Cabo Verde: Inseln des Windes und des ewigen Sonnenscheins

 

Auf den Kapverdischen Inseln weht ein ständiger Wind vom Atlantik. Er wirbelt Staub auf, formt die Landschaft und erfreut die Surfer.

Mehr als 300 Sonnentage auf Sal

Pfeilschnell jagen die Kitesurfer und Surfer unter den Augen der schläfrigen Sonnenanbeter am Strand über das Wasser. Eine schnelle Wende, Fahrt aufnehmen und schon kann das Adrenalin wieder durch den Körper strömen. Hier, an der Punta Preta, auf der Kapverdeninsel Sal werden Surferträume wahr, hier können sich die Besten hemmungslos dem Geschwindigkeitsrausch hingeben. Und danach an den Strandbars der Luxushotels mit Gleichgesinnten über Wind und Wellen fachsimpeln. Grund zur Klage gibt es so gut wie nie, denn auf 300 Sonnentage und den stetigen Wind kann man sich hier verlassen.

Ilhas de Sotavento, Ilhas de Barlavento – Inseln unter dem Wind, Inseln über dem Wind, haben die Portugiesen den Archipel vor dem grünen Kap von Afrika genannt. Ein Name, wie er passender nicht sein könnte, denn der Wind ist allgegenwärtig. Fast das ganze Jahr hindurch bläst der Nordostpassat – verlässlich, stetig, treu, und wenn er mal Pause macht, löst ihn der Harmattan ab, ein heißer Wüstenwind, der die Luft mit feinem Saharasand trübt. Im Sommer ist dann der feuchtheiße Südwestwind an der Reihe, der die Hoffnung auf Regen mit sich bringt. Seit Ewigkeiten formt der Treibstoff der Surfer Menschen und Landschaft, zerzaust das Gemüt und die wenigen Palmen, wirbelt Staub auf und treibt ihn ungehindert über die kahle, platte Wüsteninsel, die nur zum Baden und Surfen taugt.

Dünen soweit das Auge reicht

Auch Boavista gilt bei Surfern seit Jahren als Top-Spot. Hier ist der heiße Atem der Sahara besonders deutlich zu spüren, denn keine Kapverdeninsel liegt näher an Afrika. Schattenlose, menschenleere Sandstrände, die sich irgendwo im Hitzedunst am Horizont verlieren, gehen nahtlos in endlose Dünenlandschaften über. Einzig verstreute Dattelpalmen, die auch noch den letzten Tropfen Feuchtigkeit aus dem sandigen Meer saugen, trotzen der Trockenheit. Doch die schöne Kulisse, die gut für jeden Werbeprospekt wäre, täuscht. Unerbittlich laugt der Wind den Boden aus, treibt den Sand über die Insel, dringt in alle Ritzen, verweht Straßen und begräbt Hoffnungen.

Vielleicht bringt irgendwann der Tourismus die Rettung, denn die Voraussetzungen für Strandliebhaber und Sonnenhungrige könnten kaum besser sein. Boavista könnte mit allen Strandtraumzielen dieser Welt mithalten. Doch in Cabo Verde gehen die Uhren langsamer als anderswo und so wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die hochfliegenden Pläne vom massenhaft besuchten Traumziel Wirklichkeit werden. Noch döst die Insel am Rand der Zeit und kann mit ihrem spröden Charme nur wenige Besucher anlocken.

Doch der Wind bringt auch Leben. Nicht den flachen Inseln Sal und Boavista, die gehen leer aus. Die gebirgigen Eilande Fogo, Santo Antão und São Nicolau haben mehr Glück. Denn wenn der Passat gegen ihre hohen Bergkämme prallt, steigen Wolken auf, kühlen sich dabei ab, die Luftfeuchtigkeit kondensiert, und hüllt die höheren Lagen in feuchten Nebel. So kommt genug Feuchtigkeit für ein paar grüne Oasen auf der Windseite zusammen, im Windschatten bleiben Schutt und Geröll ohne Vegetation.

