Deutschland: Brandenburg für alle. Barrierefrei reisen

Zeuthen 06.06.2016 Fotos : YORCK MAECKE TMB Barrierefrei auf dem Boot.

Foto : Yorck Maecke, TMB Barrierefrei auf dem Hausboot

 

 

 

 

Ausgabe 2017des Magazins  für barrierefreies Reisen in Brandenburg erschienen

Neu in der diesjährigen Ausgabe, die jetzt im sechsten Jahr in Folg erschienen ist, sind Erlebnisberichte von Gästen, die den barrierefreien und für jedermann erreichbaren Ausflugszielen der einzelnen Reiseregionen Brandenburgs vorangestellt wurden. So berichtet der stark sehbehinderte Berliner Yannick von seiner Tour mit einem Oldtimer-Tandem und dem SUP-Board in Potsdam. Und die Rollstuhlfahrerin Judyta Smykowski beschreibt ihr unvergessliches Gefühl von Freiheit, als sie im Sommer das barrierefreie Hausboot Febomobil 990 von Kuhnle-Tours über die Gewässer des Dahme-Seenlandes steuerte. Aktuell nimmt das Heft auch Bezug auf das Lutherjahr 2017. So kann man sich beispielsweise in Jüterbog barrierefrei auf die Spuren der Reformation begeben. Pfarrer Bernhard Gutsche von der evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai gibt in dem Heft und bei einem Besuch lebendige Einblicke in die außergewöhnlichen Geschehnisse jener Zeit.
Insgesamt werden auf rund 100 Seiten ausgewählte Angebote für Rollstuhlnutzer, Gäste mit Seheinschränkungen, für gehörlose Menschen und Besucher mit Lernschwierigkeiten sowie Infos für Allergiker für einen erlebnisreichen Ausflug oder einen entspannten Urlaub im Bundesland Brandenburg und in der angrenzenden Mecklenburgischen Seenplatte präsentiert.
Noch mehr barrierefreie Urlaubsangebote – insgesamt über 800 – sind detailliert beschrieben im Internetportal www.barrierefrei-brandenburg.de. Hier kann die Broschüre auch als barrierefreies pdf kostenlos heruntergeladen werden, das auch für Leser mit Sehbehinderung gut geeignet ist. Ebenso ist die Broschüre auch kostenlos bei der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH erhältlich. Telefon: 0331 – 200 47 47. Darüber hinaus wird das Spezial-Magazin ab März bundesweit über den Zeitschriftenhandel  zum Preis von 2,80 Euro vertrieben.

Costa Rica: Barrierefreies Reisen in den Nationalparks

k1024_manuel-antonio-national-park_ictCosta Rica will körperlich beeinträchtigten Menschen den Zugang zu den Nationalparks vereinfachen und stellt auf Barrierefreiheit um.

Die Welttourismusorganisation (UNWTO) setzt sich stark für die allgemeine Barrierefreiheit im Tourismus ein, um allen Besuchern den Zugang zu jenen Bereichen zu gewähren, die für benachteiligte Personen nicht oder nur schwer zugänglich sind. So bietet Costa Rica mit den Gesetzen zur Chancengleichheit beeinträchtigten Personen neue Möglichkeiten, aktiv die Natur zu erleben. Mit Erfolg: die Schaffung von Barrierefreiheit in einigen Nationalparks des Landes erbrachte eine Steigerung der Besucherrate um 50 Prozent.

In einem Gemeinschaftsprojekt haben nun das Nationale System von Schutzgebieten (SINAC) und verschiedene Organisationen mit entsprechenden Beschilderungen und geschützten Bereichen dafür gesorgt, dass benachteiligten Personen ein uneingeschränkter Zugang zu Costa Ricas Wundern der Natur gewährt ist.

Nach einer ausführlichen Evaluation sind folgende Nationalparks aufgrund ihrer ökonomischen Repräsentanz für das Programm zur Barrierefreiheit ausgewählt worden: der Vulkan Poás, der Vulkan Irazú, der Nationalpark Carara, Santa Rosa, das Nationalmonument Guayabo und der Nationalpark Manuel Antonio. Der erste „universelle Pfad“ – ein Pfad, der von jedem uneingeschränkt durchquert werden kann – wurde im Nationalpark Carara geschaffen.

