Italien: Die Traumstädte der Toskana

Blick auf Lucca  Foto: Christel Seiffert

Wo kann man in der Toskana auf der größten, längsten und vollständig erhaltenen Stadtmauer spazieren gehen? In Lucca, der schönen mittelalterlichen Stadt. Mehr als vier Kilometer lang und  zwölf Meter hoch ist diese baumbestandene breite Festungsmauer, die der Stadt  über Jahrhunderte ihre Unabhängigkeit bewahrte. Anwohner, Jogger, Radfahrer und Besucher sind hier gern unterwegs und genießen dabei die Sicht in die Altstadt und auf die Apuanischen Alpen in der Ferne. Zeugen einer glanzvollen Vergangenheit sind die herrschaftlichen Häuser und Paläste, die sich durch die Herstellung und den Handel mit kostbaren Stoffen reich gewordene Bürger erbauen ließen. Beliebte Einkaufs- und Flanierstraße ist die von Palästen und Türmen gesäumte Via Fillungo. Auch die Piazza Antiteatro sollte man unbedingt besuchen. Das Oval des römischen Amphitheaters ist begrenzt von Häusern mit eleganten Geschäften und lockt innen mit zahlreichen Restaurants und Cafés unter freiem Himmel. Mit einer bronzenen Statue vor seinem Geburtshaus erinnert Lucca an seinen prominenten Einwohner Giacomo Puccini, der mit seinen Opern La Boheme, Tosca und Madame Butterfly die Welt eroberte. Palmen umgeben die Piazza Napoleone, doch der schönste aller Plätze ist die Piazza Michele mit der Kirche San Michele aus dem 12. Jahrhundert. Mit ihrer prächtigen Fassade aus fünfzig verschieden gearbeiteten Säulen ist sie auch ein begehrtes Fotoobjekt.

Puccini-Statue in Lucca  Foto: Christel Seiffert

Puccini-Statue in Lucca Foto: Christel Seiffert

Skyline des Mittelalters

Seit einigen Tagen sind wir gespannt auf San Gimignano, das als „Manhatten der Toskana“ beschrieben wird. Schon aus der Ferne ist die auf einem Hügel erbaute Stadt mit ihren ins Blau des Himmels ragenden Türmen beeindruckend. Bis zu 54 Meter hoch sind diese festungsartigen Wohntürme, mit denen adlige Familien nach dem Motto „je höher desto mächtiger“ ihren Reichtum präsentierten. Von den einst bis zu 72 Geschlechtertürmen sind 15 erhalten geblieben und machen San Gimignano zu einem der Höhepunkte jeder Toskanareise. Fast vierhundert Busse steuern täglich das kleine Städtchen an, erzählt unser Reiseleiter. Und so flaniert durch die zum Domplatz führende breite Hauptstraße mit ihren kleinen Geschäften und Souvenirläden ständig ein Strom von Schaulustigen. Ruhiger ist es in den schmalen Seitengassen, wo manches mittelalterliche Schmuckstück zu bewundern ist. Zwei der Türme können bestiegen werden und bieten einen traumhaften Blick auf das grüne Hügelland. Bei einer Wanderung durch Weinberge und Olivenhaine um das Städtchen herum lassen wir uns immer wieder von seiner ungewöhnliche Silhouette verzaubern.

Platz der Wunder

Pisa ist vor allem bekannt durch seinen berühmten Schiefen Turm. Doch der steht nicht allein auf dem Campo die Miracoli, dem „Platz der Wunder“. Es sind drei Monumente aus schneeweißem Marmor, die sich auf rasengrünem Grund erheben und täglich das Ziel wahrer Touristenströme sind: Dom, Baptisterium und Campanile.

