Schweden: Große Kunst in Göteborg

111115   Svenska Institutet Kuggen pΠLindholmen Foto: Sofia SabelGothenburg International Biennial for Contemporary Art

Göteborg kann Kunst. Das ist wahrlich kein Geheimnis. Mit der diesjährigen GIBCA, der Gothenburg International Biennial for Contemporary Art, die sich noch bis zum 17. November 2013 auf sieben Veranstaltungsstätten in Göteborg verteilt, stellt die westschwedische Metropole aber wieder einmal unter Beweis, dass sie Kunst unglaublich gut kann. Unter dem Titel „Play! Recapturing the Radical Imagination“ setzt sich die im Zweijahresrhythmus stattfindende Biennale in diesem Jahr mit den Begriffen des Spiels und der radikalen Imagination als wichtige Bestandteile des künstlerischen und politischen Diskurs auseinander. Die vier Kuratoren Katerina Gregos, Claire Tancons, Joanna Warsza und Ragnar Kjartansson präsentieren in Zusammenarbeit mit Andjeas Ejiksson internationale zeitgenössische Kunst, die eine Vielzahl von Perspektiven und künstlerischen Strategien aufzeigt. Insgesamt sind 45 internationale, zeitgenössische Künstler vertreten, die mit ihrer Vielfalt dafür sorgen, dass sich die GIBCA als offener und dynamischer Treffpunkt für kreative Verspieltheit, soziales Experiment, Formen des Aktivismus, Fiktion und philosophische Überlegungen präsentiert. Zu den vertretenen Künstlern zählt auch der gebürtige Hamburger Olav Westphalen, der mittlerweile in Stockholm lebt und arbeitet. Er ist dafür bekannt, intellektuelle Kunst mit populärer Kultur in verschiedenen Disziplinen kollidieren zu lassen. In der Ausstellung präsentiert Westphalen eine neue Serie politischer Karikaturen.

Picus Lesereisen: Stockholm

Knoller, Lesereisen StockholmIm Freilichtmuseum Skansen treffen Touristen aus aller Welt, die eine Zeitreise durch sechs Jahrhunderte antreten, mit begeisterten Fans der schwedischen Schlagermusik zusammen. Auch auf die der Stadt vorgelagerten zigtausend Schäreninseln treibt es die Touristen – freilich zumeist Tagesausflügler aus der Stadt. Auf manchen dieser Inseln wohnt bloß eine Handvoll Menschen, doch selbst für die ist gesorgt: Ihre Post erhalten sie per Luftkissenboot, und mitunter teilen sich bloß vier Kinder eine ganze Schule samt Lehrerin. Rasso Knollers Streifzüge durch die größte Stadt Schwedens führen ihn in das Edelrestaurant Stadshuskällaren, in dem die Dinners der Nobelpreisträger nachgekocht werden, oder in den Stadtteil Rinkeby, dessen Bewohner zum Großteil nicht in Schweden geboren wurden, aber ebenso in Stockholms Vergangenheit, von der Gründung der Stadt über die Jungfernfahrt der »Wasa« bis hin zur vermutlich bekanntesten Geiselnahme der Welt in den siebziger Jahren. Ob leidenschaftliche Sänger, Ballonfahrer, Pippi Langstrumpf oder historische Helden: Sie alle werden lebendig in Rasso Knollers stimmungsvollen Geschichten aus der schwedischen Hauptstadt.

