Kuba: Segeln ist die beste Medizin gegen Stress

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Wir sind gestresst, wollen raus aus dem Alltag, rein ins karibische Abenteuer. Endlich Urlaub. Abschalten, Baden, Energie tanken. Da ist Segeln auf Kuba die beste Medizin. Vor der Küste der größten Antillen-Insel kommt die Entschleunigung von ganz allein.
Unser Katamaran liegt in Cienfuegos, der alten Hafenstadt im südlichen Zentral-Kuba. Hier gibt es den bislang einzigen Yachtcharter-Hafen der Insel. Schon heute platzt er aus allen Nähten. Bald wird die Marina wachsen, 300 Liegeplätze sind geplant, alles soll moderner werden. Die Zukunftsmusik klingt so: Die Uferpromenade wird erneuert, ein Hotel- und Apartment-Komplex wird entstehen, Cafés und Einkaufmöglichkeiten ergänzen das neue Ensemble zwischen dem Hafen und dem in die Jahre gekommenen Hotel Jagua. Allen ist klar: es gibt viel zu tun.

 

k1024_car_purple_cienfuegos_loKeine Zeit zum Faulenzen

Bevor es aufs Meer „geht“ heißt es zunächst Wasser tanken, Proviant besorgen und die Ausschiffungsformalien erledigen. Das geschieht im Büro des freundlichen Hafenkapitäns, und nimmt einige Stunden in Anspruch. Am nächsten Morgen endlich setzen wir Segel. Ausgestattet mit Bade- und Schnorchel-Equipment führt uns ein guter Wind zu Trinidads stadtnahem Hafen Casilda. Trotz bröckelnder Fassaden hat die kunterbunte, koloniale Welterbe-Stätte den Glanz vergangener Tage nicht verloren. Einige Gebäude entlang der alten Pflasterstraßen sehen hellwach aus, andere scheinen zu schlafen. Die Fenster der Häuser bestehen aus beweglichen, um die Längsachse drehbaren Holzleisten. Wie Augenlider kann man sie auf- und zuklappen. Diese natürliche Air-Kondition lindert die Hitze, die über Trinidad liegt.

Robinson-Crusoe-Land

Auf dem Meer ist es viel angenehmer. Selbst unter weitgereisten Fahrensleuten gilt Kuba als unvergleichliches Segelrevier. Der große Vorteil gegenüber anderen Karibik-Inseln ist die Tatsache, dass die einsamen Buchten und palmengesäumten Strände mit keiner Yacht, mit keinem anderen Segelboot geteilt werden müssen. Hier ist Robinson-Crusoe-Land pur. Es „regiert“ das Gefühl von absoluter Freiheit.
k1024_catamaran_2_family_varadero_loFischen und Segeln gehören auf unserer Reise zusammen. Wir sind gut ausgerüstet. Doch leider taugen unsere mitgebrachten Angeln nicht viel. Das merken wir schon nach kurzer Zeit. Immer wieder wird der Köder abgebissen und verschwindet in den Weiten des Meeres. Zurück bleibt nur ein Stück Angelschnur. Alberto, unser Skipper, betrachtet milde lächelnd unsere „Angelkünste“. Als die Angst über ein wahrscheinlich ausbleibendes Abendessen zu groß wird, packt er endlich sein Hochsee-Gerät aus. Doch auch das bietet keine Garantie fürs Dinner. Als schon kaum noch Hoffnung besteht, nähern sich wie aus dem Nichts Fischer-Freunde von Alberto. Pablo, ein älterer, drahtiger Mann mit zerlöchertem Unterhemd, schwingt sich zu uns herüber. Die Männer begrüßen sich herzlich. Mit einer Büchse „Cristal“, dem beliebtesten Bier der Kubaner, wird zünftig auf die Begegnung angestoßen. Dann erzählt Pablo von seinem Fang: Ein Fünf-Kilo-Red-Snapper und zwei Kilo Scampi sind ihm ins „Netz“ gegangen. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Es kommt zum Tauschgeschäft.

Bier gegen Fisch
Rum und eine Palette Cristal gegen ein zünftiges Abendessen. Die Freude ist gegenseitig. Schließlich kommt man auf See nicht alle Tage so leicht zum Bier. Und wir? Wir sind glücklich über fangfrischen Fisch mit Meeresfrüchten.
Es ist nicht leicht, außerhalb der größeren Ortschaften einzukaufen. Auf Kuba ist immer noch Improvisationstalent sehr gefragt. Es mangelt an vielen Dingen. Gleichwohl steht das Land erfolgreicher da als die meisten Nachbarinseln. Neben einem sehr hohen Standard im Bildungs- und Gesundheitswesen, gelingt es Kuba immer besser, die eigene Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Kindersterblichkeit ist geringer als in den USA. Und trotz der allgegenwärtigen Engpässe gibt es hier die geringste Kriminalitätsrate in der Karibik.
k1024__mg_3883__Aber wir sind nicht zum Politisieren nach Kuba gekommen, von jetzt an gehört unsere ungeteilte Aufmerksamkeit dem Meer. Gerade das Segelrevier vor der Südküste bietet den Abenteuerlustigen, den Freizeitmatrosen, Tauchern und Anglern ein aus 660 unbewohnten kleinen Koralleninseln bestehendes Naturparadies. Ein sehr schönes Eiland ist das Cayo Iguana, die Insel der Leguane. Bewohnt von einem kubanischen Ehepaar, zirka 10.000 Leguanen und einer Million Einsiedler-Krebsen. Gott sei Dank vermieten die beiden alles, was es braucht, um die Insel zu erkunden.

