Service: Urlaub von der Allergie

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Tipps zu den schönsten Ferienzielen für Allergiker

Die Sonne scheint, ein leichtes Lüftchen weht – doch nicht jeder kann sich über das aktuell so schöne Wetter freuen. Denn für viele Menschen geht es mit juckenden Augen, einer laufenden Nase und Niesattacken einher. Im Frühjahr und Sommer herrscht Pollenalarm. Laut Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes leiden 16 Prozent der Deutschen unter Heuschnupfen. Und manche Menschen haben über das ganze Jahr hindurch mit Allergenen wie zum Beispiel Hausstaubmilben zu kämpfen. „Allergien bestimmen den Alltag vieler Menschen“, so Christina Bathmann, Sprecherin von Travelzoo® Deutschland. „Unsere Reiseangebots-Experten haben dies zum Anlass genommen, eine Liste mit den schönsten Reisezielen für Pollen- und Hausstaub-Allergiker zusammenzustellen. So bringt der Urlaub die verdiente Erholung und wird nicht von der Allergie überschattet.“

Die Ostfriesischen Inseln

Die Ostfriesischen Inseln sind das ideale Reiseziel für Pollenallergiker. Denn die jodhaltige Meeresluft wirkt auf gestresste Atemwege wie eine Dauerinhalation. Außerdem weht der Wind hier überwiegend vom Meer aus landeinwärts und Pollen haben kaum eine Chance. Viele der ansässigen Kur-Kliniken haben sich auf die Bedürfnisse von Heuschnupfen-, Asthma- und Neurodermitis-Kranken eingestellt. Außerdem können Urlauber bei ausgedehnten Strandspaziergängen entspannen. Auch Sylt und die anderen Nordfriesischen Inseln sind sehr gut als Ferienregion für Allergiker geeignet.

Die Kanarischen Inseln

Wer allergisch auf Birkenpollen reagiert, kann in den belasteten Monaten auf die Kanarischen Inseln ausweichen. Denn hier stehen nicht nur Sonne, Strand und Meer auf dem Programm: Auf den Kanarischen Inseln sind Birkenpollen wie im südlichen Mittelmeerraum kaum nachweisbar. Das Gleiche gilt für viele weitere Pollen, die typisch für deutsche Gefilde sind. Darüber hinaus sind die vor der afrikanischen Küste liegenden Inseln so vielseitig, dass sie sowohl für Familien-, Aktiv- als auch für Party-Urlauber eine Menge zu bieten haben. Wer mag, bucht eine Kreuzfahrt in der Region. Schiffsreisende laufen viele verschiedene Häfen an, bekommen einiges zu sehen und sind gleichzeitig von frischer Meeresluft umgeben.

Hochgurgl und Obergurgl in Tirol

Der kleine Ferienort Hochgurgl ist auf 2.150 Meter Höhe inmitten der Ötztaler Alpen gelegen und bietet somit die perfekte Höhenluft für Allergiker. Vor allem wer auf Hausstaubmilben reagiert, ist hier richtig. Denn diese kommen ab 1.500 Höhenmetern praktisch gar nicht mehr vor – gleiches gilt für Schimmelpilzsporen. Dazu kommt eine vergleichsweise geringe Pollenbelastung. So können allergiegeplagte Urlauber entspannt durchatmen und die traumhaft schöne Berglandschaft bei einem entspannten Wanderurlaub genießen. Wer mehr Trubel sucht, wird im benachbarten Obergurgl auf 1.930 Meter Höhe fündig.

Die Atlantikküste

Sonnenhungrige Pollenallergiker können auch die spanische, französische oder portugiesische Atlantikküste ansteuern, wie zum Beispiel die Algarve. Denn hier trifft der Wind vom Meer aus aufs Land, sodass sie auf deutlich bessere Bedingungen als im Inland stoßen. Außerdem hilft das Meerwasser bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Und bei langen Strandspaziergängen können auch Schnupfnasen wieder tief durchatmen. Wer auf Hausstaubmilben reagiert, steuert aber lieber die Nordsee oder das Hochgebirge an.

Bad Hindelang im Allgäu
Bad Hindelang wurde bereits zwei Mal als „allergikerfreundliche Gemeinde“ zertifiziert. Der Ort hat sich komplett auf die Bedürfnisse betroffener Menschen eingestellt – mehr als hundert Unternehmen beteiligen sich mit Angeboten an einem ensprechenden Modellprojekt. Außerdem ist das Heilklima des Allgäuer Kurortes perfekt für Allergiegeplagte geeignet – dank der Höhenlage der Ortsteile Oberjoch und Unterjoch ist die Luft frei von Hausstaubmilben und arm an Pollen- sowie Schimmelpilzsporen.

 

Frankreich: La Rochelle, die schöne Rebellin

La Rochelle HafenDie charmante Hafenstadt La Rochelle wurde im 10. Jahrhundert gegründet und war zunächst ein Fischerdorf, das aufgrund des Wein- und Salzhandels ab dem 12. Jh. an Bedeutung gewann. Der Hafen von La Rochelle gehört heute zu den schönsten Atlantik-Häfen Frankreichs. Historische Reederhäuser mit Restaurants und Cafés säumen die Uferpromenaden. Die drei Türme der Stadt, Saint-Nicolas, Chaîne und Lanterne, sind die Überreste der Befestigungen der Stadt. Der Tour de la Chaîne und der Tour Saint-Nicolas wurden im 14. Jahrhundert gebaut und verteidigten den Eingang des Hafens. Der Tour de La Lanterne aus dem 15. Jahrhundert diente als Landmarke, Leuchtturm und Gefängnis. Er unterscheidet sich von den beiden Hafentürmen durch seine gotische Spitze. Von seiner fast 300-jährigen Funktion als Gefängnis zeugen etwa 600 Wandmalereien von spanischen, holländischen und britischen Gefangenen. Die malerische Altstadt der Hugenotten- und Protestanten-Hochburg ist geprägt von mittelalterlichen Häusern und prächtigen Patrizier-Villen, deren Fassaden mit Wasserspeiern und steinernen Köpfen geschmückt sind. Auch das Rathaus der Stadt, ein imposanter Renaissancepalast, erbaut von König Heinrich IV., sowie der Justizpalast und das Hôtel de la Bourse, beides eindrucksvolle klassizistische Bauwerke auf dem 18. Jahrhundert, sind einen Besuch wert.  Schmale Gassen und geheimnisvolle Passagen führen zu versteckten Plätzen und Hinterhöfen. Die rue de l’Escale wirkt wie eine Zeitmaschine: Man fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt. Der Bischöfliche Palast aus der Zeit Ludwig XVI. beherbergt das sehenswerte Musée-des-Beaux-Arts, das in erster Linie der Malerei des 15. bis 19. Jahrhunderts gewidmet ist. Eine Pause legt man am besten in dem schönen Jugendstil-Café „Café de la Paix“ ein. Hier war der Schriftsteller Georges Simenon Stammgast.

