Georgien: In einem unbekannten Land

„Der Gast kommt von Gott!“ Für Irakli Schurgulaia steht außer Frage, dass er uns zum Essen einlädt – und nicht etwa umgekehrt. Jeglicher Widerspruch ist zwecklos. Der stämmige Professor für Deutsche Literatur führt uns in sein Lieblingsrestaurant und lässt unermüdlich auftischen. Dabei kennen wir Irakli Schurgulaia gar nicht. Auf dem Hinflug von Deutschland in die georgische Hauptstadt Tiflis haben wir zufällig neben ihm gesessen und ihn vor ein paar Minuten vor der Philharmonie genauso zufällig wiedergetroffen.

Vor der Tür tanzen zerfetzte Plastiktüten und vertrocknete Platanenblätter auf den löchrigen lauten Straßen im Wind. Ein nicht endender Blechstrom wälzt sich über den Rustaweli-Boulevard, die zentrale Hauptstraße in Tiflis: Moskwitschs und Opels, Ladas und Daimler, Wolgas und Fords. Auf  Schritt und Tritt wird der Besucher in Tiflis mit Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert. Manche der prächtigen Häuser aus dem 19. Jahrhundert sind aufwändig saniert, unmittelbar daneben fallen Gebäude gleicher Bauart in sich zusammen. Plattenbausiedlungen aus den 70er Jahren verrotten unweit moderner Hochhausneubauten. Alle paar Meter stehen Straßenhändler auf dem Bürgersteig, die an klapprigen Ständen Sonnenblumenkerne, Kaugummis, Rosen, Bonbons, getrocknetes Apfelmus und Zeitungen feilbieten.

Durch den wilden Kaukasus

Über die Alte Heerstraße, so benannt nach dem Einmarsch der Russen nach Georgien im Jahr 1801, fahren wir am folgenden Tag nordwärts Richtung Hoher Kaukasus. In Kasbegi – auf 1.700 Metern Höhe kurz vor der Grenze zu Russland gelegen – nächtigte vor uns schon Fritz Pleitgen bei seiner Reise „Durch den Wilden Kaukasus“. Pleitgen schlief im Haus Luisa Ziklauris, wir bei ihrer Nachbarin Natela Sujaschwili gegenüber. Frau Sujaschwili kann ein einziges Wort Deutsch: „Essen!“ Sie sagt es lächelnd, mit freundlich-forderndem Unterton. Doch obwohl wir unser Bestes geben, steht der Tisch nach dem Abendessen noch fast genauso voll wie vorher. Immer wenn ein Teller leer ist, bringt Frau Sujaschwili sofort wieder Nachschub.

Bei Sonnenaufgang gibt der tags zuvor noch trübe Himmel die Sicht auf Prometheus‘ ehemalige Leidensstätte frei: Majestätisch erhebt sich der schneebedeckte und zuckerhutförmige Kasbek in mehr als 5.000 Meter Höhe. Der Kasbek ist nach Meinung der Georgier nicht nur der schönste Berg des Landes. Sondern auch der Berg im Hohen Kaukasus, an den der Sage nach Prometheus auf Befehl von Zeus zur Strafe angekettet wurde, weil er gegen Gottvater Zeus‘ Willen den Menschen das Feuer gebracht hatte. Drei Jahrzehnte soll Prometheus‘ Martyrium gedauert haben.

Gänsegeier und Enzian

Auf der Spitze eines dem Kasbek vorgelagerten, mit Kiefern bewaldeten Hügels thront malerisch die Dreifaltigkeitskirche Zminda Sameba aus dem 14. Jahrhundert. Nach einem schweißtreibenden Aufstieg über einen steilen Pfad oben angelangt, haben wir einen faszinierenden 360-Grad-Rundumblick: auf den strahlenden Kasbek, auf den gegenüberliegenden verschneiten Bergkamm und auf Kasbegi. Grell blitzen die Blechdächer des Ortes im Sonnenlicht. Um uns herum wiegt sich ein betörender blauer Blumensee aus vielen tausend Enzian im Wind. Den Adler, der einst dem angeketteten hilflosen Prometheus bei lebendigem Leib die ständig nachwachsende Leber aus dem Leib riss, bekommen wir nicht zu Gesicht. Stattdessen kreist über uns minutenlang ein riesiger Gänsegeier, so tief, dass wir ihm fast in die Augen schauen können.

Gott habe ein besonderes Verhältnis zu Georgien, hatte uns der Literaturprofessor Irakli Schurgulaia erzählt: „Eines Tages verteilte Gott auf der Erde Länder an die einzelnen Völker. Nachdem er fertig war, kamen die Georgier. Gott sagte: Es tut mir leid, jetzt habe ich kein Stück Erde mehr für euch übrig. Da waren die Georgier sehr traurig und sagten: Lieber Gott, wir so spät gekommen, weil wir die ganze Zeit gefeiert und auf dein Wohl getrunken haben. Dann fingen sie an, Gott zu Ehren zu tanzen und zu singen. Der liebe Gott war von ihren Darbietungen und Lobpreisungen so gerührt, dass er ihnen daraufhin das Stück Erde schenkte, dass er eigentlich für sich selbst reserviert hatte.“ Hier oben drängt sich der Gedanke auf: So könnte es tatsächlich gewesen sein.