Platz der Wunder in Pisa  Foto: Christel Seiffert

Platz der Wunder in Pisa Foto: Christel Seiffert

Als größtes Bauwerk Pisaer Gotik beeindruckt der Dom mit seiner prächtigen Fassade aus Streifen von hellem und dunklem Marmor. Mittelpunkt des Interesses und meist fotografiertes Objekt ist jedoch zweifellos der 55 Meter hohe Glockenturm mit seiner Neigung von etwa 4,20 Metern. Da ein weiteres Absinken des Turmes inzwischen gestoppt werden konnte, dürfen jetzt auch wieder Besucher bis auf die Balustrade steigen. Allerdings braucht es dafür viel Geduld, denn die Schlange der Wartenden ist lang. Wer dem fast volksfestartigen Getümmel auf dem Campo die Miracoli entgehen möchte, dem sei ein Bummel durch den kleinen Stadtkern mit seinen stattlichen Palästen empfohlen. Für uns heißt es jetzt, die Wanderschuhe schnüren. Wir wollen den Naturpark Garfagnana in den nahen Apuanischen Alpen erkunden, dessen schneebedeckte Gipfel schon aus der Ferne grüßen. Auf kurvenreicher Strecke kämpft sich der Bus durch das Tal der Carrara-Marmorbrüche. Hinauf in eine wildromantische Landschaft mit dichten Wäldern, tiefen Tälern und kleinen Dörfern, die sich wie Schwalbennester an den Berg schmiegen. Auf alten Maultierwegen wandern wir bergauf und bergab und genießen den Blick auf die schroffen Gipfel über uns.

Rendezvous mit Michelangelo

Weithin sichtbar überragt die mächtige Kuppel des Doms die Silhouette von Florenz, dem geografischen, historischen und kulturellen Herz der Toskana. Keine andere Stadt hat so viele bedeutende Künstler wie Michelangelo, Pisano, Brunelleschi und Donatello hervorgebracht     keine Stadt beherbergt auf so engem Raum eine solche Fülle von Kunstwerken, Palästen, Kirchen und Museen. Florenz ist eine Sehnsuchtsstadt für alle an Kunst und Kultur Interessierten, darüber hinaus jedoch auch eine lebensfrohe und lebendige Stadt zu beiden Seiten des Arno. Nahezu im Halbstundentakt kommen und fahren von hier Züge in alle Richtungen. Vom Bahnhof aus sind es nur wenige Schritte bis zur historischen Innenstadt, dem UNESCO-Welterbe, und bis zur  Piazza della Signoria. Eingerahmt von Cafés und Restaurants überragt der gotische Palazzo Vecchio mit seinem schlanken Turm diesen schönsten aller Plätze. Seit dem 14. Jahrhundert wurde von hier die Stadt regiert, heute beherbergt der Palazzo mit seinen zahlreichen Sälen voller Fresken und Deckenmalereien das Museo Vecchio. Zwei berühmte Skulpturen – links die Marmorkopie von Michelangelos David – „bewachen“ den Eingang zum Palazzo. Mit dem monumentalen Neptun-Brunnen und der grazilen Loggia die Lanzi ist die Piazza della Signoria ein Freilichtmuseum und stets bevölkert von Touristen. Unweit davon befinden sich die Uffizien, die bedeutendste Kunstgalerie Italiens, und der Dom Santa Maria del Fiore, dessen freitragende Kuppel nach Plänen des genialen Baumeisters Brunelleschi als architektonisches Meisterwerk gepriesen wird. Große Teile der Altstadt sind Fußgängerbereich und locken zu einem Einkaufsbummel durch die eleganten Geschäfte und Boutiquen, an der Piazza della Republica laden Caféterrassen zum Verweilen ein. Zum Pflichtprogramm aller Besucher gehört die berühmte Ponte Vecchio.

Blick auf Ponte Vecchio  Foto: Christel Seiffert

Blick auf Ponte Vecchio Foto: Christel Seiffert

Die älteste der zahlreichen Brücken über den Arno ist mehr als ein steinerner Weg übers Wasser. Auf dem im 14. Jahrhundert erbauten Übergang gab es schon immer Werkstätten und Läden. Heute sind es dutzende Gold- und Juweliergeschäfte, die Käufer und Schaulustige anziehen. Von den drei Arkaden hat man einen schönen Blick über den Fluß und auf die südliche Stadtseite mit dem riesigen Palazzo Pitti und dem Giardino di Boboli, dessen Reiz sich schon Goethe nicht entziehen konnte.

