Simbabwe: Durchs Schlafzimmer der Elefanten

K1024_Elefanten am Wasserloch credit ImveloDas südafrikanische Simbabwe gehört zu den schönsten Ländern des Kontinents. Nach Ende der Mugabe-Herrschaft werden nun auch in Tourismus die Weichen für den Neustart gestellt.

Noch steht die Sonne tief am Horizont. Auf den Blättern der Akazien funkelt Morgentau. Vogelschreie dringen durch die nachtkühle Luft. Die Reifen unseres Jeeps pflügen sich durch den sandigen Boden. Mark Butcher, ein drahtiger Endfünfziger, mit sonnengegerbter Haut und schlohweißem Haar kutschiert uns im Safari-Jeep durchs Simbabwes größten Nationalpark. Bald schon lassen wir das Buschland hinter uns, fahren in ein Waldgebiet, wo Zambesi-Teak-Bäume ein dichtes Blätterdach bilden. „Willkommen im Schlafzimmer der Elefanten“, sagt Mark. Und tatsächlich dauert es nur ein paar Minuten, bis wir die ersten grauen Riesen sehen. Elefantenkühe und Jungtiere fächeln friedlich mit den Ohren, verleiben sich Zweige mit zartgrünem Laub ein, nehmen von uns kaum Notiz, obwohl wir nur ein paar Jeep-Längen entfernt vorüberfahren.K1024_Paviane

40 000 Elefanten

Dass heute rund 40 000 Elefanten im Hwange Nationalpark leben gibt und dass nur noch wenige Tiere Wilderern zum Opfer fallen, ist eine erfreuliche Entwicklung, zu der auch Mark Butcher beigetragen hat. „Als ich hier in den frühen 1990er Jahren als Ranger angefangen habe, ist mir klar geworden, dass sich Wilderei durch harte Strafen allein nicht in den Griff kriegen lässt. Elefanten werden eben ja nicht nur von Kriminellen erschossen, die Elfenbein verkaufen wollen“, sagt der weiße Simbabwer mit den wasserblauen Augen. „Wir leben hier in einem Land, in dem über 90 Prozent der Menschen keinen Arbeitsplatz haben, sondern als Selbstversorger von etwas Viehzucht und Ackerbau leben.“ Und genau das sei die Wurzel des Problems. „Denn wenn ein Löwe deine Ziege reißt, ein Elefant die Ernte zertrampelt, dann sind diese Tiere deine Feinde, die du tötest, weil deine Familie wegen dieser Tiere hungern muss.“K1024_Elefant1

Neue Perspektiven durch sanften Tourismus

Die Idee, dass sanfter Tourismus neue Perspektiven schaffen und so Wildtiere nachhaltig schützen könnte, ließ den jungen Ranger nicht mehr los. Viel Überzeugungsarbeit war nötig. „Vor über 20 Jahren wusste hier, im Ngamo-Land am Rande des Nationalparks, keiner, was Tourismus ist und schon gar nicht, welchen Nutzen er bringen könnte.“ Schließlich konnte Butcher Johnson Ncube, das damals noch junge Oberhaupt der Ngamo-Dörfer, für seinen Traum gewinnen.

K1024_Johnson Ncube

Der Dorfälteste Johnson Ncube

Auf Gemeindeland wurden mit Hilfe von Investoren einige luxuriöse Lodges gebaut. Imvelo nannte man das Projekt – in der Ngamo-Sprache heißt das Natur. Die Pacht kommt seither den Dorfbewohnern zugute. Auch die Gemeindeschule profitiert. Jugendliche wurden ausgebildet, verdienen heute als Ranger, Köche, Kellner und Reinigungskräfte ihr Geld. „Wenn ein Elefant ein Feld zertrampelt, dann ist das keine Katastrophe mehr“, sagt Johnson Ncube, der inzwischen 64-jährige „Älteste“ des Dorfes. „Im Notfall können wir Mais und Bohnen auch kaufen.“

K1024_giraffeEine ungetrübte Erfolgsstory ist die Imvelo-Geschichte nicht. Nach der gewaltsamen Enteignung weißer Farmer im Jahr 2000 haben viele Angehörige der kleinen weißen Minderheit das Land verlassen. Touristen, vor allem britische, blieben fern. Seitdem der despotische Dauerpräsident Mugabe 2017 abgesetzt wurde, herrscht Aufbruchstimmung. Die Buchungszahlen steigen wieder. Touristen können den Nationalpark jetzt sogar mit einem Nachtzug erreichen, der die spektakulären Viktoriawasserfälle im Norden Simbabwes mit dem Ngamo-Land verbindet. Die meiste Zeit aber gehört der Schienenstrang, der aus britischen Kolonialtagen stammt, immer noch den Pavianen. Die nehmen frühmorgens auf den Gleisen Platz, lassen sich von den ersten Sonnenstrahlen wärmen, pflegen sich gegenseitig mit Eifer und Hingabe das Fell.

