Deutschland: Brandenburg für alle. Barrierefrei reisen

Zeuthen 06.06.2016 Fotos : YORCK MAECKE TMB Barrierefrei auf dem Boot.

Foto : Yorck Maecke, TMB Barrierefrei auf dem Hausboot

 

 

 

 

Ausgabe 2017des Magazins  für barrierefreies Reisen in Brandenburg erschienen

Neu in der diesjährigen Ausgabe, die jetzt im sechsten Jahr in Folg erschienen ist, sind Erlebnisberichte von Gästen, die den barrierefreien und für jedermann erreichbaren Ausflugszielen der einzelnen Reiseregionen Brandenburgs vorangestellt wurden. So berichtet der stark sehbehinderte Berliner Yannick von seiner Tour mit einem Oldtimer-Tandem und dem SUP-Board in Potsdam. Und die Rollstuhlfahrerin Judyta Smykowski beschreibt ihr unvergessliches Gefühl von Freiheit, als sie im Sommer das barrierefreie Hausboot Febomobil 990 von Kuhnle-Tours über die Gewässer des Dahme-Seenlandes steuerte. Aktuell nimmt das Heft auch Bezug auf das Lutherjahr 2017. So kann man sich beispielsweise in Jüterbog barrierefrei auf die Spuren der Reformation begeben. Pfarrer Bernhard Gutsche von der evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai gibt in dem Heft und bei einem Besuch lebendige Einblicke in die außergewöhnlichen Geschehnisse jener Zeit.
Insgesamt werden auf rund 100 Seiten ausgewählte Angebote für Rollstuhlnutzer, Gäste mit Seheinschränkungen, für gehörlose Menschen und Besucher mit Lernschwierigkeiten sowie Infos für Allergiker für einen erlebnisreichen Ausflug oder einen entspannten Urlaub im Bundesland Brandenburg und in der angrenzenden Mecklenburgischen Seenplatte präsentiert.
Noch mehr barrierefreie Urlaubsangebote – insgesamt über 800 – sind detailliert beschrieben im Internetportal www.barrierefrei-brandenburg.de. Hier kann die Broschüre auch als barrierefreies pdf kostenlos heruntergeladen werden, das auch für Leser mit Sehbehinderung gut geeignet ist. Ebenso ist die Broschüre auch kostenlos bei der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH erhältlich. Telefon: 0331 – 200 47 47. Darüber hinaus wird das Spezial-Magazin ab März bundesweit über den Zeitschriftenhandel  zum Preis von 2,80 Euro vertrieben.

Deutschland: Der Baumkronenpfad Beelitz

K1024_DSC00366 (2)Ein verwunschener ‚lost place‘ in Brandenburg lässt sich jetzt aus luftiger Höhe erkunden. Der Baumkronenpfad Beelitz ist eröffnet – nach einigen Verzögerungen
Ein Spaziergang auf dem neuen Baumkronenpfad Beelitz ist erst einmal eine Herausforderung für alle, die nicht ganz schwindelfrei sind. Immerhin bewegt man sich 20 Meter über den Erdboden, zwar auf stabiler Stahl-Holzkonstruktion, die aber eben auch minimal schwingt, ähnlich wie eine Hängebrücke. Der Ausblick entschädigt allerdings auch Höhenkranke. Ein Meer aus Baumwipfeln, das hellgrün leuchtet, fern am Horizont erkennt man schemenhaft eine Hügelkette.
Aber die Natur ist hier zweitrangig, viel mehr interessiert die Besucher die Ruine, an der man in luftiger Höhe entlangspaziert: Es ist die Frauenklinik der Beelitzer Heilstätten. Sie gehört zu dem weitläufigen Sanatoriumskomplex für Lungenkranke, das vor über hundert Jahren von der Berliner Landesversicherungsanstalt errichtet wurde. Nach 1945 übernahmen die Russen das Areal und nutzen die Gebäude als Zentrallazarett der Sowjetarmee. Der Baumkronenpfad erhebt sich, wenn man so will, über historischen Boden.
Aus luftiger Höhe hat man direkt Einblick in die leeren Zimmer der Frauenklinik. 1908 war hier Platz für 300 Tuberkulose-Patientinnen. Heute bedeckt Schutt den Boden, Graffitikünstler haben ein riesengroßes Auge an eine Wand gesprüht, darüber hängt quer die Wurzel eines umgestürzten Baumes. Selbst im hellen Sonnenlicht sieht das unheimlich aus. „Da fiel wohl eine Bombe rein, und die Russen hatten keine Lust irgendwas aufzubauen“, mutmaßt ein Besucher. „Hat sich hier nicht jemand vom Dach gestürzt?“ fragt seine Begleiterin.

