Liebe auf dem Kreuzfahrtschiff: Zwischen Meer und Sternen

TB_Zwischen_Meer_und_SternenDie Reisejournalistin Jennifer Summer stellt ihren Roman über Kreuzfahrten und die Liebe vor.

Leinen los – dieses Schiff fährt in dein neues Leben.

Julie heuert als Reiseleiterin an Bord eines Kreuzfahrtschiffes an, denn sie braucht ein neues Leben: Der Job ist weg, der Freund geht fremd, Hamburg ist emotionales Desaster. Dann doch lieber Marseille, Granada, Gibraltar, … Und Männer können ihr gestohlen bleiben!  Bald gerät ihr Vorsatz jedoch heftig ins Wanken: Der attraktive Schiffsoffizier Sergey lässt ihre Knie unter dem Sternenhimmel Marokkos weich werden. Und auf Madeira braucht der VIP-Passagier Jacques ihre Hilfe, als das wichtigste Gemälde seiner Auktion verschwindet.
Beide Männer haben jedoch ihre Schattenseiten und Julie gerät sogar in ernsthafte Gefahr. Wird der neue Job trotz all des Trubels zu einer Reise ins Glück?

Erhältlich exklusiv bei Amazon:

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Über Jennifer Summer
Rio de Janeiro oder Tokio? Longyearbyen oder Auckland? Jennifer Summer folgt dem Fernweh in viele Ecken der Welt. In ihren Romanen kehrt die hauptberufliche Reisejournalistin (u. a. FAZ) in guter Begleitung an die faszinierendsten Orte zurück: Ihre Protagonistinnen sind starke Frauen mit Gefühl. Und natürlich treffen sie spannende Männer …
In Jennifer Summers Reiseromanen geht es aber nicht nur um eine spannende Liebesgeschichte mit Happy End: Da sie alle Schauplätze persönlich kennt, kann man sich mit ihren abwechslungsreichen Storys authentisch wegträumen und bekommt konkrete Tipps für den nächsten Urlaub. Alle Reiseromane können unabhängig voneinander gelesen werden. Liebgewonnene Figuren tauchen aber auch wieder auf. Jennifer Summers Wahlheimat sind die Elbtalauen bei Hamburg. Doch spätestens alle paar Monate zieht es sie wieder hinaus, um mit Schiff oder Campervan die Welt zu entdecken. Das nächste Buch erscheint im Winter 2021/22 und spielt auf Sizilien sowie im afrikanischen Bijagos-Archipel. Aktuelles von Jennifers Reisen und unveröffentlichte Leseproben gibt es unter www.jennifersummer.de/newsletter

Island: Vulkaninsel im Atlantik

Jökulsarlon

Jökulsarlon

Willkommen auf der Insel der Gegensätze! Willkommen in einem Land, in dem Feuer und Eis Landschaften von atemberaubender Schönheit geschaffen haben!

Wer auf dem internationalen Flughafen Keflavík ankommt und sich mit Bus oder Mietwagen auf den Weg nach Reykjavík macht, wird gleich mit Islands vulkanischer Vergangenheit konfrontiert. Denn bis zu den Vororten der Hauptstadt führt die Straße durch ein rissiges, fast vegetationsloses Lavafeld. Bei trübem Wetter wirkt es trostlos und lebensfeindlich, aber schon einige wenige Sonnenstrahlen verwandeln es in eine faszinierende Märchenlandschaft. Doch dies ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf die vielfältigen Formen des Vulkanismus, die allerorts auf den Besucher warten.

Kaum ein Land der Erde ist so abwechslungsreich wie Island, das geologisch noch in den Kinderschuhen steckt und sich deshalb permanent verändert – manchmal sogar höchst dramatisch durch gewaltige Vulkanausbrüche oder Gletscherläufe. Aber auch zwischen diesen Katastrophen bietet Island Spektakuläres: In den zahlreichen Hochtemperaturgebieten brodelt, dampft und zischt es unaufhörlich oder schießen Geysire ihre Wasserfontänen in den Himmel. Blubbernde Schlammtöpfe und Wasserlöcher, gelbe und ockerfarbene Fumarolen und Sinterablagerungen bilden unwirkliche Mondlandschaften. Farbenprächtige Liparitberge, düstere Aschekegel, bizarre Vulkane, sonderbare Pseudokrater, unauffällige Schildvulkane und immer wieder Lavafelder – mal schwarz, kahl und bedrohlich, dann wieder von dicken, grünen Moosteppichen überzogen, prägen weite Teile der Insel.

Neben den Vulkanen sind die Gletscher die größten Anziehungspunkte, denn allein der größte von ihnen, der Vatnajökull, ist größer als alle Gletscher Europas zusammengenommen. Unzählige eisige Zungen schieben sich von seinem gewaltigen Plateau zu Tal, bilden Abbrüche, Höhlen und Lagunen, auf denen bizarr erodierte Eisberge schwimmen.

Aber Island hat auch ein durchaus liebliches Gesicht, das man der fast baumlosen Insel im hohen Norden kaum zutrauen würde. Der schmale Küstenstreifen und einige Täler überraschen mit sattgrünen Wiesen, auf denen unzählige Schafe grasen. Und auch der Mývatn, eigentlich ein geologisch unruhiges, von Vulkanen geprägtes Gebiet, wirkt mit seinen Inseln, Buchten und Landzungen wie eine grüne Oase. Auf dem Wasser tummeln sich Singschwäne und die verschiedensten Entenarten, so dass selbst die ausgefressenen Lavatürme am Ufer kaum das liebliche Bild stören.

Lust auf Islands einzigartige Natur? Dann schauen Sie sich die Bilder an.

Westfjorde, Latrabjarg, Papageitaucher

Westfjorde, Latrabjarg, Papageitaucher

Westfjorde, Breidavik

Westfjorde, Breidavik

Solfatarengebiet Namafjall

Solfatarengebiet Namafjall

Solfatarengebiet am Namafjall

Solfatarengebiet am Namafjall

Snaefell

Snaefell

Seydisfjördur

Seydisfjördur

Seljalandsfoss

Seljalandsfoss

Schlucht Fjardargljufur

Schlucht Fjardargljufur

Papageitaucher, Vik i Myrdal

Papageitaucher, Vik i Myrdal

Ostfjorde, historisches Torfhaus Lindarbakki

Ostfjorde, historisches Torfhaus Lindarbakki

Ostfjorde, Gästehaus Mjoeyri am Eskifjördur

Ostfjorde, Gästehaus Mjoeyri am Eskifjördur

Myvatngebiet, Krafla

Myvatngebiet, Krafla

Landmannalaugar

Landmannalaugar

Jökulsarlon

Hochtemperaturgebiet Hveragerdi

Hochtemperaturgebiet Hveragerdi

Hochland, Hveravellir

Hochland, Hveravellir

Djupivogur

Djupivogur

Eskifjördur

Eskifjördur

Text und Fotos: Christian Nowak

Antarktis: Impressionen vom Ende der Welt

Half Moon Insland
Die „Fram“ ankert in der halbmondförmigen Bucht von Half Moon Island, nur wenige hundert Meter vom Strand entfernt. Die Insel erinnert an eine Caldera, ist aber nicht durch einen Vulkanausbruch entstanden. Schon vom Schiff aus sind die bizarren Felstürme der Insel, das benachbarte Livingston Island mit seinen Gletschern, die roten Häuser der argentinischen Sommerstation Teniente Camara und die Pinguinkolonien sowie einige Robben auf dem Kiesstrand zu sehen.

Half Moon Island

Half Moon Island

Half Moon Island

Half Moon Island

Half Moon Island

Antarctic Sound
Die Fahrt durch den Antarctic Sound bis zur Grenze des Wedell Meeres ist eine Panoramatour – Eisberge soweit das Auge reicht. Große, kleine, weiße, blaue und als Krönung Tafeleisberge, haushoch und mehrere hundert Meter lang. Jeder sieht anders aus und die „Fram“ gleitet an allem so langsam vorbei, dass jede Einzelheit zu erkennen ist. Trotz des eisigen Windes und mittlerweile Windstärke zehn gibt es nur einen Platz: an Deck mit der Kamera in den eiskalten Fingern.

