Dänemark: Naturphänomen „Sort Sol“ beginnt im September

 Visit Denmark: Sort Sol - Die Schwarze Sonne

Der Sommer im Nationalpark Dänisches Wattenmeer geht langsam vorüber. Jetzt verdunkelt sich wieder der Himmel über Südwestjütland. Sort Sol (Schwarze Sonne) heißt das Naturphänomen, bei dem sich Hundertausende Stare auf dem Abflug zu ihren Winterquartieren auf den grünen Marschwiesen zwischen Tønder, Skærbæk, Højer und Ribe versammeln. Die Stare kommen in die Marsch, um sich mit Larven von Schnaken und Käfern vollzufressen, die in den feuchten Wiesen in großen Mengen vorhanden sind. Um Raubvögeln wenig Möglichkeit zum Angriff zu geben, starten die Stare zu Abertausenden und fliegen kunstvolle Formationen, die die Sonne regelrecht verdunkeln.

Dänemark: Langhäuser und schnelle Schiffe

Runensteine, Fluchtburgen, Langschiffe und Gräberfelder lassen die Zeit der Wikinger in Dänemark lebendig werden.

Mit einem Paukenschlag haben sie im Jahre 793 die Bühne des Weltgeschehens betreten. Der brutale Überfall einer norwegischen Flotte auf das Kloster von Lindisfarne, einer Insel vor der Küste Nordostenglands, ist in den Geschichtsbüchern der Beginn der Wikingerzeit. Mit diesem Blitzangriff hatten sie ihren Ruf als mordende und plündernde Horde weg. Dieser Makel sollte ihnen noch lange anhaften.

Erst seit kurzem relativiert sich das Bild von den mordenden Barbaren. Denn immerhin waren sie auch geniale Schiffsbauer und Meister der Navigation, fertigten kunstvollen Schmuck und lebten die meiste Zeit friedlich als Bauern zu Hause. Obwohl ihre Herrschaft schon im 11. Jahrhundert, nach der Bekehrung aller skandinavischen Länder zum Christentum, zu Ende ging, haben sie in dieser relativ kurzen Zeit die Welt verändert. Mit ihren schnellen Schiffen waren sie als Plünderer, Handelsreisende, Kaufleute, Kolonisatoren und Entdecker konkurrenzlos. In ganz Nordeuropa haben sie dabei unzählige Spuren hinterlassen: Schiffe, Runensteine, Fluchtburgen und Gräberfelder.

Wie einst die Wikinger

Im Sommer lassen die Dänen ihre ruhmreiche Vergangenheit bei zahlreichen Wikingerfestspielen und Wikingermärkten  noch einmal Revue passieren. So in Ribes Vikingecenter, wenn in die kleine Wikingersiedlung Leben einkehrt. Überall wird gehämmert, gekocht und gewerkelt. Ein Langhaus ist schon fertig, ein weiteres in Arbeit. Der Zimmermann bearbeitet mit freiem Oberkörper einen gewaltigen Balken. In schweißtreibender Handarbeit hackt er Span um Span von dem meterlangen Baumstamm. Er versteht sein Handwerk, denn der fertige Balken ist so perfekt, als käme er gerade aus dem Sägewerk.

Auf der Wiese stehen ein paar Zelte aus grobem Stoff, in denen die „Wikinger“ ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Über offenen Feuern hängen an Eisenketten russschwarze Töpfe, in denen gestampftes Getreide, frisches Gemüse und Kräuter zu einer deftigen Suppe gekocht werden. Kinder und Frauen mahlen in hölzernen Schalen Getreide zu feinem Mehl, Männer hacken Holz, schnitzen Besteck oder drechseln Essgeschirr. Ausgenommene Fische hängen über einem Holzgestell zum Trocknen, der Schmied fertigt Waffen und Werkzeuge.

Plötzlich ist es mit der beschaulichen Ruhe vorbei: Es ist Zeit auf Entdeckungsfahrt zu gehen. Die Männer werden lautstark verabschiedet und aus dem Dorf geleitet. Die Frauen bleiben allein zurück. Aber nicht lange, denn zwei Mönche kommen ins Dorf. Die Ankunft der Mönche macht ihnen zuerst Angst, dann werden die Gäste aber festlich bewirtet. Sie sind weit gereist und bringen interessante Neuigkeiten aus der fernen Welt. So ganz nebenbei verkünden sie noch ihre christliche Lehre. Die Illusion ist perfekt: So könnte der Alltag der Wikinger vor ungefähr 1000 Jahren ausgesehen haben.

