Deutschland: Floating Houses in Kröslin

Auf schwimmenden Häusern den etwas anderen Urlaub verbringen

Die Floating-Houses befinden sich im Krösliner See an der Marina Kröslin in Vorpommern und können als komfortable Ferienhäuser gemietet werden. Vom Rande des Yachthafens blickt man über die reizvolle Bodden-Landschaft des Peenestroms, auf den Greifswalder Bodden und über die Inseln Usedom und Rügen. Und auch bis zur Ostsee ist es nicht weit. Der nächste Sandstrand im benachbarten Fischerort Freest ist nur ca. 2 km entfernt. Man kann in der Saison aber auch direkt vom Krösliner Hafen aus mit einer kleinen Fähre zur Insel Usedom übersetzen – dort warten dann über 40 km feiner Ostseestrand sowie die Seebäder mit ihren Seebrücken.

Mit einem Urlaub auf den schwimmenden Häusern schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie verbinden das besondere Urlaubsgefühl auf dem Wasser mit den Annehmlichkeiten eines komfortablen Ferienhauses. Fest verankert liegen die zweistöckigen Ferienhäuser am Rande des Krösliner Yachthafens. Von hier aus genießen Gäste einen Blick auf die vielen Boote, das angrenzende Naturschutzgebiet und können von der oberen Etage zur Insel Rügen und Usedom blicken. In der Comfort-Variante des Ferienhaustyps finden bis zu vier Personen Platz.

Im oberen Deck befinden sich wahlweise ein Schlafzimmer mit Doppelbett und eine offene Galerie oder zwei Schlafzimmer. Zudem verfügen die Floating-Houses über ein großzügiges Badezimmer im oberen Deck. Weitere schwimmende Ferienhäuser gibt es in Barth, vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gelegen, und in Krummin auf der Insel Usedom. Wer doch mal ablegen möchte in Kröslin, mietet sich ein Boot und fährt auf Erkundungstour im Greifswalder Bodden oder unternimmt eine Radtour etwa von Kröslin in den beschaulichen Fischerort Freest.

 

Frankreich: Elsässischer Wein

 

Elsässischer Wein zur traditionellen Küche ist ein Muss. Über 170 Kilometer schlängelt sich die  Weinstraße am Rhein an der französisch-deutschen Grenze entlang und bietet köstliche Tropfen. Weiter im Norden liegt die kleine Weinstraße mit der nördlichsten Weinlage des Elsass in Cleebourg, nur wenige Kilometer von Rheinland-Pfalz entfernt.  Und dort ist eine von zehn Weinbruderschaften des Elsass zu finden.

„Lupfet s’Glasl bis zur Nasl, trinket noch en gute Schluck, Gsundheit.“ Die Mitglieder der Weinbruderschaft in Cleebourg, in grüne Mäntel und weiße Handschuhe gehüllt und mit einem schwarzen Hut geziert, singen ihren Trinkspruch aus voller Kehle. Und mit Begeisterung. Die vier Orte Cleebourg, Oberhoffen, Rott und Steinseltz bilden die „Confrérie des Vins des  Quatre Bans“, die 1996 ins Leben gerufen wurde, um den nördlichsten Wein des Elsass bekannt zu machen. Und der kommt teilweise sogar aus Deutschland, denn einige Weinberge liegen nicht nur an, sondern direkt auf der Grenze in Schweigen, wo auch das deutsche Weintor steht.

Seit Jahrhunderten wird im Herzen des Naturparks der Vogesen, rund 60 Kilometer nördlich von Straßburg, ein edler Tropfen gekeltert. Die Wurzeln des traditionellen Weinanbaus im Pays de Wissembourg reichen zurück bis auf die Dominikanerabtei aus dem 13. Jahrhundert. „Schon damals verstanden es die Mönche, die geistige Nahrung mit den Freuden des Leben zu vereinen“, lächelt Richard Juncker. Er weiß, wovon er spricht, seit drei Jahrzehnten ist er Kellermeister der Genossenschaft. Die ersten, die bei Cleebourg Wein anbauten, waren allerdings  im 8. Jahrhundert die Benediktiner.

Zwar blieb auch das Elsass und die Gegend rund um Wissembourg nicht vor der Reblaus verschont, doch sorgten ein  mildes Klima und der lehm- und mergelhaltige Boden für eine fruchtbare und ertragreiche Arbeit der Winzer. 1946 taten sich Anbauer  mit einer Rebfläche von 70 Hektar schließlich zu einer Genossenschaft zusammen, die im Laufe der Jahre mehr und mehr ausgebaut wurde. Heute werden 200 Hektar Fläche bewirtschaftet, vor allem mit den Reben  Auxerrois und Pinot Gris. Selbst Bioweine gibt es mittlerweile rund um Cleebourg. Und die Klimaerwärmung schreckt die Winzer nicht: „Dadurch sind wir bald die einzigen, die noch typischen Elsässer Wein produzieren.“ Ausgewogene und harmonische Tropfen eben.

„Cleebourger Wein im Glasl is ä Pläsier für Zung‘ und Nasl“, findet Kellermeister Juncker, der sich bei einer Führung durch den Weinkeller und die neue Abfüllanlage gerne über die Schulter schauen lässt. Nach dem Einblick in die Vinifizierung und den Gang durch den Keller lädt er zur Weinprobe in der Empfangshalle. Im Ornat der Bruderschaft. Denn Juncker ist einer von 160 Mitgliedern der Bruderschaft, die sich als Botschafter des heimischen Tropfens sehen. Drei Stufen musste er wie alle Novizen bis zur Reife in der Vereinigung erklimmen. Will der Novize für würdig befunden werden, ein erleuchteter Bruder zu sein, muss er schließlich sechs Elsässer Weißweine bei einer Verkostung erkennen. Für richtige Weinkenner dürfte das mit etwas Übung zu schaffen sein. Der Bruderschaft kann übrigens jeder Interessierte beitreten.

Diana Seufert

Für die Besichtigung des Cleebouger Weinkellers sollte man sich unter www.cave-cleebourg.com anmelden. Dort sind auch die Öffnungszeiten und Infos zur Direktvermarktung zu finden.

USA: In den rauchenden Bergen

Pechschwarze Nacht! Doch dann flammt zwischen Tannen plötzlich ein Licht auf. Kurz darauf ein zweites, ein drittes, ein viertes. Schließlich ein Leuchten und Flackern, als loderten in der Ferne Lagerfeuer. Zuerst nur unkoordiniert, dann als rhythmisches Blinken, das sich wellenartig durch die Nacht bewegt. Bald sind die Zuschauer im Wald der Smoky Mountains umzingelt von schwärmenden Glühwürmchen, einige funkeln grüngelb, andere bläulich, manche surren den Menschen frech um die Köpfe. Der ganze Wald scheint in Bewegung zu sein.

Jedes Jahr während zwei Wochen im Juni schwärmen die seltenen Leuchtkäfer zur Partnersuche aus. In Gruppen von mehreren Dutzend blinken sie gleichzeitig sechsmal hintereinander, dann folgt eine Pause von mehreren Sekunden. Das Phänomen der synchron blinkenden Glühwürmchen wurde vor gut 25 Jahren entdeckt, als ein Anwohner Wissenschaftler hierher führte. Seitdem wollen immer mehr Parkbesucher die Tiere beobachten.

Mit einem ortskundigen Führer lassen sich die „Fireflys“ in einem einsamen Waldabschnitt erleben, doch die meisten fahren im Shuttlebus zu offiziellen Beobachtungsstellen. Der Gästeansturm ist ein alltägliches Bild im Great Smoky Mountains National Park an der Grenze zwischen North Carolina und Tennessee. Seit seiner Einrichtung 1934 entwickelte er sich mit über neun Millionen Gästen jährlich zum meistbesuchten Nationalpark der USA, denn hier kann man neben den faszinierenden Glühwürmchen noch wilde Natur und noch wildere Bären entdecken.

