Kanada: Zum Biertrinken nach Edmonton

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Sonnenaufgang über Edmonton

Eine Gesetzesänderung hat Edmonton zu einem Lieblingsreiseziel für Biertrinker gemacht.   

Edmonton, die Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta, kennen hierzulande vor allem Eishockeyfans. Bei den dortigen Oilers hat nicht nur NHL-Legende Wayne Gretzky, der bekannteste und vermutlich beste Spieler aller Zeiten gespielt, aktuell steht auch der deutsche Spitzenspieler Leon Draisaitl bei den Kanadiern unter Vertag.

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Kult für Hockeyfans – Rogers Place, die Halle der Oilers

Die Art Gallery of Alberta gehört zu den wichtigen Museen des Landes und ist wegen ihrer wegweisenden Architektur im Stil der Brutalismus Besuchsziel für so manchen Architekten, das Flusstal von Edmonton bietet die größte innerstädtische Parkfläche aller kanadischen Städte und die West Edmonton Mall zählt zu den größten Einkaufszentren der Welt. Und halt – auch eines der bedeutendsten Rodeos Nordamerikas findet in der Hauptstad Albertas statt.

Hippster am Braukessel  

Doch jetzt gibt es einen viel besseren Grund die Stadt zu besuchen – ihre Kneipen und Mikrobrauereien. Vor einigen Jahren setzte das Provinzparlament ein Gesetz außer Kraft, das Brauereien bis dahin eine Mindestproduktionsmenge verordnete. Sinn hatte das Gesetz keinen, außer dass es  Großbrauereien vor der Konkurrenz der Kleinen schützte. Seit einigen Jahren darf nun jeder sein eigenes Bier brauen. Wie viel oder wie wenig auch immer.

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Chefbrauer Brandon Smith

Das hat Leute wie Brandon Smith an den Braukessel gelockt. Der junge Mann mit Zopf und Hippsterbart ist seit eineinhalb Jahren Chefbrauer bei Situation Brewing, einer der vielen lokalen Mikrobrauereien. Beigebracht hat sich Smith seine Braukünste selbst, vor fünf Jahren hat er als Hobbybrauer angefangen. Damals war er noch bei einer Helikopterfirma angestellt. „Dass ich damals so viel unterwegs war, hat meiner damaligen Beziehung nicht gut getan“ sagt er und erzählt weiter, dass er jetzt „beziehungsfreundlich“ nur zwei Blocks von seiner Arbeitsstelle entfernt wohnt. „Frau Lisa“ ist aber nicht der Name seiner neuen Freundin, sondern der des beliebtesten Bieres auf der Karte von Situation Brewing.

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Situation Brewing: Bier in allen Farben

Wem Lisa, ein eher klassisches „Vienna Style Lager“, nicht schmeckt, hat noch viele weitere Sorten zur Auswahl, u.a. in den Geschmacksrichtungen grüner Tee, Lavendel oder Pomeranze.

Leichte Küche statt Chips

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Biera: Der Name ist Programm

Im Biera, einer anderen Microbrewery,  steht Christine Sandford in der Küche. Ihr ist wichtig, dass das Essen mit dem Bier harmoniert – deshalb  stimmt sie die Speiskarte auf die Getränkeliste ab. Trotzdem sind die typischen Bierbegleiter wie Chips, Würstchen oder fette Rippchen für sie tabu – leichte Küche und Bier stehen für die resolute blonde Mitdreißigerin nicht im Widerspruch.
Yellowhead Brewing, Town Square Brewing, Brewster Brewing, Two Sergeants Brewing – die Liste der Mikrobrauereien in Edmonton ist lang. Auch die Zahl der Kneipen nimmt beständig zu. Besonders im Stadtteil Old Strathcona rund um die Whyte Avenue hat sich eine ganz neue Restaurantszene entwickelt. Edmonton kommt – und das nicht nur im Eishockey.