Antarctic Sound

Antarctic Sound

Antarctic Sound

Antarctic Sound

Deception Island
Deception Island ist eine Vulkaninsel mit rund 13 km Durchmesser und einer mit Wasser gefüllten Caldera. Der einzige Eingang in die Caldera ist eine nur rund 200 m breite Öffnung. Dieser schmale Durchlass in den Vulkankrater wird Neptuns Blasebalg genannt. Deception Island ist ein aktiver Vulkan, der allein im 20. Jahrhundert mehrere Male ausgebrochen ist und dabei neue Vulkankegel gebildet und viel Asche gespuckt hat.

Deception Island

Deception Island

Deception Island

Deception Island

Deception Island

Neko Harbour
Heute sind wir in Neko Harbour an Land gegangen. Wer bei dem Wort „Harbour“ an einen Hafen denkt, liegt völlig falsch, denn es ist nichts weiter als ein kleiner Strand, an dem die Polar Circle Boote landen können, das große Schiff liegt wie immer einige Hundert Meter weiter draußen in der Bucht vor Anker. Schon die Anfahrt nach Neko Harbour ist spektakulär, Gletscher reiht sich an Gletscher, auf dem Wasser schwimmen Eisberge in allen Größen. Das Meer ist still wie ein See, der Himmel Blau, die Sicht schier unendlich.

Am Strand liegt faul eine Wedell-Robbe und lässt sich von uns überhaupt nicht stören. Die Pinguine auch nicht. Sie spazieren gerne ein Stück am Strand entlang, bevor sie ins Wasser springen. Nach erfolgreichem Beutezug kommen sie wieder zurück, um ihren Nachwuchs zu füttern. Die Brutkolonien liegt ein gutes Stück weiter oben am Hang. Die drolligen Vögel sind diesen Weg schon so oft rauf und runter gegangen, dass tief in den Schnee eingelassene Pinguinautobahnen entstanden sind. Mit kleinen Trippelschritten erklimmen sie den Berg, die Stummelflügel nehmen sie zum Balancieren. Auf Eisplatten rutschen sie trotz ausgefahrener Krallen schon mal aus, halten aber immer die Balance.

Neko Harbour

Neko Harbour

Neko Harbour

Neko Harbour

 

Kanada: Ottawa – die grüne Hauptstadt unterm Ahornblatt

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Mit ihren vielen Parks und dem Ottawa River ist die kanadische Hauptstadt die perfekte Spielwiese für Outdoorfans. Museen der internationalen Spitzenklasse locken Kunstliebhaber an.

Es wird überall gejoggt und geradelt in der Stadt. Dem ersten Eindruck nach ist Ottawa nicht nur die kanadische Hauptstadt, sondern auch die Welthauptstadt des Sports.
Am Mittwochvormittag strecken und recken zwei- bis dreihundert Menschen auf ihren Matten liegend auf der Wiese vor dem Parlament ihre Arme und Beine dem kanadischen Himmel entgegen, schwingen sich zur Kerze auf und gehen in den Hund. Dann ist die Zeit für öffentliches Yoga.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Gäste der Stadt breiten vor dem Parlament nur selten ihre Yogamatte aus. Sie holen sich ihre Fitness beim Aufstieg zum 92 Meter hohen Turm des Parlaments, dem Peace Tower. Er war nach dem Ersten Weltkrieg in Gedenken an die dort gefallenen 65.000 kanadischen Soldaten errichtet worden. Wer will, kann im Anschluss an die Turmbesteigung an einer kostenlosen Führung durch die Räume des Parlaments teilnehmen. Kanadische Geschichte zum Anfassen sozusagen. Besonders stolz ist man in Ottawa auf die Parlamentsbibliothek, die in den 1860er Jahren im neogotischen Stil erbaut wurde.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Sportfans haben in und um Ottawa unzählige Möglichkeiten. Die Natur hat hier ihren Kampf gegen die Zivilisation noch lange nicht aufgegeben – große Parks ziehen sich durchs Stadtzentrum und über den Ottawa River kann man bis nach Montreal und Toronto paddeln. Zu Zeiten der ersten Siedler war der Fluss die wichtigste Verkehrsader im Osten Kanadas. Heute ist der Ottawa River Spielwiese für Wassersportler aller Art. Im Winter ist Eishockey die unangefochtene Nummer Eins unter allen Sportarten. Wer nicht selbst die Kufen schnüren will, sollte zumindest ein Spiel der Ottawa Senators besuchen. Wenn die Profis gegen ihre Gegner aus der NHL spielen, ist das 18.000 Zuschauer fassende Canadian Tire Centre meist ausverkauft. Schade nur, dass die Puckjäger aus Ottawa bisher noch kein einziges Mal den Stanley Cup, die gemeinsame Meisterschaft der kanadischen und amerikanischen Eishockeyteams, gewinnen konnten.

Hauptstadt der kurzen Wege
Ottawa zählt knapp 900.000 Einwohner. Trotzdem kann man fast jede Sehenswürdigkeit fußläufig erreichen. Das Canadian Museum of History, das, wie der Name nahelegt, einen Streifzug durch die Geschichte Kanadas anbietet, ist die meistbesuchte Ausstellung des Landes. Besonders aufwendig gestaltet ist die Abteilung, die sich mit dem Leben der Ureinwohner beschäftigt. Beliebtes Fotomotiv sind die riesigen Totempfähle, die, wie der Guide bei seiner Führung durch das Museum betont, nie „zum Martern“ verwendet, sondern zu Ehren eines bedeutenden Häuptlings oder Kriegers errichtet wurden. Ein bisschen waren sie auch zum Angeben da – denn einen Totempfahl weihte man mit einem riesigen, mehrtägigen Fest ein, zu dem man alle Stämme der Gegend einlud. Wer den schönsten Pfahl hatte und das aufwändigste fest feiern ließ, genoss ein besonderes Ansehen.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Noch mehr über das Leben der kanadischen Indianer erfährt man im Freilichtmuseum „Aboriginal Experiences“ am Rande der Innenstadt. Stephanie Sarazin vom Stamm der Pikwakanagan führt in einem purpurnen Stammeskleid und mit reich geschmückter traditioneller Perlenkette durch das Freilichtmuseum. In launigen Worten und immer lachend erzählt die junge Frau von der Geschichte der Indianer. Wenn sie von der Situation der Ureinwohner im heutigen Kanada erzählt, scheint sich ihre Stimme plötzlich vor Aufregung zu überschlagen. Dann sagt sie auch Sätze wie: „Ja, wir werden hier immer noch benachteiligt, aber damit muss ich lernen zu leben.“ Sie atmet tief durch und erzählt, wie die Regierung die Indianer denselben Jagdbeschränkungen unterwirft wie Hobbyjäger und somit vielen Stämmen die Lebensgrundlage entzieht.
Fast symbolisch ist es da, dass man vom Museum der Ureinwohner den besten Blick der Stadt auf das Parlament hat.

