Frankreich: Die Insel des Marinemalers

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«Bald fahren wir zur Ile d’Yeu» sagte meine Frau. Ich hatte zunächst „Ile Dieu“ verstanden, was im Französischen so viel bedeutet wie Insel Gottes. Das wäre gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, schließlich liegt die Insel in Frankreich und die Atlantikküste hat allgemein einen guten Ruf.

Auf dieser Insel hatte lange Zeit der Großvater meiner Frau gelebt. Der 1999 verstorbene Mann war offizieller Maler der französischen Marine, eine seltene Auszeichnung für hervorragende Arbeit von Künstlern, die vor allem Meereslandschaften, Häfen und Schiffe auf ihre Leinwand bannen. Jean Rigaud gehörte zu den Bekannten unter ihnen. Zahlreiche Werke in großen französischen Museen, wie der „Hafen von La Rochelle“ im Pariser Marinemuseum oder der „Felsen von Yport“ ebenfalls in Paris im Museum für moderne Kunst, tragen seine Unterschrift mit dem Marineanker.

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Der Maler hatte sich 1955 in die kleine Insel Yeu verliebt, ist von den Einwohnern akzeptiert worden und hatte einige Jahre später dort ein Haus mit Künstleratelier ganz im Stil der Region erbaut.

Vor Ort werden wir von einer Tochter des Malers erwartet, die uns, ganz französisch, mit einem schmackhaften Diner empfängt. Fischsuppe mit Croutons, eine Spinat-Tarte, dazu schmeckt ein süffiger Rosé-Wein der Vendée. Doch noch bevor wir das Dessert gekostet haben, ziehe ich ein Buch über Jean Rigaud aus meiner Reisetasche. „S’il vous plaît Madame, erzählen Sie uns!“. Die Bilder, die der Marinemaler auf seiner Insel in vielen Jahren geschaffen hat, haben wir bereits genau betrachtet. Wir möchten gerne die Insel entdecken, und die Malerei soll uns als Wegweiser dienen. Noch am selben Abend markiert uns die nette Dame die „Anse des Broches“, den Schiffsfriedhof, „Saint Sauveur“, „Ker Chalon“ und noch manch andere Orte, an denen Jean Rigaud seine Staffelei aufgestellt hatte, auf einer Karte der kleinen Insel, die mit dem Fahrrad in einigen Stunden zu umrunden ist.

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Mit Fahrrädern machen wir uns am nächsten Morgen auf Entdeckungstour. Am Hafen werden Leihräder angeboten, aber wir finden einige ältere Modelle in einem Schuppen zwischen alten Bilderrahmen, Blechdosen mit Pinseln und Terpentinbüchsen.

Zunächst geht es nach „Port Joinville“, dem quirligen Hauptort der Insel. Die Straßen sind ein einziges Gewirr aus Fußgängern, Radfahrern und alten 2 CV Modellen. Normalerweise hat der Ort etwa 4.000 Einwohner, doch im Sommer verfünffacht sich die Zahl. Hier kommen je nach Gezeiten die Fähren vom Festland an und bringen neue Urlauber und Tagesausflügler. Vor einem Fischgeschäft wird ein toter Hai in den Auslagen bestaunt. Antiquitätenläden, Fahrradverleih, Bars.

Uns zieht es zur „Coopérative Maritime“, wo man alles findet, was ein Seemann benötigt: Barometer, Stiefel, Schnüre und Kordeln, Tauchanzüge, Bücher zur Meereskunde. Unter den Fachbüchern ist auch ein Farbband über Werke der Marinemaler, in dem uns zwei „Jean Rigaud“ begegnen.

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Jetzt zieht es uns in die kleinen engen Gassen des Ortes in Richtung zur Kirche hinauf. Wir müssen den Ort, an dem der Marinemaler seine Staffelei aufgestellt hatte, um dieses Bild von Port Joinville 1961 zu malen, nicht lange suchen. In mehr als fünfzig Jahren hat sich hier kaum etwas verändert. Wir können jede Linie des Bildes in der Natur nachvollziehen.

Die westliche Küste ist wild und voller Granitfelsen. Als wir an der „Pointe du But“ von den Rädern steigen, fährt ein Fischkutter mit rostroten und weißen Segeln an uns vorüber. Etwas weiter liegt eine Bucht mit feinem Sandstrand: die „Anse des Broches“. Die Szenerie, die wir als 1991 gemaltes 50×73 cm Ölbild kennen, liegt in voller Größe vor uns. Diese Perspektive hatte der Maler ausgewählt, und selbst die kleinen Hüttchen, in denen die Fischer ihr Material aufbewahren, sind noch unverändert vorhanden. Nur der Himmel ist heute etwas freundlicher als auf dem Gemälde von Jean Rigaud.

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Auf der Fahrt nach „Saint Sauveur“ begegnen uns wieder Fahrräder in Massen. Sie sind hier das Hauptverkehrsmittel. Am großen Leuchtturm vorbei und am winzigen, tief eingeschnittenen Hafen von „La Meule“, erreichen wir den Ort im Zentrum der Insel mit seiner beeindruckenden romanischen Kirche aus dem 11. Jahrhundert. Hier findet allmorgendlich ein kleiner Markt statt. Die „Patisserie Mousnier“, die wie eine Puppenstube anmutet, verkauft die besten Pflaumenkuchen, die Spezialität der Insel und „Betchet“, kleine trockene Kuchen in Brötchenform. Wir suchen eine Perspektive, die Jean Rigaud als Ölgemälde 1963 auf eine 40×100 cm große Leinwand gebannt hat. Eine markante Turmruine hilft uns weiter. Die Häuser sind hier wie überall auf der Insel ebenerdig, weiß getüncht und mit blauen Blendläden versehen. Eine Kiefer, die auf dem Gemälde bedeutend kleiner ist, zeigt uns die vergangene Zeit. Auf dem Ölbild stehen die hellen Häuser in starkem Kontrast zu einem tiefdunklen Himmel.

Uns ist der Wettergott wohl gesonnen und schickt Sonnenstrahlen in Fülle vom Himmel. Das genießen auch die Touristen, die durch die engen Gassen des historischen Ortes schlendern. Für sie ist die Insel ein Paradies zum Baden in versteckten Sandbuchten, Bräunen, Tauchen, Segeln, Promenieren und Nichtstun. Für uns ist die Ile d’Yeu die Insel des Marinemalers.

Jörg Hartwig

 

Frankreich: Gallische Gelassenheit im Parc Astérix

Er sitzt auf seinem überdimensionalen Hinkelstein und schmunzelt verschmitzt. Vermutlich darüber, dass alle Spaß haben: Monsieur Asterix, die Pariser Alternative zu Mister Mickey Mouse.

Immer mit der Ruhe

Wer mit amerikanischen Themenparks vertraut ist, merkt es schnell: Der Parc Astérix ist anders. Schon am Eingangstor fällt es auf: Kein Drängeln, keine Hektik. Hier ist der Einlass in eine bunte und blühende Welt, die sich große und kleine Besucher in Ruhe betrachten können, ohne gleich von den Eindrücken erschlagen zu werden. Die Geräuschkulisse: keine genervten Eltern oder überdrehtes Kindergeschrei, mehr die Atmosphäre von fröhlichem Familienausflug. Automatisch stellt sich Schlendrian ein und der Bummel durch fünf Themenwelten mit 31 Attraktionen kann beginnen.

Dorfidylle

Im „Village Gaulois“ kann man das Zuhause von Asterix und Obelix erforschen. Kinder staunen über Obelix’ kleine Mahlzeit für Zwischendurch, den überdimensionalen Wildscheinbraten am Spieß, und finden es ulkig, in seine Riesenlatschen zu steigen. Na, und dann erst die Kulleraugen, wenn sie dem Comichelden in Persona gegenüberstehen. Während der beschaulichen Bootsfahrt, vorbei an liebevoll und lebendig nachgestellte Szenen aus dem Leben der verrückten Gallier, die so gerne Römer verhauen, weiß mancher Erwachsener nicht, wohin er schauen soll: Zu den Pimpfen, die sich darüber kringelig lachen oder dem Gebotenen. Im Druidenwald haben Eltern von Mini-Kids Pause, denn die sind auf dem dazugehörigen Kinderspielplatz, mit Wasserfontänen und Baumstammrutschen schwer beschäftigt.

Hier geht’s rund

Doch wer glaubt, hier läuft alles nur in ruhigen Bahnen, irrt gründlich. Dafür sorgt spätestens eine der Hauptattraktionen „Goudurix“, die stählernde Achterbahn, bei der es mit 75 Sachen durch sieben Loopings geht. Hier fällt einem tatsächlich der Himmel auf dem Kopf und den Boden unter den Füßen findet man nach dieser Fahrt kaum mehr. Der Adrenalinspiegel hat sich eingepegelt, also gleich weiter zum hölzernen Pendant. Der „Tonnerre de Zeus“ macht seinem Namen alle Ehre und donnert 84 Stundenkilometern fast anderthalb Minuten durch die Kurven. Hinter bleibt das Gefühl, dass die Gesichtszüge auf der Strecke geblieben sind.

