Brasilien: Vorsorge bei Reisen zur WM und zum Karneval

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Pressekonferenz des Centrum für Reisemedizin im Vorfeld des 15. Forums Reisen und Gesundheit im Rahmen der ITB Berlin 2014

Sowohl der Karneval als auch die Fußballweltmeisterschaft werden Massen von Touristen in die jeweiligen Hochburgen Brasiliens locken. Der Karneval 2012 zählte allein in Rio circa 1,1 Millionen Besucher (davon ein Drittel Ausländer) und 425 „street parties“ mit 5,3 Millionen Teilnehmern (die bestbesuchte Einzelveranstaltung hatte 2,2 Millionen Teilnehmer). Der damit allein in Rio de Janeiro erzielte Umsatz betrug circa 850 Millionen US-Dollar.

Der Karneval findet von Ende Februar bis Anfang März statt. Hauptattraktion sind natürlich die Umzüge in Rio de Janeiro, wiewohl auch andernorts Karneval gefeiert wird. So gibt es bei organisierten Reisen beispielsweise auch Kombiangebote (zum Beispiel mit Salvador da Bahia). Orientierend rechnet man mit ähnlichen Zahlen wie in den Vorjahren.

Für die Fußballweltmeisterschaft werden laut aktuellen Schätzungen circa 600 000 Ausländer (also etwa doppelt so viele wie zum Karneval) in Brasilien erwartet. Ergänzend dazu sollte man auch nicht außer Acht lassen, dass die Olympischen Sommerspiele 2016 vom 5. bis 21. August 2016 in Rio de Janeiro (und Umgebung) stattfinden werden. Grundsätzlich gilt es, zwischen „INCOMING“ und „DOMESTIC“ TRAVEL/TOURISM zu unterscheiden. Einerseits bedeuten manche Aspekte dieser Massenveranstaltungen auch für den Binnentourismus ein (zusätzliches) Risiko, andererseits steuern die nationalen Reiseströme auch bestimmte Facetten zum Gesamtrisiko der internationalen Reisenden bei. Die folgenden Ausführungen sollen sich auf jene Personen beziehen, die aufgrund dieser Großereignisse (von Europa/Deutschland) nach Brasilien einreisen. Zwar mag es zwischen März (Karneval) und Juni/Juli (Fußball-WM) gewisse saisonale Unterschiede geben (Regenfälle, Temperatur), grundsätzliche Empfehlungen haben aber für beide Gruppen Gültigkeit. Zu berücksichtigen ist auch, dass (Fern-)Reisen dieser Art, abgesehen vom spezifischen Event, oftmals ja auch dafür genützt werden, zusätzliche Ausflüge zu unternehmen. Diese schließen häufig beliebte Touristenattraktionen wie die Wasserfälle in Iguazú oder das Amazonasgebiet mit ein, insofern gilt es, diese Tatsache in die Vorsorgeüberlegungen miteinzubeziehen.

Verletzungen und Unfälle

Das Hauptrisiko hinsichtlich ernst zu nehmender Gesundheitsgefahren sind zweifellos Verletzungen: im Straßenverkehr, durch kriminelle Übergriffe, bei Massenansammlungen durch Panik (Stampede) oder durch andere Unglücke (rezentes Beispiel vom Karneval 2013: Feuer in einem Nachtclub mit 238 Toten). Auch wenn es schwierig ist, hier allgemein gültige und in der Praxis auch umsetzbare Empfehlungen abzugeben, sollte man sich folgender Probleme bewusst sein:

+ Straßenverkehr (besondere Aufmerksamkeit, auf eigene Verkehrstüchtigkeit achten, keine leichtsinnigen Aktionen wie Fahren ohne Sturzhelm, bevorzugt öffentliche Verkehrsmittel/ Taxi, mit Mietwagen auf „guten“ Straßen bleiben)

