Indonesien: Auf dem Segelschiff durchs Land der Drachen

Heinke, Indonesien-Ombak Putih

Ob es an der „inneren Uhr“, den abenteuerlichen Träumen oder einfach nur am Rasseln der Ankerkette lag – an diesem Morgen sind einige Passagiere der Ombak Putih schon vor Sonnenaufgang wach. Um die Ankunft  im „Land der Drachen“ nicht zu verpassen, haben sie die Nacht unter freiem Himmel auf dem Deck des Segelkreuzfahrtschiffes verbracht.
Nach Exkursionen auf den Inseln Lombok, Sumbawa, Moyo und Satonda sowie unzähligen Schwimm- und Schnorchel-Stopps liegt der hübsche Zweimaster mit den tiefblauen Segeln vor der Küste von Komodo – für Bärbel aus Bonn und die Norwegerin Mona neben den Ausflügen in die schillernde Unterwasserwelt ein Höhepunkt dieser zehntägigen Seereise durch Indonesien.

Heinke, indonesien-fischeDass die Insel Bali wie auf fast jeder Route der Ombak Putih nur als Start- oder Zielpunkt erscheint, ist Absicht. Schiffseigner Dick Bergsma, der die Fahrt begleitet, liebt die Vielfalt des Landes. Und er zeigt sie gerne seinen Gästen. „Seit ich 1976 zum ersten Mal als Backpacker hierher kam, kann ich nicht verstehen, dass es 17 500 indonesische Inseln gibt, aber fast jeder immer nur von Bali spricht“, erzählt der sympathische 67-Jährige. „Bis heute ist es das bekannteste Stück Indonesiens, wohl aber auch das mit den meisten Touristen – ohne Frage wunderschön, doch eben nur einer von den vielen traumhaften Plätzen hier.“

Und da man das tropische Inselreich zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean am besten auf dem Wasserweg erkundet, tat sich Dick eines Tages mit Freunden zusammen. Sie kauften ihr erstes Schiff und luden Gleichgesinnte zum Insel-Hopping ein. Bei aller Sorge um Technik und Sicherheit sowie professionelle Abläufe in jeder Hinsicht sieht Dick als wichtigste Zutat für sein erfolgreiches Reiserezept „eine gute Atmosphäre“. Damit diese stimmt, verzichtet er schon mal auf einen Gast, der eher auf einen Luxusliner gehört als auf ein Segelschiff. „Auch wenn die Ombak Putih Viersterne-Komfort bietet, geht es bei uns doch recht leger zu“, sagt der erfahrene Seereisende.

Heinke, Indonesien-Ombak PutihMit den 24 Passagieren ist der Schoner komplett belegt. Zwölf bequeme Kabinen mit Bad, WC und Klimaanlage stehen ihnen zur Verfügung. Für eine angenehme Reise sowie ein spannendes Programm sorgt die 17-köpfige Crew, allen voran Frans Huneker. Offiziell ist der Niederländer Kreuzfahrtdirektor, eigentlich aber die gute Seele des Schiffes. In seiner Heimat arbeitet der fröhliche Mann in den 50ern halbjährig als Englischlehrer. In Indonesien, wo er ebenfalls seit vielen Jahren zu Hause ist, verbringt der Weltenpendler die meiste Zeit auf der „Weißen Welle“ – Indonesisch: „Ombak Putih“. Wie Frans berichtet, wurde der fast komplett aus Teak-, Bangkirai- und Eisenholz bestehende Zweimaster 1996/97 in Südsulawesi im Stil der traditionellen ‚Pinisi’ gebaut. „Diese Schiffsform, nach dem Volk seiner Erfinder auch ‚Bugi-Schoner’ genannt, wird seit Jahrhunderten für Fischfang und Handelstransporte genutzt“, weiß der seefahrende Holländer. Noch etwas schlaftrunken, aber voller Abenteuerlust, hocken die beiden Kreuzfahrerinnen Mona und Bärbel auf ihren Liegen, schmecken – mitten im europäischen Winter – frische Sommerluft und schauen fasziniert auf die zerklüftete Silhouette von Komodo.

