Kroatien: Mit der Familie an der Adria

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Ferien an der kroatischen Adria, das muss nicht unbedingt nur heißen, nur in der Sonne zu brutzeln und zu baden. Die Region um Sibenik mit ihren rund 240 vorgelagerten Inseln, bietet wesentlich mehr. Petra Keidel-Landsee hat sich zusammen mit Mann und Sohn aufgemacht zu einer Tour durch Natur, Kultur und Meer.

1. Tag
Der Duft aus der Kombüse ist vielversprechend, trotz der Bedenken, die meine Familie hatte. Wie könne man auf einem Holzkutter gut 100 Personen mit frisch gegrilltem Meeresgetier versorgen. Doch der Fisch, den Nina serviert, sieht nicht nur wunderbar aus, sondern schmeckt auch so. Langsam werden die Felsformationen des Kornati-Nationalparks, zu dem wir seit zwei Stunden unterwegs sind, immer deutlicher.

K1024_Kornati IMG_0902„Gott hat seine Tränen aufs Meer fallen gelassen“, sagen die Einheimischen über die insgesamt 89 Inseln. Seit 1980 ist dieser Archipel unter Naturschutz, nur eine bestimmte Anzahl an Besucher pro Tag ist erlaubt. Die Vegetation ist spärlich, es gibt keine Quellen. Dennoch gleicht dieser Nationalpark einem Paradies. Das Meer – ein Eldorado für Taucher – ist tiefblau und klar. Silbern glitzern die oft bizarr geformten Felsen im Sonnenlicht. Die perfekte Kulisse für Karl Mays’ „Durchs Wilde Kurdistan“, das in Teilen hier auch gedreht wurde. Kein Wunder, dass die Kinder hier begeistert Indianer spielen und im seichten Wasser den Fischschwärmen nachjagen. Nur wenige der Archipele sind bewohnt. Wer Robinsonfeeling erleben mag, kann für ein paar Tage in ein paar Behausungen ohne Strom und Wasser wohnen. Hier stört kein Zivilisationslärm, nachts blöken lediglich die Schafe. Sie ernähren sich von Meerwasser und den spärlich wachsenden Kräutern auf dem Archipel. Ihr aromatisches Fleisch gilt deshalb als besondere delikat. Spätnachmittags geht es dann wieder zurück auf die Insel Murter. Von dort aus starten die meisten Touren zu den Kornaten.
2. Tag
Diesmal folgt ein Kontrastprogramm zum kargen Felsarchipel: Wie das Tor zu einem verwunschenen Garten Eden weitet sich der Blick nach der Flussbiegung auf den Nationalpark „Krka“ Wasserfälle.

K1024_Krk Wasserf+ñlleGleich einem Netz aus Diamanten funkeln die Wasserschleier der insgesamt 17 Stufen des größten Wasserfalls, des Skradinski Buk, im Sonnenlicht. Üppiges Grün wuchert verschwenderisch, mit bunten Blumen als Farbkleckse. Die Luft duftet süß nach Feigen. Nach einem ausgedehnten Spaziergang ist Baden, diesmal in den Süßwasserbecken, am Fuße der Wasserfälle, angesagt. Danach ist der Hunger groß. Einkehr ist bei „Etnoland Dalmati“. Josko und Anna kauften mit Unterstützung des Großvaters alte Steinhäuser, die sie im historischen Stil vor den Toren des Krka-Nationalparks wieder aufbauten. Rund um den Dreschplatz mit Restaurant wachsen Wacholder, Rosmarin und Lavendel. Humorvoll erzählt die blonde Anna in fast perfektem Deutsch nette Geschichten zu dem mit viel Liebe ausgestatten Mini-Dörfchen. In der Zwischenzeit bereitet Josko im dazugehörigen Schinkenmuseum köstliche Happen vor. Er hat zwar in Deutschland studiert, zitiert mühelos Goethe und Co., hält sich aber gegenüber den Gästen mit seiner Weltläufigkeit eher zurück und radebrecht auch gerne mal auf Deutsch, um das Klischee mancher Touristen vom typischen Kroaten zu erfüllen. Dazu trägt auch seine Kleidung bei, die traditionelle schwarze Wolltracht mit weißem Hemd, in der er auch die Hauptspeise serviert: Peka, eine Köstlichkeit, bei der Rind, Lamm und Schwein, zusammen mit Gemüse in Glut unter einer großen Eisenglocke geschmort werden.
3. Tag
Nicht nur Natur und Kulinarisches bietet die kroatische Adria rund um Sibenik. Auf den rund 240 Inseln entlang der Küste, fast alle gut mit Fähren zu erreichen, findet sich so manches kulturelle Kleinod. So auch das Museum zu Ehren des im 15. Jahrhundert geborenen Gelehrten Faust Vrancic auf der idyllischen Insel Prvic Luka.

