Christian Nowak: DuMont Bildatlas Hurtigruten

Hurtigruten ChristianDuMont Bildatlas Hurtigrugen – die Bilder des Fotografen Gerald Hänel und die Texte von Christian Nowak zeigen faszinierende Panoramen und stimmen auf die Reise entlang der norweigschen Küste ein. Sechs Kapitel geben einen Überblick über die traditionelle norwegische Postschifflinie. Zu jedem Kapitel gehören Hintergrundreportagen und Specials, die aktuelle und interessante Themen aufgreifen. Eines der DuMont Themen stellt Ihnen zahlreiche, den Jahreszeiten entsprechende Ausflugsprogramme vor: Seekajaktouren, Walsafaris, Konzerte, Wikingerfeste oder abenteuerliche Schlittenhundefahrten. Lesen Sie den Hurtigruten-Steckbrief“ und seien Sie gespannt auf das, was der Kapitän der Lofoten“ zu berichten hat. Den Abschluss eines jeden Kapitels bilden Infoseiten mit allen wichtigen Sehenswürdigkeiten, die auf der nebenstehenden detaillierten Reisekarte leicht zu lokalisieren sind. Besondere Empfehlungen des Autors finden sich in den DuMont Aktivtipps: Bestaunen Sie die in Felsen geritzten Motive am Altafjord, besuchen Sie den Svartisen-Gletscher und den Kjosfos-Wasserfall und lassen Sie sich auf keinen Fall das Nordkap entgehen. Nach so einer lange Anreise ist ein Besuch dort Pflicht! Abgerundet wird der Bildatlas durch das Servicekapitel, das praktische und allgemeine Informationen für die Vorbereitung der Reise beinhaltet sowie Daten und Fakten zur Destination liefert.

Der DuMont Bildatlas bietet ein umfassendes Service-Paket: lebendige Bilder, Top-Sehenswürdigkeiten, zuverlässige Karten, praktische Hinweise, Hintergrundinformationen, Tipps für Aktivitäten und besondere Erlebnisse sowie alle wichtigen Fakten zur Organisation der Reise. Kompakt zusammengefasst und übersichtlich ist der DuMont Bildatlas ideal zum Vorbereiten einer Reise und zur Orientierung vor Ort.

Grönland: Rock ’n’ Roll in der Diskobucht

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Neun Monate ist kein Durchkommen rund um Grönland. Aber dann kann man an Bord eines Expeditionsschiffes das Wunder des arktischen Sommers hautnah erleben.

Zart taucht die Mitternachtssonne die stille, arktische Landschaft aus Fels, Eis und Meer in magisches Licht – goldfarben wie schmelzendes Edelmetall. Morgens, Schlag acht Uhr kracht, bebt und vibriert es. Voller Schwung schlägt der Bug der ‚MS Disko II hart auf die Wellen, unsanft werden die Passagiere geweckt. „Zur Abwechselung tanzen wir jetzt Rock ’n’ Roll, doch bei der Einfahrt in die Diskobucht ist das Wasser wieder sanft und süß“, tönt heiter und beschwingt die Stimme des Kapitäns über das Mikrofon.

1.Kamiken.jpgDabei haben sich die Gäste in den vergangenen Tagen wahrlich nicht gelangweilt. Sie haben den längsten Fjord der Welt, den Kangerlussuaqfjord, durchfahren, in Sisimiut erstmals arktisches Festland betreten. In Ukkusissat, 500 Kilometer nördlich des Polarkreises, tanzten sie mit Grönlands Ureinwohnern, den Inuits. An der Gletscherfront des Eqip Sermia schauten sie begeistert den Eiskolossen zu, wie sie mit donnerndem Getöse ins Meer kalbten. Doch der sechste Tag an Bord soll den Höhepunkt bringen.

Einfahrt in den Eisfjord

Sehnsuchtsziel ist der sagenhafte Kangia Ilulissat Eisfjord an der Westküste. Aber noch tänzelt die Disko II, Eisklasse 1A, vorbei an Schären nach Süden. Aus den Orten hört man ab und an das Heulen der Hunde. Plötzlich verändert sich etwas. Je mehr das Schiff in die spiegelglatte Diskobucht vordringt, umso größer und häufiger werden die Eisberge. Im Licht der Morgensonne strahlen sie blau, türkis und weiß wie Diamanten. Bizarre Skulpturen, manche höher als 100 Meter. Wie Fregatten unter vollen Segeln treiben sie dicht an der Reling vorbei hinaus in den arktischen Eisgarten. Kameras werden vors Auge gehalten, klamme Finger fummeln am Auslöser. Es zoomt und blitzt, schließlich will man die Zauberwelt im Bild festhalten.