Heinke, Indonesien-Ombak PutihWie Scherenschnitte aus dem Schattentheater bauen sich die schwarzen, zackigen Felsen auf. Gleich einem Höllenschlund scheinen sie aus ihrer Mitte das Sonnenfeuer auszuspeien. Erst färbt sein Licht den Himmel lila und orange, die Berge blau, dann golden… Im Handumdrehen ist es hell und  wenig später auch schon heiß. „Frühstück!“, ruft Frans. Und: „Langt gut zu – heute braucht ihr viel Energie!“ Überflüssige Worte. Wie bei jeder Mahlzeit leert sich das Buffet im Nu wie von allein. Seeluft macht hungrig, und außerdem können Schiffskoch Irham und seine Smutjes verdammt gut kochen.

Auf einem Eiland vor unserer Zeit

Das Boot legt an. Willkommen in Loh Liang auf Komodo! Die eben in der Dämmerung noch so bedrohlich wirkende Insel, Heimat der nach ihr benannten Warane oder „Drachen“, entpuppt sich bei Tageslicht und aus der Nähe als recht freundliches und vor allem sonniges Plätzchen. Dennoch: Die Gewissheit, dass hier menschenfressende Urzeitechsen frei herumspazieren, verleiht der idyllischen Szenerie eine gewisse düstere Note.

Heinke, Komodo-Waran

„Normalerweise greifen sie Menschen nicht an, meiden den Kontakt zu ihnen und reißen manchmal sogar aus“, erklärt Arif, der einheimische Führer. Normalerweise. Mit einem Stock bewaffnet, ermahnt er seine Gäste, stets hinter ihm zu bleiben.Und da, wie platt auf den trocknen Boden gedrückt, liegen in einer Lichtung zwei erwachsene, knapp zwei Meter lange Komodowarane – absolut bewegungslos. Doch nein, einer hebt den Kopf, öffnet sein breites Maul und züngelt. Offenbar macht er sich nichts aus Menschenfleisch und legt sich wieder hin.
„Der letzte Unfall ist zwei Jahre her. Ein Junge aus dem Dorf wurde gebissen und starb ein paar Wochen später an dem Gift und den Bakterien“, berichtet Arif. Von einem Touristen aus der Schweiz, der vor Jahren bei einer Inseltour verloren ging, wurden später nur ein Schuh und seine Kamera gefunden.

Heinke, Komodo Waran

Menschen stehen offenbar nur selten auf der Speisekarte der Komodowarane. Allerdings soll es schon vorgekommen sein, dass Leichen ausgegraben und verzehrt wurden. Bei den großen Exemplaren gibt es meistens Wild – wie Büffel, Hirsch und Wildschwein, ebenso Hühnchen, Ziege oder Kalb, gerne auch mal Aas. Die kleinen, die noch in den Bäumen leben, fressen Eidechsen, Vögel und Insekten. Insgesamt begegnen den Wanderern an diesem Tag sechs Komodowarane. Wie flink sie sein können, bekommt die leichtsinnige Mona zu spüren, als sie einem zu nahe kommt. Zum Glück ist die junge Touristin schneller.

Fallende Sterne und fliegende Hunde

Zurück an Bord geht es weiter Richtung Osten. Als die Sonne sich dem Horizont zuneigt, ruft Dick: „Kommt schnell an Deck!“ Riesige Scharen von Flughunden ziehen wie Vogelschwärme über das Schiff hinweg auf dem Weg zu ihren Schlafplätzen. Die  Kreuzfahrer sind schon da, wo sie heute wieder übernachten – auf dem Sonnendeck. Trotz Müdigkeit kommen sie lange nicht zur Ruhe. Dafür ist der klare Sternenhimmel viel zu schön. Fünf zu drei für Bärbel stand es beim Sternschnuppenzählen, bevor dann endlich alle schlafen.
Mehr Drachen sowie Affen, Mähnenhirsche und wilde Wasserbüffel sieht man bei einer langen Wanderung auf Rinca, der wohl schönsten Insel im Komodo-Nationalpark. Ihre höchste Erhebung, der 667 Meter hohe Berg Doro Ora, bietet eine fantastische Sicht auf die südliche Bucht und auf West-Flores. Dort, im Bergdorf Melo nahe Labuan Bajo,  wird die Besatzung der Ombak  Putih am nächsten Tag mit einem Gästeritual empfangen – mit selbstgebranntem Palmenschnaps, Betelnüssen und „Caci“, einem Kampftanz mit Masken, Schellen, Schild und Peitsche.

