Österreich: Gmunden – Kultur,Kunst und 76 Seen

Zicken gmunden

Im Salzkammergut kann man wahrlich gut lustig sein,….wie Rolf Benatzky die Wirtin in seiner Operette „im weißen Rössel am Wolfgangsee“ trällern lies. Sommerfrische mit prickelnder  Lebensqualität .Morgens Frühstück unterm Apfelbaum, tagsüber abtauchen im See und abends Konzert, Theater oder spritzige Lesung.

„See-hoping“, das ganze Salzkammergut ist eine Wellness Oase. 76 Seen mehr oder weniger warme Seen gibt es. Von glasklaren, gebirgsbachkalten bis pudelig warmen Moor-Seen. Beim Eintauchen spült sich der Stress weg. Wer ausdauernd schwimmt, fühlt, dass sie wahrlich Jungbrunnen sind.

1862 wurde Gmunden, das Herz der Lebenskunst, zur Kurstadt. 1872 überraschte der Salzburger Theaterdirektor Josef M. Kozian, genannt Kotzky, die Bürger der Stadt mit dem Bau eines Saisontheaters. Das prächtige Haus mit den intimen, plüschig-roten Logen und dem funkelnden Kristallleuchter wurde Mittelpunkt des Kulturgeschehens. Beschwingte Operetten erheiterten fortan die Kurgäste. Nestroys „Lumpazivagabundus“, Jaques Offenbachs „Zehn Mädchen und kein Mann“, was im Wiener Frühling Furore machte, erfreute im Sommer das Gmundner Provinzpublikum.

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Mit dem Dampfer unterwegs

Nicht nur der Wiener Hof erfrischte sich hier. Schauspieler, Sänger, Dichter und Musiker folgten ihren Mäzenen. Man lebte und liebte wie in den Operetten. Abends wurde schmalzig auf der Bühne besungen, was das „gute Sommer-Leben“ tagsüber hergab. Gmunden am Traunsee war mit seiner eleganten Seepromenade, den stimmungsvollen Weinlokalen und der guten Küche wie geschaffen für diese Szenerie.

Die Stadt galt als Kulturmekka. An der Flaniermeile am See zeigten die Damen der Gesellschaft ihre Luxusgardarobe. Ein mit Absicht verlorenes Spitzentüchlein konnte der Beginn einer Liebesaffäre sein. Die stimmungsvollen Weinlokale, in denen man sich näher kam, sind originalgetreu und auf die heutigen Gäste eingestellt. Die kulinarische Tradition von fangfrischen Seefischen über Semmelknödeln, Kaiserschmarrn und Apfelstrudeln wird von den Traunseewirte mit Stolz hochgehalten.

Tiefer Traunsee

Anspruchsvoll war man hier schon immer. Ob in Kultur, Küche oder kaltem Wasser. Der Traunsee, mit 191 Meter der tiefste See Österreichs, punktet mit „Tafelwasserqualität“. Übrigens schwamm die Gmunder Gesellschaft schon immer oben auf. Hier war der Sitz der Salzbörse, wurde gehandelt, was in den Salzbergwerken hart abgebaut wurde. Noch heute ist man so reich, dass man es sich erlauben kann, den Massentourismus an der Stadt vorbei zu leiten.

Zicken TraunseeKur stand für das, was man heute Wellness nennt. Man ließ sich Zeit. Kurte von der Apfelblüte bis zur Apfelernte. Diese lustvollen Jahre endeten jäh am 28. Juli 1914. Franz Joseph unterzeichnete in seiner kaiserlichen Villa in Bad Ischl (30km von Gmunden entfernt) die Kriegserklärung gegen Serbien. Von da an ging‘s bergab mit der Donau Monarchie.

Festspiele  am See

1987 entsannen sich zwei mutige Wiener (Johannes Jockel und Alfred Werner) der Festspiel-Tradition. Mit einer glanzvollen Operngala öffneten sie ein neues Kapitel der Gmundner Kultur. (www.festwochen-gmunden.at). Seither stehen allsommerlich an die hundert Aufführungen auf dem Programm, Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen… Dies alles auf internationalem Niveau. Kulturgenüsse, die selbst dem Kaiser geschmeichelt hätten. Heute kommen die Sponsoren aus der Industrie. Übrigens werden zu Vorstellungsbeginn – ganz im Stil der K.&K Monarchie – die Besucher im Foyer von der Intendantin Jutta Skokan persönlich willkommen geheißen.

Zickendraht Lesung im Schloss OrthDas Festwochenprogramm wird jedes Jahr neu gestaltet und mit überraschend sozialkritischen Lesungen gewürzt. Eine heftige Prise Salz lieferte der weltweit verehrte Literat Thomas Bernhard. Der österreichkritische Autor, für so manche ein „Nestbeschmutzer“, hat mit seinen bissigen Schriften und Theaterstücken bei etlichen Politikern für zornesrote Köpfe gesorgt. In seinem Wohnhaus, einem alten Vierkant-Bauernhof im Vorort Ohlsdorf, wo er von 1965 bis zu seinem Tod 1989 wirkte, liest man jedes Jahr vor ausverkauftem Haus (www.thomasbernhard.at).

Zickendraht Schloss OrthDas berühmteste Gebäude von Gmunden ist das 1626 erbauten Seeschloss Ort(h), das Wahrzeichen der Stadt. In ihm befinden sich eine bezaubernde Kapelle und das Standesamt. So manche Liebe wird hier besiegelt. Traumhochzeiten haben zurzeit Hochkonjunktur. Übrigens, die Fernsehserie „Schlosshotel Orth“ wurde von 1996 bis 2004 genau hier produziert. Auch in China strahlt man sie aus.

Noch ziehen aber die chinesischen Touristenströme vorüber ins 60 Kilometer entfernte Hallstatt, wo sie der „Magic-Place“ erwartet. Noch wird hier kein „Dirndl to go offeriert“ Trotzdem ist Gmunden ein Geheimtipp für kulturorientierte Genießer.

Text: Veronika Zickendraht, Fotos: Bernd Siegmund

Mehr Österreuch gibts u.a. hier:

Österreich: Die Rückkehr der Murmeltiere am Hochkönig

 

Armenien: Berge und Klöster zwischen Ararat und Kaukasus

1. Im Morgenlicht ein göttlicher Anblick - Kloster Chor Virap vor Armeniens heiligem Berg Ararat.Land der ersten Christenheit mit großer Geschichte – weit, leer und sagen wir ruhig: rückständig. Kostbare Klöster aber, tiefgläubige Menschen, schroffe Gebirgszüge, köstliche Küche und der jahrtausendealte Weinbau sind eine Reise wert.

Etschmiadsin ist das religiöse Zentrum Armeniens. Hier soll Christus mit einem goldenen Hammer Grigor dem Erleuchteten den Platz für den Bau der ersten Kirche gewiesen haben. Die Klosteranlage ist Sitz des Katholikos, ist der „Vatikan“ der armenisch-apostolischen Kirche. Aus aller Welt pilgern Armenier hierher. Die Sakralbauten sind Meisterwerke armenischer Baukunst und Weltkulturerbe.

Aus der Basilika der hl. Hripsime schwingt leise Chorgesang der Frauen und der in schwarzen Kutten verhüllten Mönche – der Katholikos feiert die Sonntagsmesse. Wandmalerei in gedeckten Farben, das Licht der Lüster, goldreflektiert, schaffen eine feierliche Lebendigkeit. Weihrauch durchwabert die Reihen der Gläubigen. Anstelle der Ikonostase hängt auf einer Bühne ein dunkelroter Samtvorhang.

5. Berührender Moment - sakraler Gesang in der hl. Hripsme-KircheArmenien, hochgelegen in grandioser Bergwelt, uralte Kulturlandschaft, in die sich mehr als 5000 Baudenkmäler schmiegen, südlich vom Kaukasus zwischen Georgien, der Türkei und Aserbaidschan, ist nicht größer als Brandenburg. Seine 3000-jährige Geschichte füllt Bibliotheken.

Die Hauptstadt Jerewan am Ufer des Hrazdan aus dem 8. Jh. v. Chr. ist eine der ältesten Städte der Welt. Der kleine orientalische Kern ist zu einer Millionenstadt mit betongrauen Satellitenvierteln angeschwollen. Von elf Millionen Armeniern weltweit leben nur drei im Mutterland, allein 1,4 Millionen hier.

7. Abendlicher Treffpunkt in Jerevan - die singenden Fontänen auf dem RepubliksplatzAm Busfenster ziehen die Gesichter der Stadt vorbei: Zarenreich, Sowjetzeit, Moderne. In gutem Deutsch erzählt Reiseleiter Aram: „Von 1920 an war Jerewan sowjetisch. Der Architekt Tamanjan baute es komplett um. Was schön war, Kirchen und Moscheen, persische Bäder, die Festung, ersetzte er durch neoklassizistische Gebäude aus rosa Tuffstein. Die typischen Flachdachhütten mit wunderschönen Torbögen, großen Fenstern und hölzernen Balkonen findet man nur noch in Seitengassen und in der Abovjanstraße“.

Am Abend ist die Stadt bunt und lebendig, voller Autos, rechts und links teure Designershops neonschrill erleuchtet. Der Maschtots-Boulevard erstrahlt in tausend Farben. Lau ist die Nacht, man trifft sich in den Straßencafés, Restaurants, Weinbars: junge Leute in schicken Klamotten mit ihren Kindern, die angesagte Künstlerszene, Männer und Frauen in Gruppen – wo Platz ist, wird der Nationalsport Schach gespielt. Ein Flair wie auf der Via Veneto in Rom. Getoppt wird der ganze Wahnsinn auf dem monumentalen Republiksplatz, dem Herzen der Stadt. Klassische Klänge im Rhythmus der ‚tanzenden Fontänen‘ im Springbrunnen vor der Gemäldegalerie wehen durch die Nacht.

17. Relikt aus Sowjetzeiten - der russische Bär als Kühlerfigur.Dann seht er da im Morgenlicht, 5165 Meter hoch, schneebedeckt: der Ararat! „Nur 30 Kilometer sind es bis zu unserem heiligen Berg, an dem die Arche Noah strandete – seit dem Genozid von 1915 für uns unerreichbar hinter der türkischen Grenze“, bedauert Aram.

Einsam am Fuße des Ararat das Kloster Chor Virap. Hier saß nach der Legende eingekerkert Grigor der Erleuchtete, bis sich König Trdat III. bekehren und taufen ließ. Der erhob – 79 Jahre vor Rom – im Jahre 301 das Christentum zur Staatsreligion. Die erste christliche Nation wurde gefestigt und vereint auch in gemeinsamer Schriftsprache, zu der Mönch Mesrop mit der Schaffung eines Alphabets um 404 und der Bibelübersetzung 433 den Grund legte.

12. Vollendete Baukunst - Gewölbe im Höhlenkloster Geghard.Einzigartig ist die Schnitz- und Steinmetzkunst im mittelalterlichen Felsenkloster Geghard oberhalb der Azat-Schlucht auf knapp 1800 Meter. Laut geht es hier an Wochenenden zu, es wimmelt von Händlern, Musikanten und Gläubigen. Täuflinge, Brautpaare, Opfertiere, alle wollen vom Priester gesegnet werden. Und bleibt doch ein Ort der Stille in den engen Mönchszellen tief im Berg und im Chorraum vor den Tier- und Wappenreliefs. Drinnen und außen stößt man auf gemeißelte Steinplatten, die aussehen wie bestickte Kissen. Um ihr Kreuz im Zentrum ranken sich Palme und Weinlaub, schnauben Löwe und Stier. Es sind Kreuzsteine, Chatschkare, Symbole armenischen Glaubens. Steinerne Geschichts- und Geschichtenbücher fürs Volk – manche sind Grabsteine, andere erzählen von Schlachten, unerwiderter Liebe oder sollen Unheil bannen. 35 000 gibt es im Land, Armenien ist steinreich!

