und Gemüse werden von Lamas getragen. Gedanken an einen Kneipenbesuch zum Feierabend oder eine kleine Shopping-Tour kommen bei Alleyson nicht auf: „Der kürzeste Weg ins Tal ist acht Kilometer lang.“

Oliver Gerhard

Info:

Nationalpark: Der Park erstreckt sich über die Bundesstaaten North Carolina und Tennessee. Eingänge befinden sich in Gatlinburg, Townsend und Cherokee. Der Park ist ganzjährig geöffnet, im Winter sind einige Straßen gesperrt. Der Eintritt ist frei. Great Smoky Mountains National Park, 107 Park Headquarters Road, Gatlinburg, TN 37738, Tel. 001-865-436 1200, www.nps.gov/grsm.

Glühwürmchen: Das Phänomen ist über ca. zwei Wochen Mitte Juni zu erleben. Der offizielle Beobachtungspunkt befindet sich am Campingplatz Elkmont. Ein Shuttle bringt Besucher aus Gatlinburg und vom Sugarlands Visitor Center dorthin.

Reisezeit: In den Sommermonaten und während des Indian Summer im September/Oktober sind die Besucherzahlen im Nationalpark am höchsten. Für Highlights wie Cades Cove oder die Strecke zum Clingmans Dome sollte man möglichst den frühen Morgen nutzen.

Unterkunft: LeConte Lodge, rustikal mit Stockbetten, nur für Wanderer erreichbar, Reservierung jährlich ab 1. Oktober für die nächste Saison, www.leconte-lodge.com

Eagles Ridge Resort, Blockhäuser für Selbstversorger in Parknähe, 2740 Florence Drive, Pigeon Forge, TN 37863, 001-865-286 1351, www.eaglesridge.com

Falling Waters Resort, geräumige Yurten an einem See im Wald, 10345 US Hwy. 74 West, Bryson City, NC  28713, Tel. 001-800-451 9972, www.fallingwatersresort.com

Auskunft: Tennessee Tourism, Horstheider Weg 106a, 33613 Bielefeld, Tel. 0521-986 04 15, www.tennessee.de; North Carolina Tourism, www.visitnc.de

USA: Auf Wolfspirsch am gelben Fluss

 

Im Yellowstone Nationalpark lassen sich Bären und Wölfe beobachten. Forschung, Tierschutz und Tourismus gehen dabei Hand in Hand.

„Einheit Neun, hier Einheit eins, bitte kommen“, krächzt es aus dem Funkgerät. Schnell dreht Naturführer Zack Baker den Ton lauter: „Wir haben hier einen Grizzly. Er nähert sich dem Wolfsbau von Rudel Nummer zwölf“, meldet sich die Stimme wieder. „Den sehen wir uns an. Das ist hier in der Nähe“, ruft Zack und treibt uns ins Auto. „Eine Begegnung zwischen Bär und Wölfen, das habe selbst ich noch nicht erlebt“ sagt er aufgeregt und gibt Gas.

Seit dem frühen Morgengrauen sind wir im Yellowstone Nationalpark im Nordwesten der USA unterwegs – nicht nur einer der größten Nationalparks der USA, sondern mit dem Gründungsjahr 1872 auch der älteste der Welt. Pünktlich zum Sonnenaufgang hat Zack uns zum ‚Grand Canyon of the Yellowstone’ geführt: Eine Schlucht mit 400 Meter hohen Felswänden, die in hellem Gelb, in Kupfer, Orange, Ocker und Rot schimmern.

Quellen, Geysire und Schlammtöpfe

Die Geologie der Region ist ein Resultat vulkanischer Aktivität. Unter der Erde brodelt es in einer gewaltigen Magmakammer. Die vielfältigen Formen des Vulkanismus zeigen sich in Tausenden heißer Quellen, Geysire und Schlammtöpfe: Im „Mund des Drachen“ schmatzt und gluckt es unappetitlich. Im „Schlammvulkan“ brodelt ätzende Flüssigkeit. Qualmende Erdspalten säumen die „Feuerstraße“.

Die Tierwelt lässt sich davon nicht beeindrucken. Zum Beispiel die Büffel, denen man unter Garantie begegnet: In kleinen Gruppen weiden die zotteligen Tiere im Haydon Valley, vorsichtig umkreist von Fotografen mit der Kamera im Anschlag. Schnaubend drohen die Bullen mit ihrem massigen Schädel, wenn sie ihre Jungen in Gefahr sehen. Erschreckt sprinten die Menschen dann beiseite.