Heinke Indonesien Flores

Musik und Tanz zum Abschied gibt es auch am letzten Abend dieser Reise, bei einem Strand-Grillfest im Fackelschein – mit der kompletten Schiffscrew als singendes Orchester. An solche Tage wie auf der Ombak Putih will man sich gern gewöhnen…

Casten Heinke Indonesien-Flores

Text und Fotos: Carsten Heinke

 

Service-Informationen Indonesien

 Anreise-Tipp: Die vielfach ausgezeichnete Fluggesellschaft Singapore Airlines verbindet Deutschland und Indonesien. Ab Frankfurt haben Reisende zweimal täglich die Möglichkeit ab Frankfurt und einmal täglich ab München, nonstop nach Singapur zu fliegen. Von dort aus bietet Singapore Airlines zusammen mit Silk Air, der Tochtergesellschaft, insgesamt 169 Flüge zu vierzehn indonesischen Zielen an. Bali, die berühmte Insel der Götter mit ihrem Zielflughafen Denpasar wird von Singapur aus in der Hauptreisezeit viermal täglich angeflogen, Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens, neunmal täglich. SilkAir, die Tochtergesellschaft von Singapore Airlines, steuert von Singapur aus zwölf Ziele in Indonesien an: Bandung, Balikpapan, Makassar, Manado, Medan, Palembang, Pekanbaru, Semerang, Solo City, Surabaya, Yogyakarta sowie dreimal wöchentlich Balis Schwesterinsel Lombok. Die Flotte von Singapore Airlines besteht derzeit aus 101 Flugzeugen modernsten Typs, mit einem Durchschnittsalter von sechs Jahren und vier Monaten. Bereits 48 Stunden vor Abflug können sich gebuchte Passagiere online einchecken und einen Sitzplatz buchen. Auf jedem Flug von und nach Deutschland befinden sich Deutsch sprechende Flugbegleiter an Bord.  Flug mit Singapore Airlines ab/bis Frankfurt nach Lombok ab 980 Euro. Die Airline fliegt dreimal täglich ab/bis Deutschland nach Singapur. Tochtergesellschaft SilkAir fliegt fünfmal wöchentlich die Strecke Singapur – Lombok. Weitere Informationen unter www.singaporeair.com
Einreise: mit noch mindestens sechs Monate gültigem Reisepass. Ein Visum für bis zu 30 Tage (Gebühr 25 USD) wird direkt bei der Einreise erteilt.
Kreuzfahrt-Tipp: Mit SeaTrek Sailing Adventures auf dem Viersterne-Zweimaster-Segelschiff Ombak Putih – zum Beispiel 7 Tage ab Bali bis Flores je Person in der Doppelkabine mit Vollpension ab 1.950 USD. Highlight des Veranstalters in diesem Jahr ist eine zwölftägige „Segel-Kreuzfahrt auf der maritimen Seidenstraße“ mit dem Schoner Katharina von Singapur nach Java mit wissenschaftlicher Experten-Begleitung ab 5.495 USD. Weitere Informationen unter Telefon +62 (0) 361 270 604 oder unter www.seatrekbali.com
Hotel-Tipps: Novotel Coralia Lombok (4 Sterne) – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.435 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 35 Euro, www.novotellombok.com
Puri Mas Boutique Resort & SPA (4 Sterne plus)  – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.560 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 58 Euro, www.purimas-lombok.com
Ayodya Resort Bali (5 Sterne) – 7 Nächte ab/bis Frankfurt je Person im DZ ab 1.244 Euro, Verlängerungs-Nacht im DZ/ÜF ab 40 Euro, www.ayodyaresortbali.com
Alle genannten Hotels sind buchbar zum Beispiel bei Thomas Cook Reisen, Telefon 06171/ 6500, www.thomascook.de
Für gehobene Ansprüche: das Luxus-Zeltresort Amanwana (Moyo Island) mit eigener Yacht, zum Beispiel bis 30.4. kostet das Ocean Tent 950, das Jungle Tent 850 US-Dollar pro Nacht (für jeweils eine oder zwei Personen) zzgl. 125 US-Dollar pro Person und Tag für alle Mahlzeiten, nichtalkoholische Getränke, Wäschereiservice, Kurzwanderungen und nichtmotorisierte Wassertsportaktivitäten. Telefon (kostenfrei aus Deutschland) 0800/ 181 3421 oder (kostenfrei aus der Schweiz) 00 800/ 2255 2626, www.amanresorts.com Restaurant-Tipp: Die international erfahrenen Köche des “Square Restaurant & Lounge”, eines der besten Lokale auf der Insel Lombok, bieten ihren Gästen sowohl indonesische Speisen als auch Gerichte der westlichen Küchen von exzellenter Qualität – zum Beispiel „Gegrillte Garnelen & Mahi Mahi“ mit sautiertem Gemüse und Knoblauch-Zitronenbutter-Sauce für 6,70 Euro oder australisches Striploin-Steak mit gemischtem Grillgemüse, Anchovisbutter und Pommes Frites für 9 Euro. Senggigi Square Blok B-10, Jl. Raya Senggigi, Lombok, Telefon +62 370/ 6644 888, 693 688, www.squarelombok.com
Wellness-Tipp: Das Puri Mas Boutique Resorts & Spa auf Lombok bietet Pevonia Botanica Treatments wie entgiftende, reinigende und belebende rituelle Körpermassagen mit Algen Body Scrub (120 Minuten mit Fußbad und Body Moisturizer) für 50 Euro. www.purimas-lombok.com
Auf der Ombak Putih geben Matrosen traditionelle Massagen für 10 Euro. Im Ayodya Resort auf Bali kostet eine Mandara Massage 77 USD, eine 80-minütige balinesische Massage 65 USD.
Geld: Die nationale Währung ist die Rupiah. In Hotels und vielen Geschäften und Restaurants in größeren Touristenzentren werden Kreditkarten und oft auch US-Dollar akzeptiert. Geldwechselstuben tauschen die meisten Währungen, aber nicht immer Traveller Checks.
Gesundheit: Das Auswärtige Amt empfiehlt die Standardimpfungen wie gegen Tetanus, Diphterie, Polio und Hepatitis A. Ausreichend Sonnen- und Mückenschutz mitnehmen!