Die Tier- und Pflanzenwelt in Georgien ist so vielfältig wie in kaum einem anderen Land Europas; beispielhaft zu erleben auch im Borjomi-Kharagauli-Nationalpark im Kleinen Kaukasus im Süden des Landes. Außer Buchfinken, Tannenmeisen, Schwarzspechten und Zwergschneppern leben in dem mehr als 76.000 Hektar großen, bis in annähernd 3.000 Meter Höhe aufragenden Schutzgebiet auch Luchse, Bären und Wölfe. Allerdings eher im Verborgenen. Anders als Waldvögelein, Waldhyazinthe, geflecktes Knabenkraut, Storchenschnabel, Gauklerblume, Frauenmantel, Vergissmeinnicht, Margariten – an den prachtvoll leuchtenden Blumenmeeren kann man sich fast nicht satt sehen.

Kein Wunder, dass auch Anton Tschechow, Peter Tschaikowsky und anderen Berühmtheiten dieser Landstrich gut gefiel. Im nahegelegenen ehemaligen Fürstensitz und Kurort Borjomi verbrachten sie ihren Urlaub. Wie wir tranken sie von dem berühmten Borjomi-Heilwasser, dem magische Kräfte nachgesagt werden. Am Ortsausgang laden uns vier charmante betagte Damen vor ihrem Tante Emma-Laden mit einem Lächeln zu einer ausgiebigen Vesperpause ein – obwohl wir eigentlich nur ein Foto von ihrer Auslage machen wollten. Großzügig beschenken sie uns mit Bier, Limonade, Tomaten, Gurken, Peperoni und Brot: Der Gast kommt von Gott.

Volker Wartmann

INFOS

Georgien, östlich des Schwarzen Meeres und südlich des Großen Kaukasus gelegen, liegt geografisch bereits in Vorderasien. Die Georgier sehen ihre Heimat aber eher als „Balkon Europas“ oder als „Tor zu Europa“. Im Norden grenzt Georgien an Russland, im Süden an die Türkei und an Armenien und im Osten an Aserbaidschan. Die Größe Georgiens entspricht etwa der Bayerns. In Georgien leben etwa 4,5 Millionen Menschen. Seit Anfang der 90er Jahre wanderten schätzungsweise rund eine Million Georgier aus, vor allem wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage. Politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes ist die Hauptstadt Tbilissi, in der etwa 1,4 Millionen Menschen leben.

Polen: Schlossherr mit Leib und Seele

Er ist, um den altmodischen Ausdruck zu gebrauchen, ein Tausendsassa. Auch das Wort vom Selfmademan würde auf ihn passen. Zbigniew Czmuda hat „schon alles gemacht“, wie er sagt. In Amerika hat er beispielsweise Staubsauger verkauft, ohne Englisch zu sprechen. Deutsch spricht er fließend. Der studierte Volkswirtschaftler ist ein fleißiger Mann, freundlich und herzlich. Heute ist er – durchaus stolzer – Schlossherr.

Was für ein Schloss! Es heißt Palac Wiechlice und liegt im gleichnamigen Örtchen in Westpolen, gut zwei Bahn- oder Autostunden von Berlin entfernt. Zbigniew Czmuda und seine Frau Joana haben das Haupthaus im Barockstil und zehn Nebengebäude, allesamt damals Ruinen, vor sechs Jahren gekauft und seit 2009 renoviert und aus- und umgebaut. Dabei schaute ihm der Denkmalschutz immer über die Schulter, und das streng – „aber ich habe keinen Cent Unterstützung bekommen“, sagt Czmuda.

Das Haupthaus, das Schloss, ist ein prächtiger Bau, außen wie innen. Bei der Renovierung wurden nur originale oder – wie bei einigen Türen – den Originalen nachgebildete Teile verwendet. Die Zimmer wurden nach altem Vorbild mit reinem Kalk gestrichen. „Das ist sauber und hygienisch“, betont Czmuda. Apropos Zimmer: Die sechs im Haupthaus, in dem auch das Restaurant liegt, haben Ausmaße von Ballsälen. Die Fernseher in den Zimmern im Haupthaus sind so groß, dass man sie umlegen und Billard drauf spielen könnte. Doch das nicht genug: Im Bad hängt jeweils ein zweiter Plasmaschirm. 28 weitere, kleinere Zimmer liegen in den ebenfalls sorgsam restaurierten Seitengebäuden.

Konferenzen in der Scheune

Das waren einmal riesige Scheunen. In einer der Scheunen hat das Hotel gerade einen Saal für Events und Konferenzen fertig gestellt. 150 bis 200 Besucher finden an Tischen, 250 bei Konferenzbestuhlung Platz. In einem weiteren Scheunenbau ist zur Jahreswende eine hochmoderne Wellnessabteilung eröffnet worden – mit Schwimmbad, Behandlungsräumen, Saunen und vielem mehr. Auch ein Raum für Bogenschützen steht zur Verfügung.

