Österreich: Bad Häring – auf der Suche nach dem inneren Gleichgewicht

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Energie soll fließen. Von der Erde in den Körper, vom Himmel in den Körper. Die eigenen Energietore öffnen, sich einlassen auf den Körper ist das Ziel. Stefan Reinwand steht mit den rund 20 Teilnehmern im Garten des Hotels „Panorama Royal“ im Tiroler Kurort Bad Häring im Kreis und führt sie in die Kunst des Qigong und der Meditation ein.

Ganz zart, aber dennoch durchdringend klingen die Zimbeln, die Reinwand anschlägt. Zweimal ertönt der helle Klang. Dann taucht er mit den Neulingen ein in eine für viele unbekannte Welt.

Universelle Lebensenergie

Die eigene Mitte finden, zur Ruhe kommen, die Gedanken ausblenden: Mit den Übungen, macht Reinwand deutlich, könne das Qi, die universelle Lebensenergie, ohne die das Leben ganz und gar unmöglich ist, wieder fließen. Der 49-Jährige hat bei den Meisters des Shaolin selbst Erfahrungen gesammelt, hat drei Jahre lang mit ihnen gelebt. Nun gibt er seine Erfahrungen bei Kursen im Wellness Schloss Panorama Royal ****S, zwischen Kufstein und Wörgl gelegen, an interessierte Gäste weiter.

K1024_P1070600Von Shaolinmönch Shi Xinggui aus China wurde er in Shaolin Qi Gong, chinesischer Heilgymnastik und Chan- (Zen) Meditation ausgebildet. Das hat ihn geprägt. „Durch schlechte Lebensführung, Krankheiten, Stress, Verletzungen und Operationen wird das Energiepotential des Menschen außerordentlich erschöpft. Qi Gong ist eine einfache Technik, um die verlorene Lebensenergie zu ersetzen und dem Menschen wieder ein normales Leben zu ermöglichen“, erzählt er vor der Gebirgskulisse des Wilden Kaisers.

Von Hundert auf Null

Einfach auf die Bremse treten und den Körper wieder in ein seelisches Gleichgewicht versetzen, geht auch mit Meditation. „Die schnellste Art, um von Hundert auf Null runter zu kommen, ist eine Gehmeditation“, sagt der Wahl-Tiroler. Was die Mönche darunter verstehen, erfahren die Teilnehmer schnell. Oder eher langsam – aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur. Fast in Zeitlupe wird ein Bein gehoben und langsam von der Ferse bis zu den Zehen wird der Fuß wieder abgerollt. Erst danach ist das andere Bein dran. Gleichzeitig die Atmung unter Kontrolle bringen, damit sie sich an das zurückgenommene Tempo anpasst. Und die Gedanken dürfen schweben, aber nicht die Überhand gewinnen. Gar nicht so einfach, wie alle sofort merken. Schließlich ziehen das Vogelgezwitscher, der plätschernde Bach und das Rauschen der Bäume die Aufmerksamkeit auf sich. Gesprochen wird nicht, auch während des anschließenden Spaziergangs zum Wasserfall bei Bad Häring ist Stille eingekehrt. Denn zum Abschluss gibt es Qigong vor der wunderbaren Kulisse des Wasserfalls.

K1024_DSC_0850Dieses Einlassen auf den eigenen Körper bedarf Willen und Disziplin. „Aber es lehrt auch, dass wir nicht viel zum Glücklichsein brauchen.“ Stefan Reinwands Einstellung teilt auch Peter Mayer. Der Hotelier hat diese Philosophie für sein „Wellness Schloss Panorama Royal“ entdeckt. Vor zehn Jahren auf einem Kraftplatz zwischen Bad Häring und Wörgl erbaut, bietet das Wellnesshotel alles zum Entspannen und Erholen. Ein spiritueller Weg zur inneren Einkehr ist Mayer dabei wichtig. Auch er hat mit den Shaolinmönchen gelebt und deren buddhistische Lehre verinnerlicht. „Jeder Gedanke ist Energie, deshalb muss grundsätzlich eine positive Gedankenstruktur vorhanden sein“, betont er. Achtsamkeit gegenüber sich selbst und gegenüber anderen, ist sein Gebot. Und dazu zählt er auch, dass jeder Gast, egal mit welchem gesellschaftlichen Hintergrund, gleich behandelt wird. Und er nimmt seine Gäste – ob Manager oder Hausfrau – gerne mit an den Kraftplatz im Garten. Fünf Monolithe, „verbunden mit Stonehenge“, spenden den Erschöpften im Steinkreis Kraft. Auch wer nicht für solche Strömungen empfänglich ist, merkt schnell, dass eine besondere Anziehung von diesem Punkt im Garten ausgeht. Und genießt den schönen Blick auf die kleine Kapelle, die mit dem Kraftplatz eine kleine Einheit zu bilden scheint.