Weitere Nationalparks sind diesem Beispiel gefolgt: Im Zuge dessen wurden nicht nur barrierefreie Pfade erstellt, sondern auch Signalanlagen für Sehbehinderte oder Zugangsrampen für Rollstuhlfahrer und Aussichtspunkte an unebenen Stellen.

Weiterführende Informationen über Costa Rica: www.visitcostarica.com

Niederlande: Ein Pottwal finanziert seine eigene Ausstellung

Schädel Pottwal_Copyright Ecomare

 

Ein Pottwal, der im Dezember 2012 unweit der niederländischen Wattenmeerinsel Texel tot auf einer Sandbank strandete, hat das benötigte Geld für seine Ausstellung buchstäblich selber mitgebracht.  Bei der Untersuchung des Kadavers fanden die Forscher nämlich rund  Kilo Amber – ein wertvoller Stoff, der bei der Produktion teurer Parfums eingesetzt wird. Amber wird im Darm mancher Pottwale produziert und dies zumeist nur in sehr kleinen Mengen. Aufgrund seines hohen Werts wird es auch ‚schwimmendes Gold‘ genannt.

Wal-Saal

Mit Hilfe des Erlöses, der beim Verkauf der ungewöhnlich großen Menge Amber erzielt werden konnte, wurde im Texeler Naturkundemuseum Ecomare nun ein beeindruckender Wal-Saal eröffnet, in dem der berühmte Pottwal sowie andere auf Texel gestrandete Wale ausgestellt sind. Der völlig in Blau gehaltene Raum hält für kleine und große Besucher ein interaktives Walerlebnis bereit, das landesweit seinesgleichen sucht. Damit hat das Ecomare, das bereits weit über die Inselgrenzen hinaus als herausragendes naturkundliches Bildungszentrum bekannt ist, eine weitere Attraktion hinzugewonnen.

Hautnahes Erlebnis

In der neuen, spannenden Ausstellung läuft man im wahrsten Sinne des Wortes durch die Skelette der Wale hindurch, während man akustisch von ihren Rufen umgeben ist. Besonders beeindruckend ist der rund 15 Meter lange Pottwal-Schädel. Ausgestattet mit 52 Zähnen im Unterkiefer vermittelt er auf einzigartige Weise ein Bild von der enormen Größe dieses friedlichen Meeresbewohners. In einer kleinen Vitrine hält der einer Unterwasserwelt nachempfundene Saal zudem eine besondere Sehenswürdigkeit bereit: ein Stück des originalen Pottwal-Ambers. Neben den Knochen von insgesamt sechs gestrandeten Walen und Delphinen gibt es im neuen Wal-Saal auch noch einiges Wissenswertes rund um die Meeressäuger zu sehen und entdecken. So zeigt die Evolutionswand über die ganze Breite des Raumes den Stammbaum der verschiedenen Wal-Arten – hier sind alle Wale der Welt dargestellt. Des Weiteren sind hier lebensechte Modelle von Ur-Walen zu sehen – wie z.B. dem Ambulocteus, ein prähistorischer Wal mit Beinen.

 

 

 

Deutschland: Tastmodelle im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Hessisches Landesmuseum Darmstadt ©Steffen Harms2014

Hessisches Landesmuseum Darmstadt ©Steffen Harms

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt ist auch für blinde und seheingeschränkte Besucher ein Museum mit allen Sinnen. Mit Hilfe von tastbaren Reliefs, die in den Rundgang integriert sind, ist das Museum auch für sie erfahrbar. Als eines der ersten Museen in Deutschland ermöglicht das Hessische Landesmuseum Darmstadt (HLMD) dieser Zielgruppe den barrierefreien Besuch einer Dauerausstellung und unterstützt damit eine selbständige Auseinandersetzung mit den Kunstwerken. Die Tastbilder stellen für blinde und seheingeschränkte Besucher ein besonderes und individuelles Kunsterlebnis dar, da sie zur haptischen Erfahrung einladen. Mit Hilfe von modernster Technik werden zweidimensionale Bildinformationen aus Gemälden in die Dreidimensionalität übersetzt. Von ausgewählten Kunstwerken, darunter Anselm Feuerbachs „Iphigenie“ und Max Pechsteins „Bildnis in Rot“ entstanden zunächst handgefertigte Reliefs, die später auf ein geeignetes Material übertragen wurden.