Indonesien: Auf Augenhöhe mit den Riesenechsen von Komodo

So hatte ich mir die Ankunft im Reich der Riesenechsen nicht vorgestellt. Statt auf der Suche nach den letzten Überlebenden einer längst vergangenen Epoche durch das Inselinnere zu streifen, sitze ich einem finster dreinschauenden uniformiertem Ranger gegenüber. Mit Argusaugen verfolgt er im Dämmerlicht der Empfangshütte wie ich mich in sein gewichtiges Gästebuch eintrage. Keine der zahlreichen Spalten darf leer bleiben. Ihm ist nicht das kleinste Lächeln zu entlocken, viel zu bedeutsam sind die Daten die hier so akribisch gesammelt werden. Man weis ja nie, vielleicht ist es ja gerade die Familie dieses „Orang Touris“, die nach einem der bedauernswerten Zwischenfälle mit einem „Ora“ benachrichtigt werden muss.

Ein Relikt aus grauer Vorzeit
Die Insel Komodo ist nur eine von tausenden Inseln des indonesischen Archipels, doch immer mehr Touristen verirren sich in diese abgelegene Region. Sie kommen weniger um die gebirgige, mit Savannen, Lontapalmen, bisweilen auch mit Dschungel bedeckte Landschaft kennen zu lernen. Weder die grandiose Unterwasserwelt, noch die Wildpferde der Nachbarinsel Rinca üben eine so ungeheure Anziehungskraft aus, wie der „Ora“, der Komodo Drache. Alle suchen den Kick diesem letzten noch lebenden Drachen, diesem Relikt aus alten Fabeln und Geschichten zu begegnen. Zugegeben, genaugenommen ist die riesige Echse kein Drache, kein Dinosaurier, sie kann nicht Feuer speien, ja nicht einmal fliegen.

Doch handelt es sich immerhin um die größte bekannte Echsenart. Die Entdeckung von Varanus komodoensis, so die wissenschaftliche Bezeichnung, war eine der zoologischen Überraschungen des 20. Jahrhunderts. Die westliche Welt ahnte nicht, dass entgegen der landläufigen Meinung, alle großen Echsen seien bereits seit tausenden Jahren ausgestorben, in einem fernen Winkel der Welt noch einige tausend Urtiere überlebt hatten.

