Indien: Mantra unter Palmen

Yoga in Indien – so finden Sie einen guten Lehrer und eine gute Schule

Yoga boomt seit 30 Jahren im Westen. Um es zu lernen und zu vertiefen, fahren viele Yogis auch nach Indien, in das Ursprungsland dieser Lehre von der Einheit von Körper, Geist und Seele. Dort können sie in einem Yogazentrum oder Yoga-Ashram – so wird in der indischen Sprache ein klosterähnliches Meditationszentrum genannt – von einzelnen Tagen bis hin zu mehreren Wochen von einem Guru, Lehrer oder Meister körperliche und geistige Übungen lernen. Ein Vorteil: Anders als in Deutschland, wo viele Yogaübende nach dem Job in den Kurs hetzen, hat man hier im Urlaub die Möglichkeit, stundenlang jenseits der Hektik zu üben und zu meditieren.

Ein weiterer Vorteil: In Indien beschäftigen sich Yogaübende häufig stärker mit Meditation, Gesang oder den im Yoga so wichtigen Pranayamas, den Atemtechniken, als in vielen europäischen Zentren und Schulen. Denn in Europa findet man – anders als in der natürlichen Wiege des Yoga – eher ein auf den westlichen Lebensstil angepasstes Yoga, das meist auf physische Fitness und weniger auf Meditation und Atmung ausgerichtet ist. Und so passiert es nicht selten, dass die in Deutschland bestehende Hemmschwelle, ein Matra zu rezitieren oder ein Om oder Shanti zu singen, in Indien mit Leichtigkeit überwunden wird. Weil man dieses dort, vor Ort, eher verinnerlicht. Mantren nicht nur nachsingt, sondern sie vielleicht sogar erstmals versteht.

Viele scheinheilige Gurus

Allerdings ist es angesichts des großen Angebots nicht einfach, in Indien einen guten Lehrer oder ein seriöses Yogazentrum zu finden. „Man muss schon genau recherchieren, welche Yogarichtung wo und in welcher Qualität angeboten wird“, sagt Christine May, Yogalehrerin aus München und für den Yoga-Spezialveranstalter Neue Wege oftmals in Indien unterwegs. „Selbst in Indien gibt es das große Spektrum von ’sehr gutem‘ bis hin zu dilettantischem und gar gefährlichem Yoga“, warnt auch der Dresdner Yogalehrer Roland Kühne. Raghunathan, Yogalehrer im Swaswara, einem Yoga-Resort in Indien, stimmt dem zu: „Es gibt in Indien viele scheinheilige Massen-Gurus, die eher Yoga-Verkäufer als Yoga-Lehrer sind.“

Ganz wichtig ist für Yogaübende, die im Ursprungsland des Yoga Erleuchtung suchen, sich klarzumachen, welchen der vielen Yoga-Stile sie überhaupt lernen möchten. Wer noch nie Yoga gemacht hat, „sollte erst einmal einen Kurs in Deutschland besuchen“, rät Anke Rebetje vom Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY). Doch egal, ob Vinyasa-, Ashtanga-, Power- oder Iyengar-Yoga, ob sanft oder schweißtreibend – „einen richtigen oder falschen Weg gibt es beim Yoga nicht“, sagt Raghunathan. „Wenn die Zeit reif ist, findet jeder Guru seinen Schüler – und jeder Schüler seinen Guru.“

Martina Hahn

 

Thailand: Yoga für Faule

Die traditionelle Thai-Massage ist zwar keine Streichel-Wellness. Aber sie entspannt ganz ungemein.

