Österreich: Durch den unberührten Pulverschnee

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Im Drei-Länder-Eck Kärtnen zwischen Österreich, Italien und Slowenien gibt es viele Möglichkeiten für ruhigen Wintersport

Der Schnee funkelt in der Mittagssonne. Und es knirscht unter den Füßen. Den pudrigen Neuschnee, direkt neben der Skipiste, will man eigentlich gar nicht zerstören, so schön strahlt das Weiß der Abertausend Flocken, die über Nacht gefallen sind. Eine Schneeschuhwanderung am Goldeck, Kärntens Sportberg, mit Blick auf Spittal an der Drau, ist eine perfekte Alternative für alle, die nicht mit Hochgeschwindigkeit den Berg hinunterbrausen wollen.

„Sich Zeit nehmen“ ist dabei das Lieblingswort von Bergführer Peter Auer. Die hat man bei Schneeschuhwandern allemal. Sind die großen „Plattfüße“ erst einmal unter die Winterstiefel geschnallt, geht es gemütlichen Schrittes bergan. Langsam, jeder in seinem Tempo. Das ist Peter Auer wichtig. Nur so könne man sich Zeit nehmen für die Schönheit der Landschaft.

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Dann schwenkt er in den nahen Wald. Hüfthoch liegt der Schnee dort, unberührt und faszinierend. Und wer nicht aufpasst, versinkt schnurstracks in der weißen Pracht. Der Spaß ist es wert, im Schnee zu tollen. Denn bald schon hat man die Bäume hinter sich gelassen und den Gipfel des Goldeck erreicht. Bei Sonnenschein bietet sich eine wunderbare Rundumsicht auf die Bergwelt rund um den Ort Spittal.

Aber an der Kuppe peitscht der eisige Wind die Eiskristalle wie spitze Nadeln vor sich her. Daher lenkt Auer die Schritte etwas schneller auf die Sonnenseite des Bergs in Richtung Skipiste und zur Mosthütte, wo es zur Jause geht. Dort zeigt sich der Winter von seiner schönsten Seite, mit Sonnenschein und strahlend blauem Himmel. Ideal für Sonnenhungrige.

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Das Goldeck ist ein Familienskigebiet. Es gehört zum Skikarussell rund um den Millstädter See – ein perfekter Ausgangspunkt für Touren aller Art. Bergführer Peter Auer ist auch Skilehrer. Und überzeugt, dass jeder den richtigen Umgang mit den beiden Brettern lernen kann. „In zwei Tagen bringe ich das jedem bei“, ermutigt er auch die blutigen Anfänger, die noch wackelig auf dem Ski stehen. Die können dann mit dem „Top-Ski-Pass Kärnten-Osttirol“ innerhalb von 20 Minuten mehrere Skigebiete erkunden. Und am Goldeck mit den 32 Kilometern präparierte Piste gibt es auch die längste schwarze Piste der Alpen: mit einer Länge von 8,5 Kilometern und einem Höhenunterschied von 1600 Metern ein Adrenalinstoß pur. Freerider kommen hier auf rund 50 Hektar ebenfalls auf ihre Kosten.

Dank der Nähe zu Slowenien und Italien kommen Kärnten-Urlauber in den besonderen Genuss von grenzübergreifenden Wintererlebnissen. So bieten sich am Nassfeld auf rund 1500 Meter Seehöhe für Langläufer die zwei schneesicheren Loipen am Lago Pramollo und auf der Tressdorfer Alm an, die Ausflüge nach Italien ermöglichen. Zu geführten Touren können auch Schneeschuhwanderer starten. Bei den etwa drei- bis vierstündigen Ausflügen, die an der Talstation Seltschach beginnen, begibt man sich auf die Spuren der Wildtiere, genießt das Bergpanorama und die Hütteneinkehr mit Schmankerln aus der Alpen-Adria-Küche.

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Ein besonderes Schmankerl gibt es für Tourenskigeher. Am italienischen Monte Lussari, in der Nähe von Villach, führt die technisch einfache Strecke über 1000 Höhenmeter zur kleinen Wallfahrtskirche am Gipfel. Der Berg eignet sich übrigens auch für nächtliche Stirnlampen-Abfahrten.