Info: www.poitou-charentes-vacances.com

Frankreich: Elsässischer Wein

 

Elsässischer Wein zur traditionellen Küche ist ein Muss. Über 170 Kilometer schlängelt sich die  Weinstraße am Rhein an der französisch-deutschen Grenze entlang und bietet köstliche Tropfen. Weiter im Norden liegt die kleine Weinstraße mit der nördlichsten Weinlage des Elsass in Cleebourg, nur wenige Kilometer von Rheinland-Pfalz entfernt.  Und dort ist eine von zehn Weinbruderschaften des Elsass zu finden.

„Lupfet s’Glasl bis zur Nasl, trinket noch en gute Schluck, Gsundheit.“ Die Mitglieder der Weinbruderschaft in Cleebourg, in grüne Mäntel und weiße Handschuhe gehüllt und mit einem schwarzen Hut geziert, singen ihren Trinkspruch aus voller Kehle. Und mit Begeisterung. Die vier Orte Cleebourg, Oberhoffen, Rott und Steinseltz bilden die „Confrérie des Vins des  Quatre Bans“, die 1996 ins Leben gerufen wurde, um den nördlichsten Wein des Elsass bekannt zu machen. Und der kommt teilweise sogar aus Deutschland, denn einige Weinberge liegen nicht nur an, sondern direkt auf der Grenze in Schweigen, wo auch das deutsche Weintor steht.

Seit Jahrhunderten wird im Herzen des Naturparks der Vogesen, rund 60 Kilometer nördlich von Straßburg, ein edler Tropfen gekeltert. Die Wurzeln des traditionellen Weinanbaus im Pays de Wissembourg reichen zurück bis auf die Dominikanerabtei aus dem 13. Jahrhundert. „Schon damals verstanden es die Mönche, die geistige Nahrung mit den Freuden des Leben zu vereinen“, lächelt Richard Juncker. Er weiß, wovon er spricht, seit drei Jahrzehnten ist er Kellermeister der Genossenschaft. Die ersten, die bei Cleebourg Wein anbauten, waren allerdings  im 8. Jahrhundert die Benediktiner.

Zwar blieb auch das Elsass und die Gegend rund um Wissembourg nicht vor der Reblaus verschont, doch sorgten ein  mildes Klima und der lehm- und mergelhaltige Boden für eine fruchtbare und ertragreiche Arbeit der Winzer. 1946 taten sich Anbauer  mit einer Rebfläche von 70 Hektar schließlich zu einer Genossenschaft zusammen, die im Laufe der Jahre mehr und mehr ausgebaut wurde. Heute werden 200 Hektar Fläche bewirtschaftet, vor allem mit den Reben  Auxerrois und Pinot Gris. Selbst Bioweine gibt es mittlerweile rund um Cleebourg. Und die Klimaerwärmung schreckt die Winzer nicht: „Dadurch sind wir bald die einzigen, die noch typischen Elsässer Wein produzieren.“ Ausgewogene und harmonische Tropfen eben.

„Cleebourger Wein im Glasl is ä Pläsier für Zung‘ und Nasl“, findet Kellermeister Juncker, der sich bei einer Führung durch den Weinkeller und die neue Abfüllanlage gerne über die Schulter schauen lässt. Nach dem Einblick in die Vinifizierung und den Gang durch den Keller lädt er zur Weinprobe in der Empfangshalle. Im Ornat der Bruderschaft. Denn Juncker ist einer von 160 Mitgliedern der Bruderschaft, die sich als Botschafter des heimischen Tropfens sehen. Drei Stufen musste er wie alle Novizen bis zur Reife in der Vereinigung erklimmen. Will der Novize für würdig befunden werden, ein erleuchteter Bruder zu sein, muss er schließlich sechs Elsässer Weißweine bei einer Verkostung erkennen. Für richtige Weinkenner dürfte das mit etwas Übung zu schaffen sein. Der Bruderschaft kann übrigens jeder Interessierte beitreten.

Diana Seufert

Für die Besichtigung des Cleebouger Weinkellers sollte man sich unter www.cave-cleebourg.com anmelden. Dort sind auch die Öffnungszeiten und Infos zur Direktvermarktung zu finden.

Irland: Wellness auf der grünen Insel

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Wenn man Iren fragt, was sie über Strandhill wissen, fällt den meisten zuerst ein, dass man dort gut Wellenreiten kann. Für die Bewohner des nahe gelegenen Städtchens Sligo ist das einstige Fischerdorf an Irlands rauer Nordwestküste das Bade- und Freizeitdomizil schlechthin. Surfschulen, Yachthafen, Golfplatz und die zahlreichen Restaurants sind im Sommer stets gut besucht.

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Viele verbinden den Namen Strandhill mit Knocknarea. Der 327 Meter hohe Berg, an dessen Fuß das Örtchen liegt, gilt als letzte Ruhestätte der sagenhaften Kriegskönigin Méabh (auch Maeve) von Connacht. In voller Schlachtmontur, stehend und mit dem Gesicht gen Norden – zu ihren Feinden in Ulster gewandt – soll die streitsüchtige Dame in einem gewaltigen Steinhügelgrab auf dem Gipfel beerdigt worden sein.
Nach wie vor sind Königsgrab, Badespaß und Wassersport triftige Gründe, nach Strandhill zu reisen. Ein weiterer ist in den letzten Jahren hinzu gekommen: Seetang. Und der lockt immer mehr Wellness-Urlauber in das verträumt wirkende Nest am Atlantik, das in Wahrheit recht ausgeschlafen ist.

