Costa Rica: Der Corcovado-Nationalpark, grünes Dickicht und Papageiengeschrei

Auf Nahrungssuche: der Ameisenbär ©José R.

Costa Rica ist weltweit bekannt für seine zahlreichen Reservate und Nationalparks.

Fast ein Drittel des Landes sind Naturschutzgebiete. Costa Rica kann 35 davon vorweisen. Welchen also sollte man besuchen? Den Corcovado-Nationalpark (41.788 Hektar) auf der Halbinsel Osa. Laut „Nacional Geographic“ ist das der biologisch vielfältigste Ort der Welt. Das ist er vielleicht auch deswegen, weil noch keine Schneisen geschlagen wurden. Oder, weil er bis in die 60er Jahre von Menschen unberührt blieb.  Es gehört ein wenig Abenteuergeist dazu, diesen Nationalpark zu erkunden. In diesem Stück Regenwald gibt es mehr als 140 Arten Säugetiere wie etwa Ozelots oder Pumas. Die noch größte existierende Population an hellroten Aras ist hier anzutreffen und 375 weitere Vogelarten. In den Wipfeln der 850 Baumarten schwingen sich nicht nur Affen. 6.000 unterschiedliche Insekten schwirren umher; 120 Reptilien- und Amphibien wurden festgestellt. Ein guter Start für Wanderungen und Charter in den Nationalpark ist der Ort Puerto Jimenez. Tipps gibt die Parkverwaltung, die hier ansässig ist.

KF

Service: Dengue-Fieber auf dem Vormarsch

Aedes_aegypti_biting_humanIn zahlreichen Ländern Mittel- und Südamerikas breitet sich das durch Mücken übertragene Dengue-Fieber weiter aus. Hohe Erkrankungszahlen melden die Länder Brasilien, Mexiko, Honduras, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Honduras, Kolumbien, Peru, Puerto Rico und Venezuela. Costa Rica verzeichnet mit 28 700 registrierten Fällen seit Beginn des Jahres die schwerste Epidemie seit zehn Jahren.  In Honduras, wo bislang rund 19 000 Menschen erkrankt sind, hat die Regierung den Notstand ausgerufen. Reisende nach Mittel- und Südamerika sollten durch konsequenten Mückenschutz einer Infektion mit dem Dengue-Virus vorbeugen, empfiehlt das CRM Centrum für Reisemedizin.

„Die Virusinfektion tritt in den meisten Ländern Mittel- und Südamerikas ganzjährig auf. Das Risiko einer Infektion ist während der derzeitigen Regenzeit jedoch deutlich erhöht“, erklärt Privatdozent Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „Es ist zudem davon auszugehen, dass nur ein Teil der Erkrankungen registriert werden und die tatsächlichen Fallzahlen noch höher liegen“. Weil die Infektion unspezifische Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen zeige, blieben viele Fälle von Dengue-Fieber unentdeckt.
Die Infektionserkrankung ist in den meisten tropischen und subtropischen Ländern verbreitet. Schwerpunkte liegen im süd- und südostasiatischen Raum, in Lateinamerika, Zentralafrika und in der Karibik. In diesen Regionen erkranken nach Schätzungen der WHO jedes Jahr etwa 50 bis 100 Millionen Menschen an Dengue-Fieber.
Das Virus wird von der ägyptischen und der asiatischen Tigermücke übertragen. Die Mücken sind vorwiegend tagsüber aktiv, insbesondere in der Morgen- und Abenddämmerung. Schutz vor ihren Stichen bieten Mückenschutzmittel zum Auftragen auf die Haut mit dem Wirkstoff DEET (Diethyl-m-Toluamid) in einer Konzentration ab 30 Prozent. Tagsüber sollten Reisende zu heller und geschlossener Kleidung greifen. Dunkle Kleidung lockt Mücken eher an. Da Moskitos durch dünne Materialien hindurch stechen können, kann es sinnvoll sein, feines Gewebe zusätzlich mit einem Insektenschutz zu imprägnieren. Moskitonetze über dem Schlafplatz und an Fenster und Türen sind abends und nachts als Schutz vor den Insekten ratsam. Eine Impfung gegen Dengue-Fieber existiert nicht.
Symptome der Erkrankung sind Fieber und starke Kopf- und Gliederschmerzen. Obwohl Fieber und Schmerzen nach etwa einer Woche abklingen, leiden die Patienten meist noch mehrere Wochen unter allgemeiner Abgeschlagenheit. Medikamente für eine spezifische Behandlung der Infektion existieren nicht, die Krankheit heilt für gewöhnlich von alleine aus. Bei schweren Krankheitsverläufen können das hämorrhagische Dengue-Fieber oder das Dengue-Schock-Syndrom auftreten, die beide zum Tode führen können. Nach einer Erkrankung sind Betroffene gegen den Virentyp, der sie befallen hat, immun. Stecken sie sich jedoch mit einer anderen Variante des Virus ein weiteres Mal an, verläuft die Erkrankung meist sehr schwer. Das Dengue-Virus kommt in vier Varianten, sogenannten Serotypen, vor. Die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa 2,5 Prozent.

 

 

Panama: Ja der Hut, der steht ihm gut

PanamahutHumphrey Bogart, der Gangsterboss Al Capone sowie US-Präsident Theodore Roosevelt machten den Panamahut berühmt – seit August kursiert die Nachricht in den Medien, dass er sogar auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes gesetzt werden soll. Dabei ist seine Bezeichnung irreführend. Der Hut stammt nämlich gar nicht aus Panama, sondern aus Ecuador. Seine Verbindung zu Panama hat der Hut zum Einen der Handelsdrehscheibe Panama Stadt und dem berühmten Kanal zu verdanken, hierüber erfolgte nämlich seine Verbreitung in die weite Welt. Schon während des Baus, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verwendeten die Arbeiter auf den Baustellen des Kanals das luftig leichte Strohgeflecht als wirksamen Sonnenschutz. Trotzdem gibt es in Panama einen ähnlichen Strohhut wie der aus Ecuador. Zu finden ist er dort vor allen Dingen in der Umgebung von Penonomé, der Provinzhauptstad Coclés an der Pazifikseite Panamas. Die Hüte sind grober geflochten, strohgelb und schwarz geringelt, mit einer breiten nach oben geklappten Krempe. Die Bauern der Provinz, die vorrangig mit dem Zuckerrohranbau beschäftigt sind – dafür ist die Gegend bekannt – verwenden die Hüte noch heute bei der Feldarbeit. Wer einen solchen, echten Panamahut erstehen möchte, muss auf Penenomés Straßen an Ständen suchen, da sie in umliegenden Städten produziert werden. Die Preise rangieren zwischen 10 bis gar 150 US-Dollar. Die teuersten Exemplare sind so dicht geflochten, dass man in ihnen sogar Wasser transportieren kann.