K1024_Modell vom Museum Prvic Luka mit Vladimir LucevMit großem Elan führt Vladimir Lucev, pensionierter Chirurg, durch das Sammelsurium. Viele Erfindungen von Faust baute er als Mini-Holzmodelle nach. Sei es die Golden Gate-Bridge, für die Faust die Vorlage lieferte, zahlreiche Mühlen oder den Fallschirm, den der von den Kroaten verehrte Tausendsassa erfand. Nach dem Bummel auf der autofreien Insel ist noch Zeit bis die Fähre kommt. So kosten wir in dem Strandlokal „Mareta“ die köstlich gefüllte Calamares von Darko Livic. Auch hier keine Sprachprobleme, denn der Chef des Familienbetriebs schwäbelt was das Zeug hält und verwöhnt uns mit selbstgemachten Desserts und Likören.
4. Tag
Auf unserer Fahrt ins Hinterland zur Festung Knin sind die Wunden des Kosovokrieges immer noch zu sehen, finden sich verlassene Häuser mit Einschusslöchern. Während an der Küste der Tourismus boomt, kämpfen die kleinen Örtchen im Landesinneren um Gäste und Arbeitsplätze. Das beschauliche Städtchen Drnis legte einen kleinen Labyrinthgarten an, bietet Theater und Konzerte und zeigt in seinem Stadtmuseum seine wechselvolle Geschichte aus sechs Jahrhunderten. Der Krieg ist auch vielfach das Thema der kroatischen Künstler, deren Werke in der kleinen Galerie zu sehen sind. Rund zwanzig Kilometer weiter thront trutzig die riesige Festung Knin auf der Anhöhe. Mit ihren zahlreichen Verstecken, Durchgängen und Türmen ist sie für die Kinder ein gigantischer Abenteuerspielplatz. Die Umgebung lockt mit Rafting, Reiten, Jagen oder Angeln.
5. Tag
In Sibenik, der Stadt der Kirchen und Altstadt mit venezianischem Flair, spielt beim weltweit größten internationalen Kinderfestival der Nachwuchs die Hauptrolle.

K1024_Sibenik mit Kathedrale IMG_1095 Stolz verweist Jasenka Ramljak, die Organisatorin, auf die Gruppen aus aller Welt, die in Theaterstücken und Workshops auftreten. Selbst Paul Maar, der „Vater des Sams“, war bei dem vor 50 Jahren ins Leben gerufene Festival, bereits zu Gast. Die Altstadt bietet die perfekte Kulisse für diesen Event. Überall stehen Bühnen, erklingt Musik, spielen Kinder für Kinder bis in die Abendstunden. Zu späterer Stunde feiern wir dann noch etwas ruhiger weiter, in dem kleinen Fischerdörfchen Jezera, unweit von Sibenik. Hier ist noch wenig vom Tourismusrummel zu spüren. Bürgermeister Nenad Milin, der in der Schweiz Kunstgeschichte studierte, strahlt, als die Frauen des Dorfes zum traditionellen Feigenfest das kostenlose Buffet, mit allerlei Köstlichkeiten rund um diese aromatische Frucht bestücken. Fröhlich tanzen Einheimische und Touristen zu den Klängen der Band auf dem kleinen Marktplatz, bis sich um Mitternacht das Fest auflöst.
6. Tag
Heute ist unser erster Faulenzertag. Wir genießen auf der Terrasse der Hotelanlage Zora mit Blick auf die pittoreske Altstadt von Primosten das Frühstück.

K1024_Glasschwimmbad HotelanlageZora bei Primosten Eichhörnchen springen durch den duftenden Kiefernwald. Thomas Lause, Manager der weitläufigen und direkt am Meer gelegenen Anlage mit rund 375 Zimmern und Suiten, erzählt während des Rundgangs so manche Anekdote aus seiner Anfangszeit hier. So habe ihn gewundert, warum die herrliche Hotelterrasse nicht benutzt wurde. Die Antwort des Personals damals: „Weil nicht alle Hotelgäste auf einmal Platz nehmen könnten, also bleibt sie geschlossen“. Mittlerweile ist der Service längst perfekt. Die Küche glänzt mit einheimischen und internationalen Gerichten. Neben der hoteleigenen Bucht gibt es Sportplätze, einen Kinderclub mit pädagogischem Personal, Tauch- und Schwimmkurse, Sandburgenbauen, Jetski, Parasail, Tanzshows und vieles mehr. Im Hallenbad unter einer beweglichen Glaskuppel mit beheiztem Meerwasser befinden sich der Spabereich, Sauna, Massage- und Kosmetikabteilung. Also auch hier in im Hotel Zora in Primosten wird es einem bestimmt nicht langweilig.
Alle in der Geschichte erwähnten Ziele sind gut in einem Tagesausflug zu erreichen, sei es von Sibenik oder Primosten aus.

Text und Fotos Petra Keidel-Landsee

 

Deutschland: Familienurlaub im Fichtelgebirge

Mountainbike am Ochsenkopf , Tourismus GmbH Ochsenkopf

Mountainbike am Ochsenkopf

Ein Urlaubsort für alle – für Groß und Klein, Jung und Alt – gibt es das überhaupt? Es sieht ganz danach aus. Petra Keidel-Landsee hat die Ferienregion Ochsenkopf mit Oma, Opa, Mann und Kind bereist. Ihr Urteil: Das Fichtelgebirge ist für Familien wie geschaffen.

Schöne Aussicht
Die erste Hürde ist geschafft; Oma Nora ist ganz begeistert von unserem Urlaubsdomizil, dem Landhaus Preißinger in Warmensteinach im Fichtelgebirge. “Selbst die Obermutter der Nation, Helga Beimer, war hier schon“, verrät mir meine Mutter und zeigt auf die Fotos im Entree des Drei-Sterne-Hauses, die davon zeugen, dass hier eine Folge der Kultserie gedreht wurde.

Landhaus Preissinger

Landhaus Preissinger

Herzlich empfängt uns die Wirtsfamilie gleich bei der Ankunft mit einem kleinen Umtrunk. Wir relaxen in den Korbmöbeln auf der riesigen Gartenterrasse und genießen die fantastische Aussicht. Weit schweift der Blick über dunkle Wälder hinüber zur tschechischen Grenze und zum Ochsenkopf mit seinem markanten Asenturm.

