Deutschland: Zum Angeln in die Mecklenburgische Seenplatte

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Kapitaler Hecht, Foto: Müritzfischer

Herbstzeit ist Hechtzeit – Petri heil!

Die beste Zeit für Raubfischangler ist der Herbst. „Gerade die großen Fische fressen jetzt vor dem Winter noch einmal richtig – daher sind die Chancen auf einen großen Fang auch sehr hoch“, sagt Sebastian Paetsch von den Müritzfischern aus der Mecklenburgischen Seenplatte. Das „Land der 1000 Seen“, wie die Seenplatte wegen ihrer vielen verzweigten Kanäle sowie kleinen und großen Seen auch genannt wird, bietet optimale Bedingungen für Angler. Unter www.mueritzfischer.de/angeln/gefuehrte-angeltouren/ etwa haben die Müritzfischer geführte Angetouren gelistet, die ab 50 Euro pro Person buchbar sind. Ruten können ausgeliehen werden. Auch Exklusivtouren sind möglich. Wer keinen Angelschein hat, erwirbt den Touristenfischereischein und kann das Anglerglück herausfordern. Dieses Dokument ist in vielen Touristinformationsstellen vor Ort erhältlich. Auch die Angelkarten bekommen Gäste ohne großen Aufwand. Unterkünfte vermittelt der Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte unter www.mecklenburgische-seenplatte.de. Die Müritzfischer offerieren auch Komplettangebote, in denen das Ferienhaus und das Boot inklusive sind.

 

Deutschland: Tastmodelle im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Hessisches Landesmuseum Darmstadt ©Steffen Harms2014

Hessisches Landesmuseum Darmstadt ©Steffen Harms

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt ist auch für blinde und seheingeschränkte Besucher ein Museum mit allen Sinnen. Mit Hilfe von tastbaren Reliefs, die in den Rundgang integriert sind, ist das Museum auch für sie erfahrbar. Als eines der ersten Museen in Deutschland ermöglicht das Hessische Landesmuseum Darmstadt (HLMD) dieser Zielgruppe den barrierefreien Besuch einer Dauerausstellung und unterstützt damit eine selbständige Auseinandersetzung mit den Kunstwerken. Die Tastbilder stellen für blinde und seheingeschränkte Besucher ein besonderes und individuelles Kunsterlebnis dar, da sie zur haptischen Erfahrung einladen. Mit Hilfe von modernster Technik werden zweidimensionale Bildinformationen aus Gemälden in die Dreidimensionalität übersetzt. Von ausgewählten Kunstwerken, darunter Anselm Feuerbachs „Iphigenie“ und Max Pechsteins „Bildnis in Rot“ entstanden zunächst handgefertigte Reliefs, die später auf ein geeignetes Material übertragen wurden.

Bildnis in Rot

Bildnis in Rot

Für jede Übersetzung eines Kunstwerks in ein Tastmodell wurde eine individuelle Lösung gefunden, je nach Form und Inhalt des Originals. Der auf die Tastmodelle abgestimmte multimediale Audio-Guide liefert hierzu unterstützende Bildbeschreibungen. Das HLMD hat in enger Kooperation mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt Darmstadt und der Berufsfachschule Holz-Elfenbein in Michelstadt sechs Tastmodelle entwickelt. Blinde und seheingeschränkte Testpersonen waren intensiv daran beteiligt.

 

Bildhinweis: Bildnis in Rot in der Interpretation der Berufsfachschule für das Holz und Elfenbein verarbeitende Handwerk

Deutschland: Berlin leuchtet, drinnen und draußen

Strahlenden Glanz verbreitet gegenwärtig Berlin noch mehr als sonst. Draußen leuchtet die Stadt beim Festival of Lights. Drinnen leuchten die Augen der Besucher (und Besucherinnen) bei CHICAGO, dem heißesten Musical, das der Broadway je erschaffen hat.

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Der Berliner Dom, ein bisschen verkleidet © Rasso Knoller

 

Bei der Fotoprobe CHICAGO Ð DAS MUSICAL im Stage Theater des Westens Berlin. Ab 11. Oktober kehrt der Musical-Klassiker zurŸck in das Stage Theater des Westens. Bis zum 17.01.2016 ist die Spielzeit. Hier die Szene - All that Jazz - mit Caroline Frank in der Hauptrolle. Copyright: Eventpress Radke Datum 07.10.2015

Bei der Fotoprobe CHICAGO Ð DAS MUSICAL im Stage Theater des Westens Berlin. Am 11. Oktober kehrte der Musical-Klassiker zurück in das Stage Theater des Westens. ©Eventpress Radke Datum 07.10.2015

 

 

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Weltmeister gesucht. Am Brandenburger Tor kämpfen die besten Lichtinstallateure der Wellt um den Titel. © Rasso Knoller

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CHICAGO ist das zweit-erfolgreichste Broadwaymusical aller Zeiten. Copyright: Eventpress Radke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Berlin zeigt Herz … jede Nacht am Dom. © Rasso Knoller

 

 

Deutschland: Weinprobe mit Domina

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Herbsturlaub im Frankenland, wie man ihn mag: gepflegte Natur, Weine aus großer Tradition, Architektur und Kultur. Von allem reichlich, jedoch ohne die andernorts anzutreffende Massenfröhlichkeit. Solch ein Fundstück für Genießer ist die Mainschleife nordöstlich von Würzburg mit dem berühmten Weinort Volkach.

Hier ziehen sich die Weinberge – ein Drittel der 6000 Hektar Gesamtanbaufläche Frankens – eben im Flusstal, dann ansteigend, schließlich steil in die Höhe auf die Hochterrasse terroir F. Von diesem magischen Ort des Frankenweins in der Nähe der Wehranlage Vogelsburg schauen wir weit in eine Kulturlandschaft, in der es sich der Main „gemütlich macht“ und seine große Schleife um Weinplantagen und Wälder zieht. Radler genießen die Fahrt durch Weingärten auf dem „Obst-Wein-Main-Panorama-Weg-Fahr“ mit herrlichen Ausblicken auf die alten Weinorte, die man später mit mehr Zeit gern durchstöbert. Escherndorf und Nordheim sind die bekanntesten – und Sommerach, gerade zum schönsten Dorf Europas gekürt.

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Herbst in Franken, das ist natürlich die Weinlese. Mit Weinexpertin Martha Gehring geht‘s in den Weinberg der Winzerfamilie Braun, die in dritter Generation in Fahr eines der größten Güter an der Mainschleife bewirtschaftet. „Ich bin die „Madda“, begrüßt sie fröhlich und entspannt die Lesehelfer. „Für jeden habe ich Schere und Eimer. Hinein kommen nur die gesunden Trauben; faule, angeritzte auf den Boden; die mindern zum Schluss nur das Aroma“. Augenzwinkernd fügt sie hinzu: „Der Roten Domina können Sie sich schmerzfrei unterwerfen, sie ist hier die Rebsorte“. Wird es einen Jahrhundertwein geben? „Das weiß man erst, wenn er in der Flasche ist“, wehrt Madda ab, zieht aber sogleich das Refraktometer, den geeichten Zuckerindikator, zerquetscht darauf eine violette Domina-Traube und hält das Gerät gegen das Sonnenlicht. „86 Grad Oechsle, das riecht nach Spätlese, ein Dessertwein sollte 100 haben“. Die Balance zwischen Süße und Säure ist wichtig. Ein Wein ohne Säure schmeckt wie Traubensaft – und je älter der Weinstock, desto aromatischer die Trauben, umso geringer allerdings der Ertrag.