k1024_kayak_cayo_iguana Uns genügt dazu ein knallgelbes, nagelneues Kajak. Es bringt uns um das kleine Stück Erde im Meer. Nach drei Stunden wird es Zeit für den Katamaran. Voller tierischer Eindrücke steigen wir in das Schlauchboot. Es muss nur noch angelassen werden.
Optimistisch nimmt unser Freund Thomas die Startschnur in die Hand. Kraftvoll zieht er am Starter. Der Motor gluckert kurz und bleibt stumm. Eine solche Art von Ungehorsam ist Thomas nicht gewöhnt. Er zieht ein zweites Mal. Noch kräftiger. Karibisch gelassen sagt der Motor wieder nichts. Nun platzt Thomas der Kragen. Mit Brachialgewalt reißt er die Schnur nach oben … und hat sie in der Hand.
Katamaran adieu!
Wie sollen wir nur zu unserem schwimmenden Zuhause kommen? Zu allem Unglück geht auch noch der Tag zur Neige, die Dämmerung bricht herein und unser Skipper ermahnt uns per Nebelhorn zur Eile.
Jetzt ist guter Rat teuer. Als die anwesenden Damen sich bereits auf interessante Stunden mit ihren Leguanen eingerichtet haben, tauchen überraschend bärtige Lebensretter auf. Sie entpuppen sich als freundliche Fischer. Tatkräftig nehmen unser Schlauchboot an die Hand und ziehen es die 500 Meter übers Meer bis zu unserem Ankerplatz. Kaum an Bord bedauern die Damen das nicht vollzogene Iguana-Abenteuer. Aber der Abend wird noch groß! In echt kubanischer Manier feiern wir mit Rum die Salsa-Nacht.
Am nächsten Morgen blicken wir wie Kolumbus in ein grünes Panorama mit menschenleeren, weißen Sandbänken. Mangrovenhölzer zieren wie Kunstwerke den Strand. Rund um unseren Katamaran tanzen kleine Schaumkronen, fordern uns auf, ins salzige Nass zu springen. Ausgelassen und frei wie Kinder. Die Welt unter Wasser ist Lebensraum für rund fünfzig Korallenarten und über 500 Fisch-Gattungen. Die bekanntesten sind unter ihnen: Barracudas, Snappers und Thunfische. Das Segeln im vollen Wind lockt zum süßen Nichtstun. Einschlafen mit der Musik des Meeres, den ganzen Tag auf dem Schiff herumturnen, sich keinem Dresscode unterwerfen. Das ist der wahre Luxus eines modernen Menschen…
Beiß, Bonito, beiß
Und es geht noch besser, plötzlich ist da der erste Fisch an der Angel. Zuerst ein vorsichtiges Rucken, dann ein energischer Biss, ein Bonito, eng verwandt mit den Thunfischen, hängt am Haken. Was für ein Hochgefühl! Wie eine Trophäe tragen wir ihn kurz später zum Grill. Selbst ungewürzt schmeckt er köstlich.
Weniger begeistert zeigt sich unser Skipper. Die umherfliegenden Grillkohle-Partikeln haben den weißen Bootsbelag in ein rußig-graues Schlachtfeld verwandelt. Nach zwei Stunden Schrubben ist der Katamaran wieder sauber, und wir haben uns einige Runden Domino-Spiel im Mondschein verdient.
k1024__mg_5632-2__Auch der nächste Tag gehört der Entspannung, es wird geschnorchelt und wer Lust hat, döst im Schatten der Palmen. Ein Tag vergeht wie der andere. Und doch kommt keine Langeweile auf. Das liegt auch daran, dass diese unvergleichliche Insel ein gesundes Herz hat. In seinen beiden Kammern leben unterschiedliche Zeitgefühle. Und doch funktionieren sie als Ganzes. In der einen Kammer lebt das typische Alltagsleben, die andere enthält eine gesunde Portion Aufbruchsstimmung, drückt aufs Tempo! Solange das kubanische Herz in diesem Rhythmus schlägt, ist einem um Kuba nicht bange.

Text: Kornelia Doren

Fotos: Marketing Cuba (5), K. Doren (1)

Ausführliche Infos zum Segeln auf Kuba finden Sie hier:

Kuba: Reiseinfos für Segler

Kuba: Reiseinfos für Segler

k1024__mg_3883__Reiseinformationen:

Kuba ist (noch) ein sehr ursprüngliches, aufregendes Segelrevier  – ob zum Mitsegeln auf  dem Katamaran mit Skipper oder für Selbstfahrer-Crews auf Yachtchartern.

Anreise
Condor hält Kuba seit 25 Jahren die Treue und hat die Anzahl seiner Flüge und Flugstrecken nach Kuba expandiert. Die Airline bietet Direktflüge nach Havanna, Varadero, Holguin und Santa Clara.

Die Marina von Cienfuegos ist ca. 250 km (3 Std.) vom Flughafen Havanna und ca. 60 km (1 Std.) vom Airport Santa Clara entfernt. Die Transfers zur Marina können bei spezialisierten Reisebüros wie Cuba Star Travel (www.cubastartravel.com) oder bei den Yacht-Charterfirmen gebucht werden.

Wind und Wetter
Kuba bietet ein subtropisches Klima und wird vom milden Nordost-Passat beeinflusst. Mit meist beständigen Winden zwischen 10-15 Knoten ist Kuba ist ein ganzjähriges Revier. Im Juli-August ist es meist sehr heiß mit über 30° Celsius. Im Januar wird es nie kälter als 18° Celsius. Die Wassertemperatur liegt meist bei 24 ° Celsius.