Studienobjekt Wolf

„Beeilt euch, die Wölfe haben ihn jetzt bemerkt“, tönt es wieder aus dem Gerät. Zack gibt Gas. „Ich liebe diese Momente“, erzählt der junge Führer. „Ich merke dann, dass ich Teil eines wichtigen Projekts bin.“ Für seinen Arbeitgeber Carl Swoboda gehen Tourismus und Tierschutz Hand in Hand. Dessen Firma nimmt offiziell am Wolfsprojekt der Parkverwaltung teil, in dem Wissenschaftler und Ranger das Verhalten der Wölfe studieren.

Mitte der 90er Jahre wurden 31 Grauwölfe aus Kanada in den Yellowstone ausgewildert, wo sie ausgestorben waren – Wölfe, Kojoten und Pumas waren in der Anfangszeit des Parks gnadenlos getötet worden. Zeitweise musste sogar die Armee einschreiten, um Wilderei und Zerstörung der Natur zu verhindern. Heute fühlen sich die scheuen Jäger im Park wieder so pudelwohl, dass sich ihre Zahl mehr als verzehnfacht hat.

Rund ein Drittel der Wölfe ist mit einem Halsband und Sender markiert, einige sogar mit GPS. Die Wissenschaftler sammeln Daten über Rudelgrößen und Reviere, die Auswahl der Beute und die Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem. Während Zack erklärt, erreichen wir endlich den Hügel des Geschehens, auf dem sich schon eine schwer bewaffnete Armee in Stellung gebracht hat: Teleskope, Ferngläser und Teleobjektive sind auf die Prärie im Lamar Valley gerichtet, in dem mehrere Büffelherden grasen.

Grizzlies, Wölfe und Touristen

Hektisch setzt Zack sein Beobachtungsgerät aufs Stativ, dann hat er ihn direkt im Visier: Gemütlich bummelt der Grizzly durch die Wiese, schnuppert an den Büschen und hält die Schnauze in die Sonne. Auch Bären machen mal einen Morgenspaziergang. Aus der Ferne wirkt der gefährliche Koloss wie ein knuddeliger Teddy. Noch hat er die beiden Wölfinnen nicht bemerkt, die ihn in sicherem Abstand lauernd umkreisen.

„Wenn er so weitertapert, muss er direkt über die Wolfsjungen stolpern“, flüstert eine dick in Decken gehüllte Frau in ihrem Campingstuhl – nur ihre Augen lugen unter einer Fellmütze hervor. Die Profis unter den Wolfsfans kommen mit teurem technischem Gerät, heißem Kaffee gegen die Morgenkälte und viel, viel Geduld – so spektakulär wie heute ist es nicht jeden Tag.

Manche reisen jedes Jahr für mehrere Wochen an und folgen den Tieren wie Groupies ihren Stars. „Ganz gewiefte hören unseren Funk ab“, erzählt Zack. „Dann kommen ganze Horden zu den gemeldeten Orten.“ Der Leiter des Forschungsprojektes musste sogar sein Auto wechseln. Das gelbe Fahrzeug war schnell bekannt und wurde regelmäßig von fanatischen Tierliebhabern verfolgt.

Der Grizzly ist jetzt nur noch hundert Meter vom Bau mit den Jungen entfernt. Attacke! Die Wölfinnen greifen von zwei Seiten an, der Bär brüllt und schlägt mit der Tatze nach ihnen, doch sie lassen nicht locker. Bis der Bär schließlich aufgibt und sich zurück in den Wald trollt. „Bei solchen Konflikten ziehen Wölfe oft den kürzeren“, erklärt einer der anwesenden Wissenschaftler. „Aber hier ging es ja um ihre Jungen.“

Inzwischen ist bei den Wölfen wieder Ruhe eingekehrt, die Fangemeinde stellt sich auf Stunden – oder Tage – des Wartens ein, bis wieder etwas passiert. Doch da quäkt es schon wieder aus Zacks Funkgerät: Zwei Grizzlys tummeln sich auf einer Wiese nicht weit von hier. Zack dreht den Apparat gleich leiser: Diesmal will er die Tiere für seine Gruppe ganz alleine haben.