Algen zur Muskelentspannung

K1024_NeilWalton-VoyaSeaweedBaths1Was im ersten Moment nach einem neumodischen Spleen klingt, hat – zumindest in Irland – eine lange Tradition. „Schon vor mehr als 300 Jahren gab es hier Badehäuser, in denen man Algen nutzte, um Muskeln zu entspannen, die Blutzirkulation zu erhöhen, den Körper zu entgiften, alternder, ausgetrockeneter Haut natürliche Feuchtigkeit und Frische zurückzugeben und zu regenieren oder Heilprozesse zu fördern“, erklärt Neil Walton, während er, wie viele Male täglich, ein Algenbad vorbereitet. Die „Voya Seaweed Baths“, die der Sportwissenschaftler seit dem Jahr 2000 zusammen mit seinem Bruder Mark in Strandhill betreibt, waren die erste Neueröffnung eines Algenbadehauses seit 100 Jahren. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierten um die 300 dieser Einrichtungen auf der ganzen Insel, neun davon allein im winzigen Strandhill. Das schloss 1961, nachdem es vom Hurrikan Debbie zerstört worden war. Mittlerweile gehören Seetang-Behandlungen in vielen irischen Spas wieder zu den Standardangeboten.

Arme voll Seetang

Während warmes Wasser in die Wanne läuft, gibt der Wellness-Experte mehrere Arme voll handgeernteten Seetang hinzu. Die gelblich-braunen Großalgen der Spezies Fucus serratus sind glitschig und haben eine gummi- bis lederartige Konsistenz. Wegen ihrer gezackten Ränder auf deutsch auch „Sägetang“ genannt, erinnern sie zugleich mit ihren flachen, fingerförmigen Blättern an die Schwimmfüße von Wasservögeln. Ihr starker Meeresgeruch verbreitet sich in dem Raum, der mit seinen „algenfarbigen“ Wand- und Bodenfliesen an ein altmodisches Sanatorium erinnert.

K1024_NeilWalton-VoyaSeaweedBaths2 „Manche vergleichen das Seetang-Bad mit einer Fahrt über den Atlantik“, sagt Neil und lässt seinen Gast nun selbst auf Entspannungsreise gehen. Eine anfängliche Dampfbehandlung hilft den Poren, sich zu öffnen, um die wertvollen Nährstoffe der maritimen Heilpflanzen besser aufnehmen zu können. Der allererste Moment ist nicht der angenehmste. Doch nachdem sich die Haut an das schleimige Unterwasserkraut gewöhnt hat, fühlt man sich wie die kleine Meerjungfrau in ihren besten Tagen: mopsfidel und sorgenfrei, in den Wellen und Tiefen des Ozeans daheim.

Wannenbad mit Suchtpotential

Wunderbar belebt, entspannt und gut gelaunt (zum Glück immer noch ohne Fischschwanz), mit babyweicher, glatter Haut und seidig weichen Haaren steigt man nach 50 Minuten aus der Wanne. Das hat Suchtpotenzial! Neil Walton freut sich und versichert lachend seinem Gast: „Sie wären der erste gewesen, dem es nicht gefallen hat.“ Und das will was heißen bei den hohen Besucherzahlen der „Voya Seaweed Baths“! Die meisten kommen nicht, nur um in den Algen zu baden. Denn die Waltons nutzen die in den Pflanzen gespeicherte Kraft des Ozeans auch für hochwertige Kosmetikprodukte ohne jegliche chemische Zusätze. Verarbeitet werden dafür außer handgeerntetem Seetang aus Strandhill nur andere Biorohstoffe wie Sheabutter, Bienenwachs, Totes-Meer-Salz und Aloe Vera. „Um die Wirkstoffe des Seetangs zu gewinnen, verwenden wir ein komplexes Verfahren, das wir in langjähriger Forschung mit unzähligen Tests entwickelten. Dabei handelt es sich um eine Nachahmung des natürlichen Konservierungsvorgangs der Algen, mit denen sie sich zwischen Ebbe und Flut vor dem Austrocknen schützen“, so Neil Walton.

K1024_Sligo-SchafeVerbunden mit anderen positiven Eigenschaften der Meerespflanzen, übertrage man ihre feuchtigkeitserhaltende und zellerneuernde Wirkung auf die Hautpflegeprodukte und halte sie damit selbst „lebendig“. Früh geprägt durch seinen Vater Michael, der als einer der ersten Öko-Landwirte in Irland die Bio-Bewegung dort maßgeblich mitbestimmte und sich seit Jahrzehnten mit Meeresalgen beschäftigt, lernte der aktive Triathlet Neil Walton den Seetang als ein Geschenk der Natur zu schätzen. Nachdem er sich eine schwere Sportverletzung zugezogen und sie erfolgreich mit Algenbädern behandelt hatte, beschloss er, ein eigenes Seetang-Spa aufzubauen. Bereits im Eröffnungsjahr kamen 12.000 Gäste, Tendenz steigend. Also, liebe Iren – wie war das noch mal mit Strandhill? Ach richtig, ja, der Algenkurort…

Text und Bld: Carsten Heinke

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Der Autor im Algenbad

 

Voya Seaweed Baths: Das Seetang-Spa in Strandhill bei Sligo ist geöffnet montags und dienstags von 12 bis 20 Uhr, mittwochs bis freitags von 11 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 20 Uhr. Ein 50-minütiges Voya-Entgiftungs-Seetang-Bad mit Dampf kostet 25 Euro für eine Person, 35 für zwei. Das Spa-Menü beinhaltet neben Bädern diverse Körperpackungen, Facials, Massagen und viele Spezialbehandlungen. Eine 20-minütige Voya-Massage kostet 40, eine 50-minütige 65 Euro. Sehr beliebt ist der „Mermaid’s Purse Body Wrap“ (50 Minuten für 85 Euro). Weitere Informationen unter www.voyaseaweedbaths.com

Hotel-Tipp: Sligo Park Hotel, Pearse Road, www.sligoparkhotel.com

Restaurant-Tipp: Reidy’s Wine Bar & Bistro, Stephens Street, Sligo, anschließend ab 21.30 Uhr irische Livemusik in der Harp Tavern, Quay Street, www.theharptavernsligo.com

The Strand Bar, Strandhill, www.thestrandbar.ie

Akivitäten: Wellenreiten können Anfänger und Fortgeschrittene mit der Perfect Day Surf School in Strandhill, www.perfectdaysurfing.ie

Welche leckeren und gesunden Gerichte, Snacks und Drinks man aus frischem oder getrocknetem Seetang zaubern kann, lernt man in der Seaweed Cooking School in The Organic Centre, Rossinver, Co. Leitrim, www.theorganiccentre.ie

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The Organic Centre

 