+ Warnungen ernst nehmen (riskante Stadtgebiete meiden, in der Gruppe bleiben, keinen Reichtum demonstrieren [wertvoller Schmuck, Uhren, Unterhaltungselektronik, Fotoapparat, Filmkameras], Getränke im Auge behalten, nur so viel Geld bei sich führen, wie man auch bereit ist, bei Bedrohung ohne Widerstand abzugeben, schnittfeste Rucksäcke/Taschen; Frauen: ggf. Pfefferspray)

+ Massenansammlungen (Aufenthalt vor/im „Flaschenhalsbereich“ meiden, bei Stau frühzeitig ausscheren, ausreichend Zeit einrechnen, nicht drängeln, jederzeit Fluchtwege sondieren, unsicher empfundene Bereiche wie zum Beispiel überfüllte Räume, Bauelemente, die unter Belastung zu schwingen beginnen, Kontaktfelder „verfeindeter“ Fans/Konfliktzonen bei Demonstrationen meiden beziehungsweise ehestmöglich verlassen, wenn Krankheitswellen zu erwarten sind oder gerade laufen: Kontakte mit offensichtlich Kranken vorbeugen [Taxi statt öffentliche Verkehrsmittel, häufig Hände waschen/desinfizieren, ggf. Mundschutz], Vernunft walten lassen [notfalls Ticket verfallen lassen, Anweisungen des Sicherheitspersonals Folge leisten], Weitsicht [Gruppengröße, ortskundige erste Person/größte letzte Person, ständiger Körperkontakt, zum Beispiel Händehalten obligat, Notfalltreffpunkt vorab vereinbaren])

+ offensichtlich riskante Szenarien (überfüllter Raum mit offenem Feuer, Mitfahren in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln und mit betrunkenem oder Drogen-beeinträchtigtem Fahrer, einspurige Fahrzeuge [insbesondere Verzicht auf persönliche Schutzausrüstung], Einladung durch Fremde [Essen, Trinken, Mitfahren], offene, unbeaufsichtigte Getränke [K.-o.- Tropfen, Drogen], neue „Freunde“ [mit „nach Hause“ gehen], inoffizielle Deals „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“, Mitnahme von „Geschenken“ [Drogen!], Mutproben jeder Art [spezielles Risiko: Drogen-, übermäßiger Alkoholkonsum, Imponiergehabe], gewaltsame Auseinandersetzungen [sich nicht provozieren lassen!], als Einzelreisender [im Finstern auf schlecht beleuchteten Straßen unterwegs sein, Gepäcksbeaufsichtigung])

Infektionsprophylaxe

Auch bei der Infektionsprophylaxe ist korrektes Verhalten die wichtigste Maßnahme. Hierzu zählt die Nahrungshygiene, das Meiden von Tierkontakten einschließlich Mückenschutz (Dengue-Fieber!) und so weit möglich des Kontaktes mit möglicherweise/offensichtlich infizierten Personen (sexuell übertragbare Krankheiten, Atemwegsinfektionen [Tuberkulose!], Blutkontakt). All diese Maßnahmen setzen ein Mindestmaß an Zurechnungsfähigkeit voraus, insofern sollte Drogenkonsum gemieden und Alkohol nur in vernünftigen Mengen genossen werden.

Impfungen

In Ergänzung zu den Standardimpfungen ist ein Impfschutz gegen Hepatitis A, Typhus und Influenza (sowie bei Risikopersonen Pneumokokken) zu empfehlen. Je nach Sicherheitsbedürfnis, Reisestil und -modalitäten können, unter Berücksichtigung der Gesamtreiseplanung, auf individueller Basis die Impfungen gegen Meningokokken (Brasilien zuletzt deutliche Zunahme des Anteils von Serotyp C), Gelbfieber, Tollwut und Cholera (wegen Parallelschutz gegen ETEC) sinnvoll sein. Sowohl der Karneval als auch die WM findet im urbanen Umfeld statt – dieses gilt (auch im Amazonasgebiet wie zum Beispiel in Manaus) grundsätzlich als Malaria-frei (beziehungsweise mit minimalem Risiko, das den prophylaktischen Einsatz von Medikamenten nicht rechtfertigt). Konsequenter Moskitoschutz (tags und nachts) ist ohnedies angezeigt, abgesehen von Abenteuertrips in den Amazonas-Dschungel erscheint darüber hinaus eine medikamentöse Malariaprophylaxe in beiden Situationen verzichtbar.