Jagen und Wandern
Am nächsten Tag ist der 1.024 Meter hohe Ochsenkopf unser Ziel, „der Erlebnisberg für die ganze Familie“, wie es im Prospekt heißt. Erst einmal gehen wir am Fuße des Südhangs mit Pfeil und Bogen auf die Pirsch. Man muss schon genau schauen, um die lebensgroßen Tierattrappen aus Schaumstoff im dichten Wald zu finden.

Der Hirsch ist erlegt

Der Hirsch ist erlegt

“Ich hab den Hirsch“, freut sich Oma, spannt den Bogen und zielt. Doch unser Nachwuchs ist schneller und genauer. Exakt trifft er das runde Schwarz in der Mitte, während Omas Pfeil noch durch die Luft surrt. Beim 3-D Bogenschießen im Outdoorpark Oxsenkopf macht nicht nur Opa, sondern selbst den Kindern das Wandern Spaß.

Auf zum Klettern

Nach erfolgreicher Jagd und einer kleinen Stärkung nehmen wir den angrenzenden Kletterwald ins Visier. “Das ist nichts für mich“, meint Oma und macht es sich mit ihrem Buch in der Sonne gemütlich. Opa Wastl bleibt bei uns. Etwas skeptisch schaut er im Kletterwald nach oben. Schließlich baumeln nicht in jedem Wald ein Bobby Car, Bierbänke, Holzfässer oder ein Schlitten in mehreren Meter Höhe.

Kletterwald Oxenkopf

Ab in die Tonne im Kletterwald Oxenkopf

Opa und ich bleiben lieber am Boden, während sich der Nachwuchs und mein Mann in die Sicherheitsvorkehrungen einweisen lassen, bevor es auf den Parcours in luftiger Höhe geht. “Papa, du wirst mich jetzt beneiden, dass ich kleiner bin als Du“ trumpft unser Sohn auf, während er mit dem Bobbycar souverän über den schmalen Steg fährt, derweil sich mein Mann langsam durch die Tonne robbt.

Kreationen aus Wildkräutern
Zum Abendessen treffen wir uns alle im Gasthof “Deutscher Adler“ in Bischofsgrün. Der heilklimatische Kurort bildet zusammen mit den Gemeinden Warmensteinach, Fichtelberg, und Mehlmeisel die Erlebnisregion Ochsenkopf. Interessiert studiert unser Sohn Valentin die Speisekarte und frägt skeptisch: “Kann man Schlangenknöterich wirklich essen?“ Mit einem verschmitzten Lächeln kommt Chefkoch Thomas Puchtler an unseren Tisch und hält ihm die Vogelmiere mit ihrem langen Schopf unter die Nase. “Das ist der Punker unter den Wildkräutern.“ “Riecht nach Pilzen“, sagt Oma und beißt genüsslich in die längliche Dolde des Spitzwegerichs. Wir lassen uns die Schweinelendchen mit Vogelmiere, Saibling in Schlangenknöterich und Holunderblüteneisgugelhupf zum Nachtisch bestens munden. Nicht nur im Deutschen Adler wird mit Wildkräutern gekocht. Mehr als zehn Wirte der Region bieten kulinarische Reisen durch den Kräutergarten an.

Sicher am Seil
Am nächsten Morgen brechen wir wieder zum Ochsenkopf auf. Denn meine Männer haben sich zu einem Adrenalinkick zwischen Himmel und Erde entschieden: Der längste Zipline-Park Deutschlands steht auf unserem Programm.

Rein in die Gurte im Ziplinepark

Rein in die Gurte im Ziplinepark

Die Guides Tim und Tina führen die angemeldete Gruppe in die Sicherheitsvorkehrungen ein. Alle werden mit Sicherheitsgurten und Handschuhen ausgestattet. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir die erste Plattform auf halber Höhe im Südhang des Ochsenkopfs. Ich behalte zusammen mit Oma lieber die Bodenhaftung. Mir wird schon vom Zuschauen schwindlig, als ich meinen Mann, Opa und Sohn in rund zwanzig Meter Höhe durch die Lüfte sausen sehe. Insgesamt elf Zwischenstopps mit Plattformen in den Baumkronen dienen zum Umhängen zur nächsten Ziplinebahn. Auf fünf von ihnen geht es bei den so genannten Base-Jumps, den seilgesicherten Absprüngen, bis zu 22 Meter in die Tiefe. Die längste der insgesamt 2.200 Meter langen Seil-Strecke ist rund 400 Meter lang. “Ich fliege“, ruft mein Sohn begeistert und sogar Opa hat leuchtende Augen, als er wieder landet.

 

Fertig zum Absprung

Fertig zum Absprung

Mountainbiken im Fichtelwald
Direkt beim Zipline-Park befindet sich auch das Bullheadhouse, der Treffpunkt für Biker. Dort leihen wir uns alle bis auf Oma Mountainbikes aus. Dank des Sessellifts mit Fahrradhaltern schweben wir bequem von der Talstation Süd in Fleckl hinauf auf den Ochsenkopf. Rund zwei Kilometer geht es durch den mystischen Fichtelwald mit den wie von Riesenhand hingeworfenen und mit Moos bewachsenen Granitformationen. Opa und ich wählen die leichte Route, während Vater und Sohn die Herausforderung auf der anspruchsvolleren suchen.
Nach so viel Action lassen wir es am nächsten Tag gemütlicher angehen. Wir besuchen das Waldhaus Mehlmeisel. Hier haust Hansi, der streichelbedürftige Hirsch samt Artgenossen im Wildgehege. Rund um das Waldhaus gibt es auf dem Erlebnispfad jede Menge Holz, nicht nur in Form von Bäumen, die in den Himmel wachsen. Groß aufgeschichtet befindet sich ein Ster Holz, damit man sich unter dieser Größenordnung auch was vorstellen kann. Aber wir erfahren hier auch, welche Spuren ein Luchs hinterlässt und auch sonst noch jede Menge über das Öko-System Wald.