Für Abkühlung sorgt, sofern man im Spritzbereich der neun springenden Delfine sitzt, die Show im „Théâtre de Poséidon“. Mit etwas Glück, wird für Kinder wahr, wovon viele Erwachsene träumen. In riesigen Schwimmwesten versunken dürfen sie zusammen mit den Trainern die Tiere zu Kunststückchen animieren und natürlich auch streicheln. Wenn die Tiere dann durch das Becken flitzen, ist kaum möglich dem akrobatischen Wasserballet zu folgen. Aber auf keinen Fall möchte man auch nur einen Sprung verpassen. Das Herz hüpft jedes Mal mit.

Immer noch frisch, aber aktionsreicher geht es beim Menhir Express mit der finalen Fahrt vom 13 Meter hohen Wasserfall zu. Wasserratten kommen auf der 195 Meter langen Reifenrutsche des L’Oxygénarium auf ihre Kosten und nicht minder auf der Wildwasserfahrt in der römischen Ecke bei „Romus et Rapidus“.

Liebe zum Detail

Was am meisten Laune macht in diesem Park sind die Farben: Prall, aber nicht schrill mit viel Liebe zum Detail. Das offenbart sich ganz besonders auf der Zeitreise im Bereich „A travers le temps“, wo vor bunten Buden schaustellerisches Treiben herrscht und Künstlerisches wie Kunsthandwerkliches vom Mittelalter bis zum späten 19. Jahrhundert präsentiert wird. In der Rue de Paris fehlt eigentlich nur der rauchige Klange der Diseuse, um die Stimmung perfekt zu machen.

Immer wieder führt der Blick hoch zu Monsieur Asterix: Vielleicht schmunzelt er auch aus Stolz über seinen Park, in dem sich seit seinem Bestehen über 30 Millionen Menschen vergnügt haben.

Petra Meisel

 

Frankreich: Die Töpfer von Betschdorf

Dominic Burger lässt die Hände nicht von dem Klumpen Erde, der sich vor ihm auf der Töpferscheibe dreht. Mit geübten Handgriffen umfasst er  den grauen Ton und zieht ihn konzentriert zu einem hohen, bauchigen Weinkrug. Neben ihm stehen schon weitere Exemplare in Reih und Glied. In Betschdorf, einem kleinen Dorf im nördlichsten Zipfel des Elsass, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, führt er seine Werkstatt, zusammen mit seiner Schwester Annick. Und dort dürfen die Besucher gerne einen Blick über seine Schulter werfen.

Acht Töpfer gibt es noch in Betschdorf, die die alte Technik der Herstellung von Steinzeug beherrschen. Denn diese grauen Tonwaren, mit den typischen blauen Motiven, dienen und dienten seit jeher der Aufbewahrung von Lebensmitteln. Zusammen mit dem benachbarten Soufflenheim bildet der Ort das Töpferzentrum in der nordöstlichsten Region Frankreichs.

Töpfern ist Handarbeit und Erfahrungssache. Bis zu zwölf Arbeitsgänge sind nötig, damit schließlich ein wohlgeformter Krug gebrauchsfertig ist. Denn nach dem Töpfern müssen die Tonwaren einige Tage trocken, ehe der Henkel dran kann. Danach folgt die Verzierung, die Aufgabe  von  Annick Burger. Mit eine spitzen Holzstab ritzt sich geschickt Weinblätter und Trauben ein. Wie viele Beeren sie formt? „Je nach Lust und Laune, und natürlich nach der Optik“, lacht sie und befreit den Krug von überflüssigem Ton. Neben traditionellen Mustern, die bei älteren Generationen Erinnerungen wach rufen, werden zunehmend auch moderne Formen verwandt. Erst danach  erhalten die Krüge ihre typische kobaldblaue Färbung.

Einmal im Monat wirft Burger den Brennofen an. Bei 1250 Grad Celsius wird das Werk der vergangenen vier Wochen dann vollendet. Sobald die Ware aufgeschichtet und der Ofen heiß ist, bläst der Töpfer eine spezielle Salzlasur  durch kleine Düsen ein. „Das  Salz legt sich auf die einzelnen Stücke und sorgt für den besondere Glanz“, erklärt er den Besuchern.

Zum Aufbewahren eignet sich Steinzeug wunderbar, „besser als Plastik“, wie Burger findet. Das wussten schon Generationen von Franzosen. Kochen und backen würde er mit seinen Erzeugnissen allerdings nicht. Dafür gibt es die Tonwaren aus Soufflenheim. Dort wurde eine ganz andere Kultur entwickelt. Dominic Burger erklärt den kleinen, aber feinen Unterschied:  „Die Töpfer benutzen eine  andere Tonmischung, die hitzebeständig ist. Und eine andere, meist in Ockertönen gehaltene Verzierung für die Gebrauchskeramik.“

Typisch für das Elsass: Baeckeoffe

Eine Kostprobe aus den Soufflenheimer Töpfen sollte man sich bei einem Elsass-Besuch nicht entgehen lassen: Den Baeckeoffe. Fleisch von Lamm, Schwein und Rind wird zusammen mit viel Gemüse, vor allem Kartoffel, langsam im Ofen gegart. Hausfrauen haben früher dieses typische Essen zum Bäcker gebracht, der es in seinen großen Ofen schob, während die Frauen am Bach die Wäsche wuschen. Nach getaner Arbeit war auch das Essen fertig. So kam das Gericht zu seinem ungewöhnlichen Namen.  Noch heute ist es bei den Elsässern beliebt. Und für die Touristen ein ganz besonderer Gaumenschmaus, der mit einem Glas Cleeburger, einem Sekt der Region,  als Aperitif eröffnet wird.

Urtümlich und gepaart mit der elsässischen Gelassenheit darf man die Spezialität in der Moulin des 7 fontaines in Drachenbronn genießen. Die ehemalige Mühle aus dem 18. Jahrhundert wurde zu einem schmucken Restaurant ausgebaut und bietet Fremdenzimmer und kleine Ferienwohnungen an. Urlaub auf dem Bauernhof eben, mit Familienanschluss und vielen Tieren.

Diana Seufert

Frankreich: Bon appétit, Lyon!

Alexa Christ: Austernstand in Markthalle Paul Bocuse

Ville de gueule“ – Gaumenstadt – so lautet der schmeichelhafte Beiname von Lyon. Warum? Weil hier anspruchsvolle Volksküche und Haute Cuisine seit jeher eine köstliche Verbindung eingehen. Eine Stadt mit Geschmack.

„Ich esse nicht gern – tue es nur, weil es eine Notwendigkeit ist.“ Die beiläufige Aussage schlägt ein wie eine Bombe. Bei jedem anderen wäre sie nicht eine solche Stolperfalle, aber aus dem Mund eines Spitzenkochs? In der Schlemmerhauptstadt Frankreichs? Unglaublich! Das muss Davy Tissot, 39 Jahre alter, mit einem Michelin Stern dekorierter Chefkoch des Nobel-Restaurants „Les Terrasses de Lyon“, dann doch ein bisschen genauer erklären. Also doziert er: „Es gibt zwei Sorten Köche. Jene, die gern essen und erst mal sich selbst Genuss verschaffen und solche, die nicht gern essen, aber anderen eine Gaumenfreude bereiten wollen.“ Er gehöre eben zu letzterer Kategorie, fügt Monsieur le Chef lapidar hinzu und marschiert danach schnurstracks zum Stand von Maurice Trolliet, dem Fleischhändler seines Vertrauens. Wir befinden uns in den „Markthallen Paul Bocuse“ – dem Bauch von Lyon. Der lukullischen Schatzhöhle der Stadt. Dem „Sesam öffne dich“ aller Gourmets. Hier stapeln sich Hühnchen aus Bourg-en-Bresse, Käse aus der Savoie, Rindfleisch aus Charolais, Krebse aus Bugey, Früchte aus dem Rhônetal und Weine aus dem Beaujolais, dazu Austern, Trüffel, Wurstwaren, Pasteten, Petits Four und vor allem Foie Gras soweit das Auge reicht. Wem bislang noch nicht klar war, dass sich in Lyon alles, aber auch wirklich alles ums Essen dreht, dem dürfte spätestens hier ein Lichtlein aufgehen, wie es so schön heißt. Alexa Christ: In der Markthalle Paul Bocuse

Lyon ist die Hauptstadt des Departements Rhône-Alpes. In der knapp 500 000 Einwohner zählenden Metropole gibt es 2000 Restaurants, 16 davon mit ein bis drei Michelin Sternen ausgezeichnet. Wer hier zu McDonald’s geht, ist selber schuld. Tissots Augen funkeln, als er auf die gerupften Hühnerleiber deutet, die sich in Trolliets Auslage dicht aneinander schmiegen, so als könnten sie einander auf diese Art wärmen. Schon schwärmt der sonst eher scheue Koch von „Poularde de Bresse en vessie“. Da werde das Hühnchen in eine Schweineblase gesteckt und gekocht. Auf diese Weise bleibe das Fleisch besonders zart. Ehe Tissot weitere klassische Gerichte der Lyoner Küche preisen kann, biegt der Fleischhändler Maurice Trolliet ums Eck, um seinen Stammkunden persönlich zu begrüßen. Trolliet trägt einen weißen Kittel, dessen Kragen die Farben der Tricolore zieren, und den Titel „Meilleur Ouvrier de France“, bester Arbeiter Frankreichs. Was wie die Auszeichnung für den LPG-Genossen des Monats klingt, ist in Wahrheit so etwas wie der französische Gastro-Oscar. Es versteht sich von selbst, dass auch Davy Tissot in die illustre Riege der besten, ja Sie wissen schon, Arbeiter des Landes gehört. Heute ist er mit einem Schüler in den Markthallen unterwegs, der einen Meisterkurs bei ihm gebucht hat. Der Zahnarzt Philippe Sauvages aus Lille ist bekennender Tissot-Fan. Was er an der Küche des Spitzen-Kochs so schätzt? „Nehmen Sie ein Symphonieorchester“, zieht er einen musikalischen Vergleich. „Darin gibt es so viele Instrumente, aber man hört noch ganz genau die Violinen heraus. Genauso ist es mit Davys Gerichten auch.“ Aha, mit anderen Worten: Tissot hat das Credo der modernen Küche verinnerlicht – den Zutaten ihren Eigengeschmack zu belassen. Alles andere wäre auch verwunderlich, denn schließlich ist Lyon die Stadt des wohl bekanntesten Kochs der Welt. Seit 1965 räumt Paul Bocuse mit schöner Regelmäßigkeit Jahr für Jahr drei Sterne im Guide Michelin ab. Er gilt als Revolutionär der Küche, als Übervater der französischen Gastronomie.