10. Eine typisch armenisch gedeckte Mittagstafel.Nach dem Besuch des hellenistischen Mithras-Tempels an einer Basaltschlucht bei Garni, bewirtet uns in einem Dorf nah am Sewansee – zweitgrößter Hochgebirgssee der Welt – eine Familie armenisch gastfreundlich. Der lange Tisch ist mit Vorspeisen „beladen“: Salate aus blutroten Tomaten, gebratene Auberginen, Tolma, gefüllte Weinblätter, Lawasch, dies warme Fladenbrot, gefüllt mit würzigem Schafskäse. Zur Forelle aus dem See serviert man roten „Areni“, den ältesten Wein der Welt. Der Gastgeber spielt auf der Tuduk, der armenischen Flöte aus Aprikosenholz. Mit Melonen und einem Glas des hochgelobten Kognaks ‚Ararat‘ endet das Mahl. „Alles, was gut ist, heißt bei uns Ararat“, schmunzelt Aram.

Bilderbuchblick auf 1900 Meter über den Sewansee, „Armeniens Meer“: himmelblau vor schneebedeckten Bergen. Auf der Klosterhalbinsel dicht an dicht drei Kirchen aus dem 9. Jh. Harmonisch-schlicht die Architektur, unauffällig die Fassaden – im blauen Schimmer des Sees braucht’s kein Dekor! Prachtstück ist der Kreuzstein des Christus mit Mongolenaugen und langen Zöpfen.

11. Der griechisch anmutende Sonnentempel Garni.19. Beinahe am Ende der Welt - das gewaltige Kloster Haghpat war wichtig für die Entwicklung des Landes.Eintönig fährt es sich zwischen kargen, farblosen Bergen. „Hinter dem Tunnel ist unsere Schweiz mit Laub- und Kieferwäldern“, verspricht Aram. Zum Lunch treffen wir eine Familie der Molokaner, spiritueller Christen russischer Abstammung, die ähnlich wie die „Amish People“ in den USA ein isoliertes, autarkes Leben führen. Aufgetischt sind gefüllte Teigtaschen, Borschtsch, Blinis, Tee aus dem Samovar.

Die „Klösterstraße“ führt entlang der wilden Solaket-Schlucht durch die fast baumlose, kaukasische Nori-Region, eine offene Ebene mit Schafen, Kühen und Cannabis-Feldern. Auf den Hochplateaus entstanden zwischen dem 10. und 13. Jh. unzählige Klöster, in denen in abgeschiedener Ruhe auch die Geschichte des Landes aufgeschrieben wurde. Und, wie im ganzen Land, Kreuzkuppelkirchen mit Rundbögen über den Fenstern und einem Vorraum, dem Gavith. Kaum Wandmalereien, dafür umso reichere Reliefs in Stein.

Wir sind am Ende der Welt. Bartgeier mit 2,80 Metern Spannweite kreisen über dem gewaltigen Debed-Canyon und über der Rauchsäule der Kupfermine. Wer die Klöster Haghbat und Akhtala erreichen möchte, muss zu Fuß einen steilen Geröllpfad hinauf.  Akhtala besticht mit Fresken aus dem 13. Jh., riesige Figuren auf knallblauem Fond – beste byzantinische Kunst weit weg von Byzanz.

21a. Gigantische byzantinische Freskenkunst in der Muttergotteskirche von Achthala.Mit „Kenaz“ prosten die Armenier zum Abschied. In Erinnerung bleibt das bunte, uralte, heilige Armenien.

Text und Fotos: Katharina Büttel

 

Israel: Eine gar nicht klassische Rundreise – Gay-Bars und Kippa-Träger

K1024_israel stickerBei meiner Sitznachbarin im Flieger lag ich völlig daneben, als ich über ihren Beruf nachdachte. „Ich wünsche mir, dass du etwas Gutes über Israel schreibst. Bitte!“ Die Augen von Or, einer 19-jährigen Israelin, funkeln, als sie im Flugzeug nach Tel Aviv diese Bitte ausspricht. Or, eine zarte Gestalt, der die Haare bis über den Po reichen, leistet zur Zeit ihren Militärdienst ab.  „Vorher dachte ich, es wäre schrecklich, aber jetzt gefällt die Arbeit mir wirklich gut“, gibt sie zu verstehen. Natürlich kennt sie die Geschichten, die im Ausland über Israel geschrieben werden. Und eine Reise nach Israel ist für Deutsche noch immer vorurteilsbeladen und belastend.K1024_Soldatinnen Jerusalem

Stressig am Flughafen, entspannt in Tel Aviv

Eine Reise nach Israel ist immer eine besondere Reise. Schon die dreimalige Kontrolle des Handgepäcks am Flughafen in Deutschland, bei der der Beamte sogar jede einzelne Seite eines mitgebrachten Buches umblättert, weist auf besondere Umstände hin. Tel Aviv dagegen ist mindestens so entspannt wie Berlin. Religiös gekleidete Juden sind kaum zu sehen, die Strandpromenade wird von einem Heer von Joggern in Anspruch genommen. Touristen gehen gerne nach Old Yafo, wie Jaffa bei Einheimischen heißt. Galerien, Läden und Cafés haben das alte Quartier am Ende des langen Sandstrandes besetzt, das von Napoleon 1799 zerstört wurde und dann von den Türken wieder aufgebaut wurde. Hier hat Ilana Goor ihr Haus, das sie schon seit längerem zum Museum ausgebaut hat. Man könnte es ein Gesamtkunstwerk nennen – neben den Bildern, Skulpturen, Fotografien, Antiquitäten und Objekten, die sie in allen Räumen und auf der großen Dachterrasse ausgestellt hat, finden sich auch zahlreiche Installationen im Dalí-Stil. „Man mag es kaum glauben, aber bevor ich das Haus hier kaufte, stand es 30 Jahre leer“, erzählt Ilana, immer noch erstaunt. In den 80er Jahren war Jaffa ein schmutziges, kriminelles Viertel – niemand wollte dort auch nur einen Fuß hinsetzen. Wie oft, kamen Künstler, weil es so billig war, und markierten den Beginn einer Veränderung. Goor ist heute in Israel eine Berühmtheit, sogar Benjamin Netanyahu stattete sein Haus mit ihren Kunstwerken aus. „Er musste dafür aber wie jeder andere auch bezahlen“, fügt Ilana an. Das war ihr wichtig.
Tel Aviv ist richtungweisend, was internationale Trends angeht. Einat Rotfus liebt „ihr“ Tel Aviv. „In Jerusalem, Bethlehem oder Jericho mag es mehr Geschichte geben, aber wen interessiert das?“ Die 38-jährige genießt das Nachtleben der Stadt, das sich vor allem um den Rothschild-Boulevard herum abspielt. Viel Zeit hat sie nicht, denn sie ist die Gründerin des Verbandes der Modedesigner Israels und die Managerin der „Minicards“, einem Kartensystem für Gewerbetreibende. Es gibt Clubs für jeden Geschmack: im „22“ kostet alles 22 Shekel, deshalb ist es immer voll. „Polly“ hat sich in einer alten Bankfiliale eingenistet, und im Tresorkeller kann man einen Drink nehmen, wenn es oben zu voll wird. IMG_3541Im „Evita“ läuft die beste Musik, die Bar wird von Schwulen betrieben, während im „Solo“ zu Hip Hop wie in New York getanzt wird. Tagsüber zieht der Rothschild-Boulevard die Besucher vor allem wegen der Bauhaus-Architektur an. Viele Häuser sind allerdings dem Verfall nahe, einige auch besetzt. Insgesamt hat Tel Aviv rund 4000 weiße Häuser im Bauhaus – Stil! Nun bemüht sich die Stadtverwaltung, wenigstens 1000 von ihnen vor dem Verfall zu retten. Ein altes, leerstehendes Kino im Bauhaus-Stil der 30er Jahre wurde sogar zum Hotel umgebaut, es steht am Dizengoff Square.

Taufe im braunen Nass

Israel hat viel zu bieten für ganz unterschiedliche Zielgruppen. Eine ganz andere Art von Touristen sieht man dagegen am Qasr el Yahud, der Taufstelle am Jordan, an der Johannes der Täufer einstmals wirkte.

IMG_3404Eine russische Reisegruppe, gekleidet in weiße Gewänder, die man hier kaufen kann, taucht nacheinander in das braune Nass. Der Jordan ist an dieser Stelle nicht tief und nur wenige Meter breit. Gleichzeitig verläuft hier auch die Grenze zwischen Israel und Jordanien. Zwei sehr junge israelische Soldaten mit Maschinengewehren beobachten die Szene, auf der anderen Flussseite stehen ihre jordanischen Kollegen. Business as usual. Wer zum ersten Mal nach Israel reist und jene Stellen aus der Bibel kennt, ist vielleicht etwas enttäuscht, diesen Ort so zu sehen. Von Anspannung ist jedoch keine Spur, eine eher schläfrige Hitze liegt über der Szenerie.

Kippa und Handy

Auch Nazareth, die Geburtsstadt von Jesus, liegt friedlich da. Heute ist sie mit 60.000 Einwohnern die größte arabische Stadt in Israel. In der Josefskirche ist eine Grotte mit einem Quell, in der die heilige Familie einst genächtigt haben soll. Ziel der meisten Pilger ist die Verkündigungskirche, die erst im Jahr 1966 gebaut worden ist und ebenfalls eine Grotte hat. Architektonisch enttäuscht sie allerdings, und das liegt nicht nur am Baujahr.
DAS Ziel der Pilger ist jedoch Jerusalem, wo sich die Religionsgeschichte dreier großer Religionen kreuzt wie sonst nirgends.

IMG_3482Hier sieht man religiös gekleidete Juden mit Kippa und Schläfenlocken am Handy telefonieren. An der Grabeskirche, die von nicht weniger als 6 Religionen verwaltet wird, zieht sich eine lange Menschenschlange durch das Kirchenschiff, man wartet auf Einlass zum heiligen Grab. Ruth Holtzman, eine 66-jährige Jüdin, die Gäste durch Jerusalem führt, hat Verständnis, wenn man sich hier nicht anstellen möchte.

Meze bis zum Abwinken

Ihr Restaurantvorschlag ist ungewöhnlich. Statt in Jerusalem zu essen, führt sie uns hinaus aus der Stadt in ein „Schnellrestaurant“, in dem der Tisch so lange mit neuen Schälchen mit den köstlichsten Meze vollgestellt wird, bis auch der letzte satt ist. Eine Speisekarte gibt es nur auf hebräisch – da man jedoch eine geringe Pauschale für das Essen bezahlt, ist diese auch nicht mehr wichtig. Alkohol wird hier allerdings nicht serviert.
Dass die Reise durch ein Land führt, das andauernd wegen Bombenanschlägen, Hamas-Terroristen und kriegerischen Auseinandersetzungen in den Nachrichten ist, haben wir unterdessen völlig vergessen. Auch an den restlichen Orten der Rundreise, am Toten Meer, in Haifa, Magdala, Tiberias, Massada und Capernaum, ist die Stimmung absolut friedlich. Nicht einmal ein Panzer ist auf der Landstraße zu sehen.