Bildnis in Rot

Bildnis in Rot

Für jede Übersetzung eines Kunstwerks in ein Tastmodell wurde eine individuelle Lösung gefunden, je nach Form und Inhalt des Originals. Der auf die Tastmodelle abgestimmte multimediale Audio-Guide liefert hierzu unterstützende Bildbeschreibungen. Das HLMD hat in enger Kooperation mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt Darmstadt und der Berufsfachschule Holz-Elfenbein in Michelstadt sechs Tastmodelle entwickelt. Blinde und seheingeschränkte Testpersonen waren intensiv daran beteiligt.

 

Bildhinweis: Bildnis in Rot in der Interpretation der Berufsfachschule für das Holz und Elfenbein verarbeitende Handwerk

Japanische Etikette: Höflichkeit, Respekt und Pünktlichkeit

Japan National Tourism Organization

©Japan National Tourism Organization

 

Gerade in einem Land wie Japan, mit einer im Vergleich zum Westen so andersartigen Kultur, ist das Risiko recht groß, ins Fettnäpfchen zu treten. Die Japanische Fremdenverkehrszentrale in Frankfurt gibt einige Tipps zum parkettsicheren Umgang im Land der aufgehenden Sonne:

Höflichkeit ist das wichtigste Bindemittel im japanischen Zusammenleben und wird tagtäglich überall praktiziert. Jeder Tourist, der in Japan einen Zug besteigt, wird erstaunt sein, wie ruhig und gesittet es auf den Bahnsteigen zugeht. Kein Drängeln, kein Schubsen – das Aus-und Einsteigen verläuft völlig problemlos und unaufgeregt. Wenn jemand einen Platz gebucht hat, weiß er auch genau, in welchen Wagen er einsteigen muss, und wo dieser auf dem Bahnsteig halten wird. Als legendär gilt die Pünktlichkeit der Züge, allen voran der berühmte Shinkansen. In den Zügen ist es übrigens verpönt zu telefonieren, um die Mitreisenden nicht zu stören. Das Versenden von SMS ist jedoch mittlerweile üblich und auch allgemein akzeptiert. In einigen Bussen und U-Bahnen gibt es einzelne Sitze mit anderen Farben. Diese sind für Hilfsbedürftige und ältere Menschen reserviert und werden auch nicht von anderen Fahrgästen in Beschlag genommen.
Besonders Englisch sprechende Japaner zeigen sich gegenüber Ausländern sehr hilfsbereit. Verirrten Touristen wird gern der Weg ohne besondere Aufforderung gewiesen. Dahinter sollte man auch keine böse Absicht vermuten, denn Japan gehört weltweit immer noch zu den Ländern mit der niedrigsten Kriminalitätsrate. Tokio wurde erst wieder in diesem Jahr im Ranking des britischen Magazins Economist als die sicherste Stadt der Welt knapp vor Singapur eingestuft. Osaka steht an dritter Stelle. Touristen zeigen sich deshalb auch stets überrascht, wenn sie liegen gelassene Wertgegenstände wie Kameras oder ähnliches selbst nach einiger Zeit noch am Ort des Geschehens wiederfinden. Frauen können in Tokio allein durch das Rotlichtviertel schlendern, ohne Schlimmes befürchten zu müssen.

