Portugal: Ab sofort gehört der „Cante Alentejano“ zum Weltkulturerbe der UNESCO

Cante Alentejano

Cante Alentejano

Es geht um die Arbeit auf den Feldern, um Liebe, um Einsamkeit, um Traurigkeit. Zugleich aber geht es auch um das gemeinsame Singen. Denn in den meisten Dörfern des Alentejo gibt es bis heute einen der Männerchöre, die den traditionellen Cante pflegen – polyphon und ohne Instrumentalbegleitung vorgetragen.
Am 27. November 2014 nahm die UNESCO, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, den Cante Alentejano in ihre Liste des Immateriellen Weltkulturerbes auf.
Der Cante Alentejano, ein mehrstimmiger Chorgesang, der von Amateuren und fast immer in Tracht vorgetragen wird, unterscheidet sich von anderen Chorgesängen vor allem durch sein langsames Tempo und seinen charakteristischen harmonisch-monotonen Takt. Durch die Kraft seiner Melodien und die ausdrucksstarke Poetik seiner Verse spiegelt er auf ganz besondere Art und Weise die Seele des Alentejo und seiner Menschen wider.
Das wahrscheinlich berühmteste Cante-Lied ist Zeca Afonsos „Grândola, Vila Morena“, das 1974 zur Hymne der portugiesischen Nelkenrevolution wurde.
Die Aufnahme des Cante in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste (seit drei Jahren gehört übrigens auch der portugiesische Fado dazu) löste in Portugal große Begeisterung aus.
Vítor Silva, der Präsident der Tourismusbehörde des Alentejo, meint dazu: „Diese Auszeichnung des Cante stellt nicht nur die internationale Anerkennung der einzigartigen Kultur des Alentejo dar, sondern auch eine Ehrung seiner Menschen.“

 

Deutschland:Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth

Markgräfliches Opernhaus in bayreuth

UNESCO Weltkulturerbe in Bayreuth wird geschlossen

Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth gehört seit 30. Juni zum Weltkulturerbe. Jetzt, wenige Monate später, wird das Haus saniert. Wer den prachtvollen Barockbau von 1750 noch vor Beginn der Bauarbeiten sehen will, muss sich beeilen – Anfang Oktober rücken die Handwerker an. Von da an bleibt das Haus für mindestens vier Jahre geschlossen. „Etwas unglücklich ist das schon“, sagt Stadtführer Peter Zinnecker. Die Touristen seien neugierig auf das neue Weltkulturerbe, und bald könne es keiner mehr sehen. Der Sanierungsbedarf ist allerdings beträchtlich, und zudem soll die Verleihung des Titels auch daran geknüpft gewesen sein, dass man einen zweistelligen Millionenbetrag in den Erhalt des Gebäudes  investiert.

Ob es allerdings nötig ist, bereits drei Monate nach Verleihung des werbewirksamen Titels mit der Sanierung zu beginnen, darüber lässt sich trefflich streiten. Immerhin hatte Bayreuth 15 Jahre lang warten müssen, bis der Antrag in der Titelverleihung mündete. Und die Touristiker hatten gehofft, mit der UNESCO-Auszeichnung so richtig die Werbetrommel rühren zu können. Daraus wird jetzt erst einmal nichts.

Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth

Im Markgräflichen Opernhaus werden während der Festspielzeit keine Opern aufgeführt. Trotzdem ist es der eigentliche Grund dafür, dass Bayreuth zur Festspielstadt wurde. Richard Wagner hatte nämlich einen Artikel über das Opernhaus gelesen und war so begeistert von dem was er las, dass er glaubte den idealen Festspielort gefunden zu haben. Als er das Haus dann in Augenschein nahm, merkte er schnell, für seine Zwecke war es viel zu klein. Die Stadt Bayreuth aber gefiel ihm. Hier wollten er seine Festspiele abhalten. Deswegen ließ er auf einem Hügel vor den Toren der Stadt sein eigenes Festspielhaus errichten. Das hat zwar keinen Weltkulturerbetitel, aber immerhin kann man es außerhalb der Festspielzeit besichtigen.