Text und Fotos: Rasso Knoller

Deutschland: Hopfen – das „grüne Gold der Hallertau“

K1024_hopfen4„Dass die edle Jauche Wellen schlag‘ in unsrem Bauche, prost!“ Der Trinkspruch von Inge Neumaier sorgt für Heiterkeit in der Frauengruppe aus Abensberg. Ihr Mann war lange Jahre Braumeister in der dortigen Brauerei Ottenbräu. Auch Hopfenbotschafterin Elisabeth Stiglmaier begeistert sich für den Reim. Von der Biersommeliere erfahren die Frauen und auch die drei Männer vieles über die Heilkraft des Hallertauer Hopfens, der nicht nur beim Bierbrauen seine beruhigende Wirkung entfaltet.
Die Region rund um  Ingolstadt ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet in Deutschland und deckt rund ein Drittel des Weltbedarfs. „Natürlich wandert das meiste in die Bierherstellung“, erzählt die Fachfrau, die im kleinen Örtchen Attenhofen lebt, umgeben von unzähligen Hopfengärten. Elisabeth Stiglmaier kennt sich mit den Reben aus, und gewährt einen Einblick in die arbeitsintensive Ernte und das Darren der Dolden. Schließlich betreibt die Familie seit vielen Jahren  Hopfenanbau.

K1024_hopfen1Die Begeisterung, die Elisabeth Stiglmaier für das „grüne Gold der Hallertau“ hegt, gibt sie gerne und sehr charmant an die Gäste weiter – ob beim Hopfenlied mit Zither-Begleitung oder als historische Hopfenzupferin, die von der beschwerlichen Ernte berichtet. Das Niederbayerische ist für Gäste jenseits des „Weißwurstäquators“ nicht immer ganz leicht zu verstehen, aber Elisabeth Stiglmaier liefert auch gerne die passende „Übersetzung“. Bei ihren Führungen geht es hinaus in die Hopfengärten, wo man nicht nur den speziellen herben Geruch beim Zerreiben einer Dolde schnuppert, sondern auch  das Wachstum der Rankpflanze beobachten kann. Bis zu 30 Zentimeter schaffen die Reben am Tag. Erst wenn sie die Hilfsdrähte in rund sieben Metern Höhe erklommen haben, machen sie sich im Juni und Juli an die Blüte. Geerntet wird frühestens im September. Praktisch für die Landwirte: Hopfen kann 40 Jahre und älter  und auf dem gleichen Feld wieder angepflanzt werden. Genutzt werden aber nur die weiblichen Pflanzen. Weil der Brauhopfen nicht befruchtet sein darf, werden die männlichen Exemplare und der Wildhopfen sogar gerodet.

Für die meisten Gäste sind die grünen lupulinsäurehaltigen Dolden eine der vier Grundzutaten neben Wasser, Gerste und Hefe beim Bierbrauen. Und mit dem Reinheitsgebot, das vor 500 Jahren in Ingolstadt erlassen worden ist, existiert  auch das älteste Verbraucherschutzrecht. Elisabeth Stiglmaier hat für ihre Besucher aber zur Einstimmung ein anderes Schmankerl: Hopfentee. Bitter ist das Gebräu, das gerne mit Zucker und Minze „verändert“ werden darf. Die Hopfenbotschafterin brüht die Dolden auf und lässt den Sud gut ziehen.

K1024_hopfen2„Der Hopfen bräuchte als Arzneipflanze mehr Aufmerksamkeit.“ Die will sie ihm schenken. Bereits Hildegard von Bingen hatte die antiseptische Wirkung erkannt und das Haltbarmachen. Die Volksmedizin nutzte die Pflanze bei Nervosität, Rheuma und Gelenkschmerzen, aber auch als Linderung bei Wechseljahrsbeschwerden. Denn der Hopfen enthält Phytohormone, die dem Östrogen sehr ähneln. Neben einer beruhigenden und Blutzucker senkenden  Wirkung kann die Pflanze auch präventiv zum Einsatz kommen. Dem Wirkstoff Xanthohumol wird  bei Krebs eine lindernde Wirkung nachgesagt. Aber Stiglmaier warnt vor der Versuchung: Viel hilft viel.  Wie bei jeder Arznei komme es auf die Dosis an.