Restaurants in Byward Market

© Rasso Knoller

Ein Schloss am Rande des Zentrums
In der National Gallery werden die Werke der Großen der kanadischen Kunst ausgestellt – Namen wie Tom Thomson, Emily Carr und Alex Colville sind in Europa vermutlich nur wenigen Kunstkennern bekannt. Aber wer nach hierzulande berühmten Namen wie van Gogh, Cézanne oder Picasso sucht, wird ebenfalls fündig. Um die Sammlung mit europäischer Kunst dürfte so manches Museum auf dem alten Kontinent die Kanadier beneiden.
Allein schon das Museumsgebäude ist ein Hingucker. Erbaut von dem kanadisch-israelischen Architekten Moshe Safdie, der sich vor allem durch die Sanierung der Altstadt von Jerusalem international einen Namen gemacht hat, besticht das aus Glas und Granit erbaute Bauwerk durch seine klaren Linien.
Unmittelbar ans Zentrum schließt sich Byward Market an. Kleine Läden, Cafés und Restaurants prägen das Bild dieses Stadtteiles, der besonders bei Touristen beliebt ist. Wer Spitzenküche sucht und sein Steak mit einem hervorragenden kanadischen Rotwein hinunterspülen will, schaut im Play in der York Street vorbei. Die freundliche und kompetente Bedienung gehört in dem Restaurant zwar zum Konzept, doch liegt „Dauer-gute-Laune“ Kanadiern ohnehin im Blut. Muffigen Service gibt es nirgends.
Wie breit in Byward Market das Spektrum des gastronomischen Angebots ist, zeigt sich nur eine paar Schritte weiter die Straße hinunter. In „The Dominion Tavern“ legt man auf feine Tischsitten nur wenig Wert, Bier ist das meist bestellte Getränk und statt „Elchsteak medium rare“ isst man hier fettige Hamburger.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Sogar ein Schloss haben die Kanadier zu bieten. Allerdings war das Chateau Laurier niemals eine echte Adelsbehausung gewesen, sondern von Anfang an ein Nobelhotel – eröffnet 1912. Auch im Chateau hat man zum Thema Kunst einiges zu bieten; eine Dauerausstellung mit Fotos des weltberühmten Portraitfotografen Yousuf Karsh, der 18 Jahre lang in dem Hotel gewohnt hatte.

Text und Fotos: Rasso Knoller

 

Österreich: Ein bisschen höllisch darf’s schon sein

K1024_Salzburger Bergadvent_140_Krampus_(c) TVB GrossarltalDass der Nikolaus am 6. Dezember zu den braven Kindern kommt, weiß jeder. Dass es aber jährlich auch am 5. Dezember ein Spektakel für die bösen Erwachsenen gibt, ist nur in österreichischen Alpentälern wohl bekannt. In Groß Arl, im Salzburger Land, geht es ziemlich schaurig zu. Die Krampusse, ursprünglich Höllengenossen, halten an diesem Tag nicht hinterm Berg. Wer ihnen vor die Ruten kommt, muss mitleidlos leiden.

Womöglich ein geeigneter „Betriebsausflug“ für Investmentbanker, Immobilienhaie und sonstige Wuchergesellen, um sich einen kleinen Vorgeschmack für das höllische Jenseits im jungfräulichen Schnee zu gönnen. Der Nikolaus, der gute Mann, so will es der Brauch, soll dem Krampus mit Zuruf Einhalt gebieten. In Groß Arl war dies 2019 nicht möglich. Die Kerle traten in Passen auf, also in Gruppen, deren Masken auf einen Verwandtschaftsgrad hinweisen, und sind in ihrer Übergriffigkeit nicht zu stoppen. 140 Höllenbrüder trieben bei ihrem letzten Inferno die Marktstraße rauf und runter. Selbst mit einem Megaphon hätte der Nikolaus keine Milde einfordern können. Schöne, blutjunge, blonde Mädchen sind die bevorzugten Opfer. Die Einheimischen allerdings kennen seit Kindheit die Gefahren und rüsten sich mit dreifach dicken Hosen Und wenn es sein soll mit Knieschützern.
Das Krampuslaufen hat Tradition
In Groß Arl, wo man in allem, was den Tourismus toppt, ganz vorne steht, hat die Maskenschnitzerei Hochkonjunktur. Ein Business mit Qualitätsanspruch. Und alles ist Natur – die ausgehöhlten Hölzer, der Ruß für die Schwärze, das Tierblut für das rot der heraushängenden Zunge und Kalk für das weiß der verdrehten Augen.
Meine Kindheits-Krampus-Erfahrungen aus Oberösterreich sind längst  Schnee von gestern. Der alte Pelzmantel von Oma, die irgendwo gefundene Eisenkette um den Bauch, die Maske aus Pappmasche, die bis in den Fasching hinein neben den Clown-Nasen im Papierwarenladen hingen, würden heute schon Vierjährige belächeln.
Das Krampus-Brauchtum im Salzburgerischen hat nicht nur Tradition. Es wird sogar schon in Juniorengruppen, so ab dem zehnten Lebensjahr, eingeübt. Da muss Oma schon kräftig spenden. Die Ausrüstung für Kinder kostet für die Maskerade um die tausend Euro. Die Erwachsenen müssen erheblich mehr berappen. Für 1000 Euro gibt es nur eine Maske mittlerer Grausamkeit! Vom Ganzkörperfell ganz zu schweigen.
Die Brutalität muss überzeugend sein. Wen der Kramperl am Kragen packt, der spürt Sekunden später den Schleudereffekt und gleich darauf die Rute in den Kniekehlen. Flehen nutzt nichts, der große Bruder auch nicht. Am besten ist das Spektakel von einem sichern Hotelfenster ab dem 2. Stock zu betrachten.
Oder man wartet, bis der Krampus sich kaputt gelaufen hat, nur mehr nach Bier dürstet und sich seine fette Schweinestelze vom Grill sichern will. Friedlich sitzen sie dann, die Maske unterm linken Arm, in der rechten Hand den Knochen der Stelze fest im Griff, an langen Tafeln in der Marktstraße, den gefüllten Bierkrug als aggressionsloses Zeichen vor sich. Von der Stirn tropft ihnen der Schweiß, vom Kinn das Fett, und als wäre nichts gewesen plaudern sie fern jeder Gehässigkeit. Über was ? Ich glaube über Fußballergebnisse.

K1024_Salzburger Bergadvent_128_Krampus_Nikolaus_40_(c) TVB Grossarltal
Am nächsten Morgen wird alles wieder himmlisch
Schnee, so viel die Kanone gibt. Pulvrig unberührte Pisten erfreuen gerade mal eine Handvoll Skifahrer. Besonders Wochentags. Eine Idylle, wie sie nur im Prospekt vorkommt. Und bezahlbar. Mit verlockenden Rabatten.
Wenn es dann dämmrig wird, vielleicht noch echter Schnee rieselt, der Glühwein wärmt und die Waldhorn-Bläser Weihnachtsmelodien spielen, werden selbst die ruppigen Herzen der Krampusse von gestern verzaubert. Durch die kleinen Gassen wuseln frierende „Engerl“. Könnte  sein, dass sie aus dem nur ein paar Kilometer entfernten Waggrein zugeflogen sind. Aus Waggrein, aber das weiß ja jeder, stammt das Lied von der „Stillen Nacht“.
Der Weihnachtsmarkt mit gerade mal einem Dutzend Ständen mit Handarbeiten, Glühwein und Christbaumschmuck, darf mit keinem städtischen Weihnachtmarkt verglichen werden. Es ist wirklich still, rechts das Museum, links ein kleiner sprudelnder Gebirgsfluss mit Eiszapfen, man sollte dies nur lieben Freunden weitersagen.

Veronika Zickendraht

Frankreich: Liebesroman und Gartenführer

K1024_Cover_DerGartenunterdemEiffelturm_ElenaEdenEin Liebesroman kann auch ein Reiseführer für Gartenfreunde sein. Das beweist Elena Eden in ihrem Erstlingswerk „Der Garten unter dem Eiffelturm“, in dem sie ihre  Leserinnen mit auf eine romantische Reise durch die Gärten von Paris und der Normandie nimmt.

Sieben Tage in Frankreich verändern Alinas Leben. Nach dem Tod ihres Liebsten fragst sie sich, ob sie sich wieder der Liebe öffnen darf. In den Gärten von Paris trifft sie gleich auf zwei Männer. Mit aller Kraft stemmt sie sich gegen ihre aufkeimenden Gefühle – bis zu einer donnernden Offenbarung. Nichts ist so, wie es scheint. Was haben Monets legendäre Seerosen mit dem Leben ihrer Großmutter zu tun? Im berühmten Garten des Malers Claude Monet in Giverny in der Normandie stößt Alina auf ein tief verborgenes Geheimnis ihrer Familiengeschichte.
Elena Eden gelingt ein Liebesroman über große Gefühle, Schuld und Vergebung, eine grenzüberschreitende deutsch-französische Liebesgeschichte. Mehr noch: Der Gartenroman taugt auch als Garten-Reiseführer für Paris und die Normandie. Im Anhang sind alle erwähnten Gärten mit Informationen und persönlichen Tipps der Autorin zum Nachreisen aufgelistet.