m_180875

© Japan National Tourism Organization

Ausländische Gäste nutzen ihren Japan-Aufenthalt gern für einen Besuch im Onsen, einer heißen Quelle. Hier ist es ganz wichtig, sich vor dem eigentlichen Bad gründlichst zu waschen und darauf zu achten, sämtliche Seifen-/Duschgel-Reste abzuspülen. Dies gilt ebenso für Besucher der öffentlichen Bäder, genannt „sento“. Menschen mit größeren Tattoos sollten sich darüber im Klaren sein, dass diese Art von Körperbemalung in Japan der Yakuza, dem organisierten Verbrechen zugeordnet wird und damit zu unliebsamem Aufsehen führen kann.
Pünktlichkeit spielt im Geschäftsleben eine ganze große Rolle. Zwischen fünf Minuten vor dem Termin bis auf den Punkt genau, gilt dabei als Regel. Wer sich nur um einige Minuten verspätet, sollte dies telefonisch vorher mitteilen.
Beim Essen mit Japanern schenkt man sich nie etwas selbst zu trinken ein. Erst wird immer dem Nachbarn etwas angeboten, der dem anderen dann im Gegenzug etwas nachschenkt. Sobald ein Glas geleert ist, wird es nachgefüllt. Möchte man nichts mehr trinken, sollte immer ein Rest im Glas verbeiben. Zu den „No-Go‘s“ beim Essen gehört es, die Stäbchen aufrecht in den Reis zu stecken. Auf diese Weise wird der Reis nämlich ausschließlich am buddhistischen Hausaltar den Geistern der verstorbenen Vorfahren als Speiseopfer dargeboten.
Da in Japan der Kunde wirklich der König ist, dessen Wohl den Dienstleistern am Herzen liegt, ist Trinkgeld unüblich und gilt fast als Beleidigung.
Der Austausch von Aufmerksamkeiten bildet einen bedeutenden Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Japan. Präsente haben als Ausdruck der Verbundenheit, Dankbarkeit und auch als Zeichen des Respekts einen hohen Stellenwert. Es muss nichts großartiges sein – Süßigkeiten oder etwas zu Knabbern reichen aus. Auch ein Mitbringsel aus dem Heimatland des Gastes erfreut sich immer besonderer Beliebtheit.
Da in Japan Visitenkarten „Leute machen“, ist es für Geschäftsreisende unbedingt erforderlich, entsprechende Karten bei sich haben, und zwar am besten beidseitig bedruckt: auf der einen Seite in Englisch oder Deutsch, auf der anderen Seite in Japanisch. Der Austausch von Visitenkarten macht es nicht nur leichter, die zahlreichen fremdländischen Gesichter auseinander zu halten, sondern ermöglicht den Japanern zugleich die hierarchische Einordnung eines Fremden. Es ist üblich und gilt als besonders höflich, die Visitenkarte mit beiden Händen zu überreichen und entgegenzunehmen. Die Karte sollte dann aber nicht weggesteckt werden, sondern sie wird genau studiert oder vor sich auf den Tisch gelegt, um immer wieder darauf zurückgreifen zu können.

Text: Japan National Tourism Organization

Schweiz: Die stärksten Männer kommen aus Engelberg

Die stärksten Seilzieher kommen aus Engelberg -Titis  Bildnachweis: Engelberg-Titlis

Die stärksten Seilzieher kommen aus Engelberg -Titis Bildnachweis: Engelberg-Titlis

Die stärksten Seilzieher der Welt kommen aus Engelberg in der Zentralschweiz. Auch in Deutschland wird Tauziehen, das von 1900 bis 1920 sogar olympische Disziplin war, in verschiedenen Gewichtsklassen betrieben. Doch in der Liste der seit 1975 ausgetragenen Weltmeisterschaften liegt die Schweiz klar vorne – im Land selbst haben die Burschen vom Engelberger Seilziehclub schon 35 Schweizermeistertitel geholt. Derzeit trainieren sie für die kommende Saison, die Ende April beginnt. Das öffentliche Heimturnier findet vom 17. bis 19. Juli 2015 im Sporting Park Engelberg statt. Als erster Seilziehclub der Schweiz kann die Mannschaft auf eine lange Tradition zurückblicken, dabei begann alles mit einer gemeinen List …