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Susanne Kilimann, Imvelo (1)

 

Kenia: Auf Safari im Land der Zwerge

Fotograf: Carsten Heinke,

Der uralte Arabuko-Sokoke-Wald hütet seltene Naturschätze. Unter riesigen Duftbäumen leben sonderbare Winzlinge wie Rüsselhündchen und Mini-Antilopen.
Vorsichtig schiebt Alex Mwalimu ein paar herabhängende Drähte mit einem Stock beiseite. Die kleine Wandergruppe kann das Tor passieren. Den schwerstgewichtigen Bewohnern des Arabuko-Sokoke-Waldes verwehrt der schwach elektrisch geladene Vorhang den Zutritt nach draußen. „Das 420 Quadratkilometer große Gebiet jenseits des Zaunes sollte den rund 100 Dickhäutern reichen“, rechtfertigt der Wissenschaftler die Sicherheitsmaßnahme. Nur unweit entfernt liegen die beliebten Badeorte Kilifi und Malindi.
Auch wenn Arabuko „Ort der Elefanten“ heißt, gehe es hier längst nicht allein um sie, sondern um ein komplettes Biotop einzigartiger Vielfalt, sagt der 52-Jährige, der seit 1997 für den staatlichen Kenya Wildlife Service arbeitet.

Fotograf: Carsten Heinke,
Der Arabuko-Sokoke-Wald im Osten Kenias ist das letzte verbliebene Stück des riesigen tropischen Trocken-Urwaldes, der sich einst an der ostafrikanischen Küste von Somalia bis Mosambik erstreckte. Nur sechs Quadratkilometer davon gehören zum Nationalpark.

„Trotz strenger Gesetze wird weiter illegal gerodet und gewildert. Deshalb unterstützt uns der Naturschutzbund Deutschland, den Wald zu kontrollieren und die Armut der Leute mit alternativen Verdienstmöglichkeiten zu bekämpfen“, erklärt Alex Mwalimu. So fördere man neben Ökotourismus auch Imkerei und Pilzzucht, Heilpflanzenanbau, Baumschulen und Schmetterlingsfarmen. Die bekannteste, das „Kipepeo-Projekt“ in Gede, gibt es seit 1993. Die berühmte Ruinenstadt nahe Malindi wird von vielen Touristen besucht. Nicht wenige schauen auch bei Edmund Karisa vorbei.

Arabuko-Sokoke

 Edmund ist der Herr der Falter

 Der versteht es, seine Gäste zu beeindrucken. Mit den Bewegungen eines Zauberkünstlers greift der Biologe ins Dunkel des Insektuariums, schaut vielversprechend ins Publikum und öffnet einen hölzernen Verschlag. Hunderte von farbenprächtigen, buntgemusterten Faltern flattern heraus, verteilen sich in den schattigen Räumen, auf Blüten, Blättern, Köpfen, Schultern.

Fotograf: Carsten Heinke, Arabuko-ButterflyFarmStolz lässt Edmund seine großen weißen Zähne blitzen. Er ist der Herr der Schmetterlinge, kennt alle bislang bekannten 260 Spezies, die den Arabuko-Sokoke-Wald bevölkern.

 „Die Leute sammeln die Raupen, bringen sie uns und bekommen Geld dafür. Viele hundert Familien leben davon“, erzählt der 40-Jährige. Im Puppenstadium werde ein Teil der Tiere verkauft. Bevorzugte Abnehmer seien Zoos und Botanische Gärten in Japan, Südafrika, den USA und Großbritannien. „Wenn es genug Regen und damit genug Nahrung gibt, können wir bis zu 500.000 Exemplare im Jahr exportieren“, so Karisa.
Außer Schmetterlingen leben 650 Pflanzen-, 230 Vogel- und 40 Säugetierarten sowie Amphibien und Reptilien in Arabuko-Sokoke. Etliche unter ihnen sind endemisch. Damit zählt der kenianische Küstenwald zu den 25 weltweit wichtigsten Plätzen biologischer Vielfalt und, zusammen mit dem benachbarten Mangrovenwald Mida Creek, in den jährlich zigtausende Zugvögel kommen, zu den international bedeutendsten Vogelschutzgebieten.

