Frankreich: Das Ecomusée d’alsace im Elsass wird zum Adventsdorf

Seufert,

Noch ist der Teig für die Plätzchen ein bisschen klebrig. „Einfach noch weiter kneten“, sagen Manon Morgen und Funda Kara. Bredala, die für das Elsass typischen Plätzchen, wollen sie mit den Besuchern zaubern. Es ist kalt in der guten Stube. Rauch zieht aus dem Ofen in den Raum. Gemütlichkeit sieht anders aus. Die beiden jungen Frauen tragen keine flotten Shirts und lässige Jeans, sondern Kleider mit weiten Schürzen, die Haare unter einer hübschen Haube züchtig versteckt.

Im Ecomusée d’alsace, Foto: Diana Seufert

Im Ecomusée d’alsace, Foto: Diana Seufert

Sie und weitere 150 Freiwillige wollen das elsässische Dorfleben wie vor 100 Jahren wieder zum Leben erwecken. Das Ecomusée d’Alsace von Ungersheim – das Freilichtmuseum wenige Kilometer nördlich von Mulhouse – steht derzeit ganz im Zeichen von Weihnachten.
Stimmungsvoll sind die mehr als 70 Häuser geschmückt und verbreiten eine heimelige Atmosphäre. Draußen kräht der Hahn lauthals, während drinnen im großen Haus zusammen mit den Besuchern die Plätzchen ausgestochen oder aus süßem Hefeteig Manalas, Hefemänner, geformt werden. Nicht nur Kinder machen sich gerne ans Werk. Auch viele Erwachsene holten sich so die Erinnerungen an schöne Kindertage wieder zurück.
Im Ecomusée d’alsace, Foto: Diana Seufert Vor 30 Jahren öffnete das Freilichtmuseum im Oberelsass seine Pforten und ist seither zum Besuchermagnet geworden. Fast 200 000 Gäste zählt man jährlich. Und schon bei der Eröffnung der Weihnachtsschau, die bis 4. Januar geht, strömen die Besucher in Scharen. Sie lassen sich gefangen nehmen von der interessanten Symbiose zwischen historischen Häusern und der Moderne, die immer wieder miteinander verwoben werden.
„Unser Museum ist einzigartig“, schwärmt Direktor Eric Jacob. Denn es werden nicht nur über 40 000 Exponate aus dem Alltag ausgestellt, sondern hier wird das Dorfleben Anfang des 20. Jahrhunderts lebendig. Drei Häuser seien sonntags regelmäßig bewohnt, erzählt er. „Wir wollen die Zeiten nicht verklären, sondern authentisch darstellen und Emotionen vermitteln.“ Das ist dem Direktor wichtig.
Durch die Häuser streifen, einen Blick in die Spezerei mit den historischen Spielsachen und der hübschen Puppenstube werfen, Schmied und Wagner, Schuhmacher und Töpfer über die Schulter schauen oder selbst beim Backen und Töpfern Hand anlegen: Die Besucher sollen eintauchen in die Welt der Vorfahren, die bei weitem nicht so romantisch war, sondern harte, mühevoller Arbeit und Entbehrung bedeutete. Um Holz zu sparen, trafen sich die Familien eines Dorfes früher reihum in den einzelnen Häusern. Während die Frauen für das Essen zuständig waren oder auch strickten, fertigen die Männer unterschiedliche Bastelarbeiten an. „Das war einfach das Fernsehen vor vielen Jahrzehnten“, sagt Jacob.