4.Hundeschlitten.jpgUnd es kommt noch besser, als diese vier Worte ertönen: „Whales on the left!“ Kapitän Jesper stoppt die Maschinen, hundert Meter weiter bricht die Wasseroberfläche ungestüm auf. „Er bläst, er bläst“, ruft er den ersten Wal persönlich aus. Der Wassernebel des meterhohen Atemstrahls glitzert in der Sonne wie Blattgold. Ein zweiter und dritter Blas folgen, dann tauchen gewaltige, grauschwarze Rücken auf. Finnwale! Abwechselnd wedeln sie mit ihren imposanten Flossen, um dann blitzschnell und elegant in der Tiefe zu verschwinden. „Was für ein Anblick“, murmelt eine Dame aus Bremen und wippt verzückt auf ihren Zehen.

Walfleisch und Stockfisch

Blau ist der Himmel, grün, rot oder gelb leuchten in Ilulissat die Giebelhäuser aus dänischer Kolonialzeit. Im Sommer, wenn die Tage kein Ende nehmen, nimmt hier das Leben der 5000 Einwohner seinen gewohnten Lauf: Grönlandfrauen präparieren auf Gestellen Walfleisch und Stockfisch für den Winter. Kajaks werden ausgebessert und neu mit Robbenhaut bespannt, Schlittenhunde sonnen sich auf porösem Basaltgestein. Wie bei uns die Autos, parken hier neben den Häusern Holz- und Motorschlitten. Davor sitzen die Männer und rauchen Pfeife.

7.Trachtenpaar.jpgHeute, am Nationalfeiertag, grüßen Jung und Alt freundlich die Besucher. Die Grönländerinnen tragen ihre zauberhafte, spitzen- und perlenverzierte Tracht und Kamiken, beinlange, mit Eisbärenfell gefütterte Stiefel. Ganze Familien sind in traditionelle Seehund-Kleidung gehüllt. „An die 1000 Euro kostet eine Frauentracht, alles Handarbeit“, verrät Bürgermeister Antan während er mit Fahnenträgern zur Zionskirche zieht. Einsam thront sie auf einem Felsplateau direkt am Meer. Der Innenraum ist in den Farben Weiß, Türkis und Gelb gehalten – Symbole für Schnee, Eisberge und Sonne. Leise, wie die Landschaft, dringen Kirchenlieder nach draußen bis zu den Kajakfahrern, die im Eiswasser Eskimorollen vorführen. Jugendliche springen übermütig in die alten Frauenboote, die Umiaqs, in denen früher Nomadenmütter mit ihren Kindern von Siedlung zu Siedlung fuhren.

Einladung zum Kaffeemik

„Die Sommerzeit müsse man ausnutzen. Die Menschen sind fröhlich und ausgelassen und das Land bekommt Farbe – weiße, gelbe, pinkfarbene Blüten bedecken den Boden wie kostbare Teppiche“, freut sich das Inuitpaar Ajako und Nivi. Vergnügt schauen sie den Tanzpaaren vor dem Knud Rasmussen-Museum zu.

6.Eisbären-Design.jpg„Ein ehrenvolles Andenken an unseren großen Polar- und Grönlandforscher (1879-1933). Er liebte uns und das Land und machte unsere Insel draußen bekannt“, sagt Ajako und lädt spontan zum „Kaffeemik“ ein. Dabei erzählt er aus seinem bewegten Jägerleben: 74 Eisbären habe er erlegt, Wale und Ringelrobben – sie waren ideale Jagdbeute für alle Bedürfnisse des Lebens. „Heute haben sie keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Die jungen Leute lernen lieber in der Schule und wollen Jobs im Tourismus oder in der IT-Branche.“

Die Wiege der Eisberge

Endlich! Der Flug im Helikopter über den Kangia-Eisfjord. Es ist der Höhepunkt, lässt alles ringsum vergessen. Einer der Mythen Grönlands liegt in seiner ganzen Erhabenheit und kalten Schönheit unter uns – 11 Kilometer breit und über 40 lang. Seit 2004 ist die Wiege der Eisberge UNESCO-Weltnaturerbe. Die Jahrtausende alten Schneemassen werden von der 50 Kilometer entfernten Abbruchkante des Sermeq Kujalleq-Gletschers mit Urgewalt ständig hierher geschoben, um dann ihren Weg hinaus aufs Meer anzutreten. Die Größten davon, nahezu 1000 Meter dick, schaffen es bis zur amerikanischen Küste. Einer dieser „Nomaden“ erwischte die „Titanic“ vor gut 100 Jahren.