Einsamkeit oder Massenbetrieb

Der Reisende hat die Wahl, zum Beispiel beim Erklimmen des Clingmans Dome, des höchsten Gipfels im Park: Reiht er sich in das Heer der Familien und Reisegruppen, die im rhythmischen „flip-flop“ ihrer Badeschuhe die 200 Meter vom Parkplatz zum Aussichtsturm spazieren. Oder wandert er unter Strapazen über den legendären Appalachian Trail herauf, der über 3500 Kilometer durch 14 Bundesstaaten verläuft.

Beim Ausblick sieht man Grün in allen denkbaren Nuancen: grasgrün, moosgrün, lindgrün, tannengrün, olivgrün. Der Regenwald der Smoky Mountains gehört zu den vielfältigsten des Landes – Wissenschaftler zählten hier mehr Baumarten als in ganz Europa zusammen. Die Gletscher der Eiszeit waren nie bis hierher gelangt, sodass unzählige Tier- und Pflanzenarten die Berge als Rückzugsgebiet nutzten.

Als die ersten Forscher in diese Wildnis eindrangen, gerieten sie in Ekstase angesichts der Fülle bislang unbekannter Arten. Sie verschifften Tausende Ableger von Azaleen, Rhododendren und Magnolien in die englische Heimat, wo sie heute in kaum einem Garten fehlen. Überall in den Smoky Mountains findet man Grotten und Wasserfälle, reißende Flüsse, blühende Wiesen und verwunschene Täler.

Auch Spuren menschlicher Besiedelung gibt es noch, zum Beispiel im Tal von Cades Cove – dem meistbesuchten Ort im meistbesuchten Park des Landes. Trotz der Blechkarawane, die sich täglich über die 17 Kilometer lange Rundstrecke schiebt, erhält man hier einen Eindruck von einem Appalachendorf des 19. Jahrhunderts: Kleine Bauernhöfe mit Scheune, Räucherhaus, Schweinestall und Maisspeicher gruppieren sich um weiß gestrichene Kirchen.

Zurück zur Natur

Mehrere Wassermühlen dienten zum Mahlen von Mais und Sägen von Holz. Überliefert ist ein reges Gemeindeleben, geprägt von harter Arbeit. Die Familien, die hier wohnten, zahlten den Preis für den Erhalt der Berglandschaft – bei der Gründung des Parks vor 75 Jahren mussten sie gehen. Vielleicht eine verspätete Strafe für die Taten ihrer Vorfahren, die einst die hier lebenden Cherokee-Indianer von ihrem Land vertrieben hatten.

Einige Siedler zogen gegen die Enteignung durch alle gerichtlichen Instanzen, andere nahmen das Angebot der Regierung an, noch bis zu ihrem Lebensende zu bleiben. Der größte Teil des Gebietes wurde jedoch Holzfirmen abgekauft. Gerade noch rechtzeitig: Bis zu drei Viertel der Bäume waren 1934 abgeholzt, das Land durchzogenvon Bahnlinien und bedeckt von Sägemühlen und Holzfäller-Camps. Wild lebende Tiere wie die Braunbären waren damals ausgerottet.

„Bären treffe ich auf fast jeder Wanderung“, kann Liz Domingue heute dagegen berichten. Die junge Wanderführerin läuft mit Besuchern zur einzigen bewirtschafteten Berghütte des Parks auf den rund 2000 Meter hohen Mount Leconte. Schon nach einer halben Stunde hat die Gruppe den Pfad für sich alleine: „Die Wanderfreude des durchschnittlichen Parkbesuchers endet allerspätestens nach einer Meile“, sagt Liz.

Der Weg führt durch ein kleines Flusstal, dessen Boden von einem violetten Teppich bedeckt ist: abgefallene Blüten von bis zu vier Meter hohen Rhododendren. Liz stöbert wabbelige Pilzungetüme, kleine Orchideen und mannshohe Farne auf. Immer wieder huschen Eichhörnchen vorbei, und einmal leuchtet es orangefarben von einem schwarzen Stein: ein prächtiger Rotwangen-Waldsalamander.

Berge Blau wie Rauch

Doch das harmonische Bild wird auch durch Flächen mit Baumskeletten unterbrochen, Resultat periodischer Schädlingsattacken: In den 1920er-Jahren vernichtete der asiatische Kastanienrindenkrebs alle Amerikanischen Kastanien, in den 1960ern saugte eine Pflanzenlaus den Frasertannen den Saft aus. Und vor acht Jahren wurde eine weitere Laus entdeckt, die inzwischen alle Hemlocktannen befallen hat.

Kurz vor dem Gipfel ziehen Nebelschwaden über den Weg. Schon die Cherokee-Indianer nannten die Berge „Blau wie Rauch“: Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit hängt im Sommer meist eine bläuliche Dunstglocke über den Wäldern. Bald darauf kommen wacklige Holzhütten in Sicht – die Mount Leconte Lodge. Ein rustikales Camp ohne Strom und Duschen, aber dafür mit deftigem Bergsteigeressen am prasselnden Kaminfeuer.

„Hier oben lernt man wahre innere Ruhe“, sagt Allyson Virden, die hier für eine Saison beschäftigt ist – fast neun Monate fern der Zivilisation. Einmal im Jahr bringt ein Helikopter Konserven, Kerosin und Baumaterial; frische Wäsche und Gemüse werden von Lamas getragen. Gedanken an einen Kneipenbesuch zum Feierabend oder eine kleine Shopping-Tour kommen bei Alleyson nicht auf: „Der kürzeste Weg ins Tal ist acht Kilometer lang.“

Oliver Gerhard

Info:

Nationalpark: Der Park erstreckt sich über die Bundesstaaten North Carolina und Tennessee. Eingänge befinden sich in Gatlinburg, Townsend und Cherokee. Der Park ist ganzjährig geöffnet, im Winter sind einige Straßen gesperrt. Der Eintritt ist frei. Great Smoky Mountains National Park, 107 Park Headquarters Road, Gatlinburg, TN 37738, Tel. 001-865-436 1200, www.nps.gov/grsm.

Glühwürmchen: Das Phänomen ist über ca. zwei Wochen Mitte Juni zu erleben. Der offizielle Beobachtungspunkt befindet sich am Campingplatz Elkmont. Ein Shuttle bringt Besucher aus Gatlinburg und vom Sugarlands Visitor Center dorthin.

Reisezeit: In den Sommermonaten und während des Indian Summer im September/Oktober sind die Besucherzahlen im Nationalpark am höchsten. Für Highlights wie Cades Cove oder die Strecke zum Clingmans Dome sollte man möglichst den frühen Morgen nutzen.

Unterkunft: LeConte Lodge, rustikal mit Stockbetten, nur für Wanderer erreichbar, Reservierung jährlich ab 1. Oktober für die nächste Saison, www.leconte-lodge.com

Eagles Ridge Resort, Blockhäuser für Selbstversorger in Parknähe, 2740 Florence Drive, Pigeon Forge, TN 37863, 001-865-286 1351, www.eaglesridge.com

Falling Waters Resort, geräumige Yurten an einem See im Wald, 10345 US Hwy. 74 West, Bryson City, NC  28713, Tel. 001-800-451 9972, www.fallingwatersresort.com

Auskunft: Tennessee Tourism, Horstheider Weg 106a, 33613 Bielefeld, Tel. 0521-986 04 15, www.tennessee.de; North Carolina Tourism, www.visitnc.de

Südafrika: Das Apartheidmuseum in Johannesburg

Apartheidmuseum Johannesburg

Durch die rechte Tür in die Vergangenheit

Das Apartheidmuseum in Johannesburg dokumentiert auf eindringliche Weise die Zeit der Rassentrennung in Südafrika. Ein Aufdruck auf dem Eintrittsticket teilt Besucher in „Weiße“ und „Schwarze“ ein – und legt dadurch fest, durch welchen Eingang man das Museum betreten darf.

