Deutschland: Barrierefreie Weihnachtsmärkte in Erfurt und Magdeburg

Weihnachtsmarkt-Magdeburg-Foto-Andreas-Lander

Weihnachtsmarkt-Magdeburg-Foto-Andreas-Lander

Die Städte Erfurt und Magdeburg gehören zu den deutschen Vorreitern im barrierefreien Städte-Tourismus. Sie engagieren sich dafür, dass auch Menschen mit Behinderungen sowie Senioren und Familien mit kleinen Kindern zauberhafte Adventsmärkte genießen können.

Sie ist da, die schönste Zeit des Jahres. Erfüllt von Lebkuchenduft und Lichterzauber stimmen jetzt überall in Deutschland besinnliche Adventsmärkte auf das nahende Christfest ein. Man schaut, genießt und trifft sich zum Glühweinplausch. Für Menschen im Rollstuhl, mobilitätseingeschränkte Menschen und Familien mit kleinen Kindern und Kinderwagen wird der Besuch eines Weihnachtsmarktes jedoch oftmals zur Herausforderung. Enge Marktgassen, hohe Kabelbrücken oder Kopfsteinpflaster können unüberwindbare Barrieren darstellen. Diesen Anforderungen stellen sich die Veranstalter der Adventsmärkte in Erfurt und Magdeburg. Unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland engagieren sich die Städte und weitere Mitgliedsregionen dafür, ihre Weihnachtsmärkte für alle Menschen und alle Generationen zugänglich zu machen.

Erfurt: 164. Erfurter Weihnachtsmarkt

Das Ensemble aus Dom Sankt Marien und Sankt Severikirche thront majestätisch über dem Domplatz der thüringischen Landeshauptstadt. Es bildet die monumentale Kulisse für den Erfurter Weihnachtsmarkt. Stände mit Thüringer Rostbratwurst, Erfurter Schittchen (Stollen), Töpferwaren, Handwerkskunst und Christbaumschmuck reihen sich entlang der Marktgassen rund um die funkelnde Weihnachtstanne und 12 Meter hohe Weihnachtspyramide. Für Menschen im Rollstuhl sowie mobilitätseingeschränkte Gäste ermöglichen abgesenkte Bordsteine und eine ebene Pflasteroberfläche einen genussvollen Marktbesuch. Kabelbrücken sind niedrig gehalten und zwischen den Marktständen bieten außerordentlich breite Gassen reichlich Platz für alle. Toiletten und Parkplätze für Menschen mit Behinderungen befinden sich im Weihnachtsmarktbereich. Und wer anschließend die Erfurter Altstadt besichtigen möchte, die seit dem Mittelalter fast vollständig erhalten geblieben ist und als größtes Flächendenkmal Deutschlands gilt, kann den Altstadt-Bus mit Hebebühne und Stadtführer nutzen oder bei einer Stadtführung mit dem Weihnachtsmann oder Weihnachtsengel die Altstadt erkunden. Der Erfurter Weihnachtsmarkt ist bis zum 22. Dezember täglich geöffnet.

Weihnachtsmarkt-Erfurt-Foto-B-Neumann-ETMG

Weihnachtsmarkt-Erfurt-Foto-B-Neumann-ETMG

Magdeburg: Kinderfreundlichster Weihnachtsmarkt Mitteldeutschlands

Der Magdeburger Weihnachtsmarkt auf dem Alten Markt vor dem Rathaus lässt in diesem Jahr Kinderherzen besonders hoch schlagen. Denn der Weihnachtsmann hat hier ein neues Zuhause gefunden. Bis Heiligabend wird er ein eigenes Haus im erstmals errichteten Kinderdorf bewohnen. Man kann ihm zusehen, wie er mit seinen Wichteln telefoniert und den Wunschzettelbriefkasten leert. An manchen Tagen erzählt er Märchen am Kamin und verteilt Autogrammkarten. Magdeburg ist damit die erste deutsche Stadt mit einem Wohnhaus für den Weihnachtsmann. Zum Kinderdorf gehören auch ein Bastelhaus, eine Backstube und eine Märchengasse. Zudem bieten Karussells, eine Märcheneisenbahn, ein Riesenrad und eine Eislaufbahn reichlich Vergnügen für die Kleinsten. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkung ist der Markt über abgesenkte Bordsteine barrierefrei zugänglich. Zur Überwindung von Kabelbrücken wird jedoch eine Begleitperson empfohlen. Der Magdeburger Weihnachtsmarkt ist bis zum 30. Dezember täglich außer am 24. und 25. Dezember geöffnet.