Mit Kettcars ins Tal
Zum Abschluss unserer Familienreise unserer ruft noch einmal der Berg; diesmal jedoch der Geiersberg bei Oberwarmensteinach. Familie Nickl hatte die witzige Idee, ihren Schlepplift im Sommer umzufunktionieren.

Downhill mit dem Kettcar

Downhill mit dem Kettcar

Wir nehmen in den großen Kettcars mit luftgefüllten Reifen Platz. Das Lenkrad der so genannten Dèvalkarts wird in den Schlepperbügel eingehängt und schon zuckeln wir bequem den Berg hinauf. Von dort sausen wir ohne störenden Motorenlärm über Stock und Stein den Hügel hinunter und lassen uns den Wind um die Nase wehen.
Schnell geht unser letzter Urlaubstag zu Ende. Und eines ist sicher, wir kommen wieder. Schließlich gibt es im Fichtelgebirge noch so vieles zu erkunden, wie etwa den Echowaldweg, den Geopark oder das Felsenlabyrinth.

Petra Keidel-Landsee

 

Frankreich: Gallische Gelassenheit im Parc Astérix

Er sitzt auf seinem überdimensionalen Hinkelstein und schmunzelt verschmitzt. Vermutlich darüber, dass alle Spaß haben: Monsieur Asterix, die Pariser Alternative zu Mister Mickey Mouse.

Immer mit der Ruhe

Wer mit amerikanischen Themenparks vertraut ist, merkt es schnell: Der Parc Astérix ist anders. Schon am Eingangstor fällt es auf: Kein Drängeln, keine Hektik. Hier ist der Einlass in eine bunte und blühende Welt, die sich große und kleine Besucher in Ruhe betrachten können, ohne gleich von den Eindrücken erschlagen zu werden. Die Geräuschkulisse: keine genervten Eltern oder überdrehtes Kindergeschrei, mehr die Atmosphäre von fröhlichem Familienausflug. Automatisch stellt sich Schlendrian ein und der Bummel durch fünf Themenwelten mit 31 Attraktionen kann beginnen.

Dorfidylle

Im „Village Gaulois“ kann man das Zuhause von Asterix und Obelix erforschen. Kinder staunen über Obelix’ kleine Mahlzeit für Zwischendurch, den überdimensionalen Wildscheinbraten am Spieß, und finden es ulkig, in seine Riesenlatschen zu steigen. Na, und dann erst die Kulleraugen, wenn sie dem Comichelden in Persona gegenüberstehen. Während der beschaulichen Bootsfahrt, vorbei an liebevoll und lebendig nachgestellte Szenen aus dem Leben der verrückten Gallier, die so gerne Römer verhauen, weiß mancher Erwachsener nicht, wohin er schauen soll: Zu den Pimpfen, die sich darüber kringelig lachen oder dem Gebotenen. Im Druidenwald haben Eltern von Mini-Kids Pause, denn die sind auf dem dazugehörigen Kinderspielplatz, mit Wasserfontänen und Baumstammrutschen schwer beschäftigt.

Hier geht’s rund

Doch wer glaubt, hier läuft alles nur in ruhigen Bahnen, irrt gründlich. Dafür sorgt spätestens eine der Hauptattraktionen „Goudurix“, die stählernde Achterbahn, bei der es mit 75 Sachen durch sieben Loopings geht. Hier fällt einem tatsächlich der Himmel auf dem Kopf und den Boden unter den Füßen findet man nach dieser Fahrt kaum mehr. Der Adrenalinspiegel hat sich eingepegelt, also gleich weiter zum hölzernen Pendant. Der „Tonnerre de Zeus“ macht seinem Namen alle Ehre und donnert 84 Stundenkilometern fast anderthalb Minuten durch die Kurven. Hinter bleibt das Gefühl, dass die Gesichtszüge auf der Strecke geblieben sind.

Für Abkühlung sorgt, sofern man im Spritzbereich der neun springenden Delfine sitzt, die Show im „Théâtre de Poséidon“. Mit etwas Glück, wird für Kinder wahr, wovon viele Erwachsene träumen. In riesigen Schwimmwesten versunken dürfen sie zusammen mit den Trainern die Tiere zu Kunststückchen animieren und natürlich auch streicheln. Wenn die Tiere dann durch das Becken flitzen, ist kaum möglich dem akrobatischen Wasserballet zu folgen. Aber auf keinen Fall möchte man auch nur einen Sprung verpassen. Das Herz hüpft jedes Mal mit.

Immer noch frisch, aber aktionsreicher geht es beim Menhir Express mit der finalen Fahrt vom 13 Meter hohen Wasserfall zu. Wasserratten kommen auf der 195 Meter langen Reifenrutsche des L’Oxygénarium auf ihre Kosten und nicht minder auf der Wildwasserfahrt in der römischen Ecke bei „Romus et Rapidus“.

Liebe zum Detail

Was am meisten Laune macht in diesem Park sind die Farben: Prall, aber nicht schrill mit viel Liebe zum Detail. Das offenbart sich ganz besonders auf der Zeitreise im Bereich „A travers le temps“, wo vor bunten Buden schaustellerisches Treiben herrscht und Künstlerisches wie Kunsthandwerkliches vom Mittelalter bis zum späten 19. Jahrhundert präsentiert wird. In der Rue de Paris fehlt eigentlich nur der rauchige Klange der Diseuse, um die Stimmung perfekt zu machen.

Immer wieder führt der Blick hoch zu Monsieur Asterix: Vielleicht schmunzelt er auch aus Stolz über seinen Park, in dem sich seit seinem Bestehen über 30 Millionen Menschen vergnügt haben.