Tierwelt im XS-Format

Lichter, sonnendurchfluteter Mischwald. Mit ihren hellen, grau bis rot gefärbten, oft kerzengeraden Stämmen und den gefiederten Laubblättern bestimmen verschiedene Arten von Johannisbrotbäumen (Afzelia und Brachystegia) das Bild. Kurz vor der Trockenzeit blühen sie. Einige, wie der Mbambakofi (Afzelia quanzensis), verströmen dann einen betörenden Duft. Wenn der Regen beginnt, färbt sich ihr Laub rot. Noch bevor es abgeworfen wird, wachsen die neuen hellgrünen Blätter.

Fotograf: Carsten Heinke, Über eine steile Treppe klettern die Wanderer auf einen einzeln stehenden Baumriesen. Es ist ein dicker Ostafrikanischer Kopal (Hymenaea verrucosa), den die Engländer wegen seines festen Harzes Amber Tree (Bernsteinbaum) nennen. Doch auch auf der Aussichtsplattform, die sich in seiner ausladenden Krone befindet, wartet man vergeblich auf große Herden. Es ist eine Safari ins Land der tierischen Zwerge.
Ein Pieps. Ein Rascheln. Bevor es die Kameralinse gefunden hat, ist das Goldrücken-Rüsselhündchen im Gebüsch verschwunden. Der scheue Insektenfresser, der wie eine Kreuzung zwischen Spitzmaus und Wildschweinbaby aussieht, gehört zu den Tierarten, die es nirgends sonst auf der Welt gibt. Genauso wie der Sansibar-Ducker, eine Mini-Waldantilope, die winzige Sokoke-Eule oder das mit den Mardern verwandte Weißschwanz-Ichneumon. Auch das vom Aussterben bedrohte Moschusböckchen oder die äußerst seltene Afrikanische Goldkatze – eine Art Luchs im Hauskatzenformat – sind im Arabuko-Sokoke-Wald zu Hause.

Text und Fotos Carsten Heinke

K1024_DSC_0064



Info: Kenias Küste 

Anreise: Der Flug dauert etwa acht Stunden. Infos und Buchung zum Beispiel unter www.condor.com oder telefonisch unter 01805/767757. Einreise: Mit noch mindestens 6 Monate gültigem Reisepass und einem Visum, das vorab bei der kenianischen Botschaft in Berlin beantragt werden kann oder problemlos direkt bei der Einreise an den internationalen Flughäfen von Mombasa und Nairobi ausgestellt wird. Gebühr: 50 US-Dollar oder 40 Euro (zahlbar nur bar).

Botschaft von Kenia: Markgrafenstraße 63, 10969 Berlin, Telefon 030/ 259266-0 oder 030/ 259266-11, www.embassy-of-kenya.de

Übernachtungs-Tipps: Nahe Arabuko Sokoke, umgeben vom Watamu Marine Nationalpark und dem Mida Creek Vogelparadies, liegt das Temple Point Resort mit 20 individuell gestalteten Chalets im Swahili-Stil. Das von einem deutschen Management geführte Viersternehotel verfügt über insgesamt 104 Zimmer, davon 70 Garden Rooms, 20 Bayview Rooms und 14 Bayview Superior Rooms. Einzelpreis (jeweils pro Person im Standard-DZ mit HP) bei Meiers Weltreisen ab 52 Euro in der Nebensaison (11.3. bis 30.4.), maximal 78 Euro im Zeitraum 22.12. bis 1.1., bei Boomerang (mit VP inkl. Softdrinks und Tischwein während der Mahlzeiten) ab 70 Euro in der Nebensaison (8.4. bis 20.7.), maximal 99 Euro im Zeitraum 22.12. bis 3.1. Informationen und Buchung über Tour & Tech GmbH, Hamburg, Telefon 040/ 739 263 76, E-Mail angelika.ahlers@tourtech.de

In den schlichten, naturnahen „Arabuko Jamii Villas“ unmittelbar am Arabuko-Sokoke-Wald bekommt man die Übernachtung mit Frühstück für zwei Personen im DZ ab 13 Euro, für vier Personen ab 40 Euro, E-Mail arabukojamiilodge@yahoo.com