Go Vista: Stockholm City Guide

Stockholm ist im 20. Jahrhundert eine reiche, moderne Metropole geworden, mit imposanten Bauwerken wie Kaknästornet, Globen und Moderna Museet, mit weltweit beachteten Hightech-Marken und Nobelpreisverleihungen, mit einer Bevölkerung, die an Weltaufgeschlossenheit und liberalem Lifestyle hinter keiner Weltstadt zurückstehen will. Der Go Vista Reisegührer von Rasso Knoller führt an die interessantesten Stätten der Stadt. Sprachführer und Stadtplan helfen in jeder Hinsicht bei der Orientierung.; Inhalt: „Willkommen in Stockholm“ und die Chronik, die kurz und prägnant die wichtigsten Daten zur Stadtgeschichte liefert, machen neugierig auf das Reiseziel. Stockholm aktiv erkunden: Informativ begleitet Sie der Routenvorschlag zu ausgewählten Highlights. Alternativen fürs „Drumherum“, finden Sie unter dem Stichpunkt „Streifzüge“. Kompakte und aktuelle Informationen erhalten Sie zu allen Sehenswürdigkeiten. Die besten Service-Infos zu Essen und Trinken, Shopping und Nightlife sind hier zusammengestellt. Außerdem erhalten Sie einen ausfaltbaren Stadtplan mit allen Details, natürlich mit Straßenregister und Plänen öffentlicher Verkehrsmittel. Die im City Guide beschriebenen Vista Points sind durch farbige Sternchen markiert.Stockholm, gelegen auf 14 Inseln zwischen Mälarsee und Ostsee, hat sich im 20. Jahrhundert zu einer reichen und modernen Metropole entwickelt. Kraftvoll und selbstbewusst, mit viel natürlicher Schönheit, Tradition und Kultur empfängt sie ihre Gäste.
Weltaufgeschlossen und mit liberalem Lifestyle begegnen die Einwohner den Besuchern. Aber da ist noch etwas ganz Eigenes, das Stockholm erst sympathisch macht: Dieser Hauptstadt fehlen Hetze, Lärm und Gedränge. Den Charme des Alten hat sie sich in den liebevoll erhaltenen, mittelalterlichen Häuschen und Bürgerhäusern der Renaissance in den verwinkelten Gassen der Gamla Stan wie auch in den zahlreichen prächtigen Schlössern bewahrt.
Stockholm ist das ganze Jahr über ein attraktives Reiseziel, nicht nur in den Sommermonaten, wo der Tag an den langen, hellen Abenden kein Ende finden will. Gerade auch im Winter herrscht hier durch die Pflege der alten, weihnachtlichen Bräuche eine ganz besondere Atmosphäre, deren Wärme und Gemütlichkeit man sich nicht entziehen kann.

Reise Know-How: Gotland

Gotland CoverGotlands lange, ereignisreiche Geschichte ist durch die Hanse eng mit Norddeutschland verbunden. Seit 1995 ist die Hauptstadt Visby Weltkulturerbe der UNESCO, die knapp 100 Kirchen der Insel sind im Norden einmalig. Entdecken Sie Gotland mit diesem kompakten, aktuellen Reiseführer: Gotland ist eine Insel für Naturfreunde: einsame Strände, steile Klippen, blühende Wiesen, seltene Orchideen und ein vielfältiges Vogelleben. Gotland ist als Familienreiseziel ideal und laut Statistik sonnigster Platz des Nordens. Nicht umsonst wir die Insel Sonneninsel Schwedens genannt. Vom Ausland noch unentdeckt hat sich Gotland im Juli/August zu einer Fest- und Festivalinsel entwickelt. Hierher kommen die jungen Schweden um zu feiern, Musik zu hören oder einfach zu relaxen. Gotland ist schnell und verblüffend günstig zu erreichen. Im Reiseführer steht alles über Flugpreise, Schnellfähren und andere Anreisemöglichkeiten. Der Autor ist studierter Skandinavist und hat mehrere Jahre in Nordeuropa gelebt.

Baedeker Reiseführer Schweden

Reiseführer von Baedeker vereinen fundierte Informationen zu Natur, Kultur und Geschichte mit Genießerthemen, die eine Reise unvergesslich werden lassen und beschreiben detailliert alle wichtigen Sehenswürdigkeiten. Tourenvorschläge führen zu den schönsten und interessantesten Plätzen, viele reisepraktische Tipps helfen vor Ort weiter. Sie bieten eine fulminante Bandbreite an Wissen für unterwegs und eine üppige Ausstattung mit Bildern und Karten, 3D- und Infografiken sowie einer Extrakarte. Der Reiseführer für alle, die wissen und erleben wollen.

Schweden: Neue Bäume entlang der Ufer des Götakanals

16.000 Bäume wurden am Ufer des Göta Kanals gepflanzt, als die Wasserstraße vor zweihundert Jahren quer durch Schweden gegraben wurde. Heute ist die längste Allee Schwedens in Gefahr, weil viele Bäume alt und krank geworden sind.