Petra Meisel

 

Schweiz: Und ewig singt Sabine den Snowli-Song

Das Kind soll Skifahren lernen. Nichts für Eltern, die sportliche Aktivitäten rund ums Wasser im gefrorenen Zustand ebenso gering schätzen wie Käse-Fondue. Sei’s drum: Aufi geht’s in die Schweiz zur Bettmeralp am Aletschgletscher!

Ostern: Die Frühlingssonne brennt, alles blüht. Die Familienstimmung ist auf dem Tiefstand. Jeder quält sich schwitzend auf dem Parkplatz an der Talstation der Luftseilbahn in die Skisachen. Dann heißt es Auto Ade, kostenfreier Anruf beim Hotel, Gepäckberge in die Kabinenbahn und rauf auf fast 2000 Meter.

Szenenwechsel: Zwei Meter unberührter Schnee und eine Bergkulisse, die bereits während der Gondeltour von Höhenangst ablenkt: unten das Rhonetal, frontal Schweizer Postkartenpanorama auf 4000er Berggipfel, darunter der berühmte mit dem Knick– das Matterhorn; Herzstück der Walliser Alpen. Irritierend nur – ja was eigentlich? Dann hört man es: Stille, die nur von Schlurfen, Schleifen und Knirschen von Menschen und Hunden auf Skiern, Stiefeln, und Pfoten unterbrochen wird. Motorgeräusche macht allein das Snowmobil für den Umzug von der Station zur Unterkunft. Die Bettmeralp ist einer von neun autofreien Orten in der Schweiz, davon allein vier im Wallis.

Auf dem Weg zum Hotel dann doch noch ein Geräusch. Eine rauchige Stimme schallt durch den ganzen Ort „Ja der Snowli lernt Skifahrn auf den schönen Bettmeralp…holdrijoh“ Sie tönt aus einem Haufen von Zipfelmützen und streichholzgleichen Stecken, die im Vorbeifahren als Mini-Ski des Bambinikurses identifiziert werden können.

Der Ort ist klein. Alles liegt zentral. Wer nachmittags ankommt, hat schnell alles unter Dach und Fach und kennt sich aus: Geldtausch, Skiausrüstung und –kurs, Arzt direkt bei Apotheke, Verpflegung im nächstgelegenen Supermarkt. Dort gibt’s die erste Begegnung mit einer der leckeren „Hüswurschtjini“, nämlich der Sasser, einer Salami mit roter Beete. Dann ab ins Cafe, Jacke aus und Sonnenbrille an und mit Aussicht auf die eigenen Kinder, die sich beim Rodeln mit anderen vergnügen, fängt beim Jägertee der Urlaub an: Da tauen sogar Schneemuffel langsam auf.

Anderntags sind keine Berge in Sicht. Nur ein verhangener Himmel und dicke Schneeflocken, die beständig herunter rieseln: Da schickt man keinen Hund vor die Tür. aber das eigene Kind. Das hat mit kalter Nase und klammen Fingern keinen Sinn  für den sportiven Ehrgeiz der Eltern. Aber da gibt’s ja die Unerschütterliche mit dem Snowli-Song, die X-kleine Nasen putzt, strahlt und im schönsten Schwitzerdütsch sagt: “Ich freu mir, wenn man mir Sabine nennt“. Sabine Haldemann schmettert in Spitzenzeiten so an die 170 mal pro Saison das Skilernlied und schleust ca. 90 Kinder pro Tag mit ansteckender Begeisterung durch den Skikurs. Die ehemalige Arzthelferin hat ihren Traumjob gefunden. „Die Kinder von der Bettmeralp und mein Freund sind meine Familie“. Sie kennt sie alle – seit Geschwistergenerationen. Und die Kinder erinnern sich an sie. Wie der blinde Junge, der sie an der Stimme ortete und bei der Begrüßung festgestellte, dass die Ohrsteckerli andere sind als in der letzten Saison. Wer den Job macht, braucht ihre Einstellung: Sie darf hier arbeiten.

Eltern von Lernunwilligen werden freundlich, aber energisch fortgebeten. Skifahrer unter jenen sind mit Pisten verschiedenster Schwierigkeitsgrade an der Bettmar-, Fiescher-  und der Riederalp bestens bedient. Da ist sogar ein Tross von Tiroler Skilehrer begeistert, die hier das Ende ihrer Saison feiern.

Abseits der Pisten

Die, die Angst haben, dass der Abschuss vom Berg gleich der Abschluss vom Urlaub werden könnte, sollten eine Skischuh-Wanderung ausprobieren. Danach weiß man wieder ganz genau, dass man Lungen hat und wo welcher Muskel liegt. Nicht weniger eindrucksvoll, aber weniger anstrengend ist die Fahrt mit der Kristallgondel auf die Gipfelstation des Großen Aletschgletscher, der mit 23 Kilometern der größte der Alpen ist. Für bekennende Nichtsportler gibt es ein herrliches Alternativprogramm: Balkon, eine dicke Decke, reine Bergluft, heiße Schoki und ein Schläfchen nach jeder zehnten Seite eines dicken Schmökers. Einfach Faulenzen. Manchmal mit Blick auf die Snowboarder, die auf ihrem Brett nur in Badehose bekleidet vom Hallenbad direkt ins Hotel sausen. So kann sich auch der Anti-Wintersportler, für Urlaub im Schnee erwärmen.