Der Wildhopfen in der Region wurde schon um 500 n. Chr von den Wenden genutzt und im 9. Jahrhundert bereits kultivieren. „Wo der Wein der Römer versagt hat, gedieht der Hopfen.“ Gerade der Lösslehmboden der Hallertau tauge dafür sehr gut. Heute existieren von der Arzneipflanze des Jahres 2007 bis zu 40 verschiedene Sorten. Einige wachsen auf dem Stiglmaier-Hof. Wie der klassische Hallertauer Taurus, der dem Bier seinen leicht herben Charakter verleiht. Für die Gruppe hat die Vorsitzende der Landerlebnisführerinnen Bayerns ein paar besondere Biersorten zum Kosten ausgewählt. Von einer Variante, die an Weißwein erinnert, bis zum Zitrusgeschmack gibt es zahlreichen Züchtungen auf dem Markt und in den Braukesseln. „Alles Geschmacksache.“  Kein Pardon gibt es aber beim richtigen Einschenken: Erst das Glas kühl ausspülen, langsam einschenken, riechen. Dann erst die Zungenspitze leicht eintauchen, um die Süßes zu erkennen. Erst danach darf ein richtiger Schluck genommen werden.

K1024_hopfen3Wie aus dem Hopfen, Wasser, Malz und Hefe schließlich ein köstliches Bier entsteht, erfahren die Besucher bei  Kuchlbauers Bierwelt in Abensberg. Natürlich wird anschließend auch verkostet.  Die Kombination „Bier und Kunst“ darf hier wörtlich verstanden wissen. Mit dem 35 Meter hohen Turm hat der Österreicher Friedensreich Hundertwasser sein letztes Architekturprojekt  konzipiert. Sein Freund Peter Pelikan hat das Wahrzeichen der Brauerei nach dessen Tod dann umgesetzt.   Weithin sichtbar lockt es seit 2010 die Besucher an, die im Biergarten gerne sitzen. In der goldenen Zwiebelkuppel hat man einen wunderbaren Blick über die Hallertau.

Die Kunst und die geschwungenen Formen ziehen sich wie eine Schlange durch Brauerei und  Gelände. Einen Abstecher wert ist auch das KunstHaus gegenüber der Weißbierbrauerei. Eine Vielzahl an Hundertwasser-Werken sind hier zu bestaunen.

K1024_hopfen7In der Region Hallertau wird aber nicht nur Bier, sondern auch Schokolade und Likör mit Hopfen hergestellt. Dass die „Seele des Biers“, der Hopfen, auch im Wellness-Bereich seine ätherischen Öle entfalten kann, zeigt sich im **** Hotel „Eisvogel“ in Bad Gögging, das sich seine Landgasthaus-Kultur bewahrt hat. „Hopfen-Well“ für Leib und Seele  haben sich  Geschäftsführerin Margit Zettl-Feldmann und ihre Mitarbeiter auf die Fahnen geschrieben. „Der Hopfen bestimmt das Leben in der Region und den Jahreslauf“, betont sie. Spezielle Anwendungen gibt es im großzügigen Spa-Bereich. Entspannend ist ein Bad in den Hopfendolden oder auch eine Massage mit Hopfenöl. Und zur Erntezeit kreiert der Küchenchef gerne auch Gerichte mit dem grünen Gold, etwa ein Steak mit Hopfenkruste. Ein passendes Bier darf natürlich nicht fehlen.

K1024_hopfen9Wer noch mehr über das bayerische Nationalgetränk erfahren möchte, schwingt sich zur Brauereiraldtour aufs Rad (www.brauereikarte.de). Ein Abstecher nach Kloster Weltenburg an der Donau zur ältesten Klosterbrauerei der Welt ist zu empfehlen. Bereits seit 1040 gibt es hier Gerstensaft. Bevor man sich aber im Biergarten niederlässt, sollte man sich aber die Klosterkirche St. Georg  der Brüder Asam nicht entgehen lassen.

