Uruguay: Unbekanntes Weinparadies

K1024_dardanelli 3Der Tannat gilt als einer der besten Weine der Welt. Und nicht nur der ist einer der Vorzüge Uruguays

Das Netz wimmelt nur so von „Geheimtipps“. Berechtigt sind sie etwa, wenn Länder oder Regionen im Fokus stehen, die der Aufmerksamkeit des Massentourismus bisher entgangen sind. Das ist bei Uruguay der Fall, dem kleinsten spanisch-sprachigen Land Südamerikas. Es ist nur ein Drittel so groß wie Deutschland und hat mit 3,5 Millionen Einwohnern gerade mal so viele wie Berlin. Von den knapp 3 Mio. Touristen, die 2016 Uru­guay besuchten, kamen rund 82 Prozent aus den Nachbarländern Ar­gen­tinien und Brasilien. Überwiegend die Reichen und Schönen dieser Länder zog es bislang an die Jetset-Strände von Punta del Este, Rocha und Maldonado. Denn so manche Prominenten haben hier, sicherer als zuhause, ihr Geld in „Betongold“ investiert und damit einen Luxus-Im­mobilien-Boom in der „politischen Oase“ Südamerikas ausgelöst. Insider wissen: Nur wenige Länder des lateinamerikanischen Kontinents sind so stabil und demokratisch wie Uruguay.

K1024_Punta del Este in der Bucht von Maldonado_Foto_Ministero de Turismo_Departamento_MaldonadoAber nun sollen mehr und andere Besucher kommen, Urlauber, die nicht nur Luxus, sondern auch Tango, Tannat und Tiere lieben. Gäste aus Europa, dem Kontinent vieler uruguayischer Einwanderer. Nur die Kleinigkeit von 12 Flugstunden (ab Madrid) müssen sie auf sich nehmen, um eine angenehme Gegend zu erreichen, die vor allem eines ist – sehr sicher: Geringe Kriminalitätsrate, grundsolide politische Lage, keine Terroristen, vergleichsweise positive Menschenrechts­Situation, die Uruguay schon seit mehreren Jahren auf die Liste der ethisch empfehlenswerten Länder gebracht hat.

Natürlich hat Uruguay noch mehr zu bieten als Sicherheit und Strände. Der Tourist von heute will etwas erleben – vor allem etwas, das andere noch nicht erlebt haben. Weil es nun einmal so wichtig ist, von seinen touristischen Abenteuern zu Hause erzählen zu können. Das ist heute, in der der „Urlaub“ oder das „Reisen“ immer zentraler für das Leben der mehr oder weniger wohlhabenden Europäer geworden ist, mindestens das Zweitwichtigste.

Seehundkolonien_Punta del Este 36ministerio_de_turismo_Departamento_MaldonadoAlso, was hat nun Uruguay zu bieten? Sandboarding in Dünen und Segeln in einsamen Windsurf-Lagunen. Robben-Beobachtung, Reiten mit Gauchos, also ruralen Tourismus, viel Ruhe in kolonialen Fincas und fein-gestalteten Boutique-Hotels. Rinder in großer Freiheit auf saftigen Savannen-Weiden. Elektrizität zu 90 Prozent aus erneuerbaren Energien. Das in Apotheken unter bestimmten Einschränkungen erhältliche Marihuana lassen wir mal weg, um keine falsche Hoffnungen zu wecken.

Ein weiteres Attribut des kleinen Landes: Kurze Entfernungen, koloniale Vergangenheit und eine große kulturelle Vielfalt, die sich unter anderem in Tango und Tannat manifestiert. Tannat? Ja, diese Traube, die 1870 von baskischen Weinbauern eingeführt, zwischen­zeitlich vergessen und in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts von einigen ambitionierten, kreativen, uruguayischen Winzern wie­der ans önologische Tageslicht geholt wurde.

descarga (1)Auch wenn hier er­staunlich viele andere Sorten – Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Syrah – angebaut werden – die Tannat-Traube hat bei den Rotweinen einen absoluten Son­der­status. Sie zaubert jedem Winzer in Uruguay sofort einen Glanz in die Augen. So auch dem jungen Önologen Juan Andrés Marishal (37). „Tannat-Trauben“, sagt er verschmitzt und stolz, „haben ein Geheimnis! Ihr hoher Anteil von Antioxidantien erhält einen gesund und jung. Das macht den Tannat-Wein zu einem der gesündesten Rotweine der Welt.“

Juan läßtl keinen Zweifel daran, dass er diesen kräf­tigen, samtigen, rubinroten Rotwein für einen unverzichtbaren Jung­brunnen-Tropfen hält. Doch der junge Unter­neh­mer steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Seine Familie italie­nischer Abstammung baut bereits in der vierten Generation Wein in der Region Canelones an.  Praktisch ist, dass die hoch gelobte Tannat-Traube in Uruguay sehr guten Boden und gute Lagen vorfindet, um sich auszubreiten. Weinliebhaber können hier noch echte Entdeckungen machen.

K1024_foto molinoDoch erst seit rund zehn Jahren ist der Tannat allgemein in den lokalen Bodegas präsent. Und das in einem Land, in dem der Uruguayer auf vieles, wenn es sein muss, verzichtet, aber nie auf sein Gläschen Roten zum immer hervorragend gebratenen Rindfleisch!