Baumpaten helfen mit Geld und Spaten

Um die schöne Wasserstraßen-Allee auch für kommende  Generationen zu bewahren, werden Jahr für Jahr neue Bäume gepflanzt. Doch diesen Winter müssen besonders viele Ulmen und Eschen durch widerstandsfähigere Bäume wie Kastanie, Ahorn und Linde ersetzt werden. Die Göta Kanal-Gesellschaft lädt deswegen Unterstützer zur Pflanz-Aktion ein und bietet Baum-Anteile und Baum-Patenschaften an. Für 2000 SEK (ca. 230 Euro) wird der Name des Paten auf einer Tafel am Kanal verewigt. Natürlich darf der Pate seinen Baum bei einer Zeremonie auch selbst einpflanzen.

Die Baumreihen, die dem Lauf der historischen Wasserstraße durch Wiesen und Felder folgen, sehen nicht nur schön aus. Sie erfüllen auch eine wichtige Funktion: Mit ihren langen Wurzeln halten die Laubbäume das Erdreich zusammen und stabilisieren das Ufer des Kanals.

 

Schweden: Mit dem Kanu an der Westküste

Kajaktour Tjörn

Mit Joakim auf dem Meer

Das Meer vor der Küste Westschwedens ist ein Paradies für Kajakfahrer. Die vielen Inseln schützen die Paddler vor allzu hohen Wellen und locken sie zu spannenden Ausflügen an Land. Joakim Hermanson führt hier regelmäßig Touren für Anfänger und Fortgeschrittene durch.

Wir sind zu fünft mit dem Kajak vor Tjörn, einer Insel nördlich von Göteborg, unterwegs. Ruhig und entspannt paddeln wir übers Meer. Das Wasser kräuselt sich nur leicht, und selbst Anfänger wie wir haben keine Probleme die Miniwellen zu meistern. Auch das Wetter leistet seinen Beitrag zu der gelungenen Tour – die Sonne macht im schwedischen Sommer Überstunden. An Tagen wie diesem ist ein hoher Lichtschutzfaktor wichtiger als Kenntnisse im Kajakfahren.

Tjörn, WestschwedenDoch auch bei schlechteren Wetterbedingungen fühlt man sich bei Joakim Hermanson gut aufgehoben. Joakim ist unsere Guide und der Besitzer von Upplevelsebolaget – der Erlebnisfirma. Zwar bietet er auch Touren auf dem Festland an, aber Ausflüge mit dem Kajak sind seine Spezialität. Umgerechnet 90 Euro kostet die Tagestour  vor den Inseln; das Picknick an einem einsamen Strand ist im Preis inbegriffen. Das Picknick ist ohnehin einer der Höhepunkte des Tages: Denn dann packt Joakim nicht nur seine Leckerein aus dem wasserdicken Packsack, sondern er erzählt auch über die Natur der Inseln und über umweltbewusstes Reisen. Upplevelsebolaget hat sich nämlich besonders dem Ökotourismus  verschrieben und wurde für seine Leistungen auf diesem Gebiet schon mehrfach ausgezeichnet.

Rasso Knoller

Kanutour, Tjörn

Schweden: Bloß kein Brokkoli

„Hörst Du das?“ Fragt Denis. Er steht nackt im Schnee, vor der Sauna, aus dem Wald tönt dieses seltsame, helle Gebell. Hunde? Nein, sagt Denis, „das ist ein Fuchs.“ Den letzten habe er vom Küchenfenster aus erlegt. Das geht ganz einfach. Du legst ein paar Tage lang Futter aus, der Fuchs wird mutiger, er kommt näher ans Haus. Und eines Abends erschießt du ihn. Das ist ja eine laue Jagd, macht ihr das auch so mit Bären? Da lacht Denis. Bären anzufüttern sei nicht erlaubt. Außerdem: Keiner würde wollen, dass ein Bär so nah ans Haus kommt. Was für eine alberne Frage. Doch an solche Fragen haben sich Nils und Denis gewöhnt. Die beiden Schweden sind Sami, sie führen Besucher in die Welt dieses Nomadenvolkes, das früher Lappen genannt wurde. Das klang so abschätzig, wie es gemeint war.