8.Weinlesehelferin.jpgEine halbe Stunde in gebückter Haltung draußen im Weinberg halten die Helfer durch, dann machen sie Pause auf dem Braunschen Weingut. Von der Kellermeisterin Kristin Zwiener, einer 31-jährigen Blondine aus Sachsen mit der Nase für den perfekten Wein, erfahren sie mehr über den trocken ausgebauten Domina Schwarzriesling, über ihren Lieblingswein Bacchus, die Auslesen und Beerenauslesen und die Pflege der Holzfässer. Quintessenz: „Wein entsteht im Weinberg“ und „Wein ist Poesie in Flaschen“, so einfach ist ihr „vinoses“ Latein. In der Heckenwirtschaft serviert Winzerfrau Heike Braun köstlichen Sauvignon blanc zur deftigen fränkischen Brotzeit: mit Gerupftem, einem angemachten Camembert, Landschinken, würzigen Würsten und „Blauen Zipfeln“ frisch aus dem Sud – so lässt es sich gut leben nach harter Arbeit im Wingert.

Genug ist’s mit der Domina. Im Frankenland hat´s herrliches Barock, gute Weine und Winzer, die es können! Da ist Rainer Müller in Volkach: „Entschuldigung für Arbeitshose und Gummistiefel, die heiße Phase der Lese und Pressung hat begonnen“, begrüßt er herzlich die Runde und geht sogleich in medias res: „Bei uns in Franken ist der Silvaner die klassische Rebsorte; der ist meine Leidenschaft und einer, wo sich die Kollegen schon anstrengen müssen“. Der gehört zu allererst in den Bocksbeutel, dann der Riesling, drittens der Burgunder – und der berühmte „Eschendorfer Lump“ ist sowieso das Beste, was „mer ham“.

Nein, Nachwuchssorgen haben das Winzerpaar mit drei Kindern nicht. Da ist Toni, mit seinen 24 Jahren schon Jungwinzer und auf dem Sprung nach Neuseeland – sobald er den Bachelor in Önologie in der Tasche hat. Dort begeistert ihn die Methode, Schafe zwischen den Rebstöcken grasen zu lassen, um so auf natürliche Weise die Weinberge „sauber und belüftet“ zu halten. Den Vater konnte er mit der Idee begeistern – seitdem gehören zehn dieser „Wollknäule“ zur Familie.

14.Frau Knoll,Weingarten.jpgAuf dem Traditionsweingut am Stein im Süden von Würzburg: berauschender Blick auf Stadt, Residenz und Marienburg. Sandra, Ehefrau des Winzers Ludwig Knoll, charmant wie kompetent als Marketing-Managerin, schaut von der Terrasse auf das Grün der Weinlage Stein. Von diesen berühmten Rebstöcken stammt einer der besten Tropfen Frankens; und von Goethe der Ausspruch: „Kein andrer will mir schmecken“. Knolls Vater hat mit Glück und Weitsicht vor Jahrzehnten die Parzellen erworben, Sohn Ludwig die Anbauflächen erweitert: „Der Würzburger Stein ist heute Deutschlands größte zusammenhängende Weinfläche mit 85 Hektar in Toplage“- Und fügt hinzu: „Guter Wein entsteht nur mit gutem Weingut“. Das erreicht er ohne Pestizide und Düngemittel.

Mitten im Weinberg stehen als das Stein‘sche Wahrzeichen zwei hölzerne Würfel in modernem Design: die Vinothek „WeinWerk“ sowie das Kelterhaus – mit Gästezimmern, Restaurant und Shop. Hier lagert Ludwig Knoll seine Schätze in Weiß, Rot und Rosé. „Der Muschelkalk Silvaner ist unser Flaggschiff; der Riesling, trocken ausgebaut, ist nicht besser zu machen“.

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Fügung oder Zufall: in Würzburg regierte insbesondere ein Geschlecht, das nicht nur kapitalkräftig, sondern auch künstlerisch hochbegabt war: die Schönborner. Die Marienburg über der Stadt war der bischöfliche Sitz. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Fürstbischof Johann von Schönborn der mittelalterlichen Festung überdrüssig; er träumte von Glanz und Glamour in der Stadt. Das war die Stunde des noch unbekannten Balthasar Neumann. Mit der barocken Residenz – seit 1982 UNESCO-Kulturerbe – schuf er das fränkische Versailles und hat sich mit diesem Meisterwerk als der wohl größte Baumeister des deutschen Barock unsterblich gemacht. Atemlos und stumm vor Bewunderung wird, wer in das gewaltige Treppenhaus tritt – Kundige sprechen von dem stärksten profanen Raumeindruck überhaupt – ,gekrönt von Tiepolos Deckengemälde, dem größten der Welt.

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Weinmacher Jochen Meintzinger und Frau Micha bitten zur ‚Kulinarischen Weinprobe‘ auf ihr renommiertes Gut im kleinen Frickenhausen, einst fürstbischöflicher Sommersitz. An der Weinbar wird mit der trockenen, roten Domina „geschöppelt“. Wie der schmeckt? Kräftig, erdig, ganz unverwechselbar, klassischer Franke eben. Der Graue Burgunder zur Brühe mit Leberklößchen hat die Noten von reifer Ananas und Quitten; das Aroma des Ricotta in leichtem Sherry-Jus rundet ein fruchtiger Spätburgunder ab. Das Weinschaumeis mit Zimt-Crunch krönt ein süßer Rieslaner. „Eine Traube aus Riesling und Silvaner, an die 90 Jahre alt“. Wer sich dann noch in einen Silvaner Novemberlese 2013 vertieft, wird Meintzingers Philosophie verstehen: der Wein ist wie eine Familie – jeder hat seinen Kopf, seinen Stil, seinen Charakter, seinen Charme. „Unverwechselbare Weine entstehen im Kopf, im Bauch und im Herzen; 60 Prozent macht der liebe Gott mit dem Wetter, 30 Prozent der Winzer und 10 Prozent steuert der Kellermeister bei“.

Text und Fotos: Katharina Büttel

Deutschland: Golfen mit Kati Wilhelm im Weimarer Land

 

K1024_Golfresort_09Johann Wolfgang von Goethe hätte wohl seine helle Freude gehabt am satten Grün. Der Dichterfürst durchstreifte gerne die Wiesen und Wälder auf seinem Weg zu Charlotte von Stein. Auf seinen Spuren kann man vor allem in der Kulturstadt Weimar streifen. Ob Goethes Gartenhaus, sein Faible für den Gingko-Baum oder auch das Museum in seinem Stadthaus: Ein Stadtrundgang führt auf die Spuren des großen Dichters, dem zusammen mit seinem „Kollegen“ Friedrich Schiller vor dem Deutschen Theater ein Denkmal gesetzt worden ist.

