Deutschland: Golfen mit Kati Wilhelm im Weimarer Land

 

K1024_Golfresort_09Johann Wolfgang von Goethe hätte wohl seine helle Freude gehabt am satten Grün. Der Dichterfürst durchstreifte gerne die Wiesen und Wälder auf seinem Weg zu Charlotte von Stein. Auf seinen Spuren kann man vor allem in der Kulturstadt Weimar streifen. Ob Goethes Gartenhaus, sein Faible für den Gingko-Baum oder auch das Museum in seinem Stadthaus: Ein Stadtrundgang führt auf die Spuren des großen Dichters, dem zusammen mit seinem „Kollegen“ Friedrich Schiller vor dem Deutschen Theater ein Denkmal gesetzt worden ist.

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Das Spa&Golf-Resort

Wandeln auf den Wegen Goethes kann man auch rund um die Stadt, im Weimarer Land. Etwa auf dem 28 Kilometer langen Wanderweg bis nach Großkochberg. Hier hatte seine Gönnerin Charlotte von Stein ein Häuschen.
Der Weg führt am Lindenstädtchen Blankenhain vorbei. Zu einer Pause inmitten der grünen Landschaft bietet sich dort das Spa&Golf-Resort Weimarer Land, ehe es auf gemütlichen Strecken weiter geht nach Großkochberg. Wer Glück hat, trifft hier auch die erfolgreiche Biathletin und Olympia-Siegerin Kati Wilhelm. Die Frau mit dem markanten roten Haarschopf, den sie sich übrigens noch immer in Bad Mergentheim „verpassen“ lässt, ist eine begeisterte Golferin und seit kurzem auch die Botschafterin des Hotels.

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Kati Wilhelm: Golf statt Biathlon

Nach dem Rückzug aus dem Spitzensport, der ihr zahlreiche Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen bescherte, hat sie sich in ihrer thüringischen Heimat eine neue Existenz aufgebaut: Mit dem eigenen Lokal „Heimatlon“ in ihrer Heimatstadt Steinbach-Hallenberg. Hier steht sie gern hinter dem Tresen, hat die Loipe mit dem Ausschank getauscht. Die zweifache Mutter ist aber nach wie vor dem Sport verbunden. Ob als Expertin in Sachen Biathlon oder selbst als Golferin. Zum Gewehr greift sich schon lange nicht mehr. Dafür immer öfter zu Holz und Eisen auf dem Grün.
„Golf ist bei vielen Biathleten sehr populär“, erzählt die 39-jährige Medaillengewinnerin von Parallelen beider Sportarten. Ein ruhiges Händchen und ein gutes Auge sind beiden wichtig. „Eines ist klar: Wenn man glaubt, man kann’s, geht es garantiert schief“, sagt sie mit einem entwaffnenden Lächeln. Kati Wilhelm hat bereits in ihrer aktiven Zeit als Leistungssportlerin die Platzreife gemacht. Die eine oder andere Runde hat sie schon auf den 36 Golfspielbahnen des Spa & Golf-Resort“ Weimarer Land gespielt, während ihre beiden Kinder Lotta und Jakob eher den Spielplatz vorgezogen haben.
Eingebettet in das satte Grün der Landschaft und unter dem strahlend blauen Himmel liegt der alte Gutshof ruhig und beschaulich. Zwei gepflegte Golfplätze umspielen die Fachwerkhäuser.