Schiffe aus Steinen

Nächste Station der Reise in die Vergangenheit ist Lindholm Høje, eine kleine Anhöhe mit Blick auf die Fabriken und Vorstädte der nordjütländischen Stadt Aalborg. Auf den ersten Blick herrscht auf der Wiese Chaos. Sie ist übersät mit Steinen, die scheinbar regellos im Boden stecken. Erst langsam lässt sich das Gewirr konkreten Formen zuordnen. Viele der Steinsetzungen symbolisieren Schiffe, wobei Bug und Heck an den deutlich größeren Steinen zu erkennen sind. Lindholm Høje ist ein riesiger Friedhof mit fast 700 Gräbern aus der Eisen- und Wikingerzeit. Dass das Gräberfeld so gut erhalten geblieben ist, verdanken wir einer Katastrophe im 11. Jahrhundert. Damals hat Treibsand die Gräber verschüttet und die ganze Gegend unbewohnbar gemacht.

Der alte Schäfer, dessen Schafherde das Gras kurz hält, kennt Lindholm Høje noch unter einer meterhohen Sandschicht begraben. Er erinnert sich genau daran, wie der Sand von den Archäologen in den fünfziger Jahren abgetragen wurde und die Steinsetzungen der Wikinger nach und nach zum Vorschein kamen. In der Nähe der Gräber müssen damals Menschen gewohnt haben. Die Fundamente ihrer Häuser und einen Acker mit parallelen Beeten und schmalen Furchen hat man ebenfalls freigelegt. Auch die Wagenradspuren und Fußabdrücke der Bauern wurden durch den Sand 1000 Jahre lang konserviert.

Ein kriegerisches Volk

Zu den eindrucksvollsten Monumenten aus der Wikingerzeit zählen die Ringburgen. Bis heute wurden fünf dieser Festungen gefunden und teilweise rekonstruiert: Trelleborg auf Seeland, Nonnebakken auf Fünen, Fyrkat und Aggersborg in Jütland und Trelleborg im südschwedischen Skåne. Das jütländische Fyrkat liegt in einem Flusstal in der Nähe von Hobro, am Ende des schmalen Mariager Fjordes. Die Anlage ist von einem kreisrunden Wall mit 120 Metern Durchmesser umgeben. Heute ist nur noch ein mit Gras bewachsener Erdwall zu sehen, zur Zeit der Wikinger war die Außenseite mit schweren Eichenbalken gesichert.

Der Verteidigungswall wurde von vier Eingängen durchbrochen, die Straßen teilten den Innenraum in gleichgroße Viertel. In Fyrkat war jedes Viertel mit vier zu einem Quadrat angeordneten Langhäusern bebaut. Alle Gebäude bestanden aus Eichenholz und auch die Straßen hatten einen Belag aus Holzbalken. Aus der Vogelperspektive ist die kreisrunde Anlage und die Regelmäßigkeit des Grundrisses besonders deutlich zu erkennen. Form und Regelmäßigkeit geben der Festung einen militärischen Charakter, aber sie diente den Wikingern nicht nur als Kaserne, denn es gab auch Wohnhäuser, Werkstätten, Lagerräume und Ställe.

Gegen die ausschließliche militärische Nutzung sprechen auch die Frauen- und Kindergräber außerhalb des Ringwalls. Gebaut wurde Fyrkat während der Regierungszeit von König Harald Blauzahn um das Jahr 980. Seltsamerweise wurde die Anlage nie ausgebessert, wahrscheinlich war sie nur 20 bis 30 Jahre in Betrieb. Anscheinend haben die politischen Verhältnisse sich um die Jahrtausendwende verändert und den Bau von Ringburgen überflüssig gemacht hat. Außerhalb des Rinwalls von Fyrkat entstand in den achtziger Jahren die Rekonstruktion einen Langhauses. Die Wände und das mit Holzschindeln gedeckte Dach beschreiben eine sanfte Kurve.