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Das Spa&Golf-Resort

Wandeln auf den Wegen Goethes kann man auch rund um die Stadt, im Weimarer Land. Etwa auf dem 28 Kilometer langen Wanderweg bis nach Großkochberg. Hier hatte seine Gönnerin Charlotte von Stein ein Häuschen.
Der Weg führt am Lindenstädtchen Blankenhain vorbei. Zu einer Pause inmitten der grünen Landschaft bietet sich dort das Spa&Golf-Resort Weimarer Land, ehe es auf gemütlichen Strecken weiter geht nach Großkochberg. Wer Glück hat, trifft hier auch die erfolgreiche Biathletin und Olympia-Siegerin Kati Wilhelm. Die Frau mit dem markanten roten Haarschopf, den sie sich übrigens noch immer in Bad Mergentheim „verpassen“ lässt, ist eine begeisterte Golferin und seit kurzem auch die Botschafterin des Hotels.

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Kati Wilhelm: Golf statt Biathlon

Nach dem Rückzug aus dem Spitzensport, der ihr zahlreiche Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen bescherte, hat sie sich in ihrer thüringischen Heimat eine neue Existenz aufgebaut: Mit dem eigenen Lokal „Heimatlon“ in ihrer Heimatstadt Steinbach-Hallenberg. Hier steht sie gern hinter dem Tresen, hat die Loipe mit dem Ausschank getauscht. Die zweifache Mutter ist aber nach wie vor dem Sport verbunden. Ob als Expertin in Sachen Biathlon oder selbst als Golferin. Zum Gewehr greift sich schon lange nicht mehr. Dafür immer öfter zu Holz und Eisen auf dem Grün.
„Golf ist bei vielen Biathleten sehr populär“, erzählt die 39-jährige Medaillengewinnerin von Parallelen beider Sportarten. Ein ruhiges Händchen und ein gutes Auge sind beiden wichtig. „Eines ist klar: Wenn man glaubt, man kann’s, geht es garantiert schief“, sagt sie mit einem entwaffnenden Lächeln. Kati Wilhelm hat bereits in ihrer aktiven Zeit als Leistungssportlerin die Platzreife gemacht. Die eine oder andere Runde hat sie schon auf den 36 Golfspielbahnen des Spa & Golf-Resort“ Weimarer Land gespielt, während ihre beiden Kinder Lotta und Jakob eher den Spielplatz vorgezogen haben.
Eingebettet in das satte Grün der Landschaft und unter dem strahlend blauen Himmel liegt der alte Gutshof ruhig und beschaulich. Zwei gepflegte Golfplätze umspielen die Fachwerkhäuser.

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Stimmig bis ins Detail

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Putten auf dem Grün

Das 4-Sterne-Superior Lindner Spa&Golf Hotel Weimarer Land, 15 Kilometer außerhalb der Kulturstadt Weimar gelegen, bietet als größte Golfanlage Mitteldeutschlands besondere Erlebnisse für alle Freunde des weißen Sports. Übrigens lassen sich die Goethe- und Feininger-Course kombinieren. Die „Essenz aus beiden“, wie Golfmanager Thomas Mönch sagt, wird zu einer weiteren Runde, dem Bobby-Jones-Champion-Course. Und wer sich noch nicht vom Virus des Golfens hat infizieren lassen, kann dies im Golfresort jeden Sonntag unter fachkundiger Anleitung nachholen. Von 14 bis 15 Uhr ist kostenloses Schnuppergolfen angesagt.
Im 12. Jahrhundert als Hof Krakau erstmals urkundlich erwähnt, hat Inhaber Matthias Grafe vor einigen Jahren das Gut und 160 Hektar Land erworben und mit viel Liebe fürs historische Detail in ein modernes Haus umbauen lassen, das keine Wünsche der Gäste offen lässt. Die viereckige Anordnung des Gutshofs ist geblieben und bietet in der Mitte Platz für einen großen gepflasterten Innenhof. In den Räumen wurden sogar Hölzer aus alten Scheunen oder Fachwerkhäusern der Umgebung verbaut. Die Lobby und der großzügige Bar- und Restaurantbereich sorgen mit warmen Brauntönen für Gemütlichkeit. „Es sollte ein Refugium werden, gastfreundlich und stilvoll, in dem sich Familienurlaub, Golfen und Entspannen wunderbar ergänzen und harmonisch miteinander verbinden“, sagt Grafe über seine Vision. Die ursprüngliche Atmosphäre des alten Gutshofs lebt wieder auf mit Hotel- und Spa-Bereich Lindentherme. Sie verdankt ihren Name übrigens des zahlreichen Linden in der Region, und auch bei einigen Anwendungen stand der Baum Pate. Der 2500 Quadratmeter große Spa-Bereich bietet neben Sauna, Pools und Kosmetikbehandlungen übrigens auch spezielle Arrangements für Golfer.
Auch Familien mit Kindern fühlen sich im Resort mit dem Rabbitclub sehr wohl. Nicht nur wegen des Betreuungsprogramms und des riesigen Indoorspielplatzes, der die Herzen der Kleinen höher schlagen lässt. Großzügige Familienzimmer sind in einem separaten Gebäude untergebracht – mit direktem Zugang zum Außenpool und der großen Liegewiese des Resorts. Während Papa gerade an Loch 1 abschlägt, können ihn die Kinder im Wasser plantschend zuschauen oder auf der Wiese eine kühle Limonade trinken.

Text und Fotos: Diana Seufert

Deutschland: Der Baumkronenpfad Beelitz

K1024_DSC00366 (2)Ein verwunschener ‚lost place‘ in Brandenburg lässt sich jetzt aus luftiger Höhe erkunden. Der Baumkronenpfad Beelitz ist eröffnet – nach einigen Verzögerungen
Ein Spaziergang auf dem neuen Baumkronenpfad Beelitz ist erst einmal eine Herausforderung für alle, die nicht ganz schwindelfrei sind. Immerhin bewegt man sich 20 Meter über den Erdboden, zwar auf stabiler Stahl-Holzkonstruktion, die aber eben auch minimal schwingt, ähnlich wie eine Hängebrücke. Der Ausblick entschädigt allerdings auch Höhenkranke. Ein Meer aus Baumwipfeln, das hellgrün leuchtet, fern am Horizont erkennt man schemenhaft eine Hügelkette.
Aber die Natur ist hier zweitrangig, viel mehr interessiert die Besucher die Ruine, an der man in luftiger Höhe entlangspaziert: Es ist die Frauenklinik der Beelitzer Heilstätten. Sie gehört zu dem weitläufigen Sanatoriumskomplex für Lungenkranke, das vor über hundert Jahren von der Berliner Landesversicherungsanstalt errichtet wurde. Nach 1945 übernahmen die Russen das Areal und nutzen die Gebäude als Zentrallazarett der Sowjetarmee. Der Baumkronenpfad erhebt sich, wenn man so will, über historischen Boden.
Aus luftiger Höhe hat man direkt Einblick in die leeren Zimmer der Frauenklinik. 1908 war hier Platz für 300 Tuberkulose-Patientinnen. Heute bedeckt Schutt den Boden, Graffitikünstler haben ein riesengroßes Auge an eine Wand gesprüht, darüber hängt quer die Wurzel eines umgestürzten Baumes. Selbst im hellen Sonnenlicht sieht das unheimlich aus. „Da fiel wohl eine Bombe rein, und die Russen hatten keine Lust irgendwas aufzubauen“, mutmaßt ein Besucher. „Hat sich hier nicht jemand vom Dach gestürzt?“ fragt seine Begleiterin.

