Italien: Bergsteigerlegende Reinhold Messner wird 70

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Reinhold Messner (geb. 17.9.1944)

Der Elan des ehemaligen Extrembergsteigers ist immer noch ungebrochen. Reinhold Messner sprüht immer noch vor Ideen. Die letzten Jahre hat er damit verbracht, in seiner Heimat Südtirol außergewöhnliche Museen zu eröffnen. Andere wären mit einem Museum zufrieden gewesen, er wollte gleich fünf und hat sie mit der ihm eigenen Beharrlichkeit gegen teils erhebliche Widerstände durchgesetzt. „Hier kann ich nicht umkommen, sondern nur pleite gehen“, sagt er über die Messner Mountain Museen. Voller Elan arbeitet er Termine ab, gibt pausenlos Interviews, erklärt seine Sicht der Welt, die für ihn zum Großteil immer noch aus hohen Bergen besteht. Aber auch damit ist sein Lebenswerk noch lange nicht vollendet, denn bald kommt noch ein neues Museum dazu – das letzte, wie er versichert.

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Unterwegs mit Reinhold Messner zu seinen Museen

Wolkenfetzen wabern aus dem Tal hinauf und geben das gewaltige Panorama der Dolomitengipfel nur für wenige Augenblicke preis. Donnergrollen bricht sich immer wieder an den Felswänden von Monte Pelmo, Marmolada, Monte Civetta und Tofana di Rozes, die uns wie ein Amphitheater umgeben. Wir sind auf dem 2181 m hohen Monte Rite, stehen auf dem Dach der ehemaligen Festung aus dem Ersten Weltkrieg und lassen und von Reinhold Messner erklären, wie sein Museum in den Wolken entstanden ist. Aus der Not heraus. Denn in seiner Heimatprovinz Südtirol wollten sie ihm nicht Schloss Sigmundskron überlassen, waren von seiner – im Nachhinein genialen – Idee der Messner Mountain Museen so gar nicht begeistert. In der Provinz Belluno, zu der der Monte Rite gehört, wurden ihm dagegen alle Türen geöffnet. Daraufhin hat er die historische Bausubstanz der Festung, die sich nach Kriegsende hartnäckig jeder Zerstörung widersetzte, restaurieren lassen und sie mit drei unregelmäßigen Glaskuben, die Dolomitkristalle symbolisieren sollen, gekrönt.

Auf dem Monte Rite

Wir sind aus einem ganz besonderen Anlass hier, denn Reinhold Messner, der wie immer einen tibetischen Dzi-Stein, den Glücksbringer der Buddhisten, um den Hals IMG_1618trägt, gibt sich die Ehre und zeigt seine Museen. Eloquent, detailreich, aber immer ein wenig distanziert erklärt der Medienprofi, wie er das Innere der ehemaligen Festung, das aus einem fast 90 m langen, schmalen Korridor, von dem 15 kleine Räume abgehen, gestaltet hat. Jeden Raum hat er in eine kleine Galerie mit chronologisch angeordneten Dolomitenbildern von der Romantik bis zur Gegenwart verwandelt. Den restlichen Platz ist mit Ausstellungsstücken gefüllt, die die Entwicklung des Felskletterns schildern. Er erklärt aber auch, warum aus dem einstigen Glücksfall Monte Rite ein Problemfall geworden ist: Wegen der schmalen Zufahrtstraße und der Höhenlage kann das Museum nur vier Monate im Jahr besucht werden, viel schlimmer ist jedoch die Feuchtigkeit in dem alten Gemäuer, auf Dauer zerstört sie die Bilder.

Man kann sich ihm nicht entziehen, denn er schafft es wie kein anderer, das Thema Berge zu verdichten und zu überhöhen. Fast ein ganzes Leben betreibt er Selbstdarstellung und die so überzeugend, dass bis jetzt rund fünf Millionen seiner Bücher verkauft wurden und wer bei Google seinen Namen eingibt, bekommt über eine Million Treffer. Kann man ihm wirklich glauben, wenn er behauptet: „Die Museen sind nicht über mich, das wäre mir peinlich.“ Selbst nach langen Gesprächen im Verlauf mehrerer Tage zeigt er fast ausschließlich den öffentlichen Messner, an den privaten Messner ist nur ganz schwer heranzukommen.