K1024_P1070606Ruhe und Erholung findet auch der, der sich nicht bewusst auf Energie-Urlaub und Spiritualität einlassen will oder kann. Im mit 2800 Quadratmeter sehr weitläufigen Spa-Bereich, in erdigen Farben gehalten, begegnet man zwar einer Buddha-Statue und auch dem Zeichen Ying und Yang, aber „überfrachtet“ wird man damit nicht. Wellness gibt es auch im Felsenbad, im angenehmen Saunadorf oder auch am Naturteich. So kann jeder seine Seele nach seiner Fac,on auftanken. Sich selbst spüren geht auch im wunderbaren Panoramagarten, im Feng Shui Garten, rund um den Liebespavillon oder auch auf dem Pfad der Energie.

Den Akku auftanken

Der ganzheitlichen Betrachtung des Menschen hat sich auch Dr. Johannes Albrecht Moslehner verschrieben, der Energiemedizin, Naturheilkunde und Schulmedizin zum Wohl der Hotelgäste in den Behandlungen direkt vor Ort kombiniert.

K1024_P1070604Den eigenen Akku auftanken geht auch ganz hervorragend bei einer Wanderung zu den vielen im Sommer bewirtschafteten Hütten. 300 Kilometer gut gepflegte Wanderwege auf einer Seehöhe von 828 bis 2309 Meter erschließen die wunderbare Bergwelt der Kitzbühler Alpen rund um die Hohe Salve. Und wer den besonderen Adrenalinkick sucht fürs innere Gleichgewicht, der wagt einen Tandemsprung mit dem Paraglider von der Hohen Salve oder dem Markbachjoch in der Wildschönau aus. Wie die Vögel drehen die Profis ihre Runden, lassen sich den Wind um die Ohren wehen und genießen einen traumhaften Ausblick auf die Tiroler Bergwelt mit den bizarren Felswänden des Wilden Kaisers und den sanften Grasbergen. So findet jeder zu sich selbst, wird ausgeglichener und somit auch glücklicher – jeder auf seine ganz eigene Weise.

Text und Bild: Diana Seufert

Österreich: Schmuck und Masken in Tirol

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Die Altstadt von Hall ©Stadtmarketing Hall in Tirol

Innsbruck und sein goldenes Dacherl kennt fast jeder. Doch rund um die Tiroler Hauptstadt gibt es jede Menge funkelnder Kleinode, die es zu entdecken gilt.
Ein kleines Schmuckstück ist Hall in Tirol. Am Inn gelegen, hat es die Stadt durch die Salzgewinnung zu Reichtum gebracht. Den sieht man beim Spaziergang durch die historische Altstadt an allen Ecken. 700 Jahre lang bestimmte das weiße Gold die Geschicke der Stadt, bis 1967 wurde es noch gewonnen. Über zehn Kilometer lang war die Reise der Salzsohle von der Förderung aus dem Karwendelgebirge bis in die Stadt. Dort wurde es in riesigen Sudpfannen gesotten, in denen das Wasser verdunstete. Ein Umstand, dem der komplette Baumbestand in der Region zum Opfer fiel. In schweren Fässern transportierten die Händler das Salz schließlich in die Region und weit in die Schweiz hinein.
Nicht nur die Salzhändler sorgten für Reichtum, sondern auch die Münze in Hall. Im Münzerturm, dem Wahrzeichen der Stadt, kann man die eindrucksvolle Geschichte der Talerprägung nach dem Umzug im 15. Jahrhundert aus Meran verfolgen, deren Silber in den Schwazer Bergwerken geschürft worden war – nur wenige Kilometer flussabwärts. Und mit besonderem Stolz erwähnen die Haller gerne, dass ihr Taler der Vorläufer des Dollars war. Die Münze in der mittelalterliche Burg Hasegg nimmt die Besucher mit in die Vergangenheit, zeigt Maschinen zur Herstellung des Geldes und man darf sich seinen ganz persönlichen Taler als Souvenir prägen.
Der Bummel durch die engen Gassen mit dem vielen Erkern an den Häusern lässt die Besucher abtauchen in vergangene Zeiten. Ein Teil der alten Stadtmauer ist noch erhalten. Und Hall hat die größte Altstadt Tirols – sogar noch eine Spur größer als im nahen Innsbruck. Einen Besuch wert ist die Pfarrkirche St. Nikolaus, deren Altarraum nicht in der Blickachse steht, sondern „abgeknickt“ wurde. Schließlich befindet man sich in einem Erdbebengebiet. Allein 2015 hat man rund ein Dutzend Beben registriert. Das führte bereits vor 400 Jahren zur Überlegung, beim Bau auf einen festeren Untergrund zu gehen – und der war eben wenige Meter von der Hauptachse entfernt. Ein kleines Schmuckstück ist auch das historische Rathaus nebenan mit dem prächtigen Ratssaal und dem wunderschönen Rokoko-Ofen aus der Zeit von Maria Theresia.
Jetzt im Advent verwandelt sich der Obere Stadtplatz in ein buntes Lichtermeer. Bis zum 24. Dezember hat der Weihnachtsmarkt seine Pforten geöffnet und bietet vom allem Tiroler Handwerkskunst. Auf den Häusern leuchten die Zahlen des Adventskalenders. Das findet nicht nur die sechsjährige Sofie faszinierend. Auch vom kleinen Streichelzoo, vor allem vom schwarzen Schaf mit seiner dichten Wolle kommt sie nicht weg, während Mama und Papa bei Glühwein und Kiacherln das umfangreiche Angebot genießen. Die Kiacherl, die kleinen Hefefladen mit Sauerkraut, schmecken aber auch Sofie ganz besonders gut.
Leuchtende Augen bekommen Klein und Groß auch in den Swarovski Kristallwelten in Wattens. Vor den Toren der kleinen Gemeinde hat der Konzern auf 7,5 Hektar Fläche eine faszinierende Welt rund um den Kristall geschaffen. Zum 100-jährigen Bestehen der Firma, die der böhmische Glasbläser Daniel Swarovski 1895 gegründet hatte, entstand in Zusammenarbeit mit Andre Heller der „Riese“ und ein Park, der im Frühsommer erweitert worden ist. Der Riese geht übrigens auf Hellers Traum zurück, dass sich nachts im Wiener Park Schönbrunn die Riesen herumtreiben.