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Verlassene, geheimnisumwitterte Orte gibt es viele in Brandenburg, doch kaum eine Ruine ist so mit Legenden aufgeladen wie die ehemaligen Lungenheilstätten in Beelitz. Spuken soll es hier, nachts hört man angeblich die Schreie der Patienten aus der Chirurgie, die seinerzeit ohne Betäubung operiert wurden. Befeuert werden die Mythen von der morbiden Schönheit der Anlage, den prächtigen Jugendstilbauten, die von Schlingpflanzen und Bäumen umwuchert sind und die als Kulisse zahlreicher Film- und Fernsehproduktion dienten (unter anderen wurden hier Teile von Roman Polanskis „Der Pianist“ gedreht)
Aber tatsächlich war die Anlage auch Schauplatz grausamer Verbrechen. Kurz nach der Wende erlangte der Ort traurige Berühmtheit durch einen Serienmörder, der sogenannten „Bestie von Beelitz“. Später, im Jahr 2008 erwürgte ein Fotograf eine junge Frau während Sado-Maso-Spielen – ob aus Versehen oder mit Vorsatz, ist bis heute nicht geklärt.
Jahrelang war das Gelände Anziehungspunkt von abenteuerlustigen Jugendlichen, Gruselfans und selbsternannten Geisterjägern. Die konnten auch deshalb zwischen den halbeverfallenen Gebäuden herumspazieren, fotografieren und Partys feiern, „weil das Areal nur unzureichend gesichert war“, sagt Jana Birnbaum, Sprecherin der Polizeidirektion West. Denn nach dem Abzug der Russen verlief die Entwicklung schleppend. Ein mit ehrgeizigen Plänen angetretener Immobilienentwickler musste im Jahr 2000 Insolvenz anmelden. Erst mit dem Investor Georg Hoffmann, der 2007 den Wald und später die zugehörigen Gebäude auf einem Quadranten des Geländes erwarb, zog neue Hoffnung ein.
Ursprünglich sollte sein Baumwipfelpfad, in dem eine Investitionssumme von rund 7 Millionen steckt, bereits in Juni dieses Jahres eröffnen. Doch das Vorhaben geriet ins Stocken, weil diverse Anschläge die Bauarbeiten verzögerten. Höhepunkt war die Entwendung eines Baggers. „Jugendliche haben ihn kurzgeschlossen, sind damit in das Eingangsportal der Chirurgie gefahren und haben es demoliert“, sagt Polizeisprecherin Jana Birnbaum. Die Ermittlung der Täter sei allerdings leicht gefallen, weil sie „sich selbst gefilmt und die Tat auf YouTube gestellt haben.“ Die Strafverfahren laufen noch.
Ganz offensichtlich war die Randale eher ein Dumme-Jungen-Streich als ein Anschlag mit politischem Hintergrund, wie einige vermuteten. Inzwischen sichert ein privater Wachschutz das Areal, die Polizei greift konsequent mit Strafanzeigen durch. Ob das riesige Gelände jedoch wirklich gesichert werden kann, ist fraglich.
Die Investoren selbst wollen den Vandalismus nicht mehr thematisieren. „Wir freuen uns, dass der Baumwipfelpfad endlich eröffnet ist und schauen nach vorne“, sagt Beate Hoffmann, Geschäftsführerin der Heilstättenpark Projektentwicklungs-GmbH. In den ersten Wochenenden hätte es einen Besucheransturm gegeben. „Viele kommen, weil sie selber Zeitzeugen sind und hier einige Zeit verbracht haben. Wir hatten erst letzte Woche eine 91-jährige Dame hier, die als junge Frau mit ihrer Tochter auf dem Gelände die letzten Kriegstage verbracht hat.“ Geplant sei jetzt, solche Geschichten zu dokumentieren. Bald solle es auch einen ausführlichen Panorama-Flyer mit Bildern und Infos zu den Gebäuden geben.

Ulrike Schattenmann

Deutschland: Der Ruf der Kraniche

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Vor den Toren Berlins findet Jahr für Jahr im Herbst ein beeindruckendes Naturschauspiel statt. Auf ihrem Weg gen Süden rasten im Linumer Teichgebiet zehntausende Kraniche. Das Rhin-Havelluch mit dem kleinen Ort Linum ist einer der größten Kranichrastplätze Europas. Die Reise der eleganten Vögel beginnt im Norden Russlands und Skandinaviens und führt sie weiter nach Portugal, Spanien, und Nordafrika wo sie dann überwintern.

In der Dämmerung schweben laut rufend und trompetend Kraniche und Wildgänse von ihren Futterplätzen auf den umgebenden Wiesen und Feldern ein. Mal in kleinen, mal in großen Gruppen ziehen die Vögel ihre Linien am Himmel. An den Fischteichen schweben die scheuen Tiere dann oft nur wenige Meter über die Köpfe der Beobachter hinweg. Sie verbringen die Nächte auf den Schutz bietenden flachen Gewässern der Fischteiche.

In diesem Jahr zählten die Kranichschützer gut 80.000 Kraniche, im vergangenen Jahr lag die Zahl mit gut 130.000 Tieren deutlich höher. Die Zahlen müssen Vogelliebhaber allerdings nicht sorgen, sie zeigen lediglich, dass die Kraniche in diesem Herbst fast durchgängig gute Zugbedingungen hatten. Die Vögel mussten jeweils nur kurz rasten, demzufolge gab es weniger Staus. Und wer den abendlichen Flug der Tiere einmal erlebt hat, wird nicht nach Zahlen fragen, sondern sich nur an ein wunderbares Naturschauspiel erinnern.

Text, Fotos und Video: Bernd Leideritz

 

Kranichrast in Linum

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Deutschland/Sächsische Schweiz: „… als hätten da die Engel im Sande gespielt“

Der Blick von der Bastei über die Tafelberge und Felsnadeln, über die nebelversponnenen Wiesen und Wälder, Mulden und Dörfer, dieser Blick ist einmalig. Es gibt ihn nur in der Sächsischen Schweiz.

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Mit einem satten „Klick“ schnappt die Spiegelreflexkamera zu, und das Bild ist gefangen. Die Bastei in lichtem Morgennebel, eine gespenstische Welt, in der nackte, nur spärlich bewaldete Felsgestalten aus tiefen Schluchten in den Himmel steigen, um sich von oben herab in der Elbe zu spiegeln. In einem prachtvollen Bogen verbindet der Strom die Städtchen Wehlen und Rathen, die Tafelberge Rauenstein, Lilienstein sowie die Festung Königstein. Die schroffen Gesteins-Haufen sind ein Eldorado für Meister-Kraxler aus aller Welt. Wie Superman kleben die Kletterer in der Felskulisse. Kein Wunder, dass in der Sächsischen Schweiz das Free Climbing, das freie Klettern, erfunden wurde. Rund 14.000 verschieden schwere Kletterwege gibt es hier. Und zahlreiche Wanderwege.