Auch wenn er ein Museum über sich als peinlich bezeichnet, findet man doch in allen Ausstellungen einige wenige persönliche Dinge, oft sind sie aber nicht auf den ersten Blick zu sehen. Im Fort auf dem Monte Rite gibt es ein Portrait von ihm, gezeichnet von Walter Angerer IMG_1977und über die Dolomiten schreibt er: „Schon im Kindesalter war ich überrascht und erstaunt über so viel Vielfalt. Eindrücke, die nie mehr übertroffen wurden, meine Heimkehr ist also auch eine Liebeserklärung an die Dolomiten.“ Und auch diese Huldigung in der alten Festung stammt von ihm: „Der Name meiner Mutter ist Troi und Troi bedeutet Weg; ihr Vater ist als Kind über diese Berge gegangen, barfuss, um Arbeit zu suchen. Über die Berge hat mich mein Weg in die Dolomiten zurückgeführt.“ Im Museum Ortles, das dem Thema Eis gewidmet ist, kann man den dick vermummten Messner sehen, wie er seinen schwer bepackten Schlitten in Richtung Südpol zieht. Und auch in den alten Mauern von Schloss Sigmundskron ist – wenn auch nicht an prominenter Stelle – eine Messner Reliquie ausgestellt: der Daunenanzug, der ihn auf dem Everest warm gehalten hat.

Schloss Juval

IMG_1586Im Sommer lebt Reinhold Messner mit seiner Familie auf Schloss Juval hoch über dem Tal der Etsch. Dann ist das Museum geschlossen und der Schlossherr kann in Ruhe den Blick über Berge, Wiesen und Wälder genießen. Den Rest des Jahres lässt er Besucher in seine Burg und gibt ihnen einen kleinen Einblick in sein privates Leben. Im Expeditionskeller häufen sich die Ausrüstungsgegenstände zahlreicher Expeditionen, gleich nebenan, akkurat in Regalen aufgereiht und beschriftet, stehen dutzende Gläser mit selbstgekochter Marmelade. Ein kleines Aquarell hat er mit einer seiner Weisheiten versehen: „Wir gehen eines Tages kaputt, wenn wir zu faul sind, um zu Fuß zu gehen.“ In der wunderschön mit Holz getäfelten Bibliothek, vollgestopft mit Büchern bis unter die Decke, ist wohl so manches seiner Bücher entstanden. Dass er auch zur Selbstironie fähig ist, zeigt die kleine Installation an der Wand kurz vor dem Ausgang mit dem Titel: Hier habe ich einen kapitalen Bock geschossen. Die Erklärung liefert er gleich mit: Hier ist Reinhold Messner abgestürzt: 1995, nachts, auf dem Heimweg. Fersenbeinbruch! Seit damals ist der Bergsteiger Invalide. Aber nicht untätig.

Christian Nowak

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Italien: Almauftrieb und Wanderwoche mit Reinhold Messner

Suedtirol, Vinschgau, Ortlergebiet, Sulden, Jakauftrieb mit Reinhold Messner,

Am 26. Juni 2014 können Interessierte im Vinschgau bei einem Almauftrieb der anderen Art dabei sein. Denn bei der „tierischen“ Bergtour erleben Mitwanderer neben Seven-Summits-Bezwinger Reinhold Messner auch seine Yaks, die er vor 25 Jahren aus Tibet in seine Südtiroler Heimat importierte und immer noch stets höchstpersönlich in ihr Sommerquartier begleitet.

Beim Yakauftrieb kann jeder mitlaufen, die Teilnahme ist kostenfrei. Los geht’s pünktlich um 9 Uhr an der Talstation in Sulden am Ortler, von dort werden die zotteligen Himalaya-Rinder auf die Madritschalm unterhalb der Königsspitze getrieben.

Passend zum Thema ist die Pauschale Messner Mountain Week buchbar: Von 26. Juli bis 2. August verbringen Naturfreunde und Messner-Fans gleich eine ganze Wanderwoche mit der Bergsteiger-Legende. Das Package kostet ab 400 Euro im 4-Sterne-Hotel, in der 3-Sterne-Pension ab 250 Euro pro Person und beinhaltet je 7 Übernachtungen, eine begleitete Wanderung mit Reinhold Messner durchs Ortlergebiet, eine Multivisions-Show, ein Gespräch mit dem Abenteurer sowie freien Eintritt ins Messner Mountain Museum (MMM) Ortles.