Übrigens ist Czmuda ein leidenschaftlicher Sammler, und in seinem Schloss liegen über 200 Teppiche, feine, kostbare orientalische Teppiche. Überhaupt sammelt der der Schlossherr alles, was ihm auf Flohmärkten in die Finger kommt- alte Füllfederhalter und Bleistifte, Bücher und Bilder.

800 Jahre lang war das Gebiet an der deutsch-polnischen Grenze deutsch und zu dieser Zeit „unheimlich reich“, wie Czmuda weiß: „Da stand in jedem Dorf ein Schloss.“ Palac Wiechlice gehörte seit 1850 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs einer deutschen Bauernfamilie namens Neumann. Die alten deutschen Kasernen in Wiechlice wurden nach dem Krieg von den Sowjets ausgebaut. Auf 50 Hektar waren hier 15.000 Soldaten stationiert. Ihre Hinterlassenschaft: ein (unbenutzter) Flugplatz vor den Türen des Hotelpalasts, leere Kasernengebäude und mehrere Hangars. Zum Hotel selbst gehören ein großer Park, mehrere Fischteiche und 4.000 Weinstöcke.

Ausflug zur Glashütte Borowski

Der Schlossherr von Wiechlice kennt viele, viele Leute. Er brannte förmlich darauf, mir ein paar seiner Kontakte zu zeigen. Also fuhren wir nach Bolesławiec – uns besser als Bunzlau bekannt, die Stadt der berühmten Bunzlauer Keramik. Zwischen Bolesławiec und dem Nachbarörtchen Tomaszow Boleslawiecki liegt die Glashütte Borowski. Sie ist in einem über hundert Jahre alten Gebäude untergebracht, das nach dem Krieg einer LPG gehörte und sehr heruntergekommen war, als die Familie Borowski 1991 das Gebäude kaufte. Der erforderliche Anbau ist stilgerecht errichtet worden.

Die Borowskis gingen in den frühen 80-er Jahren nach Deutschland und unterhielten 1988 und 89 eine Glashütte in Nordrhein-Westfalen. Zwei firmeneigene Läden verkaufen heute in Deutschland Borowski-Glas, davon einer auf Sylt. Die Glashütte bei Bunzlau darf besichtigt werden, ein faszinierender Ausflug von Palac Wiechlice. Herzlich empfingen uns der fließend Deutsch sprechende Besitzer Pawel Borowski, seine Frau, sein Vater, der Seniorchef, und seine Mutter. Größer als die Schar der Glasbläser ist die Zahl der Mitarbeiter, die mit der Nachbereitung befasst sind. Denn die Glashütte produziert nicht „normales“ Glas – Trinkgläser, Schalen usw. -, sondern merkwürdige Gebilde mit bunten Schnäbeln, Stummelflügen und Kugelbauch. Ungewöhnlich: Viele der Glasgebilde sind zur Außenaufstellung konzipiert und können beleuchtet werden. Die Gebilde sind gewiss nicht jedermanns Geschmack, eher Kunsthandwerk als Kunst, aber auf jeden Fall originell.

Wunderwelt im Shop

Eine Wunderwelt ist der Shop, der unter dem Dach der Glashütte die eigenen Produktionen verkauft. Die wundersamen Gebilde sind erschwinglich. Es gibt auch preiswerte Ware zweiter Wahl – nur Perfektionisten würden die kleinen Fehler erkennen. Alles in allem: ein herrlicher Ausflug. Zbigniew Czmuda war auf seinen Freund Pawel und dessen Manufaktur ganz stolz – zu Recht!

Zbigniew sammelt nicht nur alte Stiche und Dreschflegel, Tellpiche und kostbare Füllfederhalter – er sammelt auch auch Kontakte, Menschen. Und so musste mir unbedingt Bogdan Nowak vorstellen. Bogdan, auch so ein Tausendsassa, betreibt in Boleslawiec [Bunzlau] das Hotel Villa Ambasada. Es hat nur zwölf im Stil französischer Boudoirs eingerichtete Zimmer. Das kleine Hotel ist in einem der großen, für Bunzlau typischen Bürgerhäuser des 19. Jahrhunderts untergebracht.

Vor dem prächtigen Gebäude stehen zwei aus Metall geformte Statuen. Die eine stellt Martin Opitz dar. Martin wer? Schnell gegoogelt: Martin Opitz von Boberfeld (* 23. Dezember 1597 in Bunzlau; † 20. August 1639 in Danzig) war der Begründer der Schlesischen Dichterschule und ein bedeutender deutscher Dichter des Barock. Bogdan Nowak, der den Dichter sehr verehrt, hat diese Statue ebenso geschaffen wie die mächtige Frauenstatue neben der Villa, „in Anlehnung an die ‚Freiheit auf den Barrikaden‘ von Delacroix“, wie er sagt. Das berühmte, 1830 von Eugène Delacroix geschaffene Gemälde hängt im Louvre; es trägt eigentlich den bei uns weniger bekannten Titel La Liberté guidant le peuple, Die Freiheit führt das Volk. Dass Bogdan dieses Motiv für die Monumentalplastik gewählt hat, liegt auf der Hand: Die Villa Ambasada liegt in der ul. Komuny Paryskiej, der Straße der Pariser Kommune, die einst zu den schönsten Straßen der Stadt zählte.