K1600_Bastei (1)Der Malerweg ist der schönste. Er führt vom wildromantischen Liebenthaler Grund bis zum Prebischtor in Tschechien und zurück nach Pirna. Seine 112 Kilometer, 68 rechts und 44 links der Elbe, sind auf das Beste erschlossen. Wo nötig, wurden Stufen in den Fels geschlagen, es gibt Geländer, Brücken, Griffe, Stege und Tafeln mit Verhaltensregeln. Der Weg ist unterteilt in acht Tagesetappen, der sportliche Wanderwert reicht von „leicht“ über „mäßig schwierig“ bis hin zu „anspruchsvoll“. Der „künstlerischer Wert“ dieser Märchenlandschaft dagegen lässt sich nicht benoten. Trotzdem regt er seit hunderten von Jahren Maler, Dichter und Musiker dazu an, grandiose Werke zu schaffen. Irgendwo hier auf dem Malerweg muss Caspar David Friedrich 1818 gestanden und die Skizzen zu einem seiner wichtigsten Bilder zu Papier gebracht haben. Im Dresdner Atelier geschah dann die Verklärung, an der heimischen Staffelei wurde „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ in Öl geboren.

K1600_Bastei (4)Vom Komponisten Carl Maria von Weber erzählt man sich, dass ihn die Enge der Wolfsschlucht am Hockstein zur Beschwörungsszene im 3. Akt des „Freischütz“ inspirierte. Der Tonkünstler Richard Wagner war der steinernen Gefühlslandschaft regelrecht verfallen, und Heinrich von Kleist notierte begeistert: „Ich sehe die Elbhöhen […] und die Felsen im Hintergrund von Königstein, die wie ein bewegtes Meer von Erde aussehen und in den schönsten Linien geformt sind, als hätten da die Engel im Sande gespielt.“

K1600_Bastei (14)Der Malerweg fädelt wie an einem Band die Schönheiten der Landschaft auf, die Bastei, die Schwedenlöcher, die Wolfsschlucht, Burg Hohnstein, die Kuhstallhöhle, die Schrammsteine, die Edmundsklamm in Tschechien. Erstaunlicherweise existierte das steinerne Chaos von den Toren Dresdens Jahrhunderte lang ohne amtlichen Namen. Mal hieß es Böhmischer Wald, andere wieder redeten vom Meißnerischen Hochland. Dabei wurde das Elbsandsteingebirge, wie es heute heißt, seit dem Mittelalter ausgebeutet. Bekannt ist, dass sich schon Martin Luther für seine Frau Katarina von Bora eine sandsteinerne Badewanne aus Pirna liefern ließ.

K1600_Bastei (8)Auch der Dresdener Barock hätte nie stattgefunden ohne den sächsischen Sandstein, „aus dem die runden Formen gleichsam von selbst hervorzubrechen scheinen“. An die 600 Steinbrüche drängten sich zu Zeiten August des Starken (1670-1733) zwischen Wehlen und Schmilka. Heute gibt es nur noch den Wehlener, aus ihm stammen die Blöcke für den Wiederaufbau der Frauenkirche.
Der so einprägsame Name Sächsische Schweiz geht wahrscheinlich auf zwei Schweizer Künstler zurück, den Landschaftsmaler Adrian Zingg (1734-1816) und den Porträtmaler Anton Graff (1736-1813). Wie die Gemsen kletterten die beiden Freunde durch das raue, aber anmutige Naturbild und malten, was das Zeug hielt. Zingg bemerkte in seiner Begeisterung nicht einmal, dass er ins Visier der königlich-sächsischen Polizei geriet. Erst bei Wasser und Brot in der Arrestzelle wurde ihm klar, dass er mit der Festung Königsstein ein militärisches Geheimnis aufs Papier gebannt hatte.

K1600_Bastei (17)Da der junge Mann glaubhaft nachweisen konnte, als Professor für Landschaftszeichnen an die Dresdner Akademie berufen worden zu sein, blieb dieses „Rendezvous“ ein belächeltes Intermezzo. Heute gibt es über 200 Landschaften in der Welt, die sich den schmückenden Beinamen zugelegt haben. Allein in deutschen Landen sind es über 60. Ob Mecklenburger, Märkische oder Wolkensteiner Schweiz… Das Alpenland ist der Maßstab aller Dinge. Doch nicht nur die reine Schönheit der Berge hat es den Menschen angetan, es ist jene einzigartige Mischung aus Landschaft und Lebenskultur, die sich mit dem Namen verbindet.

Text + Fotos Bernd Siegmund

 

Deutschland/Bernkastel: 76 Oechsle, 160 Weine und 365 Kilometer Wanderweg

Bernkastel vom Kueser Ufer aus © Rasso Knoller

Bernkastel vom Kueser Ufer aus © Rasso Knoller

Martin Kerpen ist zufrieden. „Das wird ein richtig guter Qualitätswein“, sagt der 56-jährige Winzer aus Bernkastel-Wehlen an der Mosel. 76 Oechsle hat er gerade mit dem Refraktometer gemessen. In Oechsle gibt man das Mostgewicht des Traubenmostes an und die 76 auf der Skala ist ein durchaus ordentlicher Wert. Zu erwarten war das nicht unbedingt, denn die Essigfliege hatte den Trauben zugesetzt und auf vielen Anbauflächen Ertrag und Qualität gemindert. Nicht so bei Kerpen.

Winzer Martin Kerpen prüft den Oechslegrad © Rasso Knoller

Winzer Martin Kerpen prüft den Oechslegrad © Rasso Knoller

„2014 wird trotz alledem ein ganz ordentlicher Jahrgang“, ist der Winzer überzeugt. Freilich hat man oben am Berg bei der Lese viel zu tun und muss die fauligen Reben per Hand wegschneiden. Handlese ist in den Lagen der Mosel aber ohnehin die Regel. Erntemaschinen, die bei den Reben nicht zwischen gut und schlecht unterscheiden können, sind hier überfordert. Viel zu steil sind die Hänge für sie.

Weinlese mit Hund © Rasso Knoller

Weinlese mit Hund © Rasso Knoller

Die vielen kleinen Winzer aktivieren deswegen zur Lese Freunde und Bekannte, die größeren, wie Kerpen, heuern zusätzlich Arbeiter aus Rumänien an. „In den Steillagen ist die Arbeit sogar leichter“, verrät einer von ihnen. Denn so müsse man sich nicht ständig zu den Reben hinunterbücken.

Blick auf die Mosel, © Rasso Knoller

Blick auf die Mosel, © Rasso Knoller

Weg mit Aussicht
Für die Touristen haben die steilen Hänge einen ganz anderen Vorteil. Wer auf dem Moselsteig durch die Weinberge wandert, der genießt fast dauernd einen Panoramablick hinab auf den Fluss. 365 Kilometer ist der Weg lang. Wer gut zu Fuß ist, schafft ihn an 24 Tagen. Doch wer hier unterwegs ist, muss kein Marathonmann sein, denn selbstverständlich kann man auch jede Tagesetappe für sich bewältigen. Eine besonders schöne Tour führt von Bernkastel-Kues nach Traben-Trarbach. Wobei es vom Wanderer etwas Überwindung verlangt, damit er überhaupt losmarschiert. Bernkastel ist nämlich einer der schönsten Orte an der Mosel, die Altstadt mit ihren vielen Weinlokalen und den windschiefen Häusern scheint direkt einer Puppenstubenwelt entnommen.