Das Seil am Weidepflock

Herbst 1970. Die Engelberger messen sich auf heimischem Grund mit den Seilziehern aus Beckenried vom Vierwaldstättersee. Davor hatten die Burschen vom Klosterdorf dort beim Feuerwehrball haushoch verloren und wollen nun die Revanche unbedingt gewinnen. Je acht Mann auf beiden Seiten stemmen sich fest in die Erde und versuchen, das 32 Meter lange Seil über die Mittellinie zu ziehen. Vier Meter müssen sie insgesamt schaffen, doch die Markierung rückt kaum einen Zentimeter näher. Schon ewig scheint der Kampf zu dauern, die Kräfte schwinden. Als es allmählich dunkel wird, greifen die Engelberger zu einer List: Der erschöpfte Ankermann, der sich als Letzter des Teams das Seil normalerweise um den Körper legt, entdeckt hinter sich einen Weidepflock – und schlingt das Seilende darum. „Niemand hat’s bemerkt“, erinnert sich Hans Bünter, „die Beckenrieder zogen und zogen, konnten aber nichts mehr ausrichten.“ Am Tag danach gründet er mit seinem Team den SZC Engelberg, den ersten Seilziehclub der Schweiz.
Bünter, inzwischen über 70 Jahre alt und viele Jahre Geschäftsführer der Brunni-Bahnen Engelberg, war damals Skilehrer. Als Trainer der Mannschaft beschäftigte er sich aber zunehmend mit dem Seilziehen und 1974 trug das eigene Dorf sogar die Europameisterschaft aus. Schnell breiteten sich landesweit weitere Seilziehclubs aus, Bünter wurde Bundestrainer und sollte dies rund 20 Jahre lang bleiben. Seinem Team, das im Winter bei den Bergbahnen und im Sommer als Bauern arbeitete, stand damit plötzlich die weite Welt offen: Europa- und Weltmeisterschaften, Einladungen nach Israel, Südafrika oder in die Türkei. Das ist bis heute so.

Europameisterschaft in Belfast
Die diesjährigen Europameisterschaften 2015 finden Anfang September in Belfast statt. Doch dafür müssen sich auch die erfolgsverwöhnten Engelberger erst qualifizieren – entsprechend hart ist das Training: Bereits seit Dezember stählen die kräftigen, hochgewachsenen Burschen des SZC Engelberg ihre Muskeln. Beim Zirkeltraining in der Turnhalle vor den Toren des Benediktinerklosters stemmen sie Gewichte oder reihen zahllose Klimmzüge aneinander. Beim abschließenden Hockeyspiel geht’s recht derb zu, so dass Verletzungen schon mal vorkommen können.
Am Seil trainieren sie derzeit auf der Sandbahn in einer Halle: mit Baumharz an den Händen, stahlbesetzten Stiefeln und einem Bauchgurt. Denn beim Startkommando „Pull“ muss die Wirbelsäule einer enormen Belastung standhalten, wie bei einem Gewichtheber. Wenn Ende April die Meisterschaftsturniere beginnen, zählen aber nicht nur Kraft, Ausdauer und mentale Stärke sondern auch der Blick auf die Waage: In diesem Jahr tritt das Team in der Kategorie 640 Kilo, der sogenannten Königsklasse, an. Liegt das Mannschaftsgewicht nur ein Kilo darüber, werden alle acht Athleten disqualifiziert. Da hilft nur noch schnelles „Abschwitzen“ bis zum Nachwiegen.

„Gwunnä hemmr!“
Club-Mitgründer Hans Bünter feuert beim öffentlichen Heimspiel vom 17. bis 19. Juli 2015 im Sporting Park Engelberg auf jeden Fall „sein“ Team mit den grün-weißen Trikots und den kurzen schwarzen Hosen an. Einziger Haken: Es wird bei Tageslicht gezogen – keine Chance also für den Trick mit dem Weidepflock. Mit den Beckenriedern haben sich die Engelberger übrigens noch einmal gemessen – und gewonnen, diesmal ganz ohne List. Und dann erklang wieder ihr inzwischen gewohntes: „Gwunnä hemmr!“

Niederlande: Texel, die Insel auf der der Krieg am längsten dauerte

Das Luftfahrt- und Kriegsmuseum in Texel.  © VVV Texel

Das Luftfahrt- und Kriegsmuseum in Texel. © VVV Texel

 