Kunst im Keller

So ist es nur folgerichtig, dass das im Souterrain liegende Restaurant Piwnica Paryska heißt, „Pariser Keller”. Das Restaurant ist ein Gewirr aus ineinander verschachtelten, urigen Räumen, die mit vielen, vielen Fotos und Pariser Straßenschildern dekoriert sind. Spezialität der Küche ist Pariser Stroganow, Lendenbraten mit Steinpilzen, Leśny Talerz [Waldplatte] und Pfannkuchen mit weißem Schokoladenguss.

Piwnica Paryska ist auch für den leckeren Kaffee bekannt, „die Stammkunden kommen bis zu dreimal täglich, um den Kaffee zu genießen“. Viele in Polen und über Polen hinaus bekannte Künstler und auch, das ist Bogdan ganz wichtig, Nachwuchskünstler treten im Pariser Keller auf. Jeden Donnerstag treffen sich im Pariser Keller die Bunzlauer Frankophonen. Dann treten Bogdans französische Freunde Lidia und Joel Beucher mit Chansons von Jacques Brel, Edith Piaf und Joe Dassin auf. Das Paar ist polyglott: Lidia und Joel singen nicht nur auf Französisch und Polnisch, sondern auch auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Rumänisch.

Auffallend viele Plakate und Fotos im Pariser Keller sind dem Pantomimen Marcel Marceau gewidmet, der als Bip – Ringelhemd, weiß geschminktes Gesicht, zerbeulter Seidenhut und rote Blume – berühmt und unsterblich wurde. Von 1972 bis 1997 war Bogdan Nowak sein Assistent. Pantomime ist für Bogdan „das Besiegen von Barrieren, die Kunst des Selbstentdeckens und die Kunst des Wiederfindens der Harmonie mit der umgebenden Welt“.

Via Sudetica führt zum Jakobsweg

Bogdan ist auch Initiator eines wohl weltweit einzigartigen Festes: Am dritten Samstag im August bestreichen einige Hundert Einwohner der Stadt und Touristen aus aller Welt ihre Körper mit flüssiger Keramikmasse und ziehen als weiße Gestalten durch die Strassen der Stadt. Die Teilnehmer erinnern auf diese Weise daran, dass Bunzlau seit dem 16. Jahrhundert für Lehmgewinnung und Keramikproduktion weltbekannt ist.

Bogdan macht noch mehr. Er ist Gründer der Organisation Via Sudetica, benannt nach einem Seitenstrang des Jakobswegs, der durch diese Gegend führt. Zur Via Sudetica haben sich 30 Leute der Stadt zusammen geschlossen, Töpfer, Restaurant- und Hotelbesitzer, freie Künstler. Sie alle wollen die wechselhafte Geschichte der Region wieder lebendig werden lassen. Den „die meisten Leute wollen nichts von Geschichte wissen“, wie Bogdan Nowak bedauert, der Tausendsassa.

Horst Schwartz

Rumänien: Reiterurlaub in den Karpaten, Teil 4

Pferdefuhrwerk in den Karpaten

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Halbzeitpause mit Programm

Am sechsten Tag ist Ruhetag im Dorf Borospataka – Zeit für etwas Kultur. Wir wohnen in einem Museumsdorf („Skansen“), die Häuser sind im Originalstil restauriert. Abgesehen von der elektrischen Birne – versteckt im Gehäuse einer Petroleumlampe – sehen die Zimmer aus wie vor hundert Jahren. Besonders schätzen wir nach den Tagen des einfachen Lebens aber die sauberen Gemeinschaftsduschen mit fließend heißem Wasser!

Wir besuchen ein Volkskundemuseum, das von einer pensionierten Lehrerin liebevoll eingerichtet und geleitet wird, und die ehemalige Grenze der Monarchie am Fuße der Burgruine Rakóczy. Daneben steht die erste Kirche der Csángos von 1782. Der idyllisch gelegene Friedhof weist Grabsteine in Ungarisch, Rumänisch und Deutsch auf: Hier liegen Soldaten der bayrischen Kavallerie, die 1916, im ersten Weltkrieg, 20-jährig in der Nähe ums Leben kamen. Volkskundemuseum Borospataka

Am Abend gibt es Musik und Tanz der Csángos, dargeboten von hiesigen Jugendlichen. Die Geigenmusik ist zugleich süß und melancholisch, beim Tanzen wird vor allem mit den Füßen gestampft. Wir werden aufgefordert, mitzumachen und nutzen die Gelegenheit, mal andere Muskeln zu trainieren als auf dem Pferderücken.