Erst im Jahre 1910 berichteten indonesische Perlenfischer dem holländischen Kolonialbeamten van Steyn van Hensbroek von gigantisch großen „Landkrokodilen“. Sie fabulierten von sechs, ja sieben Meter langen Ungeheuern, die sich auf der Insel Komodo und ihren Nachbarinseln herumtrieben. Das in den folgenden Jahren von wagemutigen Abenteurern gefangene, größte Exemplar maß allerdings nur enttäuschende 3,10 Meter.

Nach dem strengen Ankunftsritual machen wir uns auf den Weg ins Innere der Insel. Vor und hinter unserer kleinen, schwatzenden Gruppe läuft jeweils ein mit einem abgegriffenen, gegabelten Stock bewaffneter Ranger. Seit in den siebziger Jahren der Schweizer Baron Rudolf von Reding-Biberegg vermutlich Opfer eines Komodo-Warans wurde, dürfen Ausländer die Insel nicht mehr alleine erkunden.

Es ist Trockenzeit, die Insel ist völlig ausgedörrt, das Laub knistert unter unseren Füßen. In einem staubtrockenen Flußbett durchqueren wir ein kleines Wäldchen. Plötzlich erschallt hinter mir ein unterdrückter Schrei, es raschelt. Wo ist er, der Ora? Doch Fehlanzeige, heute ist es nicht mehr so selbstverständlich die Komodos zu Gesicht zu bekommen wie noch vor einigen Jahren. Denn früher wurden den Echsen tief im Busch vor den Augen der Touristen Ziegen zum Fraß vorgeworfen. Doch heute verzichtet man auf dieses makabre Schauspiel.

Kraftpaket mit Mundgeruch
Nach Verlassen des Waldes führt der Weg durch eine goldgelbe Graslandschaft. Niemand scheint den weißen Kakadu zu bemerken, der über uns hinweg fliegt. Zu groß ist die Spannung, als im hüfthohen Gras ein großer Kopf auftaucht. Locker wie ein Kettenhemd hängt seine grobe schuppige Haut um seinen Hals. Eine tiefe Fleischwunde ziert seine linke Wange – vermutlich das Resultat eines Paarungskampfes. Gemächlich schwingt die archaische Echse ihren Kopf hin und her. Züngelnd nimmt sie Witterung auf – Warane riechen wie alle Echsen mit Hilfe ihrer Zunge – und beschließt wir sind weder Futter noch Gefahr. Breitbeinig, leicht federnd kommt das Kraftpaket mit der schwingenden Entschlossenheit eines Schlägers auf uns zu. Doch der Waran zieht unbeeindruckt an uns vorbei und macht es sich auf einem schattigen Felsen gemütlich.

Etwas respektlos denke ich, so richtig bedrohlich wirkt er eigentlich nicht. Doch dann stelle ich mir vor dieses mit 2,5 Metern Länge gar nicht so große Exemplar läge auf meinem heimischen Sofa. Abgesehen von der Tatsache, das seine messerscharfen, fingerlangen Krallen der wertvollen Garnitur in Kürze den Garaus machen würden, gibt mir mein scharfer Verstand zu bedenken, es handelt sich hier um ein recht unkultiviertes Raubtier mit schlechten Eßmanieren. Es lauert seinen Opfern heimtückisch aus dem Hinterhalt auf und kann bei einem Angriff bis zu 20 km/h schnell sprinten. Allein eine Bißverletzung endet meist tödlich!

Sein Maul ist Brutstätte für einen unappetitlich stinkenden, hoch infektiösen Bakterien-Cocktail. Hat die Echse ihr Opfer, meist Hirsche oder Schweine, gleich richtig erwischt, reißt sie es zu Boden und verschlingt es mit Haut und Haaren. Einzig der Darminhalt scheint ihnen unappetitlich, sie schütteln ihn vor dem großen Fressen heraus. Junge Komodo-Warane nutzen diese Abneigung und schützen sich vor ihren kannibalischen Artgenossen in dem sie auf Bäume klettern und sich in Fäkalien wälzen! Unser Komodo bleibt aber ruhig und ignoriert routiniert die knipsende Touristenschar.

Bernd Leideritz