Roh bearbeitete Eichenbalken recken sich diagonal empor und stützen den oberen Teil der Wände. Durch diese geschwungenen Linien hat das Langhaus Ähnlichkeit mit einem umgedrehten Schiffsrumpf. Wenn die ersten Strahlen der Morgensonne über den Hügeln auftauchen, fängt das ansonsten graue Eichenholz warm zu leuchten an. In diesem Moment kommt die perfekte Harmonie und Ästhetik des Langhauses richtig zur Geltung.

Schnelle Schiffe

Eines der spektakulärsten Kapitel der Wikingergeschichte sind ihre Plünderungen, Raubzüge, Brandschatzungen, Überfälle, Handelsfahrten und Kolonisierungen. Ihre Schiffe tauchten urplötzlich am Strand auf und ließen den Küstenbewohnern nicht die Spur einer Chance zur Verteidigung. Wenn sie Glück hatten, konnten sie noch schnell ein paar Habseligkeiten zusammenraffen und fliehen. So schnell wie sie gekommen waren, waren die Piraten aus dem hohen Norden auch wieder verschwunden.

Diese Überraschungsangriffe waren nur wegen ihrer konkurrenzlos schnellen und wendigen Schiffe möglich. In der Wikingerschiffshalle in Roskilde sind die Reste von fünf Schiffen ausgestellt. Die Schiffe wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts im Roskilde Fjord bei Skuldelev versenkt. Mit diesem Hindernis in der Fahrrinne sollte die wichtige Handelsstadt Roskilde geschützt werden. 1962 wurde um die Wracks im Fjord eine eiserne Spundwand gelegt und zum Vorschein kamen fünf verschiedene Schiffstypen. Zwei unterschiedlich große Lastschiffe, ein Küstenfrachtschiff und zwei Kriegsschiffe. Obwohl nur ca. zehn Prozent des langen Kriegsschiffes erhalten geblieben sind, kann man sich mit etwas Phantasie vorstellen, wie es mit 60 Mann an den Rudern und dem großen viereckigen Segel auf Beutezug ging.

In Roskilde gibt es nicht nur die Reste der alten Schiffe sondern auch originalgetreue Nachbauten zu besichtigen. In jahrelanger Arbeit wurden die historischen Schiffe der Wikinger mit den damals zur Verfügung stehenden Werkzeugen nachgebaut. Nur mit Äxten, Keilen, Schabern, Profileisen, Hämmern, Stemmeisen und Löffelbohrern entstanden in mühsamer Handarbeit die „Roar Ege“ und die „Helge Ask“. Im Sommer liegen sie im Hafen vor dem Museum und stechen regelmäßig in See. Die Museumshandwerker haben ihre neuen Wikingerschiffe ausgiebig getestet – als Ruderboote und unter Segeln. Begeistert erzählen sie von ihren Fahrten auf dem Roskildefjord, bei denen sie bei günstigem Wind mit bis zu 14 Knoten förmlich über das Wasser flogen. Auch das Kreutzen gegen den Wind war mit den 1000 Jahre alten Konstruktionen kein Problem.

Christian Nowak

Grönland:Kreuzfahrt ins Land der Eisberge

Eisberge Grönland

Auf dem Weg nach Grönland muss auch der moderne Kreuzfahrer einigen Herausforderungen widerstehen, sei es einem übervollen Buffet auf dem Schiff oder einem Orkan im rauen Nordmeer. Am Ende aber warten Grönlands Eisberge, die Kathedralen des Meeres, auf die Schiffsurlauber.

Frau Uhrmacher steht als erste am Buffet. Die grauhaarige Dame in den Sechzigern hat ihren Teller gut gefüllt. Kein Wunder: Der Küchenchef auf der MS Ocean Nova kommt aus Österreich, und er macht dem ausgezeichneten Ruf seiner Landesküche alle Ehre.

Nach eineinhalb Tagen bei Windstärke 12 sind die Mägen geleert und die Passagiere ausgehungert. Doch seit das Schiff an der westgrönländischen Küste entlangfährt scheint die Sonne. Keiner der 74 Passagiere denkt mehr an den zurückliegenden Tag, als sich das 73 Meter lange Schiff durch die Dänemark Straße quälte. Als es ächzend gegen die Wellen ankämpfte, die hoch über dem Deck zusammenschlugen.