K1024_reise oe hall2In dessen Bauch tritt man in Wattens ein in 16 Wunderkammern mit Kuriosem und Besonderem, in den renommierte Künstler ihre Idee mit Kristall verwirklicht haben. Es funkelt und glitzert. Der große Kristall in der Eingangshalle mit 100 Facetten und 310.000 Karat ist schon ein besonderer Hingucker. „Wow, ist das faszinierend“, lassen sich die Besucher schnell in der Bann des durchsichtigen Materials ziehen. Ob Weihnachtsbau aus Kristall, eine utopische Landschaft aus Kristall, der Eisgasse oder den Kristallwald: Magische und märchenhafte Momente warten. Der Kristalldom mit seinen verspiegelten Flächen hat es ganz besonders den kleinen Besuchern angetan. Hier darf man sich fühlen wie im Innern eines Kristalls.
Was alles aus dem geschliffenen Kunststein entsteht, zeigt eine Sammlung am Ende des Rundgangs: Tiaras für den Wiener Opernball, glitzernde Kleider und Taschen oder auch die „Ur-Maus“ als Figurine. Und natürlich Schmuck in allen Varianten. Staunen, wundern und von der Phantasie verzaubern und leiten lassen darf man sich auch unter der Kristallwolke – nicht nur, wenn die 600.000 Steine in der Sonne glitzern. Im Winter kommt man eher selten in den Genuss. Aber auch hier sorgt ihr majestätisches Schweben über dem Wasser für den Wow-Effekt.
Langeweile kommt auch beim Nachwuchs im Park nicht auf. Von Schlittschuhlaufen auf der kleinen Eisbahn über verschiedene Workshops rund um das Thema Kristall bis zum Kletterturm, der den Flächen eines Kristalls nachempfunden ist, steht ein buntes Familienprogramm an. Und Swarovkis bietet mit dem neuen „Daniel’s“ neben der Nahrung für den Geist auch gleich die für den Körper. Wie wär’s in der Adventszeit mit einem Stollenbackkurs unter fachmännischer Anleitung? Swarovski macht es möglich.
Magische Momente ganz anderer Art bietet der Absamer Holzschnitzer Josef Prantner, der als Mitglied des Krippenbauvereins nicht nur Weihnachtskrippen erschafft. Ungewöhnlich für viele Augen ist die Fastenkrippe mit der Darstellung des Passionsgeschehens.