IMG_3432Ein Gastbeitrag  von Dirk Engelhardt, der den Blog www.dergutereisende.com betreibt

Fotos: Dirk Engelhardt (4), Rasso Knoller (2)

Kanada: Zum Biertrinken nach Edmonton

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Sonnenaufgang über Edmonton

Eine Gesetzesänderung hat Edmonton zu einem Lieblingsreiseziel für Biertrinker gemacht.   

Edmonton, die Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta, kennen hierzulande vor allem Eishockeyfans. Bei den dortigen Oilers hat nicht nur NHL-Legende Wayne Gretzky, der bekannteste und vermutlich beste Spieler aller Zeiten gespielt, aktuell steht auch der deutsche Spitzenspieler Leon Draisaitl bei den Kanadiern unter Vertag.

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Kult für Hockeyfans – Rogers Place, die Halle der Oilers

Die Art Gallery of Alberta gehört zu den wichtigen Museen des Landes und ist wegen ihrer wegweisenden Architektur im Stil der Brutalismus Besuchsziel für so manchen Architekten, das Flusstal von Edmonton bietet die größte innerstädtische Parkfläche aller kanadischen Städte und die West Edmonton Mall zählt zu den größten Einkaufszentren der Welt. Und halt – auch eines der bedeutendsten Rodeos Nordamerikas findet in der Hauptstad Albertas statt.

Hippster am Braukessel  

Doch jetzt gibt es einen viel besseren Grund die Stadt zu besuchen – ihre Kneipen und Mikrobrauereien. Vor einigen Jahren setzte das Provinzparlament ein Gesetz außer Kraft, das Brauereien bis dahin eine Mindestproduktionsmenge verordnete. Sinn hatte das Gesetz keinen, außer dass es  Großbrauereien vor der Konkurrenz der Kleinen schützte. Seit einigen Jahren darf nun jeder sein eigenes Bier brauen. Wie viel oder wie wenig auch immer.

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Chefbrauer Brandon Smith

Das hat Leute wie Brandon Smith an den Braukessel gelockt. Der junge Mann mit Zopf und Hippsterbart ist seit eineinhalb Jahren Chefbrauer bei Situation Brewing, einer der vielen lokalen Mikrobrauereien. Beigebracht hat sich Smith seine Braukünste selbst, vor fünf Jahren hat er als Hobbybrauer angefangen. Damals war er noch bei einer Helikopterfirma angestellt. „Dass ich damals so viel unterwegs war, hat meiner damaligen Beziehung nicht gut getan“ sagt er und erzählt weiter, dass er jetzt „beziehungsfreundlich“ nur zwei Blocks von seiner Arbeitsstelle entfernt wohnt. „Frau Lisa“ ist aber nicht der Name seiner neuen Freundin, sondern der des beliebtesten Bieres auf der Karte von Situation Brewing.

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Situation Brewing: Bier in allen Farben

Wem Lisa, ein eher klassisches „Vienna Style Lager“, nicht schmeckt, hat noch viele weitere Sorten zur Auswahl, u.a. in den Geschmacksrichtungen grüner Tee, Lavendel oder Pomeranze.

Leichte Küche statt Chips

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Biera: Der Name ist Programm

Im Biera, einer anderen Microbrewery,  steht Christine Sandford in der Küche. Ihr ist wichtig, dass das Essen mit dem Bier harmoniert – deshalb  stimmt sie die Speiskarte auf die Getränkeliste ab. Trotzdem sind die typischen Bierbegleiter wie Chips, Würstchen oder fette Rippchen für sie tabu – leichte Küche und Bier stehen für die resolute blonde Mitdreißigerin nicht im Widerspruch.
Yellowhead Brewing, Town Square Brewing, Brewster Brewing, Two Sergeants Brewing – die Liste der Mikrobrauereien in Edmonton ist lang. Auch die Zahl der Kneipen nimmt beständig zu. Besonders im Stadtteil Old Strathcona rund um die Whyte Avenue hat sich eine ganz neue Restaurantszene entwickelt. Edmonton kommt – und das nicht nur im Eishockey.

Text und Fotos: Rasso Knoller

Schweiz: Rhätische Bahn: Halt auf Verlangen!

K1024_Bernina Express (2)144 Kilometer nur sind es vom schweizerischen Chur ins italienische Tirano. Für die Hochgebirgsfahrt durch 55 Tunnel und über 196 Brücken benötigt der Bernina-Express volle vier Stunden. Und bietet ein grandioses Seh-Vergnügen!

K1024_Bernina Express (30)Die Reise zum Thema Rhätische Bahn ist auf die Minute genau geplant. Militärisch knapp kommen die Anweisungen per E-Mail. Zürich Hbf an: 11.59. Zürich Hbf ab: 12.07. Chur an: 13.22. Und wirklich… Bei Einfahrt des Zuges in den Bahnhof springt der Minutenzeiger in sekundengenauer Arbeitserfüllung auf die zweiundzwanzig. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte man wahrscheinlich sofort die Uhr ausgewechselt. Auf die Idee, der Zug könnte sich verspätet haben, kommt kein Schweizer. „Bei uns“, sagt Michael Christ, der Marketing-Chef von Chur-Tourismus, „kann man die Uhr nach dem Zug stellen.“ Er ist, wie alle Eidgenossen, stolz auf die helvetische Eisenbahn.

K1024_Chur (9)Wir sind in Chur. Die schöne Bischofsstadt residiert am Fuße imposanter Berggipfel. Sie hat 37 106 Einwohner, davon sind 21 930 steuerpflichtig und 7 372 Ausländer. Von denen die meisten auch steuerpflichtig sind. Offensichtlich lebt man gut in Chur. Im verkehrsberuhigten Zentrum gibt es schöne Cafés, Buchläden, Juweliere, Weinlokale, die Sonne sitzt vergnügt auf den Dächern der alten Häuser und taucht so manch kleine städtische Unvollkommenheit in mildes, warmes Licht. Mit über 5000 Jahren auf dem „Buckel“ ist Chur die älteste Stadt der Schweiz. Doch sie wirkt frisch und temperamentvoll. Vielleicht liegt das auch an den vielen modernen Kunstobjekten, die auf den Straßen und Plätzen der Innenstadt überraschen. Sie sind ein magischer Gegenpol zum Alter. Aber Chur ist nicht nur alt und liebenswert, Chur ist auch Verwaltungszentrum des Kantons Graubünden. Und Hauptsitz einer roten rollenden Schmalspur-Legende, der Rhätischen Bahn.

K1024_Chur (13)Von hier streben die Gleise in alle Himmelsrichtungen. Westwärts geht es durch das Felsentor des Vorderrheins nach Disentis, nördlich bis Landquart, in den Osten nach Arosa, Kloster oder Davos, südlich durch den Albula-Tunnel ins Engadin. Und über den Bernina-Pass hinab ins italienische Veltin. Soweit aber wollen wir nicht. Wir wollen nur von Chur nach Tirano. Viele Eisenbahn-Liebhaber halten diese Strecke für die schönste der Welt.

Die Reise beginnt am nächsten Morgen. Planmäßig! Chur ab: 08.32 Bernina Express. Tirano an: 12.45. Dazwischen liegen kühne Viadukte, Bergseen und Gletscher, tiefe Schluchten und schroffe Felswände, Dorfstraßen, wichtige Bahnhöfe und einsame Haltepunkte, an denen der Bernina Express auf ganz persönlichen Wunsch einer einzelnen Person seine Fahrt stoppt. Für Herrn Müller. Oder Frau Hagedorn. „Halt auf Verlangen“ nennt sich dieser Service, der oft wahrgenommen wird, um von hier aus durchs Gebirge zu wandern, in die Berge zu kraxeln oder ein kleines Kirchlein zu besuchen, dass eine Stunde Fußmarsch von der Bahn entfernt liegt, und einen Zwischenstopp wert ist. Mal wird der Halteknopf gedrückt, mal nicht. Diese Ungewissheit ist natürlich im Fahrplan eingepreist, der Bernina Express wird deswegen nie unpünktlich sein. Hoffentlich!

K1024_Bernina Express (42)Denn schnell ist er nicht gerade. Kein Wunder bei dieser atemberaubenden Gebirgslandschaft. Schade eigentlich, dass man im Zug sitzt, von innen nach außen gucken muss. Sicher wäre es bei einigen Passagen interessanter, von außen zu beobachten, mit welcher Fitness, mit welchem Mut sich der rote Bernina Express im Hochgebirge bewegt. In engen Schleifen geht es den Berg hinauf, durch schroffe Täler und Trassen, die an steile Felswände geklebt sind. Kurz bevor der Zug die Station Filisur erreicht, drängen sich die Fahrgäste schon an den Panoramafenstern. Was es jetzt zu sehen gibt, ist einmalig. Der unmittelbar an eine senkrechte Felswand gebaute Viadukt über die 65 m tiefe Landwasserschlucht.

K1024_Bernina Express (26)Kaum hat man Zeit, einen Blick in den schwindelerregenden Abgrund zu werfen, da ist der Bernina Express auch schon im Tunnel verschwunden. 1901/02 wurde diese architektonische Sensation gebaut. Ohne Gerüst! Nur mit zwei Kränen. Was Mut zum Risiko, Bautechnik und Linienführung anbelangt, macht den Schweizern keiner etwas vor. Die Trasse über den Bernina-Pass wurde 2008 von der UNESCO als Welterbe anerkannt.

K1024_Poschiavo (26)Nach so viel Aufregung ist es schön, am Ende des Tages in Poschiavo aussteigen zu dürfen. Nicht nur am Stand der Sonne merkt man, dass sich hier etwas verändert hat, die Schweiz ist italienisch geworden. Der warmherzige Ort Poschiavo hat 3 500 Einwohner, 5 Bäckereien, 4 Metzgereien, 1 Bierbrauer, 1 Spaghetti-Fabrik, 5 Weinproduzenten, 1 Schwimmbad, 1 Spital, 3 Coiffeure, 3 Allgemein-Mediziner, das ehrwürdige Hotel Albrici à la Poste und mit Wolfgang Hildesheimer (1916-1991) einen bekannten deutschen Dichter, der hier seine Heimat gefunden hat. Und sein Grab. 30 Jahre hat er in Poschiavo gelebt, 1982 wurde er Ehrenbürger. Was ihm hier besonders gefallen hat? „Das hier das Kleinkarierte, Spießbürgerliche, Engherzige fehlt, das Hosenträgerische, Hemdsärmlige.“

Text und Fotos: Bernd Siegmund

Mehr Graubünden gibt es hier.

Uruguay: Unbekanntes Weinparadies

K1024_dardanelli 3Der Tannat gilt als einer der besten Weine der Welt. Und nicht nur der ist einer der Vorzüge Uruguays

Das Netz wimmelt nur so von „Geheimtipps“. Berechtigt sind sie etwa, wenn Länder oder Regionen im Fokus stehen, die der Aufmerksamkeit des Massentourismus bisher entgangen sind. Das ist bei Uruguay der Fall, dem kleinsten spanisch-sprachigen Land Südamerikas. Es ist nur ein Drittel so groß wie Deutschland und hat mit 3,5 Millionen Einwohnern gerade mal so viele wie Berlin. Von den knapp 3 Mio. Touristen, die 2016 Uru­guay besuchten, kamen rund 82 Prozent aus den Nachbarländern Ar­gen­tinien und Brasilien. Überwiegend die Reichen und Schönen dieser Länder zog es bislang an die Jetset-Strände von Punta del Este, Rocha und Maldonado. Denn so manche Prominenten haben hier, sicherer als zuhause, ihr Geld in „Betongold“ investiert und damit einen Luxus-Im­mobilien-Boom in der „politischen Oase“ Südamerikas ausgelöst. Insider wissen: Nur wenige Länder des lateinamerikanischen Kontinents sind so stabil und demokratisch wie Uruguay.