Einreisebestimmungen
Zur Einreise benötigen Sie einen noch 6 Mon. gültigen Reisepass und eine Touristenkarte.
Segeln ab Cienfuegos: Interessierte mit und ohne Segelerfahrung können in der „Marina Marlin“ Katamarane des Veranstalters „Dream Yacht Charter“ über die Firma „MASTER YACHTING“ buchen. Da das Segeln in diesem Revier anspruchsvoll ist, empfiehlt sich ein Skipper. Auch ein glänzender, amüsanter Koch wie Hugo steht auf Wunsch bereit. Das Chartern einzelner Kabinen ist ebenfalls möglich. Alle Einschiffungs- und Übernahme-Formalitäten werden in der „Marina Marlin“ schnell, charmant und professionell erledigt. Charter-Preisbeispiel: Eine „Nautitech 40 Open“ von Dream Yacht Charter kostet pro Woche zwischen 2600€ (Oktober 2016) und 4100€ (Mai 2017). Ein Skipper kostet am Tag zwischen 80€ und 95€.
Kontakt: Master Yachting GmbH, Yachtcharter 1a, 97286 Sommerhausen, Tel.: 09333/90 440

Weitere Anbieter in der Marina Cienfuegos:

ALBORAN-BLUESAIL, CON-IMPEX Touristik GmbH & Co. KG, www.alboran-bluesail.com / www.alboran-charter.com

PLATTEN SAILING CUBA, http://www.platten-sailing.de,

Cienfuegos: Empfehlenswert ist für die Voranreise eine Übernachtung in der original erhaltenen Kolonialvilla „Casa Azul“, die sich gleich neben dem Yacht-Hafen befindet. Buchbar bei www.cubastartravel.com

Trindidad: Restaurant “Sol Ananda”, Calle Real # 145, Plaza Mayor. Feine Küche, argentinische Weine und Degustationen. Tel. + 53-528 146 12,

Allgemeine touristische Infos:
Kubanisches Fremdenverkehrsamt: www.cubainfo.de

Zusammengestellt von Kornelia Doren

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Kuba: Auf leeren Straßen durch den Westen der Zuckerinsel

 

 

Thailand: Koh Samui – Captain Miguel und seine Crew

Rasso Knoller Ankern vor Koh Mae Koh

© Rasso Knoller

 

Der Ang Thong Meeresnationalpark im Süden Thailands ist das perfekte Segelrevier. Profis erfreuen sich an optimalen Bedingungen, und wer nicht segeln kann, mietet sich zum Boot einfach den Skipper mit dazu.

Miguel steuert das Boot hinein in die Bucht von Ao Thong Nai Pan Yai auf der Insel Koh Pangan. Die Sonne ist eben untergegangen und das Schwarz der Nacht legt sich wie ein Seidentuch über den Süden Thailands. Die Sterne funkeln am klaren Himmel, der Mond spiegelt sich im wellenlosen Meer und vom Ufer her locken Strandfackeln Yachttouristen wie uns an. Ein Restaurant reiht sich dort ans andere, der Duft von Massaman Curry weht herüber auf unser Boot. Dass man auch in der Hochsaison immer einen Platz in einem der Lokale findet, liegt daran, dass die Schmetterlingsbucht, wie der lange Name ins Deutsche übersetzt heißt, vom Land her nur schwer zu erreichen ist. Die rumplige Piste, die dorthin führt, ist für Ausflugsbusse tabu.

Segeln im Ang Thong Nationalpark:  Katamaran

© Rasso Knoller

Miguel setzt uns mit dem Beiboot über, der laue Abendwind streichelt die Haut und als wir ins Wasser springen, um das Dinghi an Land zu schieben, umschmeichelt warmes Wasser unsere Beine. Vor der Yai Bar ziehen wir unser Boot auf den Strand. Lampions, Lichterketten und Fackeln zaubern eine Stimmung, als sei das Restaurant einem Märchenbuch entstiegen und man erwartet fast, dass Elfen und Feen an den Tisch schweben, um die Bestellung aufzunehmen. Ganz entspricht die junge Kellnerin zwar nicht dem Märchenklischee, doch auch von ihr serviert, schmeckt das Chang, das Bier mit dem Elefanten auf der Dose, ganz ausgezeichnet. Nach dem wir den ersten Durst gestillt haben, ziehen wir weiter ins nächste Restaurant. Es wurde eben erst neu eröffnet und gehört einem österreichischen Aussteiger. Der ist im Stress und hat keine Lust auf ein Gespräch. Zu viel zu tun.

Aussicht auf grüne Perlen und Haifischflossen

Skipper Miguel

© Rasso Knoller

Miguel ist da cooler. Er hat den europäischen Stress auf dem alten Kontinent zurückgelassen und sich schon ganz an die entspannte thailändische Lebensweise angepasst. Der 31- jährige Portugiese mit Vollbart ist eigentlich Architekt. Jetzt aber steuert er Segelboote durch den Golf von Thailand, ist mit den Gästen eines Yachtvermieters zu Touren durch die Inselwelt des Ang Thong Nationalparks unterwegs. 42 Inseln zählen zu dem Schutzgebiet, und ein jede von ihnen weist gleich ein paar Sandstrände auf – paradiesische Zustände für Wasserratten also.
Ausgangspunkt der Reisen ist Koh Samui, eine Insel, von der Thailandneulinge schwärmen. Die alten Hasen aber beklagen, dass dort inzwischen der Massentourismus angekommen sei und erinnern sich wehmütig an Zeiten, als man noch allein vor seinem Bungalow saß und den ganzen Strand für sich hatte.
Die einen mögen die Veränderung, die anderen bedauern sie – wer mit dem Boot unterwegs ist, dem kann die Diskussion egal sein. Denn sobald die Yacht den Hafen verlassen hat, ist man mit sich und dem Meer allein, und man geht dort vor Anker, wo es einem passt.