Indien: Ladakh – weiter Schulweg im Land der Götter

© Rasso Knoller

Abstieg nach Lingshed © Rasso Knoller

Mein Atem geht schwer, der Schweiß rinnt mir am Körper hinunter. Langsam setze ich einen Schritt vor den anderen. Kehre um Kehre schleppe ich mich den Berg hinauf. Die Höhe macht mir zu schaffen. Ein junger Mann überholt mich, mit „Tschulleh“ freundlich grüßend. Kurz hinter ihm eine Frau mit einem Kleinkind an der Hand. Auch die beiden schmettern mir ein „Tschulleh“ entgegen und marschieren dann zügig an mir vorbei. Bis ich endlich zu Atem gekommen bin und zur Antwort ansetzen kann, sind sie schon hinter der nächsten Kehre verschwunden.
Ich bin im Hochland von Ladakh unterwegs, wandere über mehrere 4000 Meter hohe Pässe hinweg nach Lingshed, einem kleinen abgelegen Dorf in mitten majestätischer Berge. Ladakh liegt in Nordindien und zählt zu den höchsten bewohnten Gebieten der Erde.
An meiner Seite wandert Christian Hlade. Er ist Geschäftsführer des österreichischen Reiseveranstalters „Weltweitwandern“, eine Art Botschafter für Ladakh und so etwas wie der gute Geist von Lingshed.

Eine Schule am Ende der Welt

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Es klingt ein bisschen wie im Märchen. Ein junger Mann aus Österreich macht sich auf den Weg in die Welt. Nach langer Reise kommt er in ein armes Dorf und wird dort mit großer Gastfreundschaft aufgenommen. Das beeindruckt ihn so sehr, dass er beschließt, den Menschen zu helfen. Und weil er Architekt ist, will er für die Kinder in dem Dorf eine Schule errichten. Geld hat er zwar keines, aber dafür umso mehr Begeisterung und Überzeugungskraft. Und so gelingt es ihm schließlich, viele Leute in seiner Heimat für sein Projekt zugewinnen.
Die Geschichte ist aber kein Märchen und hat einen realen Hauptdarsteller. Christian Hlade, der einstige Architekt, ist inzwischen Reiseunternehmer und führt seine Gäste dorthin, wo er vor mehr als 15 Jahren die Schule baute – in die kleine Ortschaft Lingshed. Selbst heute muss man noch mehr als vier Stunden über steile Pässe wandern, bevor man vom Ende der Straße aus das Dorf erreicht. Zumindest ich bin so lange unterwegs. Die Einheimischen legen die Strecke in weniger als der Hälfte der Zeit zurück. Als Hlade das erste Mal hierher kam, war er fünf Tage lang zu Fuß unterwegs. Und auch als man die Schule baute, musste das gesamte Baumaterial über Pässe und durch Täler herangeschleppt werden.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Jetzt wird eine Straße nach Lingshed gebaut. Eigentlich sollte sie schon seit Jahren fertig sein, weil der Bauunternehmer aber mit dem indischen Staat über die Bezahlung streitet, ruhen die Arbeiten nun seit geraumer Zeit. Noch endet die Straße deswegen einige Kilometer vor dem Ort. Irgendwann aber wird sie nach Lingshed führen. Schon jetzt bedeutet sie eine enorme Erleichterung für die Menschen.
Fast scheint es so, als bedauere Christian Hlade die Veränderung ein wenig. Er gibt offen zu, dass er als Veranstalter von Wanderreisen mit Einbußen rechne, wenn die Autos durch die Berge rasen und der Zanskar Treck, die bisher beliebteste Himalayaüberquerung, an der auch Lingshed liegt, seinen Ruf verliert. Denn parallel zur Straße wandert keiner gerne. Doch auch der Österreicher sieht die Vorteile für die Menschen – die Zivilisation und damit auch Ärzte, Krankenhäuser und Einkaufsmöglichkeiten rückt näher. Wie überall stellt sich aber die Frage nach Nutzen und Gefahren, die die Moderne mit sich bringt. Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft – Eigenschaften, die für die Ladakhis so typisch sind und die das Überleben in dieser unwirtlichen Region erst möglich gemacht haben – werden sie erhalten bleiben, wenn plötzlich Touristen in Massen durch das Dorf spazieren?

Mönchsspeisung im Kloster Lingshed

Mönchsspeisung im Kloster Lingshed © Rasso Knoller

Wer heute nach Lingshed reist, kann Hlades Befürchtung nur zum Teil verstehen. Denn der bisher ausgebaute Teil der Straße ähnelt immer noch sehr einem Wanderweg. Befahrbar ist er nur mit starken Nerven und einem vierradbetriebenen Fahrzeug. Touristenbusse, die das Kloster von Lingshed als Fotostopp anfahren, kann man sich momentan noch schwer vorstellen.
Dorfspaziergang als Tagesausflug
Als wir in Lingshed ankommen, wird Hlade schon von den Honoratioren und den Kindern erwartet. Die stehen am Dorfeingang Spalier für den Mann, der durch den Schulbau das Leben vieler Menschen im Dorf verändert hat.

Christian Hlade vor der Schule in Lingshed © Rasso Knoller

Christian Hlade vor der Schule in Lingshed © Rasso Knoller

Die Beliebtheit des groß gewachsenen Österreichers färbt auch etwas auf seine Begleitung ab. Auch ich werde von allen Kindern des Dorfes begrüßt und bekomme einen Katak umgehängt, einen Schal, den man in Ladakh besonders willkommenen Gästen zur Begrüßung schenkt. Seit einigen Jahren werden die Kinder in einem größeren Schulgebäude unterrichtet – indirekt hat aber Hlade auch zu dessen Bau beigetragen. Er erzählt, dass „seine Schule“ damals die indische Regierung herausgefordert habe. Die wollte sich nicht von einem irgendeinem Österreicher übertrumpfen lassen – und was jahrelang nicht möglich war, in Lingshed eine große Schule zu bauen nämlich, wurde nun innerhalb kürzester Zeit realisiert. Auch Stanzin Thinless, der junge Guide, der uns her geführt hat, drückte hier die Schulbank. Er ist ein Beispiel dafür, was Bildung bewirken kann. Der junge Mann verdient mittlerweile gutes Geld im Tourismus und kann damit seine Familie unterstützen.
Inzwischen bringt Hlade regelmäßig Reisegruppen nach Ladakh – und oft genug auch nach Lingshed. Damit sorgt er dafür, dass sich die Menschen Geld verdienen können – als Guides, Träger, Köche oder indem sie ihre Pferde und Maultiere für den Lastentransport vermieten.

Guide Stanzin Thinless © Rasso Knoller

Guide Stanzin Thinless, © Rasso Knoller

Lingshed ist ein kleines Dorf, in dem ein paar hundert Menschen leben. 60, vielleicht 70 Häuser liegen verstreut in dem Hochtal. Wer einen „Dorfspaziergang“ unternimmt, ist locker einen halben Tag unterwegs und legt dabei auf und ab sicher tausend Höhenmeter zurück. Die grün leuchtenden Felder bilden einen deutlichen Kontrast zu den kargen Bergen, steile Hänge rahmen das Dorf ein. Erhaben mag man die Landschaft nennen – Wölfe durchstreifen die Gegend, auch wenn einem Bergschrate oder Yetis auf den Bergpfaden entgegenkämen, würde das niemanden wundern.
Keine Eile für die Wiedergeburt
Lingshed liegt in einem Hochtal und bietet spektakuläre Fotomotive. Jeder Tourist kehrt von hier mit beeindruckenden Bildern nach Hause zurück. Zum Leben haben sich die Menschen von Lingshed aber eine der unwirtlichsten Gegenden unseres Planeten ausgesucht. Im Winter sinkt das Thermometer auf minus 30 Grad, im Sommer steigt es auf den gleichen Wert der Plusskala. Das schwere Leben und das Klima haben tiefe Furchen in die Gesichter der Menschen gezogen.