K1024_Punta del Este in der Bucht von Maldonado_Foto_Ministero de Turismo_Departamento_MaldonadoAber nun sollen mehr und andere Besucher kommen, Urlauber, die nicht nur Luxus, sondern auch Tango, Tannat und Tiere lieben. Gäste aus Europa, dem Kontinent vieler uruguayischer Einwanderer. Nur die Kleinigkeit von 12 Flugstunden (ab Madrid) müssen sie auf sich nehmen, um eine angenehme Gegend zu erreichen, die vor allem eines ist – sehr sicher: Geringe Kriminalitätsrate, grundsolide politische Lage, keine Terroristen, vergleichsweise positive Menschenrechts­Situation, die Uruguay schon seit mehreren Jahren auf die Liste der ethisch empfehlenswerten Länder gebracht hat.

Natürlich hat Uruguay noch mehr zu bieten als Sicherheit und Strände. Der Tourist von heute will etwas erleben – vor allem etwas, das andere noch nicht erlebt haben. Weil es nun einmal so wichtig ist, von seinen touristischen Abenteuern zu Hause erzählen zu können. Das ist heute, in der der „Urlaub“ oder das „Reisen“ immer zentraler für das Leben der mehr oder weniger wohlhabenden Europäer geworden ist, mindestens das Zweitwichtigste.

Seehundkolonien_Punta del Este 36ministerio_de_turismo_Departamento_MaldonadoAlso, was hat nun Uruguay zu bieten? Sandboarding in Dünen und Segeln in einsamen Windsurf-Lagunen. Robben-Beobachtung, Reiten mit Gauchos, also ruralen Tourismus, viel Ruhe in kolonialen Fincas und fein-gestalteten Boutique-Hotels. Rinder in großer Freiheit auf saftigen Savannen-Weiden. Elektrizität zu 90 Prozent aus erneuerbaren Energien. Das in Apotheken unter bestimmten Einschränkungen erhältliche Marihuana lassen wir mal weg, um keine falsche Hoffnungen zu wecken.

Ein weiteres Attribut des kleinen Landes: Kurze Entfernungen, koloniale Vergangenheit und eine große kulturelle Vielfalt, die sich unter anderem in Tango und Tannat manifestiert. Tannat? Ja, diese Traube, die 1870 von baskischen Weinbauern eingeführt, zwischen­zeitlich vergessen und in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts von einigen ambitionierten, kreativen, uruguayischen Winzern wie­der ans önologische Tageslicht geholt wurde.

descarga (1)Auch wenn hier er­staunlich viele andere Sorten – Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Syrah – angebaut werden – die Tannat-Traube hat bei den Rotweinen einen absoluten Son­der­status. Sie zaubert jedem Winzer in Uruguay sofort einen Glanz in die Augen. So auch dem jungen Önologen Juan Andrés Marishal (37). „Tannat-Trauben“, sagt er verschmitzt und stolz, „haben ein Geheimnis! Ihr hoher Anteil von Antioxidantien erhält einen gesund und jung. Das macht den Tannat-Wein zu einem der gesündesten Rotweine der Welt.“

Juan läßtl keinen Zweifel daran, dass er diesen kräf­tigen, samtigen, rubinroten Rotwein für einen unverzichtbaren Jung­brunnen-Tropfen hält. Doch der junge Unter­neh­mer steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Seine Familie italie­nischer Abstammung baut bereits in der vierten Generation Wein in der Region Canelones an.  Praktisch ist, dass die hoch gelobte Tannat-Traube in Uruguay sehr guten Boden und gute Lagen vorfindet, um sich auszubreiten. Weinliebhaber können hier noch echte Entdeckungen machen.

K1024_foto molinoDoch erst seit rund zehn Jahren ist der Tannat allgemein in den lokalen Bodegas präsent. Und das in einem Land, in dem der Uruguayer auf vieles, wenn es sein muss, verzichtet, aber nie auf sein Gläschen Roten zum immer hervorragend gebratenen Rindfleisch!

Seine Winzerkollegin Analia Lazaneo kennt den Grund: „Wir dachten, wir sind vielleicht die größten Fußballer der Welt. Aber die besten Weinkenner?“ Die Winzerin, die mit ihrer Geschäftspartnerin Va­len­tina Gatti  seit 2007 das kleine Gut „Artesana“ mit preisgekrönten Weinen betreibt, lächelt und schweigt einen Moment. Lange hat es gedauert, bis ihr Engagement gefruchtet hat, mit Unterstützung eines amerikanischen Investors und der uruguayischen Regierung, den Tannat ins Bewusstsein der Einheimischen  zu bringen.

K1024_22022_584527204898140_1525221853_nDann sagt sie fast amüsiert: „Um ehrlich zu sein: Lange kauften die meisten ihren Wein im Supermarkt. Was auf dem Etikett stand, war relativ egal. Es war eben Rotwein. Oder Weißwein. Oder Schaumwein. Punkt. Bis vor einer Dekade gab es keine Bodegas in Uruguay! Heute haben wir rund 200. Damals pflegten wir keine Weinkultur. Der Durchschnittsbürger ging nicht in Weinfach­geschäfte, um schöne Tropfen für seine Freunde zu besorgen. Und es war ihm völlig unbekannt, den Reiz eines neuen Weins zu ent­decken.“

Das hat sich sehr geändert. Als Repräsentantin der „Asociación del Turismo enologico del Uruguay“ hat Analia, zusammen mit 15 weiteren, engagierten Winzern, vor zwei Jahren die ersten „Wein­straßen“ (los caminos del vino de Uruguay) ins Leben gerufen. Es folgten, zunächst als Pilotprojekte, Festivals, die die Idee trugen, Wein, Tourismus und Film zu kombinieren. Kino-Leinwände wurden im Freien zwischen Weinfeldern aufgestellt. Für acht US$ gab es bei solchen Festivals zum Open-Air-Kinoticket auch ein Glas Wein inklusive. Der rubinrote, tiefgründige Tannat, neuartig für viele Gau­men, schmeckte. Das bedruckte Festival-Glas durften die Wein-Cineasten behalten.

K1024_dardanelli-1Die Marketing-Idee ging allmählich auf: Immer mehr Gäste kamen zu den Festivals wieder, brachten ihre Freunde mit. Sie begannen, sich für die kleinen Hersteller zu interessieren, machten bei ihnen Termine zur Weinprobe aus. Nach und nach buchten sie Wein und Bodega-Räume, auch für Besuchergruppen, Familienfeste und Hochzeiten. Analia: „Heute leben wir davon, dass neben Einheimischen auch Urlauber aus Nachbarländern bei uns probieren und kaufen. Wir freuen uns sehr, unseren Wein über den Tourismus zu verkaufen.“ Damit das so bleibt, bekommen Lazaneo und Gatti seit diesem Jahr, wie andere lokale Winzer, auf Messen auch die offizielle Unterstützung des uruguayischen Weininstituts INAVI (Instituto Nacional de Vitivinicultura).

Unterstützung kann das winzige Weingut aus Canelones gut gebrauchen. Denn an massenhaftem Industriebetrieb sind die beiden Winzerfrauen trotz ihrer Erfolgsweine „Zinfandel 2015, Las Brujas“, dem „Tannat Rosé 2015“ (7 USD – ein tolles Preis-Leistungsverhältnis!) und dem „Tannat-Merlot 2012“ nicht interessiert. Um das “Kunst­handwerk” geht es schließlich, wie der Firmenname Artesana sagt. Auf etwa 8,5 Hektar Anbaufläche erzeugen sie jährlich 24 Mio. Flaschen, übrigens auch Merlot und Zinfandel. Das ist ein Weingut auf dem ein wunderbar entspanntes und entspannendes Klima herrscht. Man hat hier noch viel Zeit für den Kunden und stets sprudelnde Ideen. (Wer diese kennenlernen möchte, möge sich rechtzeitig anmelden, damit die Önologinnen ganz für den Gast da sein können.)

Die meisten Weingüter Uruguays liegen in den Provinzen im Süden und im Südosten. Hier herrscht ein mildes mediterranes Klima, wie einst im Baskenland. Das gilt vor allem für den größten Teil der Rebfläche am Mündungsgebiet des Rio de la Plata in den distritos (Distrikten) Canelones, San José und Montevideo. Eine individuelle Vermarktung eines jeden Bodega-Angebots wäre vielleicht spannend. Sinnvoller ist es aber, die Anstrengungen zu bündeln. Das geschieht eben mit dem uruguayischen Weininstitut INAVI, das nicht zuletzt dafür sorgt, dass die Winzer auf den wichtigen europäischen Weinmessen vertreten sein können.

K1024_DSC01275Chef von INAVI ist Juan Marichal. Trotz seines eigentlichen Jobs, des Verkaufs und Vertriebs von eigenen Weinen als Marketingverantwortlicher im Familienbetrieb schafft er diesen Zusatzjob mit bewundernswertem Engagement. Gut, dass sein Bruder Alejandro die Aufsicht über die Produktion und seine Mutter die Büroarbeit übernommen hat, der Vater mit einem Freund auf den Weinfeldern arbeitet und Großmutter Maria Teresa, genannt Teresita, immer für alle „sehr köstlich kocht“, wie Juan es herausstellt.

Auf den Visitenkarten und Prospekten eines anderen Traditions-Weinguts, der Bodega Carrau, liest man “desde 1752” (seit 1752). Damals kam der katalanische Fischer Don Francisco Carrau Vehils ins Land und seitdem existiert dieser älteste aller uruguayischen Weinhersteller nur 15 Autominuten vom Zentrum Montevideos entfernt. 265 Jahre Tradition, das ist schon was. Und nach wie vor ist die Winzerei zu 100 Prozent im Besitz der Familie. Besonders zu empfehlen: Der Gran Reserva Tannat “Amat” – der Name ist übrigens ein liebevoller Tribut an die Urgroßmutter der jetzigen Besitzerfamilie.

Um die Qualität noch mehr zu steigern, hatte der Begründer der modernen Winzerei, Juan Carrau Pujol – nach dem verschiedene Sorten benannt sind – auf dem höchstgelegenen Weingebiet Uruguays, dem Cerro Chapeu, einige Jahre lang in Zusammenarbeit mit der Universität von Californien ein Versuchsgelände etabliert. Das bringt heute ein Weinchen, von dem Hugh Johnson in seinem Weinführer in höchsten Tönen schwärmt. Sein Cuvée Tannat Cabernet Sauvignon 1989 war der erste große Reserva Uruguays. Er verlässt erst den Produktionsbetrieb, wenn er 20 Monate im Holzfass gereift und dann weitere vier Jahre in der Flasche verbracht hat. Für 33 USD ist dieses Genusserlebnis dann zu haben. Juan Carrau ist so begeistert vom Zauber dieses mittlerweile über Uruguays Grenzen hinaus bekannten Weins, dass er spontan beim Abschied sagt: „Der Tannat ist einer der besten Weine der Welt. Man sollte ihn getrunken haben, bevor man stirbt.“.