Alexa Christ: Davy Tissot beim Anrichten

Davy Tissot beim Anrichten

Also ist in Lyon alles Paul Bocuse? Mitnichten. Es wächst eine neue Riege junger, kreativer Köche heran, die mit erfrischender Respektlosigkeit am Sockel des Altmeisters kratzen, der seit Jahren ohnehin nur dasselbe kocht. Nicolas Le Bec ist so einer. Über Bocuse sagt er: „Natürlich hat er die Küche revolutioniert, aber das ist keine Küche für jeden Tag. Es ist schlicht und einfach nicht das, was ich machen will.“ Als der Bretone nach Lyon kam, ließ er die Bocuse-Restaurants (es gibt derer fünf in Lyon) folglich konsequenterweise links liegen, heuerte im wunderschönen Hotel Cours des Loges an, gewann im Handumdrehen einen Michelin Stern und wurde zum Dank gefeuert. Das Restaurant war auf Monate ausgebucht, gab den Hotelgästen zu wenig Gelegenheit, auch dort zu speisen. Le Bec nahm’s gelassen und eröffnete sein eigenes Restaurant, in das ihm die Gäste schon bald wieder treu folgten. Sein neuester Geniestreich ist das „Rue Le Bec“ im Stadtteil Confluence. Dort zeigt sich Lyon, dessen Altstadt mit den vielen Renaissance-Bauten Unesco-Erbe ist, von seiner modernen Seite. Zwischen den Ufern der Flüsse Saône und Rhône entsteht gerade ein Viertel mit Industrial Chic und erstklassiger Gastronomie. Le Becs Speisentempel ist in einer großen ehemaligen Salzfabrik untergebracht. Aber, was ist es denn nun eigentlich? Restaurant? Markthalle? Einkaufszentrum? Ein bisschen von allem. Zweihundert Sitzplätze hat der Laden, rechts und links an den Seiten befinden sich kleine „Shops“: Bäckerei, Fischhändler, Metzger, Delikatessenladen, Weinkeller, ach ja und ein Zigarrenclub ist auch noch da. Hier sitzt der Geschäftsführer neben der Sekretärin und lässt sich Dorade auf Weißweinsauce, Lauch und Spinat schmecken. Die Preise sind moderat, die Gerichte unprätentiös, von bester Qualität und vor allem eines: leicht.

Deftiges und Innereien

Ganz im Gegensatz zur traditionellen Cuisine Lyonnaise. Für das, was in der Zwei-Flüsse-Stadt seit Jahrhunderten auf den Teller kommt, braucht es mitunter einen starken Magen. Also blicken wir einmal kurz in die Geschichte. Heute ist die Welt der Spitzengastronomie von Männern dominiert, doch den kulinarischen Ruhm Lyons begründeten Frauen. Die „Mères Lyonnaises“ – die Mütter von Lyon – waren Köchinnen, die mit der Wirtschaftskrise  Ende des 19. Jahrhunderts ihre Stellungen in großbürgerlichen Haushalten verloren. Daraufhin eröffneten einige von ihnen kleine Restaurants und bekochten hauptsächlich Handwerker, allen voran die in Lyon seit Jahrhunderten ansässigen, „Canuts“ genannten Seidenweber. Und was landete auf dem Teller? Viel Deftiges. Innereien aller Art – Sie machen sich ja keine Vorstellung davon, welche Teile des Tiers alle essbar sind. Schweineohren, Rinderkutteln, Kalbsbries, Gänseleber, Schafsköpfe … die Zeiten waren hart. Als sie wieder besser wurden, fügten die Mütter Gerichte wie Trüffelcremesuppe, überbackene Hechtklöße mit Krebsbutter, Artischockenherzen mit Foie Gras und das berühmte „Poulet de Bresse demi deuil“ (Huhn mit Trüffeln) hinzu. Letzteres stammt von der bekanntesten Mère überhaupt – der Mère Brazier. 1933 erhielt sie als erste Frau drei Michelin-Sterne. Bei ihr aßen General de Gaulle, Edith Piaf und Agha Khan. Der Direktor des noblen Waldorf Astoria versuchte vergeblich, sie nach New York zu holen, und ein indischer Maharadscha lockte sie mit goldenen Kasserollen, in denen sie in seinem Palast ihre göttlichen Speisen kochen könne. Eugénie Brazier entgegnete trocken: „Glauben Sie, dass meine Gerichte aus Ihren Goldkasserollen besser schmecken als aus meinen einfachen Töpfen?“

Alexa Christ: Metzgerei in Lyon

Das freche Mundwerk gehörte ebenso zu den meisten Mères wie das begnadete Talent fürs Kochen. In den „Bouchons“, den traditionellen Lyoner Lokalen, kann der Gast noch heute die von ihnen kreierten Speisen genießen. Oder vielleicht eher ihre modernisierte, dem heutigen Zeitgeist und Geschmack angepasste Version? So scheint es zumindest im Bouchon „Le Canut et les Gônes“ mitten in Croix Rousse. Das ehemalige Viertel der Seidenweber ist schwer angesagt bei den so genannten „Bobos“, den bourgeoisen Bohemiens. Die auch in Frankreich bekannten Latte Macchiato-Mütter und gut betuchten Kreativlinge aller Art leben hier in vier Meter hohen Altbauappartements, in denen noch im 19. Jahrhundert die Jacquard-Webstühle der Canuts standen. Mit seinen kleinen Boutiquen und Designläden, den zahlreichen Cafés, Kneipen und Restaurants erinnert Croix Rousse ein wenig an Berlins Prenzlauer Berg. Folglich weicht das Le Canut et les Gônes auch vom traditionellen Ambiente eines Bouchons deutlich ab. Man speist an Tischen und Stühlen im Vintage-Design, an den Wänden kleben unzählige Uhren der 60er und 70er Jahre, an der Decke hängen Glühbirnen in farbigen Glasflaschen, und die großgemusterte Retro-Tapete in Orange, Grün und Braun müsste eigentlich Augenkrebs verursachen, wirkt in dieser Umgebung aber schon wieder kultig. Und was gibt die Karte her? Et voilà: „Das Beste vom Huhn an Blaubeersauce mit Pilzen aus Lozère und Steckrübenkugeln“. Trendig und schick, wie es die Bobos lieben.

Alexa Christ: Joseph Viola in seinem Bouchon

Joseph Viola in seinem Bouchon

Ein derartig designtes Gericht käme bei Joseph Viola nicht auf den Teller. Der Mann aus den Vogesen ist seit 2004 Chefkoch des „Daniel et Denise“, einem von gerade mal noch sechs bis sieben wahren Bouchons der Stadt, wie er behauptet. Wenn es darum geht, was ein solches Restaurant ausmacht, vertritt Monsieur Viola eine sehr entschiedene Meinung. „Ein Bouchon ist ein Ort mit Geschichte. Dort serviert man traditionelle Gerichte mit regionalen Produkten“, erklärt er streng und fügt hinzu: „Ein Bouchon vermittelt ein Gefühl der Sicherheit. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben.“ Fürwahr. Das Daniel et Denise war früher eine Metzgerei, woran noch immer die zum Teil weiß gekachelten Wände erinnern. Im 2. Weltkrieg versteckten die Besitzer in ihrem Keller Résistance-Kämpfer wie Jean Moulin. Heute hängen Kupferpfannen und –töpfe an den Wänden, sowie diverse Auszeichnungen à la „Bestes Restaurant in Lyon 2011“. Die einfachen Holztische zieren Tischdecken mit rot-weißem Vichy Karo. Ein absolutes Muss. „Paté en croûte“ ist das Gericht, das Viola am liebsten kocht. Geflügelleber braucht diese Pastete, Kalbsbries, Schweinefleisch und natürlich Foie Gras, denn ohne die berühmte Gänsestopfleber – die sicherlich Geschmacksache ist – geht in Lyon gar nichts. 2009 wurde sogar eine Bruderschaft der Paté en croûte gegründet – man stelle sich mal eine Bruderschaft des Rheinischen Sauerbratens oder dergleichen bei uns vor. Nun gut, in Lyon ist eben alles, was mit Essen zu tun hat, ein Heiligtum. Vor drei Jahren trug die Bruderschaft erstmals „Weltmeisterschaften“ im Paté en croûte kochen aus, und wer durfte den Titel mit nach Hause nehmen? Richtig, Joseph Viola, der Bewahrer der traditionellen Cuisine Lyonnaise. Seine Klientel kennt der pfiffige Koch ganz genau. „Stellen Sie sich mal vor, ich würde hier ein Gericht mit Kaviar machen – das würde nie funktionieren. Dafür kommen die Leute nicht her.“ Recht hat er. Kritischere Gäste als die Einwohner von Lyon kann ein Koch kaum haben. Taxifahrer Pierre Rüty zum Beispiel. Der schimpft unumwunden: „Gehen Sie in ein Restaurant, das Nouvelle Cuisine serviert, und Sie gehen mit Hunger wieder raus. Das ist wie Kebab essen.“ Aber nicht doch, Monsieur! Das kann in Lyon wirklich nicht passieren. Pas du tout!