Ergänzung

Für Reisende aus Europa bedeutet die Reise nach/von Brasilien jeweils einen Langstreckenflug. Hier ist eine Bewertung des Thromboserisikos und gegebenenfalls eine entsprechende Prophylaxe sinnvoll. Reisen in die Tropen bedeuten für die Haut (bedingt durch Wasser, Luft und Sonne) einen hohen Stressfaktor: Hautpflege und UV-Schutz haben einen hohen Stellenwert. Es kann immer etwas passieren – nicht die Reiseapotheke (einschließlich einer entsprechenden Reserve, wenn man regelmäßig Medikamente nimmt) vergessen. Die medizinische Versorgung kann je nach Region dürftig beziehungsweise in guten Einrichtungen auch sehr teuer sein. Nicht auf den Abschluss einer entsprechenden Reiseversicherung verzichten.

Schlussbemerkung

Die fünf Grundprinzipien der Vorsorge lauten:

DONʼT GET BIT! (keinerlei Tierkontakte, weder Hund noch Stechmücke)

DONʼT GET HIT! (Verhütung von Unfällen und Verletzungen)

DONʼT GET LIT! (kein übermäßiger Alkoholkonsum – und natürlich auch keine Drogen)

DONʼT DO IT! (kein direkter Blut- oder ungeschützter Sexualkontakt)

DONʼT EAT SHIT! (auf Nahrungshygiene achten)

Schon mit der Einhaltung dieser wichtigsten Verhaltensregeln lässt sich ein enormer Beitrag zu einem schönen Aufenthalt und einer gesunden Heimkehr leisten.

Professor DDr. Martin Haditsch
Ärztlicher Leiter der Labor Hannover MVZ GmbH und des TravelMedCenter Leonding, Österreich

Griechenland: Karnevalhochburg Xanthi

 Xanthi Karneval_Marketing Greece

Kulinarische Köstlichkeiten und griechischer Wein stehen im Fokus des Xanthi Karnevals im Nordosten des Landes. Dort zieht außerdem eine prächtige Parade durch die Straßen und tausende Jecken tanzen und feiern die ganze Nacht zur Musik. Die Stadt Rethymno auf Kreta veranstaltet auch eine Reihe an unterhaltsamen Feiern zur närrischen Zeit. Während bei den Kostümen ein venezianischer Einschlag unverkennbar ist, sind die ausgelassenen Feste zweifelsohne kretischer Natur.

Spanien: Karneval auf La Palma – nicht bunt, sondern weiß

Die Beliebtheit und die Originalität des Karnevals von Santa Cruz de La Palma ist vor allem wegen der Feierlichkeiten am Rosenmontag über die Inselgrenzen hinaus bekannt geworden. Im Laufe des Tages, im kommenden Jahr am 11.Februar, lässt die Stadt die historische Rückkehr der nach Amerika emigrierten Inselbewohner wieder aufleben. Die “Indianer” genannten Rückkehrer parodieren ihren in jenen Ländern erworbenen Reichtum und zeigen eine Show, die zum wichtigsten Programmpunkt des Karnevals geworden ist. Die Hauptattraktion des Rosenmontags ist der verschwenderische Umgang mit Talkumpuder, mit dem die Rückkehrer begrüsst werden, die mit Papageienkäfigen, riesigen Havanna-Zigarren, „Sklaven“, Kettenuhren und Brillen zu karibischer Musik tanzen. Die beiden Hauptstraßen Perez de Brito und O‘Daly ertragen stoisch den staubigen Umzug, obwohl  es Tage dauert, bevor die historischen Pflastersteine wieder gesäubert sind.