Pauschalreise: Neckermann Reisen bietet zum Beispiel eine Woche (sechs Nächte) im DZ, all inclusive, im Sentido Neptune Paradise & Village Beach Resort nördlich von Mombasa mit Flug ab/nach Frankfurt mit Condor für 667 Euro pro Person. Bei Thomas Cook Reisen gibt es drei Nächte im Swahili Beach Resort (fünf Sterne, Diani Beach) im DZ mit Halbpension, Transfer und Flug von/nach Frankfurt für 1176 Euro. Telefon 01803/ 22 67 46 (neun Cent aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 42 Cent/Min), www.thomascook.de/pauschalreisen

Gastro-Tipps: Das Seafood Restaurant „Imani Dhow“ in der Severin Sea Lodge nördlich von Mombasa liegt in einem umgestaltetes Segelschiff und gehört zu den besten Lokalen des Landes gehört. Abendessen wird von 19 bis 22.30 Uhr serviert. Vorspeisen: Avocado-Garnelen-Cocktail ca. 7, Palmenherzensalat 6 Euro. Hauptgerichte: Meeresfrüchteplatte für 2 mit Hummer, Garnelen, Red Snapper, Tintenfisch und Biogemüse für 54 Euro, eine Hummervariation aus Gegrilltem, Thermidor und Jummer Imani pro 100 Gramm (mindestens 600 Gramm) für 6 Euro. Getränke: eine Tasse Kenia-Kaffee oder -Tee 2,20 Euro, Infos und komplette Speisekarte unter www.severin-kenya.com/deutsch
Einen sehr guten Ruf genießt das von Italienern geführte, stilvolle Restaurant „Tangeri“ im Küstenort Malindi, mit großer Veranda und gemütlichem Ambiente. Ein Abendessen mit alkoholfreien Drinks, Dessert und Kaffee kostet zwischen 30 und 40 Euro. Adresse: Seafront Malindi, Mama Ngina Rd., Telefon +2540422131420.

Aktivitäten: Begleitete Wanderungen durch den Arabuko-Sokoke-Nationalpark organisiert der staatliche Kenya Wildlife Service (www.kws.go.ke). Für eine Führung durchs Schmetterlingshaus „Kipepeo Butterfly Project“ in Gede nahe Malindi zahlen Erwachsene einen Euro Eintritt, Kinder 50 Cent, www.kipepeo.org

Fremdenverkehrsamt Kenia, Telefon 02104/83 29 19, www.magical-kenya.de

 

Tansania: Flirt unter Löwen

Tanzania

Unterwegs im Tarangire, Arusha und Lake Manyara National Park

Die beiden Löwen brüllen sich an. Fauchen. Erheben drohend die dicken Pranken – von Liebe keine Spur. Und doch bietet sich uns zwei Minuten später ein grandioses Schauspiel: Ein Löwenpärchen bei der Paarung. Sich aneinander reibend. Uns einfach ignorierend. Dabei sitzen wir keine zehn Meter entfernt in einem sicheren Safari-Jeep und staunen nur. Vier Monate später wird die Löwin dann ihre Jungen zur Welt bringen.

Seit einer Woche reisen wir durch Tansania. Wir wollen den Norden kennenlernen. Ohne die famose Serengeti. Ohne den Ngorongoro Crater, den berühmten Park am Rande der Serengeti. Auch ohne den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo, zu besteigen, oder in der „Hatari-Lodge“ aus dem gleichnamigen Film mit John Wayne und Hardy Krüger zu übernachten. Wir können hervorragend ohne die großen Ressorts und Ferienanlagen. Im Gegenteil: Um die grandiose Tierwelt Afrikas kennenzulernen, haben wir bewusst drei kleine, weniger bekannte Nationalparks ausgewählt: Der Tarangire, Arusha und Lake Manyara National Park enttäuschen uns nicht.

Auch Horst Bachmann, unser Guide im Tarangire National Park, ist von der Szene mit den Löwen beeindruckt. Seit Jahren lebt der Franke in Tansania. Seine heimelige Meru View Lodge liegt inmitten von Blumen-, Bananen- oder Maisplantagen im fruchtbaren Tal westlich des Kilimandscharos. Dort beherbergt Bachmann nicht nur Bergsteiger, die den höchsten Gipfel Afrikas (5 895 Meter) erklimmen wollen. Von hier aus führt er auch Gruppen in die Nationalparks des Landes. Doch aus dieser Nähe hat auch er noch kein Löwenpärchen bei der Familienplanung beobachten können.