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„Der Gletscher bricht pro Tag soviel Eis ab, wie New York in einem Jahr verbraucht“, erklärt der Pilot und dreht gekonnt eine Extraschleife für die Fotografen: Auf riesigen Eisschollen tummeln sich Robben in aquamarinblauen Seen, die sich durch die wärmenden Sonnenstrahlen gebildet haben.

Der Blick auf die zerklüfteten Eisfelder des Fjords ist überwältigend und ähnelt an diesem Tag dem Paradies, das sich mancher Naturliebhaber von seiner Reise in arktische Gewässer erträumt hat. Hier begreift man auch das berühmte Zitat von Rasmussen: „Gebt mir Winter, gebt mir Hunde, dann könnt ihr den Rest behalten“.

Katharina Büttel

Norwegen: Hurtigruten fördert Umweltschutz

Eine Studie zum Umwelteinfluss von Expeditionskreuzfahrten bescheinigt den Veranstaltern ein hohes Umweltbewusstsein. Das Hurtigruten-Schiff MS Fram war eines von vier Schiffen, das von einem Forscherteam für diese Studie begleitet wurde. Im Fokus standen vor allem umweltfreundliche Reiseabläufe. Mit der Teilnahme am Programm „Clean up Svalbard“ auf den Expeditions-Seereisen mit MS Fram unterstützt Hurtigruten insbesondere die Reinhaltung der schwer zugänglichen oder nur per Schiff erreichbaren Regionen. Die Expeditions-Seereisenden sind mit Eifer dabei: Eine Broschüre des Gouverneurs, die vom Expeditions-Team ausgehändigt wird, informiert über das Projekt und lädt zur Teilnahme ein. Wer sich engagieren möchte, sammelt bei den Anlandungen beispielsweise Plastik, Glas und kleinere Abfallstücke. Die Entsorgung erfolgt in vom Schiff bereitgestellte Müllsäcke.

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 2: Drake-Passage)

Irgendetwas stimmt hier nicht! Entweder ich bin auf dem falschen Schiff oder der Kapitän hat sich mit dem Kurs vertan. Warum? Weil das einfach nicht die Drake-Passage sein kann.

Gestern Abend war noch alles o.k. Einschiffen auf der „Fram“, Begrüßung durch den Kapitän, Sicherheitseinweisung, eben das normale Kreuzfahrtprogramm am ersten Tag.

Schon zu Hause habe ich alles gelesen, was es über die Drake-Passage zwischen Feuerland und der Antarktischen Halbinsel gibt. Egal, zu welcher Jahreszeit man unterwegs ist, der pure Horror solle sie sein, zumindest für Landratten, die nicht ganz seefest sind – zu denen ich mich leider zähle. Endgültig geglaubt habe ich die Schauergeschichten nach einem Video im Internet, in dem ein ausgewachsenes Kreuzfahrtschiff mit haushohen Wellen kämpfte. Daraufhin habe ich mir drei verschiedene Mittel gegen Seekrankheit griffbereit im Reisegepäck.

Beim Ablegen in Ushuaia weht nur eine leichte Brise und der Beagle-Kanal ist glatt wie ein norwegischer Fjord. Am späten Abend gleitet das Schiff durch die enge, geschützte Wasserstraße, die Ufer mit dem spärlichen Grün und den kahlen Bergen erinnern an Nordnorwegen.

Am nächsten Morgen, der Beagle-Kanal liegt schon lange hinter uns, wiegt sich das Schiff in einer nur leichten Dünung. Die Sonne scheint von einem blauen Himmel, soweit das Auge reicht, nur Wasser, keine Spur mehr von Land. Das also ist die gefürchtete Drake-Passage! Die Tabletten gegen Seekrankheit sind noch immer unbenutzt im Gepäck, stattdessen ist Sonnenbaden an Deck angesagt. Kapitän und Expeditionsleitung behaupten unisono, so eine ruhige Überfahrt hätten sie die ganze Saison über noch nicht gehabt – und so soll es bleiben!

Versprochen wurden uns Seevögel, die dem Schiff folgen würden, aber bis auf einen Albatros in weiter Ferne ist den ganzen Tag über kein Vogel zu sehen. Die brauchen Wind, viel Wind, um kraftsparend segeln zu können. Das ist heute nicht ihr Tag, sie schaukeln irgendwo auf den nicht vorhandenen Wellen und warten auf kräftigen Wind.