Panama: Adrenalinkicks in den Baumwipfeln – Canopy in Boquete

Canopy in ChiriquiDas kleine Bergdorf Boquete zählt zu den Highlights in Panama. Der Ort im Hochland der Provinz Chiriquí besticht durch ein malerisches Panorama: Die roten Hausdächer des Ortes heben sich von den saftig grünen, nebelumhüllten Bergen ab, welche das liebliche Tal des Río Caldera umschließen. Zu einer der aufregendsten Arten, den Nebelwald rund um Boquete kennenzulernen, zählt die Boquete Zip Line Canopy Tour. Wer diese Tour bucht, sollte ein bisschen Mut mitbringen und vor allen Dingen nicht unter Höhenangst leiden. Die Teilnehmer schwingen sich dabei in Höhe der Baumkronen der Urwaldriesen über Seilbahnen von Plattform zu Plattform. Da schwebt man durchaus 30 bis gar 60 Meter über der Erde. Auf einer Länge von rund drei Kilometern sind 13 Plattformen angebracht, was die Tour zur längsten in Panama und zur zweitlängsten in Mittelamerika macht.  

Panama: Viel mehr als nur der Kanal

Oh, wie schön ist …

Panama: Mit dem kleinen mittelamerikanischen Land verbinden wir meist nur einen Kanal. Ein Fehler! Abseits davon gilt es, paradiesische Natur, eine quirlige Stadt und faszinierende Indianer-Kultur zu entdecken.

Nein, das kann nicht klappen. Der riesige Frachter-Koloss mit den bunten Hamburg-Süd-Containern ist doch viel zu breit! Das wäre ja so, als wolle man eine Zwiebel durch ein Nadelöhr quetschen. Zumindest liegt der Gedanke nahe bei dem Schauspiel, das sich da vor den Augen der neugierigen Zuschauer abspielt. Träge nähert sich die MSC Bremen, die um die Taille doch recht füllig ist, der schmalen Miraflores-Schleuse. Es ist wie bei einer menschlichen Geburt: Man glaubt, dass der Kopf niemals durch den Geburtskanal passen wird, und dann geht es irgendwie doch. Jedenfalls steckt das plumpe Riesenbaby plötzlich in der Schleusenkammer drin – rechts und links bleibt gerade noch eine Handbreit Platz. Von starken Stahlseilen und mehreren Dieselloks gesichert, wird das tonnenschwere Containerschiff knapp 17 Meter angehoben und auf der anderen Seite wieder ausgespuckt. Freie Fahrt Richtung Pazifik. Die langwierige Umrundung des Kap Hoorns locker eingespart und zwei Wochen gut gemacht. All das ermöglicht durch ein technisches Wunderwerk namens Panama-Kanal. Es ist schon erstaunlich, wie sehr diese Nabelschnur von Ozean zu Ozean das kleine mittelamerikanische Land definiert.

PanamakanalPanama ohne Kanal? Undenkbar! Die Franzosen wollten ihn als Erste bauen und haben sich dabei buchstäblich verhoben. Dann kamen die Amerikaner, sprengten ganze Berge weg, legten riesige Stauseen an, schufen mächtige Dämme und rammten ihre Flagge ins trübbraune Fahrwasser. Der gehört uns, sollte das besagen, und so war es auch bis zum 31. Dezember 1999. Dann geschah das, was auf viele Panamaer noch heute wie ein Wunder wirkt: Nach 85 Jahren traten die USA den Kanal offiziell an die panamaische Regierung ab. „Ihr hättet mal die Gesichter meiner Landsleute am Tag der Kanalübergabe sehen sollen! Sie waren voller Stolz“, sagt Reiseleiter Gustavo Zevallos und dabei leuchten auch seine Augen.

Meisterleistung der Ingenineurskunst?

Nun kann man den Panama-Kanal betrachten wie man will – als Meisterleistung menschlicher Ingenieurskunst, als verheerenden Eingriff in die Natur, als eine der größten Sehenswürdigkeiten weltweit – Tatsache ist, dass er für das panamaische Nationalbewusstsein steht. Was lange Zeit nicht mehr als ein verlängerter Arm der USA war, hat sich zu einem – zumindest halbwegs möchte man sagen – unabhängigen Staat entwickelt. Und der erlebte in den vergangenen zwölf Jahren einen irren Bau- und Wirtschaftsboom, was sich schon allein an der Skyline ablesen lässt, die in Panama City aus dem Boden geschossen ist. Betrachtet man die Stadt von der Wasserseite, könnte man sie glatt mit Manhattan oder Chicago verwechseln. Im Bankenviertel schrauben sich zahlreiche kunstvoll gedrechselte Wolkenkratzer in den Himmel, so als wollten sie der Welt das neue panamaische Selbstbewusstsein entgegen schreien. Hier arbeiten, shoppen und speisen die so genannten „rabi blancos“, jene Familien, die seit jeher das Geld und den Einfluss im Land unter sich aufteilen. Dabei besitzt Panama City viele Gesichter. Ursprünglicher und wesentlich bunter geht es auf der Avenida Central im Stadtteil Caledonia zu. Von günstigen Haushaltswaren-Läden über Boutiquen mit Billig-Chic bis hin zu Zeitschriftenhändlern, die die Magazine des Vormonats vertickern, ist hier alles vertreten. Und das Essen erst! An der Ecke „lockt“ ein kleiner Mann mit dem Inhalt seines Plastikbehälters. Für das, was da in essigsaurer Marinade und Bergen von Zwiebeln schwimmt, braucht man einen starken Magen – schließlich sind eingelegte Schweinsfüße nicht jedermanns Sache, auch wenn der Händler darauf schwört, dass es in ganz Panama City keine größere Delikatesse gibt. Die gerösteten Palmnüsse und die frittierten Kochbananen-Chips, die ein paar Meter weiter ihr würziges Aroma verströmen, wirken da wie die ungefährlichere Wahl.