Seine Winzerkollegin Analia Lazaneo kennt den Grund: „Wir dachten, wir sind vielleicht die größten Fußballer der Welt. Aber die besten Weinkenner?“ Die Winzerin, die mit ihrer Geschäftspartnerin Va­len­tina Gatti  seit 2007 das kleine Gut „Artesana“ mit preisgekrönten Weinen betreibt, lächelt und schweigt einen Moment. Lange hat es gedauert, bis ihr Engagement gefruchtet hat, mit Unterstützung eines amerikanischen Investors und der uruguayischen Regierung, den Tannat ins Bewusstsein der Einheimischen  zu bringen.

K1024_22022_584527204898140_1525221853_nDann sagt sie fast amüsiert: „Um ehrlich zu sein: Lange kauften die meisten ihren Wein im Supermarkt. Was auf dem Etikett stand, war relativ egal. Es war eben Rotwein. Oder Weißwein. Oder Schaumwein. Punkt. Bis vor einer Dekade gab es keine Bodegas in Uruguay! Heute haben wir rund 200. Damals pflegten wir keine Weinkultur. Der Durchschnittsbürger ging nicht in Weinfach­geschäfte, um schöne Tropfen für seine Freunde zu besorgen. Und es war ihm völlig unbekannt, den Reiz eines neuen Weins zu ent­decken.“

Das hat sich sehr geändert. Als Repräsentantin der „Asociación del Turismo enologico del Uruguay“ hat Analia, zusammen mit 15 weiteren, engagierten Winzern, vor zwei Jahren die ersten „Wein­straßen“ (los caminos del vino de Uruguay) ins Leben gerufen. Es folgten, zunächst als Pilotprojekte, Festivals, die die Idee trugen, Wein, Tourismus und Film zu kombinieren. Kino-Leinwände wurden im Freien zwischen Weinfeldern aufgestellt. Für acht US$ gab es bei solchen Festivals zum Open-Air-Kinoticket auch ein Glas Wein inklusive. Der rubinrote, tiefgründige Tannat, neuartig für viele Gau­men, schmeckte. Das bedruckte Festival-Glas durften die Wein-Cineasten behalten.

K1024_dardanelli-1Die Marketing-Idee ging allmählich auf: Immer mehr Gäste kamen zu den Festivals wieder, brachten ihre Freunde mit. Sie begannen, sich für die kleinen Hersteller zu interessieren, machten bei ihnen Termine zur Weinprobe aus. Nach und nach buchten sie Wein und Bodega-Räume, auch für Besuchergruppen, Familienfeste und Hochzeiten. Analia: „Heute leben wir davon, dass neben Einheimischen auch Urlauber aus Nachbarländern bei uns probieren und kaufen. Wir freuen uns sehr, unseren Wein über den Tourismus zu verkaufen.“ Damit das so bleibt, bekommen Lazaneo und Gatti seit diesem Jahr, wie andere lokale Winzer, auf Messen auch die offizielle Unterstützung des uruguayischen Weininstituts INAVI (Instituto Nacional de Vitivinicultura).

Unterstützung kann das winzige Weingut aus Canelones gut gebrauchen. Denn an massenhaftem Industriebetrieb sind die beiden Winzerfrauen trotz ihrer Erfolgsweine „Zinfandel 2015, Las Brujas“, dem „Tannat Rosé 2015“ (7 USD – ein tolles Preis-Leistungsverhältnis!) und dem „Tannat-Merlot 2012“ nicht interessiert. Um das “Kunst­handwerk” geht es schließlich, wie der Firmenname Artesana sagt. Auf etwa 8,5 Hektar Anbaufläche erzeugen sie jährlich 24 Mio. Flaschen, übrigens auch Merlot und Zinfandel. Das ist ein Weingut auf dem ein wunderbar entspanntes und entspannendes Klima herrscht. Man hat hier noch viel Zeit für den Kunden und stets sprudelnde Ideen. (Wer diese kennenlernen möchte, möge sich rechtzeitig anmelden, damit die Önologinnen ganz für den Gast da sein können.)

Die meisten Weingüter Uruguays liegen in den Provinzen im Süden und im Südosten. Hier herrscht ein mildes mediterranes Klima, wie einst im Baskenland. Das gilt vor allem für den größten Teil der Rebfläche am Mündungsgebiet des Rio de la Plata in den distritos (Distrikten) Canelones, San José und Montevideo. Eine individuelle Vermarktung eines jeden Bodega-Angebots wäre vielleicht spannend. Sinnvoller ist es aber, die Anstrengungen zu bündeln. Das geschieht eben mit dem uruguayischen Weininstitut INAVI, das nicht zuletzt dafür sorgt, dass die Winzer auf den wichtigen europäischen Weinmessen vertreten sein können.

K1024_DSC01275Chef von INAVI ist Juan Marichal. Trotz seines eigentlichen Jobs, des Verkaufs und Vertriebs von eigenen Weinen als Marketingverantwortlicher im Familienbetrieb schafft er diesen Zusatzjob mit bewundernswertem Engagement. Gut, dass sein Bruder Alejandro die Aufsicht über die Produktion und seine Mutter die Büroarbeit übernommen hat, der Vater mit einem Freund auf den Weinfeldern arbeitet und Großmutter Maria Teresa, genannt Teresita, immer für alle „sehr köstlich kocht“, wie Juan es herausstellt.

