Schweden: Kunst im Untergrund – die Stockholmer Tunnelbana

Wer in die U-Bahn steigt, möchte möglichst schnell sein Ziel erreichen. Das kann man auch mit der Stockholmer Tunnalbana. Doch man kann sich auch Zeit lassen und an jeder Station aussteigen und die U-Bahnfahrt so zu einem Kunsterlebnis machen – eine wunderbare Beschäftigung an verregneten Tagen. Denn die Bahnhöfe der Tunnelbana bilden die längste Galerie der Welt – behaupten zumindest die Stockholmer. Besonders reizvoll sind diese Streifzüge im 10-Minuten-Takt der blauen Metrozüge zu nächtlicher Stunde. Wenn die Züge fast menschenleer über die Bahnhöfe huschen und die letzten Nachtschwärmer zu Skulpturen auf den Sitzbänken werden, hat man die nötige Muße, um die moderne Kunst auf sich wirken zu lassen.

Ganz bewusst haben sich die Stockholmer im Untergrund gegen fahles Neonlicht, eintönig gekachelte Wände und überlebensgroße Reklametafeln entschieden. Für die Pendler, die tagtäglich mit der Tunnelbana zur Arbeit fahren, sind die Kunstwerke an den Tunnelwänden zwar nur Hintergrundkulisse, trotzdem ist jeder Stockholmer stolz auf seine Metro. Mittlerweile sind fast alle der 100 Stationen in irgendeiner Weise künstlerisch gestaltet. Mehr als 125 verschiedene Künstler haben in den letzten 40 Jahren an den Stationen der Untergrundbahn ihre Spuren hinterlassen.

Die in den Fels gehauenen Tunnel sind zur Spielwiese der künstlerischen Avantgarde geworden, die ihre moderne Höhlenmalerei als Kunst für die Masse versteht. Die Fahrt durch die Stockholmer Unterwelt offenbart immer wieder Überraschendes: Die freundlich lachende Sonne am Thorildsplan oder den imaginären Blick durch den Fels auf einen strahlend blauen Himmel. In der Station Rådmansgatan weisen Strindbergs stechende Augen den Touristen den Weg zu seinem Museum. Solna Centrum ist ein Alptraum in Grün und Blutrot: Die Wandgemälde „Schweden in den Siebzigern“ illustrieren die Zerstörung der Natur, die Vergiftung der Gewässer und den Tod des Waldes in düsteren Bildern.

Höhepunkt der unterirdischen Bilderreise ist die blaue Linie von Kungsträdgården nach Akalla und Hjulsta. Beinahe jede Station auf dieser Linie ist ein kolossales Kunstwerk, überraschend, faszinierend oder dramatisch, ein überzeugender Sieg über die Monotonie öffentlicher Verkehrsmittel. Die Station Stadion mit ihren bunten Wegweisern, den Blumen und dem leuchtenden Regenbogen, der über die rauen Felswände fließt, strahlt Fröhlichkeit und Optimismus aus. Tekniska Högskolan dagegen ist geometrisch gestaltet, die strengen Formen der Kunstwerke in dieser Station symbolisieren die vier Elemente. Die Faszination für die Tunnelkunst erfasst nicht nur Besucher, auch die hartnäckigsten Graffiti-Sprayer sind beeindruckt, und verschonen Wanddekorationen, Skulpturen, Reliefs und Mosaike.

Christian Nowak

Slideshow: Motive aus der Stockholmer U-Bahn

 

 

Picus Lesereisen: Stockholm

Knoller, Lesereisen StockholmIm Freilichtmuseum Skansen treffen Touristen aus aller Welt, die eine Zeitreise durch sechs Jahrhunderte antreten, mit begeisterten Fans der schwedischen Schlagermusik zusammen. Auch auf die der Stadt vorgelagerten zigtausend Schäreninseln treibt es die Touristen – freilich zumeist Tagesausflügler aus der Stadt. Auf manchen dieser Inseln wohnt bloß eine Handvoll Menschen, doch selbst für die ist gesorgt: Ihre Post erhalten sie per Luftkissenboot, und mitunter teilen sich bloß vier Kinder eine ganze Schule samt Lehrerin. Rasso Knollers Streifzüge durch die größte Stadt Schwedens führen ihn in das Edelrestaurant Stadshuskällaren, in dem die Dinners der Nobelpreisträger nachgekocht werden, oder in den Stadtteil Rinkeby, dessen Bewohner zum Großteil nicht in Schweden geboren wurden, aber ebenso in Stockholms Vergangenheit, von der Gründung der Stadt über die Jungfernfahrt der »Wasa« bis hin zur vermutlich bekanntesten Geiselnahme der Welt in den siebziger Jahren. Ob leidenschaftliche Sänger, Ballonfahrer, Pippi Langstrumpf oder historische Helden: Sie alle werden lebendig in Rasso Knollers stimmungsvollen Geschichten aus der schwedischen Hauptstadt.

Rasso Knoller/Christian Nowak: Stockholm

Der benutzerfreundliche Stockholm-Reiseführer mit innovativem Tourenkonzept bringt Sie zu den schönsten Punkten in und um die Stadt. Entdecken Sie Gamla stan, Kungsholmen und Södermalm. Der Reiseführer enthält individuelle Touren, Spaziergänge und Ausflüge. Durch Gamla stan, das historische Zentrum der Stadt, sollte man am Abend spazieren, wenn die Stadt zur Ruhe kommt. Das königliche Schlossund die Schlosskirche sind ein Muss. Der Norden der Stadt bietet im Nationalmuseum die Sammlung französischer Maler und Meisterwerke Rembrandts. Die Insel Djurgården ist das größte innerstädtische Naherholungsgebiet. Hier kann man die stolze Vasa oder die Gemälde von Edvard Munch in der Thielska Galleriet anschauen. Die hügelige Insel Södermalm ist derzeit der angesagteste Stadtteil Stockholms. Ausflüge in das Naturhistoriska riksmuseet & Cosmonova, nach Millesgården, Globen/Ericsson Globe, Skogskyrkogården, Vaxholm, Fjäderholmarna, Birka, Mariefred – Schloss Gripsholm, Sigtuna und Uppsala.