Mann mit PanamahutBesonderen Zulaufs erfreut sich ein alter Mann mit markantem Panama-Hut, der alle Arten von „Glückskräutern“ verkauft. Bade man drei Tage lang in ihrem Aufguss, könne man gar die Lotterie gewinnen, behauptet er ohne mit der Wimper zu zucken. Hier tut sich ein Einblick in eine der beiden großen Leidenschaften der Panamaer auf – die eine ist der Baseballsport die andere die nationale Lotterie. Losstreifen gibt’s an jeder Ecke, der wöchentliche Flirt mit dem Glücksspiel ist so selbstverständlich wie schlafen und essen. Manche Leute ziehen gar die Botanik zu Rate. Eine grün-weiß gesprenkelte Pflanze namens „Millonaria“ ziert nicht nur Vorgärten, sie soll auch die geheime Kombination verraten, mit der der Jackpot zu knacken ist. Tatsächlich kann man in der Marmorierung der Blätter mit einiger Fantasie Zahlen entdecken. Da! Das ist doch eine 44. Her mit dem Tippschein!

Jongliertricks auf der Via España

Szenenwechsel: Eine große Kreuzung an der Via España, der Hauptgeschäftsstraße der Stadt. Fernando und Santiago, zwei junge Argentinier, verdienen sich hier das Geld, mit dem sie quer durch Lateinamerika reisen. Kaum schaltet die Ampelanlage auf Rot, springen die beiden auf die vierspurige Straße und vollführen mit je drei Bällen ein paar Sekunden lang kunstvolle Jongliertricks vor Hunderten wartender Autos. Nach galanter Verbeugung schreiten sie die Reihen der Fahrzeuge ab und nehmen fröhlich Münzen und Dollarscheine entgegen, die die überraschten Panamaer den findigen Jungs gern zustecken. „Hier in Panama läuft es richtig gut“, sagen sie. „Wir nehmen zehn bis fünfzehn Dollar die Stunde ein.“ Weshalb ihnen zwei Stündchen Arbeit am Tag genügen. In Brasilien, wo man diese Form der Ampelunterhaltung bereits kennt, mussten sie deutlich länger ran, um die nächste Busfahrkarte gen Norden zu lösen.

Stadtbus in Panama CityApropos Busse. Die sind in Panama City echte Hingucker. „Rote Teufel“ heißen die qualmenden Monster im Stil der Vehikel, mit denen amerikanische Teenager normalerweise zur Highschool fahren. Das Besondere: Einer ist verrückter bemalt als der andere. Ein wahres Eldorado für Graffiti-Künstler, von dem hiesige Sprayer nur träumen können. Mit ihnen geht’s für ein paar Cent zur Plaza 5 de Mayo, dann zu Fuß weiter durch die Avenida Central bis hin zur Casco Viejo. Die Altstadt offenbart eine weitere, ungeschminkte Facette von Panama City. Lange dem Verfall preisgegeben, erwacht sie allmählich aus ihrem Dornröschenschlaf. Die Tatsache, dass der koloniale Kern mit seinen pastellfarbenen Prachtbauten spanischer und französischer Architektur Unesco-Erbe ist, dürfte nicht unwesentlich dazu beigetragen haben. Gerade abends entfaltet die Casco Viejo den ihr eigenen Zauber. Im sanften Schein nostalgischer Straßenlaternen verschwinden nicht geflickte Risse im Mauerwerk, abblätternde Farbe und bröckelnder Putz. Bars und Kneipen öffnen ihre Pforten und locken überall mit Live-Musik. In einer geschmackvollen Enoteca spielt ein Duo Bossa Novas. Ein paar Straßen weiter gibt eine fünfköpfige Salsa-Band den Ton an. Dazu dringt Merengue- oder Reggaeton-Musik aus den Fenstern und Türen etlicher Häuser. Die Bewohner feiern Privatpartys, stellen Tische und Stühle auf die Straße, köcheln Eintopf auf einem Gaskocher und laden die Nachbarn kurzerhand auf eine Cerveza ein. So gleicht die Altstadt einer bizarren Mischung aus Weggehviertel und spontanem Nachbarschaftsfest.

Schildkröten, Schlangen und Schmetterlinge

Aber Panama, das ist nicht nur Stadt und Kanal. Das ist vor allem Natur. Den Dschungel hat man hier gleich vor der Haustür. Alles, was rechts und links vom Kanal liegt, ist Naturschutzgebiet. In seinen Seitenarmen haben sich Kapuzineräffchen, Leguane, Schildkröten, Schlangen, Schmetterlinge und etliche Vogelarten ihr Wohnzimmer eingerichtet. Im Soberanía Nationalpark kann man ihnen einen Besuch abstatten. Leise gleitet das Boot an das Ufer von Monkey Island heran, worauf alle angestrengt in die Kronen der teils bis zu 40 Meter hohen Baumriesen spähen. Ja, wo sind sie denn, die Tiere, die der Insel den Namen gaben? Und dann geht es urplötzlich los. Fünf, sechs Brüllaffen stimmen eine Kakophonie an, dass die Bäume wackeln und der Kopf dröhnt. Am Timbre könnte noch gearbeitet werden, aber die Lautstärke ist allemal beeindruckend. Kaum zurück an Land, stürzt der typische, heftige tropische Regenguss hinunter. Vor der Veranda des Restaurante Lagartos entfaltet sich eine Szenerie wie aus einem Hemingway-Roman. Wasserdampf steigt vom Kanal auf und legt sich als weißer Watteteppich über die sattgrünen Wipfel des Regenwalds. Die Luft ist drückend und schwer. Neben den Holzplanken des Restaurants liegen zwei Kaimane träge im Wasser, während in der Ferne erneut ein Schiff dem Pazifik entgegenstrebt.