Stadtführer Jürgen Kettern © R. Knoller

Stadtführer Jürgen Kettern © R. Knoller

Nach vorne geneigt sind die Hausfassaden aber nicht etwa, weil Architekt und Baumeister zu tief ins Glas geschaut haben, sondern weil sie so dem Steuerrecht der früheren Tage trotzten. Der Fiskus berechnete damals die Abgabe nämlich nach der Grundfläche, wer sein Häuschen also mit Überhang baute, konnte so den ein oder anderen steuerfreien Quadratmeter schinden. Das erzählt Stadtführer Jürgen Kettern, der die Gäste in alter Tracht durch die Stadt begleitet.
Gesund durch Wein
Er weiß auch vom Doctor Wein zu berichten, der seinen Namen daher hat, weil der ortsansässige Kurfürst im 14. Jahrhundert durch seinen Genuss von einer schweren Krankheit geheilt wurde. Nachdem der Adelige bereits jede andere Medizin ausprobiert und alle Ärzte der Region konsultiert hatte, kam ein Winzer aus Bernkastel zu ihm und bot ihm seinen Wein als Medizin an. Den Doctorberg gibt es noch heute, er ist die bevorzugte Lage für die Bernkastler Weine und erhebt sich gleich hinter dem letzten Haus am Ortsrand. Ob die Reben, die hier geerntet werden, immer noch heilende Wirkung haben, muss man schon selbst rausfinden. Der beste Wein der Region jedenfalls kommt von hier. Und der teuerste auch. Laut Stadtführer Kettern werden die letzten sechs Flaschen der 1921er Riesling Trockenbeerenauslese heute fast 15000 Euro gehandelt.
Drüben, auf der anderen Moselseite im Ortsteil Kues, geht es auch um Wein. Theoretisch und praktisch. Im Weinmuseum erfährt der Besucher so ziemlich alles, was er über Anbau und Ausbau des Moselweins wissen muss, und in der angeschlossenen Vinothek, in den historischen Kellerräumen des St. Nikolaus Hospitals, kann man seine theoretischen Kenntnisse auf die Probe stellen.160 Weine fast aller Winzer der Region stehen hier zu Verkostung bereit.

Weinprobe in der Vinothek © Rasso Knoller

Weinprobe in der Vinothek © Rasso Knoller

Weinseligkeit breitet sich bei den Gästen der Vinothek nicht nur wegen der Alkoholprozente aus, sondern auch wegen der hervorragenden Qualität des gebotenen. Gern stimmt man nach einigen Kostproben Jörg Lautwein zu, dem Geschäftsführer der Wein- und Ferienregion Bernkastel-Kues, der feststellt, „dass sich seit den 1990er Jahren der Weinanbau an der Mosel grundlegend geändert hat und man seitdem weniger auf Quantität denn auf Qualität setzt“. Wer aber noch auf dem Moselsteig weiter will, muss Selbstdisziplin beweisen, für den einmaligen Eintrittspreis von 15 Euro kann man in der Vinothek nämlich – zumindest theoretisch – alle Weine aus Deutschlands ältester Weinregion probieren.

Text und Fotos Rasso Knoller

Deutschland: Mit großem Genuss ins Gras beißen

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Essbares Fichtelgebirge: Köche, Bäcker und Metzger verarbeiten frisches Grün aus dem Fichtelgebirge

Die Fichtenspitzen ummantelt eine zarte Hülle aus Schokolade und jede Menge Neugierde. Die hellen Triebe der Nadelbäume finden sich auf dem Dessert, während ein passender Sirup, mit Wasser aufgespritzt, gereicht wird. Kann man das essen, ist die Frage, die unausgesprochen in der Luft hängt. Man kann – und es schmeckt herrlich: nach Wald und nach jungem Grün. Und bei einigen auch nach Kindheitserinnerungen. „Bei uns darf man genussvoll ins Gras beißen“, sagt Jutta Hecht-Heusinger lachend. Die Chefin des Wildkräuterhotels „Schönblick“ in Fichtelberg, nur unweit des Fichtelsees gelegen, hat ihre Kollegen in der Region vom grünen Konzept überzeugt. Zehn Wildkräuterköche, ein Bäcker und ein Metzger haben sich zum „Essbaren Fichtelgebirge“ zusammengeschlossen und bieten Spitzenküche aus der Natur.

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Die Zutaten, die schon der Dichter Jean Paul genossen hat, wachsen bei Friederike Heusinger, bei Thomas Puchtler vom „Deutschen Adler“ in Bischofsgrün oder auch bei Bernhard Raab vom Gasthof „Zum Loisl“ in Mehlmeisel auf den weiten Wiesen direkt vor der Haustüre. Was ungeschulte Augen für Unkraut oder bestenfalls zartes Viehfutter halten, ist für sie Heilkraut und die perfekte Ergänzung für Topf und Pfanne. Täglich frisch werden die Kräuter gesammelt, die auf dem Teller des Gastes landen. Wie der Spitzwegerich, der gegrillt die Bärlauchsuppe dekorativ ziert. Die Brennnessel wandert im Kuchen und Gundermann in der Panna cotta – gekrönt von jeder Menge Gänseblümchen.
Die Vogelbeere lässt sich nicht nur zu Hochprozentigem verarbeiten, sondern kandiert hervorragend als Dekoration nutzen. Cranberrys braucht man im Fichtelgebirge nicht, die hat man sozusagen frei Haus. Dass Bärwurz nicht nur als Kräuterlikör seine heilende Wirkung entfalten kann, lernt der Gast ebenfalls schnell, wenn das dekorative Grün auf dem Teller oder in den Leberkäse kommt.

„Mit Kräutern kann man sehr viel machen“, weiß die Initiatorin des Zusammenschlusses „Essbares Fichtelgebirge“, Jutta Hecht-Heusinger. Der innovative Verein, der 2010 ins Leben gerufen worden ist, hat sich das Ziel gesetzt, Tradition mit Moderne zu verknüpfen, indem er altes Wissen um Wildkräuter mit kreativer Kochkunst kombiniert. 1200 Kräuter wachsen in der Region in Oberfranken, direkt an der Grenze zu Tschechien. Und ein Großteil davon ist essbar.

Diesen reich deckten Tisch nutzen die Köche und probieren bei den regelmäßigen Treffen viel Neues aus. „Jeder interpretiert die Kräuter anders, gibt den Gerichten eine ganz besondere Note.“ Rezepte werden ausgetauscht und je nach Saison abgewandelt. Der größte Erfolg für Jutta Hecht-Heusinger: „Die Gäste kommen gerade wegen der Kräuterküche.“

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Gemeinsam ist den Köchen allerdings der Anspruch, mit regionalen Produkten Außergewöhnliches zu präsentieren – und die Zertifizierung. Nicht jeder kann sich einfach Wildkräuterkoch nennen. Für diese Bezeichnung ist eine umfangreiche Schulung nötig. In vielen Stunden der Theorie und Praxis haben sich die Köche weitergebildet und legen zum Abschluss eine Prüfung vor der IHK Oberfranken ab. Unterstützung erhält der Verein auch durch das Land Bayern.