Erik der Rote und Edvard Grieg

Fast drei Wochen ist die MS Ocean Nova auf den Spuren von Erik dem Roten von Kopenhagen in Richtung Grönland unterwegs. Das jedenfalls verspricht der Katalog des Veranstalters Lernidee Reisen. Doch so ganz stimmt das nicht. Denn tatsächlich war Erik nie in Kopenhagen. Er lebte ungefähr um das Jahr 950 in Norwegen. Von dort musste seine Familie nach Island fliehen, weil sein Vater in seiner Heimat einen Mord begangen hatte. Der Jähzorn lag offenbar in der Familie, denn auch Erik erschlug einen Mann und wurde nach Grönland verbannt. Eisberg vor grönl. Südküste

Obwohl die MS Ocean Nova zu Beginn der Reise weit abseits der historischen Route fährt, werden sich die Passagiere gern an die ersten Tage an Bord zurückerinnern – vor allem an das ruhige Meer. Die Sonne strahlt, als die MS Ocean Nova in Bergen – der angeblich regenreichsten Stadt Europas – vor Anker geht.

Die Hansestadt Bergen, bekannt wegen des Kaufmannviertels Bryggen,  ist eine Stadt der Musik. Einmal im Jahr findet ein großes Musikfestival statt und von hier stammte auch Edvard Grieg, Norwegens bekanntester Komponist. Auch deswegen führt der Landgang nach Troldhaugen, dorthin wo der Meister von 1885 bis zu seinem Tod im Jahre 1907 wohnte und arbeitete.

Die Reisenden haben noch die Griegs Peer-Gynt Suite im Ohr, als das  Schiff hinaus ins Nordmeer aufbricht. Die Färöer sind sein Ziel. Als die MS Ocean Nova im Hafen von Thorshavn einläuft, begrüßen die Inseln die Passagiere mit Sonnenschein, nur um von da an im schnellen Wechsel Regen, Schneeregen und  Hagel zu bieten – alles, was das Wetter in seinem Spektrum vorsieht, ein Jahr im Schnelldurchlauf. Wolkenfetzen ziehen um die steilen Berge, die Sonne kämpft gegen sie an, behält für kurze Zeit die Oberhand und taucht die Hänge in mildes Licht.

Später in Island ist der Aufenthalt nur kurz – aber doch lange genug für eine Bustour zu drei Sehenswürdigkeiten die stellvertretend für das stehen, was Island bekannt gemacht hat: Thingvellir, Geysir und Gullfoss – also die Wiege der Demokratie, Geysire und mächtige Wasserfälle. Auch den inzwischen weltberühmten Eyjafjallajökull sehen wir, allerdings nur in der Ferne und in friedlicher Ruhe.Island, Gullfoss

Ins Zauberland der Eisberge

Und dann geht es hinüber nach Grönland durch die berüchtigte Dänemarkstraße. Sturm und schlechtes Wetter sind in der Meerenge zwischen Island und Grönland normal. Aber einen Orkan hat selbst Kapitän Niels Kallesen hier noch nie erlebt. Und der alte Haudegen, der sein Schiff mit kurzärmligem Oberhemd und in Lederpantoffeln kommandiert, hat schon einige Abenteuer durchgestanden. Seine Reederei hat ihn für ein paar Wochen aus dem Ruhestand zurückholt.

Die MS Ocean Nova hat aber schon kniffligere Situationen gemeistert. Im Februar 2009 wurde über sie in der Tagesschau berichtet –  sie war in der  Antarktis in der Nähe eines Gletschers auf Grund gelaufen. Die Gäste an Borde blieben zwar unverletzt, doch der Urlaub war für sie zu Ende. Sie mussten auf ein anderes Schiff evakuiert werden. MS Ocean Nova

Der Kapitän hatte es den Passagieren versprochen und der Wettergott hat Wort gehalten. „Sobald wir das Kap Farvel umrundet haben, scheint die  Sonne“, hatte Kallesen angekündigt. Und tatsächlich: Nur wenige Seemeilen nachdem das Schiff den südlichsten Punkt Grönlands umrundet hat, legt sich der Orkan.

Und dann tauchen ganz weit „backbord voraus“ – die ersten Eisberge auf.  Zwei schwimmende Kathedralen, die je nach Sonneneinstrahlung ihre Farbe verändern. Blau, weiß, grün und dann wieder blau. Unwirklich sehen sie aus, wie Gäste aus einer anderen Welt.