Panama StrandSeine geographische Lage bringt es mit sich, dass Panama über endlose Strände und unzählige kleine bis klitzekleine Inselchen verfügt. Allein von den San Blas Inseln auf der Karibik-Seite gibt es rund 365. Sie sind so etwas wie ein Staat im Staat, denn hier leben die autonomen Kuna, einer der sieben indigenen Stämme Panamas. Dass sie bis heute ihr kleines Paradies bewahren konnten, liegt vielleicht auch daran, dass das Gebiet so unzugänglich ist. Ein unchristlich früher Flug um sechs Uhr morgens mit einer zweimotorigen Maschine ab Panama City ist noch die unkomplizierteste Art, dorthin zu gelangen. Jedwede Müdigkeit verfliegt jedoch spätestens bei der Landung. San Blas empfängt seine Gäste mit derart türkisblauem Wasser und schneeweißem Sandstrand, dass man sich in einem mit Photoshop bearbeiteten Urlaubskatalog wiederzufinden glaubt. Einmal kurz die Augen reiben und vergewissern – doch ja, die Farben sind echt. Und nicht nur die der Natur. Die Kuna-Frauen tragen im Gegensatz zu den Männern noch traditionelle Kleidung. Auffallendstes Merkmal sind die „Strümpfe“ aus kunstvoll arrangierten Perlenschnüren, deren vorherrschende Farbe schönstes Holland-Oranje ist und die so fest gewickelt sind, dass sich die Indianerinnen um Krampfadern keine Sorgen machen müssen. Den Kern der Kuna-Tracht bildet jedoch die Bluse. Das Mieder besteht aus kunstvollen Molas – farbige Stoffapplikationen, die zu Tier-, Pflanzen- oder Fantasiemotiven vernäht werden. Dazu ein bunter Wickelrock und … Flip-Flops. Das lässige Schuhwerk ist nicht etwa ein Stilbruch. Es macht lediglich deutlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kuna ihre jahrtausendealte Kultur pflegen und gleichzeitig der Moderne Einzug gewähren. Es gibt das Gemeindehaus, in dem das gesammelte Naturwissen ihres Volkes vermittelt wird und die Dorfschule, in der die Kleinen Englisch und Mathematik pauken. Die Häuser bestehen aus Bambus, Schilf und Palmblättern, doch das ein oder andere Dach ziert eine Satellitenschüssel. 1925 erkämpften sich die Kuna in einem Aufstand die Souveränität. Seitdem zahlen sie weder Steuern noch leisten sie Militärdienst. Stattdessen erklären sie mit einiger Verschmitztheit, dass die Wiege der Demokratie nicht etwa in Griechenland sondern in ihrem als Kuna Yala bezeichneten Territorium zu finden sei. Schließlich werde jede Insel von einem mehrheitlich gewählten Häuptling verwaltet. Dazu kommt eine Prise real existierender Sozialismus, denn die Einnahmen aus dem – bewusst begrenzt gehaltenen – Tourismus fließen der Gemeinschaft zu. Und so stören sich die Kuna auch nicht an den westlichen Urlaubern, denen sie ein paar ihrer Bilderbuch-Inseln als Gäste-Eiland zur Verfügung stellen. Völlig unbeeindruckt gehen sie ihrer Arbeit nach, begießen festliche Anlässe mit der aus Mais, Zuckerrohr und Kakao gebrauten Chicha und dösen ansonsten zufrieden in der Hängematte, in der sie nach ihrem Tod auch begraben werden. Es dauert einen Tag, dann tut man es ihnen einfach gleich, und während die Sonne langsam im Atlantik versinkt, weiß man plötzlich mit absoluter Sicherheit, dass der Kinderbuchautor Janosch San Blas im Sinn gehabt haben musste, als er den kleinen Bären zum kleinen Tiger sagen ließ: „Panama ist das Land unserer Träume, Tiger. Wir müssen sofort morgen nach Panama …“

Alexa Christ

Kolumbien: Koloniale Städte und durchtanzte Nächte

 

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In Cartagena wurde kolumbianische Geschichte geschrieben.

Als das Schiff nach links schwankt, setzt die Band einen Moment aus. „Uuuff“ stöhnt die tanzende Menge, die sich barfuß zu den Klängen kolumbianischer Volksmusik wiegt und weicht Taschen, Schuhen und leeren Bierdosen aus, die Richtung Fenster rollen. Doch eine Sekunde später hat der Trommelspieler die Finger wieder auf den Bongos und die Tänzer die Arme um die Hüften ihrer Partner gelegt.

Wir sind auf dem Weg zu den Islas de Rosarios, einer kleinen Inselgruppe vor der Karibikküste Kolumbiens. Vor unseren Augen zieht eine exotische Landschaft vorbei. Kleine strohgedeckte Hütten, erbaut auf Korallenriffen, inmitten von türkisblauem Wasser. Dazwischen dümpeln Fischerboote, die für einen Spottpreis Delikatessen verkaufen: im Plastikbecher wird rohes Garnelen- oder Langustenfleisch angeboten, das der Verkäufer mit gehackten Zwiebelchen, Limettensaft und scharfer Soße verfeinert. Unsere Mitreisenden sind von Panorama und Meeresfrüchten allerdings wenig beeindruckt. Sie wollen sich amüsieren und das bedeutet in Kolumbien in erster Linie: tanzen und trinken. Wer hier nicht die Hüften schwingt, fällt auf.

La Heroica

Schon bevor wir in Cartagena, dem Ausgangshafen der Tagesreise, anlegen, sind die dicken Mauern zu erkennen, die die Stadt ringförmig umschließen. Zu Kolonialzeiten war Cartagena eines der wichtigsten Handelszentren der neuen Welt: Von hier wurden die im Kampf erbeuteten und von den Indios abgepressten Schätze nach Spanien verschifft. Nachdem 1586 der legendäre Pirat Francis Drake Cartagena überfallen und die spanische Krone um Tausende von Golddukaten erleichtert hatte, ließ Philipp II. den Bau einer Festungsanlage um die Stadt anordnen. Über 200 Jahre dauerte die Errichtung des steinernen Bollwerks, das vielen Angriffen erfolgreich standhielt. Zum Schluss mussten sogar die Erbauer vor ihrer eigenen Anlage kapitulieren. Als die Spanier nach der Unabhängigkeitserklärung von Cartagena im Jahre 1811 die abtrünnige Kolonie wieder zurückerobern wollten, scheiterte die Flotte an der Festung. Die Stadt musste in jahrelanger Belagerung ausgehungert werden. Die heldenhafte Verteidigung trug Cartagena den Beinamen „La Heroíca“ ein. Berühmt wurde sie aber vor allem, weil im Schutz ihrer Mauern der Unabhängigkeitsgedanke Gestalt annahm.