Der Tarangire National Park ist nach Arusha und Lake Manyara der dritte Park auf unserer Safari durch den Norden Tansanias. Die ersten beiden Tage beobachten wir im Arusha National Park Giraffen, die gemächlich durch die Savanne schreiten. Sehen zankende Äffchen. Und pirschen uns zu Fuß mit bewaffnetem Wildhüter durch hohes Steppengras in den Bergwald. Im Lake Manyara National Park stoßen wir mit unserem Safari-Jeep auf Zebras, die größten Rasenmäher der Welt, die sich nach jeder Regenzeit durch das hohe Gras fressen – und gefährliche Flusspferde. Nur in der Dämmerung verlassen sie das sumpfige Wasser. Wehe dem, der sich den Tieren dann in den Weg stellt und ihren Rückzug in den Fluss behindern könnte. Von den „Big Five“ – so nannten Großwildjäger einst die begehrtesten Jagdtrophäen Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard – sehen wir in den beiden Parks nur Leoparden nicht. Doch auch sie gibt es hier. Elefanten

Der Tarangire National Park

Ein Höhepunkt der Safari-Reise bildet jedoch der Tarangire National Park, bekannt für seine schönen Savannen-Landschaften, seine Elefantenherden und Löwen. Denn der Tarangire-Fluss führt ganzjährig Wasser undlockt gerade zur Trockenzeit von Juli bis Oktober Tiere aus der wasserarmen Umgebung an – etwa die zehn Dickhäuter, darunter zwei Jungelefanten, die jetzt unseren Jeep einkreisen. Es verursacht ein mulmiges und zugleich aufregendes Gefühl, den Dickhäutern und ihren Füßen, die einen halben Meter Durchmesser erreichen können, so nahe zu sein. Auch Bachmann wirkt leicht angespannt und zeigt sich besonders aufmerksam – er weiß, wie aggressiv Elefanten werden können. Wir betrachten leise, aber mit großem Respekt die hungrigen Elefanten – locker 200 Kilo Grünzeug kann ein Elefant pro Tag futtern, „der Horror aller Baumliebhaber“, wie Bachmann lachend sagt. Mit ihrem Rüssel, der viele tausend Muskeln enthält und mit dem ein Elefant mit 60 Kilometer pro Stunde wie mit einem Baseballschläger um sich schlagen kann, können die riesigen Tiere gezielt ein Gänseblümchen von der Wiese, aber auch Blätter, Rinden und Wurzelnaus Bäumen und Büschen zupfen. Dass die Büsche in der afrikanischen Wildnis auch mal voller Dornen sind, macht Elefanten nichts aus – die vier Zentimeter dicke Haut schützt sie vor Verletzungen.

80 Jahre alte Elefanten

Bis zu 70, 80 Jahre alt werden Elefanten in der Regel alt. Sie könnten noch ein höheres Alter schaffen, würden sie meist nicht eines natürlichen Todes sterben – und verhungern: Bis zu sechs Mal bekommen Elefanten neue Zähne. Sind dann die letzten Zähne abgenutzt, können sie nicht mehr die zum Überleben benötigten 200 Kilo Futter schaffen – und sterben. Nach einer halben Stunde erst zieht die Herde weiter. Wir blicken ihr noch lange nach. Die Dickhäuter gehen unter die Haut; kaum ein Tier gilt als so weise. Und klug: „Ein Elefant vergisst nie“, sagt Bachmann. „Wer einem Elefanten ein Leid antut und nach 30 Jahren wiederkommt, an den erinnert sich der Elefant. Das hat schon mancher Wilderer nicht überlebt“.

Denkt man an Safari und Afrika, fallen meist die Namen von Ländern wie Kenia, Südafrika oder Namibia. Oder in Tansania nur der Ngorongoro Crater. Dort, sagt man, gebe es die weltweit größte Raubtierdichte. Das stimmt, doch auch die kleineren Safari-Parks in Tansania haben viel zu bieten: Rund ein Fünftel des Landes ist Nationalpark, vieles davon wunderschöner Nebelwald voller Moose, Farne – und den Big Five. „Zwar ist die Serengeti, was Raubkatzen angeht, nicht zu toppen“, sagt Horst Bachmann. Doch auf sich paarende Löwen treffen dort Touristen auch nur selten. Zebras

Martina Hahn

Info:

Beste Reisezeit: Juni bis Oktober und Dezember bis April. Ideal sind Juni und Februar. Die restliche Zeit ist mit Regenschauern zu rechnen. Die große Regenzeit ist April und Mai.