Dokotorschiwagige Träume

Mit Nils und Denis ein paar Tage hinauszuziehen, mit Rentierschlitten durch die Weite Lapplands zu traben, wir stellten uns das doktorschiwagig vor, sahen uns durch Birkenwälder zockeln, in Felle eingehüllt, die Hände in einem Muff verstaut. So könnte es wohl sein, wenn einen nicht der sportliche Ergeiz übermannte. Denn Rentiere können rennen, wenn man sie dazu überreden kann.

„Ich fahre gerne schnell“, sagt Nils, und das gilt gleichermaßen für sein Alltags-Fahrzeug, das Schneemobil, wie für den Rentierschlitten. Ein großer Viehanhänger transportiert unsere Rentiere vom Sammelplatz in ein Wäldchen. Die Fahrt scheint die Tiere nicht begeistert zu haben, es rumpelt in der Metallkiste, und als alle Ren glücklich herausgezerrt sind, haben drei ihr Geweih verloren. Sie stoßen diese ohnehin jährlich ab, Nils stapelt die Hörner aufeinander, er wird das Blut und Reste des samtigen Überzugs abputzen und sie in seinem Laden für 180 Kronen das Stück verkaufen.

Wir stehen herum, fotografieren die Tiere und ihre Meister, uns ist ein bisschen langweilig, nichts wird hier fertig, Denis und Nils puzzeln ewig herum an Geschirr, Schlitten und Gepäck. Wir scharren mit den Hufen. Nils grinst sich eins. Später, bei einer Pause am Lagerfeuer, wird er sagen: „Es ist mit allen Gästen dasselbe: Sie brauchen zwei Tage, bis sie runterkommen.“ Andauernd würden sie fragen, wie lange dies daure, wie weit es bis dort sei. Am schlimmsten sei es mit den Skandinaviern, denen aus den Städten. Auf jeden Hügel würden sie rennen, um Empfang für ihr Mobiltelefon zu haben. Sie fassen es am wenigsten, dass hier noch Wildnis ist.

Sami, Schwede, Skandinavier

Sich selbst bezeichnet der 37jährige als Sami mit schwedischem Pass. Die Sami leben im Norden Europas, in Norwegen, Schweden, Finnland und auf der russischen Kola-Halbinsel, ihre Sprache gehört zur finno-ugrischen Familie. Von den 17000 Sami Schwedens leben allein 2000 in Stockholm, nur etwa 2500 schwedische Sami gehören einem der 43 sogenannten Samidörfer an und betreiben Rentierwirtschaft, 280 000 Rentiere ziehen durch Nordschweden.

Das Samidorf bezeichnet sowohl eine Gemeinschaft als auch jenes Territorium, auf dem die Rentiere weiden; und dieses überschreitet Ländergrenzen. Nils’ Clan umfasst 150 Mitglieder, von denen ein Drittel mit Rentieren arbeitet, den Winter verbringen sie in den Ebenen Nordschwedens, im Frühsommer aber, wenn aus den Mooren die Moskitos aufsteigen, flüchten die Tiere und mit ihnen die Sami in die Berge Norwegens.

Fährt man von Palermo an den Polarkreis, ändert sich der Menschentypus bekanntlich. Ab etwa der Hälfte der Strecke werden die Bewohner heller und größer, wir sehen blonde Hünen und ihre Frauen. Aber dann schrumpft der Mensch überraschenderweise wieder, die circumpolaren Völker von Sibirien bis Grönland sind alles andere als blond, viele Sami sind klein, gedrungen, haben hohe Wangenknochen und eine Stupsnase, manche sehen ein bisschen mongolisch aus.

Nils Nutti und der 28-jährige Denis Andersson sind wirklich nicht groß, aber sie sehen aus wie Männer, die ranklotzen können. Soweit ihre dicken bunten Filzjacken ein Urteil erlauben, sind sie kräftig gebaut. Was, wie die Sauna offenbart, nicht davon kommt, weil Denis am Lagerfeuer sagt: „Esst! Wer weiß, wann wieder was zu essen kommt.“ Sie scheuen körperliche Arbeit nicht, das wird mit hübschen Muskelpaketen belohnt. Nun sind endlich alle Schlitten angeschirrt, jeder Gast bekommt seinen eigenen und sein eigenes Ren. Diese sind allesamt kastrierte Böcke, einige jetzt ohne Geweih. Da die männlichen Tiere das Geweih nur für Brunftkämpfe einsetzen (die Renkühe verteidigen damit immerhin ihre Jungen), wirken die Tiere ohne ihren Potenzschmuck etwas nackt und dümmlich. Der arrogante Blick ist geblieben, aber der Porsche fehlt.