Hier schrieb Simón Bolívar sein berühmtes Manifest, in dem er die Freiheit Amerikas proklamierte. 1986 erklärte die Unesco Cartagena wegen ihres historischen Zentrums und der kolonialen Bedeutung zum Kulturerbe der Menschheit. In Kolumbien heißt die Stadt schlicht „La Reina“, die Königin. Lange hängende Balkone mit überquellendem Blumenschmuck zieren die prächtigen Herrenhäuser. Hinter den ockerfarbenen, meerblauen und sienagelben Fassaden fällt der Blick durch kunstvoll verzierte Eingangsportale: Dahinter verbergen sich schattige Innenhöfe, voll gestellt mit tropischen Pflanzen, die das Sonnenlicht filtern.

Die Architektur, die an Sevilla oder Granada erinnert, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass man sich im karibischen Teil Kolumbiens befindet. Hier spielt sich das Leben nicht hinter ehrwürdigen Häuserfassaden ab, sondern auf der Straße. „A la orden!“ „Stets zu Diensten!“ Dieser Ruf begleitet den Besucher, während er durch die Gassen flaniert. „Frisch gepresste Säfte, Banane, Guyabana, Ananas“. Stakkatoartig preisen die Händler ihre Ware an. „Brombeere, Tomate, Möhre“, fallen die Konkurrenten ein. Hier werden alle Sinne gleichzeitig angesprochen: Bauchladenverkäufer bieten Lose, Kaugummis und Zigaretten feil, auf wackligen Grills rösten Fleischspießchen, Maistortillas und fettglänzende Würste, aus großen Thermoskannen wird der stark gesüßte schwarze Kaffee in daumengroßen Pappbechern ausgeschenkt. Es riecht scharf nach Gebratenem, würzig nach gemahlenem Kaffee, süß nach Kokosplätzchen, salzig nach Meer, aber auch nach verdorbenen Lebensmitteln, Hundekot, Schweiß und billigem Deodorant. Und überall ist Musik. Aus jeder Bude, aus jedem Laden hämmert, trommelt und schmachtet es, in jedem Bus, Taxi oder eben auf dem Schiff: Salsa, Rumba, Merengue und Vallenato. Wenn die Sonne untergeht – jeden Tag pünktlich um sechs Uhr – schwillt die Lautstärke auf den Straßen noch einmal an. Dann werden riesige Lautsprecher auf die Veranda geschleppt oder in die offenen Fenster gestellt.

Wir sitzen in einem Eckrestaurant bei gegrilltem Fisch und Salat und beobachten die ersten Nachtschwärmer: Die Frauen aufregend zurechtgemacht in engen Röcken, hohen Plateauschuhen und knappen Blüschen, die Männer brav in Jeans und T-Shirt. In Kolumbien soll die Frau dem Mann gefallen und nicht umgekehrt. Die Nacht hat gerade erst begonnen. Aus dem Lautsprecher schallen Liedfetzen, irgendetwas mit Liebe. Ein paar Stunden später, auf dem Weg in unser Hotel, läuft an der Ecke immer noch Musik. Jetzt ist sie schnell und grell, der Rhythmus lässt Beine und Hüfte zittern, es läuft ein Song der bekanntesten Merengue-Hip-Hop- Band in diesem Land, ein Song von Proyecto Uno. Auf der Straße tanzen Pärchen, die Musik wird noch einen Tick schneller, steigert sich, jetzt kommt der Refrain und alle singen mit: „Somos Latinos.“

Ulrike Schattenmann

 

Costa Rica: Auf der Suche nach Öko Rica

Mit seinen Vulkanen und Feuchtgebieten, Urwäldern und Stränden hat sich Costa Rica zu einem Zentrum des Umwelttourismus entwickelt.

Ein pelziger Hintern! Mehr ist nicht zu sehen von dem Zweifingerfaultier. Mit einem ausgedehnten Mittagschlaf wird es seinem Namen gerade gerecht. Wenn es sich doch einmal bewegt, dann nur in Zeitlupe, schließlich lebt es mit gedimmter Körpertemperatur. Selbst die Horde Touristen unter dem Urwaldbaum, die das Tier mit beharrlichem Pfeifen und Schnalzen aus seiner Lethargie zu wecken versuchen, gibt schließlich enttäuscht auf.

Zum Glück gibt es im Ecocentro Danaus in La Fortuna noch mehr Tiere zu erleben: Nasenbär, Costa Rica, Mittelamerika | Costa Rica, Central AmericaAras und Kaimane, Pfeilgiftfrösche und blaue Morphofalter, Leguane und Kammschnabelreiher bevölkern den kleinen Streifen Wald des privaten Schutzgebietes. Vor gut zehn Jahren kauften junge Umweltaktivisten hier ein brachliegendes Stück Land, um darauf bedrohte Baumarten zu züchten. Inzwischen verteilen sie jedes Jahr bis zu 100.000 Bäume im ganzen Land.

„Es gibt einen starken Bewusstseinswandel in Costa Rica“, sagt Aktivistin Xenia Vargas. „Leider setzt er sich nur sehr langsam im Handeln vieler Menschen um.“ Sie konzentriert sich daher mit ihren Partnern auf Erziehungsarbeit. Inzwischen schicken viele Familien ihre Kinder zum Praktikum zu ihnen. Die Umweltschützer wollen deshalb sogar eine eigene Schule bauen. „Wenn nur nicht alles so langsam ginge“, seufzt Xenia.

Ökozentrum  am Fuße des Vulkans Arenal

Das Ökozentrum befindet sich an einem der spektakulärsten Orte Costa Ricas, direkt am Fuß des hochaktiven Vulkans Arenal. Die Besucher des Dorfes La Fortuna erleben den Berg von seiner Schokoladenseite: Dichte Wälder überziehen den ebenmäßig geformten Kegel. Darüber steht wie festgemeißelt die Rauchfahne aus seinem Krater am Himmel.

Wenn man den Arenal jedoch umrundet, stößt man auf seine Schattenseite, mit vom Feuer verbrannten Hängen und erkalteten Lavaströmen. 1968 schleuderte der 1.633 Meter hohe Vulkan Asche, Felsbrocken und Lava in die Luft, nachdem er zuvor 400 Jahre lang geruht hatte. Seitdem ist der Arenal nicht mehr zur Ruhe gekommen, brummelt und brodelt vor sich hin, stößt Lava und Gestein aus.

Dank ihrer Nähe zum Vulkan ist die Gemeinde La Fortuna in den letzten Jahren beträchtlich gewachsen – ebenso wie die Angebote für den umweltbewussten Reisenden. Es gibt Ökolodges und Ökofarmen, Ökoabenteuer und Ökotouren. Das ganze Land setzt auf Umwelttourismus als Einnahmequelle. Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden zwei Dutzend Nationalparks gegründet. Fast ein Drittel Costa Ricas steht inzwischen unter Schutz.