Wer nach der sportiven Anstrengung die Seele baumeln lassen will, kann in der Region nicht nur die KärntenTherme in Warmbad-Villach testen, sondern auch das erste Kärntner Badehaus am Millstädter See. Diese Wellness-Oase, erbaut unter ökologischen und nachhaltigen Gesichtspunkten, liegt direkt am Ufer und bietet ein herrliches See- und Bergpanorama.

Danach ist man gut gerüstet für das weitere Winterprogramm. Denn auch geführte Rodeln und Schlittschuhlaufen, etwa auf der Natureisbahn auf dem zugefrorenen Weißensee, sollten sich Wintersportbegeisterte nicht entgehen lassen.

Diana Seufert

Italien: Winterträume im Pustertal

Mit Kindern in Südtirol

Der Kronplatz ist ein ideales Ferienziel für Winterspass mit Kindern. Nicht nur familienfreundliches Skifahren ist dort angesagt, sondern auch Schneeschuhwandern, Rodeln, Langlaufen und gutes Essen.

So gut spurt unser Nachwuchs selten und das auch noch bei Nacht und Nebel im dunklen Wald. Aber hier geht es ja auch nicht darum, den Eltern zu folgen.

Meterhoch liegt der Schnee. Tief versinkt der siebenjährige Felix bei jedem Schritt im flockigen Weiß. Denn ausgerechnet er als Jüngster will unsere Gruppe anführen und die Spur treten bei unserer nächtlichen Schneeschuhwanderung durch das Pustertal in Südtirol. Das kostet nicht nur Kraft, sondern fordert auch Mut. Denn im Licht der Fackeln werden die Schatten der Bäume und Menschen zu Riesen, ächzen die Äste unter der weißen Last.

Wege durch die Dunkelheit

Nur manchmal setzt sich unser Führer Paul Sapelza an die Spitze, wenn er einen Übergang über das kleine Flüsschen sucht. Doch entweder sind die quer liegenden Stämme zu glitschig oder die Eisfläche trägt nicht. So müssen wir einen anderen Weg finden. Dabei ist es der Gruppe ein Rätsel, wie Paul hier im Dunkel des Waldes, in dem nur die vom Feuerschein erleuchteten Eiskristalle wie Diamanten funkeln, nicht die Orientierung verliert. „Ich richte mich nach den Gipfeln“, erklärt der staatlich geprüfte Bergführer, der die Gegend wie seine Westentasche kennt.

Bereits als Bub hat er hier Skitouren gemacht, da seine Eltern nicht das Geld für eine Liftkarte aufbringen konnten. Gebannt lauschen die Kinder seinen Geschichten über Tierspuren und Sagen und fassen schnell Vertrauen in seine ruhige Art. Vielleicht liegt es daran, dass der passionierte Bergführer viele Jahre in Kursen schwer erziehbare Jugendliche betreute und weiß, wie man Kinder begeistert, ihr Durchhaltevermögen weckt. Auch unser Jüngster will am nächsten Tag lieber nicht auf die Piste, sondern rein in die Schneeschuhe. Und wieder spurt

er begeistert zwei Stunden lang vornweg gegenüber dem imposanten Hohen Gaisl den Weg. Danach schmeckt die köstliche Südtiroler Spezialität, selbst gemachte Tritlans– frittierte mit Käse und Spinat gefüllte Teigtaschen – im Berggasthof Plätzwiese besonders gut.

Wandern und Abfahren

Bereits vor vielen Jahren setzte Paul Sapelza, Inhaber der Alpinschule Pustertal, auf Alternativangebote zum reinen Skifahren und verdeutlicht: „Schneeschuhwandern verzeichnete in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten.“

Auch wenn Paul den sanften Tourismus unterstützt, liebt er das Skifahren. Und der Kronplatz ist Südtirols Skiberg Nummer Eins, wie der örtliche Tourismusverband in der Werbung propagiert. Dabei ist der Berg der sich im Winter wie ein Gugelhupf mit Zuckerguss gegen den stahlblauen Himmel abhebt, ein optimales Skigebiet für Familien „Hier ließ sich die Tochter Bergvolkes Fanes, zur Königin krönen“, erzählt Paul Sapelza, daher der Name Kronplatz oder Plan de Corones, wie er in Südtirol genannt wird. 116 Kilometer beträgt das Pistennetz mit breiten Abfahrten. Geboten wird alles von blau bis schwarz. Ideal für Familien mit Kindern oder Snowborder sind die zahlreichen modernen und Sechser-Sessellifte mit Windschutz und Kabinenbahnen. Schlepper gibt es nur wenige.