Renn, Rentier, renn!

Von den drei Arten, einen Rentierschlitten zu fahren, scheint Denis nur eine zu kennen: den Gladiator. Egal wie flott es bergab geht oder wie holprig über einen zugefrorenen See, immer steht der junge Mann auf seinem Schlitten, und immer fährt er vornedraus. Aufrecht kniend lassen sich Rentiere auch gut antreiben, wer aber sehnsuchtsvoll in die Landschaft schmachten möchte, lehnt sich zurück im Schlitten, das Zugseil lose durchhängend, und zockelt dahin. Das Krsch, Krsch der Kufen klingt wie ein kratzender Cellobogen, das Schlapp Schlapp der Tiere im Schnee gesellt sich dazu und kontrapunktisch schnalzt das Kastagnettenklappern der Hufe.

Wirklich zahm werden Rentiere wohl nie. Die Zugtiere hat Nils drei Winter trainiert, aber vor einem Ruck mit dem Geweih oder mit den scharfkantigen Resten sollen wir uns in Acht nehmen. Seht euch Denis an. „El Diablo“, sagt Denis nur. Dieses Rentier hat Denis fast die Nase zertrümmert, ein dunkles Mal ist ihm geblieben. Als Nils vor einigen Jahren anfing, Rentiere zu trainieren, konnte das fast niemand mehr.

Vor fünfzig Jahren zogen seine Eltern noch nomadisch durchs Land. Sie wohnten mal hier mal da, im Lavvu, dem großen Samenzelt, oder in Hütten. Erst 1963 bauten sie ein Haus in Jukkasjärvi. Als Nils seine Rentiere so weit hatte, sagte er: „Vater, komm zum Fluss herunter.“ Der 80jährige stand am Ufer des zugeforenen Flusses, freute sich und war traurig zugleich. Ein halbes Jahrhundert hatte er nicht mehr gesehen, wie Rentiere einen Schlitten ziehen.

Fleisch ist sein Gemüse

Am späten Nachmittag halten wir an einem Lavvu, wir werden im Sami-Zelt übernachten, auf Rentierfellen schlafen, Rentierfleisch essen. Gedörrtes Ren zur Vorspeise, gekochtes und gebratenes Ren als Hauptspeise. Vorsichtig schiebt Denis grüne und weiße Brocken in der Pfanne hin und her, Brokkoli und Blumenkohl, tiefgefroren aus dem Supermarkt.

Denis hantiert so vorsichtig, damit nichts davon in seine Portion gerät. Gemüse im Rentiertopf, das gibt es erst, seit Touristen mit hinausfahren. „Einige meinten“, so Nils, „sie müssten wahrscheinlich sterben, wenn sie drei Tage keine Vitamine bekommen.“

Vitamine, er sagt es spöttisch. Multebeeren und Sauerampfer, das ist das einzige was im Norden wächst, nicht einmal Kartoffeln gedeihen hier. Denis stochert im Feuer herum, jeder rede davon, dass Eskimos so viele Wörter für Schnee haben, „auch wir haben 300 verschiedene Bezeichnungen!“ Aber sie hätten zudem viele Wörter für Feuer. Warum? Das ist wieder so eine Frage, an die Denis sich gewöhnen muss. „Weil auch Feuer verschieden sind“, erklärt er ausführlich.

Noch eine Frage: Wollten sie nie weg, woanders leben? Nils gibt zu, es sei „ab und zu ganz interessant“, sich hohe Häuser anzusehen, er fährt schon mal in eine Stadt. Aber woanders leben will er nicht. „In der Stadt ist kein Platz für dich und deine Gedanken,“ sinniert er. Er sei stolz darauf, wenigstens ungefähr so weiterzuleben, wie seine Vorfahren, ein Sprache zu können, die nur wenige Menschen sprechen. Und er erzählt von Frühlingsgefühlen. Das habe nichts „mit Liebe und so“ zu tun. Du spürst es in den Knochen. Dann  wollen wir in die Berge, da fühlen wir uns zuhause, da ist unsere Freiheit.