So ein Tag heißt im Kreuzfahrtprogramm normalerweise „Erholung auf See“. Bei unserer Expeditionskreuzfahrt stehen jede Menge Vorträge auf dem Programm. Wie man bessere Fotos macht, was man über Wale wissen muss oder warum man die Antarktis nur mit sauberen Schuhen betreten soll. Zu den sauberen Schuhen später mehr.

Morgen sollen wir die ersten Pinguine live zu sehen bekommen, deshalb gehört der Vortrag „Antworten auf die meistgestellten Pinguin-Fragen“ quasi zum Pflichtprogramm. Jetzt wissen wir unter anderem, dass einige der Frackträger mehr als 500 m tief tauchen können und nicht nur in der Antarktis, sondern auch am Äquator leben.

Der Beagle-Kanal ist nur 2-5 km breit, aber 250 km lang. Auf argentinischer Seite liegt Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, auf der chilenischen Seite die kleine Siedlung Puerto Williams. Den Namen erhielt die schmale Wasserstraße von Charles Darwins Schiff „Beagle“, mit dem er 1833 diese Gegend erkundet hat. Die Berge im Hinterland wurden später ihm zu Ehren „Cordillera Darwin“ genannt.

Das Ziel der nächsten Tage, die antarktische Halbinsel. Sie ist knapp 1000 km von Feuerland entfernt.

Hier geht es zum 2. Teil

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 4: Esperanza)

Heute ist Pinguin-Wetter. Einige Grad unter Null, Windstärke acht, Schneetreiben, kaum Sicht – für uns mindestens gefühlte -15° C. Die Pinguine stört das alles wenig. Sie stehen stoisch im Schneesturm oder watscheln zum Wasser und gehen schwimmen, für sie fühlt sich das heute wahrscheinlich wie laues Sommerwetter an.

Heute früh tastete sich die „Fram“ langsam durch den Antarctic Sound, der die Antarktische Halbinsel von den vorgelagerten Inseln trennt. Rechts und links vom Schiff tauchen immer wieder Eisberge, allerdings noch in beruhigender Entfernung, auf. Darunter auch einige größere Tafeleisberge. Dieses Jahr gibt es laut Expeditionsteam selbst im Spätsommer noch sehr viel Eis, das sich unberechenbar in dem Sund festsetzt und die Durchfahrt schwierig machen kann. Versprochen hat man uns jedenfalls spektakuläre Eisberge hautnah.

Doch davor gibt es den ersten Landgang an der argentinischen Station „Esperanza“. Schon aus der Ferne ist sie an den gut zwei Dutzend roter Gebäude auszumachen. Rund 50 Menschen – darunter auch einige Kinder, die hier sogar zur Schule gehen – leben das ganze Jahr über auf der Station. Davon sind mehr als die Hälfte Militärangehörige. Ein wenig wird auf der Station auch geforscht, aber der eigentliche Zweck ist wohl eher politisch, denn Argentinien möchte mit dieser kleinen „Stadt“, die es schon seit 1952 gibt, seine Gebietsansprüche untermauern. Jedes Land, das sich um ein Stück Antarktis bemüht, hat seine eigenen Argumente, warum gerade seine Ansprüche legitim sind. So rühmen sich die Argentinier damit, dass in der Station schon 1972 das erste Kind in der Antarktis geboren wurde.

Wir haben heute jedenfalls erstmals den Fuß auf das antarktische Festland gesetzt, Half Moon Island gestern war ja „nur“ eine Insel.

Gut ein Jahr bleiben die Menschen in „Esperanza“, bevor sie wieder nach Hause dürfen. Um ihnen den Aufenthalt am Ende der Welt zu versüßen, bekommen sie deutlich mehr Lohn als anderswo. In jedem Fall freuen sie sich über den Besuch und laden uns zu einer Besichtigungstour ein.

Es gibt eine kleine Schule, die Kinder sind jetzt allerdings schon in den Sommerferien, eine Kapelle, ein Kasino sowie ein kleines Antarktis-Museum, in dem Ausrüstungsgegenstände früherer Expeditionen und einige Fossilien zu sehen sind. Außerdem gibt es einen Radiosender, eine Krankenstation und eine Halle zum Fußball spielen – sie ist das größte Gebäude der Siedlung. Mitten in der Station sind die Reste einer Hütte aus aufgeschichteten Steinen zu sehen, sie diente vor 100 Jahren drei Mitgliedern der schwedischen Nordenskjöld-Expedition als Notquartier, in dem sie einen ganzen antarktischen Winter überstanden.

Auf der Suche nach den Pinguinen, die im Schneesturm zwischen den Felsen mit ihrem schwarz-weißem Outfit so gut getarnt sind, dass man aufpassen muss, nicht auf sie zu treten.