Wer nicht nur Lust zum Genießen hat, sondern selbst mit Wildkräutern kochen möchte, sollte in der Kochschulküche in Ebnath vorbei schauen. Hier kann man einmal im Monat den Wildkräuterköchen über die Schulter blicken. Bei den Wildkräuterwanderungen durch das Fichtelgebirge bringen die Experten jedem bei, wie man die Kräuter richtig erkennt und verarbeitet. Daneben gibt es so manchen Tipp oder neue Kreation – je nach Saison. Denn auch das ist den Köchen wichtig: „Es kommt nur auf den Teller, was gerade auf den Wiesen wächst.“

Text und Fotos Diana Seufert

 

 

 

Deutschland/Schleswig-Holstein: Plädoyer für ein Fischbrötchen

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Am 2. Mai 2015 wurde entlang der Ostseeküste von Schleswig-Holstein zum fünften Mal der Weltfischbrötchentag gefeiert. Endlich findet der „Ostsee-Burger“, eine Mahlzeit gewordene Innovation, die ihm gebührende Aufmerksamkeit.

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Eine kräftige Scheibe Schwarzbrot, bestückt mit Fisch, ja, das passt wie die Faust aufs Auge. Aber ein mit Zwiebelringen und Gewürzgurken drapierter saurer Bismarckhering zwischen zwei knusprig-knackige, weizenhelle Brötchen-Hälften platziert, nein danke, das ist ja wie Bratwurst mit Sahne. Ein Widerspruch in sich. Die zarte Semmel und der feuchte, saure Hering, das kann ja nicht schmecken! Rein theoretisch gesehen. Praktisch gegessen aber ist so ein Fischbrötchen ein Gedicht.

K1024_Grömitz (28)Der Bismarck als Hering, in eine Schrippe geklemmt, dafür geb‘ ich mit Freuden mein letztes Hemd, reimte denn auch ein unbekannter Konsument und Dichter, von dem man nicht so recht weiß, ob er als Bismarck-Verächter oder als Liebhaber des Fischbrötchen diesen kleinen Vers schmiedete. Nehmen wir letzteres an, es würde gut zum Enthusiasmus passen, mit dem in Scharbeutz, in Heiligenhafen oder Grömitz auch in diesem Jahr für das Ansehen des Fischbrötchens in der Welt gekämpft wird. Zum fünften Mal schon feiert man mit großem Ernst und einer nötigen Portion Ironie den Weltfischbrötchentag.

K1024_Grömitz (26)Bislang gibt es diesen Ehrentag nur in Schleswig-Holstein, aber das muss ja nicht so bleiben. Schließlich ist die norddeutsche Geschmacksrevolution nicht weniger deutsches Kulturgut als die Weißwurst in Bayern oder die Currywurst in Berlin.
Jedenfalls trägt diese kleine, gesunde Zwischenmahlzeit hervorragend dazu bei, mit sattem Bauch durch das Ostseeheilbad Heiligenhafen zu bummeln. Strandattraktion schlechthin ist die neue Erlebnis-Seebrücke, 2012 eröffnet, 5,3 Millionen Euro schwer, zwei Flanier-Ebenen, Meereslounge, Sonnendeck, Kinderspielplätze, man ist mächtig stolz auf diesen hölzernen Zeigefinger, der 435 Meter lang in die See ragt. Überhaupt zählt die altehrwürdige Stadt zu den schönsten Ferienzielen an der holsteinischen Ostseeküste. Sonderlich heilig sieht sie aber keineswegs aus, bis heute ist es der Wissenschaft nicht gelungen, den Namen Hilgenhavene zu deuten. Wie auf einer Insel thront die schöne Kirche (um 1250) inmitten der Altstadt. Im Inneren des Backsteinbaus erinnert vieles an die christliche Seefahrt. Die Empore am Altar heißt denn auch „Schifferstuhl“, hier saßen nach Zahlung eines ordentlichen „Stohlgeldes“ die „Stohlbröders“, Kapitäne und Steuerleute auf große Fahrt. Über dem Schifferstuhl hängt eines der ältesten Votivschiffe im Ostseeraum, die Fregatte „Samson“, 1636 von einem Bürger der Stadt gespendet. Das wohl schönste Gebäude von Heiligenhafen ist der „Alte Salzspeicher“ aus dem Jahre 1587, heute eine Gaststätte, in der die reichhaltige Speisekarte so ziemlich alles bietet, was Leib und Seele zusammenhält, nur kein leckeres Fischbrötchen.
K1024_Grömitz (19) - KopieÜbrigens ist der Weltfischbrötchentag mehr als nur ein Werbegag. Die Fischer in Schleswig-Holstein (ja, es gibt noch einige) nutzen den Anlass, um neugierigen Touristen die regionale Fischereigeschichte nahe zu bringen. Navigation und Wetterkunde, Angel, Reuse, Stell- und Schleppnetze, man sieht den kleinen Fischkuttern, die im Möltenorter Hafen in Heikendorf oder in Neustadt/Holstein vor Anker liegen, die Mühen an, die es macht, im Zeitalter überfischter Meere Heringe, Sprotten, Dorsch, Flunder oder Scholle bei Wind und Wetter ins Netz zu bekommen. „Die Alternative zur Fischindustrie ist die handwerkliche, nachhaltige Fischerei mit Direktvermarktung, wie sie hier bei uns in Heikendorf betrieben wird“, sagte Gerhard Draasch, ein älterer Fischer. „Wir fahren nachts zum Fischen raus, und kommen in den Morgenstunden zurück. Kaum im Hafen wird vom Kutter runter Fisch verkauft. Frischer als bei uns kann er nicht sein.“
Auch in Grömitz gibt es noch Fischer, obwohl die kleine Stadt vor allem vom Tourismus lebt. Inmitten der Lübecker Bucht gelegen wirkt der Ort, der schon seit 1813 Seebad ist, ein wenig geschichtslos. Lediglich die Kirche fällt aus dem Rahmen. Um 1230 errichtet wurde sie dem Heiligen Nikolaus geweiht. Der Tourismusdirektor der Stadt, Olaf Dose-Miekley, erklärt das alterslose Aussehen der Stadt so: „Alles, was wir an schöner Bäderarchitektur hatten, wurde in den fünfziger Jahren gnadenlos abgerissen. Heute bedauern wir das sehr.“
K1024_Grömitz (7)Den historischen Mangel macht Grömitz durch ein Freizeitangebot wett, das seinesgleichen sucht. Einmal abgesehen vom 3,5 Kilometer langen Strand mit Saharasand-Qualität, an dem sich blendend weiße Strandkörbe wie stolze Einfamilienhäuser in der Sonne rekeln, einer lebendigen Fußgängerzone, auf der es schon eines eisernen Willens bedarf, die vielen Geschäfte, Cafés, Restaurants und Kneipen links liegen zu lassen, einen Hochseilpark, ein Wellarium, eine 27-Loch-Golfanlage, ein Erlebnis-Meerwasser-Brandungsbad und eine fast 400 m lange Seebrücke, an deren Ende elegant eine Gondel hängt, in der man auf Tauchfahrt in die Ostsee gehen kann. Bis zu 30 Leute finden Platz, um vier Meter tief ins Innere des Meeres abzutauchen. Lautlos schweben Quallen an den Scheiben der Gondel vorbei, ein paar Heringe betrachten neugierig die seltsame Konstruktion… Die Gondel steht vierzig Minuten lang ein Meter über dem Meeresgrund, um Brackwassermeerboden-Bewohnern wie Krabben, Seesternen oder Muscheln nicht zu stören. Und was das Schönste ist: Jeder kann Unterwasser-Gondoliere in Grömitz werden, die Gondel ist das ganze Jahr über in Betrieb.