Irland: Silvester in Dublin

 Trinity College

Wer wissen will, wie die Menschheit vor 5.000 Jahren den Jahreswechsel feierte, muss nach Dublin reisen. Etwa eine Autostunde von der irischen Metropole entfernt trifft man in Newgrange auf eine neolithische Grab- und Kultstätte, in der am 21. Dezember zur Wintersonnenwende ein Phänomen zu beobachten ist, das die Menschheit schon damals faszinierte. Gegen 9 Uhr morgens erleuchtet die Sonne durch ein winziges Fenster über der Eingangstür die gesamte Grabhalle von 19 Metern Tiefe. Ein Meisterwerk der Architektur und Astronomie – und dies 1.000 Jahre vor Stonehenge und den Pyramiden von Gizeh!02 Eingang mit Fenster Newgrange

Aber die Iren wissen auch heute zu feiern. Bereits zum dritten Mal fand zum Jahreswechsel 2013/14 das Dubliner „New Years Eve Festival“ statt, das inzwischen nicht nur Iren in ihre Hauptstadt lockt. Eine ganze Kavalkade von Veranstaltungen zieht Deutsche, Franzosen und Amerikaner gleichermaßen magnetisch an. Interessanterweise setzen die Veranstalter im Zeitalter der digitalen Kommunikation gerade auf direkte Begegnungen mit der Literatur, Musik und Tradition ihres Landes. Neben dem „City Assembly House“ und dem „Smock Alley Theater“ gibt es unzählige kleine Veranstaltungsorte, wie Pubs, Bibliotheken und Museen, in denen kulturelle Leckerbissen serviert und nicht selten auch die Besucher zum Mitmachen aufgefordert werden. Von der Poesie über Literatur, Comedy bis zur Musik spannt sich der Bogen der Themen, man trifft auf bekannte Literaturgrößen, wie Paul Durcan, Paul Sheridan und Dermot Bolger oder auf begabte junge Musiker, wie Seo Linn oder Lisa O´Neill.

03 Lisa O´Neill

Bei meist freiem Eintritt kann man vom 29. bis zum 31.Dezember seinem eigenen Geschmack folgend von Ort zu Ort zu ziehen. Besonders Literaturinteressierte kommen bei der Erkundung der Unesco-Weltliteraturstadt voll auf ihre Kosten, die von W. B. Yeats und George Bernard Shaw bis zu Samuel Beckett und Seamus Heaney allein vier Literaturnobelpreisträger hervorgebracht hat.

 Musiker in der Temple Bar

Die meisten Literaturgrößen Irlands studierten am Trinity College, wo man sich am 31. Dezember traditionell zum Höhepunkt des „New Years Eve Festivals“ trifft. Nachdem Familien mit ihren Kindern den Abend am „St. Stephen´s Green“ Park mit einem Laternenumzug („Procession of Light“) einleiten, findet die Outdoor-Party am „College Green“ mit einem Countdown Concert ihre Fortsetzung. Am Silvesterabend 2013 begeisterten beispielsweise die Bands „Leo Sinn“, „The Strypes“, „Ryan Sheridan“, „MKS“ (Gründerinnen der „Sugarbabes“) und „Madness“.

09 Madness läutet das neue Jahr ein

Und wer noch immer nicht genug vom Feiern hat, findet sich am Neujahrstag bei Celtic Rock und Swinging Blues am „Meeting House Square“ im „Temple Bar“ District ein.

Michael Juhran

Deutschland: 200 Wege über das Meer

VFF Fährfolder 2014

Auf über 200 Seerouten bringen die europäischen Fährgesellschaften Urlauber und Geschäftsreisende bequem, sicher und entspannt an ihr Ziel. Für die schnelle Reiseplanung hat der Verband der Fährschifffahrt und Fährtouristik e. V. die praktische Broschüre „Fähren, Routen, Reedereien“ für 2014 neu aufgelegt. Das Streckennetz von 26 Reedereien ist darin übersichtlich auf Routenkarten dargestellt: über Nord- und Irische See, Ostsee, durch das Mittelmeer und jetzt neu: über das Schwarze Meer.

Deutschland wird auf 17 Fährrouten mit Skandinavien, Russland und dem Baltikum verbunden, die Passagen starten unter anderem in Kiel, Travemünde und Rostock. Insgesamt 95 Strecken im Norden listet die Broschüre auf, dazu gehören auch die Nordsee-Verbindungen ab Dänemark, Holland, Belgien und Frankreich mit Kurs auf die Britischen Inseln, nach Norwegen sowie bis nach Island. Für das westliche und östliche Mittelmeer gibt die Broschüre einen Überblick über 90 internationale und nationale Fährpassagen. Neu aufgenommen wurden Fährverbindungen im Schwarzen Meer, zum Beispiel ab Odessa über Sotschi, die Stadt der Winterolympiade 2014, bis ins georgische Batumi.

Viele Wege führen zum Fährticket: Die Übersicht der Reedereien wird ergänzt um Buchungstelefonnummern, E-Mail-, Internet- und Facebook-Adressen der Fährreedereien. Smartphone-Nutzer werden über QR-Codes direkt auf die Seiten der Fährgesellschaften gelotst oder auf die Homepage des VFF: Hier sind unter dem Navigationspunkt „Buchung“ gleich mehrere reedereiübergreifende Buchungsportale zu finden.

VFF Fährfolder 2014_Die Routen im Norden

VFF Fährfolder 2014_Die Routen im Süden

Niederlande: Texel informiert online über Barrierefreiheit

Starndrollstuhl_Sand VVV Texel

Die westfriesische Nordseeinsel Texel gehört zu den beliebtesten Tourismuszielen der nördlichen Niederlande. Rund 4 km vor der Küste der Provinz Nordholland gelegen, ist die Insel über den Hafen Den Helder in nur 20 Minuten per Fähre erreichbar. Unter dem Motto „ganz Holland auf einer Insel“ wartet Texel mit einem überraschend vielfältigen Landschaftsbild auf: lange Sandstrände, Dünen, Heide- und Waldlandschaften, weiträumige Poldergebiete, Deiche sowie das Eiszeitrelikt „Hoge Berg“. Neben ihrer reichhaltigen Natur bietet die Insel auch in punkto Sport und Kultur ein abwechslungsreiches Angebot wie z.B. kilometerlange Rad- und Wanderwege, einen Flugplatz mit Fallschirmsprungschule, ein Walfischfängerhaus und ein Strandräubermuseum sowie das Zentrum für Watt und Nordsee „Ecomare“. Des Weiteren ist Texel Austragungsort zahlreicher Events wie das Katamaranrennen „Runde um Texel“ oder die Schlemmermeile „Texel Culinair“. Für Anfragen zu Ferienunterkünften und Informationen zur Insel bietet der VVV Texel in Den Burg eine zentrale Anlaufstation.