Austieg zum höchsten Berg auf Koh Wua Talap

© Rasso Knoller

Nur zweimal auf unserer Reise durch die thailändische Inselwelt, als wir Koh Wua Talap und Koh Mae Koh anlaufen, müssen wir unsere selbstgewählte Einsamkeit aufgeben und die Schönheit der Natur mit anderen teilen. Beide Inseln locken mit atemberaubenden Aussichtspunkten und sind deswegen Ziel vieler Tagesausflügler aus Koh Samui.
Auf Koh Wua Talap – der Insel der schlafenden Kuh – steigt man, skeptisch beäugt von Brillenlanguren, hinauf zum höchsten Berg der Insel. Brillenlanguren sind gut einen halben Meter große Affen mit bräunlich-schwarzem Fell und einem langen Ringelschwanz. Ihren Namen hat man ihnen wegen der weißen Haut verpasst, die ihre Augen einfasst und sie aussehen lässt, als bräuchten sie eine Sehhilfe.
Der Marsch den Berg hinauf ist ziemlich schweißtreibend und führt die letzten Meter über steile Felsen. Über die schwierigsten Stellen helfen Seile hinweg, trotzdem ist der Weg nichts für die Badelatschenfraktion.

Gipfelblick in KohWua Talap

© Rasso Knoller

Es ist aber nicht der anstrengende Aufstieg, der einen oben angekommen den Atem stocken lässt. Der Blick von der Aussichtsplattform ist schlichtweg gigantisch. Überdimensionale grüne Haifischflossen, sonderbare einarmige Giganten und stachelige Igel scheinen ist drunten aus dem Wasser zu erheben. Wer auch immer die Inseln des Ang Thong Nationalparks geschaffen hat, er hat es an einem besonders kreativen Tag getan.
Zum Aussichtspunkt auf der benachbarten Insel Koh Mae Koh führen praktischerweise Treppen hinauf. Oben angekommen weiß man gar nicht, wohin man zuerst blicken soll – hinaus aufs Meer und die Inselwelt des Nationalparks oder hinab auf einem kleinen Inlandsee, der wie eine blaue Perle vom Grün des Dschungels eingerahmt wird. Angeblich hat er die Macher von „The Beach“ zu ihrem Drehbuch inspiriert. Gedreht wurde der Film dann auf Koh Phi Phi, einer anderen Insel vor der Küste Südthailands.

Ausblick von Koh Mae Koh

© Rasso Knoller

Miguel sagt wie es geht

In Koh Tao liegt die Schönheit vor allem unter Wasser. Die Insel bzw. das Meer davor gilt als Tauchparadies. Gelb, blau, rot – die Fische scheinen allesamt durch den Farbtopf geschwommen zu sein, bevor sie den Weg ins thailändische Wasser gefunden haben. Und dort tummeln sich viele von ihnen in geringer Tiefe – um sie zu sehen, muss man nicht tauchen zu können. Schnorchel und Taucherbrille genügen. Ebenso wenig braucht man einen Segelschein, um in Thailand eine Yacht zu chartern. Wer keine Segelerfahrung hat, mietet sich den Skipper einfach mit dazu. Leute wie Miguel sorgen dann dafür, dass auch Landratten Spaß haben. Der bärtige Portugiese ist bei uns der Chef an Bord. Er hat seine ungelernte Crew gut im Griff, schickt sie zum Anker lichten, Segel setzen oder überlässt einem Rookie auch schon mal das Ruder.

© Rasso Knoller,  Segeln im Ang Thong Nationalpark: Yacht

© Rasso Knoller

Alles aber nur, wenn seine Gäste das auch wollen. Denn Miguel kann das Boot auch alleine segeln und dann können sich die Passagiere ganz auf die Szenerie oder die kalten Biere konzentrieren. Das aber passiert nur selten, erzählt Miguel. Die meisten Gäste wollen mithelfen und denen gibt er dann, wie uns, immer gut gelaunt, seine Anweisungen. Obwohl ich auch nach Tagen immer noch überlegen muss, wo nun genau Luv und Lee liegen und mir Begriffe wie Großsegel, Vorsegel oder Spinnaker noch lange nicht flüssig über die Lippen kommen, fühle ich mich nach einer Woche an Bord doch ein wenig wie Captain Cook, oder na ja, wenigsten wie einer seiner Matrosen.

Text und Fotos: Rasso Knoller

Indonesien: Auf dem Segelschiff durchs Land der Drachen

Heinke, Indonesien-Ombak Putih

Ob es an der „inneren Uhr“, den abenteuerlichen Träumen oder einfach nur am Rasseln der Ankerkette lag – an diesem Morgen sind einige Passagiere der Ombak Putih schon vor Sonnenaufgang wach. Um die Ankunft  im „Land der Drachen“ nicht zu verpassen, haben sie die Nacht unter freiem Himmel auf dem Deck des Segelkreuzfahrtschiffes verbracht.
Nach Exkursionen auf den Inseln Lombok, Sumbawa, Moyo und Satonda sowie unzähligen Schwimm- und Schnorchel-Stopps liegt der hübsche Zweimaster mit den tiefblauen Segeln vor der Küste von Komodo – für Bärbel aus Bonn und die Norwegerin Mona neben den Ausflügen in die schillernde Unterwasserwelt ein Höhepunkt dieser zehntägigen Seereise durch Indonesien.