Text und Bilder: Diana Seufert

Mehr zum Thema Bier finden Sie hier:

Deutschland: Bierhotel Gut Riedelsbach

Und hier:

Deutschland: Baden im Bierhotel Neuzelle

 

 

Deutschland: Hessens Brauereien, Keltereien und Winzer

Kelterer_(c) Odenwald Gasthaus e.V.

Kelterer_(c) Odenwald Gasthaus e.V.

In Hessen befindet sich nicht nur eines der berühmtesten Weinanbaugebiete Deutschlands – der Rheingau – sondern auch die Heimat des Apfelweins und verschiedener Biersorten. Ob einmal selber keltern, sein eigenes Bier brauen oder im Weinfass übernachten, es gibt viele Möglichkeiten für Neugierige

Kelter-Tour auf der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute

Die Landschaft zwischen Main und Taunus wird seit Jahrhunderten von Streuobstwiesen geprägt. Diese sind die Grundlage für das hessische Nationalgetränk – den Apfelwein. Bei der 12. Kelter-Tour auf der hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute erleben Gäste am Sonntag, den 21. September 2014 zwischen 11 und 18 Uhr nicht nur naturbelassene Streuobstwiesen, Lehrgärten und Lehrpfade, sondern haben auch die Möglichkeit, an verschiedenen Stationen Apfelwein selber zu keltern. Neben „Stöffche“-proben und Geschichten rund um den Apfelwein wird an jedem Standort auch ein buntes Programm für die kleinen Besucher angeboten, das für Unterhaltung und gute Laune sorgt.

Die Welt des Hochprozentigen: Schlitzer Destillerie im Vogelsberg

Liebhaber von Hochprozentigem genießen Brände, Schnäpse und Liköre bei einer Gruppenführung durch die Schlitzer Destillerie im Vogelsberg mit allen Sinnen. Bei dem zweistündigen Rundgang sehen sie die Kornbrennerei, die Grundstoffdestillation, den Lagerkeller und die Edelobstbrennerei und erfahren Wissenswertes über die Welt der Destillerie. Im Anschluss haben die Teilnehmer die Möglichkeit, die 31 verschiedenen Spirituosen zu kosten und sich ausgewählte Andenken mit nach Hause zu nehmen. Die Mindestteilnehmerzahl für die Führung beträgt 15 Personen und kostet fünf Euro pro Teilnehmer, abends und an Samstagen sechs Euro pro Person.

Wirtshauskelterer im Odenwald: Keltereiführungen und Apfelweinprobe

Dem hessischen Nationalgetränk auf der Spur: Apfelweinfans haben die Möglichkeit, bei einer Führung mit Apfelweinprobe hinter die Kulissen von zwei Odenwälder Wirthauskeltereien zu schauen. Im Hotel-Restaurant Dornröschen in Höchst-Annelsbach wird die Herstellung des Apfelweins erklärt und die Teilnehmer verkosten verschiedene sorten- und lagenreine Weine. Die Führung inklusive Weinprobe ist nach Vereinbarung für zehn Euro pro Person buchbar. Im Odenwald-Gasthaus Johanns Stuben in Reichelsheim lernen Gäste bei der „Odenwälder Apfelweinprobe“ verschiedene Apfelweinspezialitäten kennen. Das Angebot inklusive Odenwälder Vesper kostet 19,90 Euro pro Person und ist ab 15 Personen auf Anfrage buchbar.

„Hopfen und Malz“: Zu Gast im Brauhaus Castel in Wiesbaden

Ob Maibock, Narren-Pils oder auch der Doppelbock „Castelator“ – die kleine Wiesbadener Brauerei Castel lässt keinen Anlass aus, um ihr eigenes Bier aus ausgewählten Zutaten herzustellen. Auch Gäste haben hier die Möglichkeit, ihr eigenes Getränk zu brauen. Wiesbaden-Besucher können die Brauerei beispielsweise im Rahmen des Programms „Hopfen und Malz“ erleben. Das Paket enthält eine Brauereiführung, eine Bierprobe sowie eine Vesper, kostet 11,50 Euro pro Person und ist für Gruppen ab zwölf Personen auf Anfrage buchbar.