Nirgendwo in Europa dauerte der 2. Weltkrieg so lange wie auf Texel: Erst am 20. Mai 1945, rund zwei Wochen nach der offiziellen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, endeten die Kampfhandlungen auf der größten westfriesischen Insel. Mit der Besetzung der Niederlande wurden auch auf Texel mehrere Einheiten deutscher Soldaten stationiert. Während ein großer Teil der Männer von der Insel nach Assen deportiert wurde, blieb die restliche Bevölkerung von Texel jedoch weitgehend von Kriegsentbehrungen verschont. Im Februar 1945 wurde dann das 822. Georgische Infanteriebataillon – das im Wesentlichen aus Kriegsgefangenen bestand – auf Texel stationiert. In diesem Bataillon kam es in der Nacht vom 5. auf den 6. April 1945 zu einem Aufstand der Georgier, bei dem fast alle der 400 auf der Insel stationierten deutschen Soldaten im Schlaf getötet wurden. Die Folge war der so genannte Russenkrieg, in dem die vom Festland zu Hilfe eilenden deutschen Truppen die Aufständischen bekämpften. Viele georgischen Soldaten und mehr als einhundert Inselbewohner kamen dabei ums Leben.
Am 20.Mai finden nun überall auf Textel Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung statt. Ein Korso mit historischen Armeefahrzeugen fährt dabei durch alle Inseldörfer. Am Flughafen von Texel erinnert das Luftfahrts- und Kriegsmuseum u.a. mit einer Ausstellung an den Russenkrieg.

Niederlande: Die Neue Wildnis kommt in deutsche Kinos

Sonnenuntergang in Flevoland_Quelle EMS Films

Sonnenuntergang in Flevoland_Quelle EMS Films

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Donnerstag den 9. April startet der niederländische Dokumentarfilm Die Neue Wildnis in den deutschen Kinos. Mit fast zwei Jahren Produktionszeit ist das Werk die aufwendigste niederländische Dokumentation aller Zeiten. Aus den 380 Stunden Filmmaterial, das zahlreiche Kamerateams produziert haben, ist ein etwa 97 Minuten langes Meisterwerk über die Schönheit der niederländischen Natur in der Provinz Flevoland entstanden.

Die neue Wildnis in Flevoland

Kämpfende Hirsche_Quelle EMS Films

Kämpfende Hirsche_Quelle EMS Films

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles steht im Zeichen der Natur in Europas größtem Naturgebiet, den Oostvaardersplassen in der jüngsten niederländischen Provinz Flevoland. Zwar wurde die Provinz von Menschenhand geschaffen, indem Land trockengelegt und dem Meer abgerungen wurde, aber sie ist doch eine der unberührtesten Naturlandschaften Europas. Bei der Trockenlegung der zwölften Provinz der Niederlande gab es zuerst Pläne, die Oostvaardersplassen zu einem Industriegebiet zu machen. Da der Boden aber zu nass war, entschied man sich dafür, der Natur ihren Lauf zu lassen. Somit gilt Flevoland als das Resultat des größten Einpolderungsprojektes aller Zeiten.
Überall in dieser niederländischen Provinz wandert man auf ehemaligem Meeresgrund und das trockenen Fußes, obwohl das Land im Schnitt fünf Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Ein halbes Jahrhundert nach der Einpolderung sind auf diesem einstigen Meeresboden prächtige Naturgebiete entstanden. Flora und Fauna schufen sich ihre eigenen Lebensräume, wodurch heute ein Sumpfgebiet mit Mooren, Weideland und einer vielseitigen Tierwelt, darunter Wildpferde und hunderte Vogelarten entstand. Besucher können in dieser einzigartigen Region beispielsweise die holländischen „Big Five“, die „Fünf Großen“ der neuen Wildnis in den Oostvaarderplassen entdecken, die Stille im ruhigen Herzen des Horsterwolds erfahren oder sich im Waterloopbos bei einer Wanderung durch die dortige Testanlage der Deltawerke für die Häfen von Vlissingen und Lagos überraschen lassen. Die Natur der Oostvaardersplassen lieferte die Kulisse für den preisgekrönten Naturfilm Die Neue Wildnis. Der Film zeigt prächtige Bewegtbilder dieses einzigartigen Stücks Wildnis und lädt Besucher dazu ein, die unerwartete Natur in diesem „neuen Land“ zu entdecken.