K1024_P1100181Auch als Maskenschnitzer für die Matschgerer, die Fastnachter, ist er aktiv. Mit dem dicken Holzhammer und dem schmalen Meißel formt er gerade aus einem Stück Zirbe eine der sechs traditionellen Masken. Danach muss das weiche, feinfaserige Holz glatt geschliffen und schließlich die Kopfform ausgehöhlt werden, um sie tragen zu können. Rund einen Tag braucht er dafür, erzählt er im breiten Tiroler Dialekt. Das Fassen, also das Grundieren und Bemalen, übernimmt mittlerweile sein Sohn. Was er lieber macht? Da will sich Prantner nicht entscheiden. „Wenn ist keine Lust mehr auf Krippen habe, schnitze ich mal wieder eine Maske“, lacht der 66-jährige gelernte Wagner und macht sich wieder an die Arbeit.
Nicht ohne die Besucher noch auf einen interessanten Aspekt von Absam hinzuweisen: Im Nachbarhaus gab es 17. Januar 1797 eine Marienerscheinung. Nachbarin Gerda Angerer führt in die dunkle kalte Stube, in der Rosina Bucher die Muttergottes in der Fensterscheibe erblickt hat. „Es wurde fast alles in dem Raum so belassen“, erzählt sie. Das Glas mit der Erscheinung ist nicht im Original zu sehen. Das befindet sich seit Jahren in der Marienbasilika von Absam. Zahlreiche Untersuchungen haben die Echtheit des Wunders aufgezeigt. „Das Bild auf der Scheibe lässt sich zwar abwaschen. Aber wenn die Scheibe wieder trocken ist, ist auch wieder das Bild Mariens zu sehen.“
K1024_P1100187Innere Ruhe findet man nicht nur vor dem Gnadenbild, sondern auch bei einer Winterwanderung in den Tiroler Bergen. Herrliche Ausblicke auf das Mittelgebirge des Inntals bieten sich rund um Tulfes, entlang des Speckbacherwegs. Der Rundweg ist nach dem Tiroler Freiheitskämpfer Josef Speckbacher benannt, der sich auf der Flucht in der Region Hall versteckt hatte und 1820 hingerichtet worden war. Landschaftlich besonders reizvoll ist die Strecke, die bis nach St. Peter /Elbögen führt und wieder zum Ausgangspunkt nach Tulfes. Vielleicht sieht man dort auch das wohl kurioseste Wintersportgerät: den Klumper. Auf Holzklötzen, versehen mit einer schmalen Kufe, flitzen die Athleten die Strecke entlang.
Das winterliche Tirol hat also jede Menge leuchtenden Kleinoden zu bieten.

Diana Seufert

Österreich: Wandern im Stubaital mit Weitblick

Kloster Maria Waldrast

Wie eine Perle in der Auster, umschlossen von gewaltigen Bergen, liegt das 35 Kilometer lange Stubaital. Mit seinen saftigen Wiesen, den malerischen Orten Neustift, Fulpmes, Telfes, Mieders und Schönberg und durchflossen vom Ruetzbach, ist es eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Eine Landschaft, die erwandert werden will.

Spektakulärer Stubaiblick

Vom Ortsrand in Fulpmes führt die Kreuzjochbahn ins Wandergebiet 2000. Fast geräuschlos schließen sich die Türen der Kabinenbahn und man schwebt nach oben. Zeit, den Blick schweifen zu lassen. In 2.136 Meter Höhe ist die Bergstation erreicht und der „Stubaiblick“ greifbar nahe.

Kreuzjochbahn

Ein Panoramaweg führt Wanderer, Schaulustige und Sonnenhungrige zur Aussichtsplattform, deren spektakuläre Stahlkonstruktion über dem Abgrund zu schweben scheint. Weit geht der Blick hinunter ins Tal bis auf das imposante Massiv der Kalkkögel in der Ferne und auf die bizarren Berggipfel ganz nah. An vier Tagen im August kann man hier oben den Sonnenaufgang erleben. Dann fahren schon ab 5.20 Uhr die ersten Gondeln der Bergbahn und auf der Aussichtsplattform drängen sich die Frühaufsteher mit Fernglas und Fotoapparat. Was für ein Augenblick, wenn dann der Sonnenball Sekunde für Sekunde am Horizont emporsteigt und die umliegenden Gipfel in ein zartes rosafarbenes Licht taucht. Und begleitet vom tiefen Klang der Alphörner  – live gespielt von drei Bläsern – beginnt ein strahlend schöner neuer Tag. Kreuzjochbahn

Auf dem Kreuzjoch

Nach einem Frühstück im Panoramarestaurant Kreuzjoch wirkt das eindrucksvolle Erlebnis noch lange nach.  Draußen wartet schon Wanderführer Christian, um uns auf den Alpenpflanzenlehrpfad zu begleiten. Auf schmalem zickzackpfad geht es empor zum Gipfelkreuz, vorbei an Almkräutern, Wiesenblumen und seltenen Gebirgspflanzen, die Christian alle beim Namen nennt. Bergab wandern wir auf dem Naturlehrpfad, der mit zahlreichen liebevoll gestalteten Infostationen viel Wissenswertes über die Tiere und Pflanzen der Gebirgswelt vermittelt.