Bier selber brauen: Hessens einziges Brauereimuseum mit Brauwerkstatt

Im Brauereimuseum im nordhessischen Malsfeld erleben Liebhaber des Hopfensafts Braukultur und alte Traditionen hautnah, denn sie können hier ihr eigenes Bier herstellen. Bei thematischen Führungen unter dem Motto „Brauereikultur zum Anfassen und Schmecken – erleben mit allen Sinnen“ oder einem „Vier-Bier-Menü“ mit nordhessischen „Häpperchen“ lernen Besucher alles rund um das alkoholische Lieblingsgetränk der Deutschen. Das Brauereimuseum hat von April bis Oktober immer sonntags und Feiertags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Gruppenführungen (ab zehn Personen) können nach Absprache durchgeführt werden.

Kirschenstadt Witzenhausen: Likör aus heimischem Obst brennen

Wie viel Zucker gehört in den Likör? Was bedeutet Sprit oder mazeriert? Dies und noch weitere spannende Fakten lernen Interessierte bei einem Likörseminar in der Manufaktur „Witzenhäuser Spezialitäten“ im Witzenhäuser Stadtteil Kleinalmerode in Nordhessen kennen. Hier stellen die Teilnehmer ursprüngliche Liköre nach alten Rezepten her und dürfen anschließend den abgefüllten und etikettierten Likör mit nach Hause nehmen. Das Seminar ist nach Vereinbarung buchbar und kostet zwölf Euro pro Person (ab zehn Personen). Bei einer Plantagenwanderung mit Verkostung werden die Teilnehmer direkt in den Kirschplantagen edlen Tropfen verwöhnt. Die rund zweistündige Tour kostet sechs Euro pro Person.

Bensheim im Zeichen des Weins: „Bergsträßer Winzerfest“

Vom 6. bis zum 14. September 2014 heißt es beim traditionellen Bergsträßer Winzerfest in Bensheim wieder rund 160 Weine aus allen Bergsträßer Weinlagen genießen und die Winzer persönlich kennen lernen. Weine, Perlwein und Sekt – neun Tage wird auf dem Marktplatz und in der Fußgängerzone sowie in Winzerhöfen, Straußwirtschaften und Weinlokalen zünftig gefeiert. Darüber hinaus bilden der Winzerfestumzug am ersten Sonntag mit aufwendig geschmückten Wagen, Musikkapellen und Folkloregruppen sowie das Brillantfeuerwerk am letzten Samstag des Winzerfests ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm.

Übernachten im Weinfass: Hotel Lindenwirt in Rüdesheim am Rhein

Nicht nur für Weinliebhaber ist die Übernachtung in einem echten Weinfass eine Besonderheit. Die sechs Fässer des Hotels Lindenwirt, die einst zur Weinlagerung dienten, wurden in den 1970er-Jahren zu kleinen Hotelzimmern ausgebaut. Heute befinden sich in ihnen jeweils zwei Betten mit einer Länge von 1,85 Meter. Darüber hinaus verfügt jedes Weinfass über ein „Wohnzimmerchen“ mit TV und ein komfortables, helles Badezimmer mit Dusche, WC und Waschbecken. Buchbar ist das Weinfass ab 37 Euro pro Peron im Zweibettzimmer inklusive Frühstücksbuffet.

Deutschland: Ein Prosit mit der Berliner Weißen

Berliner Weiße

Grün oder Rot?