Heinke, indonesien-fischeDass die Insel Bali wie auf fast jeder Route der Ombak Putih nur als Start- oder Zielpunkt erscheint, ist Absicht. Schiffseigner Dick Bergsma, der die Fahrt begleitet, liebt die Vielfalt des Landes. Und er zeigt sie gerne seinen Gästen. „Seit ich 1976 zum ersten Mal als Backpacker hierher kam, kann ich nicht verstehen, dass es 17 500 indonesische Inseln gibt, aber fast jeder immer nur von Bali spricht“, erzählt der sympathische 67-Jährige. „Bis heute ist es das bekannteste Stück Indonesiens, wohl aber auch das mit den meisten Touristen – ohne Frage wunderschön, doch eben nur einer von den vielen traumhaften Plätzen hier.“

Und da man das tropische Inselreich zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean am besten auf dem Wasserweg erkundet, tat sich Dick eines Tages mit Freunden zusammen. Sie kauften ihr erstes Schiff und luden Gleichgesinnte zum Insel-Hopping ein. Bei aller Sorge um Technik und Sicherheit sowie professionelle Abläufe in jeder Hinsicht sieht Dick als wichtigste Zutat für sein erfolgreiches Reiserezept „eine gute Atmosphäre“. Damit diese stimmt, verzichtet er schon mal auf einen Gast, der eher auf einen Luxusliner gehört als auf ein Segelschiff. „Auch wenn die Ombak Putih Viersterne-Komfort bietet, geht es bei uns doch recht leger zu“, sagt der erfahrene Seereisende.

Heinke, Indonesien-Ombak PutihMit den 24 Passagieren ist der Schoner komplett belegt. Zwölf bequeme Kabinen mit Bad, WC und Klimaanlage stehen ihnen zur Verfügung. Für eine angenehme Reise sowie ein spannendes Programm sorgt die 17-köpfige Crew, allen voran Frans Huneker. Offiziell ist der Niederländer Kreuzfahrtdirektor, eigentlich aber die gute Seele des Schiffes. In seiner Heimat arbeitet der fröhliche Mann in den 50ern halbjährig als Englischlehrer. In Indonesien, wo er ebenfalls seit vielen Jahren zu Hause ist, verbringt der Weltenpendler die meiste Zeit auf der „Weißen Welle“ – Indonesisch: „Ombak Putih“. Wie Frans berichtet, wurde der fast komplett aus Teak-, Bangkirai- und Eisenholz bestehende Zweimaster 1996/97 in Südsulawesi im Stil der traditionellen ‚Pinisi’ gebaut. „Diese Schiffsform, nach dem Volk seiner Erfinder auch ‚Bugi-Schoner’ genannt, wird seit Jahrhunderten für Fischfang und Handelstransporte genutzt“, weiß der seefahrende Holländer. Noch etwas schlaftrunken, aber voller Abenteuerlust, hocken die beiden Kreuzfahrerinnen Mona und Bärbel auf ihren Liegen, schmecken – mitten im europäischen Winter – frische Sommerluft und schauen fasziniert auf die zerklüftete Silhouette von Komodo.

Heinke, Indonesien-Ombak PutihWie Scherenschnitte aus dem Schattentheater bauen sich die schwarzen, zackigen Felsen auf. Gleich einem Höllenschlund scheinen sie aus ihrer Mitte das Sonnenfeuer auszuspeien. Erst färbt sein Licht den Himmel lila und orange, die Berge blau, dann golden… Im Handumdrehen ist es hell und  wenig später auch schon heiß. „Frühstück!“, ruft Frans. Und: „Langt gut zu – heute braucht ihr viel Energie!“ Überflüssige Worte. Wie bei jeder Mahlzeit leert sich das Buffet im Nu wie von allein. Seeluft macht hungrig, und außerdem können Schiffskoch Irham und seine Smutjes verdammt gut kochen.

Auf einem Eiland vor unserer Zeit

Das Boot legt an. Willkommen in Loh Liang auf Komodo! Die eben in der Dämmerung noch so bedrohlich wirkende Insel, Heimat der nach ihr benannten Warane oder „Drachen“, entpuppt sich bei Tageslicht und aus der Nähe als recht freundliches und vor allem sonniges Plätzchen. Dennoch: Die Gewissheit, dass hier menschenfressende Urzeitechsen frei herumspazieren, verleiht der idyllischen Szenerie eine gewisse düstere Note.

Heinke, Komodo-Waran

„Normalerweise greifen sie Menschen nicht an, meiden den Kontakt zu ihnen und reißen manchmal sogar aus“, erklärt Arif, der einheimische Führer. Normalerweise. Mit einem Stock bewaffnet, ermahnt er seine Gäste, stets hinter ihm zu bleiben.Und da, wie platt auf den trocknen Boden gedrückt, liegen in einer Lichtung zwei erwachsene, knapp zwei Meter lange Komodowarane – absolut bewegungslos. Doch nein, einer hebt den Kopf, öffnet sein breites Maul und züngelt. Offenbar macht er sich nichts aus Menschenfleisch und legt sich wieder hin.
„Der letzte Unfall ist zwei Jahre her. Ein Junge aus dem Dorf wurde gebissen und starb ein paar Wochen später an dem Gift und den Bakterien“, berichtet Arif. Von einem Touristen aus der Schweiz, der vor Jahren bei einer Inseltour verloren ging, wurden später nur ein Schuh und seine Kamera gefunden.

Heinke, Komodo Waran

Menschen stehen offenbar nur selten auf der Speisekarte der Komodowarane. Allerdings soll es schon vorgekommen sein, dass Leichen ausgegraben und verzehrt wurden. Bei den großen Exemplaren gibt es meistens Wild – wie Büffel, Hirsch und Wildschwein, ebenso Hühnchen, Ziege oder Kalb, gerne auch mal Aas. Die kleinen, die noch in den Bäumen leben, fressen Eidechsen, Vögel und Insekten. Insgesamt begegnen den Wanderern an diesem Tag sechs Komodowarane. Wie flink sie sein können, bekommt die leichtsinnige Mona zu spüren, als sie einem zu nahe kommt. Zum Glück ist die junge Touristin schneller.