Oliver Gerhard

Finnland: Bärenjagd mit der Kamera

Knoller, Bär in Kuusamo 3 klein

Im Nordosten Finnlands ist das Revier der Braunbären. In der Nähe von Kuusamo kann man mit einem Guide auf Bärenjagd gehen – allerdings nur mit der Kamera.

Pekka sieht so aus, wie man sich einen Bärenjäger vorstellt. Er ist groß, muskulös und cool. Und er spricht wenig. „Du musst ruhig sein“, ermahnt er mich.

Pekka ist der Bärenmann. In der Nähe von Kuusamo in Nordostfinnland bietet er seit einigen Jahren Bärenbeobachtungen für Touristen an. Vorher hat er das getan, was zu seinem Aussehen passt – er war Bärenjäger. Schießen würde er heute keine Bären mehr: „Sie sind meine Freunde geworden“, sagt er.

Auch dem Weg zu der Beobachtungshütte im Wald gibt er mir flüsternd ein paar Sicherheitsanweisungen. Falls mir ein Bär auflauern würde, solle ich vor allem ruhig bleiben, ein bisschen mit dem Bären reden und vor allem nicht weglaufen. Kein Problem, dann bleibe ich eben cool.

Raben sind ein gutes Zeichen

Doch schon bald haben wir die am Rande einer Lichtung stehende Hütte erreicht. Leise schließt Pekka die Tür auf, vorsichtig rückt er die Stühle zu recht und öffnet die Beobachtungslucken. Ungefähr einhundert Meter entfernt hat Pekka vor einigen Tagen einen Köder ausgelegt: Schönes altes Elchfleisch. So etwas mögen die Bären. Und die Raben auch, die den Kadaver umkreisen. Es sei wichtig, dass die Vögel da seien, erklärt Pekka. Denn dann fühlten sich die Bären sicher.

Damit die großen Raubtiere den Kadaver nicht einfach in den Wald schleppen und dort hinter Bäumen versteckt verspeisen, hat Pekka den toten Elch mit einer dicken Eisenkette an einem Baum befestigt.

Dann ist erst einmal genug gesagt. Pekka beginnt ausgiebig zu schweigen und sucht durch sein Fernglas immer wieder den Horizont ab.

Langsam senkt sich die Dämmerung über den finnischen Spätsommer. Der Wald verwandelt sich in ein Reich der Schattenwesen und ein paar Mal glaube ich am Waldrand etwas zu erkennen. Doch jedes Mal Fehlalarm. Die Bären, die ich zu erkennen glaube, lösen sich spurlos im Dämmerlicht auf. Weiter sitzen wir schweigend da. Zwei Männer im finnischen Wald auf der Suche nach dem größten Raubtier Europas.

Irgendwann kramt Pekka aus seinem Rucksack ein großes Messer und einen riesigen Schinken hervor. Er schneidet ein Stück davon ab und reicht es mir. „Elch“ sagt er und fügt noch hinzu „ selbst geschossen“. Seit die Bären seine Freunde sind, jagt Pekka nur noch Elche.

Das Elchfleisch schmeckt ausgezeichnet und zudem schweißt gemeinsames Essen offenbar zusammen. Pekka wird redselig und erklärt mir die Vogelwelt. Neben den Raben rasten noch vier Krickenten auf dem winzigen Tümpel, der zwischen uns und dem Elchkadaver liegt. Und dann ist dann noch ein seltener Bruchwasserläufer. Der kleine braun-weiße Vogel muss bis auf weiteres, in Ermangelung größerer Tiere, als Pausenfüller dienen.

Pekka erzählt mir, dass es in der finnischen Sprache 200 Ausdrücke für das Wort „Bär“ gibt. Das eigentlich hochsprachliche Wort „karhu“ durfte man früher nicht in den Mund nehmen. Wer das tat beschwor mutwillig einen Bärenangriff herauf.

Ein Braunbär im Regen

Dann beginnt es zu nieseln und Pekka wird pessimistisch. Bei Regen würden Bären eine nasse Schnauze bekommen und das mögen sie nicht. Deswegen würden sie lieber im Unterholz bleiben. Jägerlatein? Jedenfalls taucht immer noch kein Bär auf. Allerdings haben die auch eine paar Kilometer Anmarsch, denn ihr eigentliches Verbreitungsgebiet liegt jenseits der Grenze in Russland. Trotzdem gehören zwischen zehn und 15 Bären zu Pekkas Stammgästen beim Elchdinner.