K1024_juanico 1Das bekannteste, weil größte, Weingut ist die Bodega Juanica der Familie Deicas. Ein gewisser Don Francisco Juanicó soll im Jahre 1830 mit dem organisierten Weinanbau begonnen haben, obwohl er eigentlich Tischler war, wovon noch heute historische Werkzeuge an der Wand zeugen. Gerne wird erzählt, dass der erste Weinkeller im Jahre 1840 auf alten Fundamenten der Guarani Ureinwohner gebaut wurde. Dieser natürlich klimatisierte Weinkeller prägte den guten Ruf des Weines. Heute ist daraus ein Unternehmen entstanden, das professionalisierte Produktion mit effizientem Marketing verbindet; die Marke “Don Pascual” ist in ganz Südamerika und sogar gele­gent­lich in Deutschland zu finden.

K1024_DSC03425Der Betrieb bietet auch das ganze Jahr über Besichtigungen und Führungen an, ausgeführt von fachkundigen Guides, die Önologie oder Tourismusmarketing oder beides studiert haben. Zum Abschluss gibt es in einer charmant restaurierten alten Scheune immer ein hervorragendes Essen. Und spätestens jetzt ist es an der Zeit, ein Wort zu verlieren über das Asado. Rindfleisch ist hier mehr als ein Nahrungsmittel. Es ist eine Lebensphilosophie. Die cualidad, Qualität, ist fantastisch, was nicht zuletzt damit zu­sam­menhängt, dass die Rohstofflieferanten das ganze Jahr (!) über auf ausgedehnten, saftigen Wiesen grasen können und keinen Stress haben.

Text : Kornelia Doren und Jürgen Kagelmann
Fotos:  Fremdenverkehrsministerium Uruguay uns Weingüter  Datrdanelli, Atensa und Marechal

Tipps:

Wer sich für eine Erkundungsfahrt durch die Weingebiete Uruguays interessiert und nicht gerade gut spanisch schreibt, kann sich entweder an das Tourismusministerium (über die deutsche Botschaft in Berlin) wenden oder an den engagierten Leiter der deutsch-uruguayischen Handels­kammer, Jan Kötschau.www.ahkuruguay.com

Eine empfehlenswerte Adresse zum Abschluss einer Reise durch Uruguay ist das bei den Einheimischen sehr beliebte Restaurant Francis in Montevideo, mit exzellenter Küche (nicht nur Fleisch, auch Fisch).www.francis.com.uy

Die beste Zeit für einen Besuch Uruguays sind die Monate Novem­ber bis April. Dann ist im Land Sommer.

Seychellen: Paradiesisches Inselhopping

Von der Eden Marina in Victoria starten viele MinikreuzfahrtenDie Seychellen sind in diesem Jahr Partnerdestination der Leipziger Messe Touristik & Caravaning vom 22. bis 26. November 2017. Aus diesem Grund haben wir der Inselwelt, die im Jahr 2016 gegenüber 2015 10 Prozent mehr deutsche Urlauber (2016 waren es 39488) begrüßen konnte, einen Besuch abgestattet.

Tropisches Flair, türkisblaues Wasser, feinsandige Strände, umrahmt von prächtigen Granitfelsen. Die Seychellen kommen dem Traum vom Paradies sehr nahe. Am besten lässt sich die exotische Inselwelt mit einem Katamaran erkunden.

Die Sonne strahlt, Luft und Wasser zeigen 27 Grad an und in den Straßen der Inselhauptstadt Victoria zaubert rhythmische Sega-Musik ein Lächeln auf die Gesichter der Einheimischen und Gäste. Willkommen auf den Seychellen! Schnell nimmt das Flair der Hauptinsel Mahé jeden Besucher gefangen. Man spürt, wie Gelassenheit und Wohlgefühl Besitz vom Körper ergreifen, wie sich Alltagsstress und Sorgen plötzlich in der schwülwarmen Luft auflösen.

Die Gauguin mit ihren 12 Doppelkabinen ist Fahrzeug, LebensraumVictoria ist die wohl quirligste Gegend des Inselreiches, dessen 115 Inseln sich auf ein Seegebiet von über 400 Tausend Quadratkilometern verstreuen. Rund ein Drittel der 93 Tausend Bewohner der Seychellen lebt in der Inselhauptstadt. Der Selwyn Clarke Markt inmitten der Stadt ist ein großartiger Ort, um sich auf das Savoir-vivre der Seychellois einzustellen. Es geht geschäftig zu, aber von Hektik keine Spur. Selbst wer nur ein Foto will, wird bedient. Der Fischhändler hebt seine prächtigsten Exemplare in die Höhe, die Gewürzhändlerin posiert mit Zimtstangen oder Muskatnüssen, der Kokosnussverkäufer steckt eine Frangipani-Blüte neben den Trinkhalm, damit das Motiv bunter wird.

In und rund um Mahé lässt sich neben den verlockenden Traumstränden viel entdecken. Katholische Kirchen und Hindu-Tempel künden von der tiefen Religiosität der Bewohner. Im Südosten Victorias liefern Bauern Zuckerrohr an, das Francis Mondon und sein kleines Team in ihrer Destillerie in köstlichen Takamaka-Rum verwandeln.

Micheline Georges hegt eine Gartenanlage, die die GewŸrzpflanze Zehn Autominuten später trifft man auf eine wunderbare, von Micheline Georges gehegte Gartenanlage, die die Gewürzpflanzen der Seychellen vereint. Vanille, Pfeffer, Zimt, Zitronengras, Gewürznelken, Muskatnüsse, gemischt mit wildem Ingwer und wilder Ananas sowie Frangipani bilden im „Jardin de Roi“ einen Mikrokosmos voller Farben und Aromen.

Nicht weit von diesem Garten Eden entfernt, liegt auch die Eden-Marina, von der viele der Minikreuzfahrten durch die innere Inselwelt der Seychellen starten. Skipper Dan und seine dreiköpfige Crew begrüßen wie so oft eine kleine Reisegruppe aus Deutschland an Bord ihres Katamarans „Gauguin“. Mit 260 PS Motorkraft manövriert Dan lässig mit dem Fuß am Steuerrad das 24 Meter lange Boot aus dem Yachthafen, bevor er das über 300 Quadratmeter große Segel hisst. Die „Gauguin“ mit ihren 12 Doppelkabinen ist Fahrzeug, Lebensraum und Unterkunft für ihre 11 Gäste in den nächsten Tagen.

06 Skipper Dan zeigt seinen GŠsten die schšnsten Seiten des InDan ist seit mehr als 20 Jahren auf See unterwegs, kennt nahezu alle Inseln und man merkt ihm an, dass er sich an Bord so richtig wohl fühlt. „Das ist meine Welt“, meint er und man kann ihn verstehen, wenn neben dem Boot die ersten Delfine auftauchen, Möven und Fregattvögel über ihm kreisen und hin und wieder eine Meeresschildkröte ihren Hals aus dem Nass reckt. Seine Gäste machen es sich mit Sonnenschutzfaktor 50 auf den bequemen Gummimatten unter dem Segel gemütlich, bis eine Bikinischönheit einen Bonito an der Angel aus den Fluten zieht. Das Abendessen ist gesichert und wenig später rufen Koch Mehdy und Hostess Wendy zum Dinner mit Bonito-Ceviche, Lammcurry und knackigem Salat.

Nach vierstündiger Fahrt ist der von bizarren Granitfelsen umgebene Strand von Anse Lazio auf Praslin erreicht. Das warme Wasser lädt zu einem abendlichen Bad ein, bevor die Sonne Abschied nimmt. Zu verlockend ist später der hell erleuchtete Sternenhimmel, so dass es nur wenige Reisende zur Nachtruhe von den Gummimatten auf dem Deck in die Kabine zieht.

Praslin, die zweitgrößte Seychellen-Insel, wartet nicht nur mit wunderbaren Stränden auf. Im Nationalpark des Vallée de Mai begegnet man auch den nur hier und auf Curieuse ursprünglich wachsenden Seychellenpalmen mit den größten Samen der Pflanzenwelt unserer Erde, den Coco de Mer. Bis zu 45 Kilogramm können die Früchte der weiblichen Palme wiegen.

Auf der Insel Curieuse leben rund 300 RiesenschildkrštenVor der Küste Praslins macht Dan einen Abstecher zur Insel Curieuse, auf der rund 300 Riesenschildkröten leben, deren Art bereits zu Saurierzeiten unsere Erde bevölkerte. Stundenlang könnte man den tapsigen urzeitlichen Gesellen zusehen, wie sie bedächtig durch den für sie reservierten Teil des Curieuse Marine National Park ziehen und dabei genüsslich die von Tagesgästen mitgebrachten Bananen verzehren.

Auf der Weiterfahrt zur Insel La Digue begleiten fliegende Fische den Katamaran. Dan legt vor der Miniinsel St. Pierre einen Zwischenstopp zum Schnorcheln ein. Leider hat eine überdurchschnittliche Erwärmung des Oberflächenwassers auch hier im vergangenen Jahr die bunte Korallenwelt zerstört, die sich nun zaghaft zu erholen scheint. Umso mehr überrascht die Vielfalt der Fischpopulationen. Falter- und Lippenfische, Napoleon-, Fledermaus- und Doktorfische, ja sogar Rochen schwirren um die wenigen Schnorchler herum.

Bizarren Granitfelsen umgeben die TraumstrŠnde, wie am Anse LaziAuf La Digue lassen sich per Drahtesel die schönsten Strände erreichen. Von Palmen, dichter Vegetation und majestätischen Felsen umsäumt bietet Grand Anse, eine traumhafte Kulisse. Der Strand von Anse Source d´Argent gehört heute zu den weltweit meistfotografierten Stränden. Doch wer hier wie im Paradies nur auf Adam und Eva zu treffen hofft, muss sehr früh unterwegs sein. Oder gegen sechs Uhr abends, wenn die Sonne untergeht und die Bucht in goldenes Licht taucht. Paradiesischer kann man sich kaum einen Ort auf unserem Planeten vorstellen.

Text undf Fotos: Michael Juhran

Infokasten

Jede Insel der Seychellen hat ihre eigenen Reize, die man beim IDie Seychellen sind in diesem Jahr Partnerdestination der Leipziger Messe Touristik & Caravaning, 22. bis 26. November 2017,

Öffnungszeiten: 10-18 Uhr

Ticketpreise: 11 Euro Tageskarte, ermäßigt 9 Euro (weitere Infos unter www.tc-messe.de/tickets)

Allg. Informationen: Seychelles Tourist Board, Berner Str. 50, 60437 Frankfurt,

Tel.: 069 297 207 89, info@seychelles-service-center.de, www.seychelles.travel
Einreise: Bei der Einreise bis zu einem Monat sind Reisepass, Rück- oder Weiterflug-Ticket, Adresse der Unterkunft und ausreichend Mittel für den Aufenthalt (ca. US$ 150 pro Tag) vorzuweisen. Deutsche Staatsbürger benötigen kein Visum.
Anreise: Die Condor fliegt ab Frankfurt in 10 Stunden direkt auf die Seychellen (hin und zurück ab 650 Euro). Qatar und Emirates legen Zwischenstopps ein.
Minicruise per Katamaran: 8 Tage / 7 Nächte ab ca. 1500 Euro p.P., www.vpm-yachtcharter.com
Per Fähre sind die Inseln Mahé, Praslin und La Digue verbunden. Tickets gibt es jeweils am Hafen.
Tipps:
Die Nationalwährung ist die Seychellische Rupie. Vielerorts wird der Euro als Zahlungsmittel akzeptiert.
Wer erstmals die Seychellen erkundet, sollte die drei Hauptinseln besuchen. Von Praslin aus lassen sich Tagesausflüge nach Curieuse oder auf andere kleine Inseln buchen.
Für ein Hotelzimmer im 4-Sterne-Bereich sollte man pro Tag 250-400 Euro einplanen. Es gibt aber auch nette Ferienhäuser oder Apartments ab ca. 150 Euro bei www.seyvillas.com.