Christel Seiffert

Italien: Etruskisches Erbe in der Toskana

Toskana

Das reiche Erbe der Etrusker

Umbrisch-toskanisches Grenzland: In Chiusi und rund um den Trasimenischen See sind noch viele Schätze der alten Hochkultur zu finden

Wenn sich die Abendsonne auf den Dächern der Altstadt niederlässt und die Hitze des Tages langsam vertrieben hat, erwacht in den Gassen von Chiusi wieder neues Leben. Die Älteren zieht es zum Schwätzchen auf die Steinbänke vor die Häuser, um den Blick weit ins Tal schweifen zu lassen. Die Kinder spielen lieber auf der Domplatte begeistert Fußball. Hoch auf den sanften toskanischen Hügeln gelegen thront die Kleinstadt Chiusi, im umbrisch-toskanischen Grenzland. Typisch mittelitalienisch eben. Und sie unterstreicht noch heute ihren Stolz, als Mitglied des antiken Zwölfstädtebundes und ehemaliger Sitz des etruskischen Königs Porsenna noch vor der Vormachtstellung Roms sehr bedeutend gewesen zu sein.
Beim Spaziergang durch die Stadt stößt man auf die Porta Lavinia, das letzte noch erhaltene antike Stadttor. Dicke Stadtmauern aus hellem Tuffstein trutzten vor Jahrhunderten den Fremden. Heute sind die gerne gesehen. Und auch immer mehr deutsche Touristen zieht es an den geschichtsträchtigen Ort, die den Dom als eine der ältesten Kirchen Italiens für sich entdecken. Die römischen Säulen im Mittelschiff datieren aus dem 6. Jahrhundert. Ein „Hingucker“ sind auch die Fresken und Mosaike, die allerdings erst im 19. Jahrhundert angebracht wurden. Chiusi, Porta Lavinia
Ein reiches Erbe haben die Etrusker den heutigen Bewohnern Chiusis hinterlassen, das mit großem Engagement gehegt wird. Wer auf den Spuren dieser frühen Zivilisation wandeln will, den erwarten im Museo Etrusco direkt neben dem Dom interessante Funde. Hinter der klassizistischen Fassade finden sich bemerkenswerte, mehr als 2000 Jahre alte Exponate, die rund um die Stadt ausgegraben wurden. Vor allem Tongefäße in den unterschiedlichen Varianten, aber auch Schmuck und Kämme, Waffen und Urnen zeugen vom damaligen Leben der Menschen im Chianti-Tal. Ihren Reichtum haben sie in prunkvollen Sarkophagen zur Schau gestellt, teilweise aus reich verziertem Alabaster. Fundstücke aus dem Übergang von der etruskischen zur römischen Epoche zeigt das Museo Civico. Schließlich war Chiusi auch Bundesgenosse der noch jungen römischen Republik, wie die Kopie der kapitolinischen Wölfin auf dem Domvorplatz deutlich macht.

Diana Seufert

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Italien: Die Perlen der Toskana

Der Dom von Siena  Foto: Christel Seiffert

„Ein azurblaues Panorama von Ebenen, Bergen und Tälern, am Horizont verstreute Städte und Landhäuser im Spiel von Licht und Schatten“, so beschrieb der Dichter Theophile Gautier von 150 Jahren die Toskana. Auch heute gehört diese von der Natur reich beschenkte Landschaft mit Kunst und Kultur im Überfluss zu den beliebtesten Urlaubszielen.

Eingebettet in heiteres grünes Hügelland liegt Siena im Herzen der Toskana. Einst wichtiges Handels- und Finanzzentrum, wird sie heute als eine der schönsten Städte Italiens gepriesen. Schwarz und weiß sind die Farben des Doms, dessen majestätische Kuppel das Häusermeer überragt. „Zieht bequeme Schuhe an“, hatte Reiseleiter Ralph empfohlen. Denn bei dem auf drei Hügeln erbauten mittelalterlichen Kleinod gehe es ständig hinauf und hinunter. Im Labyrinth der engen Gassen mit Adelspalästen, altehrwürdigen Gebäuden und kleinen Plätzen begegnet man auf Schritt und Tritt spannender Geschichte mit ihren Geschichten. Nach Treppenaufgängen und durch schmale Torbögen ist der höchste Punkt Sienas erreicht, der Dom. Zu diesem Wunderwerk toskanischer Gotik, dessen Bauzeit fast zweihundert Jahre dauerte, strömen die Besucher. Mit ihrer reichen Verzierung beeindruckt die Fassade aus schwarz-weißem Marmor und der gestreifte schlanke Campanile. Auch innen überwältigt die Kathedrale mit ihrer in mystisches Dunkel gehüllten schwarz-weißen Ausstattung, dem mit Intarsien ausgelegten farbigen Marmorfußboden und der berühmten Marmorkanzel von Nicola Pisano.

