Spanien/Mallorca: Zeit für Palmas stille Seiten

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Wer bislang nur Mallorca im Sommer kennt, sollte auch mal in der Nebensaison hier landen, um ganz neue Seiten der Baleareninsel zu entdecken.
Ein typisch mallorquinischer Tag zu kühleren Jahreszeiten kann so aussehen: Man sitzt in einem der hübschen Cafés auf der Plaza Major und liest in aller Ruhe Zeitung. Bei Sonnenschein, strahlend blauem Himmel und milden 15 Grad. Gerade eben wird der „Cortado“ – ein Milchkaffee im Glas – serviert. Später bricht man zum Stadtbummel auf, schlendert durch schmale Gassen, überquert kleine Plätze und steuert früher oder später die Avinguda Rey Jaume III an, die Top-Einkaufsmeile der Stadt.

K1024_Palza Palma 6Hier locken die Auslagen von Nobelboutiquen und Juweliergeschäften. Auffällig ist die große Zahl der Schuhläden. In den Vitrinen ziehen edle Stiefel, ausgefallene Pumps und klassische Herrenschuhe alle Blicke auf sich. Kein Wunder, Mallorca ist seit Jahrhunderten die Insel der Lederspezialisten. Die Schuhdesigner der Insel bereichern die internationale Schuhmode immer wieder mit einem „letzten Schrei“. So schneiden die mallorquinischen Schuhmacher seit vielen Jahrzehnten alte Autoreifen als Material für die Gummiprofile der „Mallorcasandalen“ zurecht. Irgendwann haben Fashionscouts das Schuhwerk mit den dicken Gummisohlen entdeckt – und plötzlich liefen Modefreaks in Mailand, Paris und New York damit herum.

K1024_Paprikakiosk 6Pause in einer der vielen Tapasbars: Viel besser als überteuerte Touristenmenüs sind die herzhaften Kleinigkeiten, etwa Queso: Manchego, Mahón und Piris gehören zu Spaniens Käseköstlichkeiten. Dazu schwarze Oliven, frisches Brot und ein paar Scheiben Jamón, luftgetrockneter Schinken. Wenn ein Kaffee genügt, bietet sich ein Abstecher zum Passeig Maritimo an – Palmas Promenade mit einem tollen Blick über den imposanten Jachthafen.
Es regnet- na und?
An kühlen Regentagen lenken die Wellnessangebote der Hotels ab. 5-Sterne Häuser mit umfangreichen Programmen gibt es auf der Baleareninsel in großer Zahl. Gerade mal neun Kilometer von Palma entfernt liegt das „Mardavall Hotel & Spa“, das in puncto Wellness zu den führenden Häusern der Insel gehört. Der Spa-Bereich erstreckt sich über sagenhafte 4700 Quadratmeter, die Palette der Anwendungen reicht von Thalasso bis zur Traditionellen Chinesischen Medizin.

Aber auch Urlauber, die in schlichteren Pensionen oder Hotels Quartier bezogen haben, können sich in der Inselhauptstadt von Kopf bis Fuß verwöhnen lassen. Palmas neues Day Spa lockt mit einem umfangreichen Wohlfühl-Angebot: Sauna, Solarium und Pool, Hot-Stone- und Hydromassagen und sogar ein Türkisches Bad sorgen
Kulturprogramm
Palmas Museen sind es ebenfalls wert, dass man ihnen den einen oder anderen Urlaubstag widmet. Das Museu de Mallorca zum Beispiel, wo Interessantes über die jahrtausendealte Zivilisationsgeschichte der Insel zu erfahren ist. Oder die Fundación Juan March. Das Haus präsentiert zeitgenössische spanische Kunst und die Werke der ganz Großen: Picasso und Miró. Palmas Kathedrale La Seu hat es ebenfalls verdient, dass sich Inselbesucher reichlich Zeit für sie nehmen.