Gegrillter Lachs vor Gletscherzunge

Auf der Fahrt nach Norden steigen wir immer wieder in die Zodiacs. Die Beiboote bringen uns zu Ausflügen an Land. Etwa zur alten Kryolith Mine von Ivitut. Sie ist seit 1987 verweist und erinnert als Geisterstadt an bessere Zeiten. Wenn aber ein Kreuzfahrtschiff anlegt, fährt jemand aus dem fünf Kilometer entfernten Ort Kangilinnguit über den Berg und öffnet für die Passagiere das Museum. Man ist stolz  auf die Vergangenheit. Der Ort wirkt so, als hätte man ihn erst vor kurzem fluchtartig verlassen. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Mine liegen noch die Lohnabrechnungen auf dem Tisch. In einem der Häuser steht eine Bierflasche auf dem Tisch, so als wäre derjenige der sie geleert hat, nur eben mal kurz vor die Tür gegangen.

Kurz vor Ende der Reise legt das Schiff in der Hauptstadt Nuuk an. Schön ist die 15.000 Einwohner Hauptstadt Grönlands wahrlich nicht. Moderne Zweckbauten bestimmen das Bild. Nur am alten Hafen stehen noch ein paar der alten roten und gelben Holzhäuser, die so typisch sind für die Dörfer und Städte in Grönland. Dort liegt auch das Nationalmuseum. Absolut sehenswert sind dort die Eismumien von Qilakitsoq. Unter einem Steinhügel wurden in der westgrönländischen Gemeinde acht unglaublich gut erhaltene und mit Robbenfellen bekleidete Mumien gefunden. Ihr Todesdatum schätzt man ungefähr auf das Jahr 1475. Bei der Mumie eines vier Monate alten Babys, schaut jeder Besucher instinktiv zweimal hin. Das mumifizierte Kind sieht so aus als würde es nur schlafen. Als müsste es gleich aufwachen und nach seiner Mutter schreien. Vermutlich aber wurde das Baby lebend neben seiner toten Mutter begraben. Das war damals durchaus üblich. Ohne Eltern hatte ein Kleinkind keine Überlebenschance. Und in einer Natur, die kaum genug für das eigene Überleben hergab, wurden elternlose Kinder nur selten von Fremden adoptiert. Nuuk Nationalmuseum, Eismumie

Wer sich nach dem Museumsbesuch noch ein paar Wünsche erfüllen lassen will, wirft in den riesigen roten Briefkasten unten am Hafen einen Brief an den Weihnachtsmann ein. Einer meiner Wünsche geht gleich bei der Ausfahrt aus dem Nuukfjord in Erfüllung. Zwei Wale begleiten minutenlang unser Schiff, bevor sie sich dann mit einem wuchtigen Schlag der Schwanzflosse in die Tiefe verabschieden.

Noch beeindruckender ist der Evighedsfjord in den die MS Ocean Nova als nächstes einfährt. Direkt aus dem Meer ragen einige der höchsten Berge Grönlands, teilweise über 2000 Meter hoch, in den strahlend blauen Himmel. Am Ende des Fjords kalbt ein Gletscher ins Meer. Dort lässt der Kapitän auf Deck das Abschiedsessen auftragen. Gegrillten Lachs, zubereitet von dem jungen, österreichischen Koch. Trotz des Sonnenscheins zieht es kühl herüber vom Eis des Gletschers. Doch davon lässt ich Kapitän Kallesen nicht abschrecken. Wie immer trägt er seine offenen Lederslipper und das kurzärmlige Hemd. Frau Uhrmacher hat sich das Teller vollgepackt und balanciert zurück zu ihrem Stuhl. Sie setzt sich, stellt sich das Teller auf den Schoß und schneidet sich ein großes Stück von dem gegrillten Lachs ab.

Rasso Knoller

Eisberg vor der grönländischen Südküste

 

Dänemark: Kopenhagens Wahrzeichen feiert Geburtsstag

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„Es war einmal eine verträumte Seejungfrau, die von Zeit zu Zeit ihr Elternhaus auf dem Meeresgrund verließ, um den Stimmen und dem Lachen von vorbeiziehenden Schiffen zu lauschen. Ihr Herz zerbrach beinah, als sie sich in einen schiffbrüchigen Königssohn verliebte. Sie war bereit, alles zu geben, um auch ein Menschenkind zu werden und ihren Liebsten wieder zu sehen.“ In Hans Christian Andersens Märchen plagt sie nur der Liebeskummer, ihr Alltag an der Langelinie ist manchmal jedoch noch härter, denn 1964 und 1998 wurde sie enthauptet auf ihrem Stein zurückgelassen.