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Verlassene, geheimnisumwitterte Orte gibt es viele in Brandenburg, doch kaum eine Ruine ist so mit Legenden aufgeladen wie die ehemaligen Lungenheilstätten in Beelitz. Spuken soll es hier, nachts hört man angeblich die Schreie der Patienten aus der Chirurgie, die seinerzeit ohne Betäubung operiert wurden. Befeuert werden die Mythen von der morbiden Schönheit der Anlage, den prächtigen Jugendstilbauten, die von Schlingpflanzen und Bäumen umwuchert sind und die als Kulisse zahlreicher Film- und Fernsehproduktion dienten (unter anderen wurden hier Teile von Roman Polanskis „Der Pianist“ gedreht)
Aber tatsächlich war die Anlage auch Schauplatz grausamer Verbrechen. Kurz nach der Wende erlangte der Ort traurige Berühmtheit durch einen Serienmörder, der sogenannten „Bestie von Beelitz“. Später, im Jahr 2008 erwürgte ein Fotograf eine junge Frau während Sado-Maso-Spielen – ob aus Versehen oder mit Vorsatz, ist bis heute nicht geklärt.
Jahrelang war das Gelände Anziehungspunkt von abenteuerlustigen Jugendlichen, Gruselfans und selbsternannten Geisterjägern. Die konnten auch deshalb zwischen den halbeverfallenen Gebäuden herumspazieren, fotografieren und Partys feiern, „weil das Areal nur unzureichend gesichert war“, sagt Jana Birnbaum, Sprecherin der Polizeidirektion West. Denn nach dem Abzug der Russen verlief die Entwicklung schleppend. Ein mit ehrgeizigen Plänen angetretener Immobilienentwickler musste im Jahr 2000 Insolvenz anmelden. Erst mit dem Investor Georg Hoffmann, der 2007 den Wald und später die zugehörigen Gebäude auf einem Quadranten des Geländes erwarb, zog neue Hoffnung ein.
Ursprünglich sollte sein Baumwipfelpfad, in dem eine Investitionssumme von rund 7 Millionen steckt, bereits in Juni dieses Jahres eröffnen. Doch das Vorhaben geriet ins Stocken, weil diverse Anschläge die Bauarbeiten verzögerten. Höhepunkt war die Entwendung eines Baggers. „Jugendliche haben ihn kurzgeschlossen, sind damit in das Eingangsportal der Chirurgie gefahren und haben es demoliert“, sagt Polizeisprecherin Jana Birnbaum. Die Ermittlung der Täter sei allerdings leicht gefallen, weil sie „sich selbst gefilmt und die Tat auf YouTube gestellt haben.“ Die Strafverfahren laufen noch.
Ganz offensichtlich war die Randale eher ein Dumme-Jungen-Streich als ein Anschlag mit politischem Hintergrund, wie einige vermuteten. Inzwischen sichert ein privater Wachschutz das Areal, die Polizei greift konsequent mit Strafanzeigen durch. Ob das riesige Gelände jedoch wirklich gesichert werden kann, ist fraglich.
Die Investoren selbst wollen den Vandalismus nicht mehr thematisieren. „Wir freuen uns, dass der Baumwipfelpfad endlich eröffnet ist und schauen nach vorne“, sagt Beate Hoffmann, Geschäftsführerin der Heilstättenpark Projektentwicklungs-GmbH. In den ersten Wochenenden hätte es einen Besucheransturm gegeben. „Viele kommen, weil sie selber Zeitzeugen sind und hier einige Zeit verbracht haben. Wir hatten erst letzte Woche eine 91-jährige Dame hier, die als junge Frau mit ihrer Tochter auf dem Gelände die letzten Kriegstage verbracht hat.“ Geplant sei jetzt, solche Geschichten zu dokumentieren. Bald solle es auch einen ausführlichen Panorama-Flyer mit Bildern und Infos zu den Gebäuden geben.

Ulrike Schattenmann

Deutschland: Was ist ein BunBo?