Auf dem Weg zur Schule. © Rasso Knoller

Auf dem Weg zur Schule. © Rasso Knoller

Und anders als man es aus den im Himalaya spielenden Bergsteigerfilmen kennt, türmen sich hier auch keine meterhohen Schneemassen auf. Lingshed liegt auf der Nordseite des Himalayahauptkamms und bis dahin schaffen es die Wolken meist nicht. Schnee oder Regen fällt fast ausschließlich auf der Südseite der Berge. Und deswegen haben die Menschen ein riesiges Problem: Wassermangel. Früher speisten die Gletscher im Frühjahr und Sommer Flüsse und Bäche. Inzwischen sind sie – Stichwort Klimawandel – fast abgeschmolzen, die meisten Wasserläufe zu Rinnsalen verkommen. Die Felder können oft nicht mehr ausreichend bewässert werden und so fällt die Ernte von Jahr zu Jahr spärlicher aus. Selbst die Gerste, das Hauptnahrungsmittel in den Hochlagen des Himalayas, wird knapp. Fleisch von Yaks, Ziegen oder Schafen gibt es ohnehin nur an hohen Feiertagen.
Dann tritt der nepalesische Schlachter des Ortes in Aktion. Er ist vor Jahren als Bauarbeiter ins Dorf gekommen und geblieben. Wenn auch die Menschen in Ladakh arm sind, so gibt es doch noch Ärmere. In der Regel heuert man Nepalis als Bauarbeiter an. Dass einer von ihnen dann als Metzger blieb, hat einen ganz praktischen Grund. Buddhisten, und das sind die Bewohner Lingsheds allesamt, dürfen zwar Fleisch essen, selbst schlachten dürfen sie aber nicht. Da war es durchaus willkommen, dass für hinduistische Nepalis dieses Tabu nicht gilt.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Der Weg von Lingshed zurück in die Hauptstadt Leh ist auch heute noch eine Zweitagesreise. Eilig hat es hier in den Tälern zwischen den Himalayagipfeln ohnehin niemand. Die Straßen sind holprig, die Berge steil und meist nur zu Fuß zu bezwingen. Die Langsamkeit aber gibt einem die Möglichkeit, viel genauer hinzusehen. Die grandiose Landschaft rast nicht vor dem Autofenster dahin, man muss sie Schritt für Schritt erobern. In den Klöstern bleibt Zeit, den Gebeten der Mönche zu lauschen oder mit ihnen in die Meditation zu versinken. Ladakh ist ein Land, das seine Bewohner und Besucher zur Langsamkeit erzieht. Hier zählen nicht Minuten und Stunden, hier geht es um Größeres – um die sich beständig wiederholende Reise aus Leben, Tod und Wiedergeburt.

Text+Fotos: Rasso Knoller

Österreich: Werfenweg – echter Schnee, ganz ohne Kanonen

 

K1024_K800_WerfenwengWerfenweng mit der Bahn zu erreichen geht „schneeflockenleicht“. Selbst aus Berlin ist der kleine Ort im Salzburger Land mit nur einmal Umsteigen zu erreichen. Vor dem Bahnhof wartet der Shuttelbus-Fahrer. Und der kennt dich schon beim Vornamen. Dieser Service ist gratis.

Wer seinen Autoschlüssel an der Tourismus-Info-Theke der freundlichen Karin in die Hand drückt, bekommt einen dicken Bonus. Die SAMO Card. Mit dieser Scheckkarte in der Hosentasche kann man zu jeder Zeit das „Gratis-Taxi-Lois“ herbeirufen. Einmal in der Woche, an einem Tag, den man selbst bestimmt, steht jedem Gast ein E-Auto für Ausflüge zur Verfügung.

 

Ab dem ersten Ankunftsmorgen…

…ticken die Uhren anders, freundlicher, langsamer, und doch mobil. In dem gerade einmal 900 Seelenort regiert ein entspanntes E-Konzept.

K1024_E-FlotteVor 20 Jahren wurde Peter Brandauer mit 28 Jahren zum Bürgermeister gewählt. Der damals jüngste und zugleich innovativste Amtsträger setzte sich hinter seinen Schreibtisch, und dachte nach. Hatte Visionen, die heute wie ein Spinnennetz mancherorts die österreichische Bergregion überzieht. „In der Ruhe liegt die Kraft“ lautete sein Motto. Und seine Gedanken gingen auf. Als er herausfand, dass das österreichische Umweltministerium einen Modellort für sanfte Mobilität suchte, konnte er die Beamten überzeugen, dass Werfenweng, die Almregion der Werfener Bauern, der ideale Ort dafür ist. 1996 war es so weit. Von da ab stand eine kleine Elektroflotte hinterm Dorfplatz für die Gäste bereit. Heute stehen 70 Prozent der gastronomischen Betriebe hinter dem sanften Ferienkonzept.

 

Die Selbstoptimierung setzt auf den liebevollen Umgang

Wer sich sanft bewegen möchte, leiht sich gratis Langlaufski, und gleitet auf einer der drei Runden um das Tal. Abgeschiedenheit-Suchende könnenden Winter-Zauber abseits der Wanderwege erleben, und – wenn sie wollen – auf ebenfalls gratis verliehene Schneeschuhe zugreifen. Auch von Waltraud geführte Wanderungen in kleinen Gruppen haben ihren Reiz. Sie Frau versteht es, eine fröhliche Atmosphäre zu verbreiten. Außerdem erklärt sie das Bergpanorama, wie es nur Einheimische können.
Wer Leistung anregend empfindet, kann sich auf Abfahrten von 1800 bis ins Tal vergnügen, sich von der lichtblauen bis zur grauschwarzen Piste ausprobieren. Und das sind immerhin über 32 Kilometer.

 

Mit Alpakas und Fackeln durch den Winterwald.

K1024_Lama und KindDer Alpaka-Vater heißt Gerhard (www.bikehike-Salzburgerland.at). Sein braunes Lama hört auf den Namen Ibor, das schwarze auf Issidor. Gerhards prächtige Laune überträgt sich schnell auf uns. Wie bei der Fackelübergabe.

Anfangs sind die Tiere etwas störrisch, die kurze geräumte Asphaltstrasse schätzen sie nicht. Erst als ihre Hufe den weichen Schnee berührten, bewegen sie sich freudig. Sie an ihrem Hinterteil zu kraulen, wie von Gerhard empfohlen, verlangt Zärtlichkeit. Die darin nicht „Geübten“ erlebten, dass der schwarze Issidor mal kurz nach hinten auskeilte. Eindeutiger als Worte es können, drückte diese Reaktion aus, dass Issidor den Entspannungsgrad der „Streichler“ für noch verbesserungswürdig hielt.

 

Auf der Alm kann man leicht lustig sein.

Werfenweng liegt auf schneesicheren 1200 Metern. Einst war es das Almgebiet der Werfen Bauern. Die Zufahrtswege hatten gerade mal Karrenbreite. Jeder kannte jeden. Für die ersten Urlauber in den dreißiger Jahren brauchte die Pferdekutsche vom Bahnhof Pfarrwerfen noch eineinhalb Stunden. Der erste Ski-Lift wurde 1956 aus zweiter Hand gekauft. Von da ab tröpfelte der Tourismus. Von Mund zu Mund verteilte sich die Werbung. Langsamkeit bemerkte man nicht, sie war die Norm. Und mit der war man glücklich.

Einen Hauch dieser Zeit spürt man im 400 Jahre alten „Hochhäusel“ am Rande des Ortes. Solange man zurückdenken kann, war es das „Wirtshaus hoch oben“. Vor fünfzehn Jahren änderte sich das Geschick. Christine Huber machte aus ihrem Heimathaus eine Fremdenpension. Resch und lustig sorgt sie seither für ein gutes Frühstück, fragt nach Vorlieben und erfüllt sie auch. Die gepflegten haben Zimmer noch moderate Preise.

