Deutschland: Sommerferien für Familien barrierefrei

Stadthafen Senftenberg

Die Barrierefreien Reiseziele in Deutschland präsentieren ihre Sommerurlaubsideen für Familien mit behinderten und nichtbehinderten Kindern – und Erwachsenen.

Wohin in den Sommerferien? Jährlich stehen Familien erneut vor dieser kniffligen Frage. Es ist selten leicht, die Vorstellungen von Eltern und Kindern für die schönsten Wochen des Jahres unter einen Hut zu bringen und zugleich für Abwechslung zu sorgen. Schon gar nicht, wenn dabei auch die Ansprüche von Familienmitgliedern mit Mobilitäts-, Sinnes- oder geistigen Einschränkungen zu beachten sind. Die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland hilft hier weiter.

Ostfriesland: Inselvergnügen im Moin-Land

In Ostfriesland etwa garantiert ein Inselausflug nach Langeoog unbeschwertes Strand- und Freizeitvergnügen. Kostenfrei können Strandrollstühle mit Ballonreifen ausgeliehen werden. Sie eignen sich für Streifzüge nahe der Wasserkante und mit speziellen Liege-Schwimm-Rollstühlen geht es sogar ins kühle Nass hinein. Das Kinderspielhaus Spöölstuuv bietet zudem Kinderbetreuung, Kreativ- und Bastelkurse und in den Sommerferien ein spannendes Piratenfest. Darüber hinaus sind in der Nordseeregion, in der man sich morgens und abends mit „Moin“ begrüßt, viele Freizeiteinrichtungen stufenlos erreichbar und haben auf Barrierefreiheit umgerüstet. Eine Seehundstation zum Beispiel, in der Kinder beobachten können, wie verwaiste Seehunde versorgt und wieder ausgewildert werden.

Ruppiner Seenland: Reiten mit Handicap

Im Ruppiner Seenland nördlich von Berlin lässt sich die Natur aktiv auf dem Rücken der Pferde erkunden. Reiterhöfe bieten therapeutisches Reiten und Reiten mit Handicap an. Auf Hof Grüneberg geht es mithilfe ausgebildeter Trainer vom Rollstuhl direkt in den Sattel. Ausritte finden meist in Gruppen statt und die Pferde werden in der Regel geführt. Auch viele weitere Reiterhöfe heißen Gäste mit Mobilitäts-, Lern- und Sinneseinschränkungen sowie mit geistiger Behinderung willkommen. Zudem lassen Kutsch- und Kremserfahrten in Rheinsberg und ein Wildpferdegehege in Liebenthal die Herzen von Pferdefans höher schlagen.

Sächsische Schweiz: Mit dem Handbike durch die Felsenwelt

Auch die Sächsischen Schweiz unweit von Dresden bietet spannende Reiterlebnisse. Der Anders-Hof in Ehrenberg ist zwar nur bedingt für Rollstuhlfahrer geeignet, hat sich jedoch auf blinde sowie lern- und geistig behinderte Besucher spezialisiert. Ausgebildete Heilerzieher und Reitpädagogen betreuen die Kinder und Jugendlichen. Übernachtet wird in der Heuscheune, in einer Jurte, im Zigeunerwagen oder in der Ferienwohnung. Ausflüge lassen sich in der Nationalparkregion aktiv gestalten. Hör-, lern- und geistig behinderte Kinder können sich einmal im Felsklettern probieren. Handbike-Touren durch die bizarre Felsenwelt sowie Schlauchboottouren auf der Elbe sind auch für mobilitätseingeschränkte Kinder Riesenspaß.