Alles Öko?

Doch der Boom hat auch seine Schattenseiten: Wo „Öko“ draufsteht, ist nicht immer Umweltschutz drin. Zum Beispiel rund um das Caño Negro Naturschutzgebiet, wo man mit dem Boot durch eine scheinbar intakte Flusslandschaft fährt. Aber schon wenige Meter vom Ufer entfernt erreicht man den Rand des vermeintlichen Urwaldes: Die Natur entlang des Flusses bildet nur eine Kulisse für die Ausflugsboote.

In manchen Landesteilen wird immer noch hemmungslos geholzt. Und die Hotelindustrie schließt einen immer engeren Gürtel um manchen Nationalpark – nicht selten unter einem Öko-Label. Umso bedeutender ist die Rolle engagierter Umweltschützer, die auf die Mängel aufmerksam machen. Menschen wie Juan Bautista Castro, der in La Fortuna eine kleine, ökologisch bewirtschaftete Farm gegründet hat.

Mit ausladenden Gesten und pathetischen Worten führt der Biobauer über seine Finca. Dann zieht er eine riesige Machete aus dem Lederköcher an seiner Hüfte. Singend fährt die Klinge in den Stamm einer Yuca-Pflanze. Ein Ruck, und Castro hält ein Bündel brauner Knollen in der Hand: Maniok-Wurzeln, eines der Hauptnahrungsmittel der „Ticos“, wie die Einwohner Costa Ricas heißen.

„Bald ernährt die Farm unsere ganze Familie“, sagt Castro und lässt den Blick über das blühende Land schweifen, das er innerhalb der vergangenen Jahre geschaffen hat. Zuvor hatte er als Lehrer gearbeitet und seinen Schülern Umweltschutz gepredigt. Doch dann beschloss er, Nägel mit Köpfen zu machen: Er kaufte 8000 Quadratmeter Weideland und begann mit ökologischem Landbau: Kakao, Kaffee, Mais, Melonen.

Eifrig wirbelt Castro über seine Felder, zeigt den Besuchern, wie er dank seiner Anbautechniken den Nahrungsbedarf einer Großfamilie decken will. Trägt einer Touristin Lippenstift und Rouge aus der Rinde eines Tropenbaumes auf. Presst aus seiner Zuckerrohr-Mühle frischen, schäumenden Saft zum Kosten. Zum Abschluss wartet ein costaricanisches Festmahl – alles „Bio“ natürlich.

Der Arenal grummelt

Am Abend wandern wir zu einem erkalteten Lavastrom am Fuß des Arenal. Unterwegs tummeln sich Nasenbären in der Hoffnung auf einen Keks oder ein Stück Brot, umlagert von ihren zweibeinigen Fans. Frisches Grün wechselt sich mit scharfkantigem Vulkangestein. Während links des Weges düstere Wolken den schwarzen Berg umkränzen, schimmert rechts die untergehende Sonne im Wasser des Arenal-Sees.

Vulkan Arenal, Costa Rica, Mittelamerika | Costa Rica, Central America

Nach Sonnenuntergang findet hier ein Happening der besonderen Art statt. Alle kommen: Familien mit Kindern und amerikanische Teenies in Flip Flops, Männer mit Trekkingboots und Panamahüten, Russen mit Limousine und Chauffeur, Gruppen rüstiger Rentner. Gespannt stehen alle am Fuße des Berges – und warten.

Plötzlich donnert und grummelt es laut, gefolgt von einem Prasseln. Ein rotes Feuerband zieht sich den steilen Rücken des Vulkans herab, ein paar Bäume gehen in Flammen auf. Dann wieder Stille bis zur nächsten Mini-Eruption. Auch das Plappern und Plaudern der Zuschauer verstummt irgendwann angesichts der Machtdemonstration des Berges – hier hat die Natur noch das Sagen.

Oliver Gerhard

Kuba: Auf leeren Straßen durch den Westen der Zuckerinsel

Fidel Castro war ein Mann der Visionen. Die breiten Autobahnen, die Havanna mit den großen Städten im Osten und Westen der langgestreckten Insel verbinden, könnten täglich problemlos einige Hunderttausend Autos verkraften. Davon hat er zumindest mal geträumt. Aber durch Embargo und Benzinmangel bleiben die sechs- und achtspurigen Betonpisten gespenstisch leer.

So tummeln sich mehr Radfahrer und Pferdefuhrwerke auf den Schnellstraßen als Autos, Lastwagen und Busse. Der private und öffentliche Verkehr ist auf der Zuckerrohrinsel schon lange zusammengebrochen. Im Schatten der Brücken warten die Kubaner geduldig auf eine Mitfahrgelegenheit. Sie hoffen auf einen altersschwachen Bus, einen rostigen Lastwagen mit offener Ladefläche oder einen der wenigen Mietwagen. Niemand weiß, wann eine dieser wackligen Stützen des öffentlichen Transports vorbeikommt. Kubanischer Alltag mehr ein halbes Jahrhundert nach der Revolution. „Die Massen müssen spüren, dass die Grundlage für Wunder existiert“, hat der Comandante einmal gesagt. Die Kubaner warten immer noch auf das ein oder andere Wunder, auch wenn der große Fidel schon seit einiger Zeit nicht mehr an der Macht ist.

Ein grünes Paradies

Auf dem Weg in den Westen Kubas, wird es jenseits der Drei-Millionen-Stadt Havanna schnell ländlich. Am Horizont erstreckt sich eine sanft gerundete Bergkette, davor liegen endlose Zuckerrohr- und Tabakplantagen. Kuba ist eine von der Natur verwöhnte, üppig grüne und fruchtbare Insel. Nahe der Straße zwischen Havanna und Pinar del Rio liegt das kleine Städtchen Soroa an den Ausläufern der Sierra del Rosario. Hier hat der Spanier Tomas Felipe Camacho in den 1950er Jahren einen riesigen Orchideengarten angelegt. An dem steilen Berghang wachsen tropische Bäume, Bromelien und Begonien und ungefähr 700 verschiedene Orchideenarten. Etwa 200 dieser Orchideen kommen nur auf Kuba vor.