Auch die Kleinsten sind willkommen

Selbst Eltern samt Kinderwagen oder Babyschale, die auf dem kahlen Gipfel, in 2.275 Meter Höhe das traumhafte 360-Grad Panorama genießen, sind keine Seltenheit. Denn hier würden nicht nur kleine Pistenflitzer, sondern auch Windelflitzer auf Absprache betreut, erzählt Martin Tüchterle, Inhaber der Skischule Olang/Rasen.

Licht durchflutet ist das rundum verglasten Croniworld, in dem auch die Skieleven nach dem Unterricht Mittagessen und spielen können. Das genießen auch die Ritters mit ihren drei Sprösslingen. „Unser Jüngstes ist gerade sieben Monate alt. Vormittags sind die Älteren im Skikurs und nachmittags können wir trotz unseres Nachzüglers alle Skifahren“, freut sich das Ehepaar Ritter aus Augsburg und schwingt ab in Richtung Tal.Angesichts der schweren Zusammenstöße, die in den vergangenen Jahren passierten, wie zum Beispiel der Unfall des damaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus, verweist Tüchterle darauf, dass hier bereits die Jüngsten in den Skikursen mit den FIS-Regeln für sicheres Skifahren vertraut gemacht werden.

Zudem besteht in Südtirol Helmpflicht für Kinder. Aber auch Erwachsene sind hier viel öfters als in Deutschland mit Kopfschutz anzutreffen. Und Raser kommen hier nicht unbedingt ungestraft davon. Denn immer wieder patrouillieren Gendarmen auf Skiern und ziehen Rowdys zur Rechenschaft.

„Auch wenn wir dank Beschneiungskanonen schneesicher sind, bieten wir zahlreiche weitere Attraktionen“, informiert Anna Mayrhofer vom Tourismusverband Ferienregion Kronplatz. Für Langläufer ist die Höhenloipe am Würzjoch das Zuckerl schlechthin. Am Fuß des mächtigen Peitlerkofels führt sie auf 2000 Meter Höhe durch die traumhaft schöne Dolomitenlandschaft.

Der Nachwuchs dagegen fiebert zusammen mit Papa dem Aufstieg auf die Taistner Alm auf mehr als 2000 Meter Höhe entgegen – oder eher der Abfahrt. Denn belohnt wird der Fußmarsch mit einer rasanten vier Kilometer langen Schlittenfahrt ins Tal. Insgesamt 25 Rodelbahnen in der Region sorgen – teilweise sogar nachts – für viel Gaudi auf zwei Kufen.

Freudig erwartet uns nach der Rückkehr in unser Domizil Pension Brückele in Prags der treue und kinderliebe Schäferhund Bruno. Wie ein verwunschenes Märchenschloss wirkt das Häuschen mit seinen Holztürmchen, das ganz allein in Mitten des Naturparks Fanes Sennes Prags liegt. Die Preise sind günstig, die Zimmer einfach, aber das Essen hervorragend. Jeden Abend verwöhnt uns Sepp Schuster mit einem köstlichen Dreigänge-Menü. Selbst der Schauspieler und Westernheld Terence Hill zog während seiner Dreharbeiten dort Heidis Gastfreundschaft und die Kochkünste ihres Mannes einem Fünf-Sterne-Etablissement vor. Beim Schlafengehen blicken wir noch in den funkelnden Sternenhimmel und freuen uns über die herrliche Stille und gute Luft, die unsere Träume hier begleiten.

Petra Keidel-Landsee

 

Info

Ferienregion Kronplatz

Tourismusverband Ferienregion Kronplatz;

Michael-Pacher-Strasse 11a; I-39031 Bruneck; Tel: (+39) 0474/555447;  www.kronplatz.com

Das Feriengebiet umfasst 13 Gemeinden mit abwechslungsreichen Programmen für Winter wie Sommer. Gratis-Skibusse zum Kronplatz.

