Deutschland: Harz – Die steilste Abfahrt nördlich der Alpen

K1024_Brockenbahn_in_Winterlandschaft__Harzer_TourismusverbandSchneesicher sind die Harzer Wintersportorte nicht. Doch sobald sich die weiße Pracht einstellt, bieten Harzer Loipen und Pisten, Rodelbahnen und Natureisflächen jede Menge Winterspaß.

Der erste Schnee fällt oft schon im Oktober. Zumindest auf dem höchsten und berühmtesten Berg des Harzes, dem 1141 Meter hohen Brocken. So auch in diesem Jahr. Bereits Mitte Oktober meldeten die Meteorologen von der Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes auf dem Brocken eine dünne Neuschneeschicht und posteten launig das Foto vom ersten Schneemann der Saison. Bis sich der ganze Oberharz in ein weißes Wintermärchenland verwandelt, gehen meistens noch etliche Wochen ins Land. Ein Garant für weiße Weihnachten ist auch der Oberharz mit Höhenlagen um 800 Meter schon seit den 1960er Jahren nicht mehr. Im Januar und Februar aber stehen die Chancen auf weiße Pracht noch immer ziemlich gut. Und wenn die Fremdenverkehrsbüros auf der Wintersport-Website die passenden Schneehöhen melden, zieht es nicht nur die Niedersachsen und Sachsen-Anhaltiner in ihre Berge. „Unsere Loipen und Pisten locken auch Hamburger und Berliner “, weiß Christin Faust vom Harzer Tourismusverband in Goslar. Mit dem Auto und auch mit Bahn oder Bus lassen sich die Wintersportorte in dem südlich von Braunschweig und Magdeburg gelegenen Mittelgebirge von Berlin aus in etwa drei Stunden erreichen. Spontan ein Hotelzimmer oder eine Ferienwohnung zu bekommen, ist in der Regel nicht schwer. „Die typischen Winterurlauber im Harz sind ja die Kurzentschlossenen“, so Christin Faust. „Die meisten buchen erst, wenn der Wetterbericht für die nächsten Tage Neuschnee und dann knackigen Frost und strahlenden Sonnenschein verspricht. Und denen können die Vermieter vor allem in den kleineren Orten immer noch Fremdenzimmer oder Appartements anbieten.“

K1024_Brockenkuppe_Winter__E._RonkainenWenn man Harzfans nach ihren Winterfavoriten befragt, fallen die Antworten ganz unterschiedlich aus. Für die einen gibt es nichts schöneres, als durch die verschneiten Wälder zu wandern, zum Beispiel auf dem sechs Kilometer langen Rundwanderweg bei Hohegeiß, der vorbei an der Alten Bobbahn durchs Wolfsbach- und durchs Gretchental führt. Andere, die mehr Action wollen, zieht es an den Wurmberg bei Braunlage. Hier liegt das größte Skigebiet des Harzes. Weil die Winterklientel heute anspruchsvoller ist, als noch vor 20 oder 30 Jahren, haben die Harzer hier vor ein paar Jahren die Infrastruktur nachgerüstet und der Natur hier und da nachgeholfen, um den Abfahrtspaß vielseitiger und attraktiver zu machen. Nun gibt es eine neue 1,2 Kilometer lange Piste am Osthang. Kenner loben die ideale Neigung, die zu flotten Carvingschwüngen animiert, Skiläufern und Snowboardern aber auch ganz gemütlich talwärts brettern lässt. Steil und „schwarz“ dagegen ist die neue Piste am Hexenritt, diese Direktverbindung vom Wurmberggipfel zur Mittelstation und ist selbst für Könner kein Spaziergang. Mit einem Gefälle von 60 Prozent sorgt sie – als steilste Skiabfahrt nördlich der Alpen – zumindest bei Nordlichtern für Adrenalinschübe. Anfänger können sich auf einer eigenen Piste ausprobieren, Snowboarder finden ihr Revier am Sonnenhang auf einen Freestyle-Parcours mit verschiedenen Features. Weil sich das größte Harzer Skigebiet vor allem als Freizeitziel für Familien empfehlen will, fehlt auch eine Snow-Tubing-Anlage nicht. In Schlauchreifen rutschen dort schon die Jüngsten jauchzend in den Abhang runter und liefern Bilder, wie sie die regionalen Fernsehsender lieben, wenn sich der norddeutsche Winter einstellt.