Anreise: Flüge nach Tansania  ab ca. 850 Euro inklusive Steuern und Luftverkehrsabgabe, täglich mit KLM via Amsterdam,   5 x wöchentlich mit Ethiopean Airlines ab Frankfurt via Addis Abeba, 1 x wöchentlich non stop mit Condor.

Einreise: Das Visum bei der Einreise auf dem Flughafen kostet 50 Euro. Reisepass ist erforderlich.

Veranstalter: Die 15-tägige Kleingruppenreise „Tansania – Löwen, Land und Leute“ mit Safari, Kultur und Strandurlaub auf Sansibar bietet Diamir ab 2.590 Euro inklusive Flug an. Buchung über Diamir Erlebnisreisen, Berthold-Haupt-Str. 2,  01257 Dresden,  Telefon 0351/312077,  www.diamir.de

Ngurdoto Lodge und Meru View Lodge: Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer ab 90 EUR (Einzelzimmer 45 Euro). Buchung über Debbie & Horst Bachmann, Post Office Box 515, Usa River, Tanzania, Telefon(+255) 784 419 232, www.ngurdoto-lodge.com oder www.african-view.com

Büffel Parkeintritt: Eine Safari in Parks wie Lake Manyara oder Tarangire ist mit 35 US-Dollar Eintritt pro Person am Tag billiger als etwa im Ngorongoro Crater (50 US-Dollar) – bei dem zudem 200 Dollar extra für das Fahrzeug anfallen

Hintergrund-Infos: Ein Reiseportal zu Tansania in deutscher Sprache ist www.tansania.de. Dort finden sich Details zum Reiseland, Fakten zur Einreise, Kosten für Nationalparkgebühren etc.

Mehr zu Tansania hier:  Zu Besuch bei den Massai

Thailand: Im Land des Lächelns

Fotograf: Bernd Siegmund

Der Mahout, der Elefantenführer, legt sanft die Handflächen aneinander, verbeugt sich tief und sagt: „Sawasdee khrap“ – „Ich wünsche Ihnen einen guten Tag.“ Sein Gesicht lächelt dabei mit der Strahlekraft von tausend Sonnen. Und hinterlässt den ersten tiefen Eindruck von Thailand. Der zweite geht auf das Konto von Mutter Natur. Die Grundfarbe Grün gibt es hier in den Varianten Reisfeld, Teeplantage, Monsunwald, Palmen, Kautschukbaum, Tropenwald und Rasen. Eingesprenkelt darin sind Farbkleckse aus üppigen Bougainvilleen, Jasmin, Lotosblüten und Orchideen. Thailand ist ein Paradies! Passend dazu warnt der Freund der Elefanten: „Vorsicht Schlangen.“
„Von den zahlreichen Arten in Thailand sind aber nur die Kobra und die Kettenviper giftig“, setzte er hinzu. Beruhigend. Ebenso wie die rauschende Brandung der Andamanensee, eines Randmeeres des Indischen Ozeans. Langsam stellt sich Urlaubsgefühl ein. Man genießt den Strand und die Palmen. Khao Lak ist keine Ortschaft, Khao Lak ist ein kilometerlanges Urlauber-„Freigehege“ mit feinen Sandstränden, Hotelanlagen und Restaurants. Hauptort der Region ist Takua Pa, ein kleines Städtchen von 20 000 Einwohnern. Links und rechts der Nationalstraße 4 werben Souvenirläden und Massagesalons um Touristen, ein Zahnarzt bietet seine Dienste an, die Apotheke preist Viagra in höchsten Tönen.

Fotograf: Bernd SiegmundAlle paar Meter verbreiten Straßenküchen ihren verführerischen Duft. Niemand muss an der Nationalstraße 4 hungern. Für wenige Baht gibt es wunderbare Suppen, gebratene, frittierte oder gegrillte Fleisch- und Fischspeisen, Reis- und Nudelgerichte, Früchte, einladend und frisch. Keine Küche auf Erden ist dem Landesklima so perfekt angepasst wie die thailändische. Gewürze wie Chili, Ingwer, Kardamon bringen den Puls auf Trab. Zitronengras und Limonen bekämpfen jeden Ärger in punkto Kreislauf, pflanzliche Fette sorgen für einen ungetrübten Cholesterinspiegel. Serviert werden die Speisen mit einem Lächeln. Welches aus dem vielfältigen Repertoire es ist, weiß man nicht. Den Thailändern stehen angeblich bis zu 700 Arten zur Verfügung. Jedes Lächeln hat seinen eigenen Namen. Om-Jim zum Beispiel steht für „leicht amüsiert“. Die Thailänder verteidigen, freuen und entschuldigen sich mit Lächeln, sind verblüfft, traurig oder beschämt. Sie können Mauern damit aufrichten und Seelenfestungen erobern.