Piazza del Campo in Siena  Foto: Christel Seiffert

Doch das eigentliche Herz Sienas ist die Piazza del Campo. Der muschelförmige Platz, umgeben von gotischen Palästen mit Cafés und Restaurants, ist beliebter Treffpunkt der Einheimischen und Touristen. Hier – oder unmittelbar auf dem mit roten Backsteinen gepflasterten Platz – sitzt man, trinkt seinen Espresso oder schleckt ein Eis. Und blickt auf den Palazzo Pubblico, eines der schönsten gotischen Bauwerke Italiens mit dem grazilen Torre del Maggia. Im 13. Jahrhundert als Rathaus erbaut, war hier das weltliche Zentrum Sienas. Heute sind die mit Fresken ausgestatteten Säle Heimat des Stadtmuseums. Wer sich die schweißtreibende Mühe macht, den 88 Meter hohen Turn zu besteigen, wird mit einem herrlichen Blick über die Stadt belohnt.

Im Land des Chianti

Rund um Siena bis nach Florenz erstreckt sich das idyllische Hügelland, über dem der Gallo Nero, der schwarze Hahn als Gütezeichen zahlreicher Weingüter kräht. Es ist die Landschaft des Chianti Classico, der zu den besten Weinsorten der Welt gehört. Unsere Wanderung führt über sanft geschwungene Hügel mit einsamen Bauerngehöften, durch kleine Steineichenwälder und Straßen, die sich durch Weinberge auf roter Erde schlengeln, vorbei an silbrig schimmernden Olivenhainen und zypressengesäumten Alleen, hinter denen sich manch prächtige Villa versteckt. Immer wieder verzaubert der weite Blick über diese bezaubernde Landschaft unter einem zartblauen Himmel. Ralph hat uns zu einem Picknick im Freien eingeladen. Picknick unterwegs  Foto: Christel Seiffert

In einem verlassenen Gehöft machen wir Rast und alle helfen beim Auspacken, beim Schneiden von Brot, Käse und Tomaten, haben Spaß beim Servieren und Garnieren von Wurst, Schinken, Oliven und anderen toskanischen Köstlichkeiten. Natürlich steht auch Wein auf unserer reich gedeckten Tafel und so können wir mit drei verschiedenen Chianti-Sorten auf diesen gelungenen Tag anstoßen. Gestärkt und guter Stimmung wandern wir bis nach Greve, dem Hauptort des Weingebietes mit seinem von Laubengängen umsäumten hübschen Marktplatz. Hier sei auch Mona Lisa geboren worden, die von Leonardo da Vinci gemalte geheimnisvolle Schöne, weiß unser Reiseleiter zu berichten.

Unterwegs zu Leonardo

Auf den Spuren dieses Jahrhundertgenies sind wir am nächsten Tag unterwegs. Unweit von Montecatini Therme, dem größten Kurort der Toskana – von dem aus wir unsere Erkundungstouren unternehmen – liegt Vinci. Christel Seiffert Die kleine Stadt am Hang des Montalba-Bergmassivs steht ganz im Zeichen ihres berühmten Sohnes und ehrt mit zwei interessanten Museen den Ingenieur, Architekten und Naturwissenschaftler. Im Schloß des Grafen Guidi auf einer Anhöhe über der Stadt und in der Palazzina Uzielli sind mehr als 60 Maschinen, Modelle und Geräte zu bewundern, die die Vielseitigkeit und den Einfallsreichtum Leonardos deutlich machen. Handgeschriebene Anmerkungen und Skizzen des Meisters ergänzen die Modelle und auf Knopfdruck  veranschaulichen digitale Animationen die Funktionsweise einiger Maschinen.

Wie zahlreiche Besucher pilgern auch wir zu dem kleinen Bauernhaus am Ortsrand, der  Casa Natala di Leonardo,  in dem der Knabe seine Kindheit verlebte.   