Als Natsuda gegen Ende der Massage auf meinen Rücken klettert, bin ich fast ein bisschen erleichtert. Was ist schon das Mini-Gewicht der zierlichen Thailänderin gegen ihre kräftigen Hände und Ellbogen? Die haben in der zurückliegenden halben Stunde meinen Nacken geknetet, an meinen Zehenknöcheln gezogen oder sich in meinen Rücken gebohrt. Meine Arme in die Höhe gestreckt und meine Waden auf die Hinterseite des Oberschenkels gedrückt. „Es kann ein bisschen wehtun“, hatte mich die Spa-Chefin im Indigo Pearl Spa am Nai Yang Beach gewarnt. Als ich nach eineinhalb Stunden aufstehe, fühle ich mich ein bisschen wie durch die Mangel gedreht. Und gleichzeitig so wunderbar gedehnt und elastisch wie lange nicht mehr. Natsuda hat einfach die richtigen Punkte getroffen.Die traditionelle Thai Massage, in Thailand „Nuad“ genannt, ist kein Streichel-Wellness.

Manche bezeichnen sie als „Yoga für Faule“. Der Masseur zieht und dehnt den Körper in Positionen, die manchmal an Yoga erinnern. Dabei bleibt der Körper des Klienten zunächst passiv. Der Masseur biegt ihn in Positionen, in die der Massierte von alleine nicht hinein kommt. „Pfeil und Bogen“ heißen die Stellungen, „Spanische Inquisition“ oder „Nussknacker“ – und die ziehen manchmal ganz schön.

Entschlacken und entgiften

Ursprünglich stammt die Technik der Thai Massage aus Indien. Ihr Begründer war Shivago Kumar Baj, Freund Buddhas und Vater der ayurvedischen Medizin. Vor etwa 500 Jahren gelang sie nach Thailand, wo sie vor allem von Mönchen praktiziert wurde. Später verließ die Thai Massage die Klostermauern und wurde als Volksmedizin von Generation zu Generation weiter gegeben. Anderthalb Stunden dauert die Behandlung im Durchschnitt. Halb Pressur, halb Dehnung, stärkt die Technik die Muskulatur von den Schulterblättern bis zum Unterschenkel. Die Behandlung erfolgt nicht wie bei vielen anderen Massagetechniken auf einer klassischen Massageliege, sondern auf einer Matte auf dem Boden. Dadurch kann der Masseur bei seiner Arbeit sein ganzes Körpergewicht einsetzen. Manchmal sieht das dann aus, als fände eine Art Kung Fu auf dem Rücken der Massierten statt.

Anders als die westlichen Massagetechniken betrachtet die traditionelle Thai Massage den Menschen ganzheitlich. Sie geht davon aus, dass im Körper „Meridiane“, beziehungsweise „Nadis“, verlaufen. Mehr als 72 000 dieser Energielinien strömen demnach durch unseren Körper, etwa zehn von ihnen sind für die Massagearbeit wichtig. Nicht die Behandlung der Muskeln steht im Vordergrund, sondern die Stimulierung der Energiebahnen, auf denen wichtige Akupressurpunkte liegen sollen. „Wenn diese Punkte getroffen werden, regt das alle Körperaktivitäten an“, sagt Natsuda. Damit ist die traditionelle Thai Massage auch eng bei Akupunktur, Shiatsu und Reflexzonenbehandlung angesiedelt. Auch viele abgewandelte  Elemente aus der Physiotherapie sind in die Thai Massage eingeflossen. Physiologisch sind die Meridiane oder Nadis allerdings nicht nachweisbar. „Als Nutznießer verspürt man allerdings ein großes Wohlbehagen“, sagt Lutz Hertel vom Wellnessverband Deutschland. Er empfiehlt ganz nach dem

Motto: Was gut tut, ist auch gut.

Ihre ersten Erfahrungen mit der Thai Massage machen die meisten Deutschen im Urlaub am Strand. Doch kommen auch viele wegen Rückenschmerzen und all der anderen Alltagssymptome immer wieder zur Thai Massage: Migräne, Verspannungen in Nacken und Schultern, Knieprobleme. Doch die Thai Massage kann mehr: Die Drehungen und Dehnungen lockern nicht nur die Muskeln, sie stimulieren auch die Organe. Natsuda spricht von Entschlackung und von einem Entgiftungsprozess, den die Massage auslöst. Neben dem körperlichen Nutzen betont sie den spirituellen Effekt der Thai Massage. „Sie ist wie eine Meditation, als würden Masseur und Massierte miteinander tanzen“, sagt sie.

Martina Hahn