Italien: Reinhold Messner und die Dolomiten

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„Ich habe weltweit über 100 Expeditionen unternommen, und je öfter ich in die Heimat zurückkam, desto mehr war ich von den Dolomiten beeindruckt.“ Diesen Satz sagt einer, der es wissen muss, einer, der auf allen Achttausendern dieses Planeten stand und doch immer wieder begeistert an jenen Ort zurückgekehrt ist, wo er das Bergsteigen gelernt hat. Diesen Satz sagt kein anderer als Reinhold Messner. Und er ist sofort in seinem Element, wenn es um die Dolomiten geht, gerät ins Schwärmen und zitiert Geistesgrößen wie den Schweizer Architekten Le Corbusier. Der habe einmal gesagt: „Die Dolomiten sind die schönsten Bauwerke der Welt.“ Das setze natürlich voraus, dass sie einen Schöpfer haben. „Aber wenn dem so ist“, sagt Messner, „dann kann man nichts Schöneres bauen. Denn rein ästhetisch gibt es nirgendwo auf der Welt dieses Spannungsmoment zwischen flachen und grünen Bergwäldern und diesen senkrechten graugelben Felswänden darüber. Der Himalaja“, fügt Messner noch hinzu, „ist zwar höher, aber nicht so schön wie die Dolomiten.“ Reinhold Messner nach den Dolomiten zu fragen, das merkt man schnell, ist wie wenn man ein sehr großes Fass anzapft.

IMG_1383Das liegt daran, dass diese Berge kaum jemand besser kennt als er. Messner ist hier aufgewachsen, hat im Villnösstal erste Klettererfahrungen gemacht, und wenn man heute von diesem Tal aus hinauf zu den Geislerspitzen blickt, dann kann man leicht verstehen, dass die spektakulären Felstürme und Steilwände den Ehrgeiz und die Leidenschaft des jungen Reinhold erweckt haben. Man könnte hier sehr lange auflisten, zu was das alles geführt hat und was Messner in den Dolomiten alles unternommen hat, aber man kann es auch so sagen: Ohne diesen Gebirgszug wäre Reinhold Messners Biografie sicher anders verlaufen.

In den Dolomiten ist Reinhold Messner allgegenwärtig, er besitzt Schlösser, betreibt IMG_2081Museen, schreibt Bücher und diskutiert mit seinen Landsleuten. Messner hat sich auch über Jahre hinweg dafür eingesetzt, dass die Dolomiten von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt werden. Und so fühlte sich für Messner der 26. Juni 2009, der Tag, an dem das Welterbe-Komitee endlich die Ernennung bekannt gab, wie ein weiterer Gipfelsieg an. Aber Reinhold Messner wäre nicht Reinhold Messner, wenn er sich mit diesem Erfolg schon zufriedengeben würde. „Durch die UNESCO-Entscheidung haben wir ganz neue Möglichkeiten“, sagt er und hat dabei vor allem die Landwirtschaft im Sinn. „Man muss nun auch die landwirtschaftlichen Flächen und Bergbauernhöfe mit hinein in das Welterbe nehmen.“ Denn das ist bisher nicht geschehen und ist für ihn ein ganz wesentlicher Punkt.

Schließlich sichern die Bergbauernhöfe gemeinsam mit dem Tourismus die Zukunft der Berge. „Und dann würden die Dolomiten auch zum Weltkulturerbe, weil alles, was der Mensch in die Berge trägt, Kultur ist.“ Behutsamkeit sei dabei allerdings oberstes Gebot. „Wir müssen diese Landschaft nutzen, aber wir dürfen sie nicht opfern“, sagt Messner und zieht einen Vergleich: „Für uns Südtiroler sind die bleichen Berge das, was für die Araber das Öl ist. Nur, dass wir die Berge noch ein bisschen länger haben werden, als die Araber das Öl.“ Reinhold Messner ist heute 66 Jahre alt und blickt auf ein bewegtes und einzigartiges Bergsteigerleben zurück. Das „DenkMal“ Dolomiten zieht sich dabei wie ein roter Faden durch seine Biografie. Denn die Berge seiner Heimat bezeichnet Messner noch immer aus vollster Überzeugung als „die schönsten Berge der Welt“.

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