Großbritannien: London Camden Market

London, Camden Market

Märkte der Möglichkeiten

Auf Londons bekanntesten Markt im Künstlerviertel Camden drängen sich Einheimische und Touristen an den Ständen vorbei. Das Angebot ist breit und reicht vom Porzellanteller mit dem Konterfei der Queen bis zur Tower Bridge in Plastik – Made in China. Neben geschmacklosen Souvenirs wird aber vor allem Individuelles und Kreatives verkauft: Maßgeschneiderte Kleider in extravaganten Schnitten und Farben, Hüte mit verwegenem Design und Hosen mit Schlag. Oder Tische und Stühle aus Holz oder Metall – auf jeden Fall aber selbst gemacht. Antiquitäten, Uniformen aus alten Armeebeständen oder dem Theaterfundus, Schuhe aus der Zeit des Rokoko und das neuste Liegefahrrad aus einer Werkstatt aus Südengland. Auf dem Camden Market gibt es nichts, was es nicht gibt.

Renner sind aber gegenwärtig T-Shirts mit den Motiven des Graffiti Künstlers Banksy, der mit viel Ironie die Londoner Szene beobachtet. In seinen Bildern werfen die Streetfighter beispielsweise nicht mit Steinen sondern Blumen. Banksy Graffiti

Bluse in Rot und Orange

Ein kleiner Vietnamese hält an einem Kleiderstand ein Tuch hoch – eine improvisierte Umkleidekabine – hinter dem ein spanische Touristin eine Bluse in gewagter Farbkombination anprobiert. Rot und Orange zusammen steht nicht jedem. Doch die junge Frau aus Valencia kann sie aber tragen. 40 Pfund wechseln den Besitzer. 50 Euro für ein Einzelteil, da kann man nicht meckern.

Mark, der Händler am Nebenstand, ist gleichzeitig auch der Designer der Kleider, die er verkauft. Und er näht sie auch selbst zusammen. Ausgangsmaterial für die eng auf den Körper geschnittenen Teile sind Männerhosen, die er zerschnippelt und wieder neu zusammensetzt. Mit seinen auffälligen Kreationen wolle er einen Gegenpol zum Einheitslook setzen, sagt Mike. „Das Geschäft läuft gut. Von der Wirtschaftskrise spüre ich nichts”, sagt er. Auch bei der Spanierin scheint das Geld noch locker zu sitzen. Als ich sie etwas später zufällig wiedersehe, trägt sie schon drei Taschen in der Hand.

Biltong von der Insel

Eng und hektisch geht es in Camden zu – auf dem Maltby Street Market im Stadtteil Bermondsey hat man dagegen viel Platz. Hierher kommen die Gourmets der britischen Hauptstadt, um sich mit den besten Rohwaren zu versorgen. Schnäppchen sucht man aber vergebens – Qualität hat hier ihren Preis.

Die Händler reisen aus dem ganzen Land an. Nick Greef beispielsweise kommt von der, vor der Südküste gelegenen,  Isle of  Wight, um sein Biltong zu verkaufen. Biltong, luftgetrocknetes Fleisch, kennt man sonst nur aus Südafrika. Greef  produziert seines aus dem Fleisch freilaufender Rinder von seiner kleinen Insel.

Einige Meter weiter, bei Tozino, verkauft man spanischen Schinken, hauchzart und unter dem Motto “slices of heaven”. Maltby Market

Gleich nebenan bietet dann ein norwegischer Einwanderer “organic smoked salmon” an – 5 Pfund für 100 Gramm, macht mehr als 75 Euro fürs Kilo. Doch der Preis schreckt hier niemanden. Im Gegenteil: Der Stand ist lange vor Marktschluss leergekauft.

In Neal’s Yard Dairy stehen Kunden für Käse an. Dutzende Sorten stehen zur Auswahl. Besonders beliebt ist der würzige „Stichelton cheese“  aus der Käsehauptstadt des Landes.

In der St. John Bakery, die mit dem gleichnamigen Sternelokal sowohl den Namen, als auch den Besitzer teilt, wird das beste Brot der Stadt verkauft. Selbst strenge deutsche Tester sind nach dem Biss in die knusprige Kruste begeistert. Vielleicht sogar noch besser sind die Süßspeisen. Die Londoner Version der “Berliner Pfannkuchen” ist üppig mit Sahne gefüllt und deckt spielend den Tageskalorienbedarf eines erwachsenen Mannes. Mit dem Süßteil in der Hand geht es um die Ecke zum Monmouth Coffee. Der Kaffeeröster ist eine Londoner Institution. Nur um im Monmouth einen Cappuccino oder Latte zu trinken, reist so mancher Londoner aus dem anderen Ende der Stadt an. Wer nicht nur auf die rustikalen Bänke vor dem Laden seinen Kaffee schlürfen will, kann die edlen Bohnen auch hier kaufen und zu Hause den Kaffeeduft durch die Wohnung ziehen lassen.