Cabo Verde: Boavista – Sonne, Sand und schöne Strände

Schon beim Anflug auf Boa Vista sieht man das Kapital der Insel – ihre kilometerlangen Sandstrände. Aber auch die Probleme Boa Vistas sind augenscheinlich, denn der Sand bleibt nicht dort, wo ihn Einheimische und Touristen gerne hätten – am Strand. Der ständig kräftig wehende Wind treibt ihn stattdessen über die gesamte Insel und so müssen die Sandmassen in einer beständigen Sisyphosarbeit aus Dörfern und von Straßen weggeschafft werden.

Traumstrände und Wüstensand

Boa Vista, was soviel wie „schöner Anblick“ bedeutet, verdankt ihren Namen wohl einem der ersten Seefahrer, Aloiso Cadamosto, der hier im 15. Jahrhundert vorbeikam. Sie ist mit 620 Quadratkilometern die drittgrößte und östlichste Insel der Kapverden, nur 50 km von Sal und rund 450 km vom afrikanischen Kontinent entfernt.

Die Besiedlung verlief relativ schleppend, anfangs lebten auf dem kargen Eiland nur ein paar Hirten. Erst als der Salzhandel Anfang des 17. Jahrhunderts in Schwung kam, wurde der erste Ort, Povação Velha, gegründet. Rund 100 Jahre später entwickelte sich dank des immer mehr aufblühenden Salzhandels Porto Inglês, das heutige Sal Rei, zur wichtigsten Stadt der Insel und sollte sogar Hauptstadt des gesamten Archipels werden. Doch die guten Jahre waren bald vorbei, Dürrekatastrophen, Gelbfieberepidemien und der Zusammenbruch des Salzhandels brachten Armut und Elend.

Heute ist Boa Vista eine Insel im Umbruch, die in den nächsten Jahren ihr Gesicht wohl vollständig verändern wird. Erste Anzeichen wohin die Entwicklung geht, sieht man schon am Praia da Chave südlich von Rabil, wo ein riesiger Hotelkomplex entstanden ist. Und auch Rabil dehnt sich immer weiter aus. Es gibt viele, die Boa Vista besser für den Massentourismus geeignet halten als Sal, vor allem nach Fertigstellung des neuen internationalen Flughafens.

Die Inselhauptstadt Sal Rei ist eine einzige Baustelle, vor allem in den Außenbezirken entstehen unzählige Neubauten, wobei allerdings auf vielen Baustellen die Arbeit oft monatelang ruht und es nicht sicher ist, ob sie jemals wieder aufgenommen wird. Seit einigen Jahren haben vor allem Italiener die Insel für sich entdeckt – als Touristen und Investoren.

Boa Vista ist sicher keine klassische Wanderinsel, schon wegen des relativ flachen Inselreliefs kann sie Santo Antão keine Konkurrenz machen. Die höchsten Berge erreichen nicht einmal 400 m, deshalb darf man hier keine wilden Schluchten und spektakulären Ausblicke erwarten. So kommen die meisten Touristen wegen der phantastischen Strände zum Baden nach Boa Vista. Doch hin und wieder sollte man zu einer Erkundungstour aufbrechen. Wer dies tut, wird schnell feststellen, dass die Insel groß und relativ schlecht erschlossen ist. Preisgünstige Aluguers verkehren praktisch nur zwischen Sal Rei und Rabil, alle anderen Strecken muss man mit dem Taxi zurücklegen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Pisten in solch einem schlechten Zustand sind, dass das Befahren selbst mit einem Allradfahrzeug mühsam und zeitraubend ist. Da fast alle Touristen in und um Sal Rei wohnen, bieten sich in erster Linie Ausflüge von der Inselhauptstadt aus an.

Empfehlenswert ist die Küstenwanderung in Richtung Süden zum endlosen Sandstrand Praia da Chave, aber auch ein Ausflug zur Nordküste, zum Wrack der „Santa Maria“ ist problemlos machbar. Von Rabil oder Estância de Baixo ist die wüstenhafte Dünenlandschaft der Deserto Viana gut zu Fuß zu erreichen. Für alle anderen Unternehmungen, wie den Wanderungen zum Praia de Santa Mónica oder nach Oi d’ Água muss man sich für Hin- und Rückfahrt ein Taxi mieten.