 

Fotos Tourismusverband Werfenweng. Text: Veronika Zickendraht

China: Hinter dem herben Charme von Songzhuang blüht die Kunst

China, Songzhuang, Li Xiu Fang und ihre Lampen, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Li Xiu Fang und ihre Lampen, Foto: C. Nowak

Die Industriestadt Songzhuang bei Peking hat sich zum kreativsten Zentrum der modernen Kunst in China gemausert und selbst der Beijing 798 Art Zone, bekannt durch die Kunstikone Ai Weiwei, den Rang abgelaufen. Maler, Bildhauer, Fotografen und Konzeptkünstler haben in Songzhuang Fabrikgelände in Ateliers umgewandelt und können hier von der Staatsmacht relativ unbehelligt arbeiten.

Ein wenig schüchtern steht Li Xiu Fang in ihrer Werkstatt, denn Besuch aus dem fernen Deutschland hat sie noch nie gehabt. So wirkt sie zwischen all den extravaganten Lampen, an denen sie gerade arbeitet, ein wenig verloren. Aus Guandu, der Hauptstadt der Provinz Yunnan, stamme sie und arbeite seit zehn Jahren als Künstlerin. Früher sei die Werkstatt Teil eines kleinen Bauernhofs gewesen, hinter dem Haus liegen noch heute Felder. Für ihre Kreationen verwendet sie viele Naturmaterialien, aber auch Kunststoff und Metall. Sie zeigt auf die gerade Daumennagelgroßen braunen Punkte auf den Lampenschirmen: „Das sind Jadeschmetterlinge, hauchzarte Samen, die im Herbst von jedem Windhauch wie Schmetterlinge über die nahen Felder getragen werden.“ Aber erst, wenn sie das Licht in ihren Lampen anschaltet, erwachen sie zum Leben. Dann erstrahlen sie in warmen Farben, werden zu fast magischen Kunstobjekten, die die Fantasie anregen. Gleich mitnehmen möchte man sie, doch fürs Handgepäck sind sie viel zu groß.

China, Songzhuang, Li Xiu Fang und ihre Lampen, Foto: C, Nowak

China, Songzhuang, Li Xiu Fang und ihre Lampen, Foto: C, Nowak

Songzhuang nennt sich Art Village – Künstlerdorf. Wer jedoch ein pittoreskes Dorf erwartet, wird enttäuscht. Der Ort, gut eine Autostunde östlich des Pekinger Zentrums, ist keine ländliche Idylle sondern eine Industriestadt mit 100.000 Einwohnern. Selbst der künstliche See mit seinen felsigen, nur von spärlichem Grün bewachsenen Ufern wirkt wie eine Industriebrache. Schnurgerade, trostlos und staubig zieht sich die von Industrieanlagen gesäumte Hauptstraße durch den Ort. Nur die vielen, teils meterhohen Skulpturen, die schon von der Straße auszumachen sind, lassen erahnen, welch kreatives Potential in den schmucklosen Lagerhallen und Bürogebäuden am Werke ist.

„Viel Platz, viel Ruhe, erschwingliche Mieten und wenig Kontrolle“ waren für Li Xiu Fang entscheidende Argumente, sich in Songzhuang niederzulassen. Mittlerweile fährt sie nur noch selten mit dem Bus nach Peking, für häufigere Besuche ist ihr der Millionenmoloch zu laut und zu hektisch.

Unbehelligt von der Staatsmacht

Seit Anfang der 1990er-Jahre zieht es Künstler nach Songzhuang und jedes Jahr kommen mehr. Viele auch aus der Beijing 798 Art Zone, wo auch der bekannteste chinesische Künstler Ai Weiwei lebt. Denn mittlerweile ist das ehemalige Fabrikgelände 798 trendgerecht saniert und Anlaufpunkt für Touristen und angesagte Galeristen. Vor allem Kunst teuer zu verkaufen statt Kunst zu produzieren, werfen deshalb immer mehr der Art Zone 798 vor. Ganz anders dagegen Songzhuang: Touristen verirren sich bis jetzt nur ganz selten hierher, dabei organisiert das Sunshine International Art Museum – immerhin eines der größten seiner Art in China – seit 2008 jedes Jahr mehrere hochkarätige Ausstellungen. Da größtenteils private Sponsoren die Finanzierung übernehmen, mischt sich der Staat nur selten ein.

China, Songzhuang, Künstler Wu Zhen Huan, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Künstler Wu Zhen Huan, Foto: C. Nowak

Li Xiu Fang und Wu Zhen Huan sind Nachbarn und Kollegen. Wus Gemälde sind groß – sehr groß, dementsprechend gleicht sein Atelier auch eher einer Lagerhalle. Eimerweise verteilt er schwarze Farbe auf weißen XXL-Leinwänden. Seine Werke kennt man mittlerweile auch außerhalb Chinas. Stolz erzählt er von Ausstellungen in Italien, England und Malaysia. „Moderne Kunst hat in China keine Tradition“, sagt er, „früher habe ich anders gemalt, gegenständlicher und farbiger.“ Mit seinen großformatigen Schwarz-Weiss-Orgien möchte er eine Verbindung zwischen chinesischer Tuschemalerei und westlicher Ölmalerei herstellen.

Ein wahrer Meister dieser klassischen Tuschemalerei ist Wang Tao, der ebenfalls sein Atelier in Songzhuang hat. Auch Wang Taos Werke sind Schwarz-Weiss-Kunstwerke, passen aber noch auf seinen großen Ateliertisch. Mit unglaublich ruhiger, aber erstaunlich flinker Hand setzt er die Pinselspitze auf das Papier. Zurück bleiben unzählige schwarze Striche, die sich schließlich zu Blättern, Ästen und Bäumen vor Bergen und Seen zusammenfügen.

China, Songzhuang, Künstler Wang Tao, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Künstler Wang Tao, Foto: C. Nowak

Es lohnt sich, in Songzhuang auf Entdeckungstour zu gehen, denn Li Xiu Fang, Wu Zhen Huan und Wang Tao sind nur drei von mittlerweile mehr als 2000 Künstlern, die in dem Ort leben und arbeiten.

Impressionen aus Songzhuang

China, Songzhuang, Sunshine Art Museum, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Sunshine Art Museum, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Skulpturen in der Stadt, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Skulpturen in der Stadt, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Skulpturen in der Stadt, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Skulpturen in der Stadt, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Skulpturen in der Stadt, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Skulpturen in der Stadt, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Skulpturen in der Stadt, Foto: C. Nowak

China, Songzhuang, Skulpturen in der Stadt, Foto: C. Nowak

Text und Fotos: Christian Nowak

Mehr über Songzhuang lesen Sie HIER

 

 

 

 

 

 

Österreich: Salzburg leicht verschneit

K1024_Altstadt_Salzburg_im_SchneeWer sich in Salzburg die stille Nacht wünscht, sollte noch vor der Weihnachstsaison koimmen, In der Zeit wo alle auf den Spuren von Franz Grubers „Stille Nacht“ Salzburg und die Umgebung nach einer Heiligen Atmosphäre absuchen, ist Stille wegen des hohen Andrangs nur schwer zu finden.

Blick vom Kapuzinerberg Salzburg cathedral in winter

Für stressgeplagte und eventmüde Besucher bietet das Kapuzinerkloster hoch oben auf dem Kapuzinerberg eine besondere Art der „inneren Einkehr“ an. Um sich ein Bild zu machen wie sich eine selbstauferlegte, bescheidene Auszeit anfühlt, lohnt es sich die steilen Stufen auf den Berg zu erklimmen. Die Anstrengung wird mit der grandiosen Aussicht belohnt.