K1024_Kathedrale Mallorca 6Der spanische König Jaume I. ließ das mächtige Gotteshaus zu Beginn des 13. Jahrhunderts errichten, nachdem ein Bündnis christlicher Könige die islamischen Maurenherrscher aus diesem Teil Spaniens vertrieben hatte. Große Baumeister haben im Laufe der Jahrhunderte ihre Spuren in La Seu hinterlassen. Portale, Altar und Taufkapelle im Stil ihrer Zeit gestaltet. Die Restaurierungsarbeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden von Spaniens großem Architekten Antoni Gaudì geleitet. Die baulichen Veränderungen im Innenraum waren einschneidend und verblüffend modern. Der damalige Bischof von Palma muss – zumindest in ästhetischen Fragen – ein Avantgardist gewesen sein.

An hohen Festtagen können Palmas Gottesdienstbesucher mit illustren Gästen rechnen. Die königliche Familie kommt öfter mal auf die Baleareninsel und besucht dann selbstverständlich die Messe in La Seu.

Text: Susanne Kilimann
Fotos: Rasso Knoller

Spanien: Mallorca zur Blütezeit

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Nein, mit Blütezeit ist ausnahmsweise nicht die Mandelblüte im Zeitraum Ende Januar bis Mitte März gemeint, sondern die Zeit der Wildblumen.

Dass Mallorca mehr zu bieten hat, als nur Ballermann und Party, hat sich längst herumgesprochen. Viele Urlauber zieht es in den Westen, um dort in der Serra de Tramuntana die großartige Landschaft vom Auto, mit dem Fahrrad oder auch auf einer Wanderung zu genießen.

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Wer es auf seinen Wanderungen etwas weniger anstrengend mag, für den bietet sich der Norden der Insel an. Ende April oder Anfang Mai, wenn es ab und zu noch einen leichten Schauer gibt und die große Sommerhitze noch nicht eingesetzt hat, kann man dort die Insel auf schönen Spaziergängen erkunden und wird am Wegesrand ein Meer an Blüten vorfinden.

Wer sich zum Beispiel für Orchideen interessiert, der sollte einen Spaziergang durch den Parc Natural S’Albufera machen. Das 800 Hektar große, sehr flache Areal in der Nähe von Alcudia lässt sich gut zu Fuß oder noch besser mit dem Fahrrad erkunden. Die wasserreiche, teils sumpfige Landschaft zieht jede Menge Vögel an, aber auch viele Pflanzen gedeihen hier prächtig.

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Wer nicht nur Blumen, sondern auch eine großartige Kulisse während des Spazierganges erleben möchte, für den ist das Vall de Boquer empfehlenswert. Das Tal steht unter Naturschutz und ist bei Vogelfreunden sehr bekannt. Wenn man früh unterwegs ist, kann man mit etwas Glück Fischadler und Bienenfresser beobachten. Der Weg führt bis zur Cala Boquer, deren klares, blaues Wasser man schon von weitem sieht. Rechts und links am Weg blühen Ginster und andere Wildblumen, so dass man ab und zu einfach stehen bleiben sollte, um die Landschaft in all ihrer Schönheit zu bewundern und den Duft der wilden Blumen und Kräuter aufzunehmen.

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Sie wollen auf Ihrem Spaziergang lieber am Wasser laufen? Machen Sie einen Spaziergang an der Küste bei Ca’n Picafort in Richtung Son Serra de Marina. Der Spazierweg führt an der Küstenlinie entlang und bietet immer wieder neue interessante Aussichten. So werden Sie nach kurzer Zeit auf ein uraltes Gräberfeld stoßen (Necropolis Son Real). Ein paar Buchten weiter findet man dann eines der Wahrzeichen der Region: Die Obelisken. Aber egal, wo Sie sich gerade befinden, nehmen Sie sich die Zeit und betrachten Sie die vielen verschiedenen Blumen, die sich fast den ganzen Weg entlang ziehen.

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Noch etwas ruhiger und abgelegener ist ein Spaziergang von Colonia de Sant Pere zur Bucht El Calo. Hier trifft man nur wenige Menschen und kann Ruhe und Einsamkeit genießen. Die Küste ist zerklüftet, aber immer wieder laden kleine, sandige Buchten zu einer Rast ein. Die Landschaft ist geprägt von Ginsterbüschen, und der Weg ist von kleinen Wildblumen und Orchideen gesäumt.

Angelika Stern