Auch den rechten Arm hat sie schon mal eingebüßt und sich den Körper mit roter Farbe bepinseln lassen müssen. 2003 wurde sie sogar mit Sprengstoff von ihrem Felsen gestürzt und 2007 bei einer Demonstration wieder mit Farbe besprüht. Erst nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten ist sie wieder genesen und erfreut seitdem die Besucher aus aller Welt. 2010 durfte sie sogar ihren angestammten Platz für eine Weile verlassen und auf große Fahrt gehen. Auf der Weltausstellung in Shanghai war sie die Attraktion des dänichen Pavillons.

IMG_0205Manchmal wünscht man ihr allerdings ein wenig Ruhe. Vielleicht sollte sie für ein Weilchen den Platz mit dem „Svømmeren“ von Alfred Børjesson tauschen, der nur ein paar Meter von ihr entfernt, hinter einigen Büschen, ein ereignisloses Statuenleben genießt. Jede Stadt hat ihr Wahrzeichen, mit dem sie sich identifizieren und der Welt präsentieren kann. Das der dänischen Hauptstadt sitzt seit 1913 auf einem Findling am Langelinie Kai und wirkt aus der Nähe erstaunlich klein, ja fast zerbrechlich.

Den Lille Havfrue – die Kleine Meerjungfrau – ist seit ihrer Enthüllung die bekannteste Dänin, was selbst die Königin neidlos anerkennt. In Bronze gegossen wurde die Kleine Meerjungfrau vom Kopenhagener Bildhauer Edvard Eriksen, den Kopf hat er nach der damals bekannten Balletttänzerin Ellen Price, den Körper nach seiner Frau Eline geformt. Als ob er geahnt hätte, dass das Wahrzeichen Kopenhagens so manchem Angriff ausgesetzt sein würde, ließ er nur eine Kopie enthüllen, das Original bewahren die Erben Eriksens bis heute an einem geheimen Ort auf.

Das Festtagsprogramm
Den runden Geburtstag seines Wahrzeichens feiert Kopenhagen am Wochenende vom 23. bis 25. August mit einem großen Festtagsprogramm an vielen Stellen der dänischen Hauptstadt. Höhepunkt ist Freitag, der 23. August. Ab 14.30 Uhr begrüßt dann Hans Christian Andersen „seine“ Schöpfung am Langeliniekai und gratuliert ihr feierlich zum 100. Gleichzeitig gibt es Musik. Um 15.35 Uhr folgt die offizielle Gratulation durch Kopenhagens Oberbürgermeister Frank Jensen. Genau 100 „echte“ Meerjungfrauen springen dann um 16 Uhr ins Wasser und bilden zu Ehren des Geburtstagskindes die Zahl 100. Um 20 Uhr können Geburtstagsgäste dann Ausschnitte aus dem russischen Musical „Die Kleine Meerjungfrau“ live erleben. Der Tag schließt mit einem Festfeuerwerk ab 21.30 Uhr.

Christian Nowak

Dänemark: Muschelfestival in Nordjütland

Muscheln sind in Nordjütland so beliebt, dass man ihnen vom 13. ­ 15. Juli ein eigenes Fest widmet: das Løgstør Muschelfestival.

In der Region rund um den Limfjord gelten Muscheln und Austern als Spezialität. Der Ort Løgstør wird mittlerweile auch „Muschelstadt“ genannt. Seit 2005 findet das dreitägige Festival einmal im Jahr statt, 2012 also bereits zum achten Mal in Folge. Das Programm rund um die Schalentiere reicht von Kunst, Ausstellungen und Musik über spezielle Aktivitäten für Kinder bis zum traditionsreichen „Muslingeaften“, einem Essen am Freitagabend. Wer selbst sehen will, wie man die Leckereien zubereitet, schaut den Köchen über die Schultern. Kinder fischen ihre eigene Beute aus dem Fjord und probieren anschließend ihren Fang. Das „Muslingebyen“-Festival ist ein Volksfest für die ganze Familie. Der Eintritt ist frei.

Mehr Informationen unter www.visitnordjylland.dk