Des weiteren empfehle ich an der Pforte den Klingelknopf zu drücken und nach Pater Karl zu fragen. Mit Sicherheit wird sich das Gespräch bezüglich Unterkunft anders entwickeln als mit einem Hotelportiere. Er strahlt die Ruhe aus, die man sich für sich selbst wünscht. Ohne anzupreisen erzählt er von den Einkehrtagen: Wir nennen sie „die Vater unser Tage“. Sie finden sieben mal statt im Jahr statt. Es gibt zehn Einzelzimmer. Geräumige Zellen mit Dusche und WC. Feste Preise gibt es nicht, Paterc Karl bittet, nach Selbsteinschätzung mit Spenden das Kloster zu unterstützen.Täglich nach dem entspannten Frühstück gibt es einen geistlichen Impuls aus dem Vater unser. Danach sollte man in einer stillen Zeit den eigenen Gedanken dazu, nachgehen. Nachmittags kann jeder ins Ambiente Salzburgs eintauchen, ganz wie es ihm gefällt. Die Gedanken vom Vormittag gehen dabei mit: Egal ob beim Schaufensterbummel, in einer Kirche, im Rummel der Touristen oder beim Wandern: die Impulse und Ideen aus dem Vater-Unser-begleiten. Am Abend gibt es die Möglichkeit zum Gedankenaustausch: Wie habe ich, wie haben die anderen den Tag erlebt? Was braucht es noch an diesem Abend?

Einen Tag im Pulverschnee

Bild 4Flachau_

Jeden Morgen fährt im Winter am Mirabellgarten der Snow Space Salzburg Ski-Shuttle ab und bringt die Gäste die eine Salzburgcard vorzeigen, innerhalb einer Stunde  zu den Pisten in Flachau. Mit an Bord der modernen Ski-Busse sind erfahrene und mehrsprachige Guides, die sich um die Organisation von Skipässen, Ausrüstung oder Kursen kümmern! Das Skigebiet verfügt über 120 bestens präparierte Pistenkilometer, modernste Lift- und Seilbahnanlagen, gemütliche Skihütten und flächendeckende Beschneiungsanlagen.

Mozart lebt!

 

K1024_Bild 5 Ronaldo Vilazon

Der Indenant Ronaldo Villazón gestaltet in den Jahre von 2019 bis 2023 das Programm.

In den kalten Winterwochen von Ende Januar bis Anfang Februar, schwingt er den Taktstock in Salzburg.„Meine intensive Reise mit Mozart begann eigentlich 2011, als ich meinen ersten Don Ottavio sang“, schwärmt Villazón.
Bei der Vorbereitung der Rolle hatte ich nicht nur die wunderbare Partitur im Blick, sondern begann, Mozarts Briefe zu lesen und bald zu verschlingen. Im ungefilterten Fluss seiner Gedanken gibt Mozart einen einzigartigen Blick in seine Seele frei: ein Genie, ein tiefernster Musiker und Denker, eine verspielte Seele. Mozart ist ein Mann der Aufklärung; Mozart ist auch ein liebenswerter Spaßvogel. Mozart ist tiefsinnig, reif und intelligent. Mozart ist zugleich verspielt, witzig und kindisch. Mozart ist so groß wie seine Unsterblichkeit und so nah bei uns wie die Liebe, die er für die Menschen empfand.Die Mozartwoche 2020 bietet rund 50 Veranstaltungen, darunter drei szenische Bühnenprojekte, eine konzertante Opernaufführung, Orchesterkonzerte, Kammermusik, Tanz und vieles mehr. „2020“, sot Villazón, „nähern wir uns auch den besonderen Freundschaften Mozarts an. Wir tauchen ein in Mozarts Welt. Dabei können wir all die wundervollen Schätze entdecken. Das weiß ich aus persönlicher Erfahrung.“

Veronika Zickendraht

 

 

 

 

 

 

Deutschland: Zur Friesengeistmeile nach Carolinensiel

IMG_9726-Friesengeistmeile 2017-C. NowakAlljährlich versucht das ostfriesische Carolinensiel im Rahmen des Wintermarktes die längste Friesengeistmeile der Welt noch ein Stück länger zu machen. Geboren aus einer Schnapsidee, ist die Veranstaltung mittlerweile Kult und lockt Neugierige aus ganz Deutschland an.

IMG_9807-Friesengeistmeile 2017-C. NowakOrtsbrandmeister Jens Fremy kennt auch im 12. Einsatzjahr kein Pardon: „För de Jugendfüerwehr is dat nix“, so der Ortsbrandmeister mit einem Augenzwinkern. Fremy setzt im ostfriesischen Carolinensiel beim wohl skurrilsten Feuerwehreinsatz der Republik zwischen Weihnachten und Silvester ganz auf bewährte Routine. Gestandene Frauen und Männer entsprechen eher seinem Anforderungsprofil für den Großeinsatz an der Friesengeistmeile am 29. Dezember. Bis es ans „Löschen“ geht, ist aber noch einiges zu tun. Zu beiden Seiten des historischen Hafens werden schmale Tischvorrichtungen aufgebaut, auf denen dann die Holzschuhe mit den Friesengeistgläsern abgestellt werden. Da – wie jedes Jahr – eine neue Weltrekordfriesenmeile erwartet wird, müssen es mehr als 131 m sein, denn dies ist der aktuelle Rekord.

IMG_9800-Friesengeistmeile 2017-C. NowakWas vor zwölf Jahren entstand, war im wahrsten Sinn des Wortes eine „Schnapsidee“. Damals war die „Meile“ nur gut 30 m lang, heute ist sie nicht nur deutlich länger, sondern auch Kult. Nicht nur langjährige Stammgäste, sondern auch neugierige Besucher aus ganz Deutschland möchten inzwischen aktiv dabei sein und Teil der Meile werden. Voraussetzung für das kultige Spektakel ist der Kauf eines Holzschuhs, in den entweder zwei oder sechs Gläser passen. Echte Friesengeistenthusiasten lassen sich auf ihrem Schuh natürlich jedes Jahr eine neue Gravur einbrennen.

IMG_9761-Friesengeistmeile 2017-C. NowakWenn es dunkel wird, stehen die Menschen dann dicht gedrängt an den langen Tischen und warten darauf, dass ihre Gläser mit Hochprozentigem gefüllt werden. So bleibt genug Zeit für ein Schwätzchen mit dem Nachbarn, alle sind gut drauf und es herrscht eine friedliche, fast mystische Stimmung. Gegen 18.30 Uhr brennt dann der Friesengeist in allen Gläsern, dann murmeln alle andächtig den obligatorischen Trinkspruch: „Wie Irrlicht im Moor, flackert´s empor, lösch aus, trink aus, genieße leise, auf echte Friesenweise, den Friesen zur Ehr, vom Friesengeist mehr.“ So ist es seit 50 Jahren in Friesland Tradition. Danach steht man noch ein wenig zusammen, plaudert mit dem Nachbarn, schlendert über den Wintermarkt oder geht in einem der Restaurants essen – und freut sich schon auf das nächste Jahr im winterlichen Carolinensiel, um Teil des neuen Rekords zu sein.

Die Legende vom Friesengeist

Jedes Restaurant und jede Kneipe in Ostfriesland hat Friesengeist auf der Karte. Wer einen bestellt, bekommt das Glas mit dem Hochprozentigen in einem Holzschuh serviert. Während die Bedienung den klaren Kräuterschnaps mit der streng geheimen Kräutermischung entzündet, muss sie den Trinkspruch aufsagen. Nur mit diesem Ritual ist der Genuss perfekt.

Erfunden hat den Friesengeist in den 1950er Jahren Johann Eschen, der damalige Inhaber des Hotels Friesenhof im Ort Wiesmoor. Angeblich hat er beim Torfstechen im Moor ein kleines Fass mit schwarzgebranntem Schnaps gefunden. Dessen Inhalt schmeckte ihm so vorzüglich, dass er jahrelang herumexperimentierte, bis er schließlich hinter das Geheimnis des Geschmacks und der Ingredienzien kam. Den edlen Tropfen schenkte er von nun an in seiner Gaststätte aus und nannte ihn anfangs „Geist vom Friesenhof“, später dann „Friesengeist“. Ob er sich den Fund des Fässchens nur ausgedacht hatte? Wenn ja, war es ein genialer Einfall, denn bald verkaufte er seinen Friesengeist auch außerhalb Ostfrieslands und sogar in Dänemark, Schweden, Frankreich und den Niederlanden.