„Non-white“ steht auf meiner Eintrittskarte fürs Apartheidmuseum in Johannesburg. Als einziger aus meiner Gruppe muss ich durch die für Schwarze bestimmte rechte Drehtür gehen. Apartheidmuseum Johannesburg

Das kleine Experiment der Diskriminierung endet sofort wieder endet – nur wenige Meter hinter dem Eingang vereinen sich die beiden Rundgänge wieder zu einem. Dennoch bleibt ein komisches Gefühl in der Magengrube zurück. Und man fragt sich: Warum muss ich das rechte Drehkreuz am Eingang benutzen, während die anderen durch das linke gehen?

Das Apartheidmuseum liefert seinen Besuchern Denkanstöße. Nicht nur einmal stockt einem  der Atem. Einen Raum durchquert man beispielsweise unter 121 Galgenschlingen, die von der Decke hängen. Bildlich und ziemlich drastisch symbolisiert jeder einzelne Strick einen Hingerichteten während des Aphartheidregimes. In einem anderen Saal steht ein leuchtend gelber „Casspir“ – ein wuchtiger Polizeipanzer. Mit einem solchen patrouillierte die Burenpolizei durch die schwarzen Townships. Dabei versetzt ein Video den Besucher in die Rolle des Fahrers des Panzerwagens. Spätestens jetzt realisiert der Besucher, dass er quasi im Auftrag des Apartheidsystems unterwegs ist. Nein, leichte Kost wird einem im Aprtheidmuseum nicht geboten. Das ist gewollt, kann aufgrund der Thematik auch nicht anders sein. Auch deswegen wird Kindern der Besuch erst ab dem elften Lebensjahr empfohlen

Doch das Museum bietet mehr als Schockeffekte. Die Ausstellung ist in 22 Bereiche  unterteilt. Mal chronologisch, mal thematisch wird darin die Zeit der Apartheid von 1948 bis 1994 nachgezeichnet. Auch die Vorgeschichte der Rassentrennung beleuchten die Aussteller –  angefangen bei der Gründung der Republik Südafrika im Jahre 1910. Schon damals hat der Staat den Schwarzen – und auch Frauen – das Wahlrecht verweigert.

Einen breiten Raum nimmt der Schüleraufstand von Soweto ein. Er wird ausführlich in Filmausschnitten aus dem Jahr 1976 dokumentiert. Damals sollte Afrikaans, die Sprache der herrschenden Buren, als verbindliche Unterrichtssprache für alle Südafrikaner, also auch die Schwarzen, eingeführt werden. In den Townships kam es dagegen zu heftigen Protesten, gegen die die Polizei mit Gewalt vorging. Mehr als 500 Menschen wurden laut den offiziellen Angaben der Sicherheitskräfte bei dem Aufstand getötet – in Wahrheit starben aber wohl weit mehr als tausend Menschen, darunter viele Kinder.

Biko, Mandela und Helen Suzman

Selbstverständlich werden auch die bekannten schwarzen Freiheitskämpfer gewürdigt und deren Leben nachgezeichnet. Etwa das von Steve Biko, der 1977 an den Folgen von Folter in der Haft gestorben ist. Nelson Mandela, wird in einer eigenen Sonderausstellung geehrt. Sie zeichnet seinen Lebensweg vom Widerstandskämpfer bis zum Präsidenten nach. Apartheidmuseum in Johannesburg, Südafrika

Ausführlich wird die Episode geschildert, als Mandela im Trikot der hauptsächlich von Weißen unterstützten Rugbynationalmannschaft 1995 dem südafrikanischen Mannschaftskapitän Francois Pienaar den Weltmeisterschaftspokal überreichte. Dass der schwarze Präsident dem weißen Nationalsport diese Ehre erwies, wurde damals als großes Zeichen der Versöhnung angesehen. Diesen Teil der südafrikanischen Geschichte erzählt der Film Invictus nach, der vor einigen Jahren erfolgreich in  unseren Kinos lief.

Auch im Ausland weniger bekannten Persönlichkeiten des Antiapartheidkampfes werden in dem Museum gewürdigt. Beispielsweise Helen Suzman. Von 1953 bis 1988 war sie Mitglied des damals rein weißen südafrikanischen Parlaments und dort die Einzige die sich konsequent gegen die Rassentrennung aussprach. In Ungnade fiel Suzman, weil sie regelmäßig Nelson Mandela im Gefängnis besuchte. 1986 war sie für kurze Zeit inhaftiert worden.

Das Apartheidmuseum wurde 2001 eröffnet. Es war damals ein Teil der Lizenzvergabebedingungen für das benachbarte Casinos. Wer die Spielhölle bauen wollte, musste sich – so die Regierungsvorgaben – gleichzeitig verpflichten, ein soziales Projekt ins Leben zu rufen. Gold Reef Casions, die schließlich den Zuschlag bekamen, hatten in ihrem Angebot den Bau eines Apartheidmuseums vorgeschlagen.

Rasso Knoller

 

Italien: 25. Maratona dles Dolomites

Der New-York-Marathon für Radfahrer

In Alta Badia, diesen kleinen, tief im Gadertal gelegenen ladinischen Dörfern, geht es für gewöhnlich recht beschaulich zu. Nur einmal im Jahr, am ersten Juli-Sonntag, setzt das Gewöhnliche aus und dann platzt La Villa schon um fünf Uhr morgens aus allen Nähten. 9.000 Radfahrer aus über 40 Nationen stehen dicht gedrängt in der Ortsdurchfahrt. Sie halten sich in den Seitenstraßen auf, in den Hofeinfahrten, auf den Parkplätzen – überall stehen sie, in engen Hosen, Trikots, die Räder zwischen den Beinen und den Kopf verhüllt mit Helmen und großen Brillen. Um sechs Uhr morgens kreisen schon zwei Hubschrauber des italienischen Fernsehsenders RAI Tre wenige Meter über dem Starterfeld. Die insgesamt 1.200 freiwilligen Helfer sind voll konzentriert und die Radler zupfen nervös an ihren Trikots – neun, acht, sieben – rücken noch einmal die Helme zurecht – sechs, fünf, vier – prüfen den Luftdruck ihrer Reifen – drei, zwei, eins – und dann fällt der Startschuss zu einer der größten und einer der schönsten Radsportveranstaltungen der Alpen: der Maratona dles Dolomites.

Doch die ganze Bedeutung dieser Veranstaltung, die in diesem Jahr zum 25. Mal stattfindet, wird einem erst bewusst, wenn man Michil Costa trifft. „Dieses Jahr gab es 28.000 Anfragen“, sagt Costa, der seit 1997 Präsident des Rennens und mit der Maratona so verbunden ist wie die Fahrradkette mit dem Zahnkranz. „Mehr als 9.000 Teilnehmer können wir einfach nicht zulassen – da haben wir das Maximum erreicht“, erklärt er. So konnte sich nur jeder vierte Interessent einen Startplatz sichern. Costa, zugleich auch Hotelier in Corvara und als Philosoph und Exzentriker bekannt, ist ein Mann mit lichtem Haar und spitzbübischem Lächeln, und es passt gut zu diesem Lächeln, dass Costa seit vielen Jahren in Lederhose, weißem Hemd und roter Weste auf einem Hochrad die ersten Kilometer des Rennens mitfährt. „Mir geht das normale Rad viel zu schnell“, sagt er und erzählt, dass er ein paar Mal auch die ganze Sella Ronda auf dem Hochrad mitgefahren ist.

Entweder steil bergauf oder steil bergab

Die Sella Ronda, das sind die ersten vier Pässe der Maratona, einem Rennen, das sich über die Jahre zu einer Art „New-York-Marathon für Radfahrer“ entwickelt hat. Es ist ein Langstreckenbergrennen für Amateure und führt mitten durch die spektakuläre Bergwelt der Dolomiten. Und das heißt – im Unterschied zu New York – es geht fast immer entweder steil bergauf oder steil bergab. Über die für den Straßenverkehr an diesem Tag gesperrten Pässe Campolongo, Pordoi-, Sella- und Grödnerjoch wieder hinunter nach Corvara. Nach zweieinhalb Stunden haben viele die Sella Ronda schon hinter sich. (Michil Costa braucht mit seinem Hochrad natürlich ein bisschen länger.) Dabei geht das Rennen nun erst richtig los: Die Strecke führt ein zweites Mal über den Campolongo, dann hinüber nach Arabba und Andraz und hinauf auf den Passo Giau, dann hinunter Richtung Cortina d’Ampezzo und schließlich über den Falzarego- und den Valparolapass zurück nach La Villa und Corvara. Am Ende sind es 138 Kilometer, acht Pässe und 4.190 Höhenmeter. Es gibt zwar auch eine kleine (55 Kilometer) und eine mittlere (106 Kilometer) Runde, aber die meisten Teilnehmer stellen sich der langen Strecke – und fast alle 9.000 erreichen auch das Ziel.