Weich wie ein Teppich sind die Almwiesen, auf denen gelbbraune Kühe grasen, die dem Wanderer manchmal den Weg versperren. Immer wieder schweift der Blick nach oben zu den imposanten Riesen, deren schroffe Gipfel in den wolkenlosen Himmel ragen. Nach einer kurzen Rast auf der Schlickeralm in 1640 Metern führt der Weg talwärts durch herrliche Lärchenwälder, vorbei am Alpenerlebnispark mit Klettergaten und dem künstlich angelegten Panoramasee bis zur Mittelstation der Kreuzjochbahn.

Der schönste Berg

Malerisch liegt das Dorf Mieders am Fuß des 2.717 Meter hohen Serles. Die Anwohner sind stolz auf Ihren Hausberg, der für Alexander von Humboldt der schönste Berg der Alpen war und den auch Goethe als den Hochalter Tirols bezeichnet hatte. Mit der Serlesbahn geht es hinauf bis auf 1.600 Meter und hinein in ein herrliches Wandergebiet mit Europas höchstgelegenem Kloster Maria Waldrast – einem idyllisch gelegenen Wallfahrtsort mit Klostergasthof und Heilquelle, an deren Wasser sich auch so mancher Wanderer labt. Nach einer zünftigen Jause auf der Ochsenalm oder am Koppeneck lohnt es sich, hier oben  mit Weitblick auf die Berggiganten den Sonnenuntergang zu erleben. Talwärts gleitet man dann ruhig und sicher in der Gondel oder mit Herzklopfen in rasanter Fahrt über 40 Steilkurven auf der 2,8 Kilometer langen Sommerrodelbahn.

Genusswandern

 Beim Wandern im Stubaital kann man sich die Natur auch sprichwörtlich auf der Zunge zergehen lassen. Gaumenfreuden verspricht das Programm Genusswandern, bei dem regionale Spezialitäten wie Wein, Edelbrände, Speck und Honig entdeckt und verkostet werden können. In die Geheimnisse der Stubaier Käsekunst, besonders des Graukäses, wird man z.B. jeden Dienstagnachmittag auf der Schickleralm eingeweiht.

Hütte auf der Sulzenaualm

 Naturschauspiel

Der Wilde-Wasser-Weg mit dem Grawa Wasserfall, dem breitesten der Ostalpen, gehört zu den beliebtesten Wanderungen. Tosend und sprühend stürzt er sich 80 Meter breit aus 450 Metern herab. Von der Grawa Alm führt ein alter Almsteig in steilen Serpentinen durch den Wald bis hinauf zur Sulzenau Alm. In der urigen kleinen Hütte mit rustikalem Mittagsangebot macht man gerne Rast. Hier hat ein Holzschnitzer seiner Fantasie freien Raum gelassen und Tische, Stühle und Bänke mit lustigen oder grimmigen Berggeistern versehen. Steil wie beim Aufstieg geht es hinab bis zum Aussichtspunkt am Wasserfall. Von einer großen Aussichtsplattform kann man das grandiose Naturschauspiel in aller Ruhe beobachten. Und dabei sogar etwas für seine Gesundheit tun. Denn Untersuchungen der Paracelsus Privatuniversität Salzburg haben gezeigt, dass sich schon eine Stunde Aufenthalt am Fuß des Grawa Wasserfalls positiv auf die Atemwege auswirken kann.

TOP OF TYROL

 Neustift ist der bekannteste und letzte Ort im Stubaital, überragt von den Bergmassiven des Elfer, Zwölfer und Habicht. Im Ortsteil Mutterberg an der Talstation der Gletscherbahn hört die Straße auf und die Welt des Stubaier Gletschers beginnt. Etwa dreißig Minuten dauert die Fahrt nach oben. Je höher man kommt, desto größer wird die Zahl der Sessel-/Gondelbahnen und Schlepplifte, die kreuz und quer die Hänge überziehen. Denn hier ist das größte Gletscherskigebiet des Landes mit 110 Abfahrtskilometern und einer Schneegarantie von Oktober bis Juni. P1030929