Text und Fotos: Bernd Siegmund

Deutschland/Usedom: Sommerfrische wie zu Kaisers Zeiten

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Usedom: Die Ostseeinsel zieht ihre Besucher nicht nur mit dem Charme des Wilhelminischen Zeitalters in den Bann

Der Wind haucht nur ganz zart über die schlanken Gräser der Dünen und die Ostsee, die sich leicht kräuselt. Gemächlich plätschern die Wellen an den Strand. Die Stille wird jäh vom Gekreisch der Möwen unterbrochen. Majestätisch lassen sich die Vögel auf dem Geländer nieder und inspizieren neugierig die Besucher. Zu so früher Stunde haben sich nur wenige Touristen auf die sonst sehr belebte Seebrücke gewagt, um die ruhige Stimmung zu genießen. Auch ausgesprochene Morgenmuffel lassen sich von der Atmosphäre verzaubern. Und ganz Mutige zieht es in die kühle See zum ersten Bad des Tages. Im Dunst sind schwach die Frachter auszumachen, die direkten Kurs auf die polnische Nachbarstadt Swinemünde nehmen. Das Seebad Ahlbeck und die Insel Usedom im Rücken, verliert sich die Weite des Meeres am Horizont. Usedom, im nordöstlichen Zipfel der Republik gelegen, zieht seine Besucher auf besondere Weise in den Bann.
Seufert  Usedom Die Kaiserbäder Alhbeck, Heringsdorf und Bansin haben sich ihren Charme als Seeheilbäder bewahrt. An der Uferpromenade funkeln die historischen Villen um die Wette und buhlen um die Gunst der Betrachter. Schon im 19. Jahrhundert waren die kleinen Orte an der Ostsee ein beliebtes Reiseziel – nicht nur für die Berliner. Die frische Meeresluft zu genießen, war schon etwas Besonderes. Und so lässt sich die Bäderarchitektur der Wilhelminischen Zeit noch immer bestaunen. Und auch bewohnen, denn so manches Haus beherbergt eine Pension oder ein Hotel. Wer Luxus und Eleganz liebt, steigt im Ahlbecker Hof ab, was auch Kaiser Franz-Josef von Österreich, Königin Silvia von Schweden oder auch Kurt Masur, der Dirigent und Ehrenschirmherr des Usedomer Musikfestivals, schon getan haben. Anhand von Fotografien ließ man den alten Glanz von 1890 wieder aufleben, wie Hotelier Rolf Seelige-Steinhoff seinen Gästen stolz erzählt. Der Chef der Seetel-Gruppe, die 15 Häuser der unterschiedlichsten Kategorien vereint, schwärmt von seiner Insel, der Schönheit, der Natur, die sich vielfältig erkunden lässt, aber auch von der wechselvollen Geschichte. So manches Haus, das zu Zeiten der DDR als Erholungsheim fungierte, wurde nach der Wende restauriert. Und einige Feriendomizile brachten beim Umbau Erschreckendes hervor: Doppelte Wände mit versteckten Mikrofonen, um die eigenen Bürger zu bespitzeln.
Heute scheint das auf Usedom weit weg. Auch wenn die Reste der ehemaligen Hubbrücke bei Karnin, als südwestliche Verbindung zum Festland, ein noch schlimmeres Kapitel der Geschichte offenbaren. Die Bahnlinie verband die Insel mit dem Festland.

Usedom SeufertDie 1933 errichtete Hubbrücke über den Peenestrom war eine technische Meisterleistung. Nur zwei Minuten dauerte das Anheben der Gleise, damit die Schiffe darunter durch fahren konnten, die stets Priorität hatten. 1945 wurde die Konstruktion von den Nazi gesprengt.
Das dunkelste Kapitel der Insel wird auch im Historisch-Technischen Museum in Peenemünde deutlich. Hier hatten die Nationalsozialisten ihre Raketenforschung intensiviert und unter Wernher von Braun die V1 und V2 geschaffen und eingesetzt. Mit Brauns Rolle, den Tausenden von Zwangsarbeitern und den todbringenden Waffen setzt sich das Museum kritisch auseinander. Und man nutzt die noch erhaltenen Räume, wie beispielsweise das Kraftwerk, zur Versöhnung: Dort findet seit 20 Jahren das Usedomer Musikfestival mit hochkarätigen Musikern statt.
Wer einfach nur Entspannung auf der Insel sucht, schlendert an der Ostsee entlang von einem Seebad zum nächsten. 42 Kilometer perfekter Sandstrand sind ein riesiger Spielplatz für Klein und Groß zum Buddeln und Beobachten.
Die frische Brise und die salzige Luft tun einfach gut. Da lässt sich kaum einer vom plötzlich einsetzenden Nieselregen abhalten. Denn ein gemütlicher Kaffee oder Tee sind am Nachmittag allemal drin. Vielleicht auf der Seebrücke bei Heringsdorf mit dem pyramidenähnlichen Gebäude. Und am Abend darf’s gerne ein kühles Bier sein. Seufert  Usedom Braumeister und Biersommelier Thiemo Schreieder hat als Bamberger 2004 auf der Insel eine neue Heimat gefunden. Und eine Berufung: 1700 Hektoliter süffigen Gerstensaft stellt er her – vom Schwarzbier bis zum Pils. „Biere mit Charakter“ verspricht der Wahl-Usedomer und serviert die fünf Sorten im zünftigen Brauhaus mit dem glänzenden Sudkessel als Mittelpunkt. Bei einer Führung durch den kleinen Gärkeller weiht er die Gäste in die Braukunst ein, ehe es an die Verkostung der Biere in den klassischen Bügelflaschen geht.
Kosten muss man auf der Insel übrigens auch den Räucherfisch. In Rankwitz, zwischen Peenstrom und Achterwasser, führt Juniochefin Christin Reschke durch die Verarbeitungsräume und bis zur Räucherkammer des kleinen Familienbetriebs. Der Anblick der frisch aus dem Rauch geholten Fische lässt schnell das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und während draußen die Sonne buchstäblich ins Achterwasser fällt und vereinzelte Angler ihre Ruten aufwerfen, darf man den Tag mit dem Blick auf die herumschwirrenden Möwen ausklingen lassen.

Text und Fotos: Diana Seufert
Interessantes über Usedom
Die Insel Usedom in der Pommerschen Bucht ist durch den Peenestrom und das Stettiner Haff vom Festland getrennt. Die Stadt gleichen Namens ist geprägt von der spätgotischen Marienkirche und dem historischen Stadttor.
Usedom ist mit 1900 Stunden im Jahr sehr sonnenreich. Hier findet sich auch der nördlichste Weinberg Deutschlands und eine Weinkönigin wird wählt.
Einen Abstecher wert sind auch das Wasserschloss Mellenthin und Zempin, das kleinste Seebad, das an der schmalsten Stelle der Insel liegt.
Bequem ist Usedom mit dem Flugzeug zu erreichen. Jeden Samstag gibt es Linienflüge auf die Insel.