Jede Insel der Seychellen hat ihre eigenen Reize, die man beim I

 

Kroatien: Wenn Saphirblau auf Gold und Weiß trifft

_DSC0098Die Insel Krk in der Kvarner Bucht ist ein Paradies nicht nur für den entspannten Familienurlaub

Der Blick aufs Meer und die Nachbarinseln ist fantastisch. Die Insel Krk in der Kvarner Bucht ist nicht nur die größte der Adria, sondern auch ein kleines Paradies für Urlauber.

Die Insel mit dem für Mitteleuropäer unaussprechlichen Namen genießt gerade bei Familien eine besondere Anziehungskraft. Das liegt wohl auch an den vielen schönen Stränden der „goldenen Insel“ und dem saphirblauen, glasklaren Wasser, das zum Baden einlädt. Fische ziehen hier ihre Kreise und haben sich wohl an die vielen Besucher schon gewöhnt. Sie lassen sich zumindest von den Zweibeinern nicht stören. Mit Badelatschen, Schnorchel und Taucherbrille gehen große und kleine Urlauber auf Erkundungstour in die Unterwasserwelt. Denn durch die steinigen Strände bleibt das Wasser stets angenehm sauber.

Die Inselhauptstadt Krk im Westen ist ein schmucker Ort mit einer großen Historie. Die gut erhaltene Stadtmauer zeugt von einer langen Geschichte. Ein Spaziergang durch die engen Gassen der autofreien Altstadt ist gerade im Sommer angenehm, die Häuser spenden genügend Schatten. Vorbei am runden venezianischen Turm und dem Kastel kommt man unausweichlich an den breiten Hafen mit seinen Yachten, die hier zigfach vor Anker liegen. Die Fischer, die nach dem Fang ihre Netze flicken, lassen sich vom Trubel der Touristenströme nicht beeindrucken.

Ein Augenmerk sollte man auf die Kirche Sv. Kvirin legen. An das im romanischen Stil im 11. Jahrhundert gebaute zweistöckige Gebäude schmiegt sich ein drittes Kirchenschiff an. Doch das wird heute als Durchgang zur Straße genutzt. Betreten kann man das Gotteshaus über den Glockenturm. Auch die Marienkathedrale, die gleich nebenan liegt und damit genau gegenüber dem Bischofspalast, ist ein kleines Schmuckstück. Sie wurde auf den Überresten einer römischen Therme errichtet.

P1120259Oliven und Feigen kosten

Der Gang durch die Ribarska Straße führt zum Vela Placa, dem Platz vor der Hauptwache. An Markttagen darf man genüsslich zwischen den Ständen schlendern und die heimischen Produkte, von köstlichen Feigen über Oliven bis zu Lavendel schnuppern, kosten und sich damit eindecken.

Über die gut ausgebaute Hauptverkehrsstraße durch das Hügelland der Insel, vorbei an Olivenhainen und Kiefernwäldchen, gelangt man in den Süden, nach Baska. Straßenhändler sitzen am Rand unter dicken Feigenbäumen und bieten Gemüse und Obst feil. Für den schnellen Imbiss oder das Abendessen eine frische Variante. Manch älterer Herr lässt sich vom Versuch der Touristen, ihre Kroatisch-Kenntnisse anzubringen, wenig beeindrucken. Man sollte sich also nicht gleich abschrecken lassen. Die enge Verbindung Istriens und der Kvarner Bucht zu Italien und der k. und k.-Monarchie hat auch hier ihre Spuren hinterlassen: Italienisch hat der Senior eher verstanden als kroatisches Kauderwelsch.

Die wenig bewaldeten Karstfelsen wirken so unwirtlich und vermitteln das Gefühl, mitten in eine Filmkulisse geraten zu sein. Bei Jurandvor wird der Besucher von einem steinernen Wahrzeichen begrüßt, einem Buchstaben des glagolithischen Alphabets. Mitten in der Landschaft zieht dieses Zeichen aus weißem istrischen Kalkstein die Blicke auf sich, das der Künstler Ljubo de Karina geschaffen hat. Das bescheidene Örtchen sollte man aber nicht links liegen lassen, sondern zur Kirche Sv. Licija abbiegen. Im Innern findet sich nicht nur ein bemerkenswerter Stein mit einer glagolithischen Inschrift, sondern am Eingangsturm auch die kroatische Flagge in Stein gemeißelt.

Umrahmt von Karstbergen

Baska in der weitläufigen Bucht wird von weißen Karstbergen umrahmt. Der Badeort, der schon vor über 2000 Jahren von den Illyrern besiedelt worden ist, lässt sich am besten von der Kirche Sv. Istvan, hoch über dem Ortskern überblicken. Ein Friedhof umgibt das Gotteshaus in luftiger Höhe. Wer zu Fuß den schmalen Weg vom Tal hinauf geschafft hat, wird mit einer grandiosen Aussicht auf die Nachbarinseln Rab, Goli Otok und Prvic und zur Küstenlinie des Festlands belohnt.

_DSC0007Kroatien ist bekannt für gute Campingplätze, die gerade für Familien eine breite Palette an Unterhaltung und Entspannung bieten. Wer nach Krk nicht mit eigenem Zelt oder Wohnwagen anreisen möchte, findet in den Anlagen von Camping Adriatic by Valamar vom geräumigen Familienzelt bis zum Mobilheim mit Klimaanlage und Spülmaschine ganz unterschiedliche Möglichkeiten – je nach Geschmack. Wer beides miteinander verbinden will, bucht ein Glampingzelt: Geräumig und mit allem Komfort ausgestattet, vermittelt es dennoch die Atmosphäre des Zeltens. Im fünf Sterne Camping Resort Krk – mit wunderbarem Blick auf die historische Altstadt – steht es direkt neben dem Kiesstrand. So wird man morgens von Möwenkreischen und Wellenplätschern geweckt und kann am Abend perfekt den Sonnenuntergang am Strand genießen. Die neuen Wasserspielplätze und -rutschen der Anlage begeistern nicht nur den Nachwuchs, gleich nebenan sorgt ein Spa-Bereich mit Massage und Beauty für Entspannung bei den Eltern. Animation, Hobbyraum und eine Sportzone sind zusätzliche Annehmlichkeiten auf dem elf Hektar großen Gelände, umgeben von Pinien und Oliven. Nachhaltigkeit wird hier beim Ökocamping großgeschrieben, wo Solarenergie und Elektromobilität verstärkt genutzt werden.

Text und Fotos: Diana Seufert

Spanien: Keine Fiesta ohne Pintchos und Pimientos

Architektonisches Meisterwerk - das Guggenheim in Bilbao von Frank Gehry.Eine Radtour durchs Baskenland von Bilbao bis San Sebastían begeistert Feinschmecker, Kultur- und Naturinteressierte.

Vor gut hundert Jahren, als das Erz die Stadt reich machte, wurden in Balbao prächtige Jugendstil-Häuser gebaut, eine Art-Déco-Markthalle, das modernste Theater Europas. Mit dem industriellen Niedergang mutierte Bilbao zur hässlichsten Stadt Europas.

Vor 20 Jahren dann die wunderbare Wiederauferstehung. Frank O. Gehry erbaute am Ufer des Río Nervíon das Guggenheim-Museum. Ein Gebäude, mal wie ein Fisch, mal wie ein Schiff oder eine geöffnete Blüte, im Schuppenkleid aus Titan. Es folgten Metro, Brücken, Hotels, Flughafen – von Architekten wie Santiago Calatrava und Norman Foster. Die Touristen kehrten zurück, Bilbao ist schön und boomt.

Louise Bourgois Spinnenskluptur 'Mama' vor dem GuggenheimUnd da ist die Altstadt mit den „Siete Callas“, der Kathedrale, der Plaza Unamuno, den Cafés Iruna und Boulevardar. Kulinarisch sind die Basken eh nicht zu toppen: nirgends auf der Welt gibt es mehr Sterneköche auf engstem Raum. Deren Einfälle kopieren die Chefs der  Tapas-Bars – dicht an dicht in der Altstadt -, wo sich bis zum frühen Morgen das feiernde Volk bei leckeren Pinchos, den Tapas, Bier und Sidra drängt.

Die raffinierte Kulinarik, die museale Kultur und die herrliche Natur erfahren die Radler auf der Reise durch die drei baskischen Provinzen Gipuzkoa, Bizkaia und Araba. Per Fahrrad kann ein ganzer Landstrich mit eigener Kraft, selbstgewähltem Tempo und allen sinnlichen Genüssen erlebt werden.

In Portugalete setzt uns die höchste Schwebefähre der Welt, Unesco-Welterbe, über den Nervíon. Familien sind unterwegs, belagern im Badeort Getxo die Tapas-Theken, probieren Häppchen mit Tintenfisch und Knoblauch, Ei und Kräutern, Chorizo und Bacalao (Kabeljau). Wir steigen die Treppen hinauf zum Dorfplatz, sitzen mit unseren Tellern unter schattigen Platanen, die Musik spielt und Künstler preisen ihre Werke an – Biergarten auf Baskisch.

Fahrt über die Römerbrücke von Puente de la ReinaVorbei an der Hauptstadt Vitoria Gasteiz radeln wir am Stausees Umbalse de Ullibarri entlang. Auf 700 Meter müssen wir, der Elektroradler schiebt den Ganghebel in die vierte Dimension und hoch geht’s. Die erste Station auf unserer „Vuelta de Espana“ ist erreicht: wir ‚residieren‘ und speisen fürstlich in einem Renaissance-Palast, heute ein Parador, ein staatlich geführtes Luxushotel. Über die Terrasse schlingern köstlich Düfte von Steaks und gegrilltem Seehecht.

Auf 1020 Meter bringt uns der Begleitbus auf das Hochplateau der Sierra de Urbasa. Es ist kühl, die Windjacke tut gut. Hinab geht’s konzentriert auf welligem Relief; über uns Gänsegeier. Es riecht nach Kiefern, wir rauschen an Buchenwäldern und sattgrünen Adlerfarnen vorbei. Heidekraut blüht, tausende Herbstzeitlose, dazwischen Wildpferde. Findlinge quer überm Weg markieren die Grenze zu Navarra.

Richtung Estella geht der Märchenwald über in leuchtend grüne Wiesen, Holunderbüsche ducken sich, eine Schafherde zieht hügelaufwärts. Am Horizont die Steinabbrüche der Sierra de Santiago de Loquiz.

In und um Estella zeigt sich Navarras Historie: romanische Kirchen, Klöster und Paläste. „Estella la bella“ heißt es bis heute. Man konkurrierte sogar mit den Pilgerstädten Burgos und Pamplona.

In Puenta de la Reina vereinigen sich zwei Jakobswege.Nach langer Abfahrt mit Kiefernduft um die Nase der nächste Höhepunkt: im kleinen Puente de la Reina vereinen sich die beiden Jakobswege Camino Navarro und Camino Aragonés und führen über die sechsbogige Römerbrücke nach Santiago de Compostela. Im Ortskern enge Gassen, stattliche Adelspaläste mit großen Portalen. In der Iglesia de Santiago zieht eine Jakobusskulptur im Pilgergewand die Blicke auf sich.

Die Sonne wärmt, der Wind kühlt, die Fahrt über offenes Hügelland ist ein Vergnügen. Wie eine Fata Morgana sitzt die Wehranlage El Cerco im Dunst über dem Dorf Artajona. Vor dem Anstieg ins Weinparadies um Tudela noch eine Siesta unter Hibiskusbäumen.