Ein Zug der Harzer Schmalspurbahn HSB fŠhrt zum Brocken (Aufgenommen am 7.2.10) Die Strecke zum hšchsten Harzgipfel ist das Zugpferd der HSB. Rund 700000 FahrgŠste nutzen jŠhrlich das Angebot mit dem Zug zum Brocken zu fahren. Auf der Pressekonferenz der HSB werden am Donnerstag den 11.02.10 die neuesten Zahlen des GeschŠftsjahres 2009 prŠsentiert.

Schnelles Gipfelglück

Lange Wartezeiten an den Wurmberg-Liften gehören erst einmal der Vergangenheit an. Eine neue Vierer-Sesselbahn verbindet Mittelstation und Gipfel. Seit dem Ausbau kann die Anlage nun 3000 bis 4000 Menschen pro Stunde auf den mit 971 Metern höchsten Berg Niedersachsens befördern. Um die weiße Saison ein wenig zu verlängern, haben die Betreiber der Wurmberg-Seilbahnen zudem in eine Beschneiungsanlage investiert. Sobald die Temperaturen unter null Grad sinken, können innerhalb von 72 Stunden fünfeinhalb  Pistenkilometer wintersporttauglich machen, ohne dass eine Flocke Naturschnee fällt.
Weniger idyllisch geht es bisweilen auf dem Parkplatz an der Mittelstation zu. Im Zuge der Modernisierung wurden hier 600 PKW-Stellplätze geschaffen. Doch an Wochenenden mit Bilderbuch-Winterwetter reichen die bei weitem nicht aus. Ab zehn Uhr ist meistens schon alles dicht. Zusätzliche Stellflächen will man aber nicht schaffen. Konflikte mit Umweltschützern wären vorprogrammiert. Wer sich den Parkstress ersparen will, muss frühaufstehen oder, wenn das keine Alternative ist, mit der Seilbahn anreisen, die den Ort Braunlage mit der Wurmberg-Mittelstation verbindet.

K1024_Am_Wurmberg_Braunlage__Wurmberg_AlmWer auf die Harzer Superlative verzichten kann, weder die steilste noch die – mit vier Kilometern längste Abfahrt zum Winterglück braucht, kann andere Orte ansteuern. Bad Sachsa, Hahnenklee, Hohegeiß, Sankt Andreasberg und Schulenberg betreiben ebenfalls Liftanlagen und präparierte Abfahrt-Pisten. Darüber hinaus locken, über den gesamten Harz verteilt, rund 500 Kilometer gespurte Langlaufloipen, Natureisflächen, Rodelberge und Rodelbahnen, auch solche, die abends beleuchtet werden. Eine der längsten Naturrodelbahnen kann Bad Harzburg für sich reklamieren, 1500 Meter lang ist das Vergnügen auf der alten Harzburger Molkenhaus Chaussee. Die Bergstation von Torfhaus, einem Ortsteil der Bergstadt Altenau, liegt in 820 Metern Höhe. Ski-Alpin- und Rodelpisten sind  hier zwar nur wenige hundert Meter lang. Dafür bietet sich bei der Talfahrt – klare Sicht vorausgesetzt – ein herrlicher Blick auf den Brocken. Den sagenumwobenen Hochharzgipfel kann man auch im Winter ganz bequem erreichen. Ab Schierke zuckelt die Schmalspurbahn durch die verschneite Märchenlandschaft. Oben angekommen hilft eine heiße Erbsensuppe gegen die klirrende Kälte.