Das Skigebiet Kronplatz: 116 Pistenkilometer, 32 Beförderungsanlagen; Beförderungskapazität ca. 60.000 Personen pro Stunde.

(Kronplatz-Skipässe können gegen geringen Aufpreis mit dem Dolomiti-Skigebiet mit 1.200 Pistenkilometern, kombiniert werden.)

Übernachtung

Pension Gasthof Brückele, Familie Schuster, Ausserprags 4, 39030 Prags (BZ)

Dolomiten – Südtirol, Telefon +39 0474 748613, www.gasthof-brueckele.it

Hotel Garberhof **** Superior
Fam. A. Pobitzer
Staatsstraße 25, 39024 Mals
Italien – Südtirol

Telefon +39 0473 83 13 99
www.garberhof.com

Anreise: über die Brennerautobahn, vor Brixen Richtung Bruneck nach Prags

Flughäfen: Innsbruck, Verona, Treviso, Venedig

Österreich: Im Winter zu Gormleys Statuen

Antony Gormley ,Horizon Field,August 2010 - April 2012

Schneeschuhwandern zu Gormleys eisernen Männern

Warth-Schröcken macht die größte Landschaftsinstallation Österreichs erlebbar: Im Rahmen einer dreistündigen Schneeschuhwanderung erfahren Kunst- und Naturbegeisterte alles über Antony Gormleys Kunstwerk „Horizon Field“.

Welche Rolle spielt das Projekt Menschheit in der Evolution des Lebens auf diesem Planeten? Mit dieser Frage hat sich der berühmte britische Bildhauer Antony Gormley auseinandergesetzt. Auf spektakuläre Weise erschuf er eine raffinierte Kunstinstallation, die es so im Hochgebirge noch nie gab. Zum ersten Mal können Besucher nun auch im Winter im Rahmen einer geführten Schneeschuhwanderung in Gormleys Welt zwischen Himmel und Erde eintauchen. Auf einer horizontalen Linie stehen auf einer Höhe von 2.039 Metern über dem Meer 100 lebensgroße Skulpturen aus Eisen. Die Begegnung mit dem stummen Männern, die Abgüsse des Körpers des Künstlers darstellen, kommt für Wanderer und Skifahrer unverhofft: Über 150 Quadratkilometer erstreckt sich das Kunstfeld und schließt die Gebiete um Warth-Schröcken, den Bregenzerwald, das Arlberggebiet sowie das Kleine Walsertal ein. Das Besondere: Je nach Ort und Perspektive ändert sich die Wahrnehmung der Kunstfiguren – Von einer Figur ist mindestens eine weitere in der Ferne zu sehen. Das Projekt nennt sich „Horizon Field“ und wie dieses zu verstehen ist, erklären Bergführer in Warth-Schröcken auf einer spannenden Schneeschuhwanderung.

Bewegende Wanderung am Hochtannberg
Nach der Auffahrt mit dem Jägeralp Express wandern die Teilnehmer zur Hochalp Hütte. Unterwegs erfahren sie alles über die Intention des Künstlers und die einzigartige Umsetzung, die nur mithilfe mehreren Helikopterflüge möglich war. In der Hochalp Hütte präsentieren die Veranstalter zusätzlich einen 10-minütigen Film über die Ausstellung. Hier lernen die Teilnehmer Gormleys bewegende Welt zu verstehen: Warum die Körper, warum aus Eisen, warum das alles in der Berglandschaft? Die Einbettung seiner Kunst in die reale Lebenswelt sieht er als essentiell, denn die Betrachter sollen durch seine Werke das Leben intensiver fühlen. Und so macht er die außergewöhnliche Installation erlebbar. Kunst im Museum vergleicht er provokativ mit Körpern im Krankenhaus. Eins steht fest: Wer die Wanderung miterlebt, erhält neue Denkanstöße und betrachtet die moderne Welt vielleicht differenzierter. Die geführte Wanderung kostet 22 Euro inklusive der Schneeschuhe.

Weitere Informationen und Buchung:

Tourismus Warth-Schröcken
A-6767 Warth / A-6888 Schröcken
Tel: +43 5583 35150 oder +43 5519 2670
www.warth-schroecken.com

Mehr zu den Statuen von Antony Gormley in dem Artikel Gormley am Berg