 Alexa Christ

Frankreich: Internationales Festival für Naturfotografie von Montier-en-Der

C. Nowak: Kranichrast

Das Internationale Festival für Naturfotografie von Montier-en-Der findet in diesem Jahr vom 21. bis 24. November statt. Der kleine Ort der Champagne-Ardenne erwartet rund 50.000 Besucher zu dieser Veranstaltung.

Zwei Themen stehen bei der 17. Ausgabe des Festivals im Vordergrund: das Lebenselement Wasser und die Astronomie. Der kanadische Atom- und Astrophysiker Hubert Reeves richtet in der Abteikirche des Dorfes ein Planetarium ein.

Das Festival steht unter dem Patronat der französischen Seglerin Isabelle Autissier, die als erste Frau im Rahmen einer Segelregatta einhand die Welt umrundete, sowie des legendären Naturfotografen Vincent Munier, der zum Festival sehr künstlerische Fotografien mitbringt.

Zu den Ehrengästen gehört auch Thorsten Milse aus Deutschland, der als Fotograf internationales Ansehen genießt. Seine „Polar World“ entführt in die eisigen Welten der Arktis und der Antarktis.

Mehr als 50 Fotografen und Arbeitsgruppen stellen bei der Veranstaltung aus. Bei Vorträgen erfahren die Besucher, unter welch abenteuerlichen Umständen die Fotos teilweise entstanden sind. Zudem sind Gesprächsrunden zu Umwelt- und Naturthemen vorgesehen. Ein wahres fotografisches Happening warnt vor dem Aussterben der bedrohten Berggorillas. Auch der Film „Der Mensch und das Meer“ von Yann Arthus-Bertrand dringt auf verantwortungsvolles Umgehen mit der Natur.

Das Festival von Montier-en-Der findet etwa zeitgleich mit dem Kranichzug in der Region statt. Der Ort befindet sich nur wenige Kilometer vom „Lac du Der“, der mit 48 km² Fläche, der größte Stausee Frankreichs ist. Die majestätischen Vögel machen hier auf ihrem weiten Flug von den Brutplätzen im Norden zum Überwintern in Spanien und Marokko Station. Zum Höhepunkt der Saison kommen rund 70.000 Tiere zusammen. Vogelkundliche Exkursionen werden zur Zeit des Festivals von Montier-en-Der von den Fremdenverkehrsämtern des „Lac du Der“ und des „Lac de la Forêt d’Orient“ in Zusammenarbeit mit dem Vogelschutzbund LPO organisiert.

Frankreich: Das Städtchen Saint-Jean-Pied-de-Port am Jakobsweg

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Wo das baskische Herz schlägt

Kein Zweifel: Pilgern liegt im Trend. Ob Europäer oder Asiaten, vor allem aber Deutsche packen ihren Rucksack, um sich auf den Jakobsweg zu machen, die berühmteste aller Pilgerrouten in Europa.

„Mein Weg beginnt in Saint-Jean-Pied-de-Port“, heißt es in Hape Kerkelings Bestseller Ich bin dann mal weg. Seine Pilgerreise nach Santiago di Compostela startete der Entertainer genau hier „am Fuß der französischen Pyrenäen in einem winzigen mittelalterlichen Städtchen.“ Der malerische Ort im Süden Frankreichs nahe der spanischen Grenze ist Ausgangspunkt seines Pilgertagebuchs, das viele Deutsche auf die Idee brachte, auch den Jakobsweg zu gehen.

IMG_2815„Die Zahl der deutschen Pilger ist in den letzten Jahren nach oben geschnellt“, sagt Jean Langrené vom Pilgerbüro in Saint-Jean-Pied-de-Port. „Die Deutschen stellen bei uns inzwischen die größte Gruppe.“ In dem 1600-Einwohner-Städtchen kommen drei Pilgerrouten zusammen. Es ist die letzte Etappe auf französischem Boden, bevor der Jakobsweg über die Pyrenäen nach Spanien führt. Dieser Lage verdankt der Ort seinem Namen: Heiliger Johann am Fuße des Passes.

Viele Wallfahrer beginnen ihre Reise auf dem Jakobsweg erst in Saint-Jean-Pied-de-Port. Im Pilgerbüro, dem Acceuil des Pèlerins, drängeln sich die Neuankömmlinge. Jean Langrené und seine ehrenamtlichen Kollegen haben allerhand zu tun. Sie beraten, vermitteln Unterkünfte, verteilen Etappenpläne. „Ich liebe diesen Esprit der Jakobspilger“, erzählt Jean begeistert und stempelt sorgfältig einen Pilgerpass ab, Nachweis und Stolz eines jeden Wallfahrers.

IMG_2823Das Städtchen mitten im französischem Baskenland ist inzwischen weltbekannt – vor allem der Pilger wegen, die seit dem Hochmittelalter hier durchziehen. Damals wie heute passieren rucksackbepackte Wallfahrer jeden Alters die Rue de la Citadelle, die Hauptgasse, die steil nach oben führt. Über den Eingangstüren der Steinhäuser sind die Namen der früheren Besitzer eingemeißelt, meist in baskischer Sprache. Auch das baskische Kreuz, Lau Buru genannt, das an ein Windrad erinnert, ist an den weißen Häuserfronten mit den typisch roten Fensterläden zu erkennen.

In einem der jahrhundertealten Häuser hat Jean-Pierre Bonhomme seine Herberge Le Chemin vers l’Etoile eingerichtet. Den Eingang ziert eine Jakobsmuschel, das Erkennungszeichen der Pilger auf dem Jakobsweg. Der Franzose diskutiert leidenschaftlich gerne mit den Wallfahrern aus der ganzen Welt. „Pilgern bedeutet, sich zu fragen: „Wer bin ich?“, philosophiert der 60jährige Herbergsvater, „und: an seine Grenzen zu stoßen.“

Manche Pilger besuchen die Abendmesse in der Kirche. In deren Turm ist eine Madonna platziert, die tatsächlich so bezaubernde Augen wie Romy Schneider hat. Sie schauen auf die Brücke über den Fluss Nive. Ein romantischer Blick wie in eine andere Zeit, auf Mittelalterhäuser mit Holzbalkonen und Außentoiletten.

Doch nicht alle Pilger sind aus religiösen oder spirituellen Gründen unterwegs. „Wir IMG_2958wandern gerne, lieben die Natur“, meinen Marianne Egger und Antonia Mutz aus Südtirol, die sich gerade ihre Herbergsbetten zuweisen lassen. „Der Jakobsweg erscheint uns wie eine Ameisenstraße: morgens machen sich die Pilger zeitig auf den Weg und abends finden sie sich in der nächsten Herberge wieder zusammen.“ Die beiden sind froh, diesmal das Zimmer ‚nur’ mit acht weiteren Pilgern teilen zu müssen. Männer und Frauen alle in einem Raum. Hoffentlich kein Schnarcher dabei, hoffen die Geräuschsensiblen.

Hape Kerkeling allerdings empfand die örtliche Pilgerherberge in Saint-Jean-Pied-de-Port dann doch etwas zu gesellig. Er übernachtete nicht ganz pilgerkonform im Hotel des Pyrenees, das erste Hotel am Platz. „Nur wenige Pilger kommen zu uns“, meint Philippe Arrambide, Hotelbesitzer in vierter Generation und prämierter Küchenchef. So lassen sich vor allem Gourmet-Touristen seine Sterne-Küche schmecken und einige wenige Promi-Pilger.

Die Stadt lebt vom Geschäft mit Wallfahrern und Touristen. Die Rue d’Espagne ist gesäumt von kleinen Geschäften, die eine große Auswahl an Mitbringseln anbieten: von den geflochtenen Espandrilles-Schuhen bis zum Schinken und Schafskäse, dem Fromage de Brebis. Besonders schön: das baskische Leinen für Servietten, Küchentücher- und schürzen.

Plötzlich fängt ein älterer Mann mit Baskenmütze mitten auf der Straße an zu singen. Ein Ständchen auf Baskisch zur Begeisterung des Spontan-Publikums, gleich beim Restaurant Iratze. Auch das ist durch und durch Baskisch, nicht nur der typisch baskischen Leinentischdecken wegen. „Wir servieren aus Überzeugung die traditionelle Küche des Baskenlandes mit Produkten aus der Region“, sagt der Chef Girard Leclercq und lächelt, „die Rezepte stammen noch von meiner Großmutter.“ Selbst das Schild zur Toilette ist auf Baskisch und deshalb der Weg dorthin für Nicht-Basken fast nicht zu finden.

Das Lokal liegt direkt an der alten Stadtmauer von Saint-Jean-Pied-de-Port. Sie ist so gut erhalten, dass man auf ihr spazieren kann. Dieser Rundweg, der Chemin de Ronde, reicht fast bis zum Stadttor Saint Jacques, welches zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Von diesem Ausgangspunkt des offiziellen Jakobswegs beginnt der recht steile Aufstieg über einen Kopfsteinpflasterweg.