Es begann mit 166 Teilnehmern

1987 hatte man sich solche Zahlen nicht in den kühnsten Träumen vorstellen können. „Wir haben damals mit gerade mal 166 Teilnehmern angefangen“, erzählt Costa. Das Rennen war anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Fahrradvereins Alta Badia-Raiffeisen als kleine Veranstaltung entstanden. Doch schon bald erfuhr es eine ebenso ungeahnte wie kuriose Erfolgsgeschichte: Als das Rennen 1989 wegen eines Schnee – sturms auf dem Passo Giau abgebrochen wurde, war ein ZDF-Fernsehteam zugegen und dokumentierte, wie die Fahrer im Schneetreiben evakuiert werden mussten. Genau diese Bilder sorgten für die Popularität der Maratona, die ab sofort den reizvollen Ruf eines scheinbar unmöglichen Rennens hatte. Schon 1990 folgte ein Boom von  Anmeldungen, die meisten davon aus Deutschland. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Maratona zu einem der wichtigsten Ereignisse im Gadertal, das auch für den Tourismus riesige Dimensionen annahm. 38.000 Übernachtungen verzeichnete Alta Badia dieses Jahr während des Rennwochenendes. „Es ist schon auch ein Supergeschäft“, sagt Costa lächelnd, „und deswegen gefällt es auch den Einheimischen.“

Natürlich geht es bei einem Rennen immer auch um Sieg und Niederlage, um Endzeiten und Durchschnittsgeschwindigkeiten – die Schnellsten brauchen weniger als viereinhalb Stunden und fahren einen Schnitt von über 32 km/h. Aber für Michil Costa geht es um mehr: „Meine Vorstellung einer idealen Maratona ist nicht nur eine körperliche, sondern auch eine ideelle“, sagt er, nippt am Kaffee und erzählt, dass auf den Passhöhen klassische Musik gespielt wird und er für die diversen Rahmenveranstaltungen einen eigenen Artdirector engagiert hat, der das alles choreografiert und koordiniert. Auch in dieser Hinsicht ist die Maratona dles Dolomites eine sehr ungewöhnliche Veranstaltung. „Ja, die Maratona ist schon ein Rennen“, sagt Costa, „aber erst wenn man die Energie der Berge spürt, Zeit, Raum und Ruhe empfindet, wird die Maratona auch zu einem seelischen Highlight.“ Es ist ein sonniger und ruhiger Tag in Corvara. Für heute genügt es schon, den Blick über die imposante Landschaft und die Pässe schweifen zu lassen, um zu verstehen, was Costa damit meint.

Infos:

Am Sella Ronda Bike Day und am Radtag Stilfserjoch werden die jeweiligen Strecken für den motorisierten Verkehr gesperrt: alle vier großen Dolomitenpässe rund um den Sellastock bzw. die kurvenreiche und 25 Kilometer lange Straße hinauf auf das Stilfserjoch. Der Triathlonwettkampf Ötzi-Alpin-Maraton umfasst die drei Disziplinen Mountainbiken, Laufen und Skitourengehen. Als größtes Mountainbike-Rennen Italiens mit internationalen Teilnehmern hat der Dolomiti Superbike Weltcupstatus.

Kontakt
Gremium „Maratona dles Dolomites“
Str. Damez 34
I-39036 Abtei
Tel.: +39 0471 839 536
www.maratona.it

Deutschland: Die Top 10 Sehenswürdigkeiten von Hamburg

1 Rathaus und Rathausturm

Im Stadtstaat Hamburg prägt das Rathaus im Stil der Neorenaissance mit seinem 112 Meter hohen Turm das Stadtbild.

2 Jungfernstieg

Hamburgs Paradezeile hat auf der einen Seite feine Geschäfte, auf der anderen das Flanierufer der Binnenalster mit dem Anleger der Alsterdampfer und dem Alsterpavillon.

3 Hafen/Hafenrundfahrt

Deutschlands größter Seehafen erschließt sich am besten vom Wasser her, weil die Kapitäne der Rundfahrtboote ihr Revier kennen wie ihre Westentasche.

4 »Michel«/St. Michaelis

Die Barockkirche St. Michaelis ist nicht nur bei Konzerten einen Besuch wert, denn von der Aussichtsplattform bietet sich ein weiter Ausblick.

5 Speicherstadt

Die seit 1880 an den Fleeten, den Wasserarmen des Hafens, errichteten Lagerhäuser, die unter Denkmalschutz stehen, bergen neben Büros Museen und andere touristische Einrichtungen.

6 Fischmarkt

Kein Geheimtipp, aber immer wieder witzig: der Fischmarkt bei der historischen Fischauktionshalle.

7 Reeperbahn

St. Paulis lebenslustigste Meile markiert nicht nur einen der bekanntesten Rotlichtdistrikte Europas, sondern auch ein bürgerliches Unterhaltungsquartier.

8 Musical-Bühnen

Mit der Deutschlandpremiere von »Cats« begann 1986 Hamburgs Karriere als Musical-Metropole: Neben dem Theater im Hafen, dem Operettenhaus und dem Neue Flora Theater zeigen auch kleine Bühnen, was auch in London und New York erfolgreich ist.

9 Hamburger Kunsthalle

Eine der bedeutendsten deutschen Sammlungen von Malerei und Plastik aller Epochen.

10 Chilehaus

Das Kontorhaus aus Klinkersteinen, 1924 von Fritz Höger gebaut, erinnert an einen Schiffsbug.

 

Österreich: Reiterferien für Kinder am Achensee

Kinderreiterferien am Achensee

Reiterferien in den Kinderhotels: Perfekter Familienurlaub mit höchsten Qualitätsansprüchen und kompetenter Kinderbetreuung

Gemächlich läuft Pony Maxi über die Wiese. Stolz führt die achtjährige Katharina den rotbraunen Isländer in Richtung Reitplatz, den Zügel fest in der Hand. Bloß nicht loslassen. Für die idyllische Tiroler Bergwelt und die Natur rund um den Achensee hat sie keine Augen. Sie ist vielmehr gespannt auf die Übungsstunde, die sie und ihre Zwillingsschwester Theresa bei Reitlehrer Oliver vom Familienparadies Sporthotel Achensee in Achenkirch erwartet.

Flugs sitzt Katharina auf dem Pony und tätschelt zufrieden – wenn auch noch ein wenig schüchtern – Maxis Hals. Der hat eine Riesengeduld, trabt und galoppiert im Kreis und freut sich über das Lob seiner jungen Reiterin. „Gut gemacht“, kommt mehrfach vom Lehrer die Bestätigung, nachdem Oliver erklärt hat, wie einfach das Mädchen durch Drücken der Füße am Bauch des Tieres die Richtung und die Geschwindigkeit verändern kann. Das will auch Schwester Theresa üben und schwingt sich anschließend mit Begeisterung in den Sattel. Immer interessiert beäugt von vielen Eltern und kleinen Gästen, die sich vom großen Außenspielgelände und dem Hasenstall nebenan losgerissen haben, um vielleicht doch mal kurz das Pferd streicheln zu können.

