Niederlande: Van Nelle Fabriek in Rotterdam wird Weltkulturerbe

VanNelle Fabrik Rotterdam_Quelle Rotterdam PartnersDas Komitee des UNESCO-Weltkulturerbes zeichnete im Juni die „Van Nelle Fabriek“ mit dem Status „Weltkulturerbe“ aus. Dies ist eine weltweite Anerkennung des einzigartigen und universellen Wertes der ehemalige Kaffee-, Tee und Tabakfabrik, die zwischen 1925 und 1931 erbaut wurde.

Das Industriegelände der Van Nelle Fabrik – ein Ensemble von miteinander verbundenen Gebäuden – ist eines der Highlights der industriellen Architektur aus dem 20. Jahrhundert. Bereits kurze Zeit nach dem es entworfen und erbaut wurde, beschrieben prominente Architekten die Fabrik als „den schönsten Anblick der modernen Zeit“ (Le Corbusier, 1932) und „ein Gedicht aus Stahl und Glas“ (Robertsen und Yerbury, 1930). Der amtierende Rotterdamer Bürgermeister Ahmed Aboutaleb erklärte, dass „die Van Nelle Fabrik definitiv eines der historischen Symbole ist. Ein Bauwerk einzigartig in seiner Form und Material und aus der sozialen Perspektive seiner Zeit weit voraus.“

VanNelleausderLuft_Quelle Rotterdam Partners

Der Bauherr, Kees van der Leeuw, sowie die Architekten Johannes Brinkmann und Leendert van der Vlugt hatten sich als Ziel gesetzt, die „ideale Fabrik“ zu entwerfen: funktional, gut aussehend und offen. Natürliches Licht wurde verwendet, um ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen, ein Beweis für die Sorge um das körperliche und geistige Wohlbefinden der Mitarbeiter – zu dieser Zeit kein selbstverständliches Merkmal der Industrie.

Die erfolgreiche Sanierung der Fabrik wurde zwischen 1999 und 2006 vorgenommen, unter der Leitung des Bauherrs Volker Wessels. Wessel de Jonge fungierte als koordinierender Architekt. Die UNSECO würdigte die Tatsache, dass die sorgfältige Restaurierung die ursprüngliche Form des Komplexes erhalten hat. Besucher und neue Unternehmen können so nachvollziehen, welchen Reiz die Van Nelle Fabriek ausmacht.

VanNelle Fabrik Innenansicht Quelle Rotterdam Partners

Für die Niederlande ist es nicht die erste Auszeichnung als Weltkulturerbe. Neben den Amsterdamer Grachten, den Mühlen von Kinderdijk, dem Beemster Polder, dem Schokland, dem Wattenmeer, dem Rietveld-Schröder-Haus, dem D.F. Wouda Dampfschöpfwerk und der Stellung von Amsterdam, darf sich nun auch die Van Nelle Fabriek Weltkulturerbe nennen.

Costa Rica: Erstmals auf der Weltkulturerbeliste

Foto: Visit Centroamérica, Steinkugeln Diquís

Insgesamt vier Ausgrabungsstätten im Diquís-Delta im Südosten von Costa Rica wurden am 23. Juni 2014 zum UNESCO Welterbe der Menschheit erklärt: Finca 6, Batambal, El Silencio und Grijalba-2. Hier findet man die berühmten Steinkugeln der Diquís-Kultur, die das Komitee wegen ihrer weltweiten Einzigartigkeit auszeichnete. Die archäologischen Stätten sind ein Spiegelbild der Kultur der Diquís und damit wichtige Zeitzeugen der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen des präkolumbianischen Volkes. Die Region im Südwesten des Landes, in der die neuen UNESCO-Stätten liegen, zählt zu den ärmsten Regionen des Landes. Man hofft nun, dass dieser Landesteil durch die Auszeichnung vermehrt in den Fokus der Touristen gerät.

Italien: Reinhold Messner und die Dolomiten

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„Ich habe weltweit über 100 Expeditionen unternommen, und je öfter ich in die Heimat zurückkam, desto mehr war ich von den Dolomiten beeindruckt.“ Diesen Satz sagt einer, der es wissen muss, einer, der auf allen Achttausendern dieses Planeten stand und doch immer wieder begeistert an jenen Ort zurückgekehrt ist, wo er das Bergsteigen gelernt hat. Diesen Satz sagt kein anderer als Reinhold Messner. Und er ist sofort in seinem Element, wenn es um die Dolomiten geht, gerät ins Schwärmen und zitiert Geistesgrößen wie den Schweizer Architekten Le Corbusier. Der habe einmal gesagt: „Die Dolomiten sind die schönsten Bauwerke der Welt.“ Das setze natürlich voraus, dass sie einen Schöpfer haben. „Aber wenn dem so ist“, sagt Messner, „dann kann man nichts Schöneres bauen. Denn rein ästhetisch gibt es nirgendwo auf der Welt dieses Spannungsmoment zwischen flachen und grünen Bergwäldern und diesen senkrechten graugelben Felswänden darüber. Der Himalaja“, fügt Messner noch hinzu, „ist zwar höher, aber nicht so schön wie die Dolomiten.“ Reinhold Messner nach den Dolomiten zu fragen, das merkt man schnell, ist wie wenn man ein sehr großes Fass anzapft.