Den Marktbummel alkoholisch beendet man schließlich bei “The Kernel”. Das Pale Ale der Mikrobrauerei mit einem ordentlichen Alkoholgehalt von 5,7 Prozent ist der Favorit der meisten Marktbesucher.

The Kernel

Und wo wohnt man wenn man in London unterwegs ist?

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Rasso Knoller

Info:

Maltby Street Market,www.maltbystreet.com

Monmouth Coffee, www.monmouthcoffee.co.uk

Nick&Sarah Greff, www.isleofwightbiltong.co.uk

Tozino, www.tozino.com

St. John Bakery, www.stjohnbakerycompany.com

Neals Yard Dairy,www.nealsyarddairy.co.uk

The Kernel, http://thekernelbrewery.com

 

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Ein Spaziergang durch  die faszinierende Metropole

Unser Stadtrundgang durch das Herz der Metropole beginnt am Piccadilly Circus , dem Mittelpunkt der Hauptstadt und einst die Nabe des Empires. Im Zentrum des immer verkehrsumtosten Platzes sitzen die Besucher der Kapitale gerne auf den Stufen des berühmten Eros-Brunnens. 1893 ließ Alfred Gilbert dieses Denkmal zu Ehren des Philanthropen Anthony Ashley Cooper, des siebten Earl of Shaftesbury, erbauen. Der Adlige hatte mit eigenen Geldern das Massenelend im 19. Jahrhundert bekämpft, Suppenküchen und Schulen errichten lassen. Und so ist der geflügelte Engel mit Pfeil und Bogen auf der Spitze des Brunnens nicht die Darstellung des Gottes der Liebe, sondern eine Allegorie auf den toten Earl of Shaftesbury.

In Gedanken an den Kämpfer gegen die Armut folgen wir der Coventry Street wenige Schritte Richtung Norden und biegen dann nach rechts in die Straße Haymarket ein. Zwei berühmte Londoner Theater liegen sich hier gegenüber, auf der einen Seite das Theatre Royal , eröffnet 1720, auf der anderen das Her Majesty’s. Am Ende von Haymarket geht es nach links weiter, der Blick schweift nun über den weiten Trafalgar Square , auf dem die 56 Meter hohe Nelson-Säule dem suchenden Auge schließlich Halt bietet. Im Jahr 1805 hatte Admiral Nelson der vereinigten spanischen und französischen Flotte vor dem Kap Trafalgar eine schwere Niederlage beigebracht und dem britischen Empire damit für ein Jahrhundert die Überlegenheit auf den Weltmeeren gesichert. Lord Nelson kam bei der Schlacht ums Leben, sein Leichnam wurde in einem Fass Rum in die Heimat überführt.

Zu Ehren des gefallenen Seehelden gestalteten zwischen 1830 und 1850 die beiden Architekten John Nash und Charles Barry den weitläufigen Platz. 1842 hob man die Statue des maritimen Strategen auf die hohe Säule, in deren Sockel vier Reliefs die Schlachten des Admirals dokumentieren. Die vier mächtigen Bronzelöwen, die Lord Nelson bewachen, schuf 1867 der Hofmaler Sir Edwin Landseer, und die großen plätschernden Brunnen schließlich gestaltete 1939 der Architekt Edwin Lutyens. Traditionell begrüßen alljährlich in der Silvesternacht die Londoner auf dem Trafalgar Square das neue Jahr.

Sehr verstörend wirkte auf den Betrachter beim ersten Blick die im September 2005 auf einem Sockel platzierte Skulptur »Alison Lapper Pregnant« des englischen Künstlers Marc Quinn. Dargestellt ist eine 3,55 Meter hohe, aus weißem Carrara-Marmor gearbeitete sitzende, nackte, schwangere Frau ohne Arme und mit missgebildeten Beinen. Dies ist die Malerin Alison Lapper, die 1965 behindert zur Welt kam, dargestellt, wie sie 1999/2000 mit ihrem Sohn Parys schwanger war. Das Kunstwerk spaltete die britische Öffentlichkeit, aber letztendlich muss man konstatieren, dass die Darstellung von Sexualität und Mutterschaft eines schwerbehinderten Körpers neben den heroisierenden männlichen Helden des Platzes ihren angemessenen Ort gefunden hatte.