Christel Seiffert

Italien: Die Etrusker in der Toskana

Chiusi Museum

Der Königssitz in Chiusi

Doch vorher, um 500 vor Christus, hat der legendäre König Porsenna den Sieg über die Römer davon getragen. Chiusi wurde zu seinem Königssitz und damit zu einer Metropole erhoben. Porsennas Grab soll irgendwo unter den Stadtmauern zu finden sein. Entdeckt hat man es noch nicht, wohl aber ein gigantisches Labyrinth mit Wasserversorgung und Belüftung. Der Besuch in diesen unterirdischen Gewirr aus dunklen Gängen und feuchten Kanälen ist ebenso spannend wie in den beiden Katakomben der Stadt, der Santa-Catarina-Katakombe und der Santa-Mustiola-Katkomben. Urchristen sollen hier noch nach etruskischem Ritus bestattet worden sein. Wie die Etrusker selbst ihre Toten im 5. Jahrhundert v. Chr. zur letzten Ruhe betteten, davon berichten die mittlerweile vier zugänglichen Gräber. Unscheinbar sind die Eingänge zu den Gräbern, in den weichen Tuff gehauen und gut zwei Kilometer vor den Toren der Stadt. Drinnen riecht es nach feuchter Erde und nach dem Atem der Geschichte. Neben der Tomba della Scimmia, der ein in der reich bemalten Grabkammer abgebildeter Affe seinen Namen gab, enthält auch die Tomba del Leone (Grab des Löwen) verzierte Sarkophage. Kampfszenen zwischen Galliern und Griechen finden sich in der Tomba della Pellegrina (Grab der Pilgerin). Aus drei Grabkammern besteht auch die Tomba dell’Iscrizione, die mit einer etruskischen Inschrift aufwartet. Trasimenischer See
Von den Gräbern ist es nur ein kurzes Wegstück zum Lago di Chiusi, der den Stadtbewohnern als Naherholungsgebiet dient. Der See, ein ehemaliges Sumpfgebiet, ist nicht nur Lebensraum vieler Vogelarten, sondern auch Ziel zahlreicher Mountainbiker, die auf der „Drei-Seen-Runde“ entlang der Regionsgrenze die Seen von Chiusi und Montepulcano mit dem Trasimenischen See verbinden. Der ist mit seinen 128 Quadratkilometern der viertgrößte See Italiens. Mit seinen drei Inseln ist der Lago Trasimeno, der seinen Namen vom etruskischen Prinzen Trasimeno hat, ein kultur- und geschichtsträchtiges Refugium und ein wunderbarer Ausgangspunkt für Ausflüge ins Umland. Siena und Florenz in der Toskana, das religiöse Zentrum Assisi und die ehrwürdige Kunst- und Universitätsstadt Perugia in Umbrien sind so prima zu erreichen.
Die sanften Hügelketten der Umgebung, mit Pinien und Zypressen, Olivenbäumen und Weinreben malerisch bewachsen, muten fast bilderbuchartig an. Pittoreske Dörfer mit ihrem Flair säumen den See. Und wenn im Frühsommer die strahlend gelben Ginster und betörend duftenden Jasmine blühen, möchte man mit einem Gläschen Chianti einfach die Seele baumeln lassen.

Diana Seufert

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Italien: Dolce Vita in der Toskana

Pisa

In Pisa fällt der Turm um

*Pisa, das Tor zur Toskana, durch das sicher auch schon viele deutscheBesucher kamen und gingen. Oder besser: flogen. Vom Flughafen „Galileo Galilei” erreicht man in kürzester Zeit alle interessanten Ziele der Region. Florenz in einer Auto- oder Zugstunde, Siena in zwei, Lucca und Livorno in weniger als einer halben. Pisa-Sehenswürdigkeit Nr. 1, klar: der schiefe Turm. Der 1173 erbaute Koloss erstaunt durch seine 3,97 Grad Schräglage, die ihm beigestellte Kathedrale, das Baptisterium, imponiert durch gewaltige Architektur. Zwischen den Gebäuden grinsen die Touristen in zahlreiche Nikons, Leicas oder Sonys. Absolutes Must-Have: Das obligatorische „Ich-stütze-mich-gegen-den-Turm-damit-er-nicht-umfällt-Foto“.Pisa, Schiefer Turm

An einem solchen Touristen-Hot-Spot exklusives, ursprüngliches Toskana-Flair zu genießen, fällt schwer, klar.