Nach acht Reittagen und über zweihundert Kilometern sind alle zufrieden mit der Tour, aber auch nicht unglücklich, wieder in den Alltag zurückzukehren. Nur etwas mehr Galopp hätte es sein dürfen! Ein großes Lagerfeuer unter leuchtenden Sternenhimmel schließt die Tour ab. Am letzten Tag gibt es noch zwei Überraschungen: erstens dürfen wir auf dem Pferdewagen zurück in die Stadt fahren. Und was ich schon geahnt hatte, wird zur Gewissheit: Ohne jede Federung ist das Ganze keine Wohltat für die Bandscheiben; Reiten ist schöner! Um davon abzulenken, werden unsere Fahrer, die Teenager András und Zsolt, noch mal richtig übermütig und verfallen in ein Wettrennen. Erst kurz vor Gheorghieni beruhigt sich die Stimmung wieder – die Pferde sollen natürlich nicht nassgeschwitzt zum Hof kommen.

Dort wartet die zweite Überraschung: Schweifwedelnd begrüßt uns vollkommen unversehrt Kalima, der gelbe Hund. „Der ist schon seit ein paar Tagen wieder hier“, sagt Brigittas Vater. Vielleicht war er nur zu faul gewesen, die ganze Tour mitzumachen?

Maja Linnemann

Information:

Buchbar direkt über www.hipparion.ro ,  8 Tage ca. 600 Euro

Anreise: Mit dem Korona-Expresszug ab Budapest Westbahnhof, Abfahrt täglich 15.15, Ankunft am nächsten Morgen gegen 4 Uhr. Abfahrt ab Gheorghieni: 22.43, Ankunft in Budapest gegen 10 Uhr. Ohne Umsteigen.

Flughäfen gibt es in den Siebenbürger Städten Tirgu Mures (Neumarkt), Sibiu (Herrmannstadt) und Cluj Napoca (Klausenburg). Von da dann mit dem Zug weiter, was immer noch etwas langwierig ist.

Wer zuhause schon einmal Csango-Musik hören möchte: http://www.csango.hu/

Rumänien: Reiterurlaub in den Karpaten, Teil 3

Pferdewagen in den Karpaten

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Wie in alten Zeiten…

Rumänien ist seit dem 1. Januar 2007 EU-Mitglied, aber viele Szenen in dieser Gegend erinnern an längst vergangene Zeiten: Die Menschen leben vom Ackerbau, der Viehzucht und den Wäldern. Täglich sehen wir ältere Frauen mit Kopftüchern und langen Röcken, die auf den Wiesen das Heu wenden. Wir besuchen ein freundliches Paar auf ihrer Sommeralm, sie versorgen hier abwechselnd mit drei anderen Familien mehrere Kühe und machen jeden Tag einen runden Käse. Die Dörfer, durch die wir reiten, ziehen sich entlang fast endloser Straßen, die Hausnummern bewegen sich in den Tausendern. Ein kunstvoll geschnitztes Tor reiht sich an das nächste, die Arbeit mit Holz hat hier lange Tradition. Nur die Satellitenschüsseln an den Häusern beweisen, dass moderne Zeiten Einzug gehalten haben.

Nach zwei Nächten im Zelt haben wir am dritten Tag die Wahl, im Heu zu schlafen. Das klingt romantisch, aber viel Schlaf bekommen wir nicht. Im Untergeschoss rumoren zwei Kühe, deren Glocken unaufhörlich bimmeln. Und mitten in der Nacht erklingt plötzlich lautes Hundegebell und dramatisches Jaulen. Am nächsten Tag ist unser gelber Hund, Kalima, verschwunden. Einer der Hütehunde unserer Gastgeber sei freigekommen und habe sich auf den fremden Kalima gestürzt, so das Gerücht, das beim Morgenkaffee die Runde macht. Die zotteligen, verfilzten Hütehunde sind wirklich furchterregend, wann immer wir an einer menschlichen Ansiedlung vorbeireiten, nähern sie sich knurrend und bellend im Pulk. Zu Pferd fühlt man sich noch einigermaßen sicher, aber als Wanderer möchte ich ihnen nicht begegnen.

Als wir mittags losreiten, ist die Stimmung gedrückt, denn Kalima bleibt verschwunden. Brigitta gibt ihm keine Chance, alleine nachhause zu kommen: „Entweder die anderen Hunde zerreißen ihn, oder ein Bär. Es ist zu weit.“ Während wir in Gedanken noch bei Kalima sind, hat auch „Fekete“ ein unglückliches Zusammentreffen mit einem unfreundlichen Artgenossen. Auf der Flucht gerät er zwischen die Pferdebeine und wird gleich zweimal getreten. Für eine Weile nimmt Csaba ihn vor sich in den Sattel, aber später muss Fekete selber klar kommen. So reiten wir den Rest des Tages nur im Schritt, damit er – nur auf drei Beinen laufend – nicht den Anschluss verliert. Karpaten

An einem anderen Tag kommen wir an zugewachsenen Gräben aus dem Zweiten Weltkrieg vorbei. „Hier wurde schwer gekämpft“, erzählt Csaba. Sein Wissen um die Geschichte und Geographie der Gegend ist unerschöpflich. Mit dem 86-jährigen Großvater einer Bauernfamilie, bei der wir Quartier finden, treffen wir sogar auf einen Zeitzeugen. Der alte Herr freut sich über die Besucher und erzählt gerne Geschichten aus seiner Jugend. Leider verstehe ich nicht alles. Am Morgen verabschiedet er sich von mir mit einem eleganten Handkuss – so war es üblich in der Monarchie!