IMG_1383Das liegt daran, dass diese Berge kaum jemand besser kennt als er. Messner ist hier aufgewachsen, hat im Villnösstal erste Klettererfahrungen gemacht, und wenn man heute von diesem Tal aus hinauf zu den Geislerspitzen blickt, dann kann man leicht verstehen, dass die spektakulären Felstürme und Steilwände den Ehrgeiz und die Leidenschaft des jungen Reinhold erweckt haben. Man könnte hier sehr lange auflisten, zu was das alles geführt hat und was Messner in den Dolomiten alles unternommen hat, aber man kann es auch so sagen: Ohne diesen Gebirgszug wäre Reinhold Messners Biografie sicher anders verlaufen.

In den Dolomiten ist Reinhold Messner allgegenwärtig, er besitzt Schlösser, betreibt IMG_2081Museen, schreibt Bücher und diskutiert mit seinen Landsleuten. Messner hat sich auch über Jahre hinweg dafür eingesetzt, dass die Dolomiten von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt werden. Und so fühlte sich für Messner der 26. Juni 2009, der Tag, an dem das Welterbe-Komitee endlich die Ernennung bekannt gab, wie ein weiterer Gipfelsieg an. Aber Reinhold Messner wäre nicht Reinhold Messner, wenn er sich mit diesem Erfolg schon zufriedengeben würde. „Durch die UNESCO-Entscheidung haben wir ganz neue Möglichkeiten“, sagt er und hat dabei vor allem die Landwirtschaft im Sinn. „Man muss nun auch die landwirtschaftlichen Flächen und Bergbauernhöfe mit hinein in das Welterbe nehmen.“ Denn das ist bisher nicht geschehen und ist für ihn ein ganz wesentlicher Punkt.

Schließlich sichern die Bergbauernhöfe gemeinsam mit dem Tourismus die Zukunft der Berge. „Und dann würden die Dolomiten auch zum Weltkulturerbe, weil alles, was der Mensch in die Berge trägt, Kultur ist.“ Behutsamkeit sei dabei allerdings oberstes Gebot. „Wir müssen diese Landschaft nutzen, aber wir dürfen sie nicht opfern“, sagt Messner und zieht einen Vergleich: „Für uns Südtiroler sind die bleichen Berge das, was für die Araber das Öl ist. Nur, dass wir die Berge noch ein bisschen länger haben werden, als die Araber das Öl.“ Reinhold Messner ist heute 66 Jahre alt und blickt auf ein bewegtes und einzigartiges Bergsteigerleben zurück. Das „DenkMal“ Dolomiten zieht sich dabei wie ein roter Faden durch seine Biografie. Denn die Berge seiner Heimat bezeichnet Messner noch immer aus vollster Überzeugung als „die schönsten Berge der Welt“.

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Estland: Harmonie von Mittelalter und Moderne in Tallinn

Tallinns Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe

Quicklebendiger Mittelpunkt der Altstadt ist der Raekoja Plats mit dem gotischen Rathaus aus dem 15. Jahrhundert und einem Ensemble gut erhaltener, mittelalterlicher Häuser. Wer sich die Mühe macht, die dunkle und nach oben hin immer schmaler werdende Wendeltreppe des schlanken Rathausturmes zu besteigen, wird mit einem schönen Blick auf das mittelalterliche Städtchen, den Hafen und die Bucht von Tallinn belohnt. Das Gewirr der roten Dächer wird von mehreren Kirchtürmen durchstoßen, von denen die Olaikirche und die Nikolaikirche ihre Türme am weitesten in den Himmel recken. Auch die prächtigen Kuppeln der Alexander-Nevski-Kathedrale auf dem Domberg sind gut auszumachen. Von oben erkennt man auch die Reste der Stadtmauer, die Tallin früher zu einer der mächtigsten Festungen in Nordeuropa machte. Heute ist der Verteidigungsring löchrig, denn nur noch rund die Hälfte der einst 46 Verteidigungstürme ist erhalten geblieben. Trotzdem erfüllt die Stadtmauer auch heute noch ihren Zweck und grenzt die Altstadt gegen das moderne Tallinn ab.