Füchse scheint der Regen nicht zu stören, denn ein Fuchs ist der nächste, der sich am Elchfleisch gütlich tut. Doch offenbar belebt Konkurrenz das Geschäft. Der Fuchs macht sich noch immer an dem Kadaver zu schaffen, als mich Pekka keine fünf Minuten später vorsichtig anstößt und mit seinem Finger in die Ferne weißt.

Und wirklich: Etwa 300 Meter entfernt taucht am Waldrand ein Bär auf. Im Gegensatz zu den vielen Bären die ich vorher glaubte gesehen zu haben, verwandelt er sich auch nicht urplötzlich in einen Waldgeist der im Gewirr der Bäume verschwindet.

Gemächlich trottend kommt er näher. Eigentlich ist er aber eine sie. Pekka hat allen seinen Bären Namen gegeben und erkennt sie schon von weitem. „Das ist Nätti“, stellt er mir die Bärendame vor. Nätti heißt auf finnisch in etwa „die Schöne“und genau das ist die Bärin jetzt für mich. Schließlich habe ich lange auf sie gewartet. Mehr als drei Stunden sitze ich mit Pekka schon in der Hütte. Dafür lässt sich Nätti jetzt auch genau beobachten. In aller Ruhe macht sie sich über das Fleisch her. Mal dreht sie sich nach links, mal nach rechts, zeigt sich von allen Seiten. Sie hat es so gar nicht eilig beim Fressen. Sie weiß, dass sie die Königin des nordischen Waldes ist. Und offenbar weiß sie auch, dass Pekka die Bärenjagd aufgegeben hat.  

Rasso Knoller

 

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USA: Der mit dem Bär tanzt

Der Appalachian Trail im Osten der USA ist einer der längsten Fernwanderwege der Welt. Er führt mitten durch den Great Smoky Mountains Nationalpark in North Carolina.

Als David Ackerley erwacht und aus dem Fenster seiner Holzbaracke blickt, schneit es noch immer. Der Wanderweg, auf dem er in den vergangenen Monaten über 2000 Kilometer mit seinem Rucksack durch ein Dutzend US-Bundesstaaten gelaufen ist, liegt unter einem vier Fuß tiefen Schneeteppich begraben. Es ist einer der wenigen Momente auf seiner Reise, an dem Ackerley daran denkt, aufzugeben. Der Weg Richtung Süden führt nach einigen 100 Kilometern zum Great Smoky Mountains Nationalpark, der in den Bundesstaaten North Carolina und Tennessee liegt. Einem 2000 Hektar großen, bergigen Waldgebiet, dichtbewachsen mit mächtigen Ahorn-, Kastanien- und Pinienbäumen. Sollte Ackerley im Schneetreiben vom Pfad abkommen und sich in der Wildnis verirren, würde ihn niemand finden. Außer den hungrigen Schwarzbären vielleicht.

Das Raue, Ursprüngliche – dafür sind die südlichen Appalachen seit jeher bekannt. Der US-amerikanische Pionier Daniel Boone, der sich Erzählungen zufolge im 18. Jahrhundert sogar Faustkämpfe mit den Bären lieferte, beschreibt einige Gebiete als „so wild und grauenhaft, dass man nicht ohne Erschauern davon berichten kann.“ David Ackerley erinnert sich an solche Geschichten, wenn er die weiß bedeckten, knorrigen Wälder vor seinem Fenster sieht. Er zögert.

Nach einigen Tagen, als der Schnee geschmolzen ist, spannt er seinen Rucksack auf den Rücken und läuft weiter. Der Appalachian Trail, der vom Bundesstaat Maine im Norden über 3440 Kilometer nach Georgia in den Süden der USA führt, hat Ackerley zurück. Die Riemen des Rucksacks pressen sich in seine Schultern, die Schritte werden immer schwerer. Der Weg durch die „Smokies“ führt über 16 Gipfel, die höchste Erhebung ist der Clingmans Dome mit 2025 Metern. Für Ackerley ist der Marsch über den schmalen und oft stark abschüssigen Trail eine Tortur, die sich lohnt: Der Nationalpark ist ein Naturereignis. Über 1500 Arten von Wildpflanzen wachsen dort, außerdem 130 verschiedene Baumgattungen – in ganz Europa gibt es gerade mal 85. Auch die Vielfalt an Reptilien, Säugetieren, Fischen und Vögeln ist gewaltig. Murmeltiere, Streifenhörnchen, 80 verschiedene Amphibien- und 30 Salamanderarten sind in den Wäldern, Flüssen und Seen der Smokies zu Hause.