Texel – auch mit Handicap ein Erlebnis

Die inseltypische Gastfreundschaft von Texel ist weit über die geografischen Grenzen des Eilands hinaus bekannt. Insbesondere gilt diese auch für Menschen mit Behinderung: Für ihr Wohl hält die westlichste der niederländischen Nordseeinseln ein umfassendes Angebot bereit. Verschiedene Einrichtungen erlauben auf Texel, einen selbständigen Urlaub und das damit verbundene Gefühl von Freiheit zu genießen.

Observatorium

Angepasste Unterkünfte

In punkto Barrierefreiheit haben Gäste auf Texel die sprichwörtliche Qual der Wahl. Je nach Geschmack steht eine Vielzahl unterschiedlicher Unterkünfte mit angepasster Einrichtung zur Verfügung. Das Angebot reicht vom barrierefreien Campingplatz über rollstuhlgerechte Hotels bis hin zu Ferienwohnungen, die auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse zugeschnitten sind. Ein besonderes Highlight ist das im Badeort De Koog gelegene „Tesselhuus“. Unweit von Dünen und Meer bietet das Haus Raum für 18 Personen und ist auch für pflegebedürftige Gäste geeignet. So stehen unter anderem Zimmer mit Pflegebetten sowie Hebelifte, Duschwagen und -stühle zur Verfügung.

Natur ohne Schwellen

Texel erwartet seine Besucher mit einem rund 30 km langen Sandstrand, der an vielen Stellen auch für gehbehinderte Menschen problemlos zugänglich ist. Zum Beispiel mithilfe von motorisierten Off-road-Rollstühlen, die an diversen Strandpavillons ausgeliehen werden können. Auf der neuen Website kann man sich hierzu genau informieren. Des Weiteren findet man hier eine Übersicht über Wanderwege, die für Rollstuhlfahrer sowie Blinde und Sehbehinderte eingerichtet sind, sowie Wegbeschreibungen zu barrierefreien Aussichtspunkten und behindertengerechten Angelstegen.

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Grenzenlos aktiv

Auf Texel gibt es ein großes Angebot an Attraktionen und Unternehmungen, die auch mit Handicap eine Menge Spaß bieten. In insgesamt sechs Museen kann man viel über die Geschichte der Insel erfahren wie z.B. über die Natur im Watt, das Strandgutsammeln und das Seefahrerleben. Zu einem Ausflug in die Natur lädt der behindertengerechte Planwagen von Jan Plezier ein. Die beiden Krabbenkutter TX 10 und TX 44 bieten bei der Fahrt aufs Meer spezielle Plätze für Rollstühle an. Das absolute Action-Highlight aber wartet am Strand von De Koog: Hier kann man sich in einem speziellen Rollstuhl sogar beim Powerkiting von einem Drachen über den Sand ziehen lassen.

 

Frankreich: Kunst und Kultur in Charleville-Mézières

 00 Festival Mondial des Marionnettes 2009 02 crédit photo Philippe Mangen

Charleville-Mézières in den Ardennen wird jetzt vom französischen Ministerium für Kultur mit dem begehrten Gütesiegel „Ville d’Art et d’Histoire“, Stadt für Kunst und Geschichte ausgezeichnet. In Deutschland kennt kaum jemand die 50.000-Einwohner-Doppelstadt an der belgischen Grenze. Wir haben uns dort einmal umgeschaut.

Unumgänglich ist der Herzogsplatz „Place Ducale“ im Zentrum von Charleville. Der ist so etwas wie die „gute Stube“ der Stadt, wo alle wichtigen Veranstaltungen vom Volksfest, über Demonstrationen bis zu Militärparaden stattfinden. Vor etwa 400 Jahren war hier noch freies Feld. Erst 1606 kam Herzog Charles de Gonzague auf den Gedanken seine neue Stadt „ex nihilo“, aus dem Nichts, zu gründen. Mit der Realisierung wurde der Architekt Clément Métezeau beauftragt. Jetzt erklärt sich auch unser „déjà vu“- Empfinden. Der Platz ähnelt der „Place des Vosges“ im Pariser Marais-Viertel, da die Architekten der beiden Plätze Brüder waren und sicherlich voneinander abgeguckt haben. 27 sogenannte „Pavillons“ im Stil Heinrich IV. säumen den Platz. Deren Aufbau vereint die Baumaterialien der Ardennen-Region: der rote Backstein wurde in Charleville gebrannt; der gelbe Sandstein, den die Engländer „honey-stone“ nennen, kam über die Maas von den 10 Kilometer flussaufwärts gelegenen Steinbrüchen in Dom-le-Mesnil; der Schiefer für die Dächer stammte aus dem Maastal und wurde ebenfalls per Schiff geliefert. Rund um den Platz befinden sich zahlreiche Bars und Restaurants. Doch bevor wir Charleville gastronomisch erkunden, geht es erst einmal zur Maas hinunter, die sich in mehreren Schleifen durch die Hauptstadt der französischen Ardennen schlängelt.

00 Place Ducale Charleville-Mézières crédit photo CRTCAHier ist in einer alten, prachtvollen Wassermühle aus dem 17. Jahrhundert, ein Museum für die berühmteste Persönlichkeit der Stadt untergebracht: Arthur Rimbaud! Der wurde 1854 geboren und ging als Dichterrebell in die Geschichte ein. Zärtlich ist er mit seinem Geburtsort nicht gerade umgegangen und hat über ihn in seinen Gedichten gelästert. Aber trotz weiter Reisen hat es den Dichter, Abenteurer und Waffenschmuggler immer wieder in seine Heimatstadt zurückgezogen, und seine letzte Ruhestätte findet sich unweit auf dem Friedhof am Ende der „Rue Boutet“. Rimbaud-Fans aus der ganzen Welt huldigen dort ihrem Idol. Am Eingang des Friedhofes gibt es sogar einen speziellen Briefkasten für Briefe an den „unsterblichen“ Poeten. Nicht nur das Museum in der alten Mühle ist Rimbaud gewidmet. Gleich auf der anderen Straßenseite ist dort, wo der Dichter in seiner Jugendzeit wohnte, ist die „Maison des Ailleurs“, das „Haus des Woanders seins“ zu besichtigen. Die Tapeten stammen noch aus dem 19. Jahrhundert, ansonsten wird mit viel technischem Aufwand die Phantasie der Besucher stimuliert. Von diesem Haus hatte Rimbaud einen besonderen Blick auf das Maasufer. Die Hausboote, den 3-Sterne-Campingplatz, der jetzt nur durch eine Fußgängerbrücke vom Stadtzentrum getrennt liegt, gab es bestimmt damals noch nicht.