Steil ist auch der daneben liegende Fußweg zur Zitadelle. Nur wenige Pilger haben IMG_3074noch die Kraft und Muße, dort hinauf zu wandern, um den weiten Blick in die grüne Landschaft der Pyrenäen zu genießen. 80 Meter hoch über der Stadt thront die Wehranlage, die der Sonnenkönig Ludwig XIV. vom Festungsbaumeister Vauban umgestalten ließ. „Noch bis 1920 diente die Zitadelle als Garnison“, erklärt Alain Zuaznabar, der Touristen auch in den Keller der Zitadelle führt. Der riesige Brotofen dort hat früher Hunderte von Soldaten versorgt.

Die Jakobspilger der vergangenen Jahrhunderte mussten sich um ihr Brot selbst kümmern. Pilgern war damals viel unbequemer als heutzutage. Das wird beim Besuch des kleinen Pilgermuseums im Prison des Eveques klar. Die Ausstellung in dem mittelalterlichen Gebäude mit Verliesen erzählt von der Zeit als nur ein Strohhaufen als Pilgerbett diente. Und in den Klöstern auf der Strecke musste stets ein des Schreibens fähiger Mönch bereitstehen, dem der Pilger im Notfall sein Testament diktieren konnte. Da ist es im Saint-Jean-Pied-de-Port von heute doch komfortabler.

Daniela David

Frankreich: Normannische Pferdewelt

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Es liegt an der Qualität des Grases, heißt es, weswegen sich die Normandie im Nordwesten Frankreichs so gut für die Pferdezucht eignet. Und tatsächlich, überall in der Landschaft – neben Fachwerkhäusern und unter Äpfelbäumen – stehen Pferde auf den grünen Weiden. Auf einer Reise in die Normannische Pferdewelt kann man die Vielfalt des hippophilen Frankreichs entdecken.

Die beiden Kaltblut-Schimmel ziehen mit Leichtigkeit die kleine Sportkutsche durch die nebelverhangene Landschaft. Ein schmaler Weg, eine kleine Anhöhe und William Lebègue auf dem Kutschbock ermutigt die zwei Wallache zum Galopp. Jetzt festhalten, mit beiden Händen, und sich ducken, denn die taubeladenen Äste der Bäume hängen tief. Der Wagen rumpelt und hüpft über den Feldweg. Das ist keine gemütliche Touristen-Kremser-Partie, sondern ein Abenteuer mit Percheron-Kraftpaketen. Wendig und temperamentvoll entkräften sie manches Vorurteil vom lahmen Kaltblüter.

Die ganze Familie Lebègue ist verliebt in die Percherons. Josiane und Pascal, ebenso wie Sohn William. Ihr Hof Ferme de Montaumer liegt in La Mesnière, mitten in der Region Perche, der HeiIMG_9826mat der Percherons, der wohl bekanntesten Kaltblutrasse Frankreichs. Wer die Zuchtpferde oder die vielen Kutschen der Familie besichtigt, kommt automatisch mit ihr ins Fachsimpeln und erfährt dabei vieles über die vom Aussterben bedrohte Pferderasse. „Inzwischen gibt es schon mehr Percherons in den USA als in Frankreich“, sagt Pascal Lebègue, „bei uns können die Menschen das Percheron-Pferd noch als Teil unserer eigenen Kultur kennenlernen.“

„Die Percherons haben einen absolut zuverlässigen Charakter“, davon ist Josiane überzeugt. Sobald sie die Koppel betritt, kommen die Mutterstuten mit ihren Fohlen angaloppiert und beginnen mit ihr zu schmusen. „Wir züchten vornehmlich zwei Farben“, erklärt die Französin, „die grauen Fohlen werden mit der Zeit weiß und die schwarzen bleiben schwarz.“ Am gefragtesten sind Apfelschimmel. „Nur im Tourismus und im Fahrsport werden die Percherons langfristig noch eine Zukunft haben“, vermutet William Lebègue. Der 31jährige hat auch beruflich aufs Pferd gesetzt und absolvierte eine Fahrlehrerausbildung im nahe gelegenen Haras du Pin.

Das Hippodrome de la Bergerie

IMG_0181Dieses normannische Nationalgestüt in einem 1100 Hektar großen Landschaftsareal wurde einst von Sonnenkönig Ludwig XIV. in Auftrag gegeben. 45 Deckhengste verschiedener Rassen gehören zum Gestüt, das älteste der 23 französischen Nationalgestüten. In dem Stallgebäude aus dem 18.Jahrhundert ist auch ein Pferdemuseum eingerichtet, das sich mit Wissen rund ums Pferd an ein breites Publikum wendet.

Mit dem Hippodrome de la Bergerie verfügt das Gestüt über eine eigene Galopprennbahn, die zweitälteste in Frankreich. „Im 19.Jahrhundert wurden an diesem Ort die ersten Flach- und Hindernisrennen veranstaltet“, erzählt Jean-Marie Mussat, der sich wie viele Helfer hier ehrenamtlich für die historische Rennbahn engagiert. Nur an drei Tagen im Jahr finden die Jagdrennen statt, die wie ein Familienfest auf dem Lande zelebriert werden. Es geht very british zu, wenn die Vollblüter an den Start gehen – von Perchorons keine Spur.

Selbst in der Herkunftsregion Perche ist es nur in wenigen Reitställen möglich, auf Percherons auch zu reiten. Laurence Lemaitre hat in ihrem Reitstall Perch’Orizon in Moutiers-au-Perche für solche Anfragen zwei Percherons im Stall. Der weiße Riese Lobo, ein Wallach, trägt Gastreiter durch die verträumte Landschaft und vermittelt das buchstäblich breite Gefühl, 850 bis 1000 Kilogramm unter sich zu haben.

IMG_9620Die grüne Region Perche, etwa eine gute Zugstunde von Paris entfernt, schätzen die Hauptstädter für den Wochenendausflug. Manche bleiben dann ganz hier, wie Carol und Pietro Cossu-Descordes. Sie haben einen alten Bauernhof aufwändig renoviert und bieten in ihrer Domaine de La Louveterie romantische Gästezimmer, ausgestattet mit Antiquitäten aus dem Familienbesitz. IMG_9773Ein echter Geheimtipp. Auf der Weide stehen ihre Pferde. „Mein Traum sind Wanderritte durch le Perche“, meint Carol, die ihren Mann während eines Reiturlaubs kennen gelernt hat. „Reiten verbunden mit kulinarischen Genüssen“, fügt Pedro hinzu und lächelt. Diese können Gäste übrigens jetzt schon im stilvollen Ambiente vor dem offenen Kamin genießen.

Die Normandie ist Pferdeland, über 13.500 Menschen sind in der Pferdewirtschaft beruflich engagiert. Die Züchterdichte ist die höchste in Frankreich. Eine Ursache hierfür sind die vielen Pferderennen, die hier stattfinden. Sie haben einen viel höheren Stellenwert als in Deutschland. Kinder kennen die Namen der Jockeys. Sechseinhalb Millionen Leute wetten auf Pferde, über ein Zehntel der Bevölkerung. Gewinne und Züchterprämien sind höher, davon leben viele Gestüte.

Als die prestigeträchtigsten Rennbahnen der Normandie gelten die von Deauville und Cabourg, noble Städtchen am Meer. „Zum täglichen Morgentraining haben Besucher freien Zugang“, erklärt der Direktor des Hippodrome de Deauville Yves Deshauyes, „doch die wirkliche Spannung fühlt man nur am Renntag.“ Von einem solchen IMG_9658Tag erschöpft, kann der pferdeinteressierte Tourist dann auf einem Gestüt übernachten, wie zum Beispiel in Quetteville. Cheval plus Hotel ergibt Chevotel, was soviel wie Pferdehotel bedeutet. Vom Fenster des Hotelzimmers aus sieht der Gast die Vollblüter auf der Koppel weiden. Viele internationale Rennpferde-Besitzer lassen ihre Tiere in Frankreich trainieren. Die gute Infrastruktur rund ums Pferd ist da ausschlaggebend. Vielleicht ist es aber auch das saftige Gras der Normandie

Daniela David

 

 

 

 

 

 

 

Korsika: Mittelmeerinsel für Herbstgenüsse

C. Nowak - Korsischer Käse

Gourmetfestivals wie Feigenfest, Honigfestival und Fest der Esskastanien machen die französische Mittelmeerinsel in den kommenden Wochen zum Reiseziel für Genießer.

In den kommenden Wochen wird Korsika zum idealen Reiseziel für alle, die Sommer und Lebensfreude eine persönliche „Verlängerung“ geben möchten. In den Spätsommer- und frühen Herbstwochen schlägt der Puls der französischen Mittelmeerinsel nach dem Trubel der Hochsaison wieder ruhiger – die ideale Zeit für authentische Korsikaerlebnisse. Besonders Freunde regionaler Spezialitäten und lokaler Erzeugnisse können jetzt typische Entdeckungen machen. Zahlreiche Gourmet- und Spezialitätenfestivals machen Korsika von September bis November zur Insel für Genießer.

Den Auftakt der Gourmetsaison macht das traditionelle Feigenfest in Peri am 16. September. Bei der „Festa di u Fica“ präsentieren korsische Feigenzüchter Köstlichkeiten aus der Ernte der Saison. Neben zahlreichen Kostproben erleben Besucher am Festtag Workshops und Musik.