Auf den Visitenkarten und Prospekten eines anderen Traditions-Weinguts, der Bodega Carrau, liest man “desde 1752” (seit 1752). Damals kam der katalanische Fischer Don Francisco Carrau Vehils ins Land und seitdem existiert dieser älteste aller uruguayischen Weinhersteller nur 15 Autominuten vom Zentrum Montevideos entfernt. 265 Jahre Tradition, das ist schon was. Und nach wie vor ist die Winzerei zu 100 Prozent im Besitz der Familie. Besonders zu empfehlen: Der Gran Reserva Tannat “Amat” – der Name ist übrigens ein liebevoller Tribut an die Urgroßmutter der jetzigen Besitzerfamilie.

Um die Qualität noch mehr zu steigern, hatte der Begründer der modernen Winzerei, Juan Carrau Pujol – nach dem verschiedene Sorten benannt sind – auf dem höchstgelegenen Weingebiet Uruguays, dem Cerro Chapeu, einige Jahre lang in Zusammenarbeit mit der Universität von Californien ein Versuchsgelände etabliert. Das bringt heute ein Weinchen, von dem Hugh Johnson in seinem Weinführer in höchsten Tönen schwärmt. Sein Cuvée Tannat Cabernet Sauvignon 1989 war der erste große Reserva Uruguays. Er verlässt erst den Produktionsbetrieb, wenn er 20 Monate im Holzfass gereift und dann weitere vier Jahre in der Flasche verbracht hat. Für 33 USD ist dieses Genusserlebnis dann zu haben. Juan Carrau ist so begeistert vom Zauber dieses mittlerweile über Uruguays Grenzen hinaus bekannten Weins, dass er spontan beim Abschied sagt: „Der Tannat ist einer der besten Weine der Welt. Man sollte ihn getrunken haben, bevor man stirbt.“.

K1024_juanico 1Das bekannteste, weil größte, Weingut ist die Bodega Juanica der Familie Deicas. Ein gewisser Don Francisco Juanicó soll im Jahre 1830 mit dem organisierten Weinanbau begonnen haben, obwohl er eigentlich Tischler war, wovon noch heute historische Werkzeuge an der Wand zeugen. Gerne wird erzählt, dass der erste Weinkeller im Jahre 1840 auf alten Fundamenten der Guarani Ureinwohner gebaut wurde. Dieser natürlich klimatisierte Weinkeller prägte den guten Ruf des Weines. Heute ist daraus ein Unternehmen entstanden, das professionalisierte Produktion mit effizientem Marketing verbindet; die Marke “Don Pascual” ist in ganz Südamerika und sogar gele­gent­lich in Deutschland zu finden.

K1024_DSC03425Der Betrieb bietet auch das ganze Jahr über Besichtigungen und Führungen an, ausgeführt von fachkundigen Guides, die Önologie oder Tourismusmarketing oder beides studiert haben. Zum Abschluss gibt es in einer charmant restaurierten alten Scheune immer ein hervorragendes Essen. Und spätestens jetzt ist es an der Zeit, ein Wort zu verlieren über das Asado. Rindfleisch ist hier mehr als ein Nahrungsmittel. Es ist eine Lebensphilosophie. Die cualidad, Qualität, ist fantastisch, was nicht zuletzt damit zu­sam­menhängt, dass die Rohstofflieferanten das ganze Jahr (!) über auf ausgedehnten, saftigen Wiesen grasen können und keinen Stress haben.

Text : Kornelia Doren und Jürgen Kagelmann
Fotos:  Fremdenverkehrsministerium Uruguay uns Weingüter  Datrdanelli, Atensa und Marechal

Tipps:

Wer sich für eine Erkundungsfahrt durch die Weingebiete Uruguays interessiert und nicht gerade gut spanisch schreibt, kann sich entweder an das Tourismusministerium (über die deutsche Botschaft in Berlin) wenden oder an den engagierten Leiter der deutsch-uruguayischen Handels­kammer, Jan Kötschau.www.ahkuruguay.com

Eine empfehlenswerte Adresse zum Abschluss einer Reise durch Uruguay ist das bei den Einheimischen sehr beliebte Restaurant Francis in Montevideo, mit exzellenter Küche (nicht nur Fleisch, auch Fisch).www.francis.com.uy

Die beste Zeit für einen Besuch Uruguays sind die Monate Novem­ber bis April. Dann ist im Land Sommer.

Deutschland/Bernkastel: 76 Oechsle, 160 Weine und 365 Kilometer Wanderweg

Bernkastel vom Kueser Ufer aus © Rasso Knoller

Bernkastel vom Kueser Ufer aus © Rasso Knoller

Martin Kerpen ist zufrieden. „Das wird ein richtig guter Qualitätswein“, sagt der 56-jährige Winzer aus Bernkastel-Wehlen an der Mosel. 76 Oechsle hat er gerade mit dem Refraktometer gemessen. In Oechsle gibt man das Mostgewicht des Traubenmostes an und die 76 auf der Skala ist ein durchaus ordentlicher Wert. Zu erwarten war das nicht unbedingt, denn die Essigfliege hatte den Trauben zugesetzt und auf vielen Anbauflächen Ertrag und Qualität gemindert. Nicht so bei Kerpen.

Winzer Martin Kerpen prüft den Oechslegrad © Rasso Knoller

Winzer Martin Kerpen prüft den Oechslegrad © Rasso Knoller

„2014 wird trotz alledem ein ganz ordentlicher Jahrgang“, ist der Winzer überzeugt. Freilich hat man oben am Berg bei der Lese viel zu tun und muss die fauligen Reben per Hand wegschneiden. Handlese ist in den Lagen der Mosel aber ohnehin die Regel. Erntemaschinen, die bei den Reben nicht zwischen gut und schlecht unterscheiden können, sind hier überfordert. Viel zu steil sind die Hänge für sie.