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Es ist ein Bungalowboot für bis zu sechs Personen, mit dem man die Brandenburger Gewässer erkunden kann. Da sich die Bungalowboote grundsätzlich auch für Rollstuhlfahrer eignen, wurden in Zusammenarbeit mit dem Unfallopfer-Hilfswerk sechs komfortable BunBos gebaut, die barrierefrei und somit für Rollstuhlfahrer geeignet sind.

Kombinieren Sie den Komfort eines rollstuhlgerechten Bungalows mit der Mobilität eines barrierefreien Hausbootes und verbringen Sie unvergessliche Tage auf dem Wasser. Sie benötigen keine Vorkenntnisse und auch keinen Führerschein!

Werden Sie Ihr eigener Kapitän auf einem unserer behindertengerechten Hausboote und entdecken Sie eine der attraktivsten Wassersportregionen Deutschlands. Genießen Sie die Ruhe einsamer Buchten oder liegen Sie mitten in der Stadt. Unsere barrierefreien Hausboote bieten Ihnen die Möglichkeit Urlaub aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.

Ob 2, 4 oder 6 Personen, Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter, unsere behindertengerechten Hausboote bieten eine perfekte Basis für den perfekten Urlaub. Selbstverständlich auch mit der Option barrierefrei!

Sie starten Ihren Urlaub in einer der attraktivsten Wassersportregionen Europas ca. 60 Kilometer westlich von Berlin. Unsere barrierefreien Hausboote liegen verkehrsgünstig in Plaue bei Brandenburg an der Havel.

Unsere behindertenfreundlichen Hausboote bieten Ihnen 2 (Typ 990) bzw. 4 (Typ 1160) feste Betten in separatem Schlafzimmer und eine Schlafcouch für 2 Personen im Wohnbereich. So dass bis zu 6 Personen im Hausboot Wohnen und Reisen können.

Der rollstuhlgerechte Typ 1160L bietet ebenfalls in 2 Schlafzimmern und einem Schlafsofa Platz für bis zu 6 Personen, verfügt aber zusätzlich über mehr Wohnfläche, einen rollstuhlgerechten Sanitärbereich, eine komfortable Gasheizung sowie einen variablen Wintergarten.

Selbst wenn das Wetter mal nicht so mitspielen sollte, die Hausboottypen 990 und 1160 haben einen gemütlichen Holzofen und der Typ 1160 L sogar eine komfortable Gasheizung sowie große Fenster, so dass Sie sich auch während der kühleren Jahreszeiten an Bord immer wohl fühlen. Separate Warmwasserdusche und Toilette sind Standard. Ebenso Kühlschrank und 2-flammiger Kocher.

Auf der überdachten Terrasse des Hausbootes ist Platz für die komplette Crew. Eine Feuerstelle bietet die Gelegenheit für ein gemütliches abendliches Lagerfeuer. Die Boote verfügen über 2 Ankerpfähle, die an Flaschenzügen durch die Rümpfe hinuntergelassen werden können und die Hausboote fest und sicher an der gewünschten Stelle fixieren.

Das Unterteil Ihres barrierefreien Ferienhauses ist ein moderner optimierter Catamaran, der mit einem 15 – 20 PS starken Außenborder (mit Elektrostart) mühelos die auf den hiesigen Kanälen und Flüssen erlaubte Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Auf Wunsch könne weitere Extras gebucht werden: Beiboot, Kanus, Fahrräder, Angelausrüstungen, Wechselrichter f. Laptop etc.

Deutschland: Broschüre „Brandenburg für alle. Barrierefrei reisen“ 2014

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Die Ausgabe 2014 des Spezial-Magazins „Brandenburg für alle. Barrierefrei reisen”  präsentiert auf 100 Seiten ausgewählte Angebote für Rollstuhlnutzer, Gäste mit Seheinschränkungen, für gehörlose Menschen und Besucher mit Lernschwierigkeiten sowie für Allergiker.  Einige Beispiele aus dem Inhalt: Blinde Naturfreunde können in Schenkendorf mit Lamas wandern oder im Spreewald mit dem Tandem das Wasserreich der Spree entdecken. Gehörlose Besucher erobern sich in Potsdam die geheimnisvolle Tropenwelt der Biosphäre per Audiogiude. Auf dem Hof Grüneberg lernen Rollstuhlnutzer reiten und im Freizeitzentrum Schönbirken geht es mit dem geländegängigen E-Fahrrad „Quadrix” über Stock und Stein. Die Flaeming-Skate mit ihrem drei Meter langen Asphaltband lädt ein, auf Rollen und Rändern die Landschaft zu erkunden. Im Ruppiner- und im Lausitzer Seenland – zwei Modellregionen für barrierefreien Tourismus im Land Brandenburg – können alle bei Floß-Fahrten Abenteuer wie einst der Romanheld Huckleberry Finn erleben. Auch in den Naturlandschaften Brandenburgs wird viel getan, um Besucherzentren und Naturerlebnispunkte für alle zugänglich zu machen. 