Seufert,  Ecomusée d’Alsace
Einer der 150 Freiwilligen ist Guy Macchi. Der 66-jährige Sundgauer ist gelernter Mauer und hat beim Wiederaufbau der Häuser geholfen. Bei der Kutschenfahrt über das weitläufige Gelände gerät er ins Schwärmen. „Wir wollten die alten Gebäude nicht verfallen lassen“, erzählt er mit einem Leuchten in den Augen. Das älteste Gebäude, ein Wohnhaus aus Turckheim, ist von 1492. Auf das Fachwerk mit den verschiedenen Konstruktionen lenkt er den Blick. Gleich neben dem Wohnturm von Mulhouse schmiegt sich ein Fischerhaus von 1520 an den kleinen See, den sich die Enten erobert haben. Jetzt im Winter müssen sie das Wasser nicht mit den Störchen teilen. Im Frühjahr dagegen kommen wieder mehr als 30 Brutpaare zurück und bauen ihre Nester auf den Dächern weiter aus. „Das kann auch ein Problem werden“, macht Experte Macchi deutlich. Denn so ein Nest wiegt mehrere Hundert Kilogramm. „Eine schwere Last für so ein altes Haus.“
Ecomusée d’Alsace, SeudertAnfang der 1980er Jahre wurden die ersten Häuser auf das zehn Hektar große Dorf „umgepflanzt“. Mit 19 Gebäuden startete das Museum, nun sind es über 70. „Die alten Häuser können uns Antworten geben für das Zusammenleben der Menschen für die Zukunft.“ Davon ist Jacob überzeugt. Und deshalb entsteht inmitten der historischen Gebäude eines aus dem 21. Jahrhundert aus Holz und Lehm, an dem Interessierte gerne mithelfen können. Zum Gelände, dessen Fläche sich vervierfacht hat, gehören auch Wald, Streuobstwiesen mit 215 diversen historischen Apfelsorten, Rebland, Kräuter- und Gemüsegärten sowie Seen.
Ecomusée d’Alsace, SeufertWeihnachtliche Atmosphäre verströmt das Museum allerorten – nicht nur in den drei Gärten, die dem Christkind, dem Nikolaus und dem bösen Hans Trapp, dem elsässischen Knecht Ruprecht, gewidmet sind. Die Blicke zieht vor allem das blaue Haus des Christkinds und dessen zauberhafter Garten auf sich: mysteriös, poetisch und geheimnisvoll zugleich. Die Krippe der Handwerker wird auch schnell zum Besuchermagnet, die Geschichte des Weihnachtsbaums gibt neue Einblicke auf die grünen Zweige und das abendliche Schauspiel erinnert an die Geburt des Jesuskindes – Weihnachtsstimmung ohne kommerziellen Kitsch und blinkende Lichterketten.

Text und Fotos: Diana Seufert
Info
Das Ecomusée d’Alsace
Im Freilichtmuseum im Elsass, zwischen Colmar und Mulhouse, haben Besucher seit 1984 die Möglichkeit, in den historischen Häusern das dörfliche Leben kennenzulernen. 150 Freiwillige und 40 hauptamtliche Mitarbeiter vermitteln ein authentisches Bild. Mittlerweile ist es eines der bedeutendsten Museen Europas.
Zu erreichen ist das Gelände nicht nur mit dem Auto, sondern auch per Zug über Straßburg oder Mulhouse an den Bahnhof Bollwiller. Wer will, kann sich von dort mit der Pferdekutsche abholen lassen und im Hotel im Museum übernachten.
Geöffnet hat das Freilichtmuseum bis 4. Januar und macht danach wieder im Frühjahr auf.

Frankreich: Elsässischer Wein

 

Elsässischer Wein zur traditionellen Küche ist ein Muss. Über 170 Kilometer schlängelt sich die  Weinstraße am Rhein an der französisch-deutschen Grenze entlang und bietet köstliche Tropfen. Weiter im Norden liegt die kleine Weinstraße mit der nördlichsten Weinlage des Elsass in Cleebourg, nur wenige Kilometer von Rheinland-Pfalz entfernt.  Und dort ist eine von zehn Weinbruderschaften des Elsass zu finden.

„Lupfet s’Glasl bis zur Nasl, trinket noch en gute Schluck, Gsundheit.“ Die Mitglieder der Weinbruderschaft in Cleebourg, in grüne Mäntel und weiße Handschuhe gehüllt und mit einem schwarzen Hut geziert, singen ihren Trinkspruch aus voller Kehle. Und mit Begeisterung. Die vier Orte Cleebourg, Oberhoffen, Rott und Steinseltz bilden die „Confrérie des Vins des  Quatre Bans“, die 1996 ins Leben gerufen wurde, um den nördlichsten Wein des Elsass bekannt zu machen. Und der kommt teilweise sogar aus Deutschland, denn einige Weinberge liegen nicht nur an, sondern direkt auf der Grenze in Schweigen, wo auch das deutsche Weintor steht.