Weinlese mit Hund © Rasso Knoller

Weinlese mit Hund © Rasso Knoller

Die vielen kleinen Winzer aktivieren deswegen zur Lese Freunde und Bekannte, die größeren, wie Kerpen, heuern zusätzlich Arbeiter aus Rumänien an. „In den Steillagen ist die Arbeit sogar leichter“, verrät einer von ihnen. Denn so müsse man sich nicht ständig zu den Reben hinunterbücken.

Blick auf die Mosel, © Rasso Knoller

Blick auf die Mosel, © Rasso Knoller

Weg mit Aussicht
Für die Touristen haben die steilen Hänge einen ganz anderen Vorteil. Wer auf dem Moselsteig durch die Weinberge wandert, der genießt fast dauernd einen Panoramablick hinab auf den Fluss. 365 Kilometer ist der Weg lang. Wer gut zu Fuß ist, schafft ihn an 24 Tagen. Doch wer hier unterwegs ist, muss kein Marathonmann sein, denn selbstverständlich kann man auch jede Tagesetappe für sich bewältigen. Eine besonders schöne Tour führt von Bernkastel-Kues nach Traben-Trarbach. Wobei es vom Wanderer etwas Überwindung verlangt, damit er überhaupt losmarschiert. Bernkastel ist nämlich einer der schönsten Orte an der Mosel, die Altstadt mit ihren vielen Weinlokalen und den windschiefen Häusern scheint direkt einer Puppenstubenwelt entnommen.

Stadtführer Jürgen Kettern © R. Knoller

Stadtführer Jürgen Kettern © R. Knoller

Nach vorne geneigt sind die Hausfassaden aber nicht etwa, weil Architekt und Baumeister zu tief ins Glas geschaut haben, sondern weil sie so dem Steuerrecht der früheren Tage trotzten. Der Fiskus berechnete damals die Abgabe nämlich nach der Grundfläche, wer sein Häuschen also mit Überhang baute, konnte so den ein oder anderen steuerfreien Quadratmeter schinden. Das erzählt Stadtführer Jürgen Kettern, der die Gäste in alter Tracht durch die Stadt begleitet.
Gesund durch Wein
Er weiß auch vom Doctor Wein zu berichten, der seinen Namen daher hat, weil der ortsansässige Kurfürst im 14. Jahrhundert durch seinen Genuss von einer schweren Krankheit geheilt wurde. Nachdem der Adelige bereits jede andere Medizin ausprobiert und alle Ärzte der Region konsultiert hatte, kam ein Winzer aus Bernkastel zu ihm und bot ihm seinen Wein als Medizin an. Den Doctorberg gibt es noch heute, er ist die bevorzugte Lage für die Bernkastler Weine und erhebt sich gleich hinter dem letzten Haus am Ortsrand. Ob die Reben, die hier geerntet werden, immer noch heilende Wirkung haben, muss man schon selbst rausfinden. Der beste Wein der Region jedenfalls kommt von hier. Und der teuerste auch. Laut Stadtführer Kettern werden die letzten sechs Flaschen der 1921er Riesling Trockenbeerenauslese heute fast 15000 Euro gehandelt.
Drüben, auf der anderen Moselseite im Ortsteil Kues, geht es auch um Wein. Theoretisch und praktisch. Im Weinmuseum erfährt der Besucher so ziemlich alles, was er über Anbau und Ausbau des Moselweins wissen muss, und in der angeschlossenen Vinothek, in den historischen Kellerräumen des St. Nikolaus Hospitals, kann man seine theoretischen Kenntnisse auf die Probe stellen.160 Weine fast aller Winzer der Region stehen hier zu Verkostung bereit.

Weinprobe in der Vinothek © Rasso Knoller

Weinprobe in der Vinothek © Rasso Knoller

Weinseligkeit breitet sich bei den Gästen der Vinothek nicht nur wegen der Alkoholprozente aus, sondern auch wegen der hervorragenden Qualität des gebotenen. Gern stimmt man nach einigen Kostproben Jörg Lautwein zu, dem Geschäftsführer der Wein- und Ferienregion Bernkastel-Kues, der feststellt, „dass sich seit den 1990er Jahren der Weinanbau an der Mosel grundlegend geändert hat und man seitdem weniger auf Quantität denn auf Qualität setzt“. Wer aber noch auf dem Moselsteig weiter will, muss Selbstdisziplin beweisen, für den einmaligen Eintrittspreis von 15 Euro kann man in der Vinothek nämlich – zumindest theoretisch – alle Weine aus Deutschlands ältester Weinregion probieren.

Text und Fotos Rasso Knoller

Deutschland: Hessens Brauereien, Keltereien und Winzer

Kelterer_(c) Odenwald Gasthaus e.V.

Kelterer_(c) Odenwald Gasthaus e.V.