Die Bergstation Eisgrat in 2.900 Metern Höhe sieht aus wie ein gerade gelandeter Ufo. Jetzt ist das ewige Eis ganz nah. Nicht in strahlendem Weiß sondern in einer Melange aus weißgrau und dennoch faszinierend präsentiert sich die Gletscherlandschaft. Vom Restaurant und Panoramaterrasse geht der Blick hinauf zur Schaufelspitze. Noch eine kurze Fahrt mit der Gondelbahn und in der Jochdohle, dem höchstgelegenen Bergrestaurant Österreichs, könnte man einkehren. Doch zunächst führt eine steile Metalltreppe zum Highlight des Tages, ja der ganzen Reise, zum TOP OF TYROL. Die Gipfelplattform ragt in 3.120 Metern wie freischwebend über dem Gletscher und ist eine Attacke auf die Schwindelfreiheit. Atemberaubend ist der Rundblick über 105 Dreitausender. Von den Ötztaler über die Stubaier Alpen bis zu den Dolomiten reicht der Blick. Hier muss man einfach innehalten, schauen, genießen, sich einfangen lassen vom Zauber dieser imposanten Bergwelt.

 Text und Fotos: Christel Seiffert

Österreich: Gastlichkeit im Zillertal

Seufert,  Wildgerlostal

Das Wildgerlostal mit dem Reichenspitz macht seinem Namen alle Ehre – zumindest, wenn man die raue Schönheit der Natur von der Zittauer Hütte aus genießen will: wild, unbändig und atemberaubend präsentiert sich eines der unbekannteren Täler in der Wanderregion der österreichischen Zillertalarena. Hier ist man mitten drin im Nationalpark Hohe Tauern, dem größten alpinen Schutzgebiet in Österreich.

Eiskaltes Gletscherwasser bahnt sich in Wasserfällen und Kaskaden seinen Weg nach unten zum kleinen See am Naturbad und Alpengasthaus Finkau, dem Ausgangspunkt der Wanderung.  Rund drei Stunden hat Wanderführer Leonhard Obermüller für den Weg auf die idyllisch gelegene Zittauer Hütte auf 2329 Metern  eingeplant. Und die braucht man auch. Zeit sollte man sich nehmen, wenn man die herrliche Umgebung genießen will. Immer wieder bleibt der Blick an den schroffen Felswänden des Tales hängen, die Jahrtausende währende Arbeit des Gletscherschliffs ist deutlich zu erkennen.  Geht es zunächst noch einen gemütlichen Fahrweg durch das vom Gletscher geformte Tal und an genüsslich grasenden  Kühen vorbei, darf man im letzten Abschnitt Kondition beweisen. Am Talschluss führt der Weg über Geröll und teils riesige Steinplatten, vorbei am nächsten Wasserfall stetig bergauf. Steinmandl blicken auf die Wanderer, die die Steinstufen erklimmen. Schwindelfrei sollte man für dieses Schlussstück schon sein, schließlich ist der schmale Pfad nach oben teilweise nur mit einem Seil an der Felswand als Sicherung zu passieren.Während sich Ungeübte für den kräftezehrenden Anstieg Zeit lassen, streben passionierte  Gipfelstürmer schnellen Schrittes in Richtung Zittauer Hütte. Und die lassen sich auch von einsetzendem Regen nicht abhalten. Schließlich „sprüht der Nebel nur ein bisschen Wasser“, wie Leonhard Obermüller erzählt. Und als begeisterter Wanderer kennt er sich in den Zillertaler Alpen aus. Das Bergpanorama entschädigt für die Strapazen. Nicht nur er genießt – an der Hütte angekommen – den grandiosen Ausblick auf den Unteren Gerlossee, hinab ins Tal und das faszinierende Wolkenspiel. Und natürlich eine stärkende Jause drinnen.

Seufert, wildgerlostal

Das Zillertal ist schon seit Jahrzehnten ein Touristenmagnet – im Herzen Tirols und angrenzend an den Nationalpark Hohe Tauern. Seit mehr als 150 Jahren zieht es Sommerfrischler nach Mayerhofen und später nach Zell am Ziller. Nicht nur im Winter, wenn die Skifahrer die Region zwischen Mayerhofen und dem Hintertuxer Gletscher, zwischen Zell, Königsleiten und Gerlosplatte  erobern. Dass sich auch zu allen Jahreszeiten dort genüsslich urlauben lässt, ist man sich im Zillertal sicher. Nicht nur „Bergfexe“ und Mountainbiker kommen bei den unterschiedlichsten Touren voll auf ihre Kosten.

Urige Gastlichkeit wird im Zillertal großgeschrieben. Viele alte Gasthöfe und Restaurants, wie das Wirtshaus „Zum Griena“ in Mayerhofen mit der wohl ältesten Stube des Zillertals oder das „alte Schulhaus“ in Zellerberg mit einer Speisekarte als Schulheft, verwöhnen mit traditionellen Gerichten. Die „Schliechtarnudeln“, ein Nudelgericht mit Graukäse und Ziegenkäse, oder auch „Moosbeerzerggel“ (Blaubeerpfannkuchen) dürfen dabei nicht fehlen. Sie gehören zum Tal wie der Almabtrieb im Herbst und die Hirschbrunft. Und beim Besuch in Zell, dem einstigen Hauptort des Tals, sollte man einen Blick in die barocke Pfarrkirche werfen. Oder sich gleich zum Kochkurs für die Zillertal Krapfen anmelden.  