Süße mediterrane Versuchungen bietet auch das Honigfestival: Zur „Mele in Fiesta“ am 22. September stellen Korsikas Imker in Murzo ihre Produkte vor und verraten mehr über zahlreichen Möglichkeiten, Honig in der Küche zu verwenden.

Einen späten Höhepunkt der korsischen Festivalsaison bildet dann die populäre „Fete du Marron“. Im Mittelpunkt des Festes der Esskastanien steht die Marone „Insitina“ von Evisa, deren Qualität weit über Korsika hinaus bekannt ist. Esskastanien gehörten Jahrhunderte lang zu den wichtigsten Erzeugnissen und Nahrungsmitteln der einheimischen Bauern. Das Einsatzgebiet der Kastanien ist vielfältig und reicht vom Rösten über ihre Verwendung für Polenta, Pfannkuchen, Kuchen und anderem. Die „Fete du Marron“ findet vom 23–25. November in Evisa statt.

Frankreich: Eine etwas andere Tour de France

Thomas Bauer mit dem Postzrad unterwegs

4.000 Kilometer, 15 Regionen und über 50 verzehrte Crêpes: Reisebuchautor Thomas Bauer hat Frankreich auf einem Postrad umrundet.

Eine Handvoll Touristen steht unschlüssig am Ufer der legendären Hafeneinfahrt von La Rochelle. Mal richten sie ihre Fotoapparate auf ein heimkehrendes Fischerboot, mal auf die Altstadtfront. Erst als ich an ihnen vorbeifahre, geht ein Ruck durch die Gruppe: Alle Kameras folgen mir. Zwei junge Männer stupsen ihre Partnerinnen an und zeigen mit dem Finger auf mich. Ich kann es ihnen nicht verdenken. Das Fahrzeug, auf dem ich unterwegs bin, ist ein dreieinhalb Meter langes, quietschgelbes Postfahrrad, an das sich ein einrädriger Anhänger anschließt. Dieser trägt, in einem ebenfalls leuchtend gelben Seesack verstaut, meinen Rucksack, fünfundvierzig Radwanderkarten, vier Liter Wasser und eine unvernünftige Menge Schokoladenkekse. So ausgerüstet beginnt meine Tour de France.

Treffen mit einer alten Liebe

Die ersten anderthalb Wochen meiner Reise waren eine Aufwärmübung für das, was mich am Nordrand der Pyrenäen erwartet. Dort legt mir die Strecke täglich neue Anstiege in den Weg. Mein Wasserverbrauch steigt auf sieben Liter pro Tag. Das T-Shirt haftet wie eine zweite Haut am Körper. An meinem ersten Tag im Baskenland presst mich die Sonne aus wie eine reife Orange, als ich mich an einer Anhöhe abmühe und direkt dahinter zu meiner Überraschung auf einen Haufen auf- und abspringender Menschen treffe. Weit ausholend schlagen sie auf Trommeln ein, die sie um die Hüfte gebunden haben. Männer, Frauen, Kinder laufen ungeordnet durcheinander, dazwischen huschen Hunde in entstehende Lücken. Gerade frage ich mich, ob ich an einem Sommerfest teilnehme oder ohne mein Wissen für die Loslösung des Baskenlands von Frankreich demonstriere, als ein weißhaariges, spindeldürres Männchen wie ein Wurfgeschoss von einem Tross tanzender Männer zur Seite geschleudert wird und mit voller Wucht in meine linke Flanke prallt. 

„Aïe, faut faire gaffe, putain!“, schreit er den feierwütigen Jugendlichen hinterher, was an dieser Stelle unübersetzt bleiben soll, mir jedoch augenblicklich klar macht, dass ich mit meinem Französisch bei ihm weiterkomme.
„Versuchen Sie erst mal, ein Postrad hier hindurch zu schieben“, merke ich an, als wir unsere Seiten massieren, er seine rechte, ich meine linke.
„Mein Gott, wohin wollen Sie denn mit diesem Ding?“
Einmal um Frankreich herum. Ich bin schon so oft hier gewesen – in La Rochelle, Le Puy und Lorient, in Metz, Narbonne und Orléans, in Paris, Pau und Perpignan – dass ich Frankreich inzwischen besser kenne als Deutschland. Doch je öfter ich herkomme, desto weniger weiß ich von eurem Land! Darum will ich es dieses Mal anders kennenlernen, von seinen Rändern her. Was feiert ihr da eigentlich?“
„Keine Ahnung „, sagt er reflexartig, um sofort darauf loszuprusten. „Mann, ich weiß es wirklich nicht! Es gibt bestimmt einen Anlass für das hier. Aber soweit ich mich erinnere, ist es seit siebenundzwanzig Jahren halt so, dass der Bürgermeister zum Fest einlädt, und alle machen mit.“ ThomasBauer_IlluMeyer_Rad

Die Franzosen haben sie also nicht verloren, denke ich erleichtert, die Augenblicksbezogenheit und die Gabe, aus den Umständen das Beste zu machen, die mich noch bei jedem meiner bislang vierzig Frankreichaufenthalte beeindruckt hat! Meine stetig wachsende Leidenschaft für alles Französische hat mir manche Diskussion mit kulturgeschockten Frankreichbesuchern eingebracht, die von der vermeintlichen Arroganz der Franzosen abgeschreckt wurden. Ein nicht geringer Teil von mir findet sich nämlich im Spielerischen und im (Lebens-)Künstlerischen wieder, das man gern mit den Franzosen assoziiert. Und, ja: auch in der eigenbrötlerischen Schrulligkeit vieler Franzosen, dem zur Schau gestellten Individualismus und dem abgehobenen Künstlertum. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es Frankreich in Zeiten, in denen der Massentourismus längst exotischere Ziele wie Marokko und Thailand bevorzugt, nicht länger mit spielerischer Lässigkeit schafft, sich als Mekka aller kultivierten Genussmenschen zu präsentieren. Im Land selbst rangieren inzwischen sogar die Ungarn in Sachen Liebeskunst vor den eigenen Einwohnern. Die Ungarn!

Die Lust am Fabulieren und der Hang zur gezielten Übertreibung sind den Franzosen aber geblieben. Frankreichgeschädigte mögen anmerken, dass es gerade darum kein Wunder ist, dass ausgerechnet der Hahn zum Nationalsymbol des Landes avanciert ist, ein Tier also, das sich gern aufplustert und auch dann lauthals kräht, wenn es mit beiden Beinen im Mist steht. Aber, im Ernst: Wer verzeiht das den Franzosen nicht, wenn er, wie ich, gerade in einer der schönsten Ecken Südfrankreichs unterwegs ist? Von den Bergspitzen der Pyrenäen, die sich halbkreisförmig im Südosten aufgestellt haben, scheinen Schneefelder Morsezeichen herabzublinken. Darüber sind  Andeutungen von Wolken fein wie Zuckerwatte in den Himmel gestreut. Kirchturmspitzen lugen neugierig aus Talmulden, in denen sich reizende Dörfchen und ausgedehnte Gehöfte verstecken. Ich kann meinen Blick kaum von der Landschaft lösen.

Kurz vor Oloron-Sainte-Marie stürzt die Straße der Stadt entgegen und katapultiert mich direkt vor eine Herberge. Dort suche ich das hauseigene Restaurant auf – und  treffe auf eine alte Bekannte!

Es war Liebe auf den ersten Blick, als wir das erste Mal in einer bretonischen Küstenkneipe aufeinandertrafen. Zuerst fand ich sie – ich war ja so jung! – einfach nur süß. Dann aber offenbarte sie mir nach und nach ihr wahres Wesen, vertraute mir mehrere Geheimnisse an und stürzte mich in eine lang anhaltende Sehnsucht, die mich, wenn ich ehrlich bin, bis heute nicht losgelassen hat. Zuweilen ertappe ich mich gar bei dem Gedanken, dass mich all die anderen, auf die ich mich nach jener denkwürdigen Begegnung eingelassen habe, in Wahrheit nur an jenen Abend erinnern sollten. Und doch können sie niemals mehr sein als ein schaler Abklatsch, unfähig, mich auch nur in die Nähe der Intensität jenes ersten Mals zu führen.

Île flottante, „treibende Insel“, nennt sich die Köstlichkeit, von der hier die Rede ist. Ich war sechseinhalb, als wir uns begegneten. Der bretonische Kellner wusste nicht, was er auslöste, als er nach geglücktem Hauptgang einen tiefen Teller mit Vanillesoße vor mich stellte, aus dem ein kleiner Berg aus geschlagenem Eiweiß und reichlich Zucker ragte. Sorgsam darauf bedacht, den Löffel jeweils höchstens halb zu füllen, schiebe ich mir wie damals in der Bretagne die perfekte Mischung aus Eiweiß und Vanillesoße in den Mund und schlucke das Ganze schließlich mit dem Ausdruck höchsten Entzückens hinunter. Statt Straßen und Plätze nach Kriegsherren zu benennen, hätten die Franzosen so viele echte Helden zur Auswahl, die der Menschheit wahre Dienste erwiesen haben, denke ich, als wirklich kein Tropfen Soße mehr aus dem Teller herauszuholen ist. Der Kellner scheint meiner Meinung zu sein. Verständnisvoll zwinkert er mir zu, als er unaufgefordert eine zweite Portion „schwimmende Insel“ auf den Tisch stellt. Radfahrpause

Die Katastrophe von Rouen

Leider sind in Frankreich nicht alle Mahlzeiten ein kulinarischer Hochgenuss. Genau wie die Liebesbereitschaft der Damen, der Baguettekonsum und die Anzahl der Baskenmützen wird auch die Qualität des französischen Frühstücks gern überschätzt. Meist reicht man mir morgens nur zwei Scheiben Toastbrot, ein Flugzeugpäckchen Butter und einen Klecks Marmelade zu einem wässrigen Kaffee oder einer dickflüssigen Schokolade. Vielleicht liegt die Lösung, aus diesen knapp bemessenen Zutaten etwas Brauchbares herzustellen, ja wirklich in der Eigenart der Franzosen, den bestrichenen Toast so lange ins Getränk zu tunken, bis er sich in eine klebrige, schwammartige Masse verwandelt hat und eine feine Schicht aus Fett und Marmelade an der Oberfläche des Getränks schwimmt. Ich bringe das schlichtweg nicht fertig.