Musiker in der ehemaligen Residenzstadt OliteOlite – der kleine Ort mit der großen Burg südlich von Pomplona! Carlos III. ließ um 1600 über einem Meer von Rebstöcken sein Schloss errichten, eine rechte Disneyburg: Türmchen, Wendeltreppen, Wehrgänge und Höfe ineinander verschachtelt, ein riesiges Gewölbe mit hängenden Gärten.

Während die Navarreser draußen zu Ehren ihres Stadtpatrons Stiere durch die Gassen treiben, die Leute singen und tanzen, mundet drinnen in der Burg-Bar ein kräftiger Roter aus der Bodega Ochoa. Zwischen Ritterrüstungen und Wandteppichen wird am Abend bei schwerem, roten Crianza getafelt. Der Speisezettel des Landes: Fisch und Meeresgetier, Wildschwein, Ente und Lamm, Schinken, Schnecken, Schafs- und Ziegenkäse, Gemüse und fangfrische Langusten.

Auf dem Artxueta. In der Ferne das gewaltige Urbasa-Massiv, in der romanischen Kirche der Klosteranlage San Miguel in Excelsis der Altaraufsatz mit den meisterlichen Emaille-Medaillons. Die Abfahrt bei steifer Brise ist nicht ohne, Regen erschwert das Kurven. Gang durch ein urbaskisches Dorf  mit typischen Bruchsteinhäusern. Am Fluss unter  alten Bäumen erwartet uns ein Picknick vom Feinsten: Käse, Salamis, Schinken vom schwarzen Schwein, fois gras mit Pinienkernen, Salate, Weiß-, Rotweine, kühler Cava.

Durchs grüne Valle del Rìo Ezkurra begleiten uns hohe Felswände und das Gemurmel des Flusses. Mit dem Geruch regennasser Erde radeln wir unserer Unterkunft aus dem 18. Jahrhundert entgegen. Die Piementos de Padron, gegrillte grüne Paprikas, bleiben unvergessen.

am Strand des französichen BaskenortesÜber eine lange Kette von Hügeln und Sare mit den weißen Häusern „reiten“ wir ins französische St. Jean de Luz ein, liebster Badeort der Franzosen an der Südwestküste: frische Luft, Strandpromenade, Cafés im Ortskern, baskische Souvenirs.

Der letzte schweißtreibende Tag führt nach Hondarribia. Das Fisch-Menü mit dem kühlen Weißen direkt am Golf von Bizkaya begeistert alle. Zu Fuß erreichen wir den Monte Ulia, die Concha-Bucht mit der Pracht von San Sebastían liegt uns zu Füßen. Gegenüber, vom Monte Urgull, hält Christus seine Hand segnend über die Bucht.

Text und Fotos: Katharina Büttel

Infos

Land und Leute: Das Baskenland liegt im Nordosten Spaniens an der Grenze zu Frankreich. Die reizvolle Costa Vasca bietet Buchten und weite Strände; das Bergland streckt sich bis zum oberen Ebro, Mittelgebirge im Landesinneren. Höchster Gipfel ist der Pico de Aitzgorri mit 1549 m. Die Herkunft der Basken ist bis heute ungeklärt; ihre Sprache, Euskera, noch immer rätselhaft, sie ist mit keiner anderen Sprache verwandt. Die Basken feiern gern, 300 Gäste bei Hochzeiten sind keine Seltenheit. Viel Zeit verbringen sie beim Essen – mehr in den Pintxos-Bars (sprich Pinchos) und Landgasthöfen als zuhause.

Anreise: Eigenanreise z.B. mit der Lufthansa ab Berlin über München nach Bilbao. www.lufthansa.com;  mit der Bahn (lange Fahrtzeit) oder mit dem Auto.

Verkehrsmittel: Fahrräder mit 8 Gängen werden vom Veranstalter gestellt. Ein Elektrorad kostet je nach Reiselänge ca. 145 Euro Miete. Alle Räder sind mit zwei Radtaschen am Hinterrad versehen.

Unterkünfte: Während der gesamten Reise wird in kleineren Häusern mit Flair – meist in historischen Gemäuern – gewohnt.

Essen: Die Küche zählt zu der besten Spaniens, Experten sagen der Welt. Der Ruf der baskischen Köche ist so groß, dass Spitzenrestaurants in Madrid sie anfragen. Der Klassiker unter den Pintxos: tortilla espagnola, Kartoffelomelett. Auch die raciones, ein Teller mit Schinken, Manchego-Käse, gefüllten Paprikas. Spezialität ist der bacalao (Stockfisch) a la Vizacaína mit getrockneten Tomaten und Schinken; Seehechtbäckchen mit grüner Soße u.a. In den sidrerías dreht sich alles um Apfelwein; in den asadores Lamm oder Spanferkel aus dem Holzofen. An den Küsten, aber auch im Landesinneren, haben Fischgerichte höchstes Niveau.. Rosadas de Navarra-Weine sind sehr bekannt, Rioja-Rotweine zählen zur Weltspitze. Feine Weißweine aus der verdejo-Traube kommen aus Rueda.

Reiseliteratur: DUMONT-Reisehandbuch „Nordspanien und der Jakobsweg“ mit großer Faltkarte, 22,99 Euro, www.dumontreise.de

Veranstalter: bei ROTALIS Reisen kostet die 8-tägige (7 Nächte) Rad-Rundtour im DZ 1.750 Euro/Pers./F/A bei eigener Anreise. Das tägliche Picknick kostet inkl. Wein ca. 16 Euro/Pers./Tag. Rotalis bietet Radtouren in fast ganz Europa, Südafrika, Vietnam, Kuba an.

ROTALIS Reisen, A-4780 Schärding; info@rotalis.com; www.rotalis.com

Russland: 6 Pluspunkte für Skiferien in Sotchi

 

Bild 1Rosa Khutor, nur einen Katzensprung von Sotchi am schwarzen Meeren entfernt, ist der feinste Wintersportort Russlands. Tief im westlichen Kaukasus hat man 2014 am Reißbrett eine Musterstadt für die olympischen Spiele geschaffen, der es noch an Patina fehlt, die sich aber schon heute allemal sehen lassen kann.

Unsere Dolmetscherin Galina Nisitarova unterstrich ihre Ausführungen in jedem dritten Satz mit Attributen wie am höchsten, am weitesten, am schnellsten. Gleich ob es um die Lage des Kurortes, die Qualität der Pisten oder den Service in den Hotels handelte. Lediglich die europäischen Besucherzahlen hinkten den Superlativen ein wenig hinterher. Zurzeit jedenfalls sind sie statistisch (noch) nicht erwähnenswert.

Dabei gibt es in Rosa Chutor 94 Kilometer perfekt präparierte Pisten. Davon sogar 13 Kilometer FIS zertifiziert. Manche Abfahrten sind bis spät in die Nacht beleuchtet. Die 27 Lifte und Seilbahnen sind von berühmten Herstellern, so steht es im Prospekt. In der Tat, das Umsteigen von einer Gondel in die nächste geht trotz der im Schnitt täglich 9000 Besucher reibungslos und flott. Die Schneequalität ist pulvriger als in den Alpen. Das verdankt man der Meeresbrise und dem mediterranen Klima, das hier am Meer, knapp 50 km entfernt, vorherrscht.

 

  1. Bild 2. Wer schon fünfzig Mal in Bayern oder Tirol war, sollte einen Schwenk nach Sotschi wagen. Das Abenteuer ist kalkulierbar. Auf der rot gepflasterten Promenade beiderseits des rauschenden Gebirgsflusses Msymta, verirrt sich keiner. Die Brand-Shops vermitteln ein Gefühl, als flaniere man in Kitzbühel. Alles ist vom Feinsten und noch ein bisschen teurer. Als Putin 2002 mit dem österreichischen Präsidenten Klestil in Tirol Ski fuhr, war er so angetan, dass er beschloss, ein „Alpen-Szenario“ im Kaukasus zu schaffen.

 

  1. K1024_Rosa Chutor (16)Wer Romantik liebt, kommt voll auf seine Kosten. Die Fassaden der 14 drei bis vier Sterne tragenden Hotels entlang der Promenade gestaltete man in einer Art „Zuckerbäcker-Architektur“. Sie erinnern an Disneyland. Bei Tageslicht mit nüchternem Auge betrachtet kam mir das Wort Kitsch leicht über die Lippen. Bei nächtlicher Stille und tausendfacher Beleuchtung kippte meine Kritik um in Verzauberung. Als dann noch zentimetergroße Schneeflocken fielen, verliebte ich mich in die Märchenwelt. Statt Autolärm einen rauschenden Gebirgsfluss zu hören, wann und wo hat man das schon?

 

  1. K1024_Rosa kleine Kamera (17) Autos braucht man nicht, man fährt Bahn, Gondel oder Lift. Die Infrastruktur in Rosa-Khutor ist perfekt. Vom Flughafen fährt in kurzen Takten eine Bahn, die einen in 45 Minuten fast ins Zentrum von Rosa Khutor bringt. Für die letzten 800 Meter Taxifahrt kann man noch ein Auge zudrücken. Die Seilbahnen sind allesamt nur ein paar hundert Meter von den Hotels entfernt und bis 23.00 Uhr in Betrieb. Wenn man sich dafür entscheidet, im Olympiadorf auf 1600 Meter Abendbrot zu essen, kann man zehn Minuten später – bei bester Aussicht – den Aperitif im Tal genießen.

 

  1. K1024_Rosa kleine Kamera (45)Dem Meer und dem milden Klima so nah. Wer dem Frost hinter sich lassen möchte,kann mit dem Bus in 40 Minuten in Sotschi sein, sich bei Frühlingstemperaturen am Meer entspannt die Bäderarchitektur der berühmten Sanatorien von Matsesta ansehen. Stalin schwor auf die Heilkraft dieser Quelle. Der gesamte Regierungsapparat übersiedelte manche Jahre wegen seiner geschwächten Gesundheit mit ins milde Sotschi. Der Botanische Garten gehört zu den drei sehenswertesten im ganzen Land. Oleander, Mandelblüten und die gelben Mimosen, sie alle blühen schon reichlich früh in den ersten Märztagen, kann man in den vielenParkanlagen der Stadt bewundern.

 

 

  1. K1024_Rosa Chutor (35)Rosa Khutor ist leistbar. Wer es klug anstellt, kann schon Packages mit Flug und 7 Tage im Drei Sterne Hotel für 750,- Euro bei pulexpress.de oder go-east.de buchen. Condor plant für den Winter 2017/2018 Direktflüge von Berlin-Schönefeld nach Sotschi. Die Flugzeit beträgt knappe drei Stunden. So kann die Anfahrtszeit mit einer Reise in die Alpen konkurrieren. Den Skipass von morgens um 9.00 bis 23.00 Uhr gibt es ab 25.- Euro. Ein großes bayrisches Bier wird für sechs Euro frisch gezapft von strahlenden jungen russischen Mädeln in roten Dirndlkleider serviert. Bayrische Küche steht hoch im Kurs.

 

  1. K1024_Rosa Chutor (31) Rosa Khutor ist ein jungfräulicher Wintersportort für europäische Touristen. Aus dem Russischen übersetzt hat es den bezaubernden Namen: „Rose – abseits des Weges“. Es ist die gehobene russische Mittelschicht, die die Ski-Hänge bevö Modebewusst, brandorientiert gekleidet und gut geschminkt für Selfis. Weit entfernt vom Image der “All-inclusiv-Jogginghosen tragenden Touristen“. Und noch eins soll nicht unerwähnt bleiben. Man hat ein Herz für Kinder. Die Hälfte der eleganten Lobbys sind offene Spielwiesen für die Jüngsten.