Wir bewegen uns wieder in die Innenstadt, durch breite, symmetrisch angelegte Straßen. Im 17. Jahrhundert war Charleville ein Modell moderner Stadtplanung und selbst Zar Peter der Große soll sich für Sankt Petersburg von der Ardennenstadt inspirieren lassen haben.

In den Straßen der Stadt herrscht alle zwei Jahre im September großer Trubel. Seit 00 Charleville place Ducale 02 crédit photo Contextes - J. Villadem zweiten Weltkrieg gibt es in Charleville eine Puppenspielertradition, die alle zwei Jahre im „Weltfestival der Puppentheater“ gipfelt. 150.000 Zuschauer kommen dann an zehn Tagen in die Welthauptstadt des Puppenspiels. Und dabei sind die Aufführungen keinesfalls Kindern vorbehalten. Das letzte Festival ist gerade erst vorbei und das nächste wird für September 2015 vorbereitet. Aber ein riesiges Uhrwerk in der Hauswand des Internationalen Marionetteninstituts stellt einen gigantischen Puppenspieler dar. Sein Bauch in Form eines Theaters öffnet sich jede volle Stunde, und eine Szene aus der europäischen Haimonslegende wird aufgeführt.

00 Charleville Grand Marionnettiste crédit photo Greg OxleyFür den Besuch des modernen „Ardennenmuseums“ gleich nebenan, reicht leider die Zeit nicht. Wir wollen schließlich noch einen Eindruck von Mézières bekommen. Die beiden Städte waren baulich bereits zusammengewachsen, als sie 1966 offiziell vereint wurden. Mézières ist der ältere Stadtteil, aus dem 9. Jahrhundert. Hier gibt es noch alte Gräben und Stadtmauern. Aber die größte Sehenswürdigkeit befindet sich in der Basilika „Notre Dame d‘Espérance“. Die Kirche war im zweiten Weltkrieg beschädigt worden, und mehr als 1.000 m² Kirchenfenster wurden von René Dürrbach, einem Freund Picassos, durch moderne Glaskunst ersetzt. Die Lichteffekte, die sich bei Sonnenschein in der Basilika bieten, sind großartig.

Nach so vielen Besichtigungen möchten wir uns ein wenig stärken und steuern zum 00 Charleville Mézières Grand Marionnettiste 03 crédit photo CRTCAMittagessen eine typische „Brasserie“ in der Fußgängerzone an. Welche lokalen Spezialitäten stehen wohl auf der Speisekarte? Die nette Bedienung gerät ins Schwärmen: „ Sie können den echten Ardenner Schinken, der mindestens 270 Tage luftgetrocknet wird probieren, oder aber die elegante Weißwurst aus dem nahen Rethel. Cidre wird in den Vorardennen hergestellt und als Dessert bietet sich ein kugelhupfartiger „Gateau Mollet“ oder ein Zuckerkuchen „Tarte auf Suc‘“ an. Und zum Café empfehle ich „Schiefertäfelchen“ aus Nougat und Schokolade, die den architektonischen Besonderheiten der Stadt nachempfunden sind!“ Wir sind mit der freundlichen Dame einig: Charleville-Mézières verdient sowohl architektonisch als auch gastronomisch das Gütesiegel „Ville d’Art et d’Histoire“.

Islay – Hochprozentige Seelentröster im Schottenrock

K1600_Islay, Bild 1Na klar! Wer nach Islay (sprich Eila) kommt, der will trinken. Sich mit sinnlichem Vergnügen dem hochprozentigen Freund hingeben, der hier, in der Abgeschiedenheit einer vom Atlantik umspülten Hebrideninsel, jeden Tag neu geboren wird. Und zwar Fassweise! Whisky. Single Malt. Das Beste vom Besten. Ardbeg, Lagavulin, Bunnahabhain, Laphroaig, Bruichladdich, Caol Ila, Kilchoman, voller Ehrfurcht nennt der Whiskykenner die hochprozentigen Namen, die aus dem Keltischen stammen, und dem Ausländer akustisch alles andere als flüssig über die Lippen gehen. Als Getränk tun sie das allemal. Wie es dem Ritual entspricht, schwenkt der Malz-Freund andächtig die bernsteinfarbene Flüssigkeit, die sich da leicht ölig im Glase rekelt und atmet mit Kennermiene ihr rauchiges, torfiges Bukett ein. Es macht Islay-Whisky erst zu Islay-Whisky. Tropfen für Tropfen lässt er sich ihn auf der Zunge zergehen und stöhnt voller Wohlgefallen: Was für ein charaktervoller Abgang!

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Islay gehört zur Inselkette der Inneren Hebriden. Die eher flache Whiskyschatzinsel, die zu einem guten Drittel von Torfmoor bedeckt ist, misst zirka 40 km in der Länge und 32 km in der Breite. Genug Raum für 3 700 Einwohner, acht Destillerien, sechs Städtchen, 15 000 Rinder, 20 000 Schafe, 30 000 überwinternde Wildgänse und eine uralte, bis heute lebendige Geschichte. Wie ein Leuchtturm ragt aus ihr das 14./15. Jahrhundert hervor. Die hehre Zeit des Inselkönigreichs – „The Lordship oft the Isles“! Der MacDonald-Clan regierte von Islay aus die Äußeren und Inneren Hebriden, Teile Nordirlands und der Highlands. Was von jener Zeit geblieben, kann man in Finlaggan Castle besichtigen. K1600_Bild 10, die Reste von Finlaggan Castle (1)

Die einst so ruhmreiche Burg ist verfallen, und von der Kapelle, in der König MacDonald den Segen Gottes erhielt, stehen nur noch die Grundmauern. Trotzdem lohnt ein Besuch. Allein der herrlichen Lage der Burgruine wegen, die auf einer kleinen Insel inmitten eines malerischen Süßwassersees liegt.