Fallende Sterne und fliegende Hunde

Zurück an Bord geht es weiter Richtung Osten. Als die Sonne sich dem Horizont zuneigt, ruft Dick: „Kommt schnell an Deck!“ Riesige Scharen von Flughunden ziehen wie Vogelschwärme über das Schiff hinweg auf dem Weg zu ihren Schlafplätzen. Die  Kreuzfahrer sind schon da, wo sie heute wieder übernachten – auf dem Sonnendeck. Trotz Müdigkeit kommen sie lange nicht zur Ruhe. Dafür ist der klare Sternenhimmel viel zu schön. Fünf zu drei für Bärbel stand es beim Sternschnuppenzählen, bevor dann endlich alle schlafen.
Mehr Drachen sowie Affen, Mähnenhirsche und wilde Wasserbüffel sieht man bei einer langen Wanderung auf Rinca, der wohl schönsten Insel im Komodo-Nationalpark. Ihre höchste Erhebung, der 667 Meter hohe Berg Doro Ora, bietet eine fantastische Sicht auf die südliche Bucht und auf West-Flores. Dort, im Bergdorf Melo nahe Labuan Bajo,  wird die Besatzung der Ombak  Putih am nächsten Tag mit einem Gästeritual empfangen – mit selbstgebranntem Palmenschnaps, Betelnüssen und „Caci“, einem Kampftanz mit Masken, Schellen, Schild und Peitsche.

Heinke Indonesien Flores

Musik und Tanz zum Abschied gibt es auch am letzten Abend dieser Reise, bei einem Strand-Grillfest im Fackelschein – mit der kompletten Schiffscrew als singendes Orchester. An solche Tage wie auf der Ombak Putih will man sich gern gewöhnen…

Casten Heinke Indonesien-Flores

Text und Fotos: Carsten Heinke

 

Service-Informationen Indonesien

 Anreise-Tipp: Die vielfach ausgezeichnete Fluggesellschaft Singapore Airlines verbindet Deutschland und Indonesien. Ab Frankfurt haben Reisende zweimal täglich die Möglichkeit ab Frankfurt und einmal täglich ab München, nonstop nach Singapur zu fliegen. Von dort aus bietet Singapore Airlines zusammen mit Silk Air, der Tochtergesellschaft, insgesamt 169 Flüge zu vierzehn indonesischen Zielen an. Bali, die berühmte Insel der Götter mit ihrem Zielflughafen Denpasar wird von Singapur aus in der Hauptreisezeit viermal täglich angeflogen, Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens, neunmal täglich. SilkAir, die Tochtergesellschaft von Singapore Airlines, steuert von Singapur aus zwölf Ziele in Indonesien an: Bandung, Balikpapan, Makassar, Manado, Medan, Palembang, Pekanbaru, Semerang, Solo City, Surabaya, Yogyakarta sowie dreimal wöchentlich Balis Schwesterinsel Lombok. Die Flotte von Singapore Airlines besteht derzeit aus 101 Flugzeugen modernsten Typs, mit einem Durchschnittsalter von sechs Jahren und vier Monaten. Bereits 48 Stunden vor Abflug können sich gebuchte Passagiere online einchecken und einen Sitzplatz buchen. Auf jedem Flug von und nach Deutschland befinden sich Deutsch sprechende Flugbegleiter an Bord.  Flug mit Singapore Airlines ab/bis Frankfurt nach Lombok ab 980 Euro. Die Airline fliegt dreimal täglich ab/bis Deutschland nach Singapur. Tochtergesellschaft SilkAir fliegt fünfmal wöchentlich die Strecke Singapur – Lombok. Weitere Informationen unter www.singaporeair.com
Einreise: mit noch mindestens sechs Monate gültigem Reisepass. Ein Visum für bis zu 30 Tage (Gebühr 25 USD) wird direkt bei der Einreise erteilt.
Kreuzfahrt-Tipp: Mit SeaTrek Sailing Adventures auf dem Viersterne-Zweimaster-Segelschiff Ombak Putih – zum Beispiel 7 Tage ab Bali bis Flores je Person in der Doppelkabine mit Vollpension ab 1.950 USD. Highlight des Veranstalters in diesem Jahr ist eine zwölftägige „Segel-Kreuzfahrt auf der maritimen Seidenstraße“ mit dem Schoner Katharina von Singapur nach Java mit wissenschaftlicher Experten-Begleitung ab 5.495 USD. Weitere Informationen unter Telefon +62 (0) 361 270 604 oder unter www.seatrekbali.com
Hotel-Tipps: Novotel Coralia Lombok (4 Sterne) – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.435 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 35 Euro, www.novotellombok.com
Puri Mas Boutique Resort & SPA (4 Sterne plus)  – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.560 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 58 Euro, www.purimas-lombok.com
Ayodya Resort Bali (5 Sterne) – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.244 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 40 Euro, www.ayodyaresortbali.com
Alle genannten Hotels sind buchbar zum Beispiel bei Thomas Cook Reisen, Telefon 06171/ 6500, www.thomascook.de
Für gehobene Ansprüche: das Luxus-Zeltresort Amanwana (Moyo Island) mit eigener Yacht, zum Beispiel bis 30.4. kostet das Ocean Tent 950, das Jungle Tent 850 US-Dollar pro Nacht (für jeweils eine oder zwei Personen) zzgl. 125 US-Dollar pro Person und Tag für alle Mahlzeiten, nichtalkoholische Getränke, Wäschereiservice, Kurzwanderungen und nichtmotorisierte Wassertsportaktivitäten. Telefon (kostenfrei aus Deutschland) 0800/ 181 3421 oder (kostenfrei aus der Schweiz) 00 800/ 2255 2626, www.amanresorts.com Restaurant-Tipp: Die international erfahrenen Köche des “Square Restaurant & Lounge”, eines der besten Lokale auf der Insel Lombok, bieten ihren Gästen sowohl indonesische Speisen als auch Gerichte der westlichen Küchen von exzellenter Qualität – zum Beispiel „Gegrillte Garnelen & Mahi Mahi“ mit sautiertem Gemüse und Knoblauch-Zitronenbutter-Sauce für 6,70 Euro oder australisches Striploin-Steak mit gemischtem Grillgemüse, Anchovisbutter und Pommes Frites für 9 Euro. Senggigi Square Blok B-10, Jl. Raya Senggigi, Lombok, Telefon +62 370/ 6644 888, 693 688, www.squarelombok.com
Wellness-Tipp: Das Puri Mas Boutique Resorts & Spa auf Lombok bietet Pevonia Botanica Treatments wie entgiftende, reinigende und belebende rituelle Körpermassagen mit Algen Body Scrub (120 Minuten mit Fußbad und Body Moisturizer) für 50 Euro. www.purimas-lombok.com
Auf der Ombak Putih geben Matrosen traditionelle Massagen für 10 Euro. Im Ayodya Resort auf Bali kostet eine Mandara Massage 77 USD, eine 80-minütige balinesische Massage 65 USD.
Geld: Die nationale Währung ist die Rupiah. In Hotels und vielen Geschäften und Restaurants in größeren Touristenzentren werden Kreditkarten und oft auch US-Dollar akzeptiert. Geldwechselstuben tauschen die meisten Währungen, aber nicht immer Traveller Checks.
Gesundheit: Das Auswärtige Amt empfiehlt die Standardimpfungen wie gegen Tetanus, Diphterie, Polio und Hepatitis A. Ausreichend Sonnen- und Mückenschutz mitnehmen!