Seit Jahrhunderten wird im Herzen des Naturparks der Vogesen, rund 60 Kilometer nördlich von Straßburg, ein edler Tropfen gekeltert. Die Wurzeln des traditionellen Weinanbaus im Pays de Wissembourg reichen zurück bis auf die Dominikanerabtei aus dem 13. Jahrhundert. „Schon damals verstanden es die Mönche, die geistige Nahrung mit den Freuden des Leben zu vereinen“, lächelt Richard Juncker. Er weiß, wovon er spricht, seit drei Jahrzehnten ist er Kellermeister der Genossenschaft. Die ersten, die bei Cleebourg Wein anbauten, waren allerdings  im 8. Jahrhundert die Benediktiner.

Zwar blieb auch das Elsass und die Gegend rund um Wissembourg nicht vor der Reblaus verschont, doch sorgten ein  mildes Klima und der lehm- und mergelhaltige Boden für eine fruchtbare und ertragreiche Arbeit der Winzer. 1946 taten sich Anbauer  mit einer Rebfläche von 70 Hektar schließlich zu einer Genossenschaft zusammen, die im Laufe der Jahre mehr und mehr ausgebaut wurde. Heute werden 200 Hektar Fläche bewirtschaftet, vor allem mit den Reben  Auxerrois und Pinot Gris. Selbst Bioweine gibt es mittlerweile rund um Cleebourg. Und die Klimaerwärmung schreckt die Winzer nicht: „Dadurch sind wir bald die einzigen, die noch typischen Elsässer Wein produzieren.“ Ausgewogene und harmonische Tropfen eben.

„Cleebourger Wein im Glasl is ä Pläsier für Zung‘ und Nasl“, findet Kellermeister Juncker, der sich bei einer Führung durch den Weinkeller und die neue Abfüllanlage gerne über die Schulter schauen lässt. Nach dem Einblick in die Vinifizierung und den Gang durch den Keller lädt er zur Weinprobe in der Empfangshalle. Im Ornat der Bruderschaft. Denn Juncker ist einer von 160 Mitgliedern der Bruderschaft, die sich als Botschafter des heimischen Tropfens sehen. Drei Stufen musste er wie alle Novizen bis zur Reife in der Vereinigung erklimmen. Will der Novize für würdig befunden werden, ein erleuchteter Bruder zu sein, muss er schließlich sechs Elsässer Weißweine bei einer Verkostung erkennen. Für richtige Weinkenner dürfte das mit etwas Übung zu schaffen sein. Der Bruderschaft kann übrigens jeder Interessierte beitreten.

Diana Seufert

Für die Besichtigung des Cleebouger Weinkellers sollte man sich unter www.cave-cleebourg.com anmelden. Dort sind auch die Öffnungszeiten und Infos zur Direktvermarktung zu finden.

Frankreich: Die Töpfer von Betschdorf

Dominic Burger lässt die Hände nicht von dem Klumpen Erde, der sich vor ihm auf der Töpferscheibe dreht. Mit geübten Handgriffen umfasst er  den grauen Ton und zieht ihn konzentriert zu einem hohen, bauchigen Weinkrug. Neben ihm stehen schon weitere Exemplare in Reih und Glied. In Betschdorf, einem kleinen Dorf im nördlichsten Zipfel des Elsass, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, führt er seine Werkstatt, zusammen mit seiner Schwester Annick. Und dort dürfen die Besucher gerne einen Blick über seine Schulter werfen.

Acht Töpfer gibt es noch in Betschdorf, die die alte Technik der Herstellung von Steinzeug beherrschen. Denn diese grauen Tonwaren, mit den typischen blauen Motiven, dienen und dienten seit jeher der Aufbewahrung von Lebensmitteln. Zusammen mit dem benachbarten Soufflenheim bildet der Ort das Töpferzentrum in der nordöstlichsten Region Frankreichs.

Töpfern ist Handarbeit und Erfahrungssache. Bis zu zwölf Arbeitsgänge sind nötig, damit schließlich ein wohlgeformter Krug gebrauchsfertig ist. Denn nach dem Töpfern müssen die Tonwaren einige Tage trocken, ehe der Henkel dran kann. Danach folgt die Verzierung, die Aufgabe  von  Annick Burger. Mit eine spitzen Holzstab ritzt sich geschickt Weinblätter und Trauben ein. Wie viele Beeren sie formt? „Je nach Lust und Laune, und natürlich nach der Optik“, lacht sie und befreit den Krug von überflüssigem Ton. Neben traditionellen Mustern, die bei älteren Generationen Erinnerungen wach rufen, werden zunehmend auch moderne Formen verwandt. Erst danach  erhalten die Krüge ihre typische kobaldblaue Färbung.

