Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 2: Drake-Passage)

Irgendetwas stimmt hier nicht! Entweder ich bin auf dem falschen Schiff oder der Kapitän hat sich mit dem Kurs vertan. Warum? Weil das einfach nicht die Drake-Passage sein kann.

Gestern Abend war noch alles o.k. Einschiffen auf der „Fram“, Begrüßung durch den Kapitän, Sicherheitseinweisung, eben das normale Kreuzfahrtprogramm am ersten Tag.

Schon zu Hause habe ich alles gelesen, was es über die Drake-Passage zwischen Feuerland und der Antarktischen Halbinsel gibt. Egal, zu welcher Jahreszeit man unterwegs ist, der pure Horror solle sie sein, zumindest für Landratten, die nicht ganz seefest sind – zu denen ich mich leider zähle. Endgültig geglaubt habe ich die Schauergeschichten nach einem Video im Internet, in dem ein ausgewachsenes Kreuzfahrtschiff mit haushohen Wellen kämpfte. Daraufhin habe ich mir drei verschiedene Mittel gegen Seekrankheit griffbereit im Reisegepäck.

Beim Ablegen in Ushuaia weht nur eine leichte Brise und der Beagle-Kanal ist glatt wie ein norwegischer Fjord. Am späten Abend gleitet das Schiff durch die enge, geschützte Wasserstraße, die Ufer mit dem spärlichen Grün und den kahlen Bergen erinnern an Nordnorwegen.

Am nächsten Morgen, der Beagle-Kanal liegt schon lange hinter uns, wiegt sich das Schiff in einer nur leichten Dünung. Die Sonne scheint von einem blauen Himmel, soweit das Auge reicht, nur Wasser, keine Spur mehr von Land. Das also ist die gefürchtete Drake-Passage! Die Tabletten gegen Seekrankheit sind noch immer unbenutzt im Gepäck, stattdessen ist Sonnenbaden an Deck angesagt. Kapitän und Expeditionsleitung behaupten unisono, so eine ruhige Überfahrt hätten sie die ganze Saison über noch nicht gehabt – und so soll es bleiben!

Versprochen wurden uns Seevögel, die dem Schiff folgen würden, aber bis auf einen Albatros in weiter Ferne ist den ganzen Tag über kein Vogel zu sehen. Die brauchen Wind, viel Wind, um kraftsparend segeln zu können. Das ist heute nicht ihr Tag, sie schaukeln irgendwo auf den nicht vorhandenen Wellen und warten auf kräftigen Wind.

So ein Tag heißt im Kreuzfahrtprogramm normalerweise „Erholung auf See“. Bei unserer Expeditionskreuzfahrt stehen jede Menge Vorträge auf dem Programm. Wie man bessere Fotos macht, was man über Wale wissen muss oder warum man die Antarktis nur mit sauberen Schuhen betreten soll. Zu den sauberen Schuhen später mehr.

Morgen sollen wir die ersten Pinguine live zu sehen bekommen, deshalb gehört der Vortrag „Antworten auf die meistgestellten Pinguin-Fragen“ quasi zum Pflichtprogramm. Jetzt wissen wir unter anderem, dass einige der Frackträger mehr als 500 m tief tauchen können und nicht nur in der Antarktis, sondern auch am Äquator leben.

Der Beagle-Kanal ist nur 2-5 km breit, aber 250 km lang. Auf argentinischer Seite liegt Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, auf der chilenischen Seite die kleine Siedlung Puerto Williams. Den Namen erhielt die schmale Wasserstraße von Charles Darwins Schiff „Beagle“, mit dem er 1833 diese Gegend erkundet hat. Die Berge im Hinterland wurden später ihm zu Ehren „Cordillera Darwin“ genannt.

Das Ziel der nächsten Tage, die antarktische Halbinsel. Sie ist knapp 1000 km von Feuerland entfernt.

Hier geht es zum 2. Teil

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 10: Drake-Passage)

Vor dem Ablegen in Ushuaia hat man uns gesagt, „Drake is a shake or a lake“. Auf der Hinfahrt war die Drake-Passage fast so still wie ein See, auf der Rückfahrt schaukelte das Schiff eine Zeitlang schon etwas kräftiger. Die Monsterwellen blieben uns aber erspart. Wegen des guten Wetters hat sich der Kapitän entschlossen, einen etwas weiter westlichen Kurs zu nehmen und einen kleinen Abstecher zu den Diego-Ramírez-Inseln und zum Kap Hoorn zu machen. Die Diego-Ramírez-Inseln liegen rund 100 Kilometer südlich von Feuerland und sind der letzte Ausläufer des Andengebirges, der die Wasseroberfläche durchstößt. Auf den Inseln wächst hohes Bültgras, auf kahlen Flächen brüten Felsenpinguine. Die vorgelagerten Klippen sind der bevorzugte Brutplatz von AlbatrossKap Hoorn, ohne Sturm und Monsterwellen, dafür mit ein paar Regenwolken

Das legendäre Kap Hoorn gilt allgemein als die Südspitze Südamerikas, was gleich doppelt unlogisch ist. Einerseits ist es nicht der südlichste Punkt, das sind die Diego-Ramírez-Inseln, zudem ist das Kap nicht Teil des Festlandes oder der Insel Feuerland. Kap Hoorn ist eine kleine Insel – sechs Kilometer lang und zwei Kilometer breit – die eigentlich Isla Hornos heißt. Legendär und gefürchtet war das Kap Hoorn zu Zeiten der großen Frachtsegler im 19. Jahrhundert. Sie konnten wegen schlechter Manövrierfähigkeit nicht durch die weiter nördlich gelegene Magellanstraße, sie mussten außen herum segeln. Damals war es eine der gefährlichsten Seepassagen weltweit und unzählige Schiffe zerschellten an der felsigen Küste. Einer dieser Frachtsegler, die „Passat“, liegt heute als Museumsschiff im Hafen von Travemünde vor Anker.

Morgen früh legt die „Fram“ in Ushuaia an und dann geht es über Buenos Aires und Frankfurt zurück nach Berlin.