Das Achenkircher Kinderhotel mit fünf Smileys unter der Leitung von Günther und Brigitte Hlebaina ist eines von knapp einem Dutzend Mitgliedern der Gruppe, die den jungen Gästen im Sommer professionelle Reitkurse anbieten. Vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen wird der richtige Umgang mit dem stolzen Vierbeiner gelernt. Denn Tochter Vanessa, eine begeisterte Pferdenärrin, kam vor zehn Jahren auf die Idee, ihr Hobby mit den jungen und vorwiegend weiblichen Hotelgästen zu teilen. Der 21-jährige Maxi gehörte zu den ersten Pferden im Stall. Mittlerweile bevölkern die Boxen mehrere Island-Ponys und Haflinger, die die täglichen Streicheleinheiten der Kinder und Erwachsenen genießen. Und wer will, darf gerne beim Füttern, Striegeln und Ausmisten helfen. Wie bei richtigen Reiterferien eben. Ponyhof am Achensee

Während die Kleineren noch an der Longe üben, hat die zwölfjährige Sophie schon „ihr“ Pferd gesattelt. Denn in Begleitung des Reitlehrers darf sie ins Gelände ausreiten. Durch die Wälder und Wiesen, vorbei an Spaziergängern und enthusiastischen Tourengängern mit den Ski auf dem Rücken, führt der Ausritt an den Fuß des Achenkircher Hausberg, den „Christlum“. Wo im Winter die Skifahrer in einem kleinen, aber sehr feinen Familienskigebiet ihre Abfahrten genießen, sorgt im Frühjahr das saftige Grün von Bäumen und Gras für einen interessanten Kontrast zu den schneebedeckten Berggipfeln.

„Der See hat neben den Bergen auch eine sehr große Anziehungskraft“, schwärmt Inhaberin Brigitte Hlebaina von „einem der schönsten Gebiete Tirols“. Das breite Tal, die Gipfel und die interessante Lage nur wenige Kilometer von der Grenze bieten sich für einen Kurzurlaub gut an. Ob im Sommer wandern, radeln oder surfen, ob im Winter Ski fahren, snowboarden oder langlaufen: „Hier kann man sehr kurzweilige Tage erleben, bei denen gerade Familien voll auf ihre Kosten kommen.“

Denn die haben die insgesamt 53 Mitgliedsbetriebe der Kinderhotels im Blick. Das Ziel wurde schon bei der Gründung des Zusammenschlusses 1988 klar definiert: Perfekten Familienurlaub mit den höchsten Qualitätsansprüchen und kompetenter Betreuung zu verbinden. „Wir wollen eine Wohlfühlatmosphäre bieten“, ist Brigitte Hlebaina vom Konzept der Kinderhotels überzeugt. Dabei stehen besonders die Jüngeren im Mittelpunkt. „Sind sie zufrieden, sind es auch die Eltern.“ Eine Kinderbetreuung von zwölf Stunden am Tag und sieben Tage die Woche, unterteilt in verschiedene Altersstufen, sorgt nicht nur bei den Kleinsten für Begeisterung. Großzügige Spielbereiche, spezielle Kindermenüs und bei gehobeneren Häusern ein Wellness-Bereich bieten unbeschwerte Tage. Wenn die Eltern mal gemeinsam etwas unternehmen wollen, etwa eine ausgiebige Wanderung, wissen sie ihren Nachwuchs gut betreut. Denn über 350 Baby- und Kinderbetreuer sind bei den Betrieben in Österreich, Italien, Deutschland und Kroatien angestellt. Die Hotels mit den gelben Smileys als Gütesiegel haben daher eine Philosophie: Ohne Kinder brauchen die Gäste erst gar nicht anreisen. Spezielle Angebote für den Nachwuchs zeichnen die einzelnen Häuser aus. Neben den Reitkursen bietet das Sporthotel Achensee Kindergolfen und Kinderwellness mit Ernährungsberatung.

Diana Seufert

Info

Unter den 53 Hotels der Gruppe der Kinderhotels gibt es auch einige Besonderheiten. Professionelle Reitkurse gibt es auch in Österreich im Familien-Erlebnis-Hotel Moar-Gut, Großarl, Familienresort Ellmauhof, Saalbach-Hinterglemm, Kinderhotel Felben, Mittersill, Familienerlebnis Hotel Post, Unken, Reiter’s Avance Hotel, Bad Tatzmannsdorf, Sporthotel beck, Brand, Almhof Family Resort, Gerlos, im Kröller Reit- & Kinderhotel, Gerlos, Aktiv- und Wohlfühlhotel Kesselgrub, Altenmarkt, Familienhotel Hinteregger, Katschberg und in Bayern im Familienparadies Neubichler Alm, Piding.

Mitten im Herzen der Kärntner Nockberge, auf fast 1900 Höhenmetern, liegt das Heidi-Hotel Falkertsee. Hier gibt es den ersten Kinderhotel-Klettersteig mit Seilrutsche für mutige Kinder und Erwachsene. Kinderspielplatz Achensee

Mit dem Dorf Kleinwild hat die Kinderhotels Gruppe das erste Dorf mit abwechslungsreichem Programm für Kinder bis 14 Jahren. Kleinwild gehört zu den Feriendörfern Kirchleitn und liegt in St. Oswald, Kärnten. Beim Toben am dorfeigenen Biotopteich, Streichelzoo und Wasserspielplatz wird spielerisch die Natur erkundet.

In einer idyllischen Sonnenbucht auf der kroatischen Insel Mali Losinj gelegen bietet das Hotel Vespera mediterranen Familienurlaub. Das Vier-Sterne-Superior Hotel Alpenrose in Lermoos an der Zugspitze überzeugt durch luxuriöse Ausstattung, einen erstklassigen Wellness-Bereich und optimale Kinderbetreuung. Ein Hotel in Form eines Schiffes erwartet die Gäste im Gina’s Kinderhotel in Drobollach, Kärnten. Die Anlage ist ein wahres Paradies für Rabauken.

Im schaurig-schönen Kinderhotel Alpina in St. Johann im Pongau im Salzburger Land spukt es und in der Steiermark befindet sich das Ballonhotel. Weitere Informationen findet man im Internet unter www.kinderhotels.com

USA: Westwärts nach Arizona

Arizona: Auf Mountainbike und Pferderücken

Hier schießt  der Wilde Westen noch um sich – zumindest fast. Denn wer glaubt, im Wüstenstaat Arizona gäbe es nicht mehr zu entdecken als Sand und Hitze, der täuscht sich. Unser Autorin Christina Hollstein traf Rockstar-Winzer, Erdfrucht-Köchinnen und Waffennarren auf sehnsuchtsvoller
Suche nach authentischer Western-Romantik. 

Manche Menschen machen Camping in der Wüste. Flimmernde Hitze, Berglöwen, Koyoten, Klapperschlangen, schier endlose, karge und wasserlose Sandlandschaften – alles inkludiert. Arizona polarisiert. Man liebt oder hasst sie, die trockene Sonora-Steppe, die stechende Sonne, die sparsame Vegetation. Die Camper, die hier mitten in der Einöde ihre einfamilienhausgroßen Caravans unter überdimensionalen Carports parken, lieben sie offenbar. Und sie sind nicht die Einzigen. Denn das abenteuerliche Mysterium „Wilder Westen“ scheint noch ganz andere Persönlichkeiten anzulocken.

Ein Golfer im Kaktus

„Das war nicht ganz ungefährlich“, ruft der alte Mann auf dem Mountainbike. Seine Stimme klingt unerschütterlich. Was erstaunlich ist, denn gerade sind wir einen rutschigen Sandpass auf dem Rad hinuntergeprescht. Links und rechts kleine und große, runde und höckerige Kakteen, deren Stacheln irgendwie unfreundlich in alle Himmelsrichtungen ragen. Gary Heald, 75 Jahre, erstaunlich sportliche Statur, braun gebrannt, volles, silbernes Haar, wirbelt hier täglich durch Staub, Wind und Sonne.