Deutschland: Ronny Ziesmer Botschafter für barrierefreien Tourismus

Brandenburg für Alle - Barrierefrei reisen

Ronny Ziesmer ist seit seinem Trainingsunfall als Turner der deutschen Olympiamannschaft Rollstuhlfahrer. Das Handbike ist nun sein neues Sportgerät. Er möchte allen Menschen mit Behinderungen Mut machen und ihnen zeigen, was es alles für Möglichkeiten gibt.

Als Botschafter für den barrierefreien Tourismus in Brandenburg empfiehlt er die Internetseite www.barrierefrei-brandenburg.de

Auf www.barrierefrei-brandenburg.de gibt es eine Vielzahl an Informationen für Gäste mit Mobilitätseinschränkungen, blinde und sehbehinderte Gäste, schwerhörige und gehörlose Gäste, Gäste mit Lernschwierigkeiten oder so genannter „geistiger Behinderung“ und auch für Gäste mit Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Im Anschluss ist Ronny Ziesmer beim Handbike-Training zu sehen.

Deutschland: Schlemmen in der Uckermark

Früher pfui, heute hui – Restaurantbesuch in Brandenburg

Die aufgeschlagene Speisekarte mit dem braun-ledernen Deckel erinnert an ein Museumsstück: „Nudelsupp med Plum un Speck“, steht dort auf Uckermärker Platt, einer speziellen Form des in Norddeutschland gesprochenen Plattdeutsch. „Das heißt: Kartoffelsuppe mit Backpflaumen und Speck“, übersetzt Kristian Holfeld, ein kleiner Mann mit grauen Haaren, der an dem Ecktisch neben der Theke sitzt. „Aber das verstehen hier nur noch die Alten.“ „Nudel“, so erklärt er weiter, ist eine sprachliche Färbung aus der Einwanderungszeit der Hugenotten im Mittelalter – und heißt in der Uckermark „Kartoffel“. Holfeld weiß, wovon er spricht: Er ist Geschäftsführer vom „Gasthaus zur Eisenbahn“ in Ringenwalde. Einem Restaurant mit Regalen voller altdeutscher Keramik-Bierkrüge, einem Hirschgeweih an der Wand – und einer der seltenen Speisekarten mit klassischer Uckermärkischer Landküche.

„Als wir Anfang der 90er den Laden übernommen haben, gab’s hier höchstens Bockwurscht“, sagt Holfeld. Der Ost-Berliner Jurist, der im benachbarten Joachimsthal geboren und aufgewachsen war, wollte nach der Wende mit seiner Frau zurück nach Brandenburg. „Uns selbständig machen und keinem Herrn mehr dienen – außer uns“, sagt Holfeld. Doch wie sollten sie den Laden aufziehen? Bier und Bockwurst – das gab es zur Genüge: Die Uckermark kam Holfeld wie eine kulinarische Wüste vor. „Eines Nachmittags kamen die alten Damen aus Ringenwalde zum Kaffee – und wir befragten sie nach ihren Rezepten“, erzählt der Gastwirt. Die einfache, traditionelle Landküche wiederbeleben – das war die Chance.

Das Konzept funktionierte: Neben den alten Damen, die sich seitdem monatlich mit Holfeld zum Kaffeeklatsch treffen und über Rezepte austauschen, kamen auch Gäste aus Berlin. „Die machen inzwischen den Großteil der Stammkunden aus“, sagt der Gastwirt. Daher gibt es neben traditionellen Gerichten wie „Kloppschinken med Suernudeln un Boddermelk“, also Räucherschinken, der wie ein Schnitzel geklopft und mit Buttermilchkartoffeln gereicht wird, inzwischen auch kulinarische Experimente von Chefkoch Mike Fritsch: Forellentatar mit Kaviar auf Rote Beete zum Beispiel. „Klassisch uckermärkisch ist das nicht gerade“, gibt Holfeld zu.