Auf der Suche nach den Pinguinen

Pinguin in der Mauser

 

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 5: Antarctic Sound)

„Fragt uns nicht, wann der nächste Landgang ist, fragt uns nicht, wie lange ihr an Land bleiben könnt, erwartet auch nicht, dass wir euch einen genauen Wetterbericht geben können. Wir können euch nicht mal garantieren, ob der nächste Landausflug überhaupt stattfinden kann. Dies ist eine Expeditionskreuzfahrt!“

Diese Sätze mussten wir uns in den ersten Tagen vom Expeditionsteam mindestens ein halbes Dutzend Mal anhören. Geglaubt hat sie kaum jemand, zu schön war das Wetter, zu ruhig das Meer. Heute hat die Antarktis zum ersten Mal gezeigt, dass sie auch anders kann. Schon beim Vormittagslandgang hat es geschneit und der Wind war ziemlich frisch. Am Nachmittag sollten wir in Brown Bluff, einer vulkanischen Klippe, anlegen, doch der Wind war mittlerweile so stark, dass die kleinen Boote nicht mehr anlanden konnten.

Als Entschädigung gab es eine Panoramatour durch den Antarctic Sound bis zur Grenze des Wedell Meeres. Eisberge soweit das Auge reicht. Große, kleine, weiße, blaue und als Krönung Tafeleisberge, haushoch und mehrere hundert Meter lang. Jeder sieht anders aus und die „Fram“ gleitet an allem so langsam vorbei, dass jede Einzelheit zu erkennen ist. Trotz des eisigen Windes und mittlerweile Windstärke zehn gibt es nur einen Platz: an Deck mit der Kamera in den eiskalten Fingern.

Morgen fahren wir durch Neptun’s Blasebalg. Wer wissen möchte, was das ist, kann es morgen hier nachlesen. Oder einen Tipp im Kommentar abgeben.

Parade der Eisberge im Antarctic Sound

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 6: Deception Island)

Hier kommt die Auflösung der Frage von gestern: Was ist Neptuns Blasebalg? Über Nacht hat die „Fram“ Kurs auf Deception Island genommen, eine Vulkaninsel mit rund 13 km Durchmesser und einer mit Wasser gefüllten Caldera. Um 7 Uhr wurden wir geweckt, damit wir dem Kapitän dabei zuschauen können, wie er durch die nur rund 200 m breite Öffnung in die Caldera manövriert. Dieser schmale Durchlass ist der einzige Weg in den Vulkankrater und wird Neptuns Blasebalg genannt. Deception Island ist ein aktiver Vulkan, der allein im 20. Jahrhundert mehrere Male ausgebrochen ist und dabei neue Vulkankegel gebildet und viel Asche gespuckt hat.

Heute ist ein bedeckter Tag mit leichtem Schneefall, was Schnee und Vulkanasche zu einer Symphonie in Schwarz-Weiss mit zahlreichen geometrischen Mustern werden lässt. Der erste Landgang ist an der Telefon Bay im Norden des Kraters. Hier laufen wir ein wenig am Strand entlang, beobachten zwei faule Pelzrobben, die von uns keine Notiz nehmen und erklimmen dann über lose Vulkanasche ein kleines Plateau, von dem sich eine grandiose Aussicht über die Insel bietet. Über einen Grat geht es weiter bergauf durch eine vollkommen monochrome Landschaft, in der nur wir mit unseren hellblauen Jacken und roten Schwimmwesten die einzigen Farbkleckse bilden.

Drei Stunden später bietet sich ein völlig anderes Bild: Die Sonne scheint, der Himmel ist Blau und die Farben sind in die Vulkanlandschaft zurückgekehrt. Auf dem Programm steht Am Nachmittag ist eine Landung in Walers Bay, einer alten, verfallenen Walfangstation im Krater geplant. In der Bucht gibt es noch einige verfallene Gebäude und eine Handvoll großer rostiger Tanks, in denen früher das Walöl bis zum Abtransport aufbewahrt wurde, zu sehen. Auf dem Strand liegen noch einige Boote, deren Holz von Wind und Wetter im Laufe der Jahrzehnte weiß und morsch geworden ist.

Am Strand laufen einige Eselspinguine herum und wenn man nicht aufpasst, tritt man auf eine Pelzrobbe, die sich auf dem schwarzen Sand sonnt und aufwärmt. Ganz nah kommt man auch an die großen, braunen Raubmöwen Skua heran, die ebenfalls keine Scheu zeigen und gar nicht daran denken, wegzufliegen.