 

Text : Veronika Zickendraht

Fotos :Bernd Siegmund, Rosaski-Tourism

Island: Vulkaninsel im Atlantik

Jökulsarlon

Jökulsarlon

Willkommen auf der Insel der Gegensätze! Willkommen in einem Land, in dem Feuer und Eis Landschaften von atemberaubender Schönheit geschaffen haben!

Wer auf dem internationalen Flughafen Keflavík ankommt und sich mit Bus oder Mietwagen auf den Weg nach Reykjavík macht, wird gleich mit Islands vulkanischer Vergangenheit konfrontiert. Denn bis zu den Vororten der Hauptstadt führt die Straße durch ein rissiges, fast vegetationsloses Lavafeld. Bei trübem Wetter wirkt es trostlos und lebensfeindlich, aber schon einige wenige Sonnenstrahlen verwandeln es in eine faszinierende Märchenlandschaft. Doch dies ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf die vielfältigen Formen des Vulkanismus, die allerorts auf den Besucher warten.

Kaum ein Land der Erde ist so abwechslungsreich wie Island, das geologisch noch in den Kinderschuhen steckt und sich deshalb permanent verändert – manchmal sogar höchst dramatisch durch gewaltige Vulkanausbrüche oder Gletscherläufe. Aber auch zwischen diesen Katastrophen bietet Island Spektakuläres: In den zahlreichen Hochtemperaturgebieten brodelt, dampft und zischt es unaufhörlich oder schießen Geysire ihre Wasserfontänen in den Himmel. Blubbernde Schlammtöpfe und Wasserlöcher, gelbe und ockerfarbene Fumarolen und Sinterablagerungen bilden unwirkliche Mondlandschaften. Farbenprächtige Liparitberge, düstere Aschekegel, bizarre Vulkane, sonderbare Pseudokrater, unauffällige Schildvulkane und immer wieder Lavafelder – mal schwarz, kahl und bedrohlich, dann wieder von dicken, grünen Moosteppichen überzogen, prägen weite Teile der Insel.

Neben den Vulkanen sind die Gletscher die größten Anziehungspunkte, denn allein der größte von ihnen, der Vatnajökull, ist größer als alle Gletscher Europas zusammengenommen. Unzählige eisige Zungen schieben sich von seinem gewaltigen Plateau zu Tal, bilden Abbrüche, Höhlen und Lagunen, auf denen bizarr erodierte Eisberge schwimmen.

Aber Island hat auch ein durchaus liebliches Gesicht, das man der fast baumlosen Insel im hohen Norden kaum zutrauen würde. Der schmale Küstenstreifen und einige Täler überraschen mit sattgrünen Wiesen, auf denen unzählige Schafe grasen. Und auch der Mývatn, eigentlich ein geologisch unruhiges, von Vulkanen geprägtes Gebiet, wirkt mit seinen Inseln, Buchten und Landzungen wie eine grüne Oase. Auf dem Wasser tummeln sich Singschwäne und die verschiedensten Entenarten, so dass selbst die ausgefressenen Lavatürme am Ufer kaum das liebliche Bild stören.

Lust auf Islands einzigartige Natur? Dann schauen Sie sich die Bilder an.

Westfjorde, Latrabjarg, Papageitaucher

Westfjorde, Latrabjarg, Papageitaucher

Westfjorde, Breidavik

Westfjorde, Breidavik

Solfatarengebiet Namafjall

Solfatarengebiet Namafjall

Solfatarengebiet am Namafjall

Solfatarengebiet am Namafjall

Snaefell

Snaefell

Seydisfjördur

Seydisfjördur

Seljalandsfoss

Seljalandsfoss

Schlucht Fjardargljufur

Schlucht Fjardargljufur

Papageitaucher, Vik i Myrdal

Papageitaucher, Vik i Myrdal

Ostfjorde, historisches Torfhaus Lindarbakki

Ostfjorde, historisches Torfhaus Lindarbakki

Ostfjorde, Gästehaus Mjoeyri am Eskifjördur

Ostfjorde, Gästehaus Mjoeyri am Eskifjördur

Myvatngebiet, Krafla

Myvatngebiet, Krafla

Landmannalaugar

Landmannalaugar

Jökulsarlon

Hochtemperaturgebiet Hveragerdi

Hochtemperaturgebiet Hveragerdi

Hochland, Hveravellir

Hochland, Hveravellir

Djupivogur

Djupivogur

Eskifjördur

Eskifjördur

Text und Fotos: Christian Nowak

Kanada: Ottawa – die grüne Hauptstadt unterm Ahornblatt

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Mit ihren vielen Parks und dem Ottawa River ist die kanadische Hauptstadt die perfekte Spielwiese für Outdoorfans. Museen der internationalen Spitzenklasse locken Kunstliebhaber an.

Es wird überall gejoggt und geradelt in der Stadt. Dem ersten Eindruck nach ist Ottawa nicht nur die kanadische Hauptstadt, sondern auch die Welthauptstadt des Sports.
Am Mittwochvormittag strecken und recken zwei- bis dreihundert Menschen auf ihren Matten liegend auf der Wiese vor dem Parlament ihre Arme und Beine dem kanadischen Himmel entgegen, schwingen sich zur Kerze auf und gehen in den Hund. Dann ist die Zeit für öffentliches Yoga.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Gäste der Stadt breiten vor dem Parlament nur selten ihre Yogamatte aus. Sie holen sich ihre Fitness beim Aufstieg zum 92 Meter hohen Turm des Parlaments, dem Peace Tower. Er war nach dem Ersten Weltkrieg in Gedenken an die dort gefallenen 65.000 kanadischen Soldaten errichtet worden. Wer will, kann im Anschluss an die Turmbesteigung an einer kostenlosen Führung durch die Räume des Parlaments teilnehmen. Kanadische Geschichte zum Anfassen sozusagen. Besonders stolz ist man in Ottawa auf die Parlamentsbibliothek, die in den 1860er Jahren im neogotischen Stil erbaut wurde.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Sportfans haben in und um Ottawa unzählige Möglichkeiten. Die Natur hat hier ihren Kampf gegen die Zivilisation noch lange nicht aufgegeben – große Parks ziehen sich durchs Stadtzentrum und über den Ottawa River kann man bis nach Montreal und Toronto paddeln. Zu Zeiten der ersten Siedler war der Fluss die wichtigste Verkehrsader im Osten Kanadas. Heute ist der Ottawa River Spielwiese für Wassersportler aller Art. Im Winter ist Eishockey die unangefochtene Nummer Eins unter allen Sportarten. Wer nicht selbst die Kufen schnüren will, sollte zumindest ein Spiel der Ottawa Senators besuchen. Wenn die Profis gegen ihre Gegner aus der NHL spielen, ist das 18.000 Zuschauer fassende Canadian Tire Centre meist ausverkauft. Schade nur, dass die Puckjäger aus Ottawa bisher noch kein einziges Mal den Stanley Cup, die gemeinsame Meisterschaft der kanadischen und amerikanischen Eishockeyteams, gewinnen konnten.

Hauptstadt der kurzen Wege
Ottawa zählt knapp 900.000 Einwohner. Trotzdem kann man fast jede Sehenswürdigkeit fußläufig erreichen. Das Canadian Museum of History, das, wie der Name nahelegt, einen Streifzug durch die Geschichte Kanadas anbietet, ist die meistbesuchte Ausstellung des Landes. Besonders aufwendig gestaltet ist die Abteilung, die sich mit dem Leben der Ureinwohner beschäftigt. Beliebtes Fotomotiv sind die riesigen Totempfähle, die, wie der Guide bei seiner Führung durch das Museum betont, nie „zum Martern“ verwendet, sondern zu Ehren eines bedeutenden Häuptlings oder Kriegers errichtet wurden. Ein bisschen waren sie auch zum Angeben da – denn einen Totempfahl weihte man mit einem riesigen, mehrtägigen Fest ein, zu dem man alle Stämme der Gegend einlud. Wer den schönsten Pfahl hatte und das aufwändigste fest feiern ließ, genoss ein besonderes Ansehen.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Noch mehr über das Leben der kanadischen Indianer erfährt man im Freilichtmuseum „Aboriginal Experiences“ am Rande der Innenstadt. Stephanie Sarazin vom Stamm der Pikwakanagan führt in einem purpurnen Stammeskleid und mit reich geschmückter traditioneller Perlenkette durch das Freilichtmuseum. In launigen Worten und immer lachend erzählt die junge Frau von der Geschichte der Indianer. Wenn sie von der Situation der Ureinwohner im heutigen Kanada erzählt, scheint sich ihre Stimme plötzlich vor Aufregung zu überschlagen. Dann sagt sie auch Sätze wie: „Ja, wir werden hier immer noch benachteiligt, aber damit muss ich lernen zu leben.“ Sie atmet tief durch und erzählt, wie die Regierung die Indianer denselben Jagdbeschränkungen unterwirft wie Hobbyjäger und somit vielen Stämmen die Lebensgrundlage entzieht.
Fast symbolisch ist es da, dass man vom Museum der Ureinwohner den besten Blick der Stadt auf das Parlament hat.

Restaurants in Byward Market

© Rasso Knoller

Ein Schloss am Rande des Zentrums
In der National Gallery werden die Werke der Großen der kanadischen Kunst ausgestellt – Namen wie Tom Thomson, Emily Carr und Alex Colville sind in Europa vermutlich nur wenigen Kunstkennern bekannt. Aber wer nach hierzulande berühmten Namen wie van Gogh, Cézanne oder Picasso sucht, wird ebenfalls fündig. Um die Sammlung mit europäischer Kunst dürfte so manches Museum auf dem alten Kontinent die Kanadier beneiden.
Allein schon das Museumsgebäude ist ein Hingucker. Erbaut von dem kanadisch-israelischen Architekten Moshe Safdie, der sich vor allem durch die Sanierung der Altstadt von Jerusalem international einen Namen gemacht hat, besticht das aus Glas und Granit erbaute Bauwerk durch seine klaren Linien.
Unmittelbar ans Zentrum schließt sich Byward Market an. Kleine Läden, Cafés und Restaurants prägen das Bild dieses Stadtteiles, der besonders bei Touristen beliebt ist. Wer Spitzenküche sucht und sein Steak mit einem hervorragenden kanadischen Rotwein hinunterspülen will, schaut im Play in der York Street vorbei. Die freundliche und kompetente Bedienung gehört in dem Restaurant zwar zum Konzept, doch liegt „Dauer-gute-Laune“ Kanadiern ohnehin im Blut. Muffigen Service gibt es nirgends.
Wie breit in Byward Market das Spektrum des gastronomischen Angebots ist, zeigt sich nur eine paar Schritte weiter die Straße hinunter. In „The Dominion Tavern“ legt man auf feine Tischsitten nur wenig Wert, Bier ist das meist bestellte Getränk und statt „Elchsteak medium rare“ isst man hier fettige Hamburger.

© Rasso Knoller

© Rasso Knoller

Sogar ein Schloss haben die Kanadier zu bieten. Allerdings war das Chateau Laurier niemals eine echte Adelsbehausung gewesen, sondern von Anfang an ein Nobelhotel – eröffnet 1912. Auch im Chateau hat man zum Thema Kunst einiges zu bieten; eine Dauerausstellung mit Fotos des weltberühmten Portraitfotografen Yousuf Karsh, der 18 Jahre lang in dem Hotel gewohnt hatte.

Text und Fotos: Rasso Knoller