 

 

Deutschland: Sommerferien für Familien barrierefrei

Stadthafen Senftenberg

Die Barrierefreien Reiseziele in Deutschland präsentieren ihre Sommerurlaubsideen für Familien mit behinderten und nichtbehinderten Kindern – und Erwachsenen.

Wohin in den Sommerferien? Jährlich stehen Familien erneut vor dieser kniffligen Frage. Es ist selten leicht, die Vorstellungen von Eltern und Kindern für die schönsten Wochen des Jahres unter einen Hut zu bringen und zugleich für Abwechslung zu sorgen. Schon gar nicht, wenn dabei auch die Ansprüche von Familienmitgliedern mit Mobilitäts-, Sinnes- oder geistigen Einschränkungen zu beachten sind. Die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland hilft hier weiter.

Ostfriesland: Inselvergnügen im Moin-Land

In Ostfriesland etwa garantiert ein Inselausflug nach Langeoog unbeschwertes Strand- und Freizeitvergnügen. Kostenfrei können Strandrollstühle mit Ballonreifen ausgeliehen werden. Sie eignen sich für Streifzüge nahe der Wasserkante und mit speziellen Liege-Schwimm-Rollstühlen geht es sogar ins kühle Nass hinein. Das Kinderspielhaus Spöölstuuv bietet zudem Kinderbetreuung, Kreativ- und Bastelkurse und in den Sommerferien ein spannendes Piratenfest. Darüber hinaus sind in der Nordseeregion, in der man sich morgens und abends mit „Moin“ begrüßt, viele Freizeiteinrichtungen stufenlos erreichbar und haben auf Barrierefreiheit umgerüstet. Eine Seehundstation zum Beispiel, in der Kinder beobachten können, wie verwaiste Seehunde versorgt und wieder ausgewildert werden.

Ruppiner Seenland: Reiten mit Handicap

Im Ruppiner Seenland nördlich von Berlin lässt sich die Natur aktiv auf dem Rücken der Pferde erkunden. Reiterhöfe bieten therapeutisches Reiten und Reiten mit Handicap an. Auf Hof Grüneberg geht es mithilfe ausgebildeter Trainer vom Rollstuhl direkt in den Sattel. Ausritte finden meist in Gruppen statt und die Pferde werden in der Regel geführt. Auch viele weitere Reiterhöfe heißen Gäste mit Mobilitäts-, Lern- und Sinneseinschränkungen sowie mit geistiger Behinderung willkommen. Zudem lassen Kutsch- und Kremserfahrten in Rheinsberg und ein Wildpferdegehege in Liebenthal die Herzen von Pferdefans höher schlagen.

Sächsische Schweiz: Mit dem Handbike durch die Felsenwelt

Auch die Sächsischen Schweiz unweit von Dresden bietet spannende Reiterlebnisse. Der Anders-Hof in Ehrenberg ist zwar nur bedingt für Rollstuhlfahrer geeignet, hat sich jedoch auf blinde sowie lern- und geistig behinderte Besucher spezialisiert. Ausgebildete Heilerzieher und Reitpädagogen betreuen die Kinder und Jugendlichen. Übernachtet wird in der Heuscheune, in einer Jurte, im Zigeunerwagen oder in der Ferienwohnung. Ausflüge lassen sich in der Nationalparkregion aktiv gestalten. Hör-, lern- und geistig behinderte Kinder können sich einmal im Felsklettern probieren. Handbike-Touren durch die bizarre Felsenwelt sowie Schlauchboottouren auf der Elbe sind auch für mobilitätseingeschränkte Kinder Riesenspaß.

Fränkisches Seenland: Wassererlebnisse im Rollstuhl
Das Fränkische Seenland südwestlich von Nürnberg ist ein Paradies für Wasserratten. Die sieben großen Badeseen Altmühlsee, Großer und Kleiner Brombachsee, Igelsbachsee, Rothsee, Hahnenkammsee und Dennerloher See bieten mit ihren Sandstränden, ebenen Uferwegen und Rollstuhlbaderampen am Kleinen Brombachsee und Rothsee Wasservergnügen für alle. Strandrollstühle mit breiten Reifen können kostenfrei am Altmühlsee, Großen und Kleinen Brombachsee sowie am Rothsee geliehen werden. Sie lassen sich am Sandstrand leichter fortbewegen und man kann mit ihnen über den Strand ins Wasser gelangen. Auf dem Altmühlsee und Großen Brombachsee sind zudem Schiffsrundfahrten möglich. Die Schiffe haben einen stufenlosen Einstieg.