In Hessen befindet sich nicht nur eines der berühmtesten Weinanbaugebiete Deutschlands – der Rheingau – sondern auch die Heimat des Apfelweins und verschiedener Biersorten. Ob einmal selber keltern, sein eigenes Bier brauen oder im Weinfass übernachten, es gibt viele Möglichkeiten für Neugierige

Kelter-Tour auf der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute

Die Landschaft zwischen Main und Taunus wird seit Jahrhunderten von Streuobstwiesen geprägt. Diese sind die Grundlage für das hessische Nationalgetränk – den Apfelwein. Bei der 12. Kelter-Tour auf der hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute erleben Gäste am Sonntag, den 21. September 2014 zwischen 11 und 18 Uhr nicht nur naturbelassene Streuobstwiesen, Lehrgärten und Lehrpfade, sondern haben auch die Möglichkeit, an verschiedenen Stationen Apfelwein selber zu keltern. Neben „Stöffche“-proben und Geschichten rund um den Apfelwein wird an jedem Standort auch ein buntes Programm für die kleinen Besucher angeboten, das für Unterhaltung und gute Laune sorgt.

Die Welt des Hochprozentigen: Schlitzer Destillerie im Vogelsberg

Liebhaber von Hochprozentigem genießen Brände, Schnäpse und Liköre bei einer Gruppenführung durch die Schlitzer Destillerie im Vogelsberg mit allen Sinnen. Bei dem zweistündigen Rundgang sehen sie die Kornbrennerei, die Grundstoffdestillation, den Lagerkeller und die Edelobstbrennerei und erfahren Wissenswertes über die Welt der Destillerie. Im Anschluss haben die Teilnehmer die Möglichkeit, die 31 verschiedenen Spirituosen zu kosten und sich ausgewählte Andenken mit nach Hause zu nehmen. Die Mindestteilnehmerzahl für die Führung beträgt 15 Personen und kostet fünf Euro pro Teilnehmer, abends und an Samstagen sechs Euro pro Person.

Wirtshauskelterer im Odenwald: Keltereiführungen und Apfelweinprobe

Dem hessischen Nationalgetränk auf der Spur: Apfelweinfans haben die Möglichkeit, bei einer Führung mit Apfelweinprobe hinter die Kulissen von zwei Odenwälder Wirthauskeltereien zu schauen. Im Hotel-Restaurant Dornröschen in Höchst-Annelsbach wird die Herstellung des Apfelweins erklärt und die Teilnehmer verkosten verschiedene sorten- und lagenreine Weine. Die Führung inklusive Weinprobe ist nach Vereinbarung für zehn Euro pro Person buchbar. Im Odenwald-Gasthaus Johanns Stuben in Reichelsheim lernen Gäste bei der „Odenwälder Apfelweinprobe“ verschiedene Apfelweinspezialitäten kennen. Das Angebot inklusive Odenwälder Vesper kostet 19,90 Euro pro Person und ist ab 15 Personen auf Anfrage buchbar.

„Hopfen und Malz“: Zu Gast im Brauhaus Castel in Wiesbaden

Ob Maibock, Narren-Pils oder auch der Doppelbock „Castelator“ – die kleine Wiesbadener Brauerei Castel lässt keinen Anlass aus, um ihr eigenes Bier aus ausgewählten Zutaten herzustellen. Auch Gäste haben hier die Möglichkeit, ihr eigenes Getränk zu brauen. Wiesbaden-Besucher können die Brauerei beispielsweise im Rahmen des Programms „Hopfen und Malz“ erleben. Das Paket enthält eine Brauereiführung, eine Bierprobe sowie eine Vesper, kostet 11,50 Euro pro Person und ist für Gruppen ab zwölf Personen auf Anfrage buchbar.

Bier selber brauen: Hessens einziges Brauereimuseum mit Brauwerkstatt

Im Brauereimuseum im nordhessischen Malsfeld erleben Liebhaber des Hopfensafts Braukultur und alte Traditionen hautnah, denn sie können hier ihr eigenes Bier herstellen. Bei thematischen Führungen unter dem Motto „Brauereikultur zum Anfassen und Schmecken – erleben mit allen Sinnen“ oder einem „Vier-Bier-Menü“ mit nordhessischen „Häpperchen“ lernen Besucher alles rund um das alkoholische Lieblingsgetränk der Deutschen. Das Brauereimuseum hat von April bis Oktober immer sonntags und Feiertags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Gruppenführungen (ab zehn Personen) können nach Absprache durchgeführt werden.

Kirschenstadt Witzenhausen: Likör aus heimischem Obst brennen

Wie viel Zucker gehört in den Likör? Was bedeutet Sprit oder mazeriert? Dies und noch weitere spannende Fakten lernen Interessierte bei einem Likörseminar in der Manufaktur „Witzenhäuser Spezialitäten“ im Witzenhäuser Stadtteil Kleinalmerode in Nordhessen kennen. Hier stellen die Teilnehmer ursprüngliche Liköre nach alten Rezepten her und dürfen anschließend den abgefüllten und etikettierten Likör mit nach Hause nehmen. Das Seminar ist nach Vereinbarung buchbar und kostet zwölf Euro pro Person (ab zehn Personen). Bei einer Plantagenwanderung mit Verkostung werden die Teilnehmer direkt in den Kirschplantagen edlen Tropfen verwöhnt. Die rund zweistündige Tour kostet sechs Euro pro Person.

Bensheim im Zeichen des Weins: „Bergsträßer Winzerfest“

Vom 6. bis zum 14. September 2014 heißt es beim traditionellen Bergsträßer Winzerfest in Bensheim wieder rund 160 Weine aus allen Bergsträßer Weinlagen genießen und die Winzer persönlich kennen lernen. Weine, Perlwein und Sekt – neun Tage wird auf dem Marktplatz und in der Fußgängerzone sowie in Winzerhöfen, Straußwirtschaften und Weinlokalen zünftig gefeiert. Darüber hinaus bilden der Winzerfestumzug am ersten Sonntag mit aufwendig geschmückten Wagen, Musikkapellen und Folkloregruppen sowie das Brillantfeuerwerk am letzten Samstag des Winzerfests ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm.