Dabei hätte ich es dringend nötig: Als ich mein Postrad westlich aus Rouen lenke, fühle ich mich in den späten Abend versetzt, obwohl es noch früh am Mittag ist. Das Sonnenlicht besitzt in Nordfrankreich keinen klaren Fokus; es umhüllt Dinge eher, statt sie zu erhellen. Aber trotzdem: Ist das hier noch Rouen, ist das noch die Normandie, oder bereits Mordor, das dunkle Schreckensreich aus „Der Herr der Ringe“? Parallel zu den rostigen Schienen eines Industriegebiets, auf denen Güterzüge entlangkriechen, folge ich dem Verlauf einer pitschnassen Asphaltstraße. Lastwagen mit stinkender Ladung überholen mich so eng, dass mein linker Ellbogen ihre rechte Wand entlangstreift. Überall um mich herum verpesten Fabrikanlagen die Luft. Das Gehupe der Lastwagen bringt das Postrad unter mir zum Beben, die Güterzüge schreien in jeder Kurve auf, als fahre ein Riese mit Kreide über eine gigantische Schreibtafel. Zu allem Überfluss sammeln direkt über mir pechschwarze Wolken Energie für eine Entladung von Kraft und Wut.

Just in diesem Moment bahnt sich die Katastrophe an. Ein Lastwagen überholt mich noch etwas dichter als seine Vorgänger. Ich spüre, wie mein linker Ellbogen auf hartes Metall stößt und reiße vor Schreck den Lenker meines Postrads nach rechts. Noch während ich über den ungewöhnlich hohen Bordstein rumpele, fällt mein Blick auf die direkt dahinterliegenden Glasscherben. Einen absurden Augenblick lang genieße ich die Sicht auf die scharfkantigen Kunstwerke, die den Boden sprenkeln. Gewaltige Wolken spiegeln sich darin wie die Nacht selbst – als sei Darth Vader allzu nah an einen zerbrochenen Spiegel getreten. Gleichzeitig weiß ich, dass es bereits zu spät zum Ausweichen ist. Mit allen drei Rädern fahre ich direkt in den Scherbenhaufen hinein. Ich höre ein entsetzliches Knirschen unter mir und sofort darauf ein lautes „Pffft“, einer Lokomotive gleich, die in der Ferne Dampf ablässt. Glas stiebt nach allen Seiten davon. Meine Hände krallen sich um die Bremse. Ich lasse ein gutes Zehntel meiner Reifenmäntel als spektakuläre Gummispur auf der Straße zurück und komme vier Meter hinter dem Tatort zum Stehen. Dort stoße ich einen international verständlichen Fluch aus, steige ab und öffne meinen Rucksack, um an das Flickzeug zu gelangen. Mont-St. Michel

Das gibt’s doch nicht! Meine Funktionskleidung, mein treues Minizelt, der speziell für diese Reise erworbene Schlafsack, der heute Vormittag aufgefüllte Proviant: All das schwimmt in einer zähen Suppe aus Wasser, das eine ungute Koalition mit dem Schmutz der vergangenen fünf Wochen eingegangen ist. Halb aufgelöste Brot- und Käsereste, Ölrückstände und Kugelschreiber treiben darin umher. Vermutlich habe ich den Zwischenfall meinem allzu ruckligen Satz über den Bordstein zu verdanken. Erneut fluche ich wie ein Rohrspatz, dieses Mal auf Französisch, was eindeutig besser klingt, mir aber leider auch nicht weiterhilft.

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Siebensachen zurück in den Rucksack zu stopfen und mein Postrad anschließend durch das Industriegebiet zu schieben – zurück in die Innenstadt von Rouen. Als ich gerade die ersten beiden Schritte getan habe, wirft mich die Wucht eines Donnerhalls beinahe zu Boden. Einen Wimpernschlag später bricht aus den Wolkengebirgen über mir ein Niederschlag heraus, der seinem Namen alle Ehre macht. Wie eine Wand stürzt der Regen auf die Erde herab. Keine Minute später bin ich durch die Jacke, den Pullover und das T-Shirt hindurch nass. Regenfäden seilen sich meinen Rücken hinab, Rinnsale kriechen in meine Achseln. Vier Stunden Fußmarsch liegen vor mir. Reisen „wie Gott in Frankreich“ sieht anders aus.

Genau in diesem Moment aber erwacht ein kindlicher Trotz in mir. Wer bin ich eigentlich, dass ich mich von einer blöden Regenwolke aufhalten lasse? Ich merke erstaunt, dass ich schwungvoller ausschreite. Nach einem Dutzend Querstraßen und drei Abzweigungen gelange ich zu einem Geschäft, über dessen Eingang ein elegantes Mountain Bike gemalt ist. Dort würde ich einen Ersatzschlauch finden. Hallo mein Schutzengel, denke ich noch, ehe ich in den Laden hechte, wie schön, dass du wieder im Dienst bist.    

Zurück auf Anfang

Ähnlich wie in Rouen ist es mir auf meiner Tour de France oft ergangen. Kein Wunder: Ich suche ja bewusst den Kontrollverlust und empfinde es als befreiend, dass ich mittags nicht weiß, wo ich abends sein werde. Ich gebe den Dingen die Gelegenheit, mich zu überraschen, und das ist vermutlich eine sehr französische Art zu reisen. Solchen Gedanken nachhängend, fahre ich am letzten Tag meiner Frankreichumrundung südwärts, bis eine Insel im Atlantik auftaucht, die über eine gigantische Brücke mit dem Festland verbunden ist. Am diesseitigen Ufer kann ich die ersten Dächer einer Großstadt erkennen. La Rochelle!

Von diesem Anblick angespornt, brause ich voran, als hätte ich mich in einen quietschgelben Eisenspan verwandelt und würde von einem überdimensionierten Magneten angezogen. Ich fliege dem Ausgangspunkt und Endziel meiner Tour de France regelrecht entgegen.

Wenig später falle ich La Rochelle in die Arme. Als ich das Ortsschild passiere, nehme ich die Hände vom Lenker, schicke das Postrad unter mir auf einen Schlingerkurs und gebe Ausrufe des Entzückens zum Besten, bis sich eine ältere Dame der Kategorie PPH, passera pas l’hiver („wird den Winter nicht überstehen“), mehrmals an die Stirn tippt.

Ein Radwegsystem führt mich kurz darauf durch die lang gezogenen Grünanlagen der Stadt und setzt mich schließlich auf dem Areal des alten Hafens ab, wo meine abenteuerliche Frankreichumrundung vor sieben Wochen ihren Ausgang genommen hat. Ich habe acht Kilogramm Körpergewicht und einige Vorurteile gegenüber den Franzosen verloren, unzählige Bekanntschaften gemacht und Orte aufgesucht, deren Namen ich bis heute nicht aussprechen kann. Frankreich habe ich als Mosaik unterschiedlichster Traditionen, Mentalitäten und Dialekte kennengelernt.

Was eint diesen Flickenteppich? Vielleicht nur ein Gefühl, eine Lebenseinstellung: Sie besagt, dass man, statt verbissen und effizient einem Ziel hinterherzujagen, auch darauf bedacht sein darf, den eigenen, sich ständig ändernden Weg dorthin zu genießen. Seit jeher gilt meine Sympathie den verschrobenen, in der falschen Zeit umherirrenden Lebenskünstlern, die sich diese Devise zu eigen machen.

Einer dieser Lebenskünstler ist soeben mit einem Postrad um Frankreich herumgefahren. Manchmal, in Ausnahmefällen, behalten die Traumtänzer recht.

Thomas Bauer  Thomas Bauer

 

Die Zeichnungen hat die Künstlerin Johanna Meyer aus Deggendorf speziell für Thoma Bauer´s  „Tour de France“ angefertigt.

Frankreich: Die Top 10 Sehenswürdigkeiten von Paris

1 Notre-Dame und die Île de la Cité

Gotische Baukunst in höchster Vollendung: die Kathedrale auf der Seine-Insel ist einer Hauptstadt würdig.

2 Musée du Louvre

Dieses so große wie großartige Museum im einstigen Königsschloss lockt mit Kunstschätzen aus vielen Epochen und Ländern.

3 Arc de Triomphe und Champs-Élysées

Paris ist die Stadt der Flaneure – und wo könnte man besser bummeln als auf der prächtigsten Avenue der Metropole?

4 Eiffelturm

Das weltbekannte Wahrzeichen bietet von drei Aussichtsterrassen ein grandioses Paris-Panorama.