Rennende Wildpferde_Quelle EMS Films

Rennende Wildpferde_Quelle EMS Films

Portugal: Ab sofort gehört der „Cante Alentejano“ zum Weltkulturerbe der UNESCO

Cante Alentejano

Cante Alentejano

Es geht um die Arbeit auf den Feldern, um Liebe, um Einsamkeit, um Traurigkeit. Zugleich aber geht es auch um das gemeinsame Singen. Denn in den meisten Dörfern des Alentejo gibt es bis heute einen der Männerchöre, die den traditionellen Cante pflegen – polyphon und ohne Instrumentalbegleitung vorgetragen.
Am 27. November 2014 nahm die UNESCO, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, den Cante Alentejano in ihre Liste des Immateriellen Weltkulturerbes auf.
Der Cante Alentejano, ein mehrstimmiger Chorgesang, der von Amateuren und fast immer in Tracht vorgetragen wird, unterscheidet sich von anderen Chorgesängen vor allem durch sein langsames Tempo und seinen charakteristischen harmonisch-monotonen Takt. Durch die Kraft seiner Melodien und die ausdrucksstarke Poetik seiner Verse spiegelt er auf ganz besondere Art und Weise die Seele des Alentejo und seiner Menschen wider.
Das wahrscheinlich berühmteste Cante-Lied ist Zeca Afonsos „Grândola, Vila Morena“, das 1974 zur Hymne der portugiesischen Nelkenrevolution wurde.
Die Aufnahme des Cante in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste (seit drei Jahren gehört übrigens auch der portugiesische Fado dazu) löste in Portugal große Begeisterung aus.
Vítor Silva, der Präsident der Tourismusbehörde des Alentejo, meint dazu: „Diese Auszeichnung des Cante stellt nicht nur die internationale Anerkennung der einzigartigen Kultur des Alentejo dar, sondern auch eine Ehrung seiner Menschen.“

 

Niederlande: Van Nelle Fabriek in Rotterdam wird Weltkulturerbe

VanNelle Fabrik Rotterdam_Quelle Rotterdam PartnersDas Komitee des UNESCO-Weltkulturerbes zeichnete im Juni die „Van Nelle Fabriek“ mit dem Status „Weltkulturerbe“ aus. Dies ist eine weltweite Anerkennung des einzigartigen und universellen Wertes der ehemalige Kaffee-, Tee und Tabakfabrik, die zwischen 1925 und 1931 erbaut wurde.

Das Industriegelände der Van Nelle Fabrik – ein Ensemble von miteinander verbundenen Gebäuden – ist eines der Highlights der industriellen Architektur aus dem 20. Jahrhundert. Bereits kurze Zeit nach dem es entworfen und erbaut wurde, beschrieben prominente Architekten die Fabrik als „den schönsten Anblick der modernen Zeit“ (Le Corbusier, 1932) und „ein Gedicht aus Stahl und Glas“ (Robertsen und Yerbury, 1930). Der amtierende Rotterdamer Bürgermeister Ahmed Aboutaleb erklärte, dass „die Van Nelle Fabrik definitiv eines der historischen Symbole ist. Ein Bauwerk einzigartig in seiner Form und Material und aus der sozialen Perspektive seiner Zeit weit voraus.“

VanNelleausderLuft_Quelle Rotterdam Partners

Der Bauherr, Kees van der Leeuw, sowie die Architekten Johannes Brinkmann und Leendert van der Vlugt hatten sich als Ziel gesetzt, die „ideale Fabrik“ zu entwerfen: funktional, gut aussehend und offen. Natürliches Licht wurde verwendet, um ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen, ein Beweis für die Sorge um das körperliche und geistige Wohlbefinden der Mitarbeiter – zu dieser Zeit kein selbstverständliches Merkmal der Industrie.

Die erfolgreiche Sanierung der Fabrik wurde zwischen 1999 und 2006 vorgenommen, unter der Leitung des Bauherrs Volker Wessels. Wessel de Jonge fungierte als koordinierender Architekt. Die UNSECO würdigte die Tatsache, dass die sorgfältige Restaurierung die ursprüngliche Form des Komplexes erhalten hat. Besucher und neue Unternehmen können so nachvollziehen, welchen Reiz die Van Nelle Fabriek ausmacht.

VanNelle Fabrik Innenansicht Quelle Rotterdam Partners

Für die Niederlande ist es nicht die erste Auszeichnung als Weltkulturerbe. Neben den Amsterdamer Grachten, den Mühlen von Kinderdijk, dem Beemster Polder, dem Schokland, dem Wattenmeer, dem Rietveld-Schröder-Haus, dem D.F. Wouda Dampfschöpfwerk und der Stellung von Amsterdam, darf sich nun auch die Van Nelle Fabriek Weltkulturerbe nennen.