Eilsochfischen: Idyll und Kill

Am letzten zugefrorenen See unserer Reise bohrt Denis Löcher in die gut einen Meter dicke Eisdecke, für jeden Gast eines, wir sollen Eislochfischen. Wir betten uns auf Rentierfelle, die Sonne gleißt, kleine Angeln wippen in den Löchern auf und ab. Ein träges Stündchen unter der wärmenden Frühlingssonne steht uns bevor. „Romantische Schwedinnen aus der Stadt“, erzählt Nils mit leichtem Spott, verliebten sich hin und wieder in dieses Lebensgefühl, und auch in einen von hier heroben.

Dann ziehen sie in den Norden, mit viel gutem Willen, aber einfach sei es nicht. Nicht nur das Klima ist gewöhnungsbedürftig. „Unsere Frauen gehen nicht morgens in den Supermarkt zum Einkaufen“, sagt Nils stolz, der Lebensmittelvorrat basiert auf einem Jahresplan, auf den Erträge von Jagen, Fischen und Schlachten, das füllt ihre riesigen Gefriertruhen, und Gemüse -, wie gesagt. Aber Ruckzuck ist es mit der Romantik des Nachmittags vorbei, weil nämlich ein Fisch an der Leine zerrt. Ich zerre zurück, ein Flussbarsch hüpft aus dem Loch.

Er zappelt Tango auf dem Eis. Wer isst, was kucken kann, muss es auch töten können, polemisieren Vegetarier. Nichts leichter als das, stimmen wir Fleischfresser zu. Denis reicht sein großes Sami-Messer. Den glitschigen Fisch festhalten, damit die stacheligen Rückenflossen dich nicht verletzen, und mit dem dicken Messergriff auf den Kopf hauen. Wer aber zum ersten Mal in seinem Leben etwas umbringen soll, was deutlich größer als eine Wespe ist, zögert. Denis betrachtet das Zaudern ungläubig: Just do it! Ein Schlag, der sich matschig anfühlt. Blut sickert in den Schnee. So. Nächstes Jahr soll Denis mal seine Flinte hergeben und zeigen, wie man einen Fuchs herfüttert.

Barbara Schaefer

Schweden: In der Wallanderstadt Ystad

Filmstudios in Ystad

ZU BESUCH BEI KOMMISSAR WALLANDER

In dem verschlafenen 27.000 Einwohner-Städtchen Ystad  an der schwedischen Südküste begeben sich die Touristen auf die spuren des mürrischen Kommissars Wallander.

Viele Fans Henning Mankells begnügen sich nicht länger mit der Lektüre der Bücher, immer mehr von ihnen pilgern an den Ort des mörderischen Geschehens und bescheren Ystad damit einen ungeahnten Besucherzuwachs. Die Tourismusbranche hat sich darauf eingestellt und bietet Stadtspaziergänge auf der Spur der Mörder an. Da kommt man dann auch in der Liregata vorbei, einer kleinen Straße, in der jeder schwedische Kleinbürger gerne wohnen würde. Und doch lauert hier das Verbrechen. Yvonne Ander, die sadistische Serienmörderin aus „Die fünfte Frau“ wohnt hier.

Wallanders Wohnung in der Mariagata 10Aber nicht nur Mordschauplätze sind das Ziel der Wallander-Touristen, auch die Wohnung des Kommissars ist ein beliebtes Fotomotiv. Eigentlich hat der sogar zwei Adressen. Für die Filmaufnahmen musste er nämlich umziehen. In den Büchern wohnt er in der Mariagata 10, für den Film wechselte er auf die andere Straßenseite ins Haus 11c. Zu Wallanders Wohnung fährt auch die Freiwillige Feuerwehr – denn selbst die ist in Ystad  in Sachen Wallander unterwegs. Sie bessert ihr Budget auf, indem sie Krimifans in einem blutroten alten Feuerwehrauto zu den Schauplätzen karrt.

Rasso Knoller