Kambodscha: Ein Tuk Tuk in Angkor, Teil 2

Angkor, Kambodscha

Sonnenaufgangstouristen in Angkor

Sonne über Angkor

Sechs Jahre nachdem er seine sichere Anstellung aufgegeben hat und hunderte Kunden später ist es noch immer das Gefühl der Freiheit, das Khim Sok zu dem fröhlichen Menschen macht, der er ist. Er lacht herzhaft und oft, aber immer mit einer gewissen Zurückhaltung, die der Respekt vor den Kunden ihm zu gebieten scheint. Auf dem Weg zu den Ruinen von Angkor Wat, den er schon so oft zurückgelegt hat, hält er den Kopf nach links und rechts, lässt sich den Fahrtwind um die Ohren und durch das tiefschwarze Haar wehen. Es ist leicht zu erkennen, dass er seine Arbeit genießt. Angkor, Kambodscha

Halb fünf am Morgen beginnt sich das Dunkel der Nacht mit silbernen Fäden zu durchsetzen, einem ersten Schimmer des heraufdämmernden Tages, der die kleinen Affen, die beiderseits der Straße in den Bäumen herumspringen, als flinke Schatten erahnen lässt. Rechtzeitig bevor die Sonne aufgeht hält Khim Sok auf einem Parkplatz und lässt seine Passagiere aussteigen. Sie gesellen sich zu Dutzenden anderen Touristen, die zur frühen Stunde aufgebrochen sind, um den roten Feuerball über Kambodschas Nationalsymbol aufgehen zu sehen. Langsam, mit jeder Minute etwas deutlicher, heben sich die gezackten, nach Lotosblüten geformten Türme vom grauen Hintergrund ab. Erste Lichtstrahlen schießen wie goldene Pfeile um ihre schwarzen Umrisse, Ahnungen werden zu sichtbaren Details, Fotoapparate klicken. Elegant und kolossal zugleich ragen die fünf Türme in den Himmel, der größte von ihnen 65 Meter hoch, erwachsend aus einem Meer aus riesigen, wohlgeformten Steinen. Es ist die zentrale Tempelanlage dieser majestätischen Dschungelhauptstadt, die sich hier erhebt, Zentrum der größten vorindustriellen Stadt der Welt, pure steingewordene Kraft, die die Geschichte einer lange vergangenen Zeit atmet.

von Erik Lorenz

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Kambodscha: Ein Tuk Tuk in Angkor, Teil 1

Angkor Thom

Mit dem Tuk Tuk in Angkor

Entstanden zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert, ist Angkor ein zeitloses Zeugnis der Baukunst der alten Khmer. In steinernen Städten und Tempeln, die einst bis zu eine Million Menschen bevölkerten, tummeln sich heute neben Archäologen vor allem Touristen – ein Segen für die Tourismusindustrie und das täglich Brot von Khim Sok, der den Besuchern aus aller Welt die Tempel mit seinem Tuk Tuk zeigt.

 

Es war die Freiheit, die Khim Sok suchte, als er seine Stelle als Rezeptionist in einem Hostel aufgab und sich in die Ungewissheit stürzte. Er lieh sich von einem Bekannten ein Tuk Tuk und kämpfte um jeden Kunden. Die ersten Monate reichte das mühsam erarbeitete Einkommen gerade, um die Miete für die motorisierte Rikscha zu bezahlen. Er sparte eisern und kaufte nach einem Jahr harter Arbeit für 500 US-Dollar sein eigenes, gebrauchtes Tuk Tuk.

Angkor Wat

„Seitdem bin ich frei“, sagt Khim Sok und lächelt zufrieden, auch wenn das Geld in der touristenarmen Zeit von März bis August kaum genügt, damit seine Familie und er satt werden. Er hat eine Frau und zwei kleine Söhne. Mit ihnen teilt er sich ein Zimmer in einem schlichten Mietshaus. Khim Sok sagt dazu: „Früher habe ich für sicheres Gehalt in einem schäbigen Hostel gearbeitet. Heute habe ich kein sicheres Gehalt – und ich lebe in einem schäbigen Raum. Aber weißt du was? Ich würde die gleiche Entscheidung wieder treffen. Es ist wegen der Freiheit.“

von Erik Lorenz

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