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Harz Tourismus

 

Deutschland: Das Harzer Hochmoor im Herbst


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Ein seltener Gast, der Feuersalamander

Der Harz bietet vielen Naturfreunden die Möglichkeit die Natur noch sehr ursprünglich zu erleben. Die Harzer Hochmoore sind Beispiele für ursprüngliche Landschaft. Hier findet der Wanderer die Möglichkeit nach einer ausgedehnten Wanderung über die Moore, vielleicht bis rauf auf den Brocken, eine Mahlzeit zu sich zu nehmen und/oder eine Unterkunft zu buchen. Hervorragende Übernachtungsmöglichkeiten gibt es rund um das Torfhaus, welches Ausgangsstation für viele Wanderungen ist.

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Farbenspiel im September am Rande des Hochmoores

Das Harzer Hochmoor hatte nur eine Chance ursprünglich zu bleiben, weil das Klima im Harz zu extrem war. Bei dem Versuch das Moor abzubauen, trocknete der Torf nicht und war somit nicht verwertbar.

Dadurch blieben für die Menschen die Moore erhalten. Mit den Mooren konnten auch viele seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten werden. Zwei Smaragdlibellenarten (Arktisch und  Alpen) leben hier und auch der seltene Moosbeeren-Grauspanner, eine vom Aussterben bedrohte Schmetterlingsart

Auch die Pflanzenwelt hat hier ein paar besondere Kandidaten vorzuweisen. Der Rundblättrige Sonnentau, die Rosmarinheide oder das Scheidige Wollgras.

Bei einem Rundgang über das Hochmoor wird man sie entdecken. Der Rundgang besteht aus einem Holzsteg, welcher einen sehr schönen Überblick über die Landschaft gibt und gut zu begehen ist. Für nicht so geübte Wanderer finden sich einige Sitzbänke zum ausruhen und Ausblick genießen. Angrenzend an das Hochmoor gibt es herrliche Waldlandschaften.

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Lichtdurchflutete Wälder, im Herbst ein Erlebnis der besonderen Art am Harzer Hochmoor

Die an das Hochmoor angrenzenden Wälder sind im Herbst faszinierend. Die schönen Farben des Laubes, die vielen Pilze und das wunderbar grüne Moos. All dies lädt zum verweilen und wandern ein.

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Fliegenpilze im Oktober

Gudrun Treuke-Daglioglu

 

Deutschland: Hollywood im Harz

Drehort Quedlinburg

Vor der Kulisse des Weltkulturerbes entstanden rund 60 Filme – Abenteuerstreifen, Literaturverfilmungen, Dokumentationen, Kinder- und Märchenproduktionen.

Die Flammen lodern, der Mob tobt. Eine Hexe soll verbrannt werden. Ungewaschene, abgerissene, geifernde Gestalten feuern die Knechte an, die Flammen höher zu schüren. „Verbrennt sie, verbrennt sie!“, schallt es über den Platz. Eine Szene aus dem Spielfilm Der schwarze Tod. „Und danach musste ich mich einen Tag lang von riesigen Kerlen verkloppen lassen“, sagt Sabine Houben. „Das hat riesigen Spaß gemacht!“ Die Quedlinburgerin nahm als Komparsin an Dreharbeiten zu dem Streifen teil, dessen Handlung im finsteren 14. Jahrhundert spielt – gedreht in und um Quedlinburg.

Die Stadt am Rande des Harzes mit ihrem Weltkulturerbe ist prädestiniert für Filmaufnahmen mit historischem Inhalt: ein mittelalterlicher Grundriss, mehr als 1300 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten und Gassen, die so schmal sind, dass kein Auto durchpasst. Besonders beliebt bei den Location Scouts, den professionellen Drehortsuchern, ist der Schlossberg mit seinen felsigen Klippen, den historischen Wohnhäusern und der romanischen Stiftskirche in der Mitte. Winfried Glatzeder führte hier als Till Eulenspiegel einen Schimmel zu seinem Fürsten und Manfred Krug ritt in dem Mantel-und-Degen-Streifen Mir nach, Canaillen! übers Kopfsteinpflaster.