Drei Häfen, eine Geschichte

IMG_9636-Friesengeistmeile 2017-C. NowakIn den meisten alten Sielhäfen entlang der ostfriesischen Küste ist im Winter wenig los, anders in Carolinensiel da ist Hochsaison, und das nicht nur wegen der Friesengeistmeile. Schon seit 25 Jahren schwimmt zur Adventszeit ein stattlicher Weihnachtsbaum auf einem Ponton im Museumshafen. Vor gut zehn Jahren beschloss man dann, vom ersten Adventswochenende bis ins Neue Jahr, Carolinensiel in ein Lichtermeer zu verwandeln. Vom Museumshafen über die zwei Kilometer lange Harle-Promenade bis zum Harlesiel wurden Bäume und Häuser mit Lichterketten geschmückt. Die stimmungsvolle Kulisse kann man seitdem besonders gut vom Wasser aus bei Glühwein und Grog an Bord des Raddampfers Concordia II erleben.

IMG_9511-Friesengeistmeile 2017-C. NowakMit dem Weihnachtsbaum kommt auch der Wintermarkt in den Museumshafen. Rund zwei Dutzend Buden reihen sich dann zu beiden Seiten des Wassers und tauchen den Hafen bei Dunkelheit in ein warmes Licht. Bratwurst, Fischbrötchen, Glühwein, Grog und Friesengeist sorgen für das leibliche Wohl. Fehlen dürfen natürlich auch die frisch ausgebackenen Prülkers nicht. Immer der Nase nach, dann kann man das ostfriesische Hefegebäck, das andernorts als Ochsenaugen, Broden Klüten oder Krapfen bekannt ist, nicht verfehlen.

IMG_9603-Friesengeistmeile 2017-C. NowakDer Museumshafen

Carolinensiel-Harlesiel ist wegen seiner drei Häfen einmalig an der Nordseeküste. Vom Außenhafen legen die Fähren zur Insel Wangerooge ab, nehmen die Krabbenkutter Kurs auf die Fanggründe und starten die Ausflugsschiffe zu den Seehundbänken. Landeinwärts an der Harle kommt man zum Jachthafen und zum Museumshafen, dem Schmuckstück der Stadt. Eingerahmt von typischen Friesenhäusern liegen hier zahlreiche historische Segelschiffe vor Anker, die von ihren Besitzern liebevoll in Schuss gehalten werden. Rund um den Alten Hafen befindet sich in drei Häusern das Deutsche Sielhafenmuseum. Im Groot Hus, einem ehemaligen Kornspeicher, erfährt man alles über Siele, Häfen, Deiche und Küstenfischerei, im Kapitänshaus geht es um das Leben an Land und in der Alten Pastorei über die teils längst vergessenen Handwerke, die nötig sind, um einen Sielhafen am Laufen zu halten.

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Text und Fotos: Christian Nowak

 

Simbabwe: Durchs Schlafzimmer der Elefanten

K1024_Elefanten am Wasserloch credit ImveloDas südafrikanische Simbabwe gehört zu den schönsten Ländern des Kontinents. Nach Ende der Mugabe-Herrschaft werden nun auch in Tourismus die Weichen für den Neustart gestellt.

Noch steht die Sonne tief am Horizont. Auf den Blättern der Akazien funkelt Morgentau. Vogelschreie dringen durch die nachtkühle Luft. Die Reifen unseres Jeeps pflügen sich durch den sandigen Boden. Mark Butcher, ein drahtiger Endfünfziger, mit sonnengegerbter Haut und schlohweißem Haar kutschiert uns im Safari-Jeep durchs Simbabwes größten Nationalpark. Bald schon lassen wir das Buschland hinter uns, fahren in ein Waldgebiet, wo Zambesi-Teak-Bäume ein dichtes Blätterdach bilden. „Willkommen im Schlafzimmer der Elefanten“, sagt Mark. Und tatsächlich dauert es nur ein paar Minuten, bis wir die ersten grauen Riesen sehen. Elefantenkühe und Jungtiere fächeln friedlich mit den Ohren, verleiben sich Zweige mit zartgrünem Laub ein, nehmen von uns kaum Notiz, obwohl wir nur ein paar Jeep-Längen entfernt vorüberfahren.K1024_Paviane

40 000 Elefanten

Dass heute rund 40 000 Elefanten im Hwange Nationalpark leben gibt und dass nur noch wenige Tiere Wilderern zum Opfer fallen, ist eine erfreuliche Entwicklung, zu der auch Mark Butcher beigetragen hat. „Als ich hier in den frühen 1990er Jahren als Ranger angefangen habe, ist mir klar geworden, dass sich Wilderei durch harte Strafen allein nicht in den Griff kriegen lässt. Elefanten werden eben ja nicht nur von Kriminellen erschossen, die Elfenbein verkaufen wollen“, sagt der weiße Simbabwer mit den wasserblauen Augen. „Wir leben hier in einem Land, in dem über 90 Prozent der Menschen keinen Arbeitsplatz haben, sondern als Selbstversorger von etwas Viehzucht und Ackerbau leben.“ Und genau das sei die Wurzel des Problems. „Denn wenn ein Löwe deine Ziege reißt, ein Elefant die Ernte zertrampelt, dann sind diese Tiere deine Feinde, die du tötest, weil deine Familie wegen dieser Tiere hungern muss.“K1024_Elefant1

Neue Perspektiven durch sanften Tourismus

Die Idee, dass sanfter Tourismus neue Perspektiven schaffen und so Wildtiere nachhaltig schützen könnte, ließ den jungen Ranger nicht mehr los. Viel Überzeugungsarbeit war nötig. „Vor über 20 Jahren wusste hier, im Ngamo-Land am Rande des Nationalparks, keiner, was Tourismus ist und schon gar nicht, welchen Nutzen er bringen könnte.“ Schließlich konnte Butcher Johnson Ncube, das damals noch junge Oberhaupt der Ngamo-Dörfer, für seinen Traum gewinnen.

K1024_Johnson Ncube

Der Dorfälteste Johnson Ncube

Auf Gemeindeland wurden mit Hilfe von Investoren einige luxuriöse Lodges gebaut. Imvelo nannte man das Projekt – in der Ngamo-Sprache heißt das Natur. Die Pacht kommt seither den Dorfbewohnern zugute. Auch die Gemeindeschule profitiert. Jugendliche wurden ausgebildet, verdienen heute als Ranger, Köche, Kellner und Reinigungskräfte ihr Geld. „Wenn ein Elefant ein Feld zertrampelt, dann ist das keine Katastrophe mehr“, sagt Johnson Ncube, der inzwischen 64-jährige „Älteste“ des Dorfes. „Im Notfall können wir Mais und Bohnen auch kaufen.“

K1024_giraffeEine ungetrübte Erfolgsstory ist die Imvelo-Geschichte nicht. Nach der gewaltsamen Enteignung weißer Farmer im Jahr 2000 haben viele Angehörige der kleinen weißen Minderheit das Land verlassen. Touristen, vor allem britische, blieben fern. Seitdem der despotische Dauerpräsident Mugabe 2017 abgesetzt wurde, herrscht Aufbruchstimmung. Die Buchungszahlen steigen wieder. Touristen können den Nationalpark jetzt sogar mit einem Nachtzug erreichen, der die spektakulären Viktoriawasserfälle im Norden Simbabwes mit dem Ngamo-Land verbindet. Die meiste Zeit aber gehört der Schienenstrang, der aus britischen Kolonialtagen stammt, immer noch den Pavianen. Die nehmen frühmorgens auf den Gleisen Platz, lassen sich von den ersten Sonnenstrahlen wärmen, pflegen sich gegenseitig mit Eifer und Hingabe das Fell.

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Susanne Kilimann, Imvelo (1)