Übernachten im Weinfass: Hotel Lindenwirt in Rüdesheim am Rhein

Nicht nur für Weinliebhaber ist die Übernachtung in einem echten Weinfass eine Besonderheit. Die sechs Fässer des Hotels Lindenwirt, die einst zur Weinlagerung dienten, wurden in den 1970er-Jahren zu kleinen Hotelzimmern ausgebaut. Heute befinden sich in ihnen jeweils zwei Betten mit einer Länge von 1,85 Meter. Darüber hinaus verfügt jedes Weinfass über ein „Wohnzimmerchen“ mit TV und ein komfortables, helles Badezimmer mit Dusche, WC und Waschbecken. Buchbar ist das Weinfass ab 37 Euro pro Peron im Zweibettzimmer inklusive Frühstücksbuffet.

Liechtenstein: Unbekanntes Weinland

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Weinland Liechtenstein? Das überrascht. Doch wer sich ein wenig Zeit nimmt, wird sich über die Vielfalt der Weinkultur in Liechtenstein wundern. 99 Winzer und die Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein pflegen über 20 verschiedene Rebsorten. Im klimatisch begünstigten Rheintal lässt der Föhn ausgezeichnete Weine reifen. Der Blauburgunder und der Müller-Thurgau bilden landesweit die Hauptsorten. Zusammen machen sie rund 75 Prozent der Erntemenge aus. Zweigelt und Blaufränkisch neben Regent, Maréchal Foch und Léon Millot sind weitere wichtige rote Rebsorten. Chardonnay, Sauvignon Blanc und Weiss- und Grauburgunder bringen ausgezeichnete sortentypische Weine hervor. Mit nur 26 Hektar Anbaugebiet ist die Menge an liechtensteinischen Weinen begrenzt. Weniger als ein Prozent wird exportiert.
Von den zahlreichen Winzern sind nur vier Berufswinzer. Erste Anlaufstelle für Weinkenner ist die Fürstliche Hofkellerei in Vaduz, wo man in der Vinothek die Eigenbauweine aus den fürstlichen Weinbergen verkosten und erwerben kann. Degustationen und individuelle Eigenkreationen bieten auch die Weingüter Castellum und Hoop in Eschen sowie Harry Zechs Weinbau Cantina in Schaanwald an.

Liechtensteiner Winzerfeste

Um auch in den Genuss der Weine der vielen Winzer, die im Nebenerwerb kleine Flächen bewirtschaften und ihre eigenen Weine keltern, lohnt sich ein Besuch der zahlreichen Winzerfeste im Herbst. Beispielsweise beim Weinfest der Winzergenossenschaft Triesen bei der historischen Kapelle St. Mamerta, am Unterländer Winzerfest mit der Krönung der Weinkönigin oder beim traditionellen Liechtensteiner Winzerfest im Vaduzer Städtle. Hier kann die ganze Vielfalt des Weinbaus in Liechtenstein verkosten. Ein wahrlich fürstlicher Genuss.

 

Spanien: Traditionen auf La Palma

Wo die »Dicke« gerollt wird

Eingebettet in eine riesige Bananenplantage im Nordosten der Insel liegt San Andres direkt am Meer. Palmenbestanden die Piazza mit der strahlend weißen kleinen Pfarrkirche San Andres Apostol aus dem 16. Jahrhundert, kopfsteingepflastert die schmalen Straßen, Bougainvilleen in glühender Farbpracht umgeben die alten Herrenhäuser mit ihren schönen Holzbalkonen. »Für mich das schönste Dorf auf La Palma, mein Lieblingsort«, schwärmt Kaufmann, der seit fünfzehn Jahren auf der Insel lebt. Und ein Ort mit Geschichte. Eine der ältesten Ansiedlungen aus der Zeit, als der Zuckerrohranbau ein wichtiger Wirtschaftszweig war, als der Export des »weißen Goldes« boomte und die Zuckerrohrbarone sich prächtige Häuser bauen ließen. Damals gab es ausgedehnte Zuckerrohrplantagen, Zuckerfabriken und eine ganze Reihe von Rumbrennereien. Doch mit der Zeit verdrängte der Bananenanbau das Zuckerrohr. Heute gibt es unweit von San Andrés nur noch eine Rumfactory, weiß Kaufmann und begleitet uns zur Destillerias Alda. Ein Familienbetrieb, in dem seit vier Generationen der Geist des Handwerks der »ersten Rum-Meister« gepflegt wird. Die direkte Destillation des Zuckerrohrsaftes in dem mehr als siebzig Jahre alten Kupferkessel gibt unserem Rum Ron Aldea seine persönliche Note, verrät Juniorchef Jose Manuel Quevedo Rodriges. 118 Tonnen Zuckerrohr verarbeiten Jose und seine Mitarbeiter jedes Jahr – das ergibt 84.000 Flaschen des köstlichen Destillats, das Dank seiner ausgezeichneten Qualität beliebt ist. Auch verschiedene Likörsorten – so ein Bananen-Coffee oder Kräuterlikör gehören zum Angebot. Krönung für anspruchsvolle Gaumen ist der Ron Aldena Reserve, der zehn Jahre lang in amerikanischen Eichenfässern ruht und erst dann sein weiches, intensives Aroma entwickelt. Interessierte Gäste sind willkommen, an manchen Tagen besuchen uns sogar Reisegruppen, sagt der Brennmeister. Und nach der Verkostung geht dann manche Flasche Ron Aldea im Reisegepäck hinaus in alle Welt, weiß Kaufmann. Vor fünfzehn Jahren hatte der Kulturwissenschaftler auf La Palma seine Magisterarbeit geschrieben, sich in die Insel verliebt und ist geblieben. Als Leiter einer Deutschsprachigen Bibliothek in Puntallana und seiner Tätigkeit als Übersetzer bleibt ihm noch Zeit für das, was er am liebsten tut: Gäste über diese faszinierende Insel zu begleiten.