Im Sommer, in den zahlreichen Biergärten und Gartenrestaurants schmeckt sie natürlich besonders gut: die grün oder rötlich schimmernde Berliner Weiße, das wohl berühmteste Getränk der Stadt. Serviert wird sie in einem Gefäß, das aussieht wie ein Pokal aus Glas. Zuerst schüttet die Bedienung einen Schuss Sirup in das Glas und gießt dann den größten Teil des Bieres ein. Der Rest wird langsam nachgeschenkt, damit sich die feste weiße Schaumkrone bilden kann. Die leuchten­den Farben und den süßlichen Geschmack liefert wahlweise ein Waldmeister- oder ein Himbeersirup. Man kann das Bier aber auch pur trinken, dann schmeckt es spritzig und leicht säuerlich. Heutzutage gibt es die Weiße mit Sirup meist schon als fer­tige Mischung in der Flasche. Der Tourist, nicht unbedingt der Berliner, trinkt sie mit Hilfe eines Strohhalmes – so soll sie sich besser genießen lassen. Berliner Weiße

Eine Berliner Brauspezialität

Die Weiße wird mit Gersten- und Weizen­malzen gebraut, vom Weizen stammt auch die dunkle gelbe Farbe. Eine Besonderheit sind die Milchsäurebakterien. Sie werden mit verschiedenen obergärigen Bierhefen vergoren und verursachen so den säuer­lichen Geschmack. Der Alkoholgehalt hält sich mit knapp drei Prozent ziemlich in Grenzen.

Früher trank man die Weiße pur oder „mit Strippe“, mit einem klaren Schnaps, ent­weder einem Kümmelbranntwein oder einem Korn. „Wann die Idee mit der Sirup-Mischung aufkam, weiß man nicht so ge­nau“, sagt Frank-Jürgen Methner von der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin. Wahrscheinlich irgendwann Ende des 19. Jahrhunderts. Methner kennt sich aus, eine ganze Dissertation hat er über die Berliner Weiße geschrieben. Die Weiße muss damals ziemlich sauer gewesen sein. Daher mischten die Berliner Wirte dem Bier oftmals etwas Zucker hinzu – was auch den Vorteil hatte, dass es auf diese Weise schön nachgärte. Die Laubenpieper verbuddelten vor Beginn des Winters gerne einige Flaschen in ihren Gärten, wo es nachreifen und außerdem kühl und dunkel lagern konnte.

Champagner des Nordens?

Die große Zeit der Weißen ist allerdings schon länger vorbei. Ein wahres Lebenselixier für die Berliner war sie vor allem im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Hunderte von kleinen Weißbierbrauereien brauten, was das Zeug hielt, um den Durst der Bevölkerung zu löschen. „Die Bier­kutscher zogen mit ihren Wagen durch die Straßen, und die Leute füllten das Bier frisch vom Fass in ihre Tonkrüge ab“, er­zählt Methner.

Nach dem Ersten Weltkrieg ging es mit der Anzahl der Weißbierbrauereien und der Trinkkultur nach und nach bergab. Was auch damit zusammenhing, dass die Ber­liner immer weniger Bier tranken bzw. auf Pilsbiere umstiegen. Heute gibt nur noch zwei Brauereien, die Berliner Weiße her­stellen, die Kindl-Schultheiss-Brauerei in Weißensee und den Berliner Bürgerbräu in Köpenick. Berliner Weiße mit Himbeer

Der Brautechniker Franz-Jürgen Methner bedauert es, dass die Brauindustrie die Berliner Weiße nicht weiter entwickelt hat. „Für den Sommer ist sie mit ihrem säuer­lichen Geschmack ein ideales Getränk“, findet er. Napoleon Bonaparte jedenfalls, der der Legende nach die Weiße bereits kannte, hat vielleicht einen Hinweis für kreative Braumeister hinterlassen. Er lobte sie nämlich als „Champagne du Nord“. Tatsächlich würde das Berliner Bier ein wenig wie Champagner schmecken, wenn es länger gelagert wird, berichtet Methner. Also wer weiß, was noch aus der Weißen wird?