Und auch mit dem Käsefondue klappt es noch: Im 5-Tische-Restaurant Gläcktricka. Da kann man beim Bestellen des gleichnamigen Fondue nicht nur den herrlichen Schweizer Dialekt üben, sondern sich den leckeren Käse auf der Zunge zergehen lassen. Die Besitzerin Lisa Engler sorgt für frische Zutaten aus der Gegend und damit für neue Anhänger des Käsegerichtes. Auf dem Weg zu Hotel, nach dem Verdauungsschnaps, summt so mancher selig den Snowlisong mit dem festen Vorsatz, sich beim nächsten Familienurlaub, selbst auf die Bretter zu wagen. Vielleicht gibt es ja unter den Skilehrern eine Sabine für Große!

Petra Meisel

Österreich: Reiterferien für Kinder am Achensee

Kinderreiterferien am Achensee

Reiterferien in den Kinderhotels: Perfekter Familienurlaub mit höchsten Qualitätsansprüchen und kompetenter Kinderbetreuung

Gemächlich läuft Pony Maxi über die Wiese. Stolz führt die achtjährige Katharina den rotbraunen Isländer in Richtung Reitplatz, den Zügel fest in der Hand. Bloß nicht loslassen. Für die idyllische Tiroler Bergwelt und die Natur rund um den Achensee hat sie keine Augen. Sie ist vielmehr gespannt auf die Übungsstunde, die sie und ihre Zwillingsschwester Theresa bei Reitlehrer Oliver vom Familienparadies Sporthotel Achensee in Achenkirch erwartet.

Flugs sitzt Katharina auf dem Pony und tätschelt zufrieden – wenn auch noch ein wenig schüchtern – Maxis Hals. Der hat eine Riesengeduld, trabt und galoppiert im Kreis und freut sich über das Lob seiner jungen Reiterin. „Gut gemacht“, kommt mehrfach vom Lehrer die Bestätigung, nachdem Oliver erklärt hat, wie einfach das Mädchen durch Drücken der Füße am Bauch des Tieres die Richtung und die Geschwindigkeit verändern kann. Das will auch Schwester Theresa üben und schwingt sich anschließend mit Begeisterung in den Sattel. Immer interessiert beäugt von vielen Eltern und kleinen Gästen, die sich vom großen Außenspielgelände und dem Hasenstall nebenan losgerissen haben, um vielleicht doch mal kurz das Pferd streicheln zu können.

Das Achenkircher Kinderhotel mit fünf Smileys unter der Leitung von Günther und Brigitte Hlebaina ist eines von knapp einem Dutzend Mitgliedern der Gruppe, die den jungen Gästen im Sommer professionelle Reitkurse anbieten. Vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen wird der richtige Umgang mit dem stolzen Vierbeiner gelernt. Denn Tochter Vanessa, eine begeisterte Pferdenärrin, kam vor zehn Jahren auf die Idee, ihr Hobby mit den jungen und vorwiegend weiblichen Hotelgästen zu teilen. Der 21-jährige Maxi gehörte zu den ersten Pferden im Stall. Mittlerweile bevölkern die Boxen mehrere Island-Ponys und Haflinger, die die täglichen Streicheleinheiten der Kinder und Erwachsenen genießen. Und wer will, darf gerne beim Füttern, Striegeln und Ausmisten helfen. Wie bei richtigen Reiterferien eben. Ponyhof am Achensee

Während die Kleineren noch an der Longe üben, hat die zwölfjährige Sophie schon „ihr“ Pferd gesattelt. Denn in Begleitung des Reitlehrers darf sie ins Gelände ausreiten. Durch die Wälder und Wiesen, vorbei an Spaziergängern und enthusiastischen Tourengängern mit den Ski auf dem Rücken, führt der Ausritt an den Fuß des Achenkircher Hausberg, den „Christlum“. Wo im Winter die Skifahrer in einem kleinen, aber sehr feinen Familienskigebiet ihre Abfahrten genießen, sorgt im Frühjahr das saftige Grün von Bäumen und Gras für einen interessanten Kontrast zu den schneebedeckten Berggipfeln.

„Der See hat neben den Bergen auch eine sehr große Anziehungskraft“, schwärmt Inhaberin Brigitte Hlebaina von „einem der schönsten Gebiete Tirols“. Das breite Tal, die Gipfel und die interessante Lage nur wenige Kilometer von der Grenze bieten sich für einen Kurzurlaub gut an. Ob im Sommer wandern, radeln oder surfen, ob im Winter Ski fahren, snowboarden oder langlaufen: „Hier kann man sehr kurzweilige Tage erleben, bei denen gerade Familien voll auf ihre Kosten kommen.“

Denn die haben die insgesamt 53 Mitgliedsbetriebe der Kinderhotels im Blick. Das Ziel wurde schon bei der Gründung des Zusammenschlusses 1988 klar definiert: Perfekten Familienurlaub mit den höchsten Qualitätsansprüchen und kompetenter Betreuung zu verbinden. „Wir wollen eine Wohlfühlatmosphäre bieten“, ist Brigitte Hlebaina vom Konzept der Kinderhotels überzeugt. Dabei stehen besonders die Jüngeren im Mittelpunkt. „Sind sie zufrieden, sind es auch die Eltern.“ Eine Kinderbetreuung von zwölf Stunden am Tag und sieben Tage die Woche, unterteilt in verschiedene Altersstufen, sorgt nicht nur bei den Kleinsten für Begeisterung. Großzügige Spielbereiche, spezielle Kindermenüs und bei gehobeneren Häusern ein Wellness-Bereich bieten unbeschwerte Tage. Wenn die Eltern mal gemeinsam etwas unternehmen wollen, etwa eine ausgiebige Wanderung, wissen sie ihren Nachwuchs gut betreut. Denn über 350 Baby- und Kinderbetreuer sind bei den Betrieben in Österreich, Italien, Deutschland und Kroatien angestellt. Die Hotels mit den gelben Smileys als Gütesiegel haben daher eine Philosophie: Ohne Kinder brauchen die Gäste erst gar nicht anreisen. Spezielle Angebote für den Nachwuchs zeichnen die einzelnen Häuser aus. Neben den Reitkursen bietet das Sporthotel Achensee Kindergolfen und Kinderwellness mit Ernährungsberatung.