Besonders lohnend ist der Besuch des Orquideario zwischen November und April, wenn die meisten Pflanzen in voller Blüte stehen. Nicht weit vom Orchideengarten führt ein kurzer, aber schweißtreibender Pfad zum Wasserfall El Salto. Aus der dichten, tropischen Vegetation schießen die Wassermassen hervor, stürzen ungefähr 20 Meter in die Tiefe und sammeln sich in einem felsigen Becken. Das kühle und kristallklare Wasser am Fuße des Wasserfalls ist bei den Kubanern ein beliebter Badeplatz.

Biosphärenreservat Soroa

Einst gehörte fast die gesamte Gegend Don Ignacio Soroa, der hier eine florierende Kaffeeplantage betrieb. Nach Ende des Kaffeebooms wurde Soroa vor 15 Jahren von der UNESCO wegen der einmaligen Flora und Fauna zum Biosphärenreservat erklärt. Seit einigen Jahren versuchen die Kubaner in dem Biosphärenreservat und der Sierra del Rosario den ökologischen Tourismus zu fördern. Zentrum dieser Bemühungen ist der Komplex Las Terrazas mit dem Moka Hotel. Das Hotel liegt inmitten der tropischen Vegetation und wirkt mit den Schatten spendenden Arkaden und den geschnitzten Geländern und Fenstergittern wie eine luxuriöse Dschungel Lodge. Die nach allen Seiten offene Bar ist um einen alten Baum gebaut und eine angenehm luftige Oase in dem feuchtheißen Klima. Vom Hotel kann man auf verschiedenen Wanderwegen wie dem Buenavista Coffee Plantation Trail die Umgebung erkunden.

Ein verschlafenes Nest

Die Provinzhauptstadt Pinar del Rio liegt ungefähr 200 Kilometer von Havanna entfernt und ist das Zentrum von Kubas Westen. Trotz seiner gut 130.000 Einwohner wirkt die Stadt wie ein verschlafenes Nest. Da sie keine spektakulären Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, kann man gemütlich über die Hauptstraße schlendern und ein wenig am Alltag der Einheimischen Teil nehmen. Eine ganze Schulklasse tobt in dem kleinen Park vor der strahlend weißen Kirche herum und freut sich über die Abwechslung, die jeder Fremde bringt. Albern, aber auch stolz, versuchen sie, mit ihren paar Brocken Englisch den Kontakt herzustellen. Ansonsten verströmt die Stadt Ruhe und Gelassenheit. Ein paar Fußgänger und Radfahrer teilen sich friedlich die Straße mit den wenigen uralten Autos. Rush-Hour wird in Pinar del Rio wohl noch für lange Zeit ein Fremdwort bleiben. Bemerkenswert ist die Architektur der Stadt. Fast jedes Haus hat ein weit heruntergezogenes Vordach, das von mehreren Säulen gestützt wird. Als ob alle eine stille Übereinkunft getroffen haben, ist Blau die vorherrschende Farbe. Oft sind es kleine, ärmliche Häuser mit verwitterten Dachziegeln, die zu dieser fast lückenlosen Arkadenreihe beitragen. Dazwischen gibt es aber immer wieder stattliche Gebäude, die sich mit einer klassisch-griechischen Säulenreihe schmücken. Neben dem obligatorischen Blau fallen die goldenen Kapitelle sofort ins Auge.

Die Mural de la Prehistoria

Von Pinar del Rio geht es in Richtung Norden zum Valle de Vinales. Schon von Ferne fallen seltsame Bergrücken ins Auge, die Mogotes. Zwischen den beiden Bergmassiven, der Sierra de los Organos im Westen und der Sierra del Rosario im Osten erinnern sie an riesige, grüne Elefantenrücken. Diese stark verwitterten und dicht bewachsenen Kalksteinfelsen prägen eine der eindrucksvollsten Landschaften Kubas. Zuvor staunen wir aber noch über ein seltsames Kunstwerk: Die Mural de la Prehistoria. In den 1960er Jahren hat der Künstler Leovigildo Gonzales Morillo eine ganze Felswand von Pflanzen gesäubert und ein 120 Meter hohes und 180 Meter breites Monumentalgemälde geschaffen. Mit seinen plakativ bunten Figuren wollte er die Evolutionsgeschichte des Menschen darstellen. Biologisch ist seine Geschichte nicht ganz korrekt, denn sonst müssten unsere direkten Vorfahren riesige Schnecken und Dinosauriern sein. Die Erkenntnisse Darwins sind wohl der künstlerischen Freiheit zum Opfer gefallen.

Die Mogotes im Valle de Vinales

Das Hotel Los Jazmines liegt auf einer kleinen Anhöhe mit einem atemberaubenden Blick auf die Mogotes und das Valle de Vinales. Stundenlang kann man auf der Terrasse sitzen, den rosafarbenen Kolonialbau und den Pool im Rücken, und beobachten, wie sich die Landschaft mit dem Sonnenstand verändert. Schon für diesen Ausblick hätte das Hotel mindestens fünf Sterne verdient. Frühaufsteher werden mit den schönsten Lichtstimmungen belohnt. Dann wirken das Tal und die Mogotes wie eine chinesische Tuschezeichnung, die alle paar Minuten neu gemalt wird. Im fahlen Morgenlicht kriecht Nebel über den Talboden und hüllt alles ein. Nur die Spitzen der Palmen ragen aus der weißen Watte heraus. Dann wird der Nebel lichter und enthüllt immer mehr vom Tal. Tabakpflanzungen, rote Erde und ein paar Schuppen tauchen auf. Lautlos ziehen die Truthahngeier ihre Kreise, lassen sich von den Aufwinden am Hang tragen und kommen dabei so dicht heran, dass man ihnen in die Augen schauen kann. Dann gewinnt die Sonne immer mehr Kraft und zerstört das monochrome Bild. Das Grün der Vegetation wird kräftiger, die tief stehende Sonne steuert jetzt kräftige Gelbtöne bei. Ewig könnte man hier sitzen und die vielleicht schönste Landschaft Kubas genießen.

Christian Nowak

Argentinien: Buenos Aires, die Stadt der Vielfalt

Foto: C. Nowak

Foto: C. Nowak

Die Wiege des Tangos

Große Boulevards und Prachtarchitektur: Die argentinische Metropole zählt zu den schönsten Städten Südamerikas.