Trotz seines Alters ist er wohl einer der virilsten Wüstenführer der „Arizona Outback Adventures“, dem Wüstenabenteuer-Unternehmen, das seinem Sohn gehört. „Vor kurzem fiel hier in der Nähe ein Golfspieler beim Abschlag rücklings in solch einen Kaktus“, erzählt Gary und zeigt auf ein Exemplar, das aus hunderten eiergroßen Stachelbällchen besteht, die sich hin und wieder von der Stammpflanze lösen und für den Wanderer gefährlich allein durch die Wüste treiben. „Die Stacheln wurden drei Stunden lang aus seinem Körper operiert“, lacht er. Doch natürlich kann der Wüsten-Weise noch viel mehr als bloße Schauermärchen erzählen. So unterrichtet er uns auch in Wüsten-Vegetation: „Je kleiner das Blatt am Baum, desto geringer der Wasserverlust“. Aber auch in Wüsten-Geschichte: „Die Weißen wollten die Indianer liquidieren? Was Arizona betrifft: Ein Gerücht!“
Na ja … Zumindest ist in dieser sandigen Endlosigkeit gerade weit und breit kein Indianer zum Einsprucheinlegen vorhanden. Vielleicht ein schlechtes Zeichen?

Charleen kocht hässliches Gemüse

Für alle die, die kein Hitze-Camping mögen, bietet Arizona allerdings auch Alternativen: Sonora-Oasen, kleine Wüstenstädte, aber auch riesige Stadtwüsten. Und selbst wer saftigen, grünen Rasen sucht, der muss erstaunlicherweise nicht ins für uns Europäer nahe England reisen, sondern kann ebenfalls in die Wüste fahren, klar. Ins Städtchen Scottsdale zum Beispiel – ein Paradies für alle Freunde des liquiden Wüstenflairs, für Gourmet-Golfer, für Pool-Party-Fans. Doch während wir hier in den schicken Golf-Resorts eher auf teure, in geschmacksfreiem Käse ertränkte Küche treffen, entdecken wir in Old Scottsdale, dem Downtown-District der Stadt, moderne, leichte und wie der arrogante Europäer sagen würde „irgendwie unamerikanische“ Küche. „Charleen kocht sogar hässliches Gemüse“, sagt die hübsche Laura McMurchie, PR-Sprecherin der Region Scottsdale. Hässliches Gemüse? Im Gastropub FnB sind das Steckrüben und Blumenkohl, Kohlrabi und Pastinaken, Kartoffeln und Knollen-Zieste. Seit 2009 schon bereitet die Küchenchefin hier all diese Erd-Köstlichkeiten in offener Küche zu. „Charleen hat früher vierzig Kilo mehr gewogen“, verrät Laura und lacht, „dass heute so viel Gemüse auf der Karte steht, hat sicher auch etwas mit ihrem Diät-Konzept zu tun.“ Wie bei einem italienischen Großfamilien-Abendessen wird unser Tisch also mit verschiedenen Beilagen und Hauptspeisen gefüllt. Jeder probiert alles. In gemütlicher Dimmlicht-Atmosphäre prosten wir uns zu. Und zwar nicht etwa mit kalifornischem Wein, sondern mit dem aus dem kargen Arizona. Und dieser ist im FnB sogar prominent.

Der Winzer muss ein Rockstar sein

Nein, nicht etwa die Prominenz des Weins, sondern die des Winzers ist hier gemeint. Noch zumindest. Maynard James Keenan, Sänger der Hardcore-Band „Tool“, steht im FnB mit seinen aus den „Caduceus Cellars“ stammenden Weinen auf der Karte. Und auch der Rebsaft des neuseeländischen Regisseurs Sam Pillsbury ist hier gleich fünfmal auf der Weinliste vertreten. Zumindest in Amerika ist der Arizona-Wein dank dieser prominenten Unterstützung schon ein wenig populärer geworden. Und diese Missionarsarbeit war dringend nötig: Die ältesten Reben Arizonas sind gerade einmal zwanzig Jahre alt. Der Anbau in kargen Wüstenlandschaften spricht auch nicht gerade für die Region. Es gibt Frostperioden im Winter, monsunartige Regenfälle im Sommer und hartnäckige Schädlinge wie Waschbären und Nabelschweine im ganzen Jahr – ein hartes Geschäft. Wer hier Spaß am Weinbau hat, muss wohl tatsächlich Rock-Star sein. Oder einfach nur ein bisschen verrückt.

Ohne Espresso kann Flavio nicht schlafen

Doch was ein echter Cowboy ist, zieht weiter, immer weiter hinaus in die Wüste. Dorthin, wo die wilden Pferde wohnen, die weißen Hengste, Namensgeber der „White Stallion Ranch“ im Irgendwo Tucsons. Wir steigen aus dem klimatisierten Wagen und blinzeln durch die staubige Hitze in die tief stehende Sonne. Alles scheint so ruhig, fast verlassen. „Welcome to the White Stallion Ranch“, aus dem blendenden Licht schält sich der Umriss eines schlaksigen Cowboys. Betont o-beinig und in weißen Leder-Chaps kommt er auf uns zu. „Ist das der Ranchbesitzer?“, fragen wir uns. Nein, Flavio ist vielmehr Dorfsheriff. Ein Schweizer Mittvierziger, ein Dauergast-Cowboy erfahren wir später. Im echten Leben wohnt er alleine am schönen Lugano See, tüftelt an Computern und wartet auf das Frühjahr und den Herbst. Denn dann verbringt er hier auf der Ranch jeweils sechs bis acht Wochen als Teilzeit-Wild-Westler. Nur eine Regel gilt für ihn hier wie dort immer gleich: OHNE Espresso kann Flavio nicht schlafen. Deshalb fährt er allabendlich in die nächste Stadt, um einen zu trinken.

Im Schnauze-an-Schweif-Marsch über ausgetretene Pfade

Doch Flavio ist nicht der einzige „Lonesome-Cowboy“, der sich hierher verirrt hat. Beim Abendessen treffen wir auf eine recht originelle Truppe deutschsprachiger Pferdefans. Belinda, 19 und noch etwas kindlich, hat die teure Reise, ganz Kronprinzessin, die sie in jeder Geste ist, von Mami und Papi zum Abitur geschenkt bekommen. Rene, 45, Schweizer Sportlehrer, hat zumindest die freie Zeit für die Reise zum zwanzigjährigen Dienstjubiläum von den lieben Kollegen geschenkt bekommen. Und zu guter Letzt Gunda, geschätzte, aber nicht verratene um die 40, die die Reise hoffentlich von niemandem geschenkt bekommen hat – denn sie wirkt nicht sehr glücklich: „Das ist hier ja wie auf einem albernen Ponyhof!“. Nun gut. Das Reiten am nächsten Morgen hat tatsächlich nicht sehr viel mit wildem Westen zu tun. In geführten Gruppen geht es zum „Breakfast Ride“, dem täglichen Frühstücksritt. Vor mir im Sattel sitzt Senior-Cowboy H. C., etwas rostig, aber rüstig, und gibt, mehr kauend als sprechend etwas sehr Breit-Amerikanisches von sich. Er ist offenbar beeindruckt. Und ich auch. Denn das morgendliche Wüstenpanorama ist tatsächlich auf eine ganz eigentümliche und ziemlich aride Art und Weise imposant. Und so zotteln wir im Schnauze-an-Schweif-Marsch über ausgetretene Pfade durch die flirrende Hitze. Mein Pferd scheint irgendwann im einhundert Mal absolvierten Gang einzuschlafen. Obwohl – es scheint eigentlich nicht nur so: Es schläft tatsächlich.

Im Gegensatz zur größtenteils eher betagten Pferd-und-Reiter-Assemblage sind die betreuenden Wrangler, so heißen Cowboys, die keine Kühe, sondern Touristen durch die Wüste treiben, wie aus einem Teenager-Traum geschnitten. Jeremy, weißblond, braun gebrannt, blauäugig, blendendes Zahnpasta-Lächeln, und David, dunkel gelockt, dunkel-blauäugig, ebenfalls braun gebrannt und ein fast ebenso strahlendes Lächeln, betreuen die Reiter. Leider nicht nur zu Pferde. „Noch jemand Kaffee“, fragt Jeremy uns in betulicher Haushälterinnen-Manier. Er serviert das zum „Ride“ gehörige „Breakfast“ auf rot-weiß karierten Decken. „Nein, danke“, denken wir und wünschten, wir würden hier gerade nicht zwei junge, wilde Cowboys ein Senioren-Kränzchen ausrichten sehen.