Einmal im Monat wirft Burger den Brennofen an. Bei 1250 Grad Celsius wird das Werk der vergangenen vier Wochen dann vollendet. Sobald die Ware aufgeschichtet und der Ofen heiß ist, bläst der Töpfer eine spezielle Salzlasur  durch kleine Düsen ein. „Das  Salz legt sich auf die einzelnen Stücke und sorgt für den besondere Glanz“, erklärt er den Besuchern.

Zum Aufbewahren eignet sich Steinzeug wunderbar, „besser als Plastik“, wie Burger findet. Das wussten schon Generationen von Franzosen. Kochen und backen würde er mit seinen Erzeugnissen allerdings nicht. Dafür gibt es die Tonwaren aus Soufflenheim. Dort wurde eine ganz andere Kultur entwickelt. Dominic Burger erklärt den kleinen, aber feinen Unterschied:  „Die Töpfer benutzen eine  andere Tonmischung, die hitzebeständig ist. Und eine andere, meist in Ockertönen gehaltene Verzierung für die Gebrauchskeramik.“

Typisch für das Elsass: Baeckeoffe

Eine Kostprobe aus den Soufflenheimer Töpfen sollte man sich bei einem Elsass-Besuch nicht entgehen lassen: Den Baeckeoffe. Fleisch von Lamm, Schwein und Rind wird zusammen mit viel Gemüse, vor allem Kartoffel, langsam im Ofen gegart. Hausfrauen haben früher dieses typische Essen zum Bäcker gebracht, der es in seinen großen Ofen schob, während die Frauen am Bach die Wäsche wuschen. Nach getaner Arbeit war auch das Essen fertig. So kam das Gericht zu seinem ungewöhnlichen Namen.  Noch heute ist es bei den Elsässern beliebt. Und für die Touristen ein ganz besonderer Gaumenschmaus, der mit einem Glas Cleeburger, einem Sekt der Region,  als Aperitif eröffnet wird.

Urtümlich und gepaart mit der elsässischen Gelassenheit darf man die Spezialität in der Moulin des 7 fontaines in Drachenbronn genießen. Die ehemalige Mühle aus dem 18. Jahrhundert wurde zu einem schmucken Restaurant ausgebaut und bietet Fremdenzimmer und kleine Ferienwohnungen an. Urlaub auf dem Bauernhof eben, mit Familienanschluss und vielen Tieren.

Diana Seufert

Frankreich: Beim Käseflüsterer im Elsass

Der Käseflüsterer Bernard Antony

Der Käsekönig aus Vieux-Ferrette

Im äußersten Zipfel des Elsass, unweit der Schweizer Grenze, liegt Vieux-Ferrette. Ein beschauliches Örtchen, das dennoch weit über französische Landesgrenzen hinaus in Feinschmeckerkreisen bekannt ist. Denn hier ist Bernard Antony zuhause, der als Käseflüsterer und Käsekönig weltweit verehrt wird. Er „residiert“ am Ortsrand in der Rue de la Montagne Nr. 5 in seinem Elternhaus, einem kleinen zweistöckigen Gebäude im Fachwerkstil. Keine Leuchtreklame lockt den Besucher an, nur ein einfaches Holzschild verkündet in schwungvoller Schrift, dass hier der berühmte „Sundgäuer Chäs Challer“ ist.