Info: Bayreuth Tourismus, Opernstraße 22, 95444 Bayreuth,  www.bayreuth-tourismus.de

Rasso Knoller

Ganz in der Nachbarschaft und bei uns nur einen Klick entfernt: Das Jeansmuseum in Buttenheim

Deutschland: Völklingen – die Hütte lebt!

Völklinger Hütte

Vor 26 Jahren wurde die Roheisenproduktion der Völklinger Hütte eingestellt. Heute ist das Weltkulturerbe Völklinger Hütte eines der wichtigsten Industriedenkmäler der Welt.

In der industriellen Blütezeit der Völklinger Hütte lag stets ein feiner Ruß über der Stadt. Und wer mit weißem Hemd das Haus verließ, konnte durchaus mit einem grauen nach Hause kommen. Heute besitzt Völklingen eine der bedeutendsten Weltkulturerbestätten der Industriekultur – die Völklinger Hütte. Sie ist weltweit das einzige Eisenwerk vom Ende des 19. Jahrhunderts, das vollständig erhalten ist. 1994 wurde die Völklinger Hütte in der Nähe von Saarbrücken zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Der drohende Verfall konnte so abgewendet werden, das Gelände ist mittlerweile zu etwa 70% restauriert.

„Aus einer Niederlage haben wir einen Sieg gemacht“,  bringt Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig die Geschichte der Völklinger Hütte auf den Punkt.  In der Tat war vor 26 Jahren die Bestürzung groß, als das Eisenwerk am 4. Juli 1986 geschlossen werden musste. Eine weltweite Krise der Stahlindustrie bedeutete für die Roheisenphase der Völklinger Hütte das wirtschaftliche Aus. Völklinger Hütte

Die Ernennung zum Weltkulturerbe kam gerade noch rechtzeitig, um den drohenden Verfall aufzuhalten. Zu Beginn mussten selbst die Denkmalpfleger davon ausgehen, dass das stillgelegte Bauwerk langfristig nicht zu retten sein würde. Das Schlagwort vom „kontrollierten Verfall“ machte die Runde. Heute ist klar: Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte kann dauerhaft und für Generationen erhalten werden.

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist aber nicht nur ein Industriedenkmal. Die Völklinger Hütte lebt. Wo einst Schornsteine qualmten und ohrenbetäubender Lärm den Arbeitsalltag bestimmte, finden heute Konzerte und hochkarätige Ausstellungen statt. Viel besucht ist die Ausstellung „Asterix & Die Kelten“ (verlängert bis 15. August 2012). Mehr als 60.000 Besucher wollten bereits sehen, wie die berühmten Comic-Figuren Asterix und Obelix auf ihre keltischen Wurzeln treffen.

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte erfindet sich ständig neu. Auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei ist der ‚wilde‘ Industrielandschaftsgarten „Das Paradies“ entstanden. Im Jahr 2012 beweisen die Performance-Künstler EVA & ADELE mit ihren Kunstinstallationen, dass „Das Paradies“ auch ein Ort der Kunst ist. „FUTURING“ ist der Slogan von EVA & ADELE, der dazu aufruft, die Grenzen zwischen Kunst und Alltag zu überschreiten. Ein Motto, das sich auch das Weltkulturerbe Völklinger Hütte auf die Fahnen geschrieben hat.

Ab Herbst 2012 steht die Pop-Kultur im Fokus. Ausstellungen zu dem bedeutenden britischen PopArt-Künstler Allen Jones und zum „Mythos Ferrari“ leiten über zu „Generation Pop“ im Jahr 2013. „Generation Pop“ vereint die wichtigen Erfindungen und das Lebensgefühl der Pop-Kultur in einer großen Ausstellung.

Öffnungszeiten:
Täglich von 10 bis 19 Uhr Völklinger Hütte

Eintritt (gilt für das Weltkulturerbe und alle Ausstellungen):
Ermäßigt: 10 €; Normal: 12 €
Kinder und Jugendliche im Klassenverband: 3 €
Familien ( 2 Erwachsene mit Kindern/Jugendlichen bis 16 Jahre): 25 €

www.voelklinger-huette.org