Nachdem alle wieder an Bord sind, nimmt der Kapitän in der Abendsonne wieder Kurs auf Neptuns Blasebalg und tastet sich langsam in Richtung offenes Meer. Was für ein Tag!

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 7: Neko Harbour)

Es ist schon erstaunlich, auf einem Schiff in der Antarktis überhaupt eine Internetverbindung zu haben, doch diese Verbindung ist weder schnell noch stabil. Das Hochladen von Blog-Inhalten unter diesen Umständen erinnert an früheste Modemzeiten, als die Daten nur tröpfchenweise flossen und an das Verschicken von Bildern gar nicht zu denken war. Gestern wollten die Daten aber nicht einmal mehr im Schneckentempo das Schiff in Richtung Internet verlassen. Da wir durch einen engen Kanal fuhren, der obendrein noch von hohen Bergen umgeben war, gab es praktisch keinen Empfang. Deshalb kommt der Blog heute etwas später.

Wie und wann soll ich bloß die ganzen Pinguin- und Eisbergfotos sichten. Allein heute sind wieder Dutzende dazugekommen. Zusammen mit den Hunderten der letzten Tage füllen sie mittlerweile alle Speicherkarten. Wahrscheinlich kann niemand, der nicht hier war, verstehen, wie vielfältig Eis sein kann. Und die drolligen kleinen Vögel begeistern mich immer wieder auf Neue.

Heute sind wir in Neko Harbour an Land gegangen. Wer bei dem Wort „Harbour“ an einen Hafen denkt, liegt völlig falsch, denn es ist nichts weiter als ein kleiner Strand, an dem die Polar Circle Boote landen können, das große Schiff liegt wie immer einige Hundert Meter weiter draußen in der Bucht vor Anker. Schon die Anfahrt nach Neko Harbour ist spektakulär, Gletscher reiht sich an Gletscher, auf dem Wasser schwimmen Eisberge in allen Größen. Das Meer ist still wie ein See, der Himmel Blau, die Sicht schier unendlich.

Am Strand liegt faul eine Wedell-Robbe und lässt sich von uns überhaupt nicht stören. Die Pinguine auch nicht. Sie spazieren gerne ein Stück am Strand entlang, bevor sie ins Wasser springen. Nach erfolgreichem Beutezug kommen sie wieder zurück, um ihren Nachwuchs zu füttern. Die Brutkolonien liegt ein gutes Stück weiter oben am Hang. Die drolligen Vögel sind diesen Weg schon so oft rauf und runter gegangen, dass tief in den Schnee eingelassene Pinguinautobahnen entstanden sind. Mit kleinen Trippelschritten erklimmen sie den Berg, die Stummelflügel nehmen sie zum Balancieren. Auf Eisplatten rutschen sie trotz ausgefahrener Krallen schon mal aus, halten aber immer die Balance.

Oben angekommen wartet der Nachwuchs und fordert resolut sein Futter. Stundenlang könnte ich dem Treiben in der Kolonie zuschauen – allen anderen geht es ähnlich. Auch der Blick von oben über die mit Eis bedeckte Bucht und die Gletscher am Ufer ist einmalig. Wenn es ganz still ist, hört man das Eis des Gletschers Knarzen und Grummeln, ein untrügliches Zeichen dafür, dass er sich langsam in Richtung Tal bewegt.

Eines von den vieleln, vielen Eisbergfotos.

Ein perfekter Tag, denn die Antarktis zeigt sich heute von ihrer schönsten und friedlichsten Seite.

 

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 8: Port Lockroy)

Auch Pinguine würden gerne fliegen – oder war das gerade eine Bruchlandung?

Der heutige Tag war die Krönung der gesamten Tour, doch dazu später mehr. Heute gab es soviel zu sehen, das ich nicht dazu gekommen bin, den Rest des gestrigen Tages aufzuarbeiten, denn nach der Landung in Neko Harbour stand noch der Besuch von Port Lockroy auf dem Programm. Auf dem Weg dahin passierte die „Fram“ die Paradiesbucht. Normalerweise denkt man dabei an türkisblaues, herrlich warmes Meer und einen feinen, weißen Sandstrand mit Palmen. Hier, in der Antarktis ist es eine von mächtigen Gletschern umgebene Bucht, in der die ersten Walfänger Schutz vor Stürmen aus allen Windrichtungen fanden und sie deshalb Paradiesbucht nannten. Einen Strand sucht man hier vergebens – und das Wasser ist auch ziemlich kalt.

Royal Pork Sausages, geringfügig überlagert – Guten Appetit!