5 Montmartre und Sacré-Cœur

Steile Treppen und abschüssige Gassen, idyllische Winkel, Bistros und Cafés wie aus Amélies Welt – und über allem thront das zweite Pariser Wahrzeichen, Sacré-Cœur.

6 Centre Georges Pompidou

Moderne Kunst und Architektur aufs Beste vereint, und dazu ein fantastischer Blick auf das berühmte Grau der Pariser Dächer.

7 Bastille-Viertel

Jenseits des großen Platzes mit der neuen Oper sind tagsüber Passagen und Hinterhöfe zu entdecken, am Abend locken Bistros und Cafés die Szenegänger ins angesagte Viertel.

8 Invalidendom

Weithin sichtbar ist die goldene Kuppel des Invalidendoms, in dem Napoleon zur ewigen Ruhe gebettet wurde.

9 Cimetière du Père -Lachaise

Auf dem großen, parkartigen Friedhof zieht es Fans nicht nur zu den Gräbern von Jim Morrison und Edith Piaf, sondern zu unzähligen weiteren Prominenten von Molière bis Oscar Wilde.

10 Jardin du Luxembourg

Nicht nur bei den Studenten der nahen Sorbonne beliebt – die grüne Lunge des Quartier Latin.

 
 

Frankreich: Albi, die Stadt der verlorenen Ketzer

Bernd Siegmund, Die Kathedrale Sainte Cécile am Ufer der Tarn

Die kleine Provinzstadt Albi im Département Tarn hat im Buch der französischen Geschichte einen unverwechselbaren Fingerabdruck hinterlassen. Hier wurde am 24. November 1864 der Maler Henri-Marie-Raymond de Toulouse-Lautrec-Monfa geboren. Der verkrüppelte, nur 1,52 Meter kleine große Graf, der letzte Spross eines uralten Adelsgeschlechts, litt Zeit seines Lebens unter der Tatsache, dass nicht er, sondern die Behinderung sein Leben bestimmen würde. Von der eigenen, aristokratischen Gesellschaftsschicht ins Abseits gedrängt, fühlte sich Toulouse-Lautrec immer mehr zur Pariser „Halbwelt“ hingezogen. In den Tingeltangel-Bars des Montmartre, in den Nachtlokalen und Bordellen fand er seine Modelle und Sujets. Er machte die Huren und Tänzer, die Zirkusreiter und Clowns mit seiner Kunst unsterblich. Genutzt hat ihm das wenig. Toulouse-Lautrec‘s Genie wurde sein Leben lang missachtet. Es ist kurios, aber genau dieser Tatsache verdankt die Stadt Albi einen Schatz, um den sie heute die Museen der Welt beneiden. Als der Künstler im September 1901 starb, bot seine Mutter, die Gräfin Marie-Marquette de Toulouse-Lautrec, die Werke ihres Sohnes dem Louvre und anderen bedeutenden Museen an. Pikiert lehnten die Direktoren ab.

Bernd Siegmund, Das „Musée Toulouse-Lautrec“ ist für Touristen der Hauptgrund, Albi zu besuchen.

So fand das künstlerische Erbe, bestehend aus rund 600 Gemälden, Tausenden von Entwürfen und Zeichnungen, aus 350 Lithografien und den berühmten Plakaten, seinen endgültigen Platz in dem 1922 eigens dafür geschaffenen Musée Toulouse-Lautrec zu Albi. Ironischer weise befindet sich diese öffentliche Kunstaufbewahranstalt in den Räumen des ehemaligen bischöflichen Palais de la Berbie (13. Jh.). Seither „leben“ die frivolen „Kinder“ des Malers sozusagen zur Untermiete beim Bischof.

Toulouse-Lautrec-Menü auf der Speisekarte

 Auch außerhalb des Museums begegnet man dem Künstler auf Schritt und Tritt. In vielen Restaurants der Altstadt steht ein Toulouse-Lautrec-Menü auf der Speisekarte. In der Regel handelt es sich um Gerichte, die der begeisterte Hobbykoch selbst gern gegessen hat. Zum Beispiel Steinpilze in Weißwein. Oder Täubchen mit Oliven. Dazu wird ein Wein aus dem Gaillac gereicht, einem der bekanntesten Weinlagen Südfrankreichs. Es macht einfach Spaß, durch die kleine Provinzstadt mit ihren romantischen, autofreien, renovierten mittelalterlichen Gassen zu schlendern. Reich geworden ist die Stadt links und rechts der Tarn durch den Handel mit Färberwaid, einer unscheinbaren, gelb blühenden Pflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse, die, von den Franzosen „pastel“ genannt, zum Blaufärben von Stoffen benutzt wurde. Erst mit der Herstellung von synthetischem Indigo im Jahre 1897 versiegte die ergiebige Geldquelle.

Bernd Siegmund, Rund um die Kathedrale liegt die Altstadt. Sie wurde 2010 Teil des Weltkulturerbes.

Das Gesicht Albis ist vom Backstein geprägt. Er ziert alle Häuser und gibt ihnen einen warmen, ockerfarbenen Ton, der sich mit dem Licht des Tages verändert. Man staunt über die schönen Häuser mit Holzfüllungen, bewundert den Kreuzgang der Kirche Saint-Salvi und das altehrwürdige Rathaus aus dem 17. Jahrhundert. All das Schöne aber wird überstrahlt von der roten Kathedrale Sainte Cécile, die ihren Turm so hoch in den Himmel reckt, dass man glauben möchte, in ihm befindet sich der Eingang zum Reich Gottes. Der Bau des massigen, mehr als 40 m hohen, frommen Steinkörpers aus Ziegel wurde 1282 begonnen und 200 Jahre später vollendet. Die schnörkellose Außenhaut, in die Fenster wie Schießscharten eingelassen sind, erinnert an gute Industriearchitektur. Die mächtigen Mauern sind teilweise bis zu 7 m dick und sorgen dafür, dass die Basilika ohne einen einzigen Strebepfeiler auskommt. Kurt Tucholsky notierte im Angesicht der Kathedrale: „Ihr Anblick schlägt jeden Unglauben für die Zeit der Betrachtung knockout.“

Der Triumph der katholischen Kirche  

Die Kathedrale Sainte Cécile ist der zu Stein geronnene Triumph der römisch-katholischen Kirche über die Albigenser oder Katharer (catharos [griech.]: rein), wie die Abtrünnigen auch genannt wurden. Die Katharer revoltierten (ähnlich wie Jahrhunderte später Martin Luther) gegen die Scheinheiligkeit der römischen Amtskirche, die in Saus und Braus lebte, Wasser predigte und Wein trank. Normalerweise tat Rom solche Leute als Spinner ab. Aber als die Lehre der Katharer immer mehr Gläubige anzog, wurde Papst Innozenz III. nervös. 1209 sandte er ein Heer gegen die Ketzer, das unter dem Motto „Tötet sie alle, Gott wird die seinen erkennen“ einen grausamen Feldzug begann, der mehr als 20 Jahre dauerte und unter dem Namen Albigenser-Krieg in die Geschichte einging. Der Bau der Kathedrale besiegelte die Niederlage der Ketzer.

Nur von außen ist Sainte Cécile martialisch, das Innere ist prachtvoll und raubt einem fast die Sinne. Da sind der Lettner aus weichem Kalk mit seinem filigranen Maßwerk, die pompöse Barockorgel, der Chor mit den Heiligen und die berühmte Darstellung des Jüngsten Gerichts. Die Bestrafung der 7 Todsünden ist ein riesiges Fresko aus Folter, bestialischen Qualen und bizarren Grausamkeiten. Die armen Sünder werden gesotten, ertränkt und zerrissen, keine Bestialität ist bestialisch genug, um den Gläubigen die Schrecken der Hölle vor Augen zu führen. Auf dass niemand den reinen Pfad der Tugend verlasse! Ein schrecklich-schönes Bild. – Wie groß ist dagegen die Wonne, vor der Kathedrale zu sitzen, Wein zu trinken und sich die Sonne auf den „Pelz“ scheinen zu lassen. Und das ist ganz bestimmt keine Sünde!

Bernd Siegmund

 

Christian Nowak: DuMont Bildatlas Korsika

Auf Korsika gibt es Blutrache, die Siesta, politische Intrigen, den aromatischen Käse Casjiu Merzzu, wilde Schweine, Esskastanien und alterslose Greise, die einfach nur zuschauen, wie die Zeit vergeht. Den Korsen sagt man nach, sie seien Individualisten von überschäumendem Temperament, doch gleichzeitig beherrscht und gelassen in ihrem Gehabe, gastfreundlich, ihren Freunden treu, heimatverbunden, redegewandt und mutig – aber auch leicht beleidigt. Das ist die Quintessenz des Kultcomic „Asterix auf Korsika“. Recht hat der kleine Gallier, denn treffender kann man die Ile de Beauté, die Insel der Schönheit, wie die Franzosen Korsika nennen, kaum beschreiben. Insel ist vielfältig wie kaum eine andere im Mitelmeer. Unzählige Sandstrände, meist gesäumt von Dünen, Felsen oder duftenden Pinienwäldern laden zum Baden ein. Städte wie Bastia, Ajaccio oder Bonifacio zeigen stolz ihre lange und bewegte Geschichte und im Hinterland warten fruchtbare Hügel und Dörfer, die wie Adlerhorste auf Bergrippen thronen.

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