Doch es ist nicht nur die starke, kräftige Natur, die Wanderern wie David Ackerley in den Great Smoky Mountains begegnet. Wer sich zu Fuß durch die Wildnis schlägt, spürt auch, wie zerbrechlich sie ist. Der Clingmans Dome ist umgeben von abgemergelten Baumstümpfen, die Smog und sauren Regen nicht überstanden haben. Noch dazu streckt die Fichtelgallenlaus, ein gefürchteter Baumschädling, viele Kieferngewächse in den Wäldern nieder. In Naturschutzgebieten wie dem Joyce Kilmer Memorial Forest im Süden der Smokies sind sogar die bis zu 1000 Jahre alte Hemlocktannen von der Umweltzerstörung betroffen. Der Wald reagiert. Er ist wie ein lebendiges Labor.

Seine Wanderung durch das Gebirge beeindruckt David Ackerley so sehr, dass er nach seinem neuneinhalb Monate langen Trip bis Georgia nicht zur Ruhe kommt. Er will zurück nach North Carolina, um sich dort niederzulassen. Die Great Smoky Mountains lassen ihn nicht mehr los. Acht Jahre ist das nun her.

Heute lebt er in Hot Springs, einer kleinen Ortschaft an der Grenze zu Tennessee. Eine Hauptstraße, viel mehr gibt es dort nicht. In den beiden Coffeeshops an der Main Street drehen sich Ventilatoren unter altmodischen Deckenlampen, das „United States Post Office“ mit seinen roten Ziegelmauern und einem sandsteingrauen Flachdach sieht in der Ferne aus wie ein verlassener Bunker. Wenn es dunkel wird, die Zikaden auf den Bäumen zirpen und das Licht in den Wohnhäusern erlischt, versinkt Hot Springs in der Wildnis.

„Als ich zu meiner Reise aufgebrochen bin, ging’s mir richtig dreckig“, sagt David Ackerley. Wir treffen ihn an einem milden Spätsommertag bei der Arbeit in „Bluff’s Mountain Outfit“, einem Einzelhändler für Trekkingausrüstung an der Main Street, die Teil des Appalachian Trails ist. „Ich war damals 29 Jahre alt, lebte in einem gottverlassenen Nest in Iowa und jobbte an einer Tankstelle.“ Sein Leben in der Einöde bewegte sich im Schneckentempo. Bis er eines Tages auf ein 18-jähriges Mädchen traf. Sie erzählte ihm vom ihrer Reise über den Trail – und Ackerley war wie elektriziert. Das war die Chance, sein Leben umzukrempeln.

Daniel Gallagher, der Inhaber des Trekkingladens, kennt solche Geschichten. Fast täglich kommen Wanderer zu ihm, die den Appalachian Trail bezwingen wollen. Sie kaufen neue Pullover oder decken sich mit Zelten und Schlafsäcken ein, die auch im strammen Regen beständig sind. Gallagher hört vieles über den Trail. Er sitzt hinter der Kasse, über ihm ein schwarz gestrichener Holzbalken, an den er Fotos von Wanderern gepinnt hat. Auch David Ackerley ist unter ihnen. Auf dem Bild trägt er einen flauschigen Bart und lange, verfilzte Haare.

„Von denen, die in Georgia gestartet sind, halten 70 Prozent bis Hot Springs durch“, erzählt der graubärtige Geschäftsmann. „Aber nur fünf Prozent schaffen es bis nach Maine.“ Viele sind schlecht vorbereitet. Sie schleppen 15 Kilo schwere Rucksäcke auf ihrem Rücken, obwohl sie nicht mehr als zehn Kilo tragen sollten. Einige Wanderer lassen unnötigen Ballast in Gallaghers Shop. „Vor einigen Jahren traf ich ein Paar, das ein Schwert mit sich führte“, erinnert er sich. „Ich fragte: Was zum Teufel wollt ihr mit dieser Waffe anfangen? Sie sagten: Wir müssen uns doch beschützen, wenn wir durch den Wald laufen.“ In Virginia hätten sie das Schwert endlich abgelegt.