Bescheiden wie das Äußere und es auch innen – ein kleiner Verkaufsraum mit Showtheke und zwei kleine Probierstuben. Dennoch ist hier die ganze Vielfalt französischer Käsekostbarkeiten unter einem Dach zu finden. Und Mittendrin Bernard Antony – ein freundlicher Mann, der die sechziger Jahre schon überschritten hat, mit gemütlichem Bäuchlein, gelichtetem Haar und einem verschmitzten Lächeln hinter dicken Brillengräsern. Als junger Mann war er als fahrender Gebrauchtwarenhändler von Dorf zu Dorf gezogen, bis ihn 1978 sein Meister und Förderer Piere Androuet in die Welt des Käse einführte, die seitdem sein Leben bestimmt. Antony ist kein Produzent im eigentlichen Sinn, er ist ein Affineur – ein Käseverfeinerer. Seine besondere Kunst besteht darin, den Reifeprozess eines Käse optimal zu steuern und zu kontrollieren. Und so reifen in seinen sechs gekühlten und hydrierten Kellern Rohmilchkäse heran, die er von ausgesuchten kleinen Bauern aus allen Regionen in Frankreich bezieht. Je nach Sorte ist die Reifezeit unterschiedlich. Meist sind es bis zu vier Jahre, in denen der Affineur wie eine Amme seine „Kinder“ hegt und pflegt, bis sie erwachsen bzw. reif werden. 150 verschiedene Sorten hat Antony in seinem Angebot, doch die verkauft und liefert er erst, wenn sie am besten schmecken.  Die Käserei von Bernard Antony

Besonders glücklich macht es ihn immer, wenn er in den Probierstuben seinen Käse vorführen und dabei in die Gesichter der Gäste sehen kann. So eine „Ceremonie des Frommages“ mit Bernard Antony ist ein „Ereignis“, dauert bis zu drei Stunden und ist meist auf viele Monate im Voraus ausgebucht. Man muss ihn erlebt haben, wenn er charmant und kenntnisreich auf runden Holzbrettchen eine Kostprobe  der einzelnen Sorten präsentiert und in der Reihenfolge vom sanften bis zum kräftigen Aroma vorstellt. Dabei würzt er seine Informationen auch mit witzigen Geschichten und Anekdoten. Empfiehlt er zum Beispiel, bei einem Käse die Rinde abzuschneiden, vergleicht er das mit dem Kleid einer schönen Frau, das man ausziehen muss, um an das Gute darunter zu kommen. Neben frisch gebackenem Brot wird auch ein zum jeweiligen Käse harmonierender Wein gereicht. Die Stunden vergehen wie im Fluge bei dieser schmackhaften und unterhaltsamen Reise durch das Schlaraffenland der edelsten Käsesorten. Nebenan im Verkaufsraum fällt dann die Wahl nicht schwer und man kann auch gleich einen passenden Wein aus Antonys gut sortiertem Weinkeller mit nach Hause nehmen.

Überall im Haus erzählen Souvenirs und Fotos von seinen Begegnungen mit Prominenten aus aller Welt. So gehören auch die Prinzen Charles von England und Albert von Monaco zu seinen Bewunderern und langjährigen Kunden. Trotz aller Bescheidenheit ist Antony stolz über die Auszeichnung „Ordre de Merite“, die ihm 2008 in Paris verliehen wurde. Und in seinem Sohn Jean-Francois, an den er sein Wissen um die Kunst der Käseveredlung weiter gegeben hat, weiß er einen würdigen Nachfolger zu haben.

Antonys Kunden kommen von weit her – mit dem Auto oder auch dem Helikopter, für den er extra einen Landeplatz anlegen musste. Seine Käsekostbarkeiten sind überall in der Welt heiß begehrt. In Spezialverpackungen reisen sie nach Neuseeland, Japan, in die USA oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Und eines ist sicher: wenn in einem Nobelhotel oder Restaurant der Spitzengastronomie zum Abschluss des Dinners der Käsewagen an den Tisch rollt, ist auch das Beste vom Käseflüsterer dabei.

Christel Seiffert

Infos: Käseverkostung im „Sundgauer Käs Kaller“, rue de la montagne 5, 68480 Vieux-Ferrette, Tel.: +33(0)89 40 42 22, www.tourisme-alsace.com/de, www.ferrette-medievale.org

Frankreich: Kulinarische Reise durch das Elsass

Der Schlosspark in Hirzbach

Elsass – Im Land des „gebackenen Karpfens“

Der Sundgau, im südlichsten Zipfel des Elsass gelegen, ist trotz seiner reizvollen Landschaft touristisch noch weitgehend unentdeckt. Bekannt ist die Region vor allem durch seine Karpfen und die Auszeichnung als „Site remarquable du Gout“ (Bemerkenswerter Ort für Geschmack).