Mit gut 800 Einwohnern ist Bowmore die „Hauptstadt“ von Islay. Auf einer steilen Anhöhe, die Hauptstraße führt direkt darauf zu, steht die Church of Kilarrow und blickt auf das Städtlein herab. Die weiße Kirche, 1767 erbaut, ist ohne Ecken und Kanten. Mit anderen Worten, sie ist vollkommen rund. Der Teufel, der ja bekanntlich den Schnaps erfand, wollte Gott mit Islay-Malt zum Trinken verführen. Als erstes bestach er die Engel. Gestattete ihnen einen Anteil aus den Whiskyfässern, den sogenannten „angel’s share“, der im Laufe der Jahre per Verdunstung aus den Holzfässern entweicht. Dann wollte sich der Herr der Finsternis Gott „gefügig“ machen. Doch der Schöpfer von Himmel und Erden widerstand. Um jede weitere Versuchung zu unterbinden, bauten die frommen Leute von Bowmore ihm die runde Kirche, in der Satan bis heute nicht eine Ecke findet, hinter der er sich verstecken kann.

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Über der Insellandschaft liegt etwas Schwermütiges. Rot und riesig ist die Heide. Sorgsam aufgeschichtet trennen Steinwälle das Land. Schafe grasen entlang der Torfabstiche. Islay hat viele schöne Gesichter. Steilküsten wechseln mit Moorland, Acker- und satte Wiesenflächen bieten seltenen Vogelarten Lebensraum. In der Laggan Bay wartet ein fast menschenleerer, traumhaft schöner Sandstrand (11 km lang) darauf, von Touristen entdeckt zu werden. Der sonnige Herbst 2009 täuscht allerdings ein wenig darüber hinweg, wie unfreundlich sich der Atlantik zuweilen aufführen kann. Gern schickt er der Insel gewaltige Stürme und wahre Regenfluten. Kein Wunder, dass das Wetter ein ewiges Thema der Inselbewohner ist. Ebenso wie der Whisky, den man braucht, um das Wetter zu ertragen.

K1600_Islay, Bild 7Whisky ist der größte Arbeitgeber von Islay. Er gibt den Torfstechern, den Bauern, die die Gerste produzieren, den Lastkraftwagenfahrern, den Fremdenverkehrsführern, den Arbeitern in den Brennereien Lohn und Brot. Übrigens sehen die Destillerien alle gleich aus. Schon von weitem erkennt man die weißgetünchten Gebäude mit den 2 Pagodentürmen in chinesischem Stil. Und doch brennt jede „Whiskybude“ ihr eigenes, unverwechselbares Lebenswasser. Hunderte Aromastoffe hat man in den Islay-Whiskys gefunden. Der Ardbeg ist ein „erdiger Whisky mit einem Anflug süßer Melancholie“ (Werbepoesie), der Bruichladdich blass in der Farbe und eher zart, der Bunnahabhain von malziger Süße. Kein Mensch weiß, wie ein so einfaches Gemisch aus Gerste, Wasser und Hefe (plus reiner Islay-Luft und schottischem Torf) so unterschiedliche Geschmacksrichtungen hervorbringen kann. Eines aber haben alle gemeinsam: Sie sind gesund. In einem alten, sehr weisen Buch steht zu lesen, dass Whisky die Verdauung unterstützt, gegen Gallensteine, Nierengrieß, Schielen, Darmkollern und Lispeln hilft, schlaffe Muskeln und zittrige Hände verhindert, das Herz erfrischt und die Seele leicht macht. Na denn: Auf nach Islay!

Text und Photos Bernd Siegmund

Holland: Der Sinterklaas kommt an

Sinterklaas Parade

Während sich die Kinder hierzulande noch ein wenig gedulden müssen, starten die holländischen Kleinen bereits Mitte November in die Weihnachtszeit. Gespannt erwarten sie die Ankunft des Nikolaus, der auf Holländisch „Sinterklaas“ heißt. Die niederländischen Kinder glauben, dass er jedes Jahr mit einem Dampfboot aus dem fernen Spanien anreist, um Kinder zu beschenken – und wenn nötig, sie zu tadeln oder gar mit zurück nach Spanien zu nehmen.
Offiziell landet Sinterklaas am 16. November zum 66. Mal mit seinem Schiff in den Niederlanden, diesmal in Groningen. Anschließend reist er bis zum 5. Dezember durch das ganze Land. Sinterklaas besucht die Kinder immer ein bisschen früher als sein deutsches Pendant: Der eigentliche Nikolaus-Tag findet nicht wie in Deutschland am 6., sondern am Abend des 5. Dezembers statt. Mit der Landung von Sinterklaas wird traditionell die Weihnachtssaison in den Niederlanden eröffnet. Stimmungsvolle  Weihnachtsmärkte, fantasievolle Festivals, festlich beleuchtete Städte und adventliche Ausstellungen locken Besucher aller Altersklassen an.

Besonders spektakulär ist die Parade, die zu Ehren von Sinterklaas durch Amsterdam zieht. Diese Parade hat 2013 ihr Jubiläum, denn Sinterklaas feiert seine 75. Ankunft in Amsterdam. Am 17. November werden neben Sinterklaas rund 700 „Schwarze Peter“ erwartet, die in prächtigen Wagen durch Amsterdam fahren und 5.000 Kilogramm Gebäck an die 300.000 erwarteten Kinder, Eltern und Großeltern am Straßenrand verteilen. Während des Einzugs spielen ungefähr acht Pietenbands, die für gute Stimmung sorgen. Die Fahrt führt vom Fluss Amstel zum Schifffahrtsmuseum. Bei dem etwa ein Kilometer langen Festzug handelt es sich nach Angaben der Veranstalter um die längste Nikolaus-Parade der Welt.

 

Frankreich: Die Insel des Marinemalers

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«Bald fahren wir zur Ile d’Yeu» sagte meine Frau. Ich hatte zunächst „Ile Dieu“ verstanden, was im Französischen so viel bedeutet wie Insel Gottes. Das wäre gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, schließlich liegt die Insel in Frankreich und die Atlantikküste hat allgemein einen guten Ruf.