British Virgin Islands: Weiße Segel unter der Karibiksonne

Mit dem „Star Clipper“ durch die schillernden Wasser der British Virgin Islands

Von der Hängematte vor „Foxy’s Bar“ schweift der Blick über Bucht und Meer. Leise rollen die Wellen heran, überspülen den elfenbeinpudrigen Strand, Palmenwedel wiegen sich träge im Wind. Eine Frau streift barfuss über den Saum der weitgefächerten Brandung. Ihre Fußabdrücke füllen sich mit Wasser, Augenblicke später hat das Meer alle Spuren verwischt. Warm der Wind, warm die Wellen, warm der Sand: Süßes Nichtstun unter Palmen, Rum Punch unter Zunge und Gaumen, so frisch, so kühl, so fruchtig. Angehaltener Traum. Don’t move – das hört man oft in der karibischen See.

Foto: Katharina Büttel

Ortsbestimmung: Fliederfarbene Häuschen mit weißen Dächern und rosa Türen im Grün der White Bay. Kennen Sie nicht? Auf dem winzigen Eiland Jost van Dyke. Kennen Sie nicht? Auf den Britischen Jungferninseln, (BVI). Kannte ich bis dato auch nicht. Kleine Antillen, Inseln über dem Wind östlich von Puerto Rico, wo das Karibische Meer und der Atlantik zusammenschwappen. Die Einwohner, so an die 18000, schwarzer Hautfarbe zumeist und Nachfahren afrikanischer Sklaven. Neben der britischen Kronkolonie gibt es noch die benachbarten US Virgin Islands. Ganz anderes Feeling meinen alle, die mal dort waren. Viel mehr Leute, vielmehr Rummel, amerikanisch eben.

Foto: Katharina Büttel

Sint Maarten, eine Insel, zwei Länder. Der Norden gehört zu Frankreich, der Süden zu Holland. Im Yachthafen vom Hauptort Philipsburg wartet die weiße Viermast-Bark „Star Clipper“, 115 Meter lang, 15 Meter breit. Für Kapitän Loretto Mancino und seine Crew heißt es am Abend: Sail away, Leinen los! Es erklingt der Soundtrack aus dem Kolumbus-Film „1492: Conquest of Paradise“. Welch ein Spektakel! In wenigen Minuten takelt sich der Großsegler fast selbsttätig auf, dank starker Hydraulik. Keiner muss mehr in die Wanten steigen und auf die Rahen klettern. Wind frischt auf, Wellen klingen. Winden knarzen, Seile quietschen, Segeltuch flattert, grummelt und bollert wie ein aufziehendes Gewitter. Hinreißend romantisch!

Die British Virgin Islands, aus Vulkanen geboren, sind ein Traum zum Segeln: Stetige Passatwinde und türkisfarbenes Wasser. Wilde Felsenberge und sattgrüne Macchia von weißen Stränden umschlungen. Unberührte Natur, Kulturschätze kaum.

Am nächsten Mittag: Ankern vor Anguilla in der Road Bay. Schon wieder ein anderes Land, jetzt die Engländer. Wie ein Aal schlängelt und räkelt sich die flache, schmale Insel im Meer, 25 Kilometer lang, fünf breit. Mit eleganten Resorts und ausgezeichnetem Golfplatz. Der klapprige Inselbus bringt uns zu dem allerschönsten Traumstrand der gesamten Karibik: An der Shoal Bay kräuseln sich smaragdfarben die Wellen auf strahlendweißem Korallensand, Strand und Meer soweit das Auge reicht. Wenige Touristen nur, keine Casinos, nette Beachbars, bunte Fische und am Strand spielt eine Reggae-Band – was will man mehr.