Der Sockel, der mehr als eineinhalb Jahrhunderte unbenutzt war, ist seit einer Entscheidung von 1998 regelmäßig Ausstellungsort von Arbeiten junger nationaler und internationaler Künstler. 2012 wird die Arbeit »Powerless Structure Fig. 101« des Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset auf dem Sockel zu sehen sein. Es handelt sich dabei um nichts anderes als einen kleinen Jungen, der auf einem Schaukelpferd reitet. 2013 darf dann die Düsseldorferin Katharina Fritsch einen riesigen blauen Hahn präsentieren. Im Norden wird der Platz von der National Gallery  begrenzt, einer der größten Gemäldesammlungen der Welt, und im Nordosten ragt St. Martin-in-the-Fields  auf, 1726 von James Gibb erbaut. Für die Obdachlosen der Stadt gibt der Social Service hier seit vielen Jahren warme Speisen aus, und in der Krypta der Kirche ist für fußmüde Besucher ein großes Café untergebracht.

Von seiner hohen Säule aus blickt Lord Nelson Richtung Süden, die Straße Whitehall  hinunter, an der sich auf beiden Seiten die Ministerien entlangreihen. Linker Hand findet man Banqueting House, 1619 von dem Architekten Inigo Jones im palladianischen Stil entworfen; die prachtvollen Deckengemälde schuf kein geringerer als Peter Paul Rubens. Gegenüber halten in stoischer Ruhe die königlichen Horse Guards Wacht, immer umlagert von unermüdlich fotografierenden Touristen. Wenige Meter weiter kann man einen Blick in die Down­ing Street  werfen. Hier residiert in Nr. 10, seit dem Amtsantritt von Robert Walpole 1721, traditionell der Premierminister, daneben hat im Haus Nr. 11 der Schatzkanzler seine offizielle Dienstwohnung. Das schmiedeeiserne Gitter, das den Zutritt zum Sträßchen versperrt, datiert aus jüngerer Zeit und geht auf die Initiative der »Eisernen« Lady Maggie Thatcher zurück.

Whitehall öffnet sich zum Parliament Square, und kein Besucher bleibt unbeeindruckt von der langen neogotischen Fassade der Houses of Parliament  oder Palace of Westminster. Wahrzeichen von London ist der hohe Glockenturm mit der mächtigen Uhr, im Volksmund Big Ben genannt. Die Namensgebung geht auf die große Glocke im Innern zurück. Zu jeder vollen Stunde ertönt ein Klangbild aus Händels Messias, das auch den Nachrichtensendungen der BBC vorangestellt wird. Der Besucher, der abends nach Einbruch der Dunkelheit an dem Turm hochblickt, sollte auf eine Lampe oberhalb der Uhr achten, brennt sie, dann tagt noch das Unterhaus. Im Herbst 1834 zerstörte ein Feuer die alten Parlamentsgebäude; den darauf folgenden Architektenwettbewerb konnte Charles Barry mit seinem damals gerade in Mode gekommenen neogotischen Entwurf für sich entscheiden. 20 Jahre dauerten die Arbeiten, die 1840 begannen.

Gegenüber den Houses of Parliament steht die bei der britischen Oberschicht für Hochzeitsfeierlichkeiten beliebte Kirche St. Margaret’s , dahinter erstreckt sich die Westminster Abbey , das bedeutendste Gotteshaus der Metropole. Die 156 Meter lange, 61 Meter breite und in ihren Gewölben über 30 Meter hohe Abteikirche entstand ab 1050 und wurde in den folgenden Jahrhunderten im Stil der Early English-Gotik fertiggestellt. An Weihnachten 1066 fanden die Krönungsfeierlichkeiten für Wilhelm den Eroberer an diesem geweihten Ort statt, und fortan bestiegen fast alle nachfolgenden Monarchen bis hin zu Elisabeth II. hier den Krönungsstuhl. Bis 1760 fanden die verstorbenen Herrscher auch in Westminster Abbey ihre letzte Ruhestätte.