Mehrmals täglich überqueren wir private Weiden – wie im Cowboyfilm. Csaba an der Spitze öffnet das Gatter, dann erklingt sein Ruf „Der Letzte schließt das Tor“, der bis ans Ende der Reihe weitergegeben wird. Der „Letzte“ hat noch eine verantwortungsvolle Aufgabe: Er muss aufpassen, dass keines der Fohlen zurückbleibt. Einmal bewegen wir uns im Gänsemarsch gerade auf eine Wiese, als sich aus der Gruppe friedlich grasender Kühe ein mächtiger Stier löst. Langsam nähert er sich unserer Gruppe, schwenkt dabei nervös den schweren Kopf und den Schweif. Ich halte unwillkürlich den Atem an, aber Csaba hat auch diese Situation im Griff. Er greift zur Peitsche und lässt sie mehrmals durch die Luft zucken. Das Knallen wirkt, der Stier zieht sich zurück und wir verlassen die Wiese im Schritt und schließen erleichtert das Tor hinter uns.

Maja Linnemann

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Rumänien: Reiterurlaub in den Karpaten, Teil 2

Pferde in den Karpaten

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Csabas Pferde sind ausdauernd und gelassen. Das kommt von dem Training, welches sie von klein auf erhalten: Unsere „Herde“ umfasst nicht nur 15 Reiter, sondern auch ein knappes Duzend Fohlen und Jährlinge! „So lernen die jungen Pferde schon früh den Rhythmus der Wanderritte kennen“, erklärt Csaba. „Sie laufen auf unterschiedlichem Terrain, bilden ihre Muskeln und ihren Gleichgewichtssinn aus, gewöhnen sich an Menschen, Autos, Geräusche…“ Unser jüngstes Mitglied ist erst drei Wochen alt, läuft aber in der Gruppe schon wie die Alten. Zwar richtet sein kurzer, buschiger Fohlenschweif noch nicht viel gegen die Fliegen aus, aber er schnappen kann er schon, wenn ihm ein anderes Pferd zu nahe kommt. Nur in den Pausen zeigt sich, dass es ihm an Kondition fehlt, da legt er sich immer erst einmal hin, schließt die Augen fest und streckt alle Viere von sich. Rumänien, Pferde in den Karpaten

Am ersten Tag reiten wir 15 km. Gepäck und Ausrüstung werden auf zwei Pferdefuhrwerken transportiert, wie man sie im ländlichen Rumänien noch oft sieht. In dem bergigen Gelände müssen wir nicht nur manchmal absteigen und die Pferde führen, sondern an einem besonders steilen Abschnitt auch helfen, die Wagen anzuschieben. Eine echte Teamleistung! Galoppaden sind in dem bergigen Terrain eher die Ausnahme. Den größten Teil der Strecke werden wir im Schritt zurücklegen.

Deftige Küche stärkt Leib und Seele

Unser Lagerplatz liegt in einem bewaldeten Tal. Als wir ankommen, beginnt es wie aus Eimern zu schütten. Während die Gäste die Zelte aufbauen, beeilen sich András und Zsolt, Sättel und Zaumzeug zu sammeln und unter eine Plane zu stapeln. Die Pferde dürfen über Nacht frei grasen. Brigitta versucht, ein Feuer in Gang zu bringen. Ihre zwei Mischlingshunde, Kalima, gelb, rauhhaarig und jede Pause zu einem Nickerchen ausnutzend, und Fekete, mit weichem, schwarzen Fell, der mit allen gut Freund sein will, verziehen sich unter einen Wagen. Gerne würde ich es ihnen nachtun… In diesem Moment macht Gabor, ein Unternehmer aus Ungarn, mit einer Flasche in der hand die Runde und bietet allen eine Art Grappa an – der stammt von seinem eigenen Weinberg, wärmt und hebt gleich die Stimmung! Überhaupt ist die Truppe recht trinkfreudig, und nach lokaler Sitte gibt es ab und an auch schon mal einen Hochprozentigen zum Frühstück… natürlich freiwillig.