Unterstadt und Domberg

Das sommerliche Tallinn ist eine Stadt zum Schlendern, Shoppen und Genießen. Die engen, mit Kopfsteinen gepflasterten Gassen sind gesäumt von wunderschönen alten Häusern. In den verwinkelten Altstadtgassen finden Besucher unzählige Antiquitätenhändler, Galerien, Kunsthandwerksbetriebe, Cafés, Kneipen und Restaurants. Über das Kurze Bein, eine steile Rampe, oder das Lange Bein, die nicht ganz so steile Aufstiegsvariante, erreicht man von der Unterstadt den Domberg. Früher lebten nur die Ritter auf dem 50 Meter hohen Felsen der Oberstadt. Unten wohnten die Kaufleute und das gemeine Volk, denen jeden Abend die Tore zur Oberstadt vor der Nase zugeknallt wurden. Kein Wunder, dass blutige Auseinandersetzungen zwischen Ober- und Unterstadt keine Seltenheit waren. Eindrucksvoll präsentieren sich heute auf dem Domberg die St. Marienkirche, die Alexander-Nevski-Kathedrale und das Schloss.

Für Schlemmer und Genießer

Im Sommer ist das Angebot an Restaurants, Kneipen und Cafés in der Tallinner Altstadt überwältigend. Draußen sitzen ist angesagt, auf hölzernen Terrassen, die in fast jeder Straße und auf jedem Platz zu finden sind. Stimmungsvoll mittelalterlich geht es im Olde Hansa zu. In dem dreistöckigen Restaurant stimmt einfach alles, vom Ambiente bis zum Essen. Dunkle Räume, nur spärlich von Kerzen erhellt, die Bedienung in mittelalterlichen Kostümen, die Speisekarten mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Schon das Brot und die Vorspeisen sind ein Gedicht, gewöhnungsbedürftig dagegen das Honigbier und der Kräuterwein.

Ins Balthasar sollte man nur gehen, wenn man keine Angst vor Mundgeruch hat, denn hier wird vom Appetizer bis zum Dessert reichlich Knoblauch serviert. Das erste und einzige Knoblauch-Restaurant Tallins ist in einem der ältesten Gebäude der Stadt untergebracht und überzeugt durch ein dezentes und edles Interieur mit viel Holz. Seinen Namen bekam es von dem Schriftsteller und Historiker Balthasar Russow, der hier gewohnt und viel Wissenswertes über die Geschichte Estlands vom 12. bis zum 16. Jahrhundert zusammengetragen hat.

Das Café Tristan und Isolde im Erdgeschoss des Rathauses wirkt innen auf den ersten Blick beengt und durch die Steinmauern etwas düster, doch bei schlechtem Wetter wird es bei ruhiger Musik und Kerzenlicht hier richtig gemütlich. Bei schönem Sommerwetter sind die Tische zwischen den Rathaussäulen der bessere Platz, denn von hier aus kann man dem Treiben auf dem Rathausplatz zuschauen.

Immer einen Besuch wert ist auch das Maiasmokk, das älteste Café der Stadt. Auf der kleinen Terrasse sitzt man etwas abseits des Trubels und auch innen ist das Maiasmokk, was soviel wie süßer Zahn bedeutet, klein und gemütlich. Die Kuchenauswahl ist eher bescheiden, dafür sind die Piroggen wirklich lecker.

Weiße Nächte und Altstadtfestival

Aus historischen Aufzeichnungen weiß man, dass die Tallinner schon im 14. Jahrhundert Stadtfeste gefeiert haben, bei denen die besten Bogenschützen und die schönsten Frauen gekürt wurden. Dann geriet diese Tradition lange in Vergessenheit, bis sie 1982 wiederbelebt wurde. Seitdem gibt es jedes Jahr Anfang Juni wieder ein Altstadtfestival. Für die Tallinner ist es der Beginn des Sommers, denn Anfang Juni steigen die Temperaturen schon auf sommerliche Werte und die berühmten weißen Nächte lassen die Stadt in einem samtweichen Licht erstrahlen. Für das Altstadtfest wird auf dem Rathausplatz eine große Bühne aufgebaut, auf der bis spät in den Abend live Musik gespielt wird. Dann schlendern unzählige Besucher durch die Gassen und die Freiluftcafés und Restaurants machen einen Großteil ihres Jahresumsatzes. Kunsthandwerker bieten Mittelalterliches an, Schmuck und Schmiedewaren, eigenwillige Hüte und allerlei Krimskrams.