Diana Seudert, Pfarrkirche Zell

Die Pfarrkirche von Zell

„Die herrliche Luft, das klare  Wasser und unsere schöne Natur und dazu die Besinnung auf die  traditionellen Werte – das wissen die Gäste zu schätzen“, sagen Christina Egger, die Chefin des „Posthotels“ in Zell, und ihr Mann Reinhard Binder.  Das Traditionshaus verbindet als „Umwelt- und Designhotel“ die Tiroler Tradition der Region mit modernem Ambiente. Natürliche  Schönheit und Gemütlichkeit bestimmen das Bild des Hauses, die warme Aura des Holzes darf man in den Suiten und Zimmern mit allen Sinnen erleben. Das Prinzip der  Nachhaltigkeit wird nicht nur bei Lebensmitteln von Bauern der Region deutlich, sondern auch  im solarbeheizten Außenpool und dem kleinen, aber feinen Wellnessbereich.

Damit die  Gäste neben der Natur auch das kulinarische Zillertal kennenlernen, setzt man im Vier-Sterne-Hotel bewusst auf „Bed & Breakfast“ und gibt gerne Tipps. „So entdecken die Gäste die Vielfalt des Tals.“ Oder man holt sich einen Koch einfach aufs Zimmer, der ein herrliches Menü zaubert. Abgeschiedenheit bieten die vier Chalets „Hochleger“ im Nachbarort Aschau mit Blick aufs Zillertal, bei denen Holz aus der Region als Baumaterial dient. Alte Bauernmöbel geben dem modernen Design die besondere Note. Auch hier setzt man auf Nachhaltigkeit und dem Eins sein mit der Natur, ebenso wie bei den vier Appartements  der Golflodge, die direkt am neuen Golfplatz in Uderns entsteht.

Diana Seufert

Österreich: Jungbrunn in Tirol

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7.000 Quadratmeter Wellness – mehr Spa geht nicht

Wer sich und seiner besten Freundin, Mutter oder Tochter mal wieder etwas richtig Gutes tun möchte, entspannt gemeinsam im Jungbrunn im Tannheimer Tal. Der bereits mehrfach ausgezeichnete, 7.000 Quadratmeter große Spa des Alpinen Lifestyle Hotel wurde erst Ende 2011 umgebaut und umfasst acht verschiedene Saunen und Dampfbäder sowie sechs Pools, darunter den beheizten, 20 Meter langen Terrazzo-Außenpool. Stilvoll designte Ruhebereiche bieten jedem Gast eine eigene Liege mit Panoramablick in die Tannheimer Berge. Herzstück ist die sichtbar gemachte, hauseigene Gebirgsquelle. Erholungssuchende haben die Wahl zwischen zahlreichen Health- und Beauty-Anwendungen aus den Alpen und dem Rest der Welt. Das fünftägige Arrangement „Freundinnen Wohlfühltage“ kostet ab 956 Euro pro Frau im Doppelzimmer und beinhaltet je einmal Floaten, eine Gesichtsbehandlung „Quell der Erholung“ von Ericson Laboratoire, eine Pediküre „Raffinesse“ mit Paraffinhandpackung, eine Maniküre „De luxe“ sowie ein Blaue-Kamille-Ölbad. Außerdem im Preis inbegriffen: vier Übernachtungen, freier Zugang zum Jungbrunn SPA Wellness(t), Gratis-Teilnahme am Aktiv- und Entspannungsprogramm sowie die Jungbrunn-Verwöhnpension.

Österreich: Wandern auf wackeligem Waldboden

„Da wackelt ja der ganze Boden“. Die Kinder strahlen um die Wette und hüpfen nochmal kräftig. Ganz sachte gibt der Untergrund nach. Kein Wunder, sie spazieren gerade durch das Piller Moor. In diesem Naturdenkmal bei Landeck gibt es jede Menge zu entdecken. Und auch die Umgebung der österreichischen Stadt im oberen Inntal bietet eine Vielzahl an Ausflugszielen, die sich gerade für Familien mit Kindern lohnen.