Port Lockroy, das sind drei Häuser auf einer winzigen Insel, die natürlich auch wieder von mächtigen Gletschern umgeben ist. In den 1940er Jahren haben die Engländer sich aus strategischen Gründen hier eingerichtet, da es einer der wenigen Ankerplätze in der Umgebung war. Später verfielen die Häuser, bis sie 1996 durch den Antarctic Heritage Trust restauriert wurden. Heute ist die Station den ganzen Sommer über eine der meistfrequentierten Besuchspunkte der Antarktis. Im Museum kann man sehen, wie die Station in den 1950er Jahren ausgesehen hat. Selbst einige Konservendosen stehen noch in den Regalen. Und noch ein Superlativ: Port Lockroy ist das größte – weil einzige – Souvenirgeschäft in der Antarktis. Die Souvenirs sind zwar teuer, dienen aber einem guten Zweck, nämlich dem Erhalt historischer Hütten. Sehr beliebt sind Postkarten mit Sonderbriefmarken und Antarktisstempel, die man in den roten Briefkasten einwerfen kann und die dann – hoffentlich – innerhalb von sechs Wochen zu Hause ankommen. Ich habe mir jedenfalls selbst eine Postkarte geschrieben.

Port Lockroy – Souvenirladen und Briefkasten am Ende der Welt!

Port Lockroy – Souvenirladen und Briefkasten am Ende der Welt!

Auch heute ist der Blog ohne Pinguine nicht vollständig. Obwohl die Insel winzig ist, müssen die vier Frauen der Station sie im Sommer noch mit einigen Hundert Pinguinen teilen. Sie stehen und liegen wirklich überall, selbst auf den Wegen und vor den Häusern. Deshalb gilt für uns hier auch nicht die Fünf-Meter-Abstand-Halten-Regel. „Stört die Tiere möglichst wenig, tretet nicht auf sie und – Pinguine haben immer Vorfahrt“, gibt man uns mit auf den Weg.

Gefiederte Freunde vor der Tür – leider riechen sie etwas streng!

 

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 9: Danco Island)

Ein gefürchteter Räuber – der Seeleopard

Mittlerweile ist die „Fram“ schon wieder auf dem Rückweg und hat den Windschutz der Antarktischen Halbinsel verlassen. Mal schauen, was die Drake-Passage auf dem Rückweg für Überraschungen bereithält. Noch steht aber der Bericht vom gestrigen Tag aus.

Einer meiner Lieblingseisberge

Wieder hat man uns einige Höhepunkte versprochen. Das erste Highlight ist das Wetter: spiegelglattes Wasser, blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Nein, ich übertreibe nicht; ja, das hatten wir auch schon gestern; nein, normal ist das nicht. Soviel Glück haben nur wenige!

Spiegelglattes Meer – in antarktischen Gewässern eine Seltenheit

Pünktlich zum Frühstück sind wir an der Einfahrt zum Lemaire Channel, einer gut zehn Kilometer langen und nur rund eineinhalb Kilometer breiten Wasserstraße zwischen Antarktischer Halbinsel und Booth Island. Hängegletscher und Felswände spiegeln sich im Wasser und je weiter wir in den Kanal vordringen, desto mehr Eis schwimmt auf dem Wasser.

Auf der Suche nach Robben und Seeleoparden

Am Vormittag steht statt einem Landgang eine Rundfahrt mit den Polar Circle Booten auf dem Programm. So dicht über der mit Eisbrocken und Eisbergen bedeckten Wasseroberfläche bietet sich eine völlig neue Perspektive. Die robusten Boote schlängeln sich durch die wenigen eisfreien Passagen, hin und wieder schaben Eisstücke an der Bordwand und wir blicken staunend aus nächster Nähe zu den Eisbergen auf. Dann entdecken wir einen Seeleopard, der sich auf einer Eisscholle sonnt. Er blickt kurz auf, zeigt seine beeindruckenden Zähne, beschließt dann aber schnell, dass wir keine Gefahr darstellen.

65° 04′ Süd – weiter geht es dieses Mal nicht

Im Lemaire Channel haben wir unsere südlichste Position erreicht, ab jetzt geht es wieder in Richtung Norden – nach Hause. Was jetzt folgt, ist eine Panoramakreuzfahrt zurück durch den Lemaire Channel und dann über die Paradise Bay nach Danco Island.