„Paris Südamerikas“ wird die Stadt gerne genannt. Tatsächlich wirkt Buenos Aires auf den ersten Blick überraschend europäisch. Das liegt zum einen an den vielen neobarocken Gebäuden, zum anderen daran, dass sich seine Bewohner – die „Porteños“ – gerne auf ihre europäischen Einwanderer-Vorfahren berufen. Buenos Aires hat jedoch ganz unterschiedliche Gesichter. Das Geschäftszentrum Microcentro besticht durch den Präsidentenpalast Casa Rosada und das Wahrzeichen der Stadt: den Obelisken, der auf der Avenida 9 de Julio steht, die mit 140 Metern als breiteste Straße der Welt gilt. San Telmo ist der Geburtsort des Tangos. Hier findet auf der Plaza Dorrego sonntags ein großer Flohmarkt mit Open Air Tango statt. La Boca ist das bunte Hafenviertel, an dessen Rand auch das berühmte Fußballstadion La Bombonera liegt. Und zu den schicken Stadtteilen zählen Recoleta und Palermo mit ihrer Vielzahl an Bars und Cafés, sowie hervorragenden Restaurants.

Alexa Christ

Foto: C. Nowak

Foto: C. Nowak

Infos:

www.bue.gov.ar

Beste Reisezeit: Buenos Aires kann ganzjährig bereist werden. Besonders angenehm ist es jedoch im argentinischen Frühsommer, im November, wenn die Temperaturen noch nicht zu hoch klettern.

Übernachtungsmöglichkeit: Craft Boutique Hotel, im Szeneviertel Palermo, Nicaragua 4583, Palermo Soho, Buenos Aires, Argentinien, Tel 0054 11 4833 0060/1011, www.crafthotel.com

Foto: C. Nowak

Foto: C. Nowak

Chile: Baden zwischen Felsen

Im Nationalpark Villarica im Süden Chiles findet man versteckt zwischen Felswänden die dampfenden Naturthermen „termas geometricas“. Der chi­lenische Architekt Germán del Sol hat hier ein einzigartiges Konzept im Einklang mit der Natur entwickelt. Rote Holzstege führen in die quadrati­schen, in Fels eingelassenen Becken. In dem engen Canyon befinden sich insgesamt 17 mit Naturstein geflieste Pools. Ob bei klarem Sternenhim­mel oder prasselndem Regen inmitten felsiger Nischen und sattgrüner Wälder – man fühlt sich wie die Gestrandeten im Paradies der Blauen Lagune.

Die Thermen sind nur mit dem Auto erreichbar. Täglich von 11-21 Uhr und in der Hochsaison von Januar bis März von 10-23 Uhr geöffnet. Der Eintritts­preis pro Person beträgt umgerechnet etwa 25 Euro. Kinder zahlen die Hälfte.

Weiter Informationen unterwww.termasgeometricas.cl

 

 

Ecuador: Traurige Nachrichten von der Charles Darwin Research Station

Lonseome George

Lonesome George ist tot

Nicht immer kann das Weltreisejournal Gutes vermelden. Aber auch wenn es weh tut kommen wir unserer Chronistenpflicht nach:

Lonesome George, der einsame Georg, ist tot.

Die fast einhundertjährige Schildkröte wurde tot in seinem Gehege auf der Insel Santa Cruz aufgefunden. Was besonders traurig ist: George war der letzte seiner Art. Seit seinem Tod gilt die Art, der „Chelonoidis abingdoni“ als ausgestorben.

Gut, dass Leben geht weiter und deswegen nutzt das Fremdenverkehrsamt von Ecuador die traurige Angelegenheit zu einer Pressemeldung, in der auf das Anwachsen der Schildkrötenbevölkerung auf den Galapagos-Inseln hingewiesen wird. Weil das ja eigentlich ne gute Nachricht ist, wollen wir sie hier trotz der Trauer um George mal wiedergeben:

Seit Mitte der 70er Jahre hat sich die Schildkröten-Population auf den Galapagos-Inseln von rund 3.000 auf etwa 20.000 vergrößert. Es gelang, zehn der 15 vor 40 Jahren noch vom Aussterben bedrohten Galapagos-Schildkrötenarten zu erhalten und den Bestand der Tiere stetig zu steigern.Von den Pflanzen und Tieren, die in den Anfangstagen der Evolution auf den Inseln lebten, existieren dort heute noch immer 95 Prozent. Viele von ihnen kommen endemisch vor, es gibt sie nur auf den Galapagos-Inseln. Dazu gehören unter anderem die Galapagostaube, der Galapagospinguin und die bekannten Darwin Finken, die 1.000 Kilometer von der Küste Ecuadors entfernt ideale Lebensbedingungen vorfinden. Seit 1959 gelten die rund 114 Galapagos-Inseln als Nationalpark und stehen unter besonderem Schutz. Im Jahr 1978 wurden sie von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt.

Alles schön und gut, aber ohne George ist nichts mehr wie es war. Das WeltreiseJournal trauert um den letzten seiner Art

Informationen über Ecuador: www.ecuador.travel

Panama: Bunte Kostüme und schöne Frauen

 

Karneval in Panama

Karneval in Panama

Bunte Umzüge, ausgelassen feiernde Menschenmengen und sexy Karnevalsköniginnen – all das kann man nicht nur in Rio de Janeiro erleben. Auch beim Karneval in Panama geht es hoch her.

Als Karnevalshochburgen gelten in Panama die Hauptstadt sowie einige Ortschaften auf der Halbinsel Azuero, die für traditionelle Brauchtümer und Festivals bekannt ist. Besonders bekannt sind die Feierlichkeiten in der Kleinstadt Las Tablas, die rund fünf Autostunden südwestlich von Panama Stadt gelegen ist. Hier teilen sich die Bewohner in zwei konkurrierende Parteien, die sich gegenseitig zu übertrumpfen versuchen. Das ganze Jahr über stecken sie in den Vorbereitungen, die schließlich in Straßenumzügen mit reich dekorierten   Paradewagen ihren Höhepunkt finden. Mit Wasser gefüllte Tankwagen, so genannte „Culecos“, sorgen für nasse Erfrischung. „Tunas“, Gefolgsleute der Umzugswagen, und „Murgas“, trompetende Musikgruppen, unterhalten das tosende Publikum. Wer abends noch nicht genug hat, bleibt, um die Wagen mit den Karnevalsköniginnen zu bestaunen, oder zieht in Open-Air Clubs und Discotheken, wo bis in die frühen Morgenstunden weitergetanzt wird.


Info:
www.visitpanama.com