Fränkisches Seenland: Wassererlebnisse im Rollstuhl
Das Fränkische Seenland südwestlich von Nürnberg ist ein Paradies für Wasserratten. Die sieben großen Badeseen Altmühlsee, Großer und Kleiner Brombachsee, Igelsbachsee, Rothsee, Hahnenkammsee und Dennerloher See bieten mit ihren Sandstränden, ebenen Uferwegen und Rollstuhlbaderampen am Kleinen Brombachsee und Rothsee Wasservergnügen für alle. Strandrollstühle mit breiten Reifen können kostenfrei am Altmühlsee, Großen und Kleinen Brombachsee sowie am Rothsee geliehen werden. Sie lassen sich am Sandstrand leichter fortbewegen und man kann mit ihnen über den Strand ins Wasser gelangen. Auf dem Altmühlsee und Großen Brombachsee sind zudem Schiffsrundfahrten möglich. Die Schiffe haben einen stufenlosen Einstieg.

Lausitzer Seenland: Auf Rädern durch neue Landschaften

Im Lausitzer Seenland geht es auf Exkursion in ein sich wandelndes Tagebaugebiet. Aus der einstigen Mondlandschaft ist ein reizvolles Seenland entstanden. Es ist die größte von Menschenhand erschaffene Wasserlandschaft ganz Europas. Aktiv geht es mit Rollfiets oder Handbike auf gut ausgebauten und asphaltierten Wegen vorwärts. Örtliche Anbieter begleiten Blinde und Sehbehinderte auf dem Tandem durch die Natur. Für Abenteuerlustige geht es auf Quads oder im Jeep durch stillgelegte Bergbaufolgelandschaften. Und reichlich Wasserspaß bieten Bootstouren auf dem Senftenberger See. Die Angebotsbreite aus Kajak, Canadier, Ruder-, Tret-, Motor- und Segelboot schafft Abwechslung und Spaß für die ganze Familie.

Erfurt: Freiluftspektakel bei den DomStufen-Festspielen

Dass auch ein Ausflug in städtische Gefilde Kinderaugen zum Strahlen bringt, zeigt sich in Erfurt. Die DomStufen-Festspiele präsentieren in diesem Jahr die Kinderoper „Die Omama im Apfelbaum“ sowie für Jugendliche und Erwachsene die Rockoper „Jedermann“. 70 Domstufen und eine 700 Jahre alte Kulisse aus Mariendom und St. Severikirche bilden die wohl schönste Open-Air-Bühne Thüringens. Hier spielen sich die Inszenierungen im Juli ab. Das Festspielgelände besitzt barrierefreie Zugänge und auch ausreichend Rollstuhlplätze.

Deutschland: Aktivurlaub mit Handicap

Aktivurlaub

Die Barrierefreien Reiseziele in Deutschland präsentieren ihre Angebote für Aktivurlauber und sportbegeisterte Reisende mit Behinderung.

Wer seinen Urlaub aktiv verbringt, hat nicht nur reichlich Abwechslung und Spaß, sondern weckt auch innere Kräfte und findet seinen ganz persönlichen Zugang zur Natur. Das gilt selbstverständlich auch für Menschen mit Mobilitäts-, geistigen oder sensorischen Einschränkungen. Radfahren, Wandern und Klettern sind wunderbare Betätigungsfelder für alle. Spezielle Angebote sind jedoch noch rar. Einen wichtigen Ausgangspunkt für die Recherche bietet die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland. Acht verschiedene Regionen, die zu den Vorreitern auf dem Gebiet des barrierefreien Reisens gehören, geben Anregungen für erfüllte Urlaubstage – für Behinderte und Nichtbehinderte gleichermaßen.

Lausitzer Seenland: Auf dem Tandem durch neue Natur
Das Lausitzer Seenland bietet sportliche Erholung auf und am Wasser. Mit mehr als zwanzig Seen ist das sich wandelnde Tagebaugebiet die größte von Menschenhand erschaffene Wasserlandschaft Europas. Man erlebt sie am besten vom Kajak, Ruder-, Tret-, Motor- oder Segelboot aus. Entlang der Ufer geht es mit Handbikes und Rollfiets, einer Kombination aus Rollstuhl und Fahrrad, aktiv voran. Blinde und sehbehinderte Radler begleiten Aktivanbieter auf dem Tandem durch die Natur. Mit vier Rädern und hoher Beschleunigung lassen sich auch Quads durch mondähnliche Tagebauflächen steuern. Gästen mit Handicap stehen diese Fahrzeuge mit Halbautomatik zur Verfügung.