Die Karriere Quedlinburgs als „Harzer Hollywood“ begann 1954 mit der Verfilmung der Novelle Pole Poppenspäler von Theodor Storm. Die DEFA kehrte danach regelmäßig zu Aufnahmen zurück, und auch nach der Wende blieb die Stadt als Drehort populär: Pfarrer Braun ermittelte in Quedlinburg, Otto Waalkes kam für 7 Zwerge her und Til Schweiger stand für eine Ritterklamotte vor der Kamera.

Einige historische Produktionen sind nun wieder auf großer Leinwand zu erleben. Im Rahmen des Projektes „Filmstadt Quedlinburg“ werden Wiederaufführungen organisiert, zu denen Regisseure, Schauspieler und Kameraleute als Ehrengäste eingeladen sind. Gezeigt wurde zum Beispiel König Midas, eine Kinderoper von 1962, die komplett in der Harzgemeinde entstand – um dann von der DDR-Zensur ins Archiv verbannt zu werden. Hans-Jürgen Furcht, Initiator von „Filmstadt Quedlinburg“, wurde für dieses Projekt im Rahmen der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Der filmverrückte Kulturmanager, der früher mehrere Kinos leitete und sich nach der Wende mit einem Wanderkino selbstständig machte, stieß bei seinen Recherchen bislang auf rund 60 Filmproduktionen mit Drehort Quedlinburg: Abenteuerstreifen, Literaturverfilmungen, Dokumentationen, Kinder- und Märchenfilme. „Die Liste der Filme wächst ständig“, sagt Furcht, der inzwischen viele Anekdoten von Filmsets erzählen kann. Aus Geldmangel wurden zum Beispiel bei den Aufnahmen zum Bürgerkriegsdrama Fünf Patronenhülsen die Felsspitzen der Harzer Teufelsmauer weiß angemalt, um die schneebedeckten spanischen Berge zu simulieren. Die Anekdoten und Erinnerungen kommen meist von alten Quedlinburgern, die als Kinderdarsteller an Filmaufnahmen teilnahmen.

Schon in den 1950er-Jahren wurden Stadtbewohner als Statisten engagiert. Eine Tradition, die bis heute Bestand hat: Auch vor den Dreharbeiten zum Spielfilm Goethe mit Moritz Bleibtreu und Henry Hübchen, der 2011 in den Kinos lief, suchte eine Agentur per Zeitungsanzeige rund 400 Komparsen zwischen zwei und 70 Jahren: Frauen, Männer und Kinder, die optisch in das 18. Jahrhundert passen: „Keine gefärbten und gesträhnten Haare, keine Piercings oder sichtbaren Tattoos, keine künstlichen Fingernägel“, stand in der Ausschreibung. Auch Sabine Houben bekam wieder eine Zusage – im Herbst 2009 wurde gedreht. Der Kostümfundus zog solange in ein Autohaus: „Im Schauraum wurden wir in barocke Kostüme gesteckt und in der Werkstatt kamen wir in die Maske“, sagt die Hobby-Komparsin.

Houben war auch dabei, als Goethe die junge Lotte kennenlernt, ein romantischer Augenblick, gedreht in der Quedlinburger Marktkirche. Nicht immer ging es so komfortabel zu wie bei dieser Szene: Für die Außenaufnahmen musste auch der historische Stadtkern „in die Maske“. Störende Elemente wie Straßenschilder wurden entfernt, die liebevoll sanierten Fassaden auf alt getrimmt und das sonst blitzblank geputzte Pflaster mit Tonnen von Matsch bedeckt – wie eine Stadt zu Goethes Zeiten nun einmal aussah.

„Wir mussten den ganzen Tag durch die Matschepampe hin und her waten – in Seidenschuhen und barocken Kleidern“, sagt Houben. Und das in der Oktoberkälte. „Das Tollste an dieser Arbeit ist das Gemeinschaftsgefühl“, sagt sie. „Man hat viel Zeit zum Reden – 90 Prozent der Arbeit besteht aus Warten.“ Das gilt auch für die Stars: Cosma Shiva Hagen nutzte ihre Drehzeit in Quedlinburg sogar, um den Führerschein zu machen.

Oliver Gerhard