Danco Island ist winzig und von einer Kolonie von Eselspinguinen bewohnt. Für uns ist es wieder ein wunderschöner Anblick, wie die Pinguine auf mehreren Felsplateaus teils erstaunlich hoch über dem Meer ihre Jungen aufziehen. Doch Manuel, unser Ornithologe an Bord, erkennt sofort, dass die Jungtiere in der Kolonie in keinem guten Zustand sind. Viel zu klein für den Spätsommer seien sie, sagt er. Durch den langen Winter mit viel Eis konnten die Pinguine erst spät mit dem Brutgeschäft beginnen, außerdem haben sie sich sehr weit oberhalb des Meeres angesiedelt. Dies bedeutet, dass die kleinen Kerle nach jedem Fischzug mühsam den Berg hinauf watscheln müssen, was viel Zeit und Kraft kostet. Bei einem normalen Winteranfang haben nur wenige Jungtiere eine Chance.

Am späten Nachmittag setzen wir unsere Fahrt in Richtung Norden fort. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit werden von der Brücke Wale gesichtet. Die „Fram“ stoppt und wir beobachten knapp eine halbe Stunde lang, wie mindestens vier Buckelwale vor dem Bug schwimmen. Wir sind so nah, dass wir ihren Blas hören können. Hin und wieder tauchen sie ab und zeigen uns ihre Fluke. Ein perfekter Abschluss eines grandiosen Tages.

Sind Sie schon ein Pinguinexperte? Dann wissen Sie bestimmt zu welcher Pinguinart diese Füße gehören. Ich freue mich über Antworten und vor allem wie Sie es herausbekommen haben.

 

Antarktis: Unterwegs mit der „Fram“ (Teil 10: Drake-Passage)

Vor dem Ablegen in Ushuaia hat man uns gesagt, „Drake is a shake or a lake“. Auf der Hinfahrt war die Drake-Passage fast so still wie ein See, auf der Rückfahrt schaukelte das Schiff eine Zeitlang schon etwas kräftiger. Die Monsterwellen blieben uns aber erspart. Wegen des guten Wetters hat sich der Kapitän entschlossen, einen etwas weiter westlichen Kurs zu nehmen und einen kleinen Abstecher zu den Diego-Ramírez-Inseln und zum Kap Hoorn zu machen. Die Diego-Ramírez-Inseln liegen rund 100 Kilometer südlich von Feuerland und sind der letzte Ausläufer des Andengebirges, der die Wasseroberfläche durchstößt. Auf den Inseln wächst hohes Bültgras, auf kahlen Flächen brüten Felsenpinguine. Die vorgelagerten Klippen sind der bevorzugte Brutplatz von AlbatrossKap Hoorn, ohne Sturm und Monsterwellen, dafür mit ein paar Regenwolken

Das legendäre Kap Hoorn gilt allgemein als die Südspitze Südamerikas, was gleich doppelt unlogisch ist. Einerseits ist es nicht der südlichste Punkt, das sind die Diego-Ramírez-Inseln, zudem ist das Kap nicht Teil des Festlandes oder der Insel Feuerland. Kap Hoorn ist eine kleine Insel – sechs Kilometer lang und zwei Kilometer breit – die eigentlich Isla Hornos heißt. Legendär und gefürchtet war das Kap Hoorn zu Zeiten der großen Frachtsegler im 19. Jahrhundert. Sie konnten wegen schlechter Manövrierfähigkeit nicht durch die weiter nördlich gelegene Magellanstraße, sie mussten außen herum segeln. Damals war es eine der gefährlichsten Seepassagen weltweit und unzählige Schiffe zerschellten an der felsigen Küste. Einer dieser Frachtsegler, die „Passat“, liegt heute als Museumsschiff im Hafen von Travemünde vor Anker.

Morgen früh legt die „Fram“ in Ushuaia an und dann geht es über Buenos Aires und Frankfurt zurück nach Berlin.

 

Norwegen: Hurtigruten 2012

Sehnsucht nach Norwegen? Nach einer Fahrt mit der Hurtigruten von Bergen nach Kirkenes? Wie wäre es dann zur Einstimmung mit dem neuen Kalender vom Leipziger Fotografen Thomas Härtrich? Die zwölf großformatigen Fotos zeigen Norwegens grandiose Küste mit ihren Fjorden, Schären und Fischerdörfern zu allen Jahreszeiten: im Licht der fahlen Mitternachtssonne, im strahlenden Sonnensschein, schneebedeckt und im Grün über den Nachthimmel wabernden Polarlicht. Schade, dass in einem Kalender nur Platz für zwölf Motive ist!

Thomas Härtrich
Hurtigruten 2012
 
 
Kalender 2012
 
13 Seiten, Format 60,0 x 48,0 cm
 
ISBN 978-3-7654-5670-1
 
€ [D] 27,95
 
€ [A] 27,95*
 
sFr 41,90