Schweden: Das älteste Passagierschiff der Welt fährt auf dem Götakanal

MS Juno Copyright: Strömma AB Seit 140 Jahren – seit 1874 – ist die M/S Juno auf dem schwedischen Götakanal unterwegs. Damit ist sie das älteste Passagierschiff der Welt mit Kabinen an Bord, das noch im Dienst ist. Neben der Juno sind noch zwei weitere unter Denkmalschutz stehende Schiffsveteranen im Einsatz für Kreuzfahrten auf dem Göta Kanal. Die M/S Wilhelm Tham zählt ebenfalls mehr als hundert Jahre. Sie wurde 1912 in Dienst gestellt. Und die jünste der drei Schwestern ist mit 83 Jahren die M/S Diana von 1931. Auch sie ist eine Spezialanfertigung für den Götakanal.
Nicht nur die Schiffe sind kulturhistorische Kleinode. Auch das Fahrwasser, der Göta Kanal selbst ist ein Kulturdenkmal ganz besonderer Dimension. Das 190 Kilometer lange Bauwerk mit seinen historischen Schleusen, mit all den gusseisernen Klapp-, Roll- und Ziehbrücken sowie etlichen Gebäuden entlang des Kanals ist Schwedens größte kulturhistorische Sehenswürdigkeit. Das Leben an Bord und auch die Landgänge sind voller historischer Bezüge und nostalgischer Momente. Darüberhinaus erleben die Gäste die verschiedensten Landschaften: die Schärenküste im Osten, weite Seen im Inland, tiefe Wälder im Nationalpark Tiveden und die fruchtbaren Weiten Götalands. Und zwischendrin immer wieder sommerlich lebhafte Hafenstädtchen.

Australien: Melbourne zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt

Melbourne, Tourism Victoria  Bereits zum vierten Mal in Folge freut sich das australische Melbourne im Bundesstaat Victoria über die begehrte Auszeichnung als lebenswerteste Stadt der Welt. Das EIU Ranking der britischen Zeitung „The Economist“ bewertetet jährlich insgesamt 139 Großstädte weltweit in den Kriterien Stabilität, Gesundheitswesen, Infrastruktur, Bildung, Sport- und Kulturangebot. Auch die weitere Reihenfolge bleibt zum letzten Jahr unverändert. Platz zwei geht an die österreichische Hauptstadt Wien, Platz drei an Vancouver in Kanada.
Begründet wird die Entscheidung vor allem mit dem kontinuierlichen Investment in Melbournes Infrastruktur. So ist es die einzige Stadt der Welt, in der die Straßenbahn das meistbenutzte Verkehrsmittel ist. Investitionen von mehr als 14,9 Milliarden australischen Dollar (circa 10,4 Milliarden Euro) ins Gesundheitssystem und 9,2 Milliarden australischer Dollar ( ca. 6,4 Milliarden Euro) in den Bildungssektor sicherte Melbourne die volle Punktzahl in diesen Kriterien. Melbourne ist bekannt für seine lebendige Kultur- und Restaurantszene, trendigen Szenenbars und Galerien sowie einen konträren Architekturmix aus viktorianischen und modernen Gebäuden. Die Stadt ist Austragungsort weltbekannter Sportevents wie den Australian Formel 1 Grand Prix, die Australian Open sowie das Pferderennen Melbourne Cup. Nur wenige Kilometer entfernt liegen beliebte Naherholungsgebiete und Ausflugsziele wie Phillip Island, die Mornington Peninsula, das Weinanbaugebiet Yarra Valley und die Great Ocean Road mit der Felsenformation 12 Apostel.
Der Bundesstaat Victoria mit seiner trendigen Hauptstadt Melbourne zeigt Australiens große Vielfalt auf kleiner Fläche: lange Sandstrände und Steilküsten mit Felsformationen wie den Zwölf Aposteln, fruchtbare Weinregionen und alpines Hochland sowie das einsame Outback. In Victoria liegt rund ein Drittel aller Nationalparks des fünften Kontinents. Melbourne ist mit 3,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Australiens und ein Schmelztiegel. Hippe Bars, Restaurants und Boutiquen, moderne Galerien und weitläufige Parks bieten Kulisse für Sport-, Mode- und Kulturveranstaltungen von Weltformat.