Dänemark: Mehr als Strand und Meer

8-078=DK-0139Die Küste Westjütlands begeistert Strandliebhaber und Aktivurlauber gleichermaßen.

Lothar Ebeling steht der Schweiß ebenso auf der Stirn wie seinen Zuschauern. Angelockt durch den intensiven Fruchtgeruch, der aus seinem Laden dringt, schauen alle gebannt zu, wie seine echten dänischen Bolcher entstehen. Wenn der Kessel mit dem Zucker brodelt, gießt er die klebrige Masse auf ein großes Blech und mischt sie mit Farbe und Aroma. In eine Ecke kippt er etwas Blau, in die andere Rot und Gelb und mischt alles durch. Aus der noch warmen Masse formen Walzen einen fingerdicken Strang, der anschließend in Bonbongröße zerteilt wird. Das Geschmackserlebnis der noch warmen Bonbons ist unglaublich intensiv und fruchtig. Ein Jammer, dass sie nach dem Abkühlen nur noch halb so gut schmecken. Die meisten Sommerurlauber kommen natürlich wegen der Strände nach Westjütland, die der Region den Titel Badewanne der Nation eingebracht haben. Doch die Nordseeküste hat nicht nur kilometerlange Strände für Sonnenhungrige zu bieten, auch sonst ist für Abwechslung gesorgt. Die Bolcheri von Lothar Ebeling in dem kleinen Ferienort Vejers Strand ist für die Süßigkeiten liebenden Dänen natürlich ein Highlight, aber auch für jede Art von Aktivurlaub ist Westjütland ideal.

Von Rømø bis Kap Grenen

Die Auswahl an Stränden ist so groß, dass wohl jeder hier seinen ganz persönlichen Traumstrand findet. Der südliche Teil der dänischen Westküste, gleich hinter der deutschen Grenze, ist noch geprägt von Wattenmeer und Marschland. Hier sind Sandstrände eher selten, mit Ausnahme der vorgelagerten Inseln Rømø und Fanø, die jeden Strandliebhaber in Begeisterung versetzen. Kilometerlang, mehrere hundert Meter breit, feindandig und nie überfüllt, den beiden Inseln kann man bedenkenlos das Gütesiegel Traumstrand verleihen. Von Esbjerg bis zum Kap Grenen, an der äußersten Nordspitze Dänemarks, begeistert dann auch die Nordseeküste mit fast lückenlosen Sandstränden. Meistens schließen sich noch weitläufige Dünengürtel an, die zu den schönsten und urwüchsigsten Naturlandschaften des Landes zählen. In dieser weitläufigen Dünenlandschaft liegen häufig die schönsten Ferienhäuser versteckt. Auch die Klitplantagen, in jahrzehntelanger, mühsamer Arbeit aufgeforstete Grüngürtel, die das Land vor dem ständig wehenden Westwind schützen sollen, bilden schöne Naturoasen.

Kein Ferienhaus gleicht dem anderen

Abends wartet dann ein gemütliches Ferienhaus, das sich in eine Dünenmulde kauert und von dem nur das reetgedeckte Dach zu sehen ist. Selbst wer in einer der vielen Ferienhaussiedlungen entlang der Küste wohnt, bekommt nie das Gefühl der Enge, denn der eigene Garten gehört für die Dänen einfach zum Ferienhausurlaub dazu. Da auch im Sommer der Wind an der Nordseeküste häufig etwas kräftiger bläst, finden Windsurfer hier ein ideales Revier. Hvide Sande, auf dem schmalen Streifen Land zwischen Nordsee und Ringkøbing Fjord, hat sich wegen seiner idealen Lage zu einem Mekka der Windsurfer entwickelt. Hier finden alle auf engstem Raum das ideale Revier. High-Speed-Surfer bevorzugen das offene Meer, während Anfänger lieber auf dem zahmeren Ringkøbing Fjord ihre ersten Stehversuche machen.

Leckerer Fisch und bunte Drachen

Hvide Sande ist aber auch ein Eldorado für Berufsfischer, Sport- und Freizeitangler. Eine salzige Briese von der Nordsee, der Geruch von frischem Fisch und ein Spritzer Hafenstimmung, das ist die Atmosphäre der Fischerstadt Hvide Sande. Angeln kann man hier direkt vom Strand aus, von den Molen oder von einem der Fischkutter, die jeden Tag Touristen mit aufs offene Meer nehmen. Frühaufsteher können sich direkt bei den einlaufenden Kuttern mit frischem Fisch versorgen oder sich eine der Fischauktionen anschauen. Wer nicht selber kochen möchte, findet im Gourmetrestaurant Slusen der Familie Simmelkjaer erstklassige Fischgerichte, die von der französischen Küche inspiriert sind.

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Eine Spezialität von Hanne Simmelkjaer ist die gefüllte Seezunge, die nirgends frischer und besser schmeckt. Überall bieten sich Möglichkeiten für einen aktiven Urlaub, man kann stundenlang am Wasser entlang joggen oder mit dem Fahrrad auf kleinen Wegen die Küste erkunden. Auch die gut 100 Kilometer lange Runde um den Ringköbing Fjord bietet viel Abwechslung, schöne alte Häuser in Ringköbing, das Naturschutzgebiet Tipperne, den kleinen Fluss Stjern Å und natürlich immer wieder die Aussicht Fjord, Meer und Dünen. Speedfreaks finden vielleicht eher Gefallen an den Strandseglern oder Kitebuggys, die mit atemberaubender Geschwindigkeit über Rømøs Strände sausen. Freuen sich die Radfahrer meist nicht über den Wind, kann er für die Lenkdrachenbesitzer gar nicht stark genug blasen.