Mit insgesamt über 300 Grabdenkmälern und mehr als 4000 Gedenktafeln ist die Kirche eines der interessantesten historischen Bauwerke der Stadt. Im südlichen Querschiff findet der Besucher Poet’s Corner, den Poetenwinkel, wo Inschriften an die großen Schriftsteller und Dichter der englischen Literatur erinnern. Erst 1995 fand hier auch Oscar Wilde Erwähnung; mehr als neun Jahrzehnte hatten die kirchlichen Autoritäten ihm die Ehrung aufgrund seiner Homosexualität versagt. Virginia Woolf wird bis heute nicht genannt, da sie durch Selbstmord aus dem Leben schied. Über die Straße Storey’s Gate, vorbei am Queen Elizabeth Confer­ence Centre, erreichen wir die Straße Horse Guards, die am St. James’s Park entlangführt. Hier, im Rücken der Treasury Offices, des britischen Finanzministeriums, befinden sich im Keller des Schatzamtes die Cabinet War Rooms . Während des Zweiten Weltkriegs tagte in den bombensicheren Räumen das Kabinett, und Premierminister Winston Churchill hatte hier bis zum 8. Mai 1945 seine Befehlszentrale. Die Einrichtung sowie die vielen Lagepläne an den Wänden datieren aus den letzten Kriegstagen.

Seit Ende 2004 ist den Cabinet War Rooms ein Museum angeschlossen, das Leben und Werk von Sir Winston Churchill würdigt. Der große Kriegspremier war ab 1933 der entscheidende Gegner Hitlers, doch wurde er in seiner eigenen Partei deswegen isoliert. Erst als die Appeasement- (Beschwichtigungs-) Politik seines Vorgängers gescheitert war, wurde Churchill zum Premierminister ernannt. Seiner Unbeugsamkeit und Härte ist es zu verdanken, dass der Zweite Weltkrieg mit der Niederlage der Nazis endete. Jenseits des St. James’s Park läuft The Mall  schnurgerade auf den Buckingham-Palast  zu. Vor der königlichen Residenz erinnert ein 27 Meter hohes und 1910 eingeweihtes Denkmal an Queen Victoria. Die Londoner verulken das schneeweiße Victoria Memorial  als Wedding Cake, als Hochzeitstorte, und auch Buckingham Palace wird respektlos Buck House genannt. Ist Elisabeth II. vor Ort, so weht traditionsgemäß die königliche Wappenflagge auf dem Dach. Alljährlich im August und September öffnet Queen Elisabeth ausgewählte Räumlichkeiten ihres Palasts für die Öffentlichkeit; der Besucher kann dann die State Apartments, den Thronsaal und den königlichen Speisesaal besichtigen.

Im Sommer findet täglich um 11.30 Uhr das Changing of the Guard, die Wachablösung, statt. Vor dem Buckingham Palace versammeln sich dann bei schönem Wetter mehrere tausend Besucher und folgen dem jahrhundertealten Spektakel. Durch eine weitere grüne Lunge der Stadt – Green Park  – gelangen wir auf die Straße Piccadilly  und folgen der von Geschäften aller Art gesäumten Flaniermeile bis zum Piccadilly Circus. Rechter Hand (Nr. 181) befindet sich einer der traditionsreichsten Delikatessläden der Metropole, Fortnum & Mason . Seit über 200 Jahren bedienen livrierte Angestellte mit unaufdringlicher Eleganz die Kundschaft. Nicht minder bedeutend ist wenige Schritte weiter die Buchhandlung Hatchard’s (Nr. 187), die älteste der Stadt.

Vom Piccadilly Circus aus kann man Soho erkunden, heute Zentrum der Londoner Musikindustrie und Medienbranche sowie das Pub- und Restaurant-Viertel der Metropole. Vor allem in der Frith und Greek Street reiht sich ein Lokal an das nächste, alle Küchen der Welt sind vertreten. Im Haus Nummer 28 der Dean Street, über dem hervorragenden italienischen Lokal »Quo Vadis«, lebte 1850–56 Karl Marx mit seiner Familie. Der große Leicester Square liegt weiter südlich, nur wenige Minuten Fußweg entfernt, und ist das Zentrum des West End und des Londoner »Theaterlandes«. An einem Kiosk kann der bühnenbegeisterte Besucher Theaterkarten für den gleichen Tag zum halben Preis erstehen. Nur noch einen Katzensprung ist es über die Straße Long Acre zu Covent Garden. In den ehemaligen Jugendstilhallen des berühmten Marktes sind heute Geschäf­te, Boutiquen, Pubs und Res­taurants untergebracht, Straßenmusiker sorgen für die rechte Geräuschkulisse, und Gaukler, Feuerschlucker und Akrobaten halten das Publikum in Atem, sorgen für herzhafte Lacher und rauschenden Applaus. Covent Garden ist ein urbanes Freizeitareal allererster Güte.

Infos:

Go Vista
City Guide
London
Hans-Günter Semsek
Vista Point Verlag
ISBN 978-3-86871-596-5
€ 3,99
www.vistapoint.de