Diana Seufert

Info

Unter den 53 Hotels der Gruppe der Kinderhotels gibt es auch einige Besonderheiten. Professionelle Reitkurse gibt es auch in Österreich im Familien-Erlebnis-Hotel Moar-Gut, Großarl, Familienresort Ellmauhof, Saalbach-Hinterglemm, Kinderhotel Felben, Mittersill, Familienerlebnis Hotel Post, Unken, Reiter’s Avance Hotel, Bad Tatzmannsdorf, Sporthotel beck, Brand, Almhof Family Resort, Gerlos, im Kröller Reit- & Kinderhotel, Gerlos, Aktiv- und Wohlfühlhotel Kesselgrub, Altenmarkt, Familienhotel Hinteregger, Katschberg und in Bayern im Familienparadies Neubichler Alm, Piding.

Mitten im Herzen der Kärntner Nockberge, auf fast 1900 Höhenmetern, liegt das Heidi-Hotel Falkertsee. Hier gibt es den ersten Kinderhotel-Klettersteig mit Seilrutsche für mutige Kinder und Erwachsene. Kinderspielplatz Achensee

Mit dem Dorf Kleinwild hat die Kinderhotels Gruppe das erste Dorf mit abwechslungsreichem Programm für Kinder bis 14 Jahren. Kleinwild gehört zu den Feriendörfern Kirchleitn und liegt in St. Oswald, Kärnten. Beim Toben am dorfeigenen Biotopteich, Streichelzoo und Wasserspielplatz wird spielerisch die Natur erkundet.

In einer idyllischen Sonnenbucht auf der kroatischen Insel Mali Losinj gelegen bietet das Hotel Vespera mediterranen Familienurlaub. Das Vier-Sterne-Superior Hotel Alpenrose in Lermoos an der Zugspitze überzeugt durch luxuriöse Ausstattung, einen erstklassigen Wellness-Bereich und optimale Kinderbetreuung. Ein Hotel in Form eines Schiffes erwartet die Gäste im Gina’s Kinderhotel in Drobollach, Kärnten. Die Anlage ist ein wahres Paradies für Rabauken.

Im schaurig-schönen Kinderhotel Alpina in St. Johann im Pongau im Salzburger Land spukt es und in der Steiermark befindet sich das Ballonhotel. Weitere Informationen findet man im Internet unter www.kinderhotels.com

Italien: Winterträume im Pustertal

Mit Kindern in Südtirol

Der Kronplatz ist ein ideales Ferienziel für Winterspass mit Kindern. Nicht nur familienfreundliches Skifahren ist dort angesagt, sondern auch Schneeschuhwandern, Rodeln, Langlaufen und gutes Essen.

So gut spurt unser Nachwuchs selten und das auch noch bei Nacht und Nebel im dunklen Wald. Aber hier geht es ja auch nicht darum, den Eltern zu folgen.

Meterhoch liegt der Schnee. Tief versinkt der siebenjährige Felix bei jedem Schritt im flockigen Weiß. Denn ausgerechnet er als Jüngster will unsere Gruppe anführen und die Spur treten bei unserer nächtlichen Schneeschuhwanderung durch das Pustertal in Südtirol. Das kostet nicht nur Kraft, sondern fordert auch Mut. Denn im Licht der Fackeln werden die Schatten der Bäume und Menschen zu Riesen, ächzen die Äste unter der weißen Last.

Wege durch die Dunkelheit

Nur manchmal setzt sich unser Führer Paul Sapelza an die Spitze, wenn er einen Übergang über das kleine Flüsschen sucht. Doch entweder sind die quer liegenden Stämme zu glitschig oder die Eisfläche trägt nicht. So müssen wir einen anderen Weg finden. Dabei ist es der Gruppe ein Rätsel, wie Paul hier im Dunkel des Waldes, in dem nur die vom Feuerschein erleuchteten Eiskristalle wie Diamanten funkeln, nicht die Orientierung verliert. „Ich richte mich nach den Gipfeln“, erklärt der staatlich geprüfte Bergführer, der die Gegend wie seine Westentasche kennt.

Bereits als Bub hat er hier Skitouren gemacht, da seine Eltern nicht das Geld für eine Liftkarte aufbringen konnten. Gebannt lauschen die Kinder seinen Geschichten über Tierspuren und Sagen und fassen schnell Vertrauen in seine ruhige Art. Vielleicht liegt es daran, dass der passionierte Bergführer viele Jahre in Kursen schwer erziehbare Jugendliche betreute und weiß, wie man Kinder begeistert, ihr Durchhaltevermögen weckt. Auch unser Jüngster will am nächsten Tag lieber nicht auf die Piste, sondern rein in die Schneeschuhe. Und wieder spurt

er begeistert zwei Stunden lang vornweg gegenüber dem imposanten Hohen Gaisl den Weg. Danach schmeckt die köstliche Südtiroler Spezialität, selbst gemachte Tritlans– frittierte mit Käse und Spinat gefüllte Teigtaschen – im Berggasthof Plätzwiese besonders gut.