Den großen Besuchermagnet hat die Region Tirol West rund um Landeck nicht zu bieten. Und die meisten kennen die Gegend wohl mehr aus der Sicht der Autofahrer auf dem Weg in den sonnigen Süden. Doch wer sich die Zeit zum Erkunden nimmt, findet viele Kleinigkeiten für einen entspannten und sehr kurzweiligen Urlaub.
Etwa wie das Piller Moor. Heidelbeersträucher und dichte Erika-Büsche säumen den Wanderweg im Wald. Rund eine Stunde dauert der Rundgang, wenn man nicht an der einen oder anderen Ecke stehen bleiben würde. Ein leuchtender Fliegenpilz hat die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich gezogen. Dass dieses prächtige Exemplar giftig ist, müssen die Eltern nicht zweimal sagen. Aber faszinierend ist er schon, ebenso wie der zerbrechlich wirkende Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze.

Nur wenige Meter weiter hat sich der weiche Waldboden in schlammigen Morast verwandelt. Holzplanken zum bequemen Laufen tun gute Dienste. Aber der Regen hat die Erde daneben aufgeweicht. Ein kräftiger Sprung ins Trockene ist da gar nicht so leicht, wie Erwachsene und Kinder schnell merken. Der Moor-Lehrpfad am Piller Sattel ist Teil des Naturparks Kaunertal. Und er gibt spannende Einblicke in die Natur, die so mit allen Sinnen erlebt werden kann. Man sollte sich beim Wandern Zeit nehmen für seltene Tier- und Pflanzenarten, die inmitten eines alten und geheimnisvollen Kulturraumes ihre Heimat haben. Auf Tafeln wird die Entstehung eines Moores erklärt und auch auf die nachhaltige Regionalentwicklung, eine Leitlinie im Naturpark, hingewiesen.

Wer mehr über den Park erfahren will, sollte das neue Naturparkhaus besuchen. In einer Mitmach-Ausstellung „3000 Meter Vertikal“ erlebt der Besucher bei einer interaktiven Wanderung die verschiedensten Lebensräume. Vom ewigen Eis der Gletscher bis zu den trockenen Steppenhängen im Tal lernt man aus interessanten Blickwinkeln Pflanzen, Tiere und Menschen im Naturpark kennen.

Die Wildnis der Natur und ihre Unbezwingbarkeit kann der Gast auch bei Wasserfällen und Schluchten hautnah erleben. Geheimnisvoll und romantisch zugleich ist der Zammer Lochputz, Tirols mystische Klamm bei Zams. Über Stollen, Steine und Brücken geht es in die Klamm, während daneben der Lochbach in die Tiefe schießt. Über Jahrmillionen hat die Kraft des Wassers den Felsen geformt. Aber auch der Mensch hat sich dieser Kraft bedient, wie der Wasser-Erlebnissteig deutlich macht. Nicht weniger packend ist die wildromantische Kronburgschlucht, die vor allem bei Freunden des Canyonings beliebt ist. Überhaupt spielt das Wasser in der Region eine wichtige Rolle, wie zahlreiche Natur- und Badeweiher zeigen. Eingebettet zwischen Lechtaler Alpen, Samnaungruppe, Ötztaler Alpen und Kaunergrat liegt Landeck, das schon die Römer für sich entdeckten.

Einen imposanten Blick auf die Alpen der Region hat man vom 2208 Meter hohen Krahberg aus. Mit der Venetseilbahn geht es in wenigen Minuten hinauf, wo man zu interessanten Rundwanderungen starten kann. Die Kids lockt ein spezieller Erlebnisweg, bei dem fünf unterschiedliche Stationen gemeistert werden müssen. Vom Steinmandl-Bauen bis zu Wasserspielen reichen die Disziplinen. Und wer alle geschafft hat, darf sich hinterher eine Belohnung abholen.

Die erwartet auch die Wanderer auf dem Weg zur Mittelstation in Form einer rustikalen Stärkung. Schmale, und manchmal gatschige Pfade, wie der Tiroler sagt, durch das Hochmoor müssen passiert werden. Die Kühe, auf die der Wanderer immer wieder trifft, lassen sich beim Grasen nicht stören. Aber vielleicht stehen sie am Gatter „Spalier“, wenn der Gast nach gut einer Stunde zur Meranz Alm auf 1915 Metern kommt. In der guten Stube des Hauses, gleich neben dem Kachelofen, werden die Gäste bewirtet und bekommen neben der herrlichen Aussicht auch einen Einblick ins Leben auf der Berghütte. Schnell ist man mit der Wirtin im Gespräch, die mehrere Monate im Sommer hier verbringt und immer gerne Ferienkinder zu Gast hat. Sie kann sich nichts Schöneres vorstellen. Und beim Blick über die Alpen kann jeder diese Begeisterung teilen.

Diana Seufert