Profis und Enthusiasten treffen sich zum größten Drachenfestival Europas auf der Insel Fanø. Bei dieser Traditionsveranstaltung lassen jedes Jahr bis zu 5000 Teilnehmer am endlos weiten Strand der Insel ihre Fantasiegebilde steigen. Wenn neben einer kräftigen Brise noch der Himmel tiefblau ist, kommen auch die Zuschauer bei dem Spektakel auf ihre Kosten. Wer den Termin im Juni auf Fanø verpasst hat, kann am ersten Septemberwochenende der Insel Rømø einen Besuch abstatten, denn auch beim dortigen Drachenfestival sieht man viele imponierende und unglaublich phantasievolle Drachen am Himmel.

Christian Nowak

Indonesien: Bali – Die Menschen vom schwarzen Strand

Auf halbem Weg zwischen Denpasar und dem Fährhafen Padangbai liegt das unscheinbare Fischerdorf Kusamba. Kaum einer der Touristenbusse hält hier. Doch nur wenige Kilometer hinter diesem Dorf stehen die Busse dicht an dicht. Straßenhändler umringen die Ankömmlinge und bieten ihre Waren an. Festlich gekleidete Balinesen kommen und gehen, der Klang eines Gamelan Orchesters schwingt in der Luft. Die meisten Balibesucher kommen in diese Ecke der Insel, um die Goa Lawah, die Fledermaushöhle, zu besuchen. Im Eingangsbereich der Höhle tummeln sich tausende, lärmende Langzungen-Flughunde. Dicht an dicht hängen die Fledermäuse an der Decke. Schreine säumen den Eingang der Höhle, von der die Legende sagt, dass in ihr die Weltschlange Naga Basuki gelebt habe. Täglich finden farbenprächtige Zeremonien im Tempel vor der Höhle und am nahen Strand statt.

Einige Gehminuten entfernt hat der Trubel schlagartig ein Ende. Bunt bemalte Auslegerboote liegen auf dem schwarzen, vulkanischen Strand. Ihr Bug ist in einen langen, schnabeltragenden Kopf verlängert. Aufgemalte Augen sollen helfen, während der nächtlichen Fahrten über das Meer jederzeit den Weg zurück zu finden. Zwischen den Booten stehen die windschiefen Hütten der Salzproduzenten.

Mit dem Rücken zum Meer stehend wartet Nyoman Sujana geduldig ab, bis die nächste große Welle weiß schäumend auf den Strand läuft. Links und rechts seiner Hüften hängen aus den Blättern des Phinang-Baumes gefertigte Behälter, die er geschickt in das zurückfließende Wasser taucht. Im Bruchteil einer Sekunde haben sich die archaischen Gefäße gefüllt und Nyoman schleppt das kostbare Nass den schwarzen Strand hinauf. Nyoman lebt vom Salz. Wie auch andere Familien am Strand von Kusamba praktiziert er noch heute, in Zeiten von Handy und PC, eine alte balinesische Methode der Salzgewinnung.

Es ist sechs Uhr am Morgen, die Sonne hat sich soeben glühendrot aus dem Meer erhoben, weit draußen tummeln sich auf dem glitzernden Wasser hunderte Auslegerboote. Oben auf dem Strand, unerreichbar für die Wellen, haben Nyoman und seine Familie ein quadratisches Areal gesäubert. Mit schlenkernden Bewegungen verteilt er das Wasser auf dem plan geharkten schwarzen Sand. Systematisch tränkt er den Sand mit dem Meerwasser. Immer wieder muss er hinunter um die Körbe aufzufüllen. Nachdem er diese morgendliche Arbeit erledigt hat, lächelt er zufrieden und meint: „Nun übernimmt die Sonne die Arbeit.“ Mata hari, das Auge des Tages, so die malerische Bezeichnung der Sonne im Indonesischen, wird das Wasser verdunsten lassen, so dass nur die Salzkristalle im Sand verbleiben. Der Strand von Kusamba ist besonders gut für die Salzgewinnung geeignet, erklärt Nyoman. Sein schwarzer Sand ist äußerst feinkörnig und kann so das Wasser hervorragend halten.

In einer mit Stroh gedeckten Hütte schaufelt Nyoman am Mittag den unter der sengenden Hitze getrockneten Sand in einen Bambusfilter und spült ihn anschließend solange mit Meerwasser, bis eine hoch konzentrierte Salzlösung entsteht. Im dritten und letzten Arbeitsgang übernimmt nochmals die Sonne die Arbeit. In halbierten, ausgehöhlten Stämmen der Kokospalmen verdunstet das Wasser der Salzlösung. Zurück bleibt schneeweißes Meersalz, Salz das Nyoman auf dem Wochenmarkt von Klungkung verkaufen wird.

Bernd Leideritz