Pump-Guns im Hobbymarkt

„In der Schweiz besitze ich eine elfteilige Waffensammlung“, unterbricht Flavio das Gespräch. Blicke kreuzen sich. Einen Schreckmoment lang wünscht sich wohl jeder von uns mindestens den Grand Canyon zwischen sich und den Pistolenfan. Arizona hat die liberalsten Waffengesetze Amerikas. Flavio fühlt sich hier wie „zu Hause“, wie er sagt. Pump-Guns kauft man im Hobbymarkt – neben Angel-Equipment und Campingausrüstung. „Man muss sein Hab und Gut verteidigen dürfen“, findet Flavio, „zu Hause würde ich jeden erschießen, der ungefragt mein Grundstück betritt.“ Es ist Nacht geworden auf der „White Stallion Ranch“. Die Sterne funkeln am dunklen Wüstenhimmel, fernab der großen, illuminierten Städte, besonders hell. Wir sitzen zwischen Kakteen und umherflitzenden Geckos auf unserer friedlichen, kleinen Bungalow-Terrasse. Es gibt Dosenbier. Nur Flavio trinkt Wasser. Es muss also sein Ernst gewesen sein.

Ein abenteuerliches Mysterium

Manche Menschen machen Camping in der Wüste. Manche fahren in ihr bei über 40 Grad Mountainbike oder lassen sich beim Golfspielen von Kakteen aufspießen. Manche kochen hier hässliches Gemüse, bauen in der Dürre Wein an oder frönen ihrer unstillbaren Waffenlust. Für all diese Menschen ist der „Wilde Westen“ genau das, wonach sie sich sehnen und was sie suchen. Und für alle anderen bleibt er genau deshalb, was er ist: Ein abenteuerliches Mysterium.

Deutschland: Fliegenfischen in der Fränkischen Schweiz

Fliegenfischen in der Wisent

Aus der Mitte entspringt ein Fluss

Die Wiesent ist ein Mekka für Fliegenfischer. Äschen, Saiblinge und vor allem Bachforellen bevölkern den Fluss. Manfred Hermann aus Hammermühle in der Fränkischen Schweiz bietet hier Fliegenfischerkurse für Anfänger und Könner an.

Robert Hofmann setzt zum Wurf an. Weit holt er aus und „Zupp“ landet die Fliege auf der Wasseroberfläche. Hofmann ist Fliegenfischer und mit seiner Angel im Flussbett der Wiesent unterwegs. Mit grünen Stiefeln bekleidet stapft er durchs seichte Wasser und sucht den vermeintlichen besten Platz um Bachforellen zu fischen. Man muss wissen „wo der Fisch steht“, sagt er.

Die Fliege, mit der er den Fisch anlocken will, ist kein echtes Tier, sondern ein kunstvolles Gebinde aus Vogelfedern, Fell und Kunststoff.  Eine richtig gebundene Fliege ist ein kleines Kunstwerk. Ein passionierter Fischer kann über sie mit ebenso viel Begeisterung schwärmen, wie über den Fisch den er damit fängt. Wirkliche Profis binden deswegen auch ihre Fliegen selbst. Fliegenfischen

Die Ersten, die an der Wiesent mit der Fliege fischten, waren die Engländer: Adelige kamen schon vor mehr als hundert Jahren in die Fränkische Schweiz, um hier ihren Sport auszuüben. Wohl auch deswegen galt Fliegenfischen hierzulande lange als elitär. Während Angeln der Sport des einfachen Mannes war, versuchten sich Ärzte, Anwälte und Apotheker in der hohen Kunst des Fliegenfischens.

„Das ist heute nicht mehr so“, sagt Robert Hofmann und tritt mit seiner Person gleich den Gegenbeweis an. Hofmann ist Landwirt und Besitzer der kleinen Pension Hammermühle, in der die Teilnehmer der Fliegenfischkurse übernachten. Er führt seine Angel wie ein Profi und weiß wie man mit gekonnten Würfen die Fische anlockt. Anders als beim Angeln entscheidet beim Fliegenfischen schon die Art wie man der Köder aufs Wasser auftrifft über Erfolg oder Misserfolg.

Die beste Zeit zum Fliegenfischen an der Wiesent sind die ersten beiden Wochen im Juni, dann wenn die Maifliege schlüpft und die Fische besonders beißfreudig sind. „An solchen Tagen muss man manchmal nur die Angel auswerfen und schon beißt ein Fisch“, sagt Hofmann. Doch so leicht ist Fliegenfischen nicht immer. Im Gegenteil: In der restlichen Zeit des Jahres muss man die Technik schon beherrschen, wenn man mit einem Fang nach Hause kommen will. Aber nach dem Besuch der Fliegenfischerschule in Hammermühle sollte das kein Problem sein.

Rasso Knoller

Info: Fliegenfischer-Schule Hammermühle, 91344 Waischenfeld, Tel. 09202/252, www.fliegenfischerschule-hammermuehle.de und www.pension-hammermuehle.de, Tagekurse für Anfänger 80 €, 3-Tageskuse für Fortgeschrittene 130 €, für Anfänger 180 €.

Deutschland: UNESCO-Weltkulturerbe Berliner Museumsinsel

5x Kultur auf der Museumsinsel in Berlin 

 

Zu den größten Schätzen Berlins zählt die Museumsinsel mit dem Alten Museum, der Alten Nationalgalerie, dem Neuen Museum, dem Pergamonmuseum und dem Bodemuseum.

Die Museen der Museumsinsel wurden während des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt. Die Restaurierungsarbeiten dauerten bis weit ins neue Jahrtausend hinein an. Das Bodemuseum ist seit 2006 und das Neue Museum sogar erst seit Herbst 2009 für die Öffentlichkeit zugänglich. Aber es wird weiter gebaut auf der Museumsinsel. In den kommenden Jahren werden nach Plänen des britischen Stararchitekten David Chipperfield ein neues Eingangsgebäude und unterirdische Verbindungsgänge zwischen den Museen – die „Archäologische Promenade“ – entstehen.

1999 nahm man die Museumsinsel auf die UNESCO-Liste des Welterbes auf. Nach der Wiedereröffnung des Neuen Museums hat dort die Nofretete ihre Heimat gefunden, im Pergamonmuseum gehört der namensgebende Alter aus dem 2. Jh. v. Chr. zu den Highlights, in der Alten Nationalgalerie hängen die Bilder großer Meister aus dem 19. Jahrhundert, wie etwa Manet, Monet oder Renoir. Im Alten Museum sind Teile der Antikensammlung und im Bodemuseum die Skulpturensammlung, das Museum für Byzantinische Kunst und eine der weltgrößten Münzsammlungen untergebracht.

Rasso Knoller

Info. Staatliche Museen zu Berlin, Museumsinsel, Bodestr. 1-3, Tel 030/ 266 42 42 42

Deutschland:Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth

Markgräfliches Opernhaus in bayreuth

UNESCO Weltkulturerbe in Bayreuth wird geschlossen

Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth gehört seit 30. Juni zum Weltkulturerbe. Jetzt, wenige Monate später, wird das Haus saniert. Wer den prachtvollen Barockbau von 1750 noch vor Beginn der Bauarbeiten sehen will, muss sich beeilen – Anfang Oktober rücken die Handwerker an. Von da an bleibt das Haus für mindestens vier Jahre geschlossen. „Etwas unglücklich ist das schon“, sagt Stadtführer Peter Zinnecker. Die Touristen seien neugierig auf das neue Weltkulturerbe, und bald könne es keiner mehr sehen. Der Sanierungsbedarf ist allerdings beträchtlich, und zudem soll die Verleihung des Titels auch daran geknüpft gewesen sein, dass man einen zweistelligen Millionenbetrag in den Erhalt des Gebäudes  investiert.

Ob es allerdings nötig ist, bereits drei Monate nach Verleihung des werbewirksamen Titels mit der Sanierung zu beginnen, darüber lässt sich trefflich streiten. Immerhin hatte Bayreuth 15 Jahre lang warten müssen, bis der Antrag in der Titelverleihung mündete. Und die Touristiker hatten gehofft, mit der UNESCO-Auszeichnung so richtig die Werbetrommel rühren zu können. Daraus wird jetzt erst einmal nichts.

Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth

Im Markgräflichen Opernhaus werden während der Festspielzeit keine Opern aufgeführt. Trotzdem ist es der eigentliche Grund dafür, dass Bayreuth zur Festspielstadt wurde. Richard Wagner hatte nämlich einen Artikel über das Opernhaus gelesen und war so begeistert von dem was er las, dass er glaubte den idealen Festspielort gefunden zu haben. Als er das Haus dann in Augenschein nahm, merkte er schnell, für seine Zwecke war es viel zu klein. Die Stadt Bayreuth aber gefiel ihm. Hier wollten er seine Festspiele abhalten. Deswegen ließ er auf einem Hügel vor den Toren der Stadt sein eigenes Festspielhaus errichten. Das hat zwar keinen Weltkulturerbetitel, aber immerhin kann man es außerhalb der Festspielzeit besichtigen.

Info: Bayreuth Tourismus, Opernstraße 22, 95444 Bayreuth,  www.bayreuth-tourismus.de

Rasso Knoller

Ganz in der Nachbarschaft und bei uns nur einen Klick entfernt: Das Jeansmuseum in Buttenheim

Frankreich: Ein Rundgang durch Paris (2. Teil)

Champs-Élysées, Arc de Triomphe, ­Eiffelturm und Sacré-Cœur

Ein kurzer Blick in den Conceptstore Colette, der Kult ist und vielfach kopiert wurde, dann geht’s zurück in die Tuilerien. Wie die anderen schönen Pariser Parks, die alle ihren eigenen Reiz haben, ist auch der Tuilerien-Garten eine Oase der Stille in der Betriebsamkeit der Großstadt. Hätten wir doch Zeit für einen verträumten Nachmittag: Einfach einen der grünen Stühle kapern, in einem netten Schmöker stöbern oder die Spaziergänger beobachten!

Aber es locken zu viele andere Pariser Attraktionen, gleich hier in den Tuilerien die Orangerie, in der neben den berühmten großformatigen Seerosenbildern von Claude Monet weitere sehenswerte Gemälde hängen, etwa Stillleben von Matisse.

Schon an der Place de la Concorde wird man wieder sehr nachdrücklich mit den Realitäten einer Großstadt des 21. Jahrhunderts konfrontiert. Ein nie abreißender Strom von Fahrzeugen rotiert rund um den großzügig angelegten Platz, der Mitte des 18. Jahrhunderts unter Ludwig XV. angelegt wurde. Nur wenige Jahrzehnte später, zur Zeit der Französischen Revolution, stand hier die Guillotine, Schauplatz der Hinrichtung Tausender. Heute ragt in der Mitte des Platzes ein über 3000 Jahre alter Obelisk empor, der aus einer Tempelanlage in Luxor stammt und im 19. Jahrhundert dem Bürgerkönig Louis-Philippe vom ägyptischen Statthalter geschenkt wurde.

Schon aus dem Tuilerien-Garten hatte sich der Blick durch die schmiedeeisernen Tore auf die Champs-Élysées jenseits der Place de la Concorde eröffnet. Die von Bäumen gesäumte, weltberühmte Avenue zieht sich leicht ansteigend zum Arc de Triomphe hinauf; jenseits erblickt man in der Ferne schon die Silhouette der Grande Arche. Dieser gigantische moderne Triumphbogen verlängert die historische Sichtachse, die vom Louvre über die Champs-Élysées bis zum Arc de Triomphe reicht, bis zur Wolkenkratzerskyline von La Défense. Paris als »Hauptstadt des 19. Jahrhunderts« hatte andere Treffpunkte der mondänen Welt als die Gegenwart: die Oper, die Boulevards, die Passagen – und die Champs-Élysées. Vor allem der Name der legendären Flaniermeile klang weltweit nach Luxus und Eleganz. In den Seitenstraßen wie Avenue Montaigne, Avenue George V und Rue Saint-Honoré reihen sich auch tatsächlich die Parfümerien und Modehäuser der Haute Couture mit klangvollen Namen wie Hermès, Cardin, Christian Lacroix, Lancôme, Rubinstein und Lanvin aneinander.

Die Champs-Élysées selbst zeigen sich – nach weniger gloriosen Jahren – erst dank eines stadtplanerischen Liftings wieder ihres Ruhmes würdig: Die Bürgersteige wurden verbreitert, parkende Autos und grelle Werbung verbannt. Die breite Avenue will wieder zur schönsten Prachtstraße der Welt werden. Die Erfolge der Maßnahme sind offensichtlich: Luxusboutiquen kehren zurück, elegante Cafés werden neu eröffnet.

Legendär ist auch der Arc de Triomphe, der 50 Meter hohe, antiken Vorbildern nachempfundene Bogen. 1806, nach der Schlacht von Austerlitz, wollte Napoleon seiner »Großen Armee« ein Denkmal setzen lassen. Als 1836 der mächtige Bogen fertiggestellt war, war sie längst geschlagen. Seit 1920 erinnert unter dem Bogen das Grabmal des Unbekannten Soldaten an die Toten des Ersten Weltkriegs. Von der Dachterrasse in 50 Metern Höhe wird deutlich, warum der Platz früher Place de l’Étoile hieß: Sternförmig treffen zwölf Avenuen aufeinander. Heute heißt er Place Charles de Gaulle; durch einen Fußgängertunnel gelangt man zum Triumphbogen in seiner Mitte.

Nun geht es ein Stück mit der Métro bis zur Station Trocadéro. Vom gleichnamigen Hügel hat man einen großartigen Blick auf den Eiffelturm, das weithin sichtbare Pariser Wahrzeichen. Die erhöht gelegene, von vergoldeten Statuen gesäumte Terrasse am Palais de Chaillot nutzt wirkungsvoll die Perspektive zum gegenüberliegenden Seine-Ufer: Frei schweift der Blick über Eiffelturm und Marsfeld bis zur Tour Montparnasse. Viele Sightseeingbusse halten deshalb hier für einen kurzen Fotostopp.

Wenn das Wetter gut ist, verspricht die oberste Plattform der Dame der Fer einen grandiosen Blick. Meist bilden sich lange Warteschlangen am Fuß der mächtigen Stahlpfeiler, doch die Geduld wird mit einem sagenhaften Blick über das Häusermeer der Millionenstadt belohnt, die besonders abends ihrem Ruf als »Stadt der Lichter« alle Ehre macht. Aus Anlass der Hundertjahrfeier der Französischen Revolution und der Weltausstellung von 1889 errichtet, war das stählerne Ungetüm anfänglich Gegenstand heftiger Kritik. Maupassant pflegte angeblich im Restaurant auf dem Eiffelturm zu speisen, weil dies der einzige Ort war, »wo ich ihn nicht sehen muss«.

Wer noch nicht müde ist, lässt den Tag mit einem Abstecher zum Montmartre ausklingen und fährt mit der Métro zur Station Abbesses. Es lohnt sich durchaus, hier noch ein wenig durch die Straßen zu schlendern: Neben sehr Touristischem rund um die Place du Tertre gibt es dort auch noch verträumt-dörfliche Ecken – wie aus »Die fabelhafte Welt der Amelie«. Hauptattraktion ist die Kirche Sacré-Cœur ganz oben auf dem Montmartre-Hügel oder vielmehr der Blick

auf Paris von den Treppen davor. Hier blicken wir auf das berühmte Grau der Dächer und schwören uns: Wir kommen wieder.

Infos

Office du Tourisme et des Congrès de Paris
25, rue des Pyramides
F – 75001 Paris
Tel: +33 (0)8 92 68 30 00
Weitere Tourismusbüros: Gare de Lyon, Gare du Nord, Gare de l’Est, Anvers, Parc des Expositions
http://de.parisinfo.com (deutsch)
 
 
 

Go Vista City Guide

Paris
Friederike Schneidewind
ISBN 978-3-86871-603-0
www.vistapoint.de
 

Den ersten Teil des Stadtrundgangs Paris lesen Sie HIER