Auf dem Weg nach Virgin Gorda, der „Dicken Jungfrau“, passieren wir den engen Francis Drake Channel und sehen bald einen wirklich schnuckeligen Hafen, Marina Bay. Kaum mehr als ein pastellbunter Würfelhäuserhaufen mit einer Puppenstubentankstelle für Eis und Benzin. Und dem Bitter End Yacht Club, feinste Segleradresse im Inselreich, und der Sunset Bar, wo zum Tagesausklang so richtig die Post abgeht. Hier werden die BVI’s sehr amerikanisch.

Wir genießen lieber das beschauliche Bordleben. Die Gäste auf dem Star Clipper sind Foto: Katharina Bütteleine interessante Melange aus Amerikanern, Briten, Franzosen, Deutschen, Italienern und Russen. Jeden Abend treffen sich alle im kleinen, feinen Restaurant zum exquisiten Dinner. Danach gesellt man sich zum Pianospieler oder trifft sich auf einen Drink an der Tropical Bar auf dem Hauptdeck, alles schick in Teak und Messing. Es ist eine Nacht, in der man nicht schlafen gehen will. Satt leuchten die Sterne am Himmel, an Land funkeln die Lichter die Hänge hinauf.

Weiter geht die Fahrt frühmorgens unter vollem Tuch – das sind 3365 Quadratmeter voll Wind! Und wie er segelt, der Windjammer, gebläht, selbst bei mäßiger Brise! Jederzeit – Prinzip der Reederei – können die Passagiere den Seeleuten bei ihrer Segelkunst zuschauen, selbst auch mit Hand anlegen. Ziel ist Norman Island im scheinbar undurchdringlichen Gewirr der vielen Jungferninselchen. Das bot einst Seeräubern ideale Verstecke. Hier muss wohl R. L. Stevenson den Schauplatz seiner berühmten „Schatzinsel“ gefunden und sie wohl auch dort geschrieben haben.

Foto: Katharina Büttel

Von Norman Island ist es zur Hauptinsel Tortula nicht weit. Man ankert auf Reede. Tenderboote bringen die Gäste an den Zuckerstrand. Längst hat das Sportteam im Schatten einer Palme Kajaks, Wasserski und das Bananenboot ausgebreitet. Von hier führen alle Wege nach Road Town. Es ist kein altes, eher ein konstruiertes Dorf im bunten Karibikstil, wo Banken und Firmen aus aller Welt Briefkästen angenagelt haben – in die niemals Steuerbescheide eingeworfen werden! Im kleinen Hafen wiegen sich die Yachten, deren Eigner zur Happy Hour die In-Kneipe „Pusser’s“ bevölkern, Einheimische sieht man kaum. Wer bummeln will, schlendert durch die Main Street. Bei „Sunny Caribee“ gibt es einheimische Gewürze, im „Pusser’s Company Store & Pub“ den besten Rum.

„Pina Colada oder Rum Punch?“, fragt die Schaffnerin an Bord der Scenic Railway auf der Insel St. Kitts. Wir sitzen auf dem offenen Oberdeck der farbig angestrichenen Eisenbahn und genießen eine der schönsten Bahnstrecken der Welt. Bei leiser Musik und Insel-Historie fährt sie rund um’s Eiland. Es geht durch Zuckerrohrfelder, vorbei an Windmühlen, die Küste entlang, hinauf in den Regenwald, den Vulkan Mount Liamuiga im Blick und die Schwesterinsel Nevis. Weiter über Stahlbrücken, die sich über tiefe Canyons spannen, hinab in die kleinen Örtchen, etwa St. Paul’s, und nach gut drei Stunden wieder zurück in den Hauptort Basseterre. Auf dem Inselduo geht es noch gelassener zu, als in der Karibik eh schon üblich. Mit Affenzahn geht hier gar nichts. Aber Affen gibt es auf St. Kitts mehr als genug. Mittags ist Affenhitze und Affenzeit! So kann es passieren, dass eine Grüne Meerkatze oder ihr ganzer Trupp anrückt, auf die Waggons springt und saufen will – gern auch mal Rum Punch.

Das Meer ist friedlich, der weiße Segler lichtet die Anker und gleitet lautlos ins Abendrot hinein. Die Antilleninsel St. Barthélemy ist Frankreichs glamouröser Außenposten, das karibische St. Tropez. Angenehmes, Teures, angenehm Teures kommen hier zusammen: Die oberen Zehntausend geben sich ein Stelldichein, Royals und halb Hollywood machen hier Ferien. Im Hafen von Gustavia liegen die Millionärsyachten dicht an dicht; in den Restaurants stehen die Köche aus Paris hinter dem Ofen. Showtime und Starreigen ist fast immer. Sehen und gesehen werden, das ist hier wichtig! Beim Sundowner im In-Treff „Carré d’Or“ oder im „Le Select“, dem ältesten Lokal der Insel. Oder natürlich beim Shopping in den unzähligen Nobelboutiquen, wo Kreditkarten schmelzen wie Butter unter der Sonne. Aber auf St. Barth sei man diskret, sehr diskret und verkrümele sich eher an die 22 Traumstrände, versteckt und verschwiegen, bitte sehr! In St. Jean ist „Nikki Beach Bar“ die prominente und originelle Adresse für das St. Barth-Feeling und den Kult-Cocktail „Hibiscus“ – gemixt aus Rum, Baileys, Kokos und Grapefruit: Karibik in Flüssigform.

Text und Fotos Katharina Büttel