Cappuccino für fünf Euro

Florenz ist da schon ein besserer Tipp. Exklusiv jedoch sind hier besonders die Preise. So sitzen wir auf dem Piazza della Signoria im Caffé Rivoire, bewundern den Neptun Brunnen und trinken einen sehr guten Cappuccino – für stolze fünf Euro, je Tasse wohlgemerkt. Aber was haben wir anderes erwartet? Immerhin befinden wir uns inmitten der Hauptstadt der Toskana. Also suchen wir weiter fernab der Metropolen.
Funktionierte toskanische Politik heute immer noch wie im Mittelalter, würden Berlusconi & Co. wohl eingepfercht in sogenannten Geschlechtertürmen urlauben. Noch im 16. Jahrhundert nämlich maß man den Einfluss einer Familie an der Höhe des zum Haus gehörigen Turms. Frei nach dem Motto: Die Mächtigste hat den Längsten. Leider jedoch lebte man dort damals wie heute ohne jeglichen Luxus – denn der ist auf so wenig gestapelten Quadratmetern kaum unterzubringen. San Gimignano besitzt insgesamt noch 15 dieser rudimentären Statussymbole. Sehenswert ist in der 7700 Einwohner Stadt außerdem die pittoreske Architektur, die im 16 Jahrhundert stehen blieb.

Champelmo und Dolcemaro

Viel wichtiger jedoch scheinen den vielen Touristen, die selbst hierher in die Peripherie strömen, San Gimignanos kulinarische Highlights zu sein: Crema di Santa Fina (Creme mit Safran und Pinienkernen), Champelmo (rosa Pampelmuse und Spumante) und Dolceamaro (Kräutercreme) – allesamt kreiert von Sergio, Besitzer der inzwischen weltberühmten Gelateria di Piazza. Der Meister der Eisherstellung ist dank seiner Experimentierfreude inzwischen weltbekannt: Der englische Fernsehsender BBC, der schwedische SVT und der deutsche MDR haben ihn schon besucht. Das macht ihn zwar nicht mehr zu einem wirklichen Geheimtipp – schmälert jedoch keinesfalls den originären Geschmack seiner gefrorenen Gaumenfreuden.

Auf dem Heimweg in die verträumten Weinberge Riparbellas, in denen wir ein traditionell möbliertes „Castello“ bewohnen, setzen Weindurst und Magenknurren ein. Nur: Sollen wir jetzt wirklich noch einmal ganz zurück bis in die nächste Kleinstadt Cecina fahren? Immerhin müssen hier in der Gegend für jede kleine Erledigung einige Kilometer zurück gelegt werden. Doch welch ein Glück: An der Bundesstraße SR68 Richtung Volterra kurz vor Cassina die Terra – direkt an der Abzweigung zu unserer bescheidenen Residenz – liegt versteckt zwischen Bäumen auf einem Hügel ein kleines Restaurant: das La Melantina. Während auf der Terrasse die Vorbereitungen für einen durch und durch toskanischen Polterabend stattfinden, sitzen wir drinnen in rustikal-künstlerischer Atmosphäre. Zwar fehlt die Speisekarte, dafür steht schon eine bastumflochtene 2,5 l Weinkaraffe für uns bereit. Eine Katze umstreift unsere Beine und nach und nach füllt sich der Raum mit gut gelaunten Gästen, die den Patrone wie einen lieben Verwandten begrüßen. Natürlich ausschließlich auf italienisch. Etwas verdutzt sind wir schon, als uns schließlich ohne Ankündigung Unmengen an Antipasti serviert werden – fantastische Antipasti! Erst dann kommt der Patrone und erklärt, welche Primi und Secondi heute gereicht werden. Wir essen Ricotta-Ravioli (die auf der Zunge förmlich zerschmelzen) und Risotto (was für eine köstlich-sämige Konsistenz!). Während die Polterabend-Stimmung langsam von draußen nach drinnen überschlägt, gehen wir zum Dessert über: Tiramisu und Pannacotta, wie wir sie – trotz Globalisierungs-Gedöns – in Deutschland noch nie gegessen haben. Nach den Espressi (natürlich aufs Haus) nimmt der Patrone mit beiläufigem Gesichtsausdruck einen karierten Schulblock, setzt sich an seinen Bürotisch, der erstaunlicherweise mitten im Restaurant steht, und addiert alles wie willkürlich zusammen. „Cincin!”, schallt es aus dem Nebenraum. Familie in Toskana

Die Toskana-Fraktion – ein Club der Hedonisten und Luxus-Fans? Ein absolutes Missverständnis, wie Liebhaber der italienischen Provinz wissen. Denn: Der Reiz des Lebens dort besteht in der Einfachheit, vor allem auch der Authentizität der Alltagsküche, der exczellenten „cucina povera“ – wie im La Melantina.

Christina Hollstein