Denn die Kost der Uckermärker war ursprünglich karg, der Landstrich zählte schon immer zu den ärmeren Regionen Brandenburgs. Fisch und Fleisch standen nicht täglich auf dem Speisezettel, stattdessen gab es Kohl, Linsen und Erbsen, im Winter auch Steckrüben, sogenannte „Wruken“. Und wurde einmal geschlachtet, gab es „Schwarzsauer“: Gemischtes Gemüse wurde zum Beispiel mit Hühner- oder Entenblut aufgegossen, die Pfoten abgehackt, mit Därmen umwickelt und beigerührt. „Scheußlich war das“, erinnert sich Holfeld. Es ist eines der uckermärkischen Gerichte, die auf der Speisekarte ausbleiben.

Die bedeutendste Zutat in der uckermärkischen Küche ist die „Nudel“, also die Kartoffel, die im 18. Jahrhundert nach mehreren Hungersnöten zum wichtigsten Nahrungsmittel im Preußischen Königreich wurde. Friedrich II. von Preußen machte den Anbau des Knollengemüses 1752 sogar zur Pflicht, da er die Bedeutung der Frucht in Zeiten kläglicher Ernte erkannte. Doch nicht alle Knollen sind gleich: „Gerade die mehlig-kochenden Kartoffeln, die in der Uckermark mit viel Soße gegessen werden, sind schwer zu bekommen“, sagt Holfeld. „Sie werden in der Gegend kaum noch angebaut, weil die Brandenburger inzwischen lieber festkochende Kartoffeln kaufen.“ Um an die richtige Sorte zu kommen, fährt er regelmäßig zur Agrargenossenschaft in Groß-Schönebeck, wo er auch Kräuter einkauft, die er für seine Landküche braucht – von Salbei über Majoran bis Thymian. Den Fisch holt der Gastwirt direkt von uckermärkischen Fischern, das Fleisch von Jägern aus benachbarten Wäldern. „Jeden morgen telefonieren wir mit dem Fischer: Wenn er zum Beispiel Wells gefangen hat, gibt’s den abends bei uns. Wenn nicht – dann gibt es keinen Fisch.“

Neben Kristian Holfeld kochen in der Region mittlerweile weitere Restaurants nach Uckermärkischer Tradition: zum Beispiel das Gasthaus „Zum Winkel“ in Zützen, das Schloss Herrenstein in Gerswalde und das Landgasthaus „Zur Linde“ in Blankenburg. Um nicht nur die Speisen, sondern auch deren Rezepte wieder in Erinnerung zu bringen, hat das Tourismusbüro Uckermark ein Kochbuch mit dem Titel „Ma(h)lzeit für die Sinne“ herausgegeben. 20 Gastronomen mit traditioneller Landküche stellen auf jeder Doppelseite ihr Lieblingsrezept vor, von Kohlrübenmus mit Kassler über uckermärkischem Wildgulasch bis zur Fischsuppe nach Art der Lychener Flößer. „Auf die Idee kamen wir vergangenen Oktober während der Nudelwochen“, sagt Heike Zumpe vom Tourismus Marketing Uckermark. Einen Monat im Jahr nehmen brandenburgische Gastronomen viele Kartoffelgerichte auf die Karte, um für die „Volksknolle“ zu werben. Den Entschluss, ein Kochbuch zu erarbeiten, trafen sie gemeinsam: Als Vorlage für die Rezepte diente ein Buch aus der Zeit um 1900 und die mündliche Überlieferung der Großeltern-Generationen.

Ob auch Kristian Holfeld sich für ein Lieblingsgericht entscheiden kann? „Nichts geht über Uckermärkische Eierkuchen mit eingelegten Schinkenstreifen und Stampfkartoffeln“, sagt der Gastronom. Aber auch die Kirschsuppe mit Klütern, kleinen Flocken aus Mehl und Wasser, dazu Bratkartoffeln, ist eine seiner Leibspeisen. Ob er die Rezepte aus einem Kochbuch hat? „Nein“, sagt  Holfeld und tippt sich an die Stirn. „Erinnerungen aus der Kindheit – dafür gibt es keine Bücher.

Philipp Eins