Die Angst vor wilden Raubtieren: Sie begleitet viele Wanderer auf dem Trail. Brad Free, Ranger vom National Park Service, beruhigt: Im Vergleich zu den Grizzlybären aus den westlichen USA seien die Schwarzbären in den Smokies relativ ungefährlich. „Die wollen dein Essen, aber nicht dich“, sagt Free. Meist haben sie sogar Angst vor Menschen. Nur wer seine Lebensmittel über Nacht im Zelt versteckt, hat ein Problem: Er könnte von einer kalten Bärenschnautze geweckt werden.

Viele Wanderer schlafen daher nicht in Zelten – auch, um zusätzlichen Ballast im Gepäck zu vermeiden. Sie betten sich in Motels oder Gasthäusern, die in der Nähe des Appalachian Trails liegen. Oder sie schlafen auf Holzbänken in den „Shelters“: notdürftigen Schutzhütten, die am Wegesrand befestigt sind. Die Wanderer erwartet kein großer Komfort. Die Hütten sind spartanisch eingerichtet – und meist zur Vorderseite geöffnet. Einen hundertprozentigen Schutz vor Bären und Schlangen gibt es auch dort nicht.

Brad Free sieht das gelassen. Er ist im Laufe seines Lebens schon öfter einem Schwarzbären begegnet. „Wenn das Tier vor dir steht, stellen sich deine Nackenhaare auf“, erzählt der Ranger und kneift die Augen unter seiner grauen Hutkrempe zusammen. Die wichtigste Regel: Drehe dem Bären nie den Rücken zu, sondern behalte ihn im Blick. Dann laufe in kleinen Schritten rückwärts, bis du in Sicherheit bist. Wer sein Essgeschirr mit lautem Krach gegeneinander schlägt, hat manchmal Glück: Die Bären sind eingeschüchtert und suchen das Weite. Nur einem Besucher des Great Smoky Mountain National Parks hat keine Regel geholfen. Er ist der einzige Gast in 35 Jahren, der durch eine Schwarzbär-Attacke ums Leben gekommen ist.

Ob der Ranger von Georgia nach Maine gehen würde, wenn der Weg so harmlos ist? Brad Free lacht, schüttelt den Kopf. „Wenn ich wandere, will ich Flusswege ablaufen, Blumen anschauen – und zwar relaxt.“ Um den Appalachian Trail zu bezwingen, müsse man ein Getriebener sein. Wie der Blinde, der die dreieinhalb Tausend Kilometer vor zwei Jahren mit seinem Blindenhund ging und anschließend ein Buch über seine Erlebnisse schrieb. Oder der 80-Jährige, der einige Zeit zuvor den Fußmarsch auf sich nahm. Für alle anderen, die nach ettlichen Wochen und unzähligen Schritten die Hoffnung verlieren, gibt es Ranger wie Brad Free. „Wir sammeln alle ein, die auf der Strecke bleiben.“

Philipp Eins

INFO

ANREISE

US-Airways fliegt direkt von Frankfurt (Main) nach Charlotte in North Carolina. Ab Charlotte bietet US-Airways einen Anschlussflug bis Asheville an. Von dort aus sind es nur noch rund 50 Kilometer bis zum Great Smoky Mountains National Park. www.usairways.com.

UNTERKUNFT

Wer auf dem Appalachian Trail wandert, kann in Motels, Gasthäusern oder sogenannten „Shelters“ übernachten. Diese Schutzhütten sind jedoch nur etwas für hartgesottene: Der Schlafraum ist zur Vorderseite offen und sehr spartanisch eingerichtet.

Im Falling Waters Adventure Resort in Bryson City dürfen Gäste wie die Indianer zelten – nur nicht in nordamerikanischen Tipis, sondern in mongolischen Jurten. Dafür sind die großzügigen Kabinen mit einem King-Size-Bett und Kühlschrank ausgestattet. Der Preis: Ab 80 Dollar pro Nacht. Informationen unter www.fallingwatersresort.com.

Wer auf Komfort und gehobene Küche wert legt, ist in der Snowbird Mountaine Lodge in Robbinsville gut aufgehoben. Das Berghotel ist in der Nähe von vier Wasserfällen gelegen und bietet von seiner Terrasse einen traumhaften Ausblick. Die Zimmer sind mit dunklem Holz verkleidet, die Luxusräume mit Kamin und Whirlpool ausgestattet. Die Übernachtung kostet zwischen 180 und 365 Dollar pro Zimmer. Informationen unter www.snowbirdlodge.com.