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Stimmig bis ins Detail

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Putten auf dem Grün

Das 4-Sterne-Superior Lindner Spa&Golf Hotel Weimarer Land, 15 Kilometer außerhalb der Kulturstadt Weimar gelegen, bietet als größte Golfanlage Mitteldeutschlands besondere Erlebnisse für alle Freunde des weißen Sports. Übrigens lassen sich die Goethe- und Feininger-Course kombinieren. Die „Essenz aus beiden“, wie Golfmanager Thomas Mönch sagt, wird zu einer weiteren Runde, dem Bobby-Jones-Champion-Course. Und wer sich noch nicht vom Virus des Golfens hat infizieren lassen, kann dies im Golfresort jeden Sonntag unter fachkundiger Anleitung nachholen. Von 14 bis 15 Uhr ist kostenloses Schnuppergolfen angesagt.
Im 12. Jahrhundert als Hof Krakau erstmals urkundlich erwähnt, hat Inhaber Matthias Grafe vor einigen Jahren das Gut und 160 Hektar Land erworben und mit viel Liebe fürs historische Detail in ein modernes Haus umbauen lassen, das keine Wünsche der Gäste offen lässt. Die viereckige Anordnung des Gutshofs ist geblieben und bietet in der Mitte Platz für einen großen gepflasterten Innenhof. In den Räumen wurden sogar Hölzer aus alten Scheunen oder Fachwerkhäusern der Umgebung verbaut. Die Lobby und der großzügige Bar- und Restaurantbereich sorgen mit warmen Brauntönen für Gemütlichkeit. „Es sollte ein Refugium werden, gastfreundlich und stilvoll, in dem sich Familienurlaub, Golfen und Entspannen wunderbar ergänzen und harmonisch miteinander verbinden“, sagt Grafe über seine Vision. Die ursprüngliche Atmosphäre des alten Gutshofs lebt wieder auf mit Hotel- und Spa-Bereich Lindentherme. Sie verdankt ihren Name übrigens des zahlreichen Linden in der Region, und auch bei einigen Anwendungen stand der Baum Pate. Der 2500 Quadratmeter große Spa-Bereich bietet neben Sauna, Pools und Kosmetikbehandlungen übrigens auch spezielle Arrangements für Golfer.
Auch Familien mit Kindern fühlen sich im Resort mit dem Rabbitclub sehr wohl. Nicht nur wegen des Betreuungsprogramms und des riesigen Indoorspielplatzes, der die Herzen der Kleinen höher schlagen lässt. Großzügige Familienzimmer sind in einem separaten Gebäude untergebracht – mit direktem Zugang zum Außenpool und der großen Liegewiese des Resorts. Während Papa gerade an Loch 1 abschlägt, können ihn die Kinder im Wasser plantschend zuschauen oder auf der Wiese eine kühle Limonade trinken.

Text und Fotos: Diana Seufert

Deutschland: Hollywood im Harz

Drehort Quedlinburg

Vor der Kulisse des Weltkulturerbes entstanden rund 60 Filme – Abenteuerstreifen, Literaturverfilmungen, Dokumentationen, Kinder- und Märchenproduktionen.

Die Flammen lodern, der Mob tobt. Eine Hexe soll verbrannt werden. Ungewaschene, abgerissene, geifernde Gestalten feuern die Knechte an, die Flammen höher zu schüren. „Verbrennt sie, verbrennt sie!“, schallt es über den Platz. Eine Szene aus dem Spielfilm Der schwarze Tod. „Und danach musste ich mich einen Tag lang von riesigen Kerlen verkloppen lassen“, sagt Sabine Houben. „Das hat riesigen Spaß gemacht!“ Die Quedlinburgerin nahm als Komparsin an Dreharbeiten zu dem Streifen teil, dessen Handlung im finsteren 14. Jahrhundert spielt – gedreht in und um Quedlinburg.

Die Stadt am Rande des Harzes mit ihrem Weltkulturerbe ist prädestiniert für Filmaufnahmen mit historischem Inhalt: ein mittelalterlicher Grundriss, mehr als 1300 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten und Gassen, die so schmal sind, dass kein Auto durchpasst. Besonders beliebt bei den Location Scouts, den professionellen Drehortsuchern, ist der Schlossberg mit seinen felsigen Klippen, den historischen Wohnhäusern und der romanischen Stiftskirche in der Mitte. Winfried Glatzeder führte hier als Till Eulenspiegel einen Schimmel zu seinem Fürsten und Manfred Krug ritt in dem Mantel-und-Degen-Streifen Mir nach, Canaillen! übers Kopfsteinpflaster.