Das sanfte grüne Hügelland, überragt vom Gebirgszug des Jura, ist ein Paradies für Radfahrer. Viele kleine verkehrsarme Landstraßen und Wege führen durch malerische Dörfer, durch Ackerland und Wälder, vorbei an Weihern, Burgen, Seen und Teichen. Ob allein und nach Lust und Laune oder bei einer Rundreise mit Gepäcktransport, können dreihundert Kilometer Radwege erkundet werden. Ein Tourenführer und die Broschüre „Mit dem Fahrrad durch den Sundgau“ – erhältlich beim Fremdenverkehrsamt und den Tourismusbüros – sind dabei äußerst hilfreich. Denn neben der genauen Wegbeschreibung vermitteln sie auch Informationen über Traditionen, die bewegte Vergangenheit und das lebendige Heute des Sundgau. Fahrradtour im Elsass

Von Altkirch, der kleinen Hauptstadt des Sundgau, führt eine Tour ins unweit gelegene  Hirtzbach – einem der typischen, blumengeschmückten Dörfer, die mit dem „Gran Prix du Fleurissement“ ausgezeichnet wurden. Zu beiden Seiten des von der Ill durchflossenen Bachbetts bezaubern schmucke Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert. Eindrucksvoll erhebt sich hinter einem schmiedeeisernen Tor das Chateau der Barone von Reinach. Mit seinen 145 Türen und Fenstern ist es eines der wenigen derartigen Gebäude im Oberelsass. Das Schloss wird nicht mehr von der Familie bewohnt und ist auch nicht zugänglich, doch die Privatkapelle des Adelsgeschlechtes in der Kirche von Hirtzbach kann besichtigt werden. Zu einem kleinen Spaziergang lädt der Schlosspark ein, der 1816 von Baron Charles de Reinach als englischer Garten errichtet und seit einigen Jahrzehnten von dessen Nachfahren der Gemeinde zur öffentlichen Nutzung überlassen wurde.

Weiter geht die Erkundungstour durch die anmutige Landschaft und die Geschichte des Sundgau. Ob auf asphaltierter Straße, auf Wald-, und schmalen Sand- oder Schotterwegen – man radelt gemütlich und ungestört von Autolärm und Abgasen in der reinen Luft. Weit geht der Blick über Wiesen, Obstgärten und Viehweiden. In der Ferne kündigt der schlanke Turm einer Kirche schon das nächste Dörfchen an. Und wieder sind es die schönen alten Fachwerkhäuser, die den Blick gefangen halten und Anlass sind, vom Rad zu steigen. Bei genauem Hinsehen erkennt man nun schon die Unterschiede im Fachwerk und an den Fassaden, denn wie sich die Balken kreuzen, ist von symbolhaftem Wert: so stehen Rauten am Dachgiebel für Fruchtbarkeit, das Andreaskreuz für Schutz, schräg liegende Balken erinnern an Menschengestalten und auch vom Reichtum der einstigen Besitzer erzählen markante Symbole. Viele der bis zu vierhundert Jahre alten Bauernhäuser haben trotz der Anpassung an das moderne Leben nichts von ihrem Charme verloren und werden als Hotel oder Gites de France genutzt. So auch das „le Liseron“ in Grentzingen, wo Eigentümerin Monique Haab, die wie viele Elsässer deutsch spricht, gern zu einer Besichtigung ihres Ferienhauses einlädt. Und das bezaubert mit kleinen Stuben wie zu Großmutters Zeiten, modernen und lichtdurchfluteten Räumen oder dem eleganten Salon Afrika. In der kuschligen Atmosphäre des Hauses würde man gern verweilen. Fachwerkhaus im Sundgau

Oftmals führt der Weg die Radler an Stellen, die ein herrliches Panorama bieten und zu einer Pause verleiten. In Hausgausen ist es eine in üppigem Grün versteckte  Mühle aus dem 17. Jahrhundert. Hier hat sich die Schweizerin Brigitte Buser ihr kleines Paradies geschaffen. Ihr Restaurant „Au Petit Paradis“ ist im Sundgau bestens bekannt, nicht nur wegen der typisch elsässischen Gerichte wie dem Eintopf Backofen. Die agile Frau und Schottlandkennerin begrüßt ihre Gäste im Kilt und überrascht sie mit einem Ständchen auf dem Dudelsack. Ihre Begeisterung für das ferne Land und seine Tradition ist so groß, dass sie seit zwei Jahren auch zu Keltischen Abenden und Tattoos einlädt. Vom 7. Bis 9. September 2012 ist es wieder so weit. Und wenn beim großen Tattoo die 68. Highlanders, ein internationaler Verein begeisterter Dudelsackspieler,  auftreten, dürfte das Ereignis zahlreiche Besucher von weither anlocken.