Dokumenten aus dem 17. Jahrhundert zufolge wurde bereits zu dieser Zeit am Rosenmontag “gepudert”. Im frühen 20. Jahrhundert wurde diese Tradition von den Behörden unterdrückt, da die Veranstaltung nach den Verordnungen jener Zeit „die öffentliche Ordnung störte“. Ab der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erholte sich diese Tradition jedoch schnell, und man verwendete anstelle des ursprünglichen Mehls nun Talkumpuder. Die Tradition des Einpuderns wurde seit jeher im palmerischen Karneval gepflegt. Tatsächlich ist diese Tradition nicht nur auf einen bestimmten Tag beschränkt, sondern wurde stets während der gesamten Karnevalszeit in allen Inselgemeinden gepflegt.

In den frühen sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann eine Gruppe von Liebhabern der traditionellen Feste auf La Palma das Fest zu parodieren und sich als wohlhabende Rückkehrer auszugeben, die in elegantem Leinen gewandet in offenen Wagen mit ihren in Matrosenanzügen gekleideten Kindern fuhren.

In den 80er Jahren kam dann die Komponente Talkumpuder hinzu und der insulare Rosenmontag, wie man ihn heute kennt, war geboren. An diesem Tag beginnt die Prozession von der Avenida de los Indianos und führt im Rhythmus des kubanischen Son und unter großzügiger Verwendung der Puderdosen zur Plaza de La Alameda. Die einzige Voraussetzung, um hier mitzulaufen, ist, von Kopf bis Fuß in weißer Kleidung zu stecken. Männer tragen in der Regel das traditionelle Hemd “Guayabera”, weiße Hosen oder einen Leinenanzug und einen Panamahut. Frauen können in historischen Kostümen oder auch in weißer Spitze mit Sonnenschirm erscheinen. Ein wichtiges Accessoire hierbei ist das Tragen von Schmuck. Eine übliche Ergänzung zur Ausstattung sind Koffer aus jener Zeit (vorzugsweise aus Pappe oder Leder), die angeblich voller Geld und Reichtum sind. Des Weiteren gehören tropische Tierkäfige und Gefolge von afroamerikanischen Dienern dazu.

Schon am frühen Morgen lassen sich auf den Straßen derartige Verkleidungen beobachten. Der eigentliche Beginn der Feierlichkeit ist die Ankunft der “Negra Tomasa” im Atrium des Rathauses der Stadt, die gewöhnlich für 12 Uhr erwartet wird. Dieser offizielle Programmpunkt des Karnevals ist als “La espera” (Das Warten) bekannt und wird mit kubanischer Musik und der Verköstigung von Zuckerrohrsaft und Mojitos abgehalten. Die anschließenden Umzüge beginnen am Nachmittag und dauern bis in die frühen Morgenstunden des folgenden Tages hinein.

Panama: Bunte Kostüme und schöne Frauen

 

Karneval in Panama

Karneval in Panama

Bunte Umzüge, ausgelassen feiernde Menschenmengen und sexy Karnevalsköniginnen – all das kann man nicht nur in Rio de Janeiro erleben. Auch beim Karneval in Panama geht es hoch her.

Als Karnevalshochburgen gelten in Panama die Hauptstadt sowie einige Ortschaften auf der Halbinsel Azuero, die für traditionelle Brauchtümer und Festivals bekannt ist. Besonders bekannt sind die Feierlichkeiten in der Kleinstadt Las Tablas, die rund fünf Autostunden südwestlich von Panama Stadt gelegen ist. Hier teilen sich die Bewohner in zwei konkurrierende Parteien, die sich gegenseitig zu übertrumpfen versuchen. Das ganze Jahr über stecken sie in den Vorbereitungen, die schließlich in Straßenumzügen mit reich dekorierten   Paradewagen ihren Höhepunkt finden. Mit Wasser gefüllte Tankwagen, so genannte „Culecos“, sorgen für nasse Erfrischung. „Tunas“, Gefolgsleute der Umzugswagen, und „Murgas“, trompetende Musikgruppen, unterhalten das tosende Publikum. Wer abends noch nicht genug hat, bleibt, um die Wagen mit den Karnevalsköniginnen zu bestaunen, oder zieht in Open-Air Clubs und Discotheken, wo bis in die frühen Morgenstunden weitergetanzt wird.


Info:
www.visitpanama.com