Die Karriere Quedlinburgs als „Harzer Hollywood“ begann 1954 mit der Verfilmung der Novelle Pole Poppenspäler von Theodor Storm. Die DEFA kehrte danach regelmäßig zu Aufnahmen zurück, und auch nach der Wende blieb die Stadt als Drehort populär: Pfarrer Braun ermittelte in Quedlinburg, Otto Waalkes kam für 7 Zwerge her und Til Schweiger stand für eine Ritterklamotte vor der Kamera.

Einige historische Produktionen sind nun wieder auf großer Leinwand zu erleben. Im Rahmen des Projektes „Filmstadt Quedlinburg“ werden Wiederaufführungen organisiert, zu denen Regisseure, Schauspieler und Kameraleute als Ehrengäste eingeladen sind. Gezeigt wurde zum Beispiel König Midas, eine Kinderoper von 1962, die komplett in der Harzgemeinde entstand – um dann von der DDR-Zensur ins Archiv verbannt zu werden. Hans-Jürgen Furcht, Initiator von „Filmstadt Quedlinburg“, wurde für dieses Projekt im Rahmen der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Der filmverrückte Kulturmanager, der früher mehrere Kinos leitete und sich nach der Wende mit einem Wanderkino selbstständig machte, stieß bei seinen Recherchen bislang auf rund 60 Filmproduktionen mit Drehort Quedlinburg: Abenteuerstreifen, Literaturverfilmungen, Dokumentationen, Kinder- und Märchenfilme. „Die Liste der Filme wächst ständig“, sagt Furcht, der inzwischen viele Anekdoten von Filmsets erzählen kann. Aus Geldmangel wurden zum Beispiel bei den Aufnahmen zum Bürgerkriegsdrama Fünf Patronenhülsen die Felsspitzen der Harzer Teufelsmauer weiß angemalt, um die schneebedeckten spanischen Berge zu simulieren. Die Anekdoten und Erinnerungen kommen meist von alten Quedlinburgern, die als Kinderdarsteller an Filmaufnahmen teilnahmen.

Schon in den 1950er-Jahren wurden Stadtbewohner als Statisten engagiert. Eine Tradition, die bis heute Bestand hat: Auch vor den Dreharbeiten zum Spielfilm Goethe mit Moritz Bleibtreu und Henry Hübchen, der 2011 in den Kinos lief, suchte eine Agentur per Zeitungsanzeige rund 400 Komparsen zwischen zwei und 70 Jahren: Frauen, Männer und Kinder, die optisch in das 18. Jahrhundert passen: „Keine gefärbten und gesträhnten Haare, keine Piercings oder sichtbaren Tattoos, keine künstlichen Fingernägel“, stand in der Ausschreibung. Auch Sabine Houben bekam wieder eine Zusage – im Herbst 2009 wurde gedreht. Der Kostümfundus zog solange in ein Autohaus: „Im Schauraum wurden wir in barocke Kostüme gesteckt und in der Werkstatt kamen wir in die Maske“, sagt die Hobby-Komparsin.

Houben war auch dabei, als Goethe die junge Lotte kennenlernt, ein romantischer Augenblick, gedreht in der Quedlinburger Marktkirche. Nicht immer ging es so komfortabel zu wie bei dieser Szene: Für die Außenaufnahmen musste auch der historische Stadtkern „in die Maske“. Störende Elemente wie Straßenschilder wurden entfernt, die liebevoll sanierten Fassaden auf alt getrimmt und das sonst blitzblank geputzte Pflaster mit Tonnen von Matsch bedeckt – wie eine Stadt zu Goethes Zeiten nun einmal aussah.

„Wir mussten den ganzen Tag durch die Matschepampe hin und her waten – in Seidenschuhen und barocken Kleidern“, sagt Houben. Und das in der Oktoberkälte. „Das Tollste an dieser Arbeit ist das Gemeinschaftsgefühl“, sagt sie. „Man hat viel Zeit zum Reden – 90 Prozent der Arbeit besteht aus Warten.“ Das gilt auch für die Stars: Cosma Shiva Hagen nutzte ihre Drehzeit in Quedlinburg sogar, um den Führerschein zu machen.

Oliver Gerhard