Eine gute Zigarre braucht Zeit

Nach einem Bummel durch die Inselhauptstadt Santa Cruz und einem Cortado unter dem Blätterdach der von alten Bäumen umstandenen Plaza Espana geht es südwärts weiter. Hinauf nach Brena Alta, wo die Tabak-Finca »el Sitio« zu Hause ist. Ähnlich wie dem Zuckerrohr sei es auch dem Tabak ergangen, erzählt Stefan. Am Anfang des 18. Jahrhunderts erstmals auf La Palma angebaut, liege seine Glanzzeit in der Vergangenheit. Doch die Tradition der handwerklichen Zigarrenherstellung werde in zahlreichen Kleinbetrieben fortgesetzt. Ja, in den letzten Jahren wird sogar wieder verstärkt Tabak angebaut. In der Finca kann man zusehen, wie die begehrten Puros Palmeros entstehen – von der Aussaat des Tabaks bis zur fertigen Zigarre. Seniorchef Antonio Gonzales, der es sich nicht nehmen lässt, Besucher selbst durch die Finca zu führen, ist von Jugend an mit der Tabakverarbeitung vertraut. Seine langjährigen Erfahrungen bringt er ein, um die örtlichen Tabaksorten zu erhalten und zu verbessern. Zwölf Zigarrenmacherinnen und -macher arbeiten in der Werkstatt. Rund zwanzig Minuten dauert es, bis sie mit geübten Händen das Deckblatt zugeschnitten, um den Rohling gerollt, fixiert, den Kopf der Zigarre geformt und sie dann auf die vorgegebene Länge zugeschnitten haben. 600 Zigarren werden so täglich im el Sitio gefertigt. »La Palma ist die einzige Kanareninsel, auf der Zigarren „ hecho a mano“, also handgemacht werden«, sagt Antonio nicht ohne Stolz. Von jeher seien die Puros Palmeros auch außerhalb der Kanaren für ihre hervorragende Qualität geschätzt worden. Sogar Winston Churcill fand sie ebenso gut aber preiswerter als ihre kubanischen Schwestern. Nicht von ungefähr trägt deshalb die dicke Sorte Nr. 1 seinen Namen. Eine Kiste, die mit zehn Stück 200,- Euro kostet, werde besonders gern von Deutschen gekauft, verrät der Seniorchef. Auch er ist ein Fan der »Dicken« und genießt es, bei einem Glas Wein, einem guten Gespräch und einer »Churchill« den Abend zu beschließen. »Eine Zigarre spricht zu dir, man kann sich den ganzen Abend mit ihr unterhalten«, sagt er mit einem Augenzwinkern. Besucher der Finca können sich vor Ort ihre Marke aussuchen, kaufen oder bestellen. Und wissen sich damit in bester Gesellschaft mit dem spanischen König, denn auch der raucht gern mal eine »el Sitio«.

Weinrouten von Bodega zu Bodega

Noch älter als die Geschichte des Tabaks ist die des palmerischen Weins. Schon im 16. Jahrhundert seien die ersten Rebstöcke in Los Llanos de Aridane und der Caldera de Taburiente gepflanzt worden, weiß Stefan Kaufmann. Der Anbau habe sich schnell verbreitet und schon bald waren die edlen Säfte aus La Palma besonders in England, den englischen Kolonien und an den Fürstenhöfen Europas hochgeschätzt. Fast drei Jahrhunderte lang war der Wein die wichtigste Einnahmequelle der Insel. Heute gibt es 18 Anbaugebiete, in denen rund 30 Rebsorten geschützt vor kalten Winden in flachen Mulden tief in der Lavaerde gedeihen. Weinliebhaber nutzen gern die ruta de vino – fünf Weinrouten, die von Bodega zu Bodega führen. Stefan empfiehlt uns das Weinanbaugebiet Las Manchas im Süden der Westküste. Denn seit elf Jahren gibt es in dem beschaulichen Dörfchen ein Museo del Vino. Das liebevoll gestaltete kleine Museum in einem restaurierten historischen Landhaus vermittelt Einblicke in die Weinbautradition auf La Palma. Historische schwarz-weiß Fotos in Bilderrahmen aus Lavagestein erinnern an den Ausbruch des Vulkans San Juan, dessen Lava 1949 dicht an Las Manchas vorbei floss. Auf Schautafeln werden – auch in deutscher Sprache – die Geschichte des Weinbaus, ihre Anbaugebiete und Rebsorten vorgestellt. In dem kleinen Nutzgarten hinter dem Museum kann man die wichtigsten Rebsorten und eine historische Traubenpresse bewundern.