Fotograf: Bernd Siegmund

Nur wenige Kilometer hinter Takua Pa beginnt der immergrüne Nationalpark Khao Sok. 1980 gegründet, gehört er zu den schönsten der 63 Reservate im Königreich Thailand. Im Zentrum des 739 km² großen Mikrokosmos liegt der mit geschätzten 160 Millionen Jahren älteste Regenwald der Erde. Die Artenvielfalt hier ist beeindruckend. Gut 200 verschiedene Pflanzen wachsen pro Hektar. Riesige Schmetterlinge, Nashornvögel, Libellen, Echsen und Schlangen bevölkern das Paradies. 311 Vogel-, 38 Fledermaus- und 48 Säugetierarten wurden gezählt. Darunter Tiger, Leoparden, Makaken, wilde Elefanten und der gefährdete Malaienbär. Eine währe Attraktion ist der Rachabrapha-Staudamm. Mit seinem Bau 1982 entstand eines der schönsten Gewässer Thailands, der Chiew-Lan-See. Gigantische, bis zu 1000 Meter hohe Kalksteinfelsen wachsen aus ihm empor. Manche kahl, andere bewachsen. Die Bäume sprießen direkt aus dem Felsgestein, holen sich ihre Nahrung aus Kalksteinritzen oder tunken die Wurzeln in den See. Eine Bootstour auf dem 165 km² großem Gewässer unternimmt man gewöhnlich mit dem Longtail, dem laut knatternden „Langschwanzboot“. Die bunten Bänder am Bug sind übrigens der Schutzgöttin des Bootes gewidmet. Ein Tourist sollte das wissen, und sich nicht nach vorn ins Boot setzen. Tut er das doch, kann er eine weitere Variante aus dem Lächel-Repertoire Thailands erleben, lächelnde Missbilligung.

Fotograf: Bernd Siegmund

Im Nationalpark liegt auch das „Elephant Hills Camp“, eine Sozialstation für Elefanten. Als 1989 die Rodung der Wälder in Thailand verboten wurde, verloren nicht nur die Mahouts, sondern auch die als Arbeitstiere eingesetzten Dickhäuter ihre Existenzgrundlage. Fortan sah man die stolzen Riesen, einst Wappentier des alten Königreichs Siam, bettelnd durch die Städte ziehen, mit dem Rüssel Bilder malen oder Urlauber massieren Was für ein trauriges Schicksal… Fand auch Jonathan Chell, der Marketingmanager des „Elephant Hills Camp“. „Die etwa 2000 arbeitslosen Elefanten wieder in die Freiheit zu entlassen, geht nicht, da es kaum noch Gebiete gibt, in die sie sich zurückziehen können. Deshalb bieten wir den Tieren eine möglichst artgerechte Haltung. Außerdem wollen wir unsere Gäste für dieses Thema sensibilisieren, bei ihnen das Bewusstsein für diese traurige Problematik wecken.“ Und wie macht man das am besten? „Indem man den Elefanten nahe kommt“, sagt Chell, „den sanften Riesen das Essen zubereitet, sie füttert, abschrubbt und duscht.“

Fotograf: Bernd Siegmund

Es ist nicht bewiesen, das im Land des Lächelns auch die Elefanten lächeln können. Auf jeden Fall fühlen sie sich im „Elephant Hills Camp“ wohl. Das sieht man ihnen an.

Bernd Siegmund

Mosambik: Ein Elefant im Vorgarten

Das Niassa Nature Reserve in Moasambik ist der zweitgrößte Naturpark Afrikas. Er ist ein Paradies für Touristen, Naturliebhaber – und Wilderer.

Im äußersten Norden Mosambiks an der Grenze zu Tansania liegt das Niassa Nature Reserve. Bisher haben sich nur wenige Besucher in dieses schwer zugängliche Gebiet verirrt. Die Anreise war nur mit dem Jeep über staubige Pisten möglich. Inzwischen hat dort aber eine kleine exklusive Lodge mit eigener Landebahn eröffnet. Seitdem können auch Touristen Niassa besuchen. Überfüllung droht trotzdem nicht – im vergangenen Jahr übernachteten gerade einmal 140 Gäste in der Lodge.