Angelika Friedl

Deutschland: Baden im Bierhotel Neuzelle

1-Klosterladen

Bier ist nicht allein zum Trinken da. Wer in den 1970er Jahren aufwuchs, wird sich erinnern, das sich damit prima die Frisur aufhübschen ließ. Außer zum Kochen kann man es seit einigen Jahren auch zum Baden verwenden. Schließlich hat der Gerstensaft mehr als 1000 Inhaltsstoffe: Mineralien und Spurenelemente für Nerven und Muskeln, Eisen und Kupfer für die Blutbildung, Phosphor für den Stoffwechsel, Magnesium für das Herz, Herzmuskel, Zink für die Insulinbildung und viele B-Vitamine. Das wussten schon die Ägypter vor fast 2.000 Jahren. Die wohltuende Wirkung von Bier und seinen Bestandteilen ist inzwischen sogar wissenschaftlich belegt.

Also, warum nicht auch darin baden? Das dachte sich Susanne Taschner-Schmidt, Junior-Chefin des ersten Bierhotels Deutschlands, dem Kummerower Hof im Brandenburgischen Neuzelle. „Bei einem Fernsehdreh 1996 hatte ein Reporter den Einfall, in eine Wanne mit Bier zu steigen und es gefiel ihm“, erzählt sie. Die gelernte Physiotherapeutin und Restaurantfachfrau nahm Kontakt mit der nahe gelegenen Klosterbrauerei auf und stieß auf Interesse. Mehr als ein Jahr lang wurden zahlreiche Rezepturen gemischt und ausprobiert, bis das optimale Badebier gefunden war.

3-Bibulibustag

Heute kann man im Kummerower Hof ein ebenso entspannendes wie erfrischendes Bierbad nehmen. Bereits beim Einlassen des Bades, wobei das Badebier mit Kohlensäure angereichert wird, entwickelt sich der würzige Duft einer, nach einem geheimen Rezept hergestellten, Hopfen- und Kräutermischung. Da der typische Biergeruch fehlt, empfindet auch ein Nicht-Biertrinker ein solches Bad als angenehm. Die Kohlensäure prickelt angenehm am ganzen Körper, das erweitert die Gefäße und fördert die Durchblutung, Bierhefe legt sich über die Haut und macht sie zart. Nicht zuletzt deshalb ist ein Bierbad gut geeignet zum Beispiel für Menschen mit Bluthochdruck oder Schuppenflechte. Nach einer Ruhephase wird zum Abschluss eine Bierhefecreme aufgetragen. Das ist Wellness pur.

Zum Wohlfühlprogramm gehören aber noch weitere Angebote wie eine Sauna, Aromatherapie-Bäder mit ätherischen Ölen, Rosenblütenbäder, Massagen mit Kräuterstempeln und heißen Steinen, Dampfbäder und Packungen mit Heu und Honig. Außerdem kann man Kosmetik- und Wellnessprodukte aus Bierbestandteilen mit nach Hause nehmen.2-Klosterkirche

Das familienbetriebene Landhotel Kummerower Hof hat 16 Doppelzimmer (10 davon mit Balkon oder Terrasse), ein Restaurant, in dem regionale Spezialitäten serviert werden, und einen überdachten Biergarten. Mit bereitgestellten Fahrrädern kann man die reizvolle Umgebung erkunden wie zum Beispiel den Naturpark Schlaubetal oder die Oder -Neiße-Flussniederung. Doch auch Neuzelle selbst hat einiges zu bieten. Die Klosterkirche Neuzelle, das Barockwunder der Mark, gilt heute als eine der wenigen vollständig erhaltenen Klosteranlagen Deutschlands und 8-HotelEuropas. Neben den beiden Barockkirchen und dem spätgotischen Kreuzgang ist der wiederhergestellte barocke Klostergarten ein besonderer Anziehungspunkt. Auch die Neuzeller Klosterbrauerei, deren Klosterladen eine breite Palette an verschiedenen Biersorten zum Trinken und Baden anbietet, kann man besichtigen. Alljährlich ist sie zu Christi Himmelfahrt Zentrum des Bibulibus-Tages, einem traditionellem Volksfest, bei dem es nicht nur um Bier geht. Das Musiktheaterfestival Oper Oder-Spree zählt zu den Höhepunkten im Brandenburger Kultursommer.

Regina Friedrich