Irland: Silvester in Dublin

 Trinity College

Wer wissen will, wie die Menschheit vor 5.000 Jahren den Jahreswechsel feierte, muss nach Dublin reisen. Etwa eine Autostunde von der irischen Metropole entfernt trifft man in Newgrange auf eine neolithische Grab- und Kultstätte, in der am 21. Dezember zur Wintersonnenwende ein Phänomen zu beobachten ist, das die Menschheit schon damals faszinierte. Gegen 9 Uhr morgens erleuchtet die Sonne durch ein winziges Fenster über der Eingangstür die gesamte Grabhalle von 19 Metern Tiefe. Ein Meisterwerk der Architektur und Astronomie – und dies 1.000 Jahre vor Stonehenge und den Pyramiden von Gizeh!02 Eingang mit Fenster Newgrange

Aber die Iren wissen auch heute zu feiern. Bereits zum dritten Mal fand zum Jahreswechsel 2013/14 das Dubliner „New Years Eve Festival“ statt, das inzwischen nicht nur Iren in ihre Hauptstadt lockt. Eine ganze Kavalkade von Veranstaltungen zieht Deutsche, Franzosen und Amerikaner gleichermaßen magnetisch an. Interessanterweise setzen die Veranstalter im Zeitalter der digitalen Kommunikation gerade auf direkte Begegnungen mit der Literatur, Musik und Tradition ihres Landes. Neben dem „City Assembly House“ und dem „Smock Alley Theater“ gibt es unzählige kleine Veranstaltungsorte, wie Pubs, Bibliotheken und Museen, in denen kulturelle Leckerbissen serviert und nicht selten auch die Besucher zum Mitmachen aufgefordert werden. Von der Poesie über Literatur, Comedy bis zur Musik spannt sich der Bogen der Themen, man trifft auf bekannte Literaturgrößen, wie Paul Durcan, Paul Sheridan und Dermot Bolger oder auf begabte junge Musiker, wie Seo Linn oder Lisa O´Neill.

03 Lisa O´Neill

Bei meist freiem Eintritt kann man vom 29. bis zum 31.Dezember seinem eigenen Geschmack folgend von Ort zu Ort zu ziehen. Besonders Literaturinteressierte kommen bei der Erkundung der Unesco-Weltliteraturstadt voll auf ihre Kosten, die von W. B. Yeats und George Bernard Shaw bis zu Samuel Beckett und Seamus Heaney allein vier Literaturnobelpreisträger hervorgebracht hat.

 Musiker in der Temple Bar

Die meisten Literaturgrößen Irlands studierten am Trinity College, wo man sich am 31. Dezember traditionell zum Höhepunkt des „New Years Eve Festivals“ trifft. Nachdem Familien mit ihren Kindern den Abend am „St. Stephen´s Green“ Park mit einem Laternenumzug („Procession of Light“) einleiten, findet die Outdoor-Party am „College Green“ mit einem Countdown Concert ihre Fortsetzung. Am Silvesterabend 2013 begeisterten beispielsweise die Bands „Leo Sinn“, „The Strypes“, „Ryan Sheridan“, „MKS“ (Gründerinnen der „Sugarbabes“) und „Madness“.

09 Madness läutet das neue Jahr ein

Und wer noch immer nicht genug vom Feiern hat, findet sich am Neujahrstag bei Celtic Rock und Swinging Blues am „Meeting House Square“ im „Temple Bar“ District ein.

Michael Juhran

Irland: Dublin – Die Hauptstadt der Dichter

Liegt es an der irischen Luft oder am Wind? Oder am Bier und Whiskey? Keiner weiß es – aber eines ist Tatsache: Dublin ist die Welthauptstadt der Dichter und Schriftsteller.

Keine andere Stadt hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl so viele Literaturnobelpreisträger hervorgebracht. Einer der ersten in der langen Reihe bekannter Größen war Jonathan Swift. Er trat mit seiner Satire »A Modest Proposal« für die hungernden Menschen in Irland ein. Später waren es dann Sean O’Casey (1880-1964) oder George Bernard Shaw (1856-1950), die in ihren Werken für soziale Gerechtigkeit plädierten. Oscar Wilde (1854-1900), William ButlerYeats (1865-1939, Nobelpreisträger 1923), John Millington Synge (1871-1909) und Samuel Beckett sind weitere Größen am Literaturhimmel.

Der wahrscheinlich bekannteste Dubliner Schriftsteller ist James Joyce. Ihm und allen anderen Autoren der Stadt widmet sich das Dublin Writers Museum. Speziell an James Joyce erinnern das James Joyce Museum im Joyce Tower in Sandycove und das James Joyce Center. Auch das Geburtshaus von George Bernard Shaw kann man besichtigen (»The Shaw Birthplace«). Das Kind­heitsheim von Oscar Wilde (1 Merrion Square) ist dagegen nur für Gruppen zugänglich. Nur wenige Schritte von seinem ehemaligen Wohnort entfernt, steht eine Statue zu Ehren des Dichters – obwohl man in diesem Fall wohl eher »liegen« sagen müsste: Der als Dandy bekannte Dichter lümmelt entspannt auf einem Stein.

Rasso Knoller