Schon in der ersten Nacht steht Ben vor der Zeltvilla. Sein lautes Schmatzen hält mich wach. Auch muss ich mich zuerst einmal daran gewöhnen, nur durch dünne Stoffwände von einem dreieinhalb Tonnen schweren Elefantenbullen getrennt, zu schlafen.

Ben lebt wie 20.000 seiner Artgenossen im Niassa Nature Reserve im entlegenen Norden Mosambiks. Die einzige Unterkunft im Park ist die Lugenda Lodge und hier sind Elefantenbesuche nichts ungewöhnliches. Immer wieder streunen die Dickhäuter durchs Camp, aber nur Ben ist Stammgast. Er futtert sich dort mit frischem Gras satt und lässt sich dabei auch nicht von cocktailtrinkenden Touristen stören. Ohne es zu wissen, hat Ben dadurch einen besonders sicheren Aufenthaltsort gewählt.

Im  42.000 Quadratkilometer großen Niassa Park treiben nämlich regelmäßig Wilderer ihr Unwesen. „Erst vor zwei Wochen töteten Wilddiebe 21 Elefanten“, erzählt Nic van Rendsberg. Der 58 Jahre alte Südafrikaner arbeitet als Chef-Ranger im Niassa Park und kämpft mit seinen Mitarbeitern einen schier aussichtslosen Kampf gegen die illegale Elefantenjagd. Umso stolzer ist er, dass seine Leute diesmal fünf Wilderer festnehmen konnten. “Die sitzen jetzt im Gefängnis und warten auf ihren Prozess“, sagt Nic. Mit einer harten Strafe für die Wilderer rechnet er jedoch nicht. Die würden vermutlich nur zu einem Busgeld von 100 Dollar verurteilt werden, mutmaßt er. Im Nachbarland Südafrika wird Wilderei viel strenger bestraft, jahrelange Freiheitsstrafen sind da keine Seltenheit.

50.000 Dollar pro Elefant

Außerhalb einer Kernzone dürfen Elefanten auch legal geschossen werden – allerdings nur neun Tiere pro Jahr und auch nur in den Teilen des Parks, die Wissenschaftler zur Jagd freigeben. Umgerechnet 50.000 Dollar kostet eine Abschusslizenz. Dieses Geld wird dringend benötigt um die Infrastruktur des Parks einigermaßen in Schuss zu halten.

Niassa ist ein Paradies. Während der Zeit des Bürgerkriegs, der von 1976 bis 1992 in dem Land wütete, wurden die National- und Natureparks in den weniger entlegenen Gebieten des Landes zu Vorratskammern für die hungernde Bevölkerung. Die meisten Wildtiere wurden dort getötet und landeten im Kochtopf. Im weit entlegenen und nur schwer zugänglichen Niassa Park aber haben alle Tierarten außer den Nashörnern überlebt. Und die wurden auch nicht wegen ihres Fleisches geschossen, sondern weil das Pulver aus ihrem Horn in Asien und einigen arabischen Ländern als Aphrodisiaka gefragt ist – und teuer bezahlt wird.

Obwohl Niassa für seinen Tierreichtum bekannt ist, ist es gar nicht so einfach Tiere zu Gesicht zu bekommen. „Hier ist nicht die Serengeti“, stellt Nic gleich vor der ersten Ausfahrt klar. Freilich: Wasserböcke, Impalas und Kudus kreuzen immer wieder unseren Weg, die zeternden Meerkatzen sind kaum zu übersehen, und auch Elefanten trifft man an vielen Stellen im Park. Die Flusspferde planschen sogar im Lugenda River in Sichtweite der Lodge. Doch ansonsten ist hier eine Pirschfahrt noch wirklich eine Pirschfahrt. Das heißt, man muss nach den Tieren suchen. Oder man genießt einfach die grandiose Landschaft mit den charakteristischen riesigen runden Felsenbergen. Immer wieder erhascht der Gast einen Blick auf den Lugendafluss, der auch in der Trockenzeit Wasser führt und die Lebensader des ganzen Gebiets ist.

Und: Wer mit einem erfahrenen Ranger wie Nic unterwegs ist, entdeckt auch im dichten Buschland Tiere. Selbst gut getarnte Löwen bleiben Nics scharfen Augen nicht verborgen. Um einen Leopard zu entdecken, braucht man aber etwas Glück. Der geht zwar häufig in der Nähe der Lugenda Lodge auf Jagd, doch da er auf leiseren Pfoten als Ben der Elefant unterwegs ist, sieht man ihn nur selten.

Rasso Knoller