Auf dieser Insel hatte lange Zeit der Großvater meiner Frau gelebt. Der 1999 verstorbene Mann war offizieller Maler der französischen Marine, eine seltene Auszeichnung für hervorragende Arbeit von Künstlern, die vor allem Meereslandschaften, Häfen und Schiffe auf ihre Leinwand bannen. Jean Rigaud gehörte zu den Bekannten unter ihnen. Zahlreiche Werke in großen französischen Museen, wie der „Hafen von La Rochelle“ im Pariser Marinemuseum oder der „Felsen von Yport“ ebenfalls in Paris im Museum für moderne Kunst, tragen seine Unterschrift mit dem Marineanker.

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Der Maler hatte sich 1955 in die kleine Insel Yeu verliebt, ist von den Einwohnern akzeptiert worden und hatte einige Jahre später dort ein Haus mit Künstleratelier ganz im Stil der Region erbaut.

Vor Ort werden wir von einer Tochter des Malers erwartet, die uns, ganz französisch, mit einem schmackhaften Diner empfängt. Fischsuppe mit Croutons, eine Spinat-Tarte, dazu schmeckt ein süffiger Rosé-Wein der Vendée. Doch noch bevor wir das Dessert gekostet haben, ziehe ich ein Buch über Jean Rigaud aus meiner Reisetasche. „S’il vous plaît Madame, erzählen Sie uns!“. Die Bilder, die der Marinemaler auf seiner Insel in vielen Jahren geschaffen hat, haben wir bereits genau betrachtet. Wir möchten gerne die Insel entdecken, und die Malerei soll uns als Wegweiser dienen. Noch am selben Abend markiert uns die nette Dame die „Anse des Broches“, den Schiffsfriedhof, „Saint Sauveur“, „Ker Chalon“ und noch manch andere Orte, an denen Jean Rigaud seine Staffelei aufgestellt hatte, auf einer Karte der kleinen Insel, die mit dem Fahrrad in einigen Stunden zu umrunden ist.

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Mit Fahrrädern machen wir uns am nächsten Morgen auf Entdeckungstour. Am Hafen werden Leihräder angeboten, aber wir finden einige ältere Modelle in einem Schuppen zwischen alten Bilderrahmen, Blechdosen mit Pinseln und Terpentinbüchsen.

Zunächst geht es nach „Port Joinville“, dem quirligen Hauptort der Insel. Die Straßen sind ein einziges Gewirr aus Fußgängern, Radfahrern und alten 2 CV Modellen. Normalerweise hat der Ort etwa 4.000 Einwohner, doch im Sommer verfünffacht sich die Zahl. Hier kommen je nach Gezeiten die Fähren vom Festland an und bringen neue Urlauber und Tagesausflügler. Vor einem Fischgeschäft wird ein toter Hai in den Auslagen bestaunt. Antiquitätenläden, Fahrradverleih, Bars.

Uns zieht es zur „Coopérative Maritime“, wo man alles findet, was ein Seemann benötigt: Barometer, Stiefel, Schnüre und Kordeln, Tauchanzüge, Bücher zur Meereskunde. Unter den Fachbüchern ist auch ein Farbband über Werke der Marinemaler, in dem uns zwei „Jean Rigaud“ begegnen.

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Jetzt zieht es uns in die kleinen engen Gassen des Ortes in Richtung zur Kirche hinauf. Wir müssen den Ort, an dem der Marinemaler seine Staffelei aufgestellt hatte, um dieses Bild von Port Joinville 1961 zu malen, nicht lange suchen. In mehr als fünfzig Jahren hat sich hier kaum etwas verändert. Wir können jede Linie des Bildes in der Natur nachvollziehen.

Die westliche Küste ist wild und voller Granitfelsen. Als wir an der „Pointe du But“ von den Rädern steigen, fährt ein Fischkutter mit rostroten und weißen Segeln an uns vorüber. Etwas weiter liegt eine Bucht mit feinem Sandstrand: die „Anse des Broches“. Die Szenerie, die wir als 1991 gemaltes 50×73 cm Ölbild kennen, liegt in voller Größe vor uns. Diese Perspektive hatte der Maler ausgewählt, und selbst die kleinen Hüttchen, in denen die Fischer ihr Material aufbewahren, sind noch unverändert vorhanden. Nur der Himmel ist heute etwas freundlicher als auf dem Gemälde von Jean Rigaud.

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Auf der Fahrt nach „Saint Sauveur“ begegnen uns wieder Fahrräder in Massen. Sie sind hier das Hauptverkehrsmittel. Am großen Leuchtturm vorbei und am winzigen, tief eingeschnittenen Hafen von „La Meule“, erreichen wir den Ort im Zentrum der Insel mit seiner beeindruckenden romanischen Kirche aus dem 11. Jahrhundert. Hier findet allmorgendlich ein kleiner Markt statt. Die „Patisserie Mousnier“, die wie eine Puppenstube anmutet, verkauft die besten Pflaumenkuchen, die Spezialität der Insel und „Betchet“, kleine trockene Kuchen in Brötchenform. Wir suchen eine Perspektive, die Jean Rigaud als Ölgemälde 1963 auf eine 40×100 cm große Leinwand gebannt hat. Eine markante Turmruine hilft uns weiter. Die Häuser sind hier wie überall auf der Insel ebenerdig, weiß getüncht und mit blauen Blendläden versehen. Eine Kiefer, die auf dem Gemälde bedeutend kleiner ist, zeigt uns die vergangene Zeit. Auf dem Ölbild stehen die hellen Häuser in starkem Kontrast zu einem tiefdunklen Himmel.

Uns ist der Wettergott wohl gesonnen und schickt Sonnenstrahlen in Fülle vom Himmel. Das genießen auch die Touristen, die durch die engen Gassen des historischen Ortes schlendern. Für sie ist die Insel ein Paradies zum Baden in versteckten Sandbuchten, Bräunen, Tauchen, Segeln, Promenieren und Nichtstun. Für uns ist die Ile d’Yeu die Insel des Marinemalers.

Jörg Hartwig

 

Irland: Polyglott on tour

Polyglott on tourDer benutzerfreundliche Polyglott-Reiseführer von Rasso Knoller und Christian Nowak  mit innovativem Tourenkonzept bringt den Leser zu den schönsten Reisezielen Irlands. Entdecken Sie mit Polyglott on tour Dublin, Belfast und die Cliffs of Moher. Der Reiseführer enthält zusätzlich 24 Touren, z. B. rund um Athlone. Neben einem ausführlichem Infoteil verraten die Autoren in dem Buch auch ihre Lieblingsziele auf der “grünen Insel.“