Denominacion de Orige Vinos de La Palma

Und natürlich kann man diese Geschenke Bacchus auch gleich vor Ort probieren: ob Moscatel, Gual, Sabro Verdello oder die Krönung des palmerischen Weins, der trockene oder süße Malvasia, alle tragen das Gütesiegel Denominacion de Orige Vinos de La Palma. Doch das eigentliche Schmuckstück von Las Manchas  ist der Dorfplatz vor dem Museum. Dort verzaubert La Glorietta – ein großes Bodenmosaik aus Tier- und Pflanzenbildern. Mit viel Fantasie und Liebe zum Detail hat der bekannte Künstler Luis Morera aus bunten Fliesensplittern die Inselflora nachgezeichnet. La Glorietta ist ein faszinierender Kosmos aus bunten Steinchen, eine heitere Welt voll Harmonie. Aus Lavagestein sind Skulpturen, eine Bühne und Bänke entstanden, die im Schatten von Hibiskus und Bougainvilleen zum Schauen, Verweilen und Träumen einladen. Und über schwarze Lavafelder geht der Blick hinaus auf Meer.

Christel Seiffert

Infos:

Spanisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 63,10707 Berlin, Tel. 030/882 65 43, Fax: 882 66 61, E-Mail: Berlin@tourspain.es, Internet: www.fincatabaqueraelsitio.com,

Frankreich: Elsässischer Wein

 

Elsässischer Wein zur traditionellen Küche ist ein Muss. Über 170 Kilometer schlängelt sich die  Weinstraße am Rhein an der französisch-deutschen Grenze entlang und bietet köstliche Tropfen. Weiter im Norden liegt die kleine Weinstraße mit der nördlichsten Weinlage des Elsass in Cleebourg, nur wenige Kilometer von Rheinland-Pfalz entfernt.  Und dort ist eine von zehn Weinbruderschaften des Elsass zu finden.

„Lupfet s’Glasl bis zur Nasl, trinket noch en gute Schluck, Gsundheit.“ Die Mitglieder der Weinbruderschaft in Cleebourg, in grüne Mäntel und weiße Handschuhe gehüllt und mit einem schwarzen Hut geziert, singen ihren Trinkspruch aus voller Kehle. Und mit Begeisterung. Die vier Orte Cleebourg, Oberhoffen, Rott und Steinseltz bilden die „Confrérie des Vins des  Quatre Bans“, die 1996 ins Leben gerufen wurde, um den nördlichsten Wein des Elsass bekannt zu machen. Und der kommt teilweise sogar aus Deutschland, denn einige Weinberge liegen nicht nur an, sondern direkt auf der Grenze in Schweigen, wo auch das deutsche Weintor steht.

Seit Jahrhunderten wird im Herzen des Naturparks der Vogesen, rund 60 Kilometer nördlich von Straßburg, ein edler Tropfen gekeltert. Die Wurzeln des traditionellen Weinanbaus im Pays de Wissembourg reichen zurück bis auf die Dominikanerabtei aus dem 13. Jahrhundert. „Schon damals verstanden es die Mönche, die geistige Nahrung mit den Freuden des Leben zu vereinen“, lächelt Richard Juncker. Er weiß, wovon er spricht, seit drei Jahrzehnten ist er Kellermeister der Genossenschaft. Die ersten, die bei Cleebourg Wein anbauten, waren allerdings  im 8. Jahrhundert die Benediktiner.

Zwar blieb auch das Elsass und die Gegend rund um Wissembourg nicht vor der Reblaus verschont, doch sorgten ein  mildes Klima und der lehm- und mergelhaltige Boden für eine fruchtbare und ertragreiche Arbeit der Winzer. 1946 taten sich Anbauer  mit einer Rebfläche von 70 Hektar schließlich zu einer Genossenschaft zusammen, die im Laufe der Jahre mehr und mehr ausgebaut wurde. Heute werden 200 Hektar Fläche bewirtschaftet, vor allem mit den Reben  Auxerrois und Pinot Gris. Selbst Bioweine gibt es mittlerweile rund um Cleebourg. Und die Klimaerwärmung schreckt die Winzer nicht: „Dadurch sind wir bald die einzigen, die noch typischen Elsässer Wein produzieren.“ Ausgewogene und harmonische Tropfen eben.

„Cleebourger Wein im Glasl is ä Pläsier für Zung‘ und Nasl“, findet Kellermeister Juncker, der sich bei einer Führung durch den Weinkeller und die neue Abfüllanlage gerne über die Schulter schauen lässt. Nach dem Einblick in die Vinifizierung und den Gang durch den Keller lädt er zur Weinprobe in der Empfangshalle. Im Ornat der Bruderschaft. Denn Juncker ist einer von 160 Mitgliedern der Bruderschaft, die sich als Botschafter des heimischen Tropfens sehen. Drei Stufen musste er wie alle Novizen bis zur Reife in der Vereinigung erklimmen. Will der Novize für würdig befunden werden, ein erleuchteter Bruder zu sein, muss er schließlich sechs Elsässer Weißweine bei einer Verkostung erkennen. Für richtige Weinkenner dürfte das mit etwas Übung zu schaffen sein. Der Bruderschaft kann übrigens jeder Interessierte beitreten.

Diana Seufert

Für die Besichtigung des Cleebouger Weinkellers sollte man sich unter www.cave-cleebourg.com anmelden. Dort sind auch die Öffnungszeiten und Infos zur Direktvermarktung zu finden.