Einst war es der kleine Ort Carsbach, der von sich reden machte, als Ende des 19. Jahrhunderts die feine Gesellschaft aus Europas hierher zur Badekur reiste. Im Herrenhaus der Baronin von Reinach, das später dem Adelsgeschlecht derer von Sonnenberg gehörte, hatte der geschäftstüchtige Pfarrer Jean-Baptiste Ellerbach 1894 einen Kurbetrieb eröffnet.  Jahre später konnten die Gäste bereits in 200 Zimmern mit Strom und Zentralheizung logieren, 32 Badekabinen, vier Speisesäle, eine Sporthalle und ein Theater nutzen. Das endete mit Beginn des 1. Weltkriegs. Heute ist das Institut Sonnenberg, umgeben von einem zwölf Hektar großen Park mit alten Bäumen, eine Schule. Carspach liegt am Rand eines riesigen, von Teichen übersäten Waldgebietes. Schon im Mittelalter sollen die Augustinermönche aus Saint-Ulrich hier Fische als Fleischersatz an Fastentagen gezüchtet haben. Später waren es die Zisterzienser der Abtei Lucelle, die die Fischzucht im gesamten Sundgau verbreiteten. Heute werden in den fast tausend Teichen vor allen Karpfen, aber auch Hechte, Schleie und Rotaugen gezüchtet. Kein Wunder, dass sich das Angeln fast zum Sundgauer „Volkssport“ entwickelt hat. In 47 Anglervereinen finden 600 Männer und Frauen bei ihrem Hobby Freude und Entspannung, erzählt der Vorsitzende des regionalen Anglerverbandes Hubert Habermach. Der schwerste hier gefangene Karpfen hat 23 Kilo gewogen, weiß er nicht ohne Stolz  zu berichten. Ihm darf man glauben, dass es kein Anglerlatein ist. Karpfen in Carsbach

Seit kurzem haben auch Touristen die Möglichkeit, ihr Glück beim Angeln zu versuchen. In den Fremdenverkehrsbüros vor Ort können sie für 10 Euro pro Tag einen Berechtigungs-schein erwerben. Wie dem auch sei – Karpfen selber fangen, das  muss nicht sein – jedoch Karpfenessen ist im Sundgau unverzichtbar. Denn nirgendwo sonst werden sie so zubereitet und gegessen wie hier. Nicht von ungefähr wurde die Region ausgezeichnet mit dem „Site remarquable du Gout“, was soviel wie bemerkenswerter Ort für Geschmack bedeutet. In zahlreichen Restaurants ist die Spezialität Carpe Frite – frittierter Karpfen – im Angebot. Seit 1975 gibt es sogar eine „Straße des gebackenen Karpfens“, in der 30 Wirtsleute diese Delikatesse streng nach Tradition zubereiten. Das Geheimnis der Zubereitung liege in der Mischung des Paniermehls, der Ölqualität und Bratdauer. Serviert wird der in schmale Streifen frittierte Karpfen mit hausgemachter Mayonaise, Zitronenscheiben, Pommes frites und grünem Salat. Und gegessen wird mit den Fingern! Das Restaurant La Couronne in Caspach ist bekannt für seinen ausgezeichneten Carpe Frite. Um die Mittagzeit herum ist dort kaum ein freier Stuhl zu haben und serviert wird meist ausschließlich diese Sundgauer Spezialität. Ein Augenschmaus ist der Carpe Frite nicht unbedingt, aber er schmeckt! Und am Besten in geselliger Runde.

Christel Seiffert

Infos: Atout France, Elsass Tourismus, Zeppelinallee 37, Frankfurt/Main, Tel.: 069-97 58 01 32,  www.franceguide.com/elsasswww.tourisme-alsace.com/de