Sächsische Schweiz: Klettern am Sandstein
Der Nationalpark Sächsische Schweiz im Elbsandsteingebirge beweist, dass sich Berge und Barrierefreiheit keinesfalls ausschließen. Hier, wo skurrile Sandsteinformen, verwunschene Schluchten und luftige Höhen Aktivurlauber anziehen, geht es mit dem Rollstuhl, Hand- oder E-Bike auf gut ausgebauten Wegen durch die Felsenwelt. Für hör-, lern- und geistig behinderte Besucher werden spezielle Kletterkurse angeboten. Die konzentrierte Bewegung in der Vertikalen, das Ertasten des Sandsteins auf der Suche nach Haltepunkten und die Beherrschung des Körpers beim Ausbalancieren des Gleichgewichts schaffen ganz neue aktive Naturerlebnisse.

Ostfriesland: Auf Ballonreifen das Wattenmeer erkunden
Wer Urlaub in Ostfriesland macht, kommt am Watt nicht vorbei. Auch Rollstuhlfahrer brauchen auf den Hautkontakt mit dem faszinierenden Lebensraum nicht zu verzichten. Viele Orte halten für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen Wattmobile für Touren durch das UNESCO-Weltnaturerbe bereit. Die extrabreiten Reifen der Fahrzeuge verhindern das Einsinken in den weichen Schlickboden. Die Sitzfläche befindet sich knapp über der Erde. So kommt der Wattboden tatsächlich zum Greifen nah. Ein Paradies ist die Region auch für Radfahrer. Die Wege weisen kaum Steigungen auf, führen mal direkt an der Küste entlang und mal durch das Binnenland. Highlights sind die vier Ostfrieslandtouren, die thematisch über die gesamte Ostfriesische Halbinsel führen.

Eifel: Wildes Naturerlebnis im Nationalpark
Vor zehn Jahren wurde ein Teil der Eifel zum Nationalpark deklariert. Die Nationalparkverwaltung bringt seitdem nicht nur Tourismus und Naturschutz in der Region in Einklang, sie macht sich auch für die Zugänglichkeit der Landschaft stark. Ein Paradebeispiel ist der barrierefreie Naturerlebnisraum „Wilder Kermeter“ mit durchgehendem Blindenleitsystem, unterfahrbaren Informationstafeln, Führungen in Gebärdensprache und einem barrierefrei ausgebauten Wegenetz, das auch mit dem Handbike erfahren werden kann. Pünktlich zum Jubiläum des Nationalparks wird ergänzend ein neuer Erlebnispfad eröffnet. Der „Wilde Weg“ führt entlang von Forschungs-, Interaktiv- und Ruhe-Stationen mobilitätseingeschränkte, blinde, gehörlose und nichtbehinderte Besucher auf 1,5 Kilometern durch die geschützte Natur.

Deutschland: Infos zu barrierefreiem Urlaub in Ostfriesland

Katalogtitel Ostfriesland barrierefrei

Der Katalog „Ostfriesland – Natürlich barrierefrei“ liefert auf 48 Seiten Informationen und Tipps für einen barrierefreien Urlaub in der Region. Nicht nur Rollstuhlfahrer, blinde und hörgeschädigte Gäste erhalten hilfreiche Tipps für Ihren Urlaub, auch ältere Personen und Familien mit Kindern bekommen im Katalog praktische Informationen an die Hand. „Schon von Natur aus hat Ostfriesland  als das „Land der Weite“, so Imke Wemken, Geschäftsführerin der Ostfriesland Tourismus GmbH.
Anhand der Kapitel Natur, Kultur, Sport und Wellness werden Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten, die für Alle erlebbar sind, mit den entsprechenden Informationen zur Barrierefreiheit präsentiert. Darüber hinaus gibt es zahlreiche praktische Tipps zu allen Stationen der Reiseplanung: von An- und Abreise, über barrierefreie Informationsmöglichkeiten, bis hin zu Ansprechpartnern vor Ort.

Ostfriesland Tourismus GmbH/Dr.Peter Müller