Wandern und Abfahren

Bereits vor vielen Jahren setzte Paul Sapelza, Inhaber der Alpinschule Pustertal, auf Alternativangebote zum reinen Skifahren und verdeutlicht: „Schneeschuhwandern verzeichnete in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten.“

Auch wenn Paul den sanften Tourismus unterstützt, liebt er das Skifahren. Und der Kronplatz ist Südtirols Skiberg Nummer Eins, wie der örtliche Tourismusverband in der Werbung propagiert. Dabei ist der Berg der sich im Winter wie ein Gugelhupf mit Zuckerguss gegen den stahlblauen Himmel abhebt, ein optimales Skigebiet für Familien „Hier ließ sich die Tochter Bergvolkes Fanes, zur Königin krönen“, erzählt Paul Sapelza, daher der Name Kronplatz oder Plan de Corones, wie er in Südtirol genannt wird. 116 Kilometer beträgt das Pistennetz mit breiten Abfahrten. Geboten wird alles von blau bis schwarz. Ideal für Familien mit Kindern oder Snowborder sind die zahlreichen modernen und Sechser-Sessellifte mit Windschutz und Kabinenbahnen. Schlepper gibt es nur wenige.

Auch die Kleinsten sind willkommen

Selbst Eltern samt Kinderwagen oder Babyschale, die auf dem kahlen Gipfel, in 2.275 Meter Höhe das traumhafte 360-Grad Panorama genießen, sind keine Seltenheit. Denn hier würden nicht nur kleine Pistenflitzer, sondern auch Windelflitzer auf Absprache betreut, erzählt Martin Tüchterle, Inhaber der Skischule Olang/Rasen.

Licht durchflutet ist das rundum verglasten Croniworld, in dem auch die Skieleven nach dem Unterricht Mittagessen und spielen können. Das genießen auch die Ritters mit ihren drei Sprösslingen. „Unser Jüngstes ist gerade sieben Monate alt. Vormittags sind die Älteren im Skikurs und nachmittags können wir trotz unseres Nachzüglers alle Skifahren“, freut sich das Ehepaar Ritter aus Augsburg und schwingt ab in Richtung Tal.Angesichts der schweren Zusammenstöße, die in den vergangenen Jahren passierten, wie zum Beispiel der Unfall des damaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus, verweist Tüchterle darauf, dass hier bereits die Jüngsten in den Skikursen mit den FIS-Regeln für sicheres Skifahren vertraut gemacht werden.

Zudem besteht in Südtirol Helmpflicht für Kinder. Aber auch Erwachsene sind hier viel öfters als in Deutschland mit Kopfschutz anzutreffen. Und Raser kommen hier nicht unbedingt ungestraft davon. Denn immer wieder patrouillieren Gendarmen auf Skiern und ziehen Rowdys zur Rechenschaft.

„Auch wenn wir dank Beschneiungskanonen schneesicher sind, bieten wir zahlreiche weitere Attraktionen“, informiert Anna Mayrhofer vom Tourismusverband Ferienregion Kronplatz. Für Langläufer ist die Höhenloipe am Würzjoch das Zuckerl schlechthin. Am Fuß des mächtigen Peitlerkofels führt sie auf 2000 Meter Höhe durch die traumhaft schöne Dolomitenlandschaft.

Der Nachwuchs dagegen fiebert zusammen mit Papa dem Aufstieg auf die Taistner Alm auf mehr als 2000 Meter Höhe entgegen – oder eher der Abfahrt. Denn belohnt wird der Fußmarsch mit einer rasanten vier Kilometer langen Schlittenfahrt ins Tal. Insgesamt 25 Rodelbahnen in der Region sorgen – teilweise sogar nachts – für viel Gaudi auf zwei Kufen.

Freudig erwartet uns nach der Rückkehr in unser Domizil Pension Brückele in Prags der treue und kinderliebe Schäferhund Bruno. Wie ein verwunschenes Märchenschloss wirkt das Häuschen mit seinen Holztürmchen, das ganz allein in Mitten des Naturparks Fanes Sennes Prags liegt. Die Preise sind günstig, die Zimmer einfach, aber das Essen hervorragend. Jeden Abend verwöhnt uns Sepp Schuster mit einem köstlichen Dreigänge-Menü. Selbst der Schauspieler und Westernheld Terence Hill zog während seiner Dreharbeiten dort Heidis Gastfreundschaft und die Kochkünste ihres Mannes einem Fünf-Sterne-Etablissement vor. Beim Schlafengehen blicken wir noch in den funkelnden Sternenhimmel und freuen uns über die herrliche Stille und gute Luft, die unsere Träume hier begleiten.

Petra Keidel-Landsee

 

Info

Ferienregion Kronplatz

Tourismusverband Ferienregion Kronplatz;

Michael-Pacher-Strasse 11a; I-39031 Bruneck; Tel: (+39) 0474/555447;  www.kronplatz.com

Das Feriengebiet umfasst 13 Gemeinden mit abwechslungsreichen Programmen für Winter wie Sommer. Gratis-Skibusse zum Kronplatz.

Das Skigebiet Kronplatz: 116 Pistenkilometer, 32 Beförderungsanlagen; Beförderungskapazität ca. 60.000 Personen pro Stunde.

(Kronplatz-Skipässe können gegen geringen Aufpreis mit dem Dolomiti-Skigebiet mit 1.200 Pistenkilometern, kombiniert werden.)

Übernachtung

Pension Gasthof Brückele, Familie Schuster, Ausserprags 4, 39030 Prags (BZ)

Dolomiten – Südtirol, Telefon +39 0474 748613, www.gasthof-brueckele.it

Hotel Garberhof **** Superior
Fam. A. Pobitzer
Staatsstraße 25, 39024 Mals
Italien – Südtirol

Telefon +39 0473 83 13 99
www.garberhof.com

Anreise: über die Brennerautobahn, vor Brixen Richtung Bruneck nach Prags

Flughäfen: Innsbruck, Verona, Treviso, Venedig