Jenseits der Altstadtmauern

Verlässt man die Altstadt und geht zum Viruplatz, taucht man in das moderne Tallinn ein. Statt enger Gassen und ruhiger Fußgängerzonen rollt hier der Berufsverkehr auf breiten Straßen. Statt mittelalterlicher Architektur fast nur nüchterne, stark von der Sowjetzeit geprägte Plattenbauweise. Einige dieser architektonischen Sünden haben mittlerweile ein Facelifting erhalten. Doch bei einer Fahrt in die Trabentenstädte bleibt die Schönheit endgültig auf der Strecke, hier zeigt Tallinn sein zweites Gesicht. Überall fallen die Versäumnisse der letzten 50 Jahre ins Auge, hier wartet noch vieles auf die Sanierung.

Trotzdem gibt es auch außerhalb der Altstadtmauern einiges Sehenswerte. So das Freilichtmuseum Rocca al Mare, das nordöstlich vom Zentrum direkt am Meer liegt und seinen eigenwilligen Namen einem reichen Tallinner Kaufmann und Italienliebhaber verdankt. Auf dem weitläufigen Gelände stehen rund 70 historische Gebäude aus allen Teilen Estlands. Richtig Leben kommt in das Freilichtmuseum am Wochenende, wenn die farbenprächtigen Trachtengruppen kommen und zu traditioneller Musik tanzen.

Nicht weit vom Freilichtmuseum entfernt befindet sich der ehemalige Sommersitz von Zar Peter I., den er zu Ehren seiner Frau Katharina „Jekaterinental“ genannt hat. Das mittlerweile prachtvoll renovierte Schloss Kadriorg gilt als einer der schönsten Barockbauten im ganzen Baltikum. Auch das Interieur ist sehenswert, besonders der Raum über dem Foyer mit seiner Stuckdecke und den Wand- und Deckengemälden. Von dem umgebenden Park ist erst ein Teil wieder im Originalzustand, sonst herrscht noch Wildwuchs.

Auf dem Weg zum Piritafluss kommt man an der riesigen Sängerbühne vorbei, auf der 30.000 Sänger gleichzeitig auftreten können. An der Mündung des Piritaflusses ist das Olympische Segelzentrum zu besichtigen, das allerdings seit den Spielen von 1980 viel von seiner Attraktivität verloren hat. Gleich nebenan stehen die Ruinen des Birgittinenklosters, einst das größte Nonnenkloster Estlands. Besonders beeindruckend präsentiert sich die Ruine der dreischiffigen Klosterkirche, die im 16. Jahrhundert während der Belagerung der Stadt zerstört wurde. Heute stehen zwar nur noch die Außenmauern, aber der Westgiebel ragt beeindruckend in den Himmel.

Christian Nowak

Ecuador: Traurige Nachrichten von der Charles Darwin Research Station

Lonseome George

Lonesome George ist tot

Nicht immer kann das Weltreisejournal Gutes vermelden. Aber auch wenn es weh tut kommen wir unserer Chronistenpflicht nach:

Lonesome George, der einsame Georg, ist tot.

Die fast einhundertjährige Schildkröte wurde tot in seinem Gehege auf der Insel Santa Cruz aufgefunden. Was besonders traurig ist: George war der letzte seiner Art. Seit seinem Tod gilt die Art, der „Chelonoidis abingdoni“ als ausgestorben.

Gut, dass Leben geht weiter und deswegen nutzt das Fremdenverkehrsamt von Ecuador die traurige Angelegenheit zu einer Pressemeldung, in der auf das Anwachsen der Schildkrötenbevölkerung auf den Galapagos-Inseln hingewiesen wird. Weil das ja eigentlich ne gute Nachricht ist, wollen wir sie hier trotz der Trauer um George mal wiedergeben:

Seit Mitte der 70er Jahre hat sich die Schildkröten-Population auf den Galapagos-Inseln von rund 3.000 auf etwa 20.000 vergrößert. Es gelang, zehn der 15 vor 40 Jahren noch vom Aussterben bedrohten Galapagos-Schildkrötenarten zu erhalten und den Bestand der Tiere stetig zu steigern.Von den Pflanzen und Tieren, die in den Anfangstagen der Evolution auf den Inseln lebten, existieren dort heute noch immer 95 Prozent. Viele von ihnen kommen endemisch vor, es gibt sie nur auf den Galapagos-Inseln. Dazu gehören unter anderem die Galapagostaube, der Galapagospinguin und die bekannten Darwin Finken, die 1.000 Kilometer von der Küste Ecuadors entfernt ideale Lebensbedingungen vorfinden. Seit 1959 gelten die rund 114 Galapagos-Inseln als Nationalpark und stehen unter besonderem Schutz. Im Jahr 1978 wurden sie von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt.

Alles schön und gut, aber ohne George ist nichts mehr wie es war. Das WeltreiseJournal trauert um den letzten seiner Art

Informationen über Ecuador: www.ecuador.travel