„Abnehmen wirst Du hier nicht,“ hatte Brigitta mich schon am ersten Tag gewarnt, als sie uns mit hausgemachtem Pflaumenschnaps in kleinen, für die Gegend typischen blau-weißen Becherchen begrüßte. Und sie hat recht: Trotz strömenden Regens produziert sie eine reichhaltige und leckere Mahlzeit. Die einheimische Küche ist deftig: Die Suppe kommt nie ohne saure Sahne, der Hauptgang bringt Fleisch in vielen Zubereitungsarten, dazu Kartoffeln oder unterschiedlichste Teigwaren, aber auch mal gefüllte Kohlrouladen oder Polenta, ein typisch rumänischer Auflauf aus goldgelbem Maismehl mit frischem Käse. Süchtig macht auch die selbstgemachte Auberginencreme mit frischem Brot. Zu allen Gerichten gibt es immer saure Sahne. Für die zwei Vegetarier in der Gruppe kocht Brigitta extra und während der ganzen Tour genießen wir viele frische Produkte, die „Bio“ sind, auch wenn es nicht draufsteht: Milch und Käse, Pilze, die wir tagsüber am Wegesrand pflücken, Tee aus frischer Minze und wilde Himbeeren.

Maja Linnemann

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Rumänien: Reiterurlaub in den Karpaten, Teil 1

Rumänien. Reiterurlaub

Am Rande Europas – Natur und Kultur im Land der Székler und Csangos

Der internationale Korona Express aus Budapest erreicht Gheorghieni morgens um vier Uhr. Gheorghieni, auch Niklasmarkt auf Deutsch oder Gyergyószentmiklós auf Ungarisch, liegt am Rande der Ostkarpaten, in Siebenbürgen/Rumänien. Es ist Ausgangspunkt eines 10-tägigen Pferdetreckings. Am Bahnhof ist es stockdunkel, nur aus der Bahnhofskneipe strahlt ein heimeliges Licht. Am Bahnsteig wartet Tamás, der Schwager des Reitführers. Durch menschenleere Straßen bringt er uns in einem klapperigen Dacia zu einem Hotel am Hauptplatz.

Am Nachmittag holt der Besitzer des Reitstalls, Csaba Gáll, uns ab. Es ist zwar August, aber kühl und regnerisch. So soll es auch in den nächsten Tagen weitergehen, warnt uns Csaba. Wieder fahren wir in einem Dacia, himmelblau diesmal und 31 Jahre alt, aber er schafft die 15 km auf unbefestigten Wegen hoch in die Berge ohne Probleme. Bei der Berghütte, von der die Tour startet, sind Csabas Frau, Brigitta, und drei junge Leute mit Vorbereitungen beschäftigt: Esther, eine Studentin, die hervorragend Deutsch und Englisch spricht, wird zusammen mit Brigitta für das leibliche Wohl der Reiter sorgen. Die Brüder András und Zsolt helfen in ihren Schulferien aus und sind für die Pferde zuständig.

Wo sind denn hier die Rumänen?

Nacheinander treffen die anderen Gäste ein: sieben Ungarn und vier Deutsche. „So setzen sich die meisten Touren zusammen“, sagt Csaba. Die Ungarn kommen fast alle zum zweiten oder dritten Mal. Nur ein älterer Herr, ein Pfarrer, hat – wie sich später herausstellt – vorher noch nie auf einem Pferd gesessen! Petra aus Berlin stellt bald fest, dass ihr neu erstandenes Rumänisch-Wörterbuch hier nicht viel nutzt: man spricht fast nur Ungarisch! Siebenbürgen gehörte bis 1918 zur Österreich-ungarischen Monarchie. Hier im Osten leben die Székler und Csangos, ethnische Ungarn, die Teil der 2-Millionen starken ungarischen Minderheit in Rumänien sind. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins 11. und 12. Jahrhundert.  Dorfladen in Rumänien

Bei der Gyimes-Tour werden wir einen Rundritt von ca. 200 km machen, bergauf und bergab, durch Tannenwälder und Dörfer mit beinah unaussprechlichen Namen: Meggyestető, Javardipataka, Gyimesközéplok. Der größte Berg, den wir überqueren werden, ist mit 1790 m die Große Zwiebel (Nagy-Hagymás).

Csaba Gáll, ein großer, schlanker Mann, spricht neben Ungarisch und Rumänisch auch gut Deutsch. Zur Reithose trägt er eine schwarze Wollweste, ein typischer Bestandteil der einheimischen Széklertracht. Sein langes, schmales Gesicht ist von Sonne und Wetter gezeichnet, das dunkelblonde Haar zum Pferdeschwanz gebunden, die schmalen Augen haben etwas Asiatisches. Zu Pferden wie auch zu Menschen spricht er langsam und leise, manchmal fast singend.

Es geht los!