Lausitzer Seenland: Auf Rädern durch neue Landschaften

Im Lausitzer Seenland geht es auf Exkursion in ein sich wandelndes Tagebaugebiet. Aus der einstigen Mondlandschaft ist ein reizvolles Seenland entstanden. Es ist die größte von Menschenhand erschaffene Wasserlandschaft ganz Europas. Aktiv geht es mit Rollfiets oder Handbike auf gut ausgebauten und asphaltierten Wegen vorwärts. Örtliche Anbieter begleiten Blinde und Sehbehinderte auf dem Tandem durch die Natur. Für Abenteuerlustige geht es auf Quads oder im Jeep durch stillgelegte Bergbaufolgelandschaften. Und reichlich Wasserspaß bieten Bootstouren auf dem Senftenberger See. Die Angebotsbreite aus Kajak, Canadier, Ruder-, Tret-, Motor- und Segelboot schafft Abwechslung und Spaß für die ganze Familie.

Erfurt: Freiluftspektakel bei den DomStufen-Festspielen

Dass auch ein Ausflug in städtische Gefilde Kinderaugen zum Strahlen bringt, zeigt sich in Erfurt. Die DomStufen-Festspiele präsentieren in diesem Jahr die Kinderoper „Die Omama im Apfelbaum“ sowie für Jugendliche und Erwachsene die Rockoper „Jedermann“. 70 Domstufen und eine 700 Jahre alte Kulisse aus Mariendom und St. Severikirche bilden die wohl schönste Open-Air-Bühne Thüringens. Hier spielen sich die Inszenierungen im Juli ab. Das Festspielgelände besitzt barrierefreie Zugänge und auch ausreichend Rollstuhlplätze.

Deutschland: Erfurt barrierefrei

 Mariendom und Severi, Foto: Barbara Neumann

Angesiedelt im Schnittpunkt alter Handelsstraßen zeugen die zahlreichen Renaissance- und Fachwerkhäuser im Zentrum Erfurts noch heute vom einstigen Reichtum der Thüringer Landeshauptstadt. Das monumentale Ensemble von Dom St. Marien und St. Severikirche überragt die Dächer der fast 200 000 Einwohner zählenden Stadt, in der schon Martin Luther seinen Studien an der Universität nachging. In ungewöhnlicher Nachbarschaft zum Domberg lockt die einzige weitgehend erhaltene barocke Stadtfestung Mitteleuropas auf dem Petersberg. Ebenfalls besonders sehenswert ist die Alte Synagoge Erfurt mit dem Erfurter Schatz. Einmalig in Europa ist die 120 Meter lange Krämerbrücke über den Fluss Gera entlang des Handelsweges Via Regia. Mit 32 Häusern ist die Brücke komplett bebaut und in den engen Brückenhäuschen bieten heute wieder heimische Künstler und Handwerker ihre Kostbarkeiten an.

Barrierefreiheit

Barrierefreies Reisen

Die Erfurt Tourismus & Marketing GmbH offeriert eine große Anzahl barrierefreier Angebote, wie Stadtführungen, Pauschalen, kulinarische Erlebnisse, Veranstaltungen und vieles mehr. So gibt es zum Beispiel eine Stadtführung für gehörlose Erfurt-Besucher in Deutscher Gebärdensprache mit einem iPod-Videoguide, der zu über 20 Stationen leitet. Deshalb können gehörlose Individualgäste die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten selbstständig ohne einen Stadtführer erleben und in eigenem Tempo die Erfurter Altstadt erkunden.

In der Broschüre „Erfurt – Erlebbar für alle“ werden auf 64 Seiten mehr als 80 Einrichtungen in Erfurt und dem Umland, von Sehenswürdigkeiten über Unterkünfte, Museen und Kultureinrichtungen, bis hin zu Sportstätten, Bädern und Gastronomiebetrieben vorgestellt. Alle Einträge liefern hilfreiche Informationen für mobilitätseingeschränkte Menschen, wie Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte oder Eltern, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind, aber auch für Blinde und Sehbehinderte, Hörgeschädigte und Gehörlose.