Am nächsten Morgen bekommt jeder Gast – insgesamt sind wir 13 – ein Pferd zugeteilt. Fast alle Pferde sind Abkömmlinge eines Lippizanerhengstes und einheimischer Stuten. Mein Pferd heißt Hanika, eine vierjährige Stute. Das Putzen ist kein Problem, nur mit dem Auskratzen der Hinterhufe ist sie nicht einverstanden und gibt mir ihre Missbilligung mit einem gut positionierten Tritt zu verstehen. Glücklicherweise bleibt dies der einzige Punkt der Uneinigkeit zwischen uns während der nächsten 10 Tage. Reiterurlaub in den Karpaten

Zu unserer großen Überraschung erfahren wir, dass einige Pferde ohne Trense geritten werden, darunter auch Hanika. Damit habe ich keine Erfahrung – bin aber bereit, Csaba und seinen Pferden zu vertrauen. Später erzählt mir Csaba, wie einige Jahre zuvor zwei deutsche Reiterinnen zu ihm kamen, die mit der Pat-Pirelli-Methode arbeiten. Sie baten ihn, ohne Gebiss am Wanderritt teilnehmen zu dürfen. „Ich habe selbst auch vorher schon „ohne“ geritten, aber bei meinen Gästen war es mir zu riskant. Mit den beiden Deutschen ging es dann sehr gut und seitdem versuche ich, alle meine Pferde so auszubilden.“

Maja Linnemann

Zum Teil 2

 

Sie mögen lieber Bären als Pferde? Dann lesen Sie doch hier weiter:

Rumänien: Dracula – Liebe auf den ersten Biss

Estland: Weihnachtsmärkte in Tallinn und Tartu

Tallinn und Tartu erstrahlen im festlichen Glanz

Zur Weihnachtszeit verwandelt sich das nördlichste Land des Baltikums in eine zauberhafte Landschaft und taucht in eine feierliche Adventsstimmung zwischen Tradition und Moderne ein. Zuletzt von der britischen Times zum „Besten Weihnachtsmarkt Europas“ und von Travel Intelligence als „einer der Top 10 Weihnachtsmärkte in Europa“ gekrönt – ist der Weihnachtsmarkt der estnischen Hauptstadt Tallinn immer eine Reise wert. Die Universitätsstadt Tartu versprüht in der festlichen Jahreszeit einen besonderen weihnachtlichen Geist, den Besucher auf dem Markt mit zahlreichen Attraktionen erleben können.

Tallinn in weihnachtlicher Vorfreude

Bereits zum 10. Mal eröffnet der Weihnachtsmarkt in Tallinn auf dem historischen Rathausplatz der Stadt in festlicher Beleuchtung. Vom 26. November 2011 bis 8. Januar 2012 können Besucher neben traditionellen Weihnachtsköstlichkeiten auch regionale Handwerkskunst entdecken, in einem märchenhaften Haus nimmt der Weihnachtsmann die Wünsche der Kinder entgegen. Doch nicht nur auf dem Rathausmarkt sondern in der gesamten Stadt ist die feierliche Stimmung zugegen. Im westlich von der Innenstadt gelegenen Freilichtmuseum „Rocca al Mare“ können Familien im Weihnachtsdorf vom 16. bis 18. Dezember 2011 in die Vergangenheit blicken und landestypische Weihnachtstraditionen wie das Schmücken des Baumes originalgetreu kennenlernen. Musikalisch begleitet wird die festliche Zeit in Tallinn von v erschiedenen Konzerten –wie dem Christmas Jazz Festival – in Kirchen, Sälen und mittelalterlichen Türmen der Stadt. Dieses Jahr feiert der Markt zudem ein besonderes Ereignis: Tallinns Weihnachtsbaumtradition zählt seinen 570. Geburtstag und ist mehr als ein halbes Jahrtausend später noch immer Mittelpunkt des weihnachtlichen Geschehens.

Weihnachtlicher Geist in Tartu

Ein festlicher Höhepunkt ist auch der Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz der Stadt Tartu, dem geistigen Zentrum des Landes. Für Abwechslung sorgen verschiedene Attraktionen. Ab dem ersten Advent werden die Rathausfenster mit Bildern von alten Volksgeschichten und Märchenkalendern geschmückt sein. Vom 1. bis 23. Dezember 2011 führen abendlich um 18.00 Uhr bekannte Tartuer Schauspielern Märchen aus vergangenen Zeiten auf. Dabei können Besucher kulinarische Leckerbissen genießen und im Pfefferkuchenhaus selber backen.

Ein besonderes Ereignis ist das jährliche Wintertanzfest, das am 17. Dezember 2011 auf dem Rathausplatz von Tartu stattfindet. Wie im letzten Jahr werden rund 200 Tänzer auftreten und das Publikum zum Mittanzen auffordern. Männer haben die Möglichkeit, ihre Kräfte in einem Holzsägen- und Holzhacken-Wettbewerb zu messen.

Vom 16. bis 17. Dezember 2011 ist die Antoniusgilde der „Hof für Geschmackserlebnisse“, denn dort können Gäste hautnah bei der Zubereitung eines typisch estnischen Weihnachtsabendessens dabei sein.

Für weihnachtlich-musikalische Unterhaltung ist ebenso gesorgt. Nicht nur an den Adventssonntagen auf dem Rathausmarkt, sondern auch in den Kirchen und Konzertsälen der Stadt wird es verschiedene Aufführungen geben.

Weitere Informationen gibt